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Wie lebt man "intensiver"?

lzowc{ost90 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen

Zuerst möchte ich mich kurz vorstellen: ich bin m, 25ig, Student und beschäftige mich in der Freizeit mit der Fliegerei (hab selber den Pilotenschein in der Sportfliegerei für Motorflugzeuge), fotografiere gerne und bin auch gerne draussen (trinke ein Bierchen mit Kollegen am See, mache eine Biketour, geh im Sommer schwimmen,...). Ich hatte bis vor kurzem eine Freundin, waren knapp 2 Jahre zusammen. Gleichzeitig habe ich aber schon immer auch bisschen den Jungs nachgeschaut, hab mich auch schon mit Jungs getroffen. Würde mich selber also als bi bezeichnen, aber bin nirgends geoutet (ausser vielleicht bei den Kollegen, aber nur indirekt mit Sprüchen wie "bi curious" oder "bisschen bi schadet nie").

Dennoch habe ich irgendwie das Gefühl, dass ich was in meinem Leben verpasse. Ich weiss einfach nicht was. Ich sehe einfach, wie die Tage vorbeigehen.. und zwar so rasant wie ich das noch nie erlebt habe. Durch eine gewisse Routine scheint jeder Tag gleich zu sein (man steht auf, macht sich einen Kaffee, arbeitet bisschen was für die Uni, geht nachmittags kurz eine Fahrradtour machen, um die frische Luft zu geniessen und haut sich abends vor den Fernseher). Klar gibt es Unterbrüche in dieser Route (man unternimmt etwas am Wochenende, trifft sich mit Freunden,...). Dennoch habe ich das Bedürfnis, intensiver zu leben.. mehr zu erleben, mehr Erfahrungen zu sammeln.. einfach alles mögliche zu machen, was man machen könnte. Irgendwie hab ich dann aber immer das Gefühl, dass ich mich irgendwie selber blockiere ("ich muss an der Arbeit weiterarbeiten, sonst werde ich bis zum Abgabetermin nicht fertig") oder nicht weiss, was ich jetzt machen soll ("auf eine Fahrradtour habe ich keine Lust irgendwie, die Kollegen haben heute auch keine Zeit").

Wie macht ihr das? Wie könnte man intensiver leben? Ich habe einmal irgendwo aufgeschnappt, dass je mehr Abwechslung ein Tag bringt, desto länger kommt einem der Tag auch vor. Das hört sich für mich auch plausibel an. Aber man hat ja dennoch seine Verpflichtungen und kann nicht immer machen, wozu man gerade Lust hat. Oder man hat gerade ein wenig Zeit, hat aber irgendwie gerade zu nichts Lust; dann bringt es ja auch nicht, wenn man sich zu etwas zwingt. Aber jeden Tag, den ich irgendwie nicht so intensiv erlebe, habe ich gleich das Gefühl, dass es ein verschwendeter Tag ist... ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag älter werde ohne was zu erleben und das finde ich schade. Deshalb habe ich auch angefangen, verschiedene Sachen einfach zu machen (z.B. mich mit Jungs treffen.. mit dem hätte ich auch früher beginne können.. zudem bewundere ich jene, die z.B. offen mit ihrer Homosexualität umgehen können.. sie wissen, was sie wollen. Ich als bi habe dann das Gefühl "ich kann mich nicht entscheiden", so kann ich mich nicht auf etwas konzentrieren.. beispielsweise beim kennenlernen: die homosexuellen können sich auf ihr Geschlecht konzentrieren, ich schaue beiden nach.. aber dadurch scheint mir die "Suche nach der/dem Richtige(n) oberflächlich, wodurch ich auch wieder Zeit verliere, usw.) (lange Klammer, ich weiss ;-D ).

Also wie ihr seht: ich habe das Problem, dass ich das Gefühl habe, die Zeit zu verlieren. Ich möchte irgendwie nicht älter werden, möchte alles was man nur kann erlebt haben.. so dass ich im Alter dann nicht sagen muss: "Ach, hätte ich bloss".. das möchte ich nicht und der Gedanke macht mich auch irgendwie je länger auch fertig. Klar könnte man sagen "jeder bereut was in seinem Leben".. aber genau das möchte ich verhindern. Wie ich einmal gehört habe: "Ich möchte nicht die Sünden bereuen, die ich nie begangen habe".. wie hole ich also das Beste aus meiner Zeit? Wie lebe ich intensiver? Wie werde ich das Gefühl los, die Zeit zu verlieren.. muss da in meinem Kopf mal bisschen Ordnung schaffen :=o

Vielen Dank für Eure Gedanken und Inputs @:)

Antworten
LTanaKA3


Hallo lowcost90 *:)

das ist, wie ich finde, eine sehr gute Frage und ich hoffe, dass hier einige Gute Ideen zustande kommen. Ich habe manchmal auch solche Phasen, in denen ich glaube, alles verläuft wahnsinnig schnell und ich die Zeit gleitet mir aus den Händen.

Vor ein paar Wochen stellte ein Bekannter die These auf "Rentner erleben die Zeit viel schneller als andere, weil sie immer den gleichen Trott haben. Wogegen Kinder die Zeit viel intensiver erleben, weil sie ständig so viel Neues lernen und entdecken"

Ich glaube, dass stimmt nicht so ganz. Wenn ich auf meine letzten 3 Jahre zurückblicke, was da alles passiert ist, das war alles andere als eintönig und langweilig. Dennoch sind sie für mein Empfinden so wahnsinnig schnell vergangen. Ich kann mir das nicht erklären.

Aber jeden Tag, den ich irgendwie nicht so intensiv erlebe, habe ich gleich das Gefühl, dass es ein verschwendeter Tag ist

Glaube ich dir, das geht mir auch so.

Aber dann sehe ich wieder nach vorn. Plane, z.B. meine Wochenenden, meinen Urlaub und freue mich auf diese Zeit. Ich versuche etwas zu bewirken. Ich bin jemand, der glücklich ist, wenn er anderen zum Glück verhilft. Mache meinen Eltern, Freunden, Bekannten Überraschungen (z.B. besuche Sie, schicke Päckchen, bringe mal einen Kuchen auf Arbeit mit). Deren Freude wirkt auf mich intensiv und dann denke ich am Abend "wenn ich jetzt sterbe, dann war es nicht umsonst". :)_

Vielleicht sollte man sich jeden Tag ein Ziel setzen: "Heute räume ich die Wohnung auf." "Morgen fahre ich 10km mit dem Rad", "Am Wochenende bringe ich meiner Mutter einen Strauß Blumen vorbei". So etwas in der Art? Wenn man sich bewusst macht, dass man etwas geschafft hat, was man sich vorgenommen hat. Das lässt einen doch stolz auf sich sein. Dann ist man zufrieden mit sich.

So zumindest, lässt es mich die Dinge intensiver betrachten.

Liebe Grüße, ich hoffe hier kommen noch ein paar interessante Ansichten :)z

D2umxal


lowcost90

Da hat wohl jemand Hummeln im Hintern. Was möchtest du denn so "erleben"? Was hindert dich?

C^omxran


Kann es sein, dass du für dein Alter etwas zu "satt" bist? ":/

Aus was für einem Elternhaus kommst du und wie unterhältst du dein Leben finanziell? Was studierst du, dass du jeden Tag nur "ein bisschen was für die Uni" tun musst und danach eine Fahrradtour machst?

Ich kann mich irren, aber jemand, der mit 25 einen Flugschein hat und neben der Uni noch Freizeit ohne Ende, den stecke ich unwillkürlich in die Rubrik "Sohn vermögender Eltern", d.h. du lebst ohne großes Risiko und musst dir keine Gedanken an morgen machen. Das bedeutet aber auch, dass du dir noch nichts aus eigener Kraft aufgebaut hättest - und das könnte dein Gefühl erklären, dass das Leben für dich eher so ein chronologischer Ablauf der Zeit ist und dir echte Ziele und Herausforderungen mit Höhen und Tiefen einfach fehlen.

Wenn ich richtig liege, dann empfehle ich dir, genau diese Dinge mal loszulassen, um das Leben mehr fühlen zu können. Z.B. mal ein FSJ in der Entwicklungshilfe zu verbringen.

Was ich aber nicht verstehe, ist, warum du "intensiver Leben" mit deiner sexuellen Ausrichtung vermischst. Wenn es ausschließlich darum geht, liege ich mit meiner Interpretation natürlich falsch. Aber ich werde auch nicht ganz schlau draus. Vielleicht du auch noch nicht? ;-)

O6ptimi$smuxs


Für mich ist intensiver leben nicht gleichbedeutend mit immer mehr erleben.

Ich versuche es mit einer Metapher... Wenn ich einen Kaffe trinke, habe ich zwei Möglichkeiten, dies zu tun.

1) Ich stürze ihn hinunter, um möglichst schnell mehr Energie zu haben und gehe dabei bereits meine nächsten drei geplanten Projekte durch.

2) Ich rieche den Duft, bereits vor dem ersten Schluck. Ich sehe das Schaumkrönchen, das sich in einem Muster präsentiert - vielleicht kann ich sogar eine Form darin erkennen? Nun geniesse ich meinen Kaffee Schluck für Schluck, koste das Aroma, spüre die Wärme im Mund, im Schlund und vielleicht sogar noch im Magen. Dazwischen höre ich das Vogelgezwitscher, Lachen von Kindern, ein vorbeifahrendes Auto. Und noch immer ist da der Kaffeeduft. In der Tasse hat sich ein kleiner Rand gebildet, weil sie ja nicht mehr voll ist. Ich nehme den nächste, vielleicht inzwischen letzten Schluck. Dieser ist nicht mehr ganz so warm wie der erste, aber immer noch warm. Der Geschmack hat sich nicht verändert. Ich freue mich, dass ich diese kleine Pause/Auszeit habe.

Es ist zwei mal die gleiche "Tätigkeit". Wie intensiv ich sie erlebe, hängt zu einem grossen Teil davon ab, wie ich sie gestalte und ob ich wirklich im Hier und Jetzt bei der Sache bin, oder ob ich im Geiste schon drei Schritte weiter bin.

Ich habe einige Jahre auf der Überholspur gelebt. Was hat es mir gebracht? Bluthochdruck, graue Haare und das ständige Gefühl, noch etwas mehr zu müssen. Wie schnell so etwas vorbei sein kann, habe ich hautnah miterlebt. Ich kann nur empfehlen: Tue, was Du tust (und Hetze nicht in Gedanken schon weiter). Ich lebe weitaus intensiver, als noch vor einige Jahren, obwohl ich "weniger" tue.

C*omxran


Ich sehe das Schaumkrönchen, das sich in einem Muster präsentiert

Mensch, freue ich mich jetzt auf mein Feierabendbier. Und du sprichst von Kaffee... ;-D :=o

Eevolu<zzexr


Du bist einer von diesen Getriebenen. Entschleunigung ist angesagt. Gönne dir mal ein gutes Buch, z.B. "Die Entdeckung der Langsamkeit".

SNaSsa2x0


Ich sehe dein Problem nicht.

Ich würde mir eher Gedanken machen, wenn jeder Tag eine Qual wäre und ich mir nur herbei sehne alt zu werden.

Für mich liest sich dein Fall als ob du sehr intensiv lebst.

Wenn ich richtig liege, dann empfehle ich dir, genau diese Dinge mal loszulassen, um das Leben mehr fühlen zu können. Z.B. mal ein FSJ in der Entwicklungshilfe zu verbringen.

Wenn er mitten im Studium ist, wird er jetzt sicher nicht unterbrechen und ein FSJ machen.

Ob er reiche Eltern hat, kann man doch hier gar nicht heraus leben.

Und selbst wenn. Welcher Mensch hat sich mit 25 denn schon was komplett eigenes aufgebaut.

Heute hängen die Kinder doch eh ewig bei ihren Eltern am finanziellen Tropf. Besonders wenn sie studieren.

Ephemafligerp Nutzer 5(#5x74413)


Du leidest an FOMO. Das ist ganz normal in unserer Generation aber leicht zu therapieren. Gönn dir einfach auch ein paar langsame Tage. Lies zuhause einfach mal stumpf ein Buch. Leg dich aufs Bett und hör Musik. Koch dir was schönes oder mach Marmelade, fermentiert was, was auch immer. Mit der Zeit geht auch dann das Verlangen weg ständig etwas Großes zu unternehmen und wenn du wieder Spaß an den kleinen Dingen gefunden hast, dann erlebst du diese auch intensiver.

SStatxusQuo2Vadixs


Es ist zwei mal die gleiche "Tätigkeit". Wie intensiv ich sie erlebe, hängt zu einem grossen Teil davon ab, wie ich sie gestalte und ob ich wirklich im Hier und Jetzt bei der Sache bin, oder ob ich im Geiste schon drei Schritte weiter bin.

:)^

Du leidest an FOMO.

Was, bitte? ;-D

@ TE

Quarter Life Crisis? ]:D

Ich würde Dir sagen, Du hast aller Wahrscheinlichkeit noch eine Menge Zeit, um den / die richtigen Partner(in) zu finden und noch alles zu erleben, was Du möchtest. Du bist doch noch total jung, ungebunden, scheinst nicht gerade arm zu sein...also entspann Dich ein bisschen, schau, was Du wirklich möchtest und dann ab dafür ;-)

C[oWmrxan


Ob er reiche Eltern hat, kann man doch hier gar nicht heraus leben.

Einen Flugschein mit 25 zu haben ist schon nicht ohne - neben den Flugstunden und der Prüfung musst du eine Gesundheitsprüfung machen und Vereinsmitglied werden bzw. eine Teilhabe an einer Maschine zahlen. Wenn du nämlich nicht genügend Flugstunden sammelst, wird dir der Schein wieder aberkannt. Und das ist dauerhaft kein preiswertes Hobby.

Insofern ist die Frage schon berechtigt, wie er das finanziert und parallel zum Studium offenbar nichts hinzuverdienen muss, sondern lieber ein Radtürchen macht.

Alles kein Beweis, aber ein vermögendes Elternhaus liegt schon nahe. Aber wie ich schon schrieb: ich kann mich irren.

Welcher Mensch hat sich mit 25 denn schon was komplett eigenes aufgebaut.

In diesem Alter hat man doch Ziele - kurzfristige (z.B. ein eigenes Auto oder eine eigene Wohnung unterhalten können), langfristige (vielleicht Wohneigentum, wenn man ein ausreichendes Einkommen anstrebt). Das sind doch alles Dinge, die man sich selbst aufbaut und nicht plötzlich besitzt. Ich war stolz, mit 23 eine erste Wohnung mit meiner Freundin (die noch in Ausbildung war) einrichten zu können. Das war ein hammergutes Gefühl.

EIvolu%zzer


Offensichtlich macht Geld weder glücklich noch zufrieden, also kann man dieses "reiche-Eltern-Ding" hier getrost knicken. Es gibt übrigens auch Kinder reicher Eltern, die durchaus bescheiden und genügsam ein zufriedenes Leben auf die Reihe gekriegt haben, dass Klischee braucht ergo nicht weiter bedient zu werden, da es eh nur von der eigentlichen Problematik ablenkt, nämlich der Erlangung eines Zufriedenheitsgefühls. Das hat was mit dem Belohnungssystem im Gehirn zu tun und nicht mit dem Kontostand der Eltern.

Unzufriedenheit wächst immer auf dem eigenen Mist.

TsragiRscherC*lownfxisch


Schaffe dir richtig fette Probleme an, die dir den Schweiß ins Gesicht treiben, ...das ist dann auf jeden Fall intensiv erlebt und gelebt. ;-)

Sy. wQallGisixi


Interessantes Thema, denk ich auch öfter drüber nach. Schließe mich denen an die hier zur Ruhe und so raten. Aktivität ist nur ein Teil von (intensiv) leben, Aufmerksamkeit, Anwesenheit (im jeweiligen Moment), Entspannung und Ausgeglichenheit sind andere Teile die möglicherweise solchen Durst eher löschen können.

SmoromYan


Vielen Dank für Eure Gedanken und Inputs @:)

Mein Gedanke dazu: sowas kommt eigentlich erst mit Mitte 40 und nennt sich Midlife Crisis.

Dann kaufen sich die Leute eine Harley, eine kleine Yacht oder einen Sportwagen, lernen plötzlich Golf, schlagen ihren Partnern abenteuerlich neue sexuelle Praktiken vor oder brauchen es als Grund für die Affäre außerhalb der Ehe/Partnerschaft. ]:D

Wie macht ihr das? Wie könnte man intensiver leben?

Mit Reisen - z.B. Couchsurfing für lowcost-Anhänger.

Mit ehrenamtlicher Tätigkeit.

Mit Auslandssemester oder Auslandspraktikum im Studium / mit Sabbatical von der Arbeit.

Öfter mal neue Rezepte ausprobieren.

Intensiver sehe ich als "abwechslungsreicher".

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