» »

Wie lebt man "intensiver"?

l\owycost9x0


Hallo zusammen

Vielen Dank für eure Antworten. Also als erstes möchte ich noch was ergänzen, da diese Thematik doch gerade einige Male angesprochen wurde: die Finanzen :)

@Comran

Ob ich aus einem reichen Elternhaus komme? Nein, im Gegenteil! Wir leben in einer Wohnung, die so bunt zusammengewürfelt ist wie das Haus von Pippi Langstrumpf. Unser Block ist schon so alt, dass sich Risse in den Wänden bildet und man mit den Heizungen nicht nur die eigene Wohnung heizt, sondern gleich die kühle Aussenwand mit. Seit ich das Gymnasium abgeschlossen habe, habe ich irgendwie irgendwo gearbeitet: im Zwischenjahr nach dem Gymnasium, habe Militärdienst geleistet (der ist in der Schweiz noch Pflicht und dafür wird man auch 'besoldet'), habe während des Studiums 20% im Verkauf gearbeitet und arbeite auch jetzt noch etwa 30% am Flughafen. Ich habe ein Praktikum gemacht, was auch mit einem relativ guten Praktikumslohn belohnt worden ist. Zudem habe ich stets sparsam gelebt, habe mir nicht immer die teuersten Smartphones oder Computer geleistet, sondern habe mich auch mit einem günstigeren, zwar schwächeren aber doch immer noch im Alltag gut brauchbaren Smartphone/Computer,... zufrieden gegeben. Den Flugschein habe ich mir also komplett selber finanziert, und mache das auch jetzt noch so. Und ja, ich lebe halt noch zu Hause. Diesen Kompromiss bin ich eingegangen: Flugschein, dafür noch zu Hause leben - anders wäre es nicht möglich gewesen und dafür bin ich meinen Eltern auch unendlich dankbar. Bald schliesse ich mein Studium ab, dann gehts an die Wohnungs- oder WG-suche; das kann ich kaum erwarten.

Und ganz ehrlich: jemand, der während seines Studiums gar keine (!) Zeit für eine Fahrradtour hat, der ist überhaupt nicht zu beneiden. Ich bin der Meinung, dass ein Studium nicht das ganze Leben einnehmen darf. Zudem ist eine Fahrradtour (wie lange geht das.. vielleicht geht man 1 Stunde bisschen in der Gegend rumfahren) eine gute Abwechslung, entspannt Geist und Körper und man geht anschliessend wieder gestärkt ans Lernen/Arbeiten dran. Es heisst nicht, dass ich in meinem Studium nichts zu tun habe. Im Gegenteil, ich arbeite teils auch bis in die Nacht hinein, und zwar dann, wenn es einfach gerade gut läuft und ich gut vorwärts komme. Dafür habe ich meiner Haut am Nachmittag etwas Sonne gegönnt - diese Zeit (finde ich) muss man sich wohl oder übel einfach nehmen.

Und was ich mir aus eigener Kraft erbaut habe..? Naja, ich weiss nicht ob das zählt: aber ich habe mich in meinen frühen 20iger Jahre gerne mit dem Programmieren von Webseiten auseinander gesetzt. Das hat mir Freude bereitet. Ich habe mir dafür alles selber beigebracht, ausprobiert, Fehler gemacht, von Neuem begonnen und gewisse "Projekte" abgeschlossen. Es kam soweit, dass sich eine grössere Firma bei mir gemeldet hat und mir eine Domain abkaufen wollte (ja, nur die Domain.. aber das war mir egal, ich konnte von mir behaupten, dass ich mit 20 einen Deal mit einer Firma eingegangen bin, die mehrere tausend Personen beschäftigt). Eines Tages hat mich ein Dozent einfach gefragt, ob ich Webseiten programmieren kann. Ich habe ihm gesagt, dass ich das ein wenig hobbymässig mache und habe ihm einige Beispiele gezeigt. Nun habe ich für seine Organisation das Erstellen der Webseite übernommen (mit diesem Geld konnte ich auch wieder einen Teil meiner Flugausbildung finanzieren).

Jetzt ganz allgemein: ich hatte und habe halt immer das Gefühl gehabt, möglichst viel zu machen, zu erledigen und zu erleben. Aber wahrscheinlich habt ihr auch recht..man muss ja nicht immer auf der "Überholspur" leben. Und wahrscheinlich ist es auch besser, wenn man sich wieder den kleinen Dingen widmet (einen Kuchen backen, einen Blumenstrauss vorbeibringen,..), so dass man die "grösseren" Sachen dann auch mehr zu schätzen weiss. Also halt auch bisschen im "Jetzt" leben und nicht immer denken "ohje, was ist Morgen? Wo stehe ich Morgen wenn ich jetzt das und das nicht erlebt habe?". Deshalb: fand es ein gutes Beispiel mit dem Kaffee ;-D

Somit vielen Dank für Eure Beiträge.. ihr habt da einige gute Tipps geliefert und ich bin natürlich froh, weiterhin solche Tipps hier zu erhalten ;-D

Cromrxan


Das mit der Schweiz wusste ja niemand und da läuft ja auch manches anders. ;-)

man muss ja nicht immer auf der "Überholspur" leben

Das ist wohl richtig, da es zur Normalität wird und man auch gar nicht zum Genießen kommt.

Darf ich nochmal nachhaken, warum du in deinem Beitrag deine sexuelle Orientierung so betonst? Hast du den Eindruck, hier etwas zu verpassen? Als du noch eine Partnerin hattest, hattest du da auch das Gefühl, irgendwas im Leben zu verpassen, oder hängen dieses Gefühl und die Trennung irgendwie zusammen?

Was glaube ich viele versucht haben zu sagen: man lebt intensiver, wenn man sich auf weniger konzentriert. Ich mache da selbst noch Fehler (wer ist schon frei davon), allerdings habe ich eine klare Vision, wie ich dahinkomme, wo ich hin will. Diese (Aufgabe des Berufslebens in den nächsten Jahren) ist leider für dein Alter noch keine Alternative (zumal das mit dem vermeintlich reichen Elternhaus nun geklärt ist ;-D ).

Von daher gesehen probier einfach, gelassener zu sein und nicht alles zu wollen - aber das, was du tust, richtig zu tun.

S%orom'an


Somit vielen Dank für Eure Beiträge.. ihr habt da einige gute Tipps geliefert und ich bin natürlich froh, weiterhin solche Tipps hier zu erhalten ;-D

(Eigene) Kinder sind ganz sicher auch ein Teil, das eigene Leben intensiver zu gestalten. Ich glaube, die bremsen und beschleunigen gleichzeitig. Die Zeit für sich muss man intensiver nutzen, denn sie wird knapper. Gleichzeitig bekommt man so viele neue Eindrücke, Impulse und Entwicklungen mit.

O;ptimnisxmus


lowcost90

Us welem Bitz vor Schwiiz bisch?

l&owcc%ostS90


Darf ich nochmal nachhaken, warum du in deinem Beitrag deine sexuelle Orientierung so betonst? Hast du den Eindruck, hier etwas zu verpassen? Als du noch eine Partnerin hattest, hattest du da auch das Gefühl, irgendwas im Leben zu verpassen, oder hängen dieses Gefühl und die Trennung irgendwie zusammen?

Naja.. irgendwie schon. Ich würde sowas einfach gerne erlebt haben. Ich hatte vor meiner Freundin etwas mit einem Jungen, nur ein Abend. Ich fand es irgendwie spannend, mal zu probieren und wollte das auch sicher weiter verfolgen. Leider aber hatte ich mir dann in dem Alter (ist schon etwa 5 Jahre her) gesagt: nein, irgendwie ist das doch falsch.. - heute lebe ich nach dem Motto: wenn dich etwas glücklich macht, dann ist es richtig. Deshalb will ich auch auf dieser Schiene etwas vermehrt "experimentieren". Ich habe mir selbst eingestanden, dass ich nicht hetero bin.. sondern zumindest bi :). Und es wäre schade, wenn ich in 20 Jahren zurückdenke: ach, hätte ich es doch einfach öfters ausprobiert. Mit 45 ist es vielleicht dann nicht mehr so einfach, etwas aus zu probieren mit dem gleichen Geschlecht :)

Bei meiner Partnerin hatte ich ziemlich schnell das Gefühl, dass es nicht "die Richtige" ist. Wir hatten uns gut verstanden, aber es war nicht die Liebe meines Lebens. So wirklich Gefühle hatte ich kürzlich für einen Jungen entwickelt. Ich finde in total süss, auch wenn er um einiges jünger ist wie ich und wenn wir teils bisschen unterschiedliche Ansichten haben. Ich habe mich ein paar Mal mit ihm getroffen, viel mehr ist nicht daraus geworden, was ich schade finde. Aber ich muss auch ehrlich zu mir sein: wäre etwas daraus geworden, hätte ich mich nicht getraut, das irgendjemandem zu erzählen... es hätte niemand verstanden, wieso ich mich erstens in einen Jungen verliebt hätte und zweitens in diese Art Junge. Aber ich schweife wieder ab :D.. aber ja, ich will beides einmal erlebt haben. Denn ich bin auch der Ansicht "wenn man etwas nicht ausprobiert hat, kann man nicht beurteilen, ob es gut oder schlecht ist". Deshalb wollte und will ich es weiterhin ein wenig ausleben, so dass ich mir dann später nicht vorwerfen muss "ach, hättest doch noch experimentierfreudiger sein dürfen, als du noch jung und unabhängig warst" ;-)

Von daher gesehen probier einfach, gelassener zu sein und nicht alles zu wollen - aber das, was du tust, richtig zu tun.

Hört sich gut an.. vor allem "nicht alles zu wollen". Wahrscheinlich bin ich auch zu ungeduldig mit mir selber.. das scheint kontraproduktiv zu sein ;-). Wollte früher an Weihnachten auch immer zuerst die Geschenke auspacken :)

Us welem Bitz vor Schwiiz bisch?

Us Züüri ;-). Selber?

K_leio


lowcost90

Wie macht ihr das? Wie könnte man intensiver leben? Ich habe einmal irgendwo aufgeschnappt, dass je mehr Abwechslung ein Tag bringt, desto länger kommt einem der Tag auch vor.

Mir kommt ein Tag länger vor, wenn ich Dinge intensiv, also bewusst erlebe.

Das hört sich für mich auch plausibel an. Aber man hat ja dennoch seine Verpflichtungen und kann nicht immer machen, wozu man gerade Lust hat.

Was hat das mit Intensität bzw. fehlender Intensität zu tun?

Oder man hat gerade ein wenig Zeit, hat aber irgendwie gerade zu nichts Lust; dann bringt es ja auch nicht, wenn man sich zu etwas zwingt.

Wie schaffst Du es nichts zu tun? Ich muss zumindest atmen, schauen, riechen, hören, sitzen oder stehen – das ist nicht "nichts"?

Aber jeden Tag, den ich irgendwie nicht so intensiv erlebe, habe ich gleich das Gefühl, dass es ein verschwendeter Tag ist... ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag älter werde ohne was zu erleben und das finde ich schade.

Wieso erlebst Du den Tag dann nicht einfach? Woran liegt es denn, dass Du einen Tag nicht intensiv erlebst? Woran machst Du es für Dich fest? An bestimmten Dingen? Unternehmungen? Dinge, die Du gerne tust? Woran?

Deshalb habe ich auch angefangen, verschiedene Sachen einfach zu machen (z.B. mich mit Jungs treffen.. mit dem hätte ich auch früher beginne können.. zudem bewundere ich jene, die z.B. offen mit ihrer Homosexualität umgehen können.. sie wissen, was sie wollen. Ich als bi habe dann das Gefühl "ich kann mich nicht entscheiden", so kann ich mich nicht auf etwas konzentrieren.. beispielsweise beim kennenlernen: die homosexuellen können sich auf ihr Geschlecht konzentrieren, ich schaue beiden nach.. aber dadurch scheint mir die "Suche nach der/dem Richtige(n) oberflächlich, wodurch ich auch wieder Zeit verliere, usw.) (lange Klammer, ich weiss ).

Wieso sollst Du Dich entscheiden müssen? Gehören da nicht auch Gefühle dazu? Ich verstehe diese Outing sowieso nicht. Wieso musst Du Dich explizit als bi outen? Ich verstehe jetzt aber den Zusammenhang nicht oder meinst Du, dass Du auch das deswegen machst, um bloß nichts zu verpassen, wenn Du schon bi bist?

Also wie ihr seht: ich habe das Problem, dass ich das Gefühl habe, die Zeit zu verlieren. Ich möchte irgendwie nicht älter werden, möchte alles was man nur kann erlebt haben.. so dass ich im Alter dann nicht sagen muss: "Ach, hätte ich bloss".. das möchte ich nicht und der Gedanke macht mich auch irgendwie je länger auch fertig. Klar könnte man sagen "jeder bereut was in seinem Leben".. aber genau das möchte ich verhindern. Wie ich einmal gehört habe: "Ich möchte nicht die Sünden bereuen, die ich nie begangen habe".. wie hole ich also das Beste aus meiner Zeit? Wie lebe ich intensiver? Wie werde ich das Gefühl los, die Zeit zu verlieren.. muss da in meinem Kopf mal bisschen Ordnung schaffen

Ja, so heißt es wohl, dass einem jene Dinge leid tun, die man nicht getan hat, aber ich würde das jetzt nicht auf die Quantität beziehen und auch nicht darauf, einfach wahllos Dinge zu tun, damit man sagen kann, das habe ich auch getan.

Wobei ich jetzt keinen unbedingten Zusammenhang zwischen vielen oder wenigen Dingen erleben und Intensität sehe. Intensität hat für mich nicht einmal etwas mit positiven oder negativen Gefühlen oder Dingen zu tun.

Jetzt ganz allgemein: ich hatte und habe halt immer das Gefühl gehabt, möglichst viel zu machen, zu erledigen und zu erleben.

Ich habe vieles nicht getan und werde vieles nicht tun und das wird mir auch nicht leid tun. Umgekehrt tue ich Dinge, die ich auch tun will, sogar in Zeiten, in denen es mir nicht sehr gut geht. Natürlich organisiere ich Dinge und ich hatte und habe eine Wunschliste, auf der ich die mir wichtigen Dinge eingetragen habe und sie mit der Zeit abgetragen, auch dazugefügt. Dass ich die nicht auf einmal machen konnte, war mir klar. Mit der Zeit habe ich eine ganze Menge erledigt. Es wäre aber jetzt auch keine Katastrophe, wenn ich morgen abtrete, wenn ein paar Dinge nicht erledigt wurden.

Aber wahrscheinlich habt ihr auch recht..man muss ja nicht immer auf der "Überholspur" leben. Und wahrscheinlich ist es auch besser, wenn man sich wieder den kleinen Dingen widmet (einen Kuchen backen, einen Blumenstrauss vorbeibringen,..), so dass man die "grösseren" Sachen dann auch mehr zu schätzen weiss.

Warum ist Kuchen backen eine "kleine" Sache? Wieso ist sie nicht so schätzenswert wie die "große" Sache?

Vielleicht liest Du mal diesen Faden:

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/719640/]]

Also halt auch bisschen im "Jetzt" leben und nicht immer denken "ohje, was ist Morgen? Wo stehe ich Morgen wenn ich jetzt das und das nicht erlebt habe?". Deshalb: fand es ein gutes Beispiel mit dem Kaffee

Intensiv heißt ja nicht unbedingt mehr oder weniger, sondern das, was ich auch tue, es intensiv also so bewusst wie möglich zu erleben. Denk an die japanische Teezeremonie – kann durch Kaffee ersetzt werden ;-) . Wenn ich ständig mit meinen Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft bin, kann ich den Augenblick gar nicht wahrnehmen.

OSptim)ismLus


lowcost90

BEO ;-)

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beruf, Alltag und Umwelt oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Allergien · Zahnmedizin


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH