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Nur gesprächig oder schon übergriffig?

B9righuterEdxay hat die Diskussion gestartet


Liebe Community,

ich putze seit einigen Wochen an 3 Abenden pro Woche ein Büro.

Ich schätze es, dass die wenigen Angestellten freundlich zu mir sind und mich nicht abfällig behandeln. Vor einigen Jahren habe ich es nämlich in einem Büro mal so erlebt, dass man mich als "Putze" betitelt hat.

Der Chef wechselt meistens auch ein paar Sätze mit mir. Meistens ging es bisher um das allseits beliebte Thema "Wetter".

Gestern fand ich ihn allerdings schon eine Spur zu direkt. Ist wohl seine Art, nachdem er mich schon am Anfang gefragt hatte, welche Laster ICH denn so habe (er raucht sehr viel).

Gestern erzählte er mir, wie er das Wochenende verbracht hat. Er fühle sich oft einsam, nachdem seine Lebensgefährtin verstorben ist. Bei schlechtem Wetter am Wochenende bekomme er schon richtige Depressionen.

Dann wollte er wissen, ob ich denn eine nette Freundin habe, mit der ich schon mal etwas unternehme, was ich bejahte. Es geht ihn ja nichts an, dass ich zur Zeit nur oberflächliche Bekannte habe, mit denen ich mich nur selten treffe, weil sie alle Partner haben. Daraufhin fragte er:"Und Männerbekanntschaften? Ist schwer, oder?"

Ich war ziemlich perplex, habe mir das aber hoffentlich nicht anmerken lassen. Ich antwortete, dass es mit zunehmendem Alter schwieriger würde, jemanden kennenzulernen. Wozu er meinte, dass viele Männer heutzutage eher ganz junge Frauen suchen. Was er nicht verstehen könne, weil sie sich damit selbst überfordern.

Der Chef ist übrigens Anfang 60 - schätzungsweise.

Daran habe ich wieder gemerkt, wie unsicher ich bin. Ich kann so etwas nicht locker sehen und habe schnell das Empfinden, dass bei mir eine Grenze überschritten wird. Ich war danach echt irritiert.

Wäre so ein Ausfragen nach privatem für euch ok?

Oder wäre das für euch auch eine plump vertrauliche Annäherung?

Liebe Grüße,

Brighterday

Antworten
D>umraxl


Brighterday

Klingt für mich melancholisch.

Oder wäre das für euch auch eine plump vertrauliche Annäherung?

Kann natürlich auch sein - würde ich mich aber nicht drauf versteifen.

E/hemalNiger aNutzer :(#583891x3)


Brighterday, höchstwahrscheinlich findet er dich einfach nur sympathisch und möchte sich gerne etwas unterhalten. Aber ich kann dich schon verstehen. Ich mag es auch nicht, wenn es mit Fremden gleich so persönlich/vertraulich wird. Ich reagiere in solchen Fällen dann so, dass ich nur noch knapp antworte oder "hm" sage. So hat bisher noch jeder gemerkt, dass ich auf Gespräche dieser Art keine Lust habe.

ar.fisxh


Ich kann so etwas nicht locker sehen und habe schnell das Empfinden, dass bei mir eine Grenze überschritten wird.

Das Gefühl kann Dir niemand in Abrede stellen. Wenn Du solche Gespräche nicht führen magst, musst Du es nicht. Ich würde da auch zu einem freundlich-unverbindlichen "Mh" oder anderen kurzen Antworten raten. Ich mag es auch nicht, wenn fremde Menschen so unvermittelt vertraulich tun und hätte die Frage auch als zu privat empfunden. Aber aus der Situation bist Du ja schon gut rausgekommen.

Lass Dich davon nicht zu sehr verunsichern, Menschen haben unterschiedliche Auffassungen, was angemessene Gesprächsthemen sind und vielleicht hat der Chef einfach nur Redebedarf. Man kann ja höflich und trotzdem unverbindlich bleiben und sich auf solche Gespräche nicht groß einlassen.

Arrtha9nis


Ich finde das eigentlich total nett und überhaupt nicht plump so wie du es hier erzählst, mich berührt das. Aber hier geht's ja um dich und nicht um mich und wenn es sich für dich nicht richtig anfühlt, dann ist das eben so. Was der einen gefällt kann der anderen gar nicht gefallen. Mit mir hat gestern erst ein Kollege flirten wollen und als er den Raum verlassen hat meinte ich zu meiner Arbeitskollegin "Wah, ich kann den überhaupt nicht leiden, und was der labert, als wären wir beim Speed-Dating". Das konnte sie zb auch nicht nachvollziehen und sagte mir, dass sie ihn total lieb findet wie er sich bemüht.

Jmori


Der Mann ist in einer schwierigen Situation (Tod der Lebensgefährtin, einsam, Depressionen). Wahrscheinlich möchte er sich wirklich nur mal mit einem ihm sympathischen Menschen unterhalten. Dass er dabei inhaltlich bei Dir über die Grenzen geht, ist ihm wahrscheinlich nicht bewusst.

Ich würde ihn nicht vor den Kopf stoßen, eben weil er einsam ist (und außerdem der Chef). Aber wenn ich nicht möchte, würde ich keine oder nur unverbindliche/oberflächliche Details aus meinem Leben preis geben. Man kann sich auch nett unterhalten, ohne, dass es in meinen persönlichen/privaten Bereich geht.

Sollte er noch weiter gehen, ist es aber notwendig, sanft aber bestimmt Deine Grenzen aufzuzeigen. Entweder Du sagst es direct, dass Dir das zu privat ist oder Du ziehst Dich aus der Affäre, indem Du sagst " Es ist nett, sich mit Ihnen zu unterhalten, aber ich muss jetzt meine Arbeit erledigen."

srtbeppxo25


Dezente Andeutungen, dass Du einen Lebens-Gefährten HAST, wären hier durchaus hilfreich. Interessanter Weise wird aber jede externe Empfehlung von kleinen Notlügen entrüstet abgelehnt, dieselben Leute gebrauchen dann im Alltag deren eigene Notlügen, diewo se nicht einmal vor sich selbst zugeben. Nun aber alle auf mich, mit gar erschröcklichem Gebröll! ]:D

WaalkingfGhost


@ Brighterday

"Übergriffig" ist sehr wahrscheinlich der falsche Ausdruck. Erstens war das ein rein verbaler Austausch und zweitens hast du nirgendwo Grenzen aufgezeigt, an denen dir der Gesprächsstoff zu privat wird.

Sollte das ein Annäherungsversuch gewesen sein, dann war er allenfalls aufgrund des erheblichen Altersunterschieds ziemlich abwegig. Möglicherweise handelte es sich aber auch nur um ein ganz normales Gespräch.

B[riqghteOrday


Danke für eure Antworten. :-)

Es tut mir auch ein bisschen leid, dass ich sein Verhalten so verurteilt habe.

Er hatte wohl einfach mal Redebedarf und wollte nur mal mit jemandem über seine momentane Lebenssituation sprechen. Das hat er sicherlich auch schon bei seinen Angestellten getan, aber möglicherweise war es schon zu oft und sie haben sich genervt gezeigt.

Im nachhinein hat er mir auch leid getan. Ich kenne es ja nicht, einen Lebenspartner nach vielen gemeinsamen Jahren zu verlieren. Dass man da leicht in Depressionen versinken kann, kann ich gut nachvollziehen. Er hat ja auch keine Kinder und somit auch keine Enkel, die älteren Menschen auch noch einen Lebenssinn geben können.

Eigentlich ist es ja auch abwegig, dass er mich anbaggern wollte. Nicht nur aus dem Grund, weil er mir intellektuell weit überlegen ist, sondern auch wegen des großen Altersunterschiedes. Es kam halt zuerst bei mir so an, weil er ziemlich indiskret nach meinem Privatleben fragte. Doch er war sich dessen wohl nicht bewusst.

Heute war sein Verhalten das genaue Gegenteil.

Er grüßte nur kurz und forderte mich dann auf, das Geschirr aus seinem Büro zum Spülen mitzunehmen. Den Aschenbecher ließ ich erst einmal stehen, weil ich dachte, er wolle vielleicht noch eine Zigarette rauchen. Da meinte er sehr ungehalten:"Den Aschenbecher können Sie natürlich auch mitnehmen!"

Er verabschiedete sich auch nicht, wo er mir sonst tschüss gesagt und manchmal auch noch einen schönen Abend gewünscht hat.

Ich hoffe, es hat jetzt nicht daran gelegen, dass ich am Montag in dem Gespräch eine abweisende Haltung hatte. Kann ja aber auch sein, dass er einfach nur ein launischer Mensch ist.

a{.f[isxh


Ich denke, Du brauchst Dir wirklich nicht so viele Gedanken machen und das alles nicht so sehr auf Dich zu beziehen. Wenn man verunsichert ist, glaubt man ja gerne mal, alle würden irgendwie auf einen reagieren und die Leute da drüber lachen ganz bestimmt über einen, aber das ist nur die eigene Wahrnehmung. Menschen haben tausend Sachen im Kopf und reagieren aus X Gründen so oder so, solange Du Deinen Job da gut machst, werdet ihr schon keine Probleme bekommen, grundsätzlich scheint das doch ein nettes Umfeld zu sein.

B5rKightjer8day


So ging es weiter:

Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit ihm, das mich total aus dem Konzept gebracht hat. Es ging zu sehr ins private und ich habe dummerweise seine Fragen noch brav beantwortet!

Er war sehr umgänglich drauf und erzählte mir, dass er seiner Auszubildenden fristlos gekündigt und schon eine neue eingestellt habe. Das war also schon mal der Grund für seine gute Stimmung.

Er stellte mir noch ein paar Fragen, wie es beruflich bei mir aussehe, was ich gelernt habe, etc. Das war ja noch alles ok.

Ich sagte ehrlich, dass ich von ALG II lebe, mich beruflich gerade anderweitig orientiere und in welchem Bereich ich gerne arbeiten möchte.

Fand er wohl nicht so toll und wollte wissen, ob ich denn auch genug Bewerbungen schreibe, ob ich nur in Discountern einkaufen gehe oder es mir auch woanders leisten könne.

Richtig herabwürdigend!

Dann wurde er sehr privat.

Ich wusste ja schon, dass seine langjährige Lebensgefährtin vor einigen Jahren verstorben ist. Letzte Woche sagte er, dass er deshalb ohne Arbeit nicht existieren könne. Er würde das nicht so können wie ich, nur in den Abendstunden arbeiten.

Er habe eine sehr harmonische Beziehung gehabt, in der es nie ein böses Wort gegeben habe. Auch wenn die sexuellen Aktivitäten im Laufe der Jahre nachgelassen haben, so sei er immer treu gewesen. Was ihm jetzt fehle, sei auch nicht unbedingt der Sex, sondern Liebe.

Wie es denn komme, dass eine hübsche Frau wie ich keinen passenden Partner gefunden habe. Ob ich vielleicht als junges Mädchen zu schwierig gewesen sei.

Ich habe ausweichend geantwortet, dass ich irgendwie immer an die falschen geraten bin. Er wollte wissen, ob die Männer nur das eine gewollt haben. Ich sagte, ja, unter anderem. Zu weiteren Ausführungen war ich wirklich nicht bereit.

Ok, ich kann verstehen, dass er sich einsam fühlt und Redebedarf hatte. Es ging mir aber zu weit, und ich habe mich leider nicht getraut, ihm das ganz offen zu sagen.

Seit diesem Gespräch hat sich zwischen meinem Chef und mir etwas verändert.

Ich weiß nicht, ob es ihm peinlich ist, was er da so von sich gegeben hat. Jedenfalls ist er jetzt distanzierter als vorher, sagt gerade mal noch "Guten Tag" und das war's. Bei mir ist es so, dass ich ihm ausweiche, so gut es geht.

Irgendwie ist das keine gute Basis mehr. :-(

BQigfBlueWoxlf


Mir scheint so, als hätte er genauer vorgefühlt, ob er bei dir Chancen hat und weiß jetzt sicher, dass das nicht der Fall ist und er dich deswegen so distanziert behandelt.

Das wäre so mein erster Eindruck. Und eine gute Basis sehe ich da leider auch nicht mehr.

FMeri


solange du da arbeiten kannst und er dich nicht wieder nervt ist doch jetzt alles ok.

Er wollte halt nur mal abchecken.

Auf seine art....

m~nef


Er wirkt etwas nervig, aber so wahnsinnig herabwürdigend oder übergriffig find ich das jetzt auch wieder nicht.

. Jedenfalls ist er jetzt distanzierter als vorher, sagt gerade mal noch "Guten Tag" und das war's.

Na was willst du denn? Seine Art Gespräche zu führen ist dir nicht geheuer, wenn du aber einfach deine Arbeit machst und sich der Kontakt auf Hallo und Tschüss begrenzt, ist es dir auch wieder nicht recht...

B*riOghtxerday


Danke für eure Antworten.

@ mnef

Ich hatte den Eindruck, dass sein "Sie leben von Hartz IV, da können Sie wohl nur in Discountern einkaufen" schon ein wenig abfällig klang.

Zum einen geht es ihn nichts an, wo ich mir leisten kann einzukaufen. Zum anderen haben ALDI, Lidl und Co. auch zahlungskräftige Kunden.

Übergriffig fand ich das Gespräch in dem Sinne, dass er über das Sexleben mit seiner verstorbenen Frau sprach plus Betonung seiner Treue.

Tut mir leid, ich kenne ihn schließlich nicht näher und ich finde, so ein Thema hat in einem Chef-Angestellten-Verhältnis nichts zu suchen.

Genauso wenig wie seine Frage, ob die Männer bei mir nur "das eine" wollten. Auch diese Aussage könnte man als geringschätzig interpretieren. Vielleicht kam bei ihm der Gedanke auf, dass ich nur als Betthäschen zu gebrauchen war. Doch das ist eben nur MEINE Interpretation.

Ich finde es schade, dass das vorher freundliche und lockere Verhältnis nicht mehr besteht, wo man einfach mal kurz Smalltalk gehalten hat.

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