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Arbeite viel, es wird jedoch ständig erwartet mehr zu Arbeiten

T[urnehrstWick hat die Diskussion gestartet


Hallo,

Ich bin 28 und Student und habe das Bachelorstudium gerade beendet, arbeite jedoch nun in den Semesterferien zum Master 270 Stunden. Somit bleibt dieses Jahr nur 1 Woche für Freizeit, ich bin der Meinung dass ich sehr viel Arbeite.

Jedoch werde ich von meinem privaten Umfeld ständig mit der Meinung dass ich zu wenig mache konfrontiert.

Andererseits meinen meine Kommilitonen und die mit denen ich arbeite, ich arbeite zu viel und soll mir öfters eine Pause gönnen.

Dass was ich mache wird von meinen Angehörigen kaum noch geschätzt, und als Kleinigkeit angesehen.

Dass war nicht immer so und ich habe einen wesentlichen Aufstieg hinter mir.

Zuerst hatte ich einen Hauptschulabschluss, dann wurde die Mittlere Reife nachgeholt, darauf dass Abitur, eine Ausbildung, Studium.

Alles (bis auf die Ausbildung) anfangs eher schlecht, jedoch steigetere ich mich in jeder Schulart in jedem Zeugniss und war am Ende immer ziemlich gut dabei.

Schon in der Ausbildung meinten meine Kollegen ich arbeite zu viel, und sei ein workaholic.

Als in den letzten Jahren die Wertschätzung meiner mitmenschen immer geringer wurde, habe ich nun im Studium nochmals einiges mehr gemacht, z.b. 12 statt 3 vorgeschriebener Wahlfächer. Fast jeder andere hat nur die 3 Fächer. Es war nicht einfach die 12 Fächer zu machen, und trotzdem noch in allen vorgeschriebenen Fächern immer überdurchschnittlich zu sein.

Meine Mitmenschen sind inzwischen dazu übergegangen zu meinen "ich mache dass alles doch mit Links", und es sei eine "Kleinigkeit" immer viel mehr (und teilweise ein vielfaches) dessen zu tun, was verlangt wird.

Nein dass ist es nicht. Es funktioniert überhaupt nur deshalb, weil ich inzwischen mein ganzes Leben auf optimales Arbeiten/Lernen eingerichtet habe und kaum noch Zeit mit irgendetwas anderem verbringe.

Problem daran ist, dass ich die Dinge mit denen ich selbst gerne befassen würde kaum noch tun kann und ich mir in 2015 und 2016 keine 10 freien Tage im Jahr gönne.

Wenn man zusammensitzt wundern sich einige und Fragen "Warum sagst du nichts?" "Weil bei mir außer Arbeiten/Lernen nichts mehr passiert."

Diejenigen welche am meisten meinen ich soll mehr arbeiten/lernen sind Menschen welche seit > 20 Jahren in Rente oder Hausfrau sind.

Wenn ich dann sage, "Andere arbeiten nicht so viel und haben in den Semesterferien mehrere Wochen frei." heißt es da "Die lügen alle, wollen nur nicht zugeben dass sie Arbeiten."

Ich weiß einfach nicht mehr wie ich die Anforderungen erfüllen soll.

Wie kann ich dafür sorgen, dass meine Arbeit wieder mehr anerkannt wird und die Leute im besten Fall selbst dann noch zufrieden sind, wenn ich zukünftig wieder weniger mache. Denn die aktuelle Situation ist frustrierend.

Antworten
A3gat4haO Crixstie


Das kenne ich selbst. Es liegt an einem Interessenskonflikt vor allem in einem selbst. Wenn zwei Absichten gleich stark sind, zum einen, perfekt zu sein, also alles zu schaffen, auch Unmögliches, niemals zu signalisieren, dass es zuviel wird - und zum anderen Zeit für sich selbst übrig zu behalten und an der Überforderung nicht kaputtzugehen.

Beides geht nicht. Finde heraus, was DU willst, und dann musst du dafür einstehen und das andere gleichzeitig herunterschrauben oder sogar aufgeben.

Vxer`h=uetexr


Als in den letzten Jahren die Wertschätzung meiner mitmenschen immer geringer wurde, habe ich nun im Studium nochmals einiges mehr gemacht

Weil? o.O Ich bin schockiert!

CGaram^ala x2


Als in den letzten Jahren die Wertschätzung meiner mitmenschen immer geringer wurde, habe ich nun im Studium nochmals einiges mehr gemacht

Das würde ich mal ganz schnell abstellen. Man kann sachlich erklären, was man macht und wie viel Zeit man daneben noch hat und dann ist es auch gut. Du solltest lernen auf dich selbst zu achten, dir deine 30 freien Arbeitstage zu gönnen und dein Studium so zu gestalten, dass du auch eigene Interessen verfolgen kannst. Sobald du deine eigenen Bedürfnisse wichtig nimmst und sie auch klar kommunizierst, verändert sich dein Umfeld automatisch. Solange du aber selbst das Gefühl hast nicht genug zu tun und nicht genug zu machen, auch wenn es in Wahrheit anders ist, solange wird dein Umfeld dich auch so wahrnehmen. Klingt vielleicht komisch, aber die Menschen reagieren oftmals mehr auf die Gefühle und was jemand ausstrahlt, als auf das, was er sagt und was er tatsächlich macht. Für mich klingt das so, als hättest du Angst anderen nicht zu genügen, als müsstest du ihnen etwas beweisen. Das musst du nicht.

C)hancej0q07


Ich weiß einfach nicht mehr wie ich die Anforderungen erfüllen soll.

Du solltest Dich selbst mal in einer (extra dafür geschaffenen!!!) ruhigen Minute fragen, WARUM Du überhaupt die Anforderungen anderer erfüllen möchtest?

Hast Du eigene Anforderungen an Dich? Pläne? Wünsche? Träume?

Warum sind die nicht wichtig (denn ich wette, sie weichen ab von den Anforderungen von außen)?

Wie kann ich dafür sorgen, dass meine Arbeit wieder mehr anerkannt wird

Indem Du Dich mit Menschen umgibst, die den Wert Deiner Arbeit erkennen. Denn nur wer das tut, kann auch anerkennen. Menschen wirst Du nicht verändern. Dein Umfeld, da geht das sehr wohl.

Vielleicht musst Du einfach akzeptieren, dass nicht von jedem, von dem Du es Dir wünschst, Anerkennung kommen wird. Aber da sie das ja jetzt schon nicht tut, gibt es keinen Unterschied - abgesehen von einer Verbesserung - wenn Du ab jetzt für DICH tätig wirst und nicht mehr für andere.

Peongxo


@ Turnerstick

Wenn du soviel erreicht hast, ist das toll. Aber...jetzt kommt das große ABER: Was erwartest du denn von deinen Mitmenschen? Erwartest du, das sie dir jeden Tag sagen, wie toll du bist, das du ja sooo fleissig bist....vieeel fleissiger als der Rest der meisten Menschen?

Warum willst du die Bestätigung von aussen haben? Entweder machst du das alles, weil DU es für DICH tust, oder du lässt es. Du darfst nicht erwarten, das deine Umgebung dir dafür Lobeshymnen zollt. Wenn du das nur für die Anderen tust, ist es nichts wert. Du darfst dein Leben, deine Zufriedenheit deinen Erfolg nicht von der Meinung anderer abhängig machen. Du tust es, weil du es für richtig hälst, fertig. Nicht, weil du von anderen Streicheleinheiten in Form von Bewunderung haben willst, nein, so sollte es sein, und das ist aber dein Problem. Du bettelst um Bewunderung und möchtest bemittleidet werden.

Friedrich Nietzsche sagte über das bemittleidet werden wollen:"Niemand, der etwas von sich hält, kann bemitleidet werden wollen."

Es gibt auch Menschen, die bemitleidet werden möchten. Nietzsche erläuterte, was von ihnen zu halten ist: "Der Unglückliche gewinnt eine Art von Lust in diesem Gefühl der Überlegenheit, welches das Bezeugen des Mitleides ihm zum Bewusstsein bringt; seine Einbildung erhebt sich, er ist immer noch wichtig genug, um der Welt Schmerzen zu machen. Somit ist der Durst nach Mitleid ein Durst nach Selbstgenuss, und zwar auf Unkosten der Mitmenschen; es zeigt den Menschen in der ganzen Rücksichtslosigkeit seines eigensten lieben Selbst […]". Derjenige, der nach Mitleid dürstet, wie etwa ein Ehemann, der mit einer Erkältung im Bett liegt, genießt seine Macht, die es ihm bringt, etwa bei seiner Frau Mitleid auslösen zu können. Er erfährt dadurch Selbstbestätigung, dass er bemitleidet wird, die Selbstbestätigung eines sich windenden Wurmes.

Wenn du sagst:

Diejenigen welche am meisten meinen ich soll mehr arbeiten/lernen sind Menschen welche seit > 20 Jahren in Rente oder Hausfrau sind.

ist das ganz schön überheblich von dir.

Leute, die seit 20 jahren in Rente sind, haben den Krieg mitgemacht und haben bestimmt mehr gearbeitet, als du es dir in deinen kühnsten Träumen vorstellen kannst, und den Job einer Hausfrau, den möchtest du ganz sicher nicht machen, weil der nämlich viel mehr Arbeit bedeuten kann, als das, was du in deinen...Semesterferien ...mal machst.

Wie kann ich dafür sorgen, dass meine Arbeit wieder mehr anerkannt wird und die Leute im besten Fall selbst dann noch zufrieden sind, wenn ich zukünftig wieder weniger mache

Und hier nochmal: Erwarte nichts von anderen...tu es für dich, ansonsten wirst du nie zu dir selbst und innerer Zufriedenheit finden, und hör auf, andere Menschen abzuwerten, das sie weniger machen als du, nur um dich selbst zu erhöhen. Das ist kein feiner Charakterzug und offenbart deine Unsicherheit und dein wahres Ich.

Gruß

AcBoC01


Hallo Turnerstick,

nennt sich zwanghafte Persönlichkeit (workoholic). Da fast jeder Mensch zwei Persönlichkeitstile hat kommt das unterschiedlich bei den verschiedenen Menschen raus. Es muss auch nicht unbedingt so pedantisch wirken. Man ist aber immer dabei etwas zu machen und eilt von Thema zu Thema. Ohne Erfolge zu geniesen. Antreiber: sei perfekt. Sei stark. "Denken" an erster Stelle (dann Fühlen und Verhalten) Spricht man den workoholic auf sein Verhalten an (was Du im Faden ja schreibst, man kritisiert dich) dann mag es das gar nicht hören. Das ist seine Falltür. Denken die offene Tür.

Das geht auf die Kindheit zurück: Zwanghafte versuchen der "Gute" zu sein den man ihnen in der Kindheit beigebracht hat. Zwanghafte müssen lernen dass es ok ist nicht immer etwas zu machen. also nur zu "Sein". Das bedeutet Du must die Anforderungen der Anderen nicht immer erfüllen um OK zu sein. Du bist OK so wie Du bist. Einfach so, ohne diese Bedingungen.

In der Kindheit kam der zwanghafte über sich selber zur Meinung dass er nicht Ok ist und andere Menschen Ok sind. Das wurde ihm in seiner Erziehung unterbewußt so beigebracht. Bindungsthorie -> Google.

Der zwanghafte sucht übrigens bei anderen Menschen nach Bestätigung. Ich gehe einmal davon aus, dass Du davon schon betroffen bist. Genau diese Bestärigung geben Dir deine Mitmenschen nicht und kritisieren Dein Verhalten. Kann ich verstehen dass das Dir aufstößt. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Man tut schon sein möglichstes um es recht zu machen.

Mich würde interessieren ob ich es korrekt beschrieben habe, oder ob es bei Dir so nicht zutrifft. ich möchte auch nichts unterstellen.

Zwanghafte sind übrigens sehr gute Arbeitskräfte. Normalerweise kann man da wenig negatives sagen aus beruflicher Sicht. Übrigens haben Zwanghafte eine gewisse Feindseligkeit gegenüber anderen steht in meinem Buch "Persönlichkeitstile, Joines, Stewart" . Das oben Geschriebene stammt auch nicht von mir, sondern ist im Buch so dargestellt. Ich erkenne mich da auch wieder. Das Buch überzeugt mich voll. Beschreibt alle Zusammenhänge sehr treffend.

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