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Mein Vater ist jetzt obdachlos

d;anake87


ich kann einfach nicht verstehen dass er nicht sieht was er uns damit antut...

Das kann er nicht, ist Teil seiner Erkranung.

MDocKhitxo


Kannst du recht haben Danae... aber er ist doch nicht blind und ein wenig Verstand besitzt er auch noch...

ZMim


Wie ist das mit einem Pflegeheim?

d8anaxe87


Doch er ist blind. Wenn man wirklich schlimm depressiv ist, dann wird man blind für die Umwelt, für die Bedürfnisse und Opfer, man fühlt all die Liebe nicht mehr die andere Menschen versuchen einem zu geben. Es ist als ob man in einem dunklen Loch eingesperrt sitzt, am Boden und keinen guten Grund wüsste weshalb man auch nur versuchen sollte rauszuklettern. Man hört nichts und sieht nichts mehr ausser leeren Finsternis.

Und eine Suchterkrankung wie Alkoholismus macht das noch schlimmer.

mRs92


Im Grunde bleibt nur ihr oder Männerwohnheim. Nach einer Zwangsräumung durch Mietschulden wird ihn keine Wohnungsbaugesellschaft mehr nehmen, vor allem weil er nicht mitgewirkt hat, um das zu verhindern.

Es bleibt der freie Wohnungsmarkt bei Vermietern, die keine Schufaauskunft wollen. Ist er erkennbar am Ende, werden sie ihn nicht nehmen.

Betreuung als Lösung sehe ich sehr zweifelhaft. Es sind hohe Hürden zu überwinden. Aus gutem Grund.

Letztendlich werdet ihr ihn eurer Tochter zuliebe auf die Straße setzen müssen. Meist tut sich dann doch noch ein Saufkumpel auf, wo er Unterschlupf finden kann.

Es ist gnadenlos hart, seinen Vater vor die Hunde gehen lassen zu müssen. Und doch für euch das Richtige.

Aber ruf mal beim sozialpsychiatrischen Dienst an. Vielleicht ist es in eirer Stadt anders als bei mir.

PPypthonxist


Ich würde erstmal den Begriff deeskalieren.

Der Vater ist derzeit nicht obdachlos, denn er hat zwar seine Wohnung verloren, aber du gibst ihm in deiner Wohnung verübergehend (und seien es ein paar Tage) ein Obdach. Er hat damit Möglichkeiten, sich zu waschen, sich zu ernähren, auf die Toilette zu gehen, zu schlafen, sozialen Umgang zu haben, Post an eine Adresse zu empfangen, vielleicht auch zu telefonieren und den Schutz einer Wohnung vor Regen, Sonne/Wärme, Kälte, Insekten. Das hätte ein tatsächlich Obdachloser, der auf der Straße lebt, erstmal nicht in der Form. Und er könnte ja auch Aufgaben übernehmen (Saubermachen, Garten, Tapezieren, sowas), was sicherlich wichtig für ihn ist. Und dich entlasten könnte - wenn auch nicht psychisch. Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, würde ich ihm diese Erfahrung der tatsächlichen Obdachlosigkeit ersparen (siehe unten für Vorschläge).

Also zählt erstmal eine Bestandsaufnahme:

* er ist krank (Depression, Alkoholsucht), erwerbsunfähig (durch die Krankheiten), vielleicht pflegebedürftig (kann ich nicht beurteilen), wenn ja dann Pflegestufe interessant

Aber:

* "er ist doch nicht blind und ein wenig Verstand besitzt er auch noch" -> also ist er damit mündig und geschäftsfähig, vermutlich hat er keinen Betreuer/gesetzlichen Vertreter (das was früher Vormund hieß)

Ich finde es sehr richtig, wenn du für dich erkennst: das kann so nicht weitergehen, dass er bei euch wohnt, denn die depressive Stimmung überträgt sich auf dich und die Situation überfordert dich. Was auch zu Lasten des Kindes geht.

Zwei Anlaufstellen hattest du schon genannt: Sozialpsychiatrischer Dienst, Caritas. Sozialamt fällt mir noch ein, liegt ja auf der Hand. Und dann weiter überlegen. Es gibt Wohnheime, Krankenhaus, betreutes Wohnen, Pflegeheime. Das erste, was zu klären wäre, weil es die ganze Verwaltung beeinflusst: braucht er einen Betreuer und stimmt er dem zu? Das könntest du sein, sonst wird jemand benannt. Er/sie führt dann z.B. nach Gerichtsbeschluss die Finanzen, stellt Anträge auf Erwerbsunfähigkeitsrente / Sozialhilfe und so weiter. Denn dieses System muss ja anlaufen, damit er wieder im sozialen Netz des Staates Halt findet.

Ich denke, du solltest dir deine Form der Unterstützung deines Vaters überlegen: was ist dir zumutbar und du machst es gern? Was überfordert dich? Und daraus deinen Mittelweg finden. Der ist aber weder ein komplettes Annehmen noch ein komplettes Ablehnen, sondern etwas dazwischen. Vielleicht auch mit den anderen Verwandten / Freunden etwas ausmachen: 1 Woche bleibt er hier, 1 Woche bei seiner Schwester, 1 Woche bei seinem Bruder und 1 Woche bei seinem zweiten Kind oder Freund. So teilt ihr euch die Zeit vorübergehend auf und könnt z.B. 4 Wochen überbrücken, bis eine Dauerlösung gefunden ist, und jeder hat nur 1 Woche, die er psychisch überstehen muss und danach auch wieder eine psychische Erholungsphase. Denn die externe Unterbringung muss erst angeleiert werden, auch Sozialamt, Sozialpsychiatrischer Dienst oder Caritas werden da nicht zaubern können.

Was mir noch einfällt: ein Zeltplatz (plus Zelt) kann als Überbrückung dienen, eine Gartenlaube, wo er Besuch bekommt, ein Wohnwagen nahe einem Haus mit Wasser/WC. Kommt natürlich drauf an, wie fit er noch ist. Aber ich würde ihn da nicht komplett aus der Verantwortung rauslassen.

Wenn er bei Verstand ist, lohnt sich natürlich ein lösungsorientiertes Gespräch. Na gut, das ist eine Binsenweisheit.

P=yth3onisxt


Den Rest meiner Familie interessiert sich nicht dafür, ich stehe quasi alleine da.

Interesse ist da nur eine Seite der Medaille. Hier geht es um Verpflichtungen und Menschlichkeit. Eine ganz andere Sache, die in der Eindringlichkeit auch kommuniziert werden sollte.

oqnodinsep


Hallo! Soviel ich weiss, kann man direkt bei einer Wohnungsräumung eine "Wiedereinsetzung" in eine andere Sozialwohnung, z.B: Obdachlosenheim beantragen und kriegt die auch am selben Tag. Ob es dafür jetzt zu spät ist, weil er ja nicht obdachlos ist, sondern bei Euch zur ~Untermiete wohnt, weiß ich nicht.

Ich stimme den anderen zu, die meinen, dass Du viel zu großherzig bist. Übrigens ist die Frührente endgültig abgeschafft worden, mit der Ausnahme, dass man 40 Beitragsjahre eingezahlt hat.

Mmocxhito


ms92

Ja so in etwa ist es gelaufen. Dann hätte er ja überhaupt keine Chance mehr auf eine Wohnung?!? Das kann ja nicht sein oder? Mit anderen Saufkumpel soll er sich natürlich nicht zusammen tun. Er soll ja wieder auf die Füsse kommen.

Pythonist

Pflegefall ist er nicht. Er ist so schon fit. Kann sich aber zu nichts motivieren. Er pennt nur, schaut Filme und isst was... ah und raucht mir nachts die Bude voll.

Betreuer wäre trotzdem eine gute Idee, einfach weil er selber nichts auf die Reihe bekommt.

Reden haben wir gestern versucht. Wenn er nicht weiter weiss geht er einfach. Aufteilen mit einer Woche bei meinem Bruder oder seiner Schwester haben wir auch überlegt. Aber gerade diese beiden sagen sie wollen ihn nicht. Mehr Familie habe ich nicht mehr . Ich bin selber sehr enttäuscht von meiner "Familie".

C/arama"la 2


Ich bin selber sehr enttäuscht von meiner "Familie".

Das kann ich mir vorstellen. Ich weiß aber inzwischen, dass die Mitmenschlichkeit da aufhört, wo man selbst überfordert ist und das sind im Grunde die meisten, wenn es um psychische Probleme geht. Die meisten kommen oft nicht einmal mit sich selbst zu recht und haben keine Ahnung wie, weshalb und warum sie auf ganz bestimmte Art und Weise handeln.

Und sollte dann ein Ernstfall in der Familie auftauchen, der selbst gar nicht mehr will, dann wird er hin- und hergeschoben wie der schwarze Peter und im Grunde ist er das auch, da muss man sich nichts vormachen. Du selbst hast deinen Vater sicher aufgenommen, weil kein anderer ihn gewollt hat und du dich "verpflichtet" gefühlt hast, denn er ist ja dein Vater und er hat auch einiges für dich getan, denke ich. Das ist auch richtig, aber man sollte sich selbst dabei nicht vergessen, sonst geht man mit demjenigen, der nicht mehr will, einfach unter. Man kann niemanden unterstützen, der selbst nicht mehr leben will. Er hat nicht das Recht dir die Bude vollzuqualmen und er hat auch Pflichten, wenn er bei dir wohnen darf. Er hat die Entscheidungsfreiheit zu lernen wieder Verantwortung für sich zu übernehmen, auch wenn es nur ganz kleine Schritte sind. Je nach Grad der Depression ist das machbar oder aber er muss sich in stationäre Behandlung begeben. Du musst ihm klar deine Grenzen der Belastbarkeit aufzeigen, damit er verstehen kann. Wenn gegenseitiges Verständnis da ist, dann kann man auch neue Wege gehen und jeder übernimmt seinen Anteil, das es gelingt. Wenn er weiß, wie es dir geht, dann kann das für ihn auch eine Hilfe sein, wieder etwas tun zu wollen. Will er kein Verständnis für deine eigene Belastbarkeit aufbringen, dann braucht er einen Betreuer. Wie soll es sonst funktionieren?

X/irarin


Er kann aber nicht auf die Füße kommen, wenn er nicht Eigenverantwortung für sein Leben übernimmt.

Und die nehmt ihr ihm ab, indem er keine Aufgaben hat (Wo wenn er sie nicht macht, es auch Konsequenzen gibt.)

Woher nimmt er eigentlich den Alkohol, wenn er doch kein Geld hat, weil nichts beantragt ist?

???

Das Rauchen würde ich ihm in meiner Bude auch verbieten, wenn es mich stört (Ich bin selbst Raucher, rauche auch in meiner Wohnung tue es aber aus RESPEKT niemals in andren Wohnungen von Nichtrauchern.)

Weckt ihn wenn ihr das Haus verlasst, klar die Gefahr ist da, dass er sich einfach wieder hinlegt, aber es kann doch nicht sein, dass er dann bis nachts um 2 in der Wohnung rumtrampelt.

Macht ihm klar, dass er nur ein GAST ist.

Das scheint er vergessen zu haben.

A2gatha cCrixstie


Du befindest dich in der Situation eine "Co-Abhängigen". Dieses Phänomen gehört zur Suchtkrankheit eines Angehörigen; wahrscheinlich hast du davon schon gehört?

Der Co-Abhängige fühlt sich verantwortlich für den Alkohol-Abhängigen (und das ist dein Vater ja), räumt ihm wenn möglich alle Steine aus dem Weg und trägt so dazu bei, seinen Zustand zu manifestieren.

Das hast du ja auch schon selbst erkannt. Dass er "das nicht sieht", was für dich und andere so auf der Hand liegt, ist doch ganz typisch. Welcher Trinker weiß nicht, dass er abnorm mit dem Alkohol umgeht - aber er verharmlost es, sieht bewusst weg, flüchtet sich in Phantasiewelten.

In dieser Lage - also in der des Co-Abhängigen, der förmlich gefangen ist in seinem Verantwortungsgefühl und seiner Liebe zum Kranken - brauchst du ebenso Hilfe wie dein Vater.

MMocLhitxo


Xirain

Er leiht sich mittlerweile Geld von Bekannten. Natürlich verheimlicht er wofür er es ausgeben möchte ( Zigaretten und Alkohol) Ich habe ein klares Alkohol und Rauchverbot ausgesprochen. Halten tut er sich nicht dran. Ich rauche auch aber eben nur draußen auch wegen meiner Tochter. Ich möchte nicht das sie den Rauch abbekommt.

Agatha Cristie

Ja wahrscheinlich befinde ich mich bereits in dieser Co Abhängigkeit. Soll ich deswegen psychologische Hilfe in Anspruch nehemen? Ich will mich gar nicht verantwortlich für ihn fühlen. Ich habe extremen Respekt...was wahrscheinlich seinen damaligen Erziehungsmethoden geschuldet ist.

Genau dieser Gefühlszwiespalt macht mich gerade so fertig. Eigentlich möchte ich ihn so wie er jetzt ist nicht hier haben . Andererseits ist er mein Vater...

M#ocvhxito


Onodisep

Er meinte da er schon seit 10 Jahren erwerbsunfähig ist bekommt er die Rente. Sonst geht er zum Anwalt ( wie er den bezahlen will wei der Geier)

40 Jahre hat er nicht einbezahlt....

Ajgathha Crrisstixe


Wenn du darunter leidest, finde ich psychologische Hilfe gar nicht verkehrt. Ich wünsche dir die Kraft, die du brauchst.

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