Forum » Beziehungen »
07.12.09 13:00
Ich wusste nicht genau, wo ich meinen Beitrag reinstellen sollte. Ich versuch's mal hier.
Zu meinem Problem: Ich bin gebürtige Sächsin und bin aus persönlichen Gründen ins tiefste Bayern gezogen. Zuerst war ich nicht so begeistert, denn man hört als Ossi (ich benutze jetzt einfach mal Ossi und Wessi ohne jemanden damit diskriminieren zu wollen) eigentlich nur schlechtes über die Wessis. Man sei als Ossi unerwünscht und würde das zu spüren bekommen; die Wessis seien alle arrogant und unfreundlich.
Ich bin nun 6 Monate hier, habe aber solche Aussagen noch nicht als wahr feststellen können. Eigentlich erlebe ich hier eine Freundlichkeit, die ich im Osten lange sehr stark vermisst habe. Die Menschen gehen sehr höflich miteinander um. Insgesamt herrscht eine Gelassenheit vor, die ich so noch nicht kannte. Mittlerweile fühle ich mich so zuhause, dass ich keinesfalls zurück möchte (auch wenn ich meine Familie vermisse) und mich auch sehr schwer tue, noch irgendetwas an meinen Landsleuten zu finden, was ich mit ihnen gemein habe.
Und genau dies ist auch mein Problem. Wenn wir in unsere Heimat fahren um unsere Familie zu besuchen, dann brauche ich garnicht schauen, wann wir in Sachsen sind (auf der Autobahn) ... ich merke es sofort an der sinnlos aggressiven Fahrweise der Fahrzeugführer. Es wird gedrängelt, geschnippelt, Reißverschlussverfahren - was ist das?, Vorfahrt genommen und "rauslassen" kann man sowieso vergessen. Ich wollte über einen Fußgängerüberweg gehen und wurde einfach nicht rübergelassen. Prima dachte ich mir.
In einem Geschäft ist es mir passiert, dass ich nicht genügend Geld dabei hatte und der Kassiervorgang storniert werden musste. Statt dass die Verkäuferin freundlich blieb, wurde ich wie ein Dummkopf und Verbrecher behandelt. Kundenfreundlichkeit habe ich auch in anderen Geschäften stark vermisst. Ich wusste garnicht, in welchem Film ich gerade bin.
Ach naja und dann gibts noch sovieles mehr; Einkaufswagen in die Beine bekommen, von einer alten Oma als arrogante Ziege beschimpft worden, weil ich zu schnell an ihr vorbei in einen Laden gelaufen bin (sie stand 5 Min vorm Geschäft und hat mich beschimpft).
Ausserdem habe ich meine Freundin besucht und da kam diese typische Diskussion auf: Ossis verdienen zu wenig für ihre Arbeit. Dass die Ossis für ihre Wohnungen aber auch nur 40% von dem zahlen, was wir zb für eine vergleichbare Wohnung bezahlen, das hat sie nur sehr sehr zähneknirschend akzeptiert. Genauso ist es mit durch Handwerk hergestellte Waren (Bäcker, Fleischer usw) sowie Dienstleistungen. Die kosten einfach mal mehr als im Osten.
Mittlerweile können mein Mann und ich solche Aussagen garnicht mehr hören. Wir sind die reichen Neuwessis und es gänge uns doch so gut mit unserem vielen Geld und die armen Ossis an die denkt hier keiner, die werden total ausgenommen. Dass hier vieles wesentlich mehr kostet und man deshalb mehr verdient, das wollen die meisten nicht begreifen. Die fühlen sich einfach komplett benachteiligt. Wenn ich dann sowas von meiner besten Freund höre, da geht mir der Hut hoch.
Was mich aber auch ärgert ist das Gejammere, dass es keine Arbeit gibt. Na klar gibt es keine Arbeit. Aber dann ist meine Heimat eben dort, WO Arbeit ist, dort wo ich nicht den Kitt aus den Fenstern essen muss. Es steht doch jedem frei seines Glückes Schmied zu sein. Wir sind auch umgezogen, damit wir eben nicht zuhause sitzen müssen und uns darüber aufregen dürfen, dass wir keine Arbeit bekommen. Uns tut es auch leid, dass wir fernab von Familien und Freunden sind.
Jedenfalls hat sich mein Empfinden dafür mittlerweile so gesteigert, dass ich eigentlich null Lust habe, mehr dort rüber zu fahren. Schon bei dem Gedanken bekomme ich Aggressionen, auch wenn ich mich andererseits auf meine Familie freue ist mein Widerstreben gegen die Leute dort riesengroß. Ich halte wirklich nichts von dieser Kategorisierungin Ossi und Wessi, aber mittlerweile kann ich es fast verstehen, dass die Mauer in den Köpfen vieler Leute immer noch existiert.
Ich weiß nicht, was genau ich durch meinen Beitrag erreichen will. Vielleicht möchte ich mir nur Luft machen, vielleicht kennt aber auch jemand dieses Empfinden und weiß, wie man damit umgehen kann.
07.12.09 13:46
Ich kenn das auch. Das Gejammere geht mir auch gehörig auf den Senkel. Früher hab ich auch immer versucht zu diskutieren. Heute stelle ich auf Durchzug. Ich lass sie reden, wenn sie fertig sind, wechsel ich das Thema.
Ich wohne schon länger nicht mehr in Deutschland und finde, dass nicht nur die "Ossis" so schlimm sind, ich denke die Deutschen allgemein sind ein Jammervolk. Das Leben in D ist ja ach so schrecklich.
Und das ist nicht nur mir aufgefallen. Wems nicht passt, der soll gehen.
Freu dich einfach auf deine Familie und schalte die Ohren ab, wenn die Jammertirade wieder anfängt. 
07.12.09 13:54
Jepp, das kenne ich auch alles! Habe Verwandte im Osten. Als wir die mal besuchten, hörten wir auch Gejammere nach dem Motto: "Jetzt sind alle arbeitslos! Es war besser mit der Mauer!" Ich habe dann darauf sowas gesagt wie, dass die Vollbeschäftigung nur auf Staatsschulden erreicht wurde. Der Staat sich damit aber völlig bankrott gemacht hat, so dass es eh nic ht mehr lange so weiter gegangen wäre - das sei ja auch der Grund für die Maueröffnung gewesen. Der Staat war pleite!
Darauf ernte ich auch zähneknirrschen und sowas wie, dass es dennoch besser gewesen sei... aargh, habe dann schon das Gefühl, dass ich schuldig sein muss.
Allerdings kenne ich auch Leute im Osten, die neue Arbeit in "westlichen Firmen" haben und begeistert sind, wie es bergauf geht. Sie loben die Verbesserung der Infrastruktur, die Renovierung der Häuser etc. ja und vor allem, dass sie sich jetzt so viel und schönere Sachen leisten können. Es geht also auch anders! 
07.12.09 17:16
diskriminieren:
Das Wort Diskriminierung stammt vom lateinischen discriminare "trennen, absondern, unterscheiden"[1][2], zu discrimen "Trennendes, Unterschied", discernere. Der spätlateinische Begriff discriminatio heißt zugleich "Scheidung" und "Absonderung". In der ursprünglichen Bedeutung (von lat.: discriminare = trennen, absondern, unterscheiden) bezeichnete er sachlich-beschreibend eine unterschiedliche Behandlung bzw. trennende Klassifizierung von Subjekten oder Objekten.
und das ist per se nichts negatives.
Zum Thema:
Diese Gegensätze zwischen den deutschen Stämmen wird doch durch die Medien gefördert: "arroganter Wessi" und "fauler Ossi". Damit die Deutschen ja nicht zusammenfinden! Und derartige Propaganda ist antideutsch.
07.12.09 17:25
Mir ist eigentlich egal, was die Medien fördern. Für mich gabs bisher nur "Deutsche" und die hatten irgendwie alle eine komische Einstellung zum Leben. 
Aber jetzt seh ich richtig die Unterschiede und die Ossis nerven mich einfach an: Frustriert, unfreundlich und jammernd. Unflexibel und uneinsichtig.
07.12.09 17:28
Jepp, das kenne ich auch alles! Habe Verwandte im Osten. Als wir die mal besuchten, hörten wir auch Gejammere nach dem Motto: "Jetzt sind alle arbeitslos! Es war besser mit der Mauer!" Ich habe dann darauf sowas gesagt wie, dass die Vollbeschäftigung nur auf Staatsschulden erreicht wurde. Der Staat sich damit aber völlig bankrott gemacht hat, so dass es eh nic ht mehr lange so weiter gegangen wäre - das sei ja auch der Grund für die Maueröffnung gewesen. Der Staat war pleite!
Nein falsch! Im Kommunismus wird der Privatkapitalismus durch einen groben Apparat namens Staatskapitalismus ersetzt, d.h. die linke Idee ist staatskapitalistisch.
Die DDR war auch nicht pleite sondern war eine recht gute Wirtschaftskraft; von wegen Staatsschulden. Die bei der Vereinigung entstandenen Schulden kamen aus dem Nichts, und da sind die Besatzungsmächte auch nicht ganz unschuldig dran.
07.12.09 19:33
Jedenfalls ich habe keine Abneigung gegen "Wessis", "Ossis", Westfalen, Bayern, Sachsen, Friesen etc.
Weil das alles völliger Unsinn ist gegen oben genannte irgendetwas zu haben, wenn dann stört mich eher das Verhalten einzelner Personen.
07.12.09 20:47
Die DDR war auch nicht pleite sondern war eine recht gute Wirtschaftskraft; von wegen Staatsschulden. Die bei der Vereinigung entstandenen Schulden kamen aus dem Nichts, und da sind die Besatzungsmächte auch nicht ganz unschuldig dran.
BITTE
!!!! Der Staat war komplett verschuldet. Er hätte sämtliche Gehälter runter schrauben müssen, was aber nicht gegangen wäre. Weiß jetzt dazu gar nichts mehr zu sagen... es war doch für jeden ersichtlich, wie kaputt die Wirtschaft dort war. Sobald man mal nach der Maueröffnung rüber fuhr, konnte man die abbruchreifen Fabriken, die kaputten Häuser, das kleine Warensortiment etc. begutachten. Dazu die niedrigen Gehälter der Menschen... die Menschen lebten in völliger ARMUT - das war eine Gleichstellung von Armut! Kann jetzt Deine Einstellung nicht nachvollziehen... wo sind denn die Zahlen, dass die Wirtschaft so bombig lief? Habe das Gefühl, Du bist noch nie drüben gewesen bzw. hast völlig falsche Informationen.
07.12.09 20:49
Wie sonst schafft man eine Vollbeschäftigung außer über Staatsverschuldung
Geht nämlich nicht... die Leuten gingen massenhaft zur Arbeit und hatten dort nix zu tun.
07.12.09 20:50
Bzw. Vollbeschäftigung geht nicht in so einer maroden armen Gesellschaft - das Geld muss ja irgendwo herkommen.
07.12.09 22:34
Die verdammten sowjets sind schuld! Die haben sich doch alle guten maschienen etc aus der DDR gegrabscht! Das was übrig war wurde dann von den ehemaligen wessis nach der vereinigung billig gekauft...
07.12.09 22:47
Na ja, es gibt eine offizielle Wahrheit und eine wahre Wahrheit in Geschichte etc. Alles das was damals passiert ist, wird heute zum Teil völlig falsch wiedergegeben.
Wenn ich da mal an die Pläne Gorbatschows zurückdenke, wo er Ostpreußen & Co. zurückgeben wollte aber Kohl und Genscher diese NICHT wollten...... 
08.12.09 00:05
Etwas OT:
Dazu die niedrigen Gehälter der Menschen... die Menschen lebten in völliger ARMUT - das war eine Gleichstellung von Armut! Kann jetzt Deine Einstellung nicht nachvollziehen... wo sind denn die Zahlen, dass die Wirtschaft so bombig lief? Habe das Gefühl, Du bist noch nie drüben gewesen bzw. hast völlig falsche Informationen.
Sicherlich war die Wirtschaft der DDR kein Musterbeispiel von guter Unternehmensführung.
Schlechte unüberlegte Invetitionstätigkeit (notwendige Erneuerungen, Reparaturen Innovationen wurden blockiert bzw. auf die lange Bank geschoben), Unflexibilität, Ineffizienz,... waren an der Tagesordnung... (im übrigen finden sich dieselben Fehler auch in großen Unternehmen im Westen in der einen oder anderen Form wieder),
Dennoch sollte man sich doch an die Fakten halten. Die DDR war ein kein unbedeutendes Exportland und hatte ein nicht unbedeutendes Bruttosozialprodukt (im Weltmaßstab) erwirtschaftet: wichtige Exporteprodukte waren u.a.:
Schiffe, Lokomotiven, Maschinen (u.a. Textilmaschinen, Werkzeugmaschinen), Krane, LKW, Mähdrescher, Traktoren, Eisenbahnwaggons, Konsumgüter wie z.B. Teppiche, Textilien, Kühlschränke, Waschmaschinen (wurden auch in Katalogen diverser westdeutscher Versandhäuser verkauft), Kali- und Steinsalz, Kunststoffe (Polyethylen, Elastomere), Fleisch (wurde in nicht unbedeutendem Maße auch in den Westen exportiert und sorgte dort für relativ niedrige Fleischpreise),....
Ich merke immer wieder: vielen Westdeutschen war nie bewusst, dass sie eine ganze Reihe DDR-Waren billig konsumierten
(die Waren fehlten übrigens nicht selten auf DDR-Seite)
Wenn jemand behauptet, ein Bürger der DDR wäre arm gewesen, der hat keine Ahnung von den tatsächlichen Verhältnissen in der DDR, darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Auch wenn der DDR-Bürger nicht die Konsummöglichkeiten wie die damalige BRD-Bürger hatten, so lebten sie im Weltmaßstab gesehen nicht so schlecht. Bildung war überdurchschnittlich gut, medizinische Versorgung war auf gutem Niveau (wenn auch kritikwürdig), die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sicher (wenn auch die Angebotsvielfalt zu wünschen übrig ließ).
Man sollte nicht vergessen: die DDR-Bürger arbeiteten zu einem nicht unerheblichen Teil für die Ableistung von Reparationsleitungen an die Sowjetunion als Folge des 2. Weltkrieges. Die DDR hatte eine deutlich schlechtere Ausgangsposition als der Westen- allein aufgrund der deutlich größeren Zerstörungen infolge des 2. Weltkrieges.
Ein Beispiel wie "arm" ein Student in der DDR war: Stipendium: monatlich 180 Mark (der DDR Student bekam Geld für das Studieren!), wenn man besonders gut war, konnte man ein Leistungsstipendium bis 150 Mark dazu bekommen (in seltenen Fällen noch mehr: Karl-Marx-Stipendium waren glaube ich sogar 450 Mark).
davon Ausgaben: 10 Mark Kosten für einen Wohnheimplatz (darin waren alle Kosten eingeschlossen), 35 Mark für Vollverpflegung (Frühstück, Mittag, Abendbrot).
Ich hatte als Student ein sehr komfortables Leben (übrigens hatten Studentinnen/Studenten mit Kindern einen sicheren Kindergartenplatz, wie alle Eltern!), ....- ich konnte sogar Geld sparen! 
Der DDR-Bürger bekam zwar weniger Geld auf die Hand, dafür waren aber auch die Lebenshaltungskosten deutlich geringer (Lebensmittel, Miete, Strom, Wasser, Wärme, Kleidung,...) und viele Leistungen waren staatlich finanziert. Jedem DDR-Bürger waren durch staatliche Absicherung die Krankenkosten übernommen (ähnlich Dänemark).
Die Verschuldung der gesamten DDR fiel im Übrigen deutlich geringer aus, als die Schulden der Bank Hypo Real Estate alleine....
Als DDR-Bürger hatte ich zu Hause kaum Papierkram zu verwalten (der Bürokratismus war geringer). Um viele Dinge musste ich mich nicht kümmern- hatte mehr freie Zeit.
Als Kind brauchte ich als Kind einer kinderreichen Familie (ab 3 Kinder) das Mittagessen der Schulspeisung nicht bezahlen, die Milch morgens war für mich kostenlos, die Schulbücher waren Freiexemplare (konnten also kostenlos geliehen werden). In der Freizeit konnte ich für einen sehr geringen Geldbetrag in vielen Sportgemeinschaften teilnehmen, ich konnte am Konservatorium preiswert ein Musikinstrument erlernen,...
Die begrenzte Auswahl an Konsumgütern (manche "Luxusgüter" waren sehr teuer und nur sehr schwer zu bekommen wie z.B. Farbfernseher, Auto) konnte man verkraften- immerhin war die Arbeitszeit real kürzer...
Viel kritischer sah ich die Schnüffelpolitik der Staatssicherheit, die heuchlerischen Parteifunktionäre, die Einschränkung der Reisefreiheit, die Bevormundung, die Dummheit der Staatsführung, weil sie einige ansich positiven Entscheidungen mit ihrem permanten Bevormunden, Misstrauen dem Bürger gegenüber und massiven Fehlentscheidungen wieder ins negative Licht rückten....
Die DDR war sehr zwiespältig, auf andere Weise als der Westen- beides nicht goldig: Beide Staaten hätten mit einem Wiedereinigungsprozess voneinander lernen können- westliche Arroganz, Siegermentalität und Blindheit wusste dies gut zu verhindern- so hat der Westen nie richtig seine eigenen Fehler und Probleme reflektieren müssen, der Osten heult herum und so wurde eine wirkliche Wiedervereinigung etwas ganz Großes verhindert- ein voneinenader Lernen...
Damals war ich ehrlich und engagiert bemüht (auch politisch) die Dinge mitzugestalten, aber irgendwann gab ich auf- verzweifelnd an der Dummheit, Blindheit, Borniertheit, Innovationsunfähigkeit der Menschen auf beiden Seiten dieses Landes. Ich habe deswegen auch nur bedingt "Mitleid" mit den Ostdeutschen und nur bedingt Verständnis für die Westdeutschen: Am Ende nach 20 Jahren Wiedervereinigung die einfache Erkenntnis: es sind eben Menschen am Werk- zuwenige mit Kreativität, Inovationskraft, Mut, Intelligenz... zuviele Haderer, Zweifler, Dummköpfe, Gierige, ...
Heute lebe ich mein komfortables Leben, helfe den Menschen, die meiner Hilfe wirklich bedürfen und bleibe dennoch Optimist: alles wird besser 
08.12.09 00:05
Etwas OT:
Dazu die niedrigen Gehälter der Menschen... die Menschen lebten in völliger ARMUT - das war eine Gleichstellung von Armut! Kann jetzt Deine Einstellung nicht nachvollziehen... wo sind denn die Zahlen, dass die Wirtschaft so bombig lief? Habe das Gefühl, Du bist noch nie drüben gewesen bzw. hast völlig falsche Informationen.
Sicherlich war die Wirtschaft der DDR kein Musterbeispiel von guter Unternehmensführung.
Schlechte unüberlegte Invetitionstätigkeit (notwendige Erneuerungen, Reparaturen Innovationen wurden blockiert bzw. auf die lange Bank geschoben), Unflexibilität, Ineffizienz,... waren an der Tagesordnung... (im übrigen finden sich dieselben Fehler auch in großen Unternehmen im Westen in der einen oder anderen Form wieder),
Dennoch sollte man sich doch an die Fakten halten. Die DDR war ein kein unbedeutendes Exportland und hatte ein nicht unbedeutendes Bruttosozialprodukt (im Weltmaßstab) erwirtschaftet: wichtige Exporteprodukte waren u.a.:
Schiffe, Lokomotiven, Maschinen (u.a. Textilmaschinen, Werkzeugmaschinen), Krane, LKW, Mähdrescher, Traktoren, Eisenbahnwaggons, Konsumgüter wie z.B. Teppiche, Textilien, Kühlschränke, Waschmaschinen (wurden auch in Katalogen diverser westdeutscher Versandhäuser verkauft), Kali- und Steinsalz, Kunststoffe (Polyethylen, Elastomere), Fleisch (wurde in nicht unbedeutendem Maße auch in den Westen exportiert und sorgte dort für relativ niedrige Fleischpreise),....
Ich merke immer wieder: vielen Westdeutschen war nie bewusst, dass sie eine ganze Reihe DDR-Waren billig konsumierten
(die Waren fehlten übrigens nicht selten auf DDR-Seite)
Wenn jemand behauptet, ein Bürger der DDR wäre arm gewesen, der hat keine Ahnung von den tatsächlichen Verhältnissen in der DDR, darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Auch wenn der DDR-Bürger nicht die Konsummöglichkeiten wie die damalige BRD-Bürger hatten, so lebten sie im Weltmaßstab gesehen nicht so schlecht. Bildung war überdurchschnittlich gut, medizinische Versorgung war auf gutem Niveau (wenn auch kritikwürdig), die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sicher (wenn auch die Angebotsvielfalt zu wünschen übrig ließ).
Man sollte nicht vergessen: die DDR-Bürger arbeiteten zu einem nicht unerheblichen Teil für die Ableistung von Reparationsleitungen an die Sowjetunion als Folge des 2. Weltkrieges. Die DDR hatte eine deutlich schlechtere Ausgangsposition als der Westen- allein aufgrund der deutlich größeren Zerstörungen infolge des 2. Weltkrieges.
Ein Beispiel wie "arm" ein Student in der DDR war: Stipendium: monatlich 180 Mark (der DDR Student bekam Geld für das Studieren!), wenn man besonders gut war, konnte man ein Leistungsstipendium bis 150 Mark dazu bekommen (in seltenen Fällen noch mehr: Karl-Marx-Stipendium waren glaube ich sogar 450 Mark).
davon Ausgaben: 10 Mark Kosten für einen Wohnheimplatz (darin waren alle Kosten eingeschlossen), 35 Mark für Vollverpflegung (Frühstück, Mittag, Abendbrot).
Ich hatte als Student ein sehr komfortables Leben (übrigens hatten Studentinnen/Studenten mit Kindern einen sicheren Kindergartenplatz, wie alle Eltern!), ....- ich konnte sogar Geld sparen! 
Der DDR-Bürger bekam zwar weniger Geld auf die Hand, dafür waren aber auch die Lebenshaltungskosten deutlich geringer (Lebensmittel, Miete, Strom, Wasser, Wärme, Kleidung,...) und viele Leistungen waren staatlich finanziert. Jedem DDR-Bürger waren durch staatliche Absicherung die Krankenkosten übernommen (ähnlich Dänemark).
Die Verschuldung der gesamten DDR fiel im Übrigen deutlich geringer aus, als die Schulden der Bank Hypo Real Estate alleine....
Als DDR-Bürger hatte ich zu Hause kaum Papierkram zu verwalten (der Bürokratismus war geringer). Um viele Dinge musste ich mich nicht kümmern- hatte mehr freie Zeit.
Als Kind brauchte ich als Kind einer kinderreichen Familie (ab 3 Kinder) das Mittagessen der Schulspeisung nicht bezahlen, die Milch morgens war für mich kostenlos, die Schulbücher waren Freiexemplare (konnten also kostenlos geliehen werden). In der Freizeit konnte ich für einen sehr geringen Geldbetrag in vielen Sportgemeinschaften teilnehmen, ich konnte am Konservatorium preiswert ein Musikinstrument erlernen,...
Die begrenzte Auswahl an Konsumgütern (manche "Luxusgüter" waren sehr teuer und nur sehr schwer zu bekommen wie z.B. Farbfernseher, Auto) konnte man verkraften- immerhin war die Arbeitszeit real kürzer...
Viel kritischer sah ich die Schnüffelpolitik der Staatssicherheit, die heuchlerischen Parteifunktionäre, die Einschränkung der Reisefreiheit, die Bevormundung, die Dummheit der Staatsführung, weil sie einige ansich positiven Entscheidungen mit ihrem permanten Bevormunden, Misstrauen dem Bürger gegenüber und massiven Fehlentscheidungen wieder ins negative Licht rückten....
Die DDR war sehr zwiespältig, auf andere Weise als der Westen- beides nicht goldig: Beide Staaten hätten mit einem Wiedereinigungsprozess voneinander lernen können- westliche Arroganz, Siegermentalität und Blindheit wusste dies gut zu verhindern- so hat der Westen nie richtig seine eigenen Fehler und Probleme reflektieren müssen, der Osten heult herum und so wurde eine wirkliche Wiedervereinigung etwas ganz Großes verhindert- ein voneinenader Lernen...
Damals war ich ehrlich und engagiert bemüht (auch politisch) die Dinge mitzugestalten, aber irgendwann gab ich auf- verzweifelnd an der Dummheit, Blindheit, Borniertheit, Innovationsunfähigkeit der Menschen auf beiden Seiten dieses Landes. Ich habe deswegen auch nur bedingt "Mitleid" mit den Ostdeutschen und nur bedingt Verständnis für die Westdeutschen: Am Ende nach 20 Jahren Wiedervereinigung die einfache Erkenntnis: es sind eben Menschen am Werk- zuwenige mit Kreativität, Inovationskraft, Mut, Intelligenz... zuviele Haderer, Zweifler, Dummköpfe, Gierige, ...
Heute lebe ich mein komfortables Leben, helfe den Menschen, die meiner Hilfe wirklich bedürfen und bleibe dennoch Optimist: alles wird besser 
08.12.09 00:10
Und Linientreue wie Frau Merkel durften dann noch in Moskau studieren..... 
Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beziehungen oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:
Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe
Startseite | Apotheke | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutz © med1 Online Service GmbH