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Wie viel dürfen Eltern sich bei erwachsenen Kindern rausnehmen?

J,an7x4


@ autumn-like

Ich will deren Verhalte auch gar nicht ändern. Es geht darum, meine eigenen Gefühle und Gedanken zu ändern, aber dazu ist "Erkenntnis" halt (für mich) notwendig.

"Einfach so nicht mehr dran denken und damit abschließen" funktioniert halt nicht, da werden sofort ganz komische unangenehme Dämonen in mir wach.

MQe t/a4


Ich bin auch so jemand, der die Dinge durcharbeitet und verstehen muss. Das geht Hand in Hand mit den Veränderungen. Manche Einsichten bewirken Veränderungen, manche Veränderungen bewirken Einsichten.

Ich muss das alles mit dem Kopf durcharbeiten.

Es gibt aber Leute, die können das nicht abhaben, die meinen, ich würde mich vor Veränderungen drücken, indem ich "nur" darüber rede (weil das der teil ist, den sie mitbekommen). So erlebe ich Portland hier auch. Als jemand, der nicht gross rumfackelt, sondern schnelle Entscheidungen trifft, ein Mensch der Tat, sagen wir mal so.

Für viele Leute passt das aber nicht. Ein Drogenabhängiger oder eine essgestörte Person kann auch nicht von einem Tag auf den anderen sein/ihr Verhalten ändern. Es ist ein langer Prozess, selbst wenn der Wille da ist.

Denn die Situation, die einen dahin gebracht hat, hat viele, viele Jahre bestanden. Die kann man nicht einfach so, schnipp, ändern. Und wenn doch, dann zweifle ich an, dass es eine Änderung ist, die wirklich tief im Menschen passiert und von Dauer ist.

Man sagt doch: Um eine Beziehung zu verarbeiten braucht es so lange, wie die Beziehung gedauert hat. Das auf die Beziehung zu den Eltern übertragen, lässt erahnen, wie schwer es ist. Ein unbeschriebenes Blatt wird man nie mehr.

Ich finde es schon auch nicht unwichtig, das was jetzt ist aus dem Blick zu verlieren und das zu genießen, was man erreicht hat. Sich an den schönen Dingen freuen.

Aber wer sagt denn, dass Jan das nicht macht?

Hat er irgendwo mal geschrieben, dass er sich an nichts mehr freuen kann??

Ejhemaligetr Nutz^er (*#458871x)


zur Zeit ist bei mir halt "akuter Schockzustand".

DAS kann man Dir allerdings wirklich nicht verdenken...!

Ich finde es schon auch nicht unwichtig, das was jetzt ist aus dem Blick zu verlieren und das zu genießen, was man erreicht hat. Sich an den schönen Dingen freuen.

Aber wer sagt denn, dass Jan das nicht macht?

Hat er irgendwo mal geschrieben, dass er sich an nichts mehr freuen kann??

Öh, meinst Du mich? Also zumindest ich habe nirgendwo geschrieben, dass ich mit dem "im Hier und Jetzt leben" - das ich ja selbst nicht wirklich beherrsche, allerdings in die andere Richtung - meine, dass man sich an den schönen Dingen freuen soll. Ich meine, dass man vermutlich mit noch so viel Analysiererei - zu der ich im Übrigen auch tendiere.. - meist nicht viel erreicht, weil man derartig kranke Strukturen mit Logik nicht begreifen kann. Daher finde ich es wichtiger zu erkennen, was man hier und jetzt konkret tun kann, damit es einem besser geht, als versuchen zu verstehen, wie die Eltern zu dem wurden, was sie waren. Von Geniessen oder schönen Dingen habe ich gar nicht gesprochen, sondern spreche von Schadensbegrenzung, damit die Eltern einen nicht noch weit über ihren Tod hinaus kaputtmachen.

E#hemalWiger Nyutze3r (#x458x871)


Möglichkeiten gibt es ja auch in Jans Situation viele verschiedene, die wurden auch alle schon stichpunktartig genannt: Kontaktabbruch, Unterlassungsklage, oder aber natürlich auch eine Aussprache, es gibt ja recht viele Wege. Die Füße still zu halten ist eine Strategie, die bei meiner Mutter ganz gut klappt, bei Jans Eltern aber ziemlich nach hinten losgegangen ist.

Mgektax4


Hi Jule, nein, ich meinte nicht dich, ich meinte Portland.

Du hast mich, glaube ich, auch ein anderes Mal falsch verstanden. Mit meiner Frage, ob der Schmerz beim Kontaktabbruch was zu tun hat mit Dingen, die du dir noch wünsche würdest (oder so ähnlich) wollte ich dich nicht zu einem Kontaktabbruch drängen oder hinterfragen, wieso du keinen machst (habe den Eindruck, dass du dich dann rechtfertigen musstest). Für manche stimmt der Kontaktabbruch, für andere nicht.

Mit meiner Frage wollte ich darauf abzielen, ob es diesen Schmerz gibt (also dass dann das endgültig nicht erreichbar sein wird, so wie wenn deine Mutter stirbt, dann wäre ja auch klar, da gibt es nichts "nachzuholen").

Mmeta<4


@ jule

wollte noch hinzufügen, dass zum Abgrenzen nicht automatisch der Kontaktabbruch nötig ist. In manchen Fällen geht das wohl nicht anders, aber abgrenzen an sich kann auch im Kontakt stattfinden. Dass man sich im Kontakt eben nicht in die alten Gefühle ziehen lässt, nicht im alten Muster reagiert, nicht die Hilflosigkeit, Wut, Ärger, Mitleid etc. entwickelt, die man bisher immer entwickelt hat.

JHan7x4


Ich meine, dass man vermutlich mit noch so viel Analysiererei - zu der ich im Übrigen auch tendiere.. - meist nicht viel erreicht, weil man derartig kranke Strukturen mit Logik nicht begreifen kann.

Man kann (muss?) aber mit "viel Analysiererei" begreifen, dass kranke Strukturen vorliegen. Darum geht es mir eigentlich.

Wie gesagt, die Macht der Gehirnwäsche ist stark (immerhin geht das von Geburt an los), dagegen brauche ich die klare Erkenntnis dass das "umfassend krank" ist, um dagegen irgendwie anzukommen.

Ansonsten empfinde ich durchaus Lebensfreude und bin ziemlich aktiv (Arbeit, Sport, Freunde..), dennoch liegt der ganze Mist zur Zeit wie ein dunkler Schatten über allem. Ist eigentlich Trauer.. Trauer über die Aussichtslosigkeit, ein bisschen als wären die Eltern verstorben. Diese Trauerphase nicht durchzumachen (sondern zu verdrängen) kommt mir aber nicht sinnvoll vor, im Rahmen einer "Heilung". Ich muss sozusagen aktiv trauern, denke ich.

Mir ist auch grad noch aufgefallen, warum mir einige Aussagen hier so anecken - weil das elterliche System primär darin besteht, dass ich immer schuld bin, quasi die General-Schuld. Ja Jan, wir mögen Dich mies behandelt haben aber im Kern liegt das doch darin dass DU schuld bist, Du warst ja auch so ein schwieriges Kind, usw usf. Was auch immer man sagt, es wird so hingedreht dass die Schuld am Ende bei mir liegt.

Und wenn ich nun drunter leide, dann bin ich auf einmal hier auch wieder "schuld", weil ich "falsch aufarbeite". Weil ich zuviel daran denke, zu passiv bin, was auch immer, zumindest habe ich jetzt hier auch wieder schuld. Das haut genau in die alte Kerbe.

M$et}a4


@ Jan

Ja, das klingt doch eigentlich (im Rahmen des möglichen, sozusagen) ganz gut

Ja, so kann man das sehen.

Was nicht so gut ist, dass ich einen Narzisst geheiratet und zum Vater gemacht habe. Ich bin dieser Beziehung entflohen, aber mein ältester Sohn lebt in eine symbiotisch-abhängigen Beziehung mit seinem Vater und ich habe ihn seit Jahren nicht gesehen.

EDhemaligeKr N#utzer# (#5E302_18x)


Man muss sich irgendwie lernen freizumachen von diesem "Schuld-System", das nur manipulativen und/oder selbstgeißelnden Zwecken dient. Wem ist damit geholfen, wenn man sich selbst schuldig fühlt?

Andere sind gut darin eine Schuld zu erschaffen und diese an Mitmenschen zu verteilen. Ein exzellentes Manipulationsmittel, wenn der andere dort wunde Punkte hat und so empfänglich für Schuldgefühle ist dort.

Auf das Hier & Jetzt.

EfheNmalMiger Niutzer (#53h0218x)


man muss lernen/man muss sich beibringen

J=an7x4


@ Meta4

Ja, das ist nicht so gut ;-). Ist das nicht auch eine beständige Quelle von seelischen Schmerzen?

In der Tat neigt man ja dazu, immer wieder in genau diese Beziehungsmuster zu geraten.

@ Snaiperskaja [VSS]

Ja, klar.. nur wie? Es ist erschreckend festzustellen, wie weit reichend das ist. Dass man z.B. auch im Job dann ein schlechtes Gewissen hat, wenn man "normal egoistisch agrenzt", wie schwer nein-sagen generell fällt usw.

M[etxa4


Das hat sehr weh getan, inzwischen nicht mehr so. Ich habe mich an diesen Zustand gewöhnt und versuche im Hier und Jetzt zu leben.

zum Nein-sagen bzw. abgrenzen: Üben, üben üben.....Ich mache das besonder gerne mit Leuten, die ich nicht kenne und auch nie wieder sehen werde: z.B. Autofahrer, die mich wegen irgendetwas (also ohne wirklichen Grund) anpflaumen (zurückpflaumen!!!!!), das ist dann ein tolles Gefühl hinterher: von dem/der habe ich mich nichts sagen lassen und bin nicht klein geworden.

Oder mach mal mit deiner Freundin aus, dass du eine Weile zu allem was sie sagt nur "nein" sagen wirst bzw. du alles, was sie sagen wird, schlecht machen wirst oder dagegen anreden (oder etwas anderes, was dir im beruflichen Leben schwer fällt)- das kann ganz viel Spaß machen!

E~hemalKiger rNutz|er (#$5302x18)


@ Jan74

Ja, klar.. nur wie?

Ich denke es gibt keinen Masterplan dafür, da jeder von einem anderen Punkt dabei startet und seine Eigenheiten hat.

Persönlich denke ich dass man geistig einen Schritt zur Seite machen kann am Anfang, wenn man sich schuldig fühlt/ein schlechtes Gewissen hat und schaut, ob man einen anderen Menschen (Freund/Bekannter) auch verurteilen würde, wenn der in identischer Position gewesen wäre und genauso gehandelt hätte. Wäre man mit demjenigen nachsichtiger?

Komischerweise fällt das vielen Menschen leichter so einem Dritten zu verzeihen bzw. bei dem keinen Grund zu finden warum derjenige ein schlechtes Gewissen haben sollte als bei sich selbst.

Und hinterfragen, was dieses Schuldgefühl konkret bringt? ... Provokant gesagt: Schuldgefühle bringen nichts außer dass sich jemand schlecht fühlt und seine Energien zum Teil für diese Schuldgefühle (ggf. deren Unterdrückung) draufgehen. Wie unbeschwert würde dieser Mensch sein, wenn er seine Energien auf Dinge richten würde, die ihm nachhaltig helfen in der Situation/Probleme oder Konflikte nachhaltig lösen? Schuldgefühle heben Handlungen nicht auf; sie fesseln jemand an Vergangenes.

Diesen Artikel fand ich persönlich sehr gelungen:

[[http://www.psychotipps.com/Schuldgefuehle.html]]

Da die Autorin die selbe ist, überschneidet sich dieser Artikel mit dem obigen. Aber ich finde beide ergänzen sich gut.

[[https://www.palverlag.de/Schuldgefuehle-Info.html]]

Zu der Manipulation durch Schuldgefühle (eine Methode, die unterschätzt wird, weil es sich als Unbetroffener von Außen so "harmlos" liest):

[[http://www.partnerschaft-beziehung.de/Emotionale-Erpressung.html]]

Schuldgefühle verhindern mMn, dass jemand sich frei entfalten kann und selbstbestimmt für sich handeln kann, um seine (wahren) Bedürfnisse kennenzulernen und sie sich zu erfüllen.

EChemali#gZer 1NutzerT (#X53021x8)


Konkret hierzu:

Dass man z.B. auch im Job dann ein schlechtes Gewissen hat, wenn man "normal egoistisch agrenzt", wie schwer nein-sagen generell fällt usw.

Jan74

Sich trauen sich abzugrenzen und konsequent bleiben, nachfolgend immer wieder üben und ein aufkommendes schlechtes Gewissen aushalten und sich vor Augen halten, was die Fakten sind, dass man wie jeder andere das Recht hat sich abzugrenzen usw. (je nach persönlicher Baustelle). Und dadurch die Erfahrung machen (können), dass man Konflikte aushalten kann und sich behaupten kann; man auch weiterleben kann ohne selbstlos sein zu müssen und eigene Bedürfnisse allzu schnell & bereitwillig zurückzustellen (so wie man es anerzogen bekommen hat und verinnerlicht hat). ... Und sich das Ergebnis vor Augen halten (das, was man erreicht hat durch das Abgrenzen) im Vergleich zu der Situation, wenn man das nicht getan hätte und sich (mal wieder?) selbst übergangen wäre.

E:hemaliXger iNutzer (#5x30218)


Das Wichtigste habe ich jetzt vergessen:

Durchhalten und sich selbst Mut zu sprechen. Sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen und sich Vorwürfe machen, sondern analysieren woran es lag und das nächste Mal es erneut versuchen. Kleine Schritte machen im Zweifel und sich vortasten.

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