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Wie viel dürfen Eltern sich bei erwachsenen Kindern rausnehmen?

Gwo|lRdtau


Ist eigentlich Trauer.. Trauer über die Aussichtslosigkeit, ein bisschen als wären die Eltern verstorben. Diese Trauerphase nicht durchzumachen (sondern zu verdrängen) kommt mir aber nicht sinnvoll vor, im Rahmen einer "Heilung". Ich muss sozusagen aktiv trauern, denke ich.

Eben. Und was ist, wenn die Eltern verstorben sind? Man steht alleine in der Welt, hat nur noch seine Freunde und Partner. Man muss selber entscheiden, was richtig und falsch für sein Leben ist, kurz: Man muß erwachsen werden.

Gruß

T>apxs


@ Jan

Und warum analysierst Du deine Eltern und ihre Beziehung zueinander immer noch? Es sollte dir egal sein.

J\aVn7x4


Das hab ich doch nun schon etliche Male geschrieben..

ansonsten finde ich solche aussagen wie "die Aufarbeitung sollte so und so passieren, Du arbeitest falsch auf" ziemlich problematisch (wie auch schonmal geschrieben). Jeder "trauert" auf seine Art.

J<a@n7x4


Mir ist da noch ein anderer Aspekt aufgefallen.. immerhin sind es die eigenen Eltern, ob einem das nun passt oder nicht, die eigenen Wurzeln, und man ist in diesem System aufgewachsen und es ist das, was einen von klein auf massiv geprägt hat, jahrzehntelang, es bildet quasi die Basis für das eigene Dasein. Dazu zu sagen "die behandeln mich doof, mehr muss ich gar nicht wissen, damit will ich gar nix mehr zu tun haben" ist doch geradezu binde Ignoranz genau dieser Tatsachen. Ich finde es enorm wichtig, zu verstehen, was da Sache ist, schon alleine um sich selber besser zu verstehen und möglichst auch dem entgegenzuwirken, dass man irgendwann evtl selber so wird.

Gerade letztere Gefahr erscheint mir groß, wenn man das alles nicht aufarbeitet und erkennt, meine eigene Mutter ist ja das beste Beispiel dafür.

Txaxps


Ich verstehe deinen Zwiespalt ja.

die Aufarbeitung sollte so und so passieren, Du arbeitest falsch auf

Nein, das meinte ich mit meiner Bemerkung nicht. Es kann gar kein richtig oder falsch geben.

Du hattest aber irgendwo geschrieben "jeglichen Kontakt abbrechen". Da bringt es doch auch nichts, den ganzen Beziehungskrams für sich bis ins Kleinste zu analysieren? Aufarbeitung bis zu einem bestimmten Grad ok, aber dann sollte man die Vergangenheit ruhen lassen. Ich merke das an mir, bis zu einem gewissen Punkt kann ich hier darüber schreiben, aber irgendwann ist Schluss, dann muss ich das Thema einfach von mir schieben. Und die Beziehung der Eltern untereinander geht einem als Kind meiner Meinung nach nichts an.

Ich hatte jahrelang zu meiner Mutter nur Minimalkontakt. Seit ich aber die vom Gericht angeordnete Betreuung übernommen habe, eben weil meine Mutter trotz allem meine Mutter ist, sehe ich sie "zu oft". Und selbst wenn ich alle Gedanken an früher bewusst vermeide, es tut mir nicht gut. Allein die Wohnungsräumung hat Dinge zutage gefördert, die ich über meine Eltern nicht wissen wollte. Ich habe Albträume ohne Ende, in denen irgendwie meine Mutter, ihre Wohnung (in der sie ja längst nicht mehr wohnt) ihre Ermahnungen und Nörgeleien von früher oder was auch immer vorkommen. Dabei macht sie mir die Betreuung wirklich nicht schwer.

Doch es gibt niemanden sonst, der sich um ihre Belange kümmern könnte, außer eine fremde Person. Das hatte ich ja probiert. Es hat nicht funktioniert und war zudem für das wenige, was der Betreuer geleistet hat, unverschämt teuer.

Nun komme ich aber aus der Masche nicht mehr raus.

J)an7x4


Da bist Du in der Tat wieder relativ nah dran. Ich hab meinen Eltern vor einiger Zeit gesagt, dass ich nicht für sie in dieser Hinsicht da sein werde. Kam auch gar nicht gut an, aber ist wohl so. Wobei ich für meinen Vater wohl da wäre. aber meine Mutter.. nee. von meinem Vater sind zumindest keine Aggressionen zu erwarten.

Ich denke auch, dass dieses ganze Analysieren nur bis zu einem gewissen Punkt Sinn macht, aber den hab ich offenbar wohl einfach noch nicht erreicht. Bis vor kurzem war ich wohl noch nicht in der Lage dazu, mir einzugestehen, dass das wirklich alles total aussichtslos verkorkst ist; erst die letzten Entwicklungen haben das bei mir bewirkt, aber die sind ja noch relativ frisch. Nun ist in mir noch viel zu viel Trauer und Mitgefühl und "meine armen Eltern" und bla und irgendwie muss das mal raus ausm kopp..

E hemaliger N^utzerF (#45887x1)


Ich hab' meiner Mutter auch schon vor vielen Jahren gesagt, dass ich mich im Alter nicht um sie kümmern werde. Das Problem ist nicht das schlechte Gewissen meinerseits, "weil sie ja meine Mutter ist", sondern, "weil sie sich ja geändert hat". Hätte sie sich in meinen ersten 30 Lebensjahren so verhalten wie in den letzten 3, dann wäre unser Verhältnis sicherlich nicht so schlecht. Ich denke, sie gibt sich wirklich Mühe. Aber meine positiven Gefühle ihr gegenüber sind schon seit 20 Jahren weg. Komplett. Die kommen doch nicht wieder, nur weil sie sich jetzt Mühe gibt und mich bittet, alles Gewesene zu vergessen!

J{anC7x4


Hm. Das klingt nach einer moralisch komplizierten Situation. Wenn sie sich nun geändert hat (was bisher allerdings aus Deinen Postings nicht hervorging), dann wäre es doch nur fair ihr gegenüber, ihr klar zu sagen, dass das alles nix bringt, weil eh alles kaputt ist; sie sich gar nicht mehr anstrengen oder hoffen muss.

Aber das kannst Du wiederum nicht weg Geld/Erbe. Damit stellst Du eigentlich Dich selber moralisch auf eine schlechte Position.

Macht den Zwiespalt und die Verworrenheit nicht einfacher, denke ich.

a^ututmn-2likxe


Das Pflegen der Eltern ist für mich keine Selbstverständlichkeit. Es kommt darauf an, welche Eltern sie waren. Meinen Schwiegervater z.B. habe ich gerne gepflegt und das ohne groß darüber nachzudenken.

Was würde es bringen, wenn Jule etwas sagen würde? Ich rede meine Mutter auch nicht darauf an. Einfach aus dem Grund, weil sie es verdrängt, wie sie zu mir war. Wir haben Ostern telefoniert, sie war sehr freundlich und mir wurde wieder bewusst, dass ich schon Jahre vorher hätte ausziehen müssen. Aber mit meiner Mutter könnte ich nie ein so ernstes Gespräch führen. Also lasse ich es. Sie würde dieses Gespräch nicht verstehen bzw. abblocken wollen. Sie hat jahrelang meine große Schwester mir vorgezogen. Ihr Leben nur auf meiner Schwester aufgebaut. Ich bekam die Rolle des Sündenbocks. Aber für mich ist das nun Vergangenheit. Wir können es durch Gespräche nicht ändern, was war. Ihre Tobsuchtsanfälle waren hart für mich. Sie ließ in solchen Momenten ihre Wut auf mich heraus. Erfand in diesen Momenten Lügen, um mich in ein schlechtes Licht zu rücken. Für sie war ich das Ventil. Wenn ich jetzt nicht mehr da bin, wird es jemand anderer sein.

MMetxa4


@ Taps

Das klingt ganz schön schwierig, du kannst keine Distanz zu ihr halten aufgrund der übernommenen Verantwortung. In meinen Augen wäre es dann umso wichtiger, das, was du mit ihr erlebt hast mit einer unterstützenden Person zu bearbeiten. Also die innere Distanz herstellen, wenn die äußere nicht zu haben ist. Und wegschieben bringt da vermutlich gar nichts, weil du halt immer wieder direkt dran bist.

J$aLn7x4


Mal wieder was von meiner Seite..

was mich zur Zeit ziemlich fertig macht, ist gar nicht Eltern-direkt (also Kontakt oder kein Kontakt oder irgendwelche Aktionen), sondern dass die Erkenntnis, WIE stark gestört die sind, dazu führt, auch über mich selber etwas anders zu denken und Dinge aus der Vergangenheit in einem anderen Licht zu sehen.

Ich mein, ich hab wirklich schon sehr gelitten in der Vergangenheit, und sehr viel getrunken, und vieles lief wirklich nicht so wie es hätte "sein sollen", und mir ist viel klarer,wie das alles zusammenhängt, und wie groß die Schäden an meiner Psyche sind, die das alles hervorgerufen hat (das ist auch ein Punkt, wo ich die leise Vermutung haben, dass einige Teilnehmer hier die bittere Erkenntnis noch vor sich haben). Ich komme mir selber viel gestörter vor als vorher, es ist wirklich bitter.

Resümmee ist ein bisschen - narzisstisches Elernhaus - A-Karte gezogen, das ganze Leben ist nicht so, wie es sonst möglich gewesen wäre; Probleme überall, es zieht sich wie ein roter Faden durch alles durch. Grusel..

a3ut}uMmn-l^ike


@ Jan

So wie du sehe ich es nicht. Jeder hat sein Leben selbst in der Hand. Du hängst viel zu viel in der Vergangenheit, statt positiv nach vorn zu sehen.

Du drehst dich im Kreis. Meine Freundin sagte früher immer, dass man sich Freunde zum Glück aussuchen kann, nur die Familie nicht. Mache einfach einen Schnit. Aufarbeitung ist gut, aber verbringe nicht dein ganzes Leben damit. Meine Mutter hat auch NPS und mir hat die Lösung von ihr geholfen. Würde ich noch Jahre bei ihr leben, sie hätte immer ihren Kontrollwahn etc. So gesehen, du wohnst etwas weg von deinen Eltern, grenze dich ab. Lass die Vergangenheit ruhen. Ändern kannst du sie nicht mehr.

M%etFax4


@ Jan

Darüber darf man wirklich auch trauern. Trauern und enttäuscht sein. Ich denke, auch das ist ein wichtiger Schritt. Da kann man bittere Tränen drüber vergießen, wenn einem das klar wird.

LkicchtA`mHoRrizoxnt


@ Jan

Du musst Dir aber auch klar machen, wie viele Lichtjahre Du trotz der psychischen Probleme, die Du hast, von Deinen Eltern entfernt bist. Deine Eltern kommen ja nicht einmal auch nur in die Nähe dessen, was Dir schon alles klar geworden ist, die denken immer noch, die Erde sei eine Scheibe. Also konzentriere Dich nicht so sehr auf die Schäden, die sie verursacht haben, sondern freue Dich über alles, was Du trotzdem hinbekommen hast und hinbekommst. Das ist mehr als es sich vielleicht anfühlt.

Allerdings denke ich auch (wie Meta4), durch das Tal der Trauer muss man wohl einmal durch. Es ist ja wirklich wie Abschied nehmen. Ich kenne das auch... Klappt aber irgendwann.

Mpeatwa4


"Tal der Trauer" ist ein guter Ausdruck. Man hat das Gefühl, man wird da nie wieder raus kommen (während man drin ist). Ich hab mich da immer runtergestürzt, wie beim Bunjeejumping, und war nach wenigen Stunden wieder aus dem Dunkelsten raus.

Hinterher ein wunderbares Gefühl von Klarheit.

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