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Wie viel dürfen Eltern sich bei erwachsenen Kindern rausnehmen?

JXa$n7x4


Naja, es gibt halt Schäden, die unübersehbar sind und auch nie wieder gut werden. Wobei ich da auch Leute kenne, die es schlimmer erwischt hat. Ein Freund aus frühester kindheit wurde heroinabhängig und ist nur knapp älter als 20 geworden. Eine Bekannte von mir hat eine massive soziale Phobie, die sie arg beeinträchtigt, und und und.

Natürlich bringt ständige Verbitterung und nach-hinten-schauen nichts, aber gerade ist es halt der Moment der erschrockenen Erkenntnis.

E*hem[aliger N,utz*er (#>4;58871x)


Jan, würde es Dir helfen, die Zeit, in der Du Dich mit Deinen Eltern "beschäftigst", offiziell zu begrenzen? Also hin und wieder mal eine komplette Woche "elternfrei", zum Beispiel?

Resümmee ist ein bisschen - narzisstisches Elernhaus - A-Karte gezogen, das ganze Leben ist nicht so, wie es sonst möglich gewesen wäre; Probleme überall, es zieht sich wie ein roter Faden durch alles durch. Grusel..

Ja, das unterschreibe ich so. Aber andere ziehen eben in anderen Bereichen die A-Karte. Man muss sich irgendwann damit abfinden. Bei unserem "Elternproblem" hat man ja immerhin noch die Chance, es bei seinen eigenen Kindern besser zu machen!

J_an7$4


Nein, würde nicht helfen, weil die Beschäftigung ja nicht rational entschieden erfolgt, sonder es sich um Gegrübel handelt, welches mich von selber überkommt. Ich kann da wenig tun. Allerdings ist der Eindruck, dass ich mich viel damit beschäftige, eh falsch. Ich fühle mich oft deswegen mies, ja, aber das ist was anderes als "aktiv drüber nachdenken".

E#h_emalbiger WNutQzer (#45x8871)


weil die Beschäftigung ja nicht rational entschieden erfolgt, sonder es sich um Gegrübel handelt, welches mich von selber überkommt. Ich kann da wenig tun.

Das halte ich für einen Trugschluss. Auch wenn Grübeleien oft automatisiert auftreten, heisst das nicht, dass man sie nicht aktiv stoppen kann.

Ich kann davon ein Lied singen, da ich in den letzten Jahren viel über meine Krankheit und meine mauen Zukunftsaussichten nachgegrübelt habe. Zum Teil mehrere Stunden am Tag. Wenn ich da nicht aktiv die Gedanken stoppe, werde ich verrückt (und depressiv).

Allerdings ist der Eindruck, dass ich mich viel damit beschäftige, eh falsch. Ich fühle mich oft deswegen mies, ja, aber das ist was anderes als "aktiv drüber nachdenken".

Ich habe nicht den Eindruck, dass Du Dich 24/7 damit beschäftigst ;-)

J%an7x4


Nein, Du nicht, aber andere machen manchmal den Eindruck hier.

Wie stoppst Du das Gegrübel denn aktiv?

E0hemalicger NNutzer (3#45887x1)


Im Prinzip wende ich drei verschiedene Techniken an, wobei nicht alle immer funktionieren.

a) reine Ablenkung. Filme, Buecher, Internet.

b) NLP-Techniken: Laut STOPP STOPP STOPP sagen, moeglichst mit einer Handbewegung dazu, um das Ganze zu unterstreichen. Dann gehe ich in eine Art inneren Dialog, in dem ich mir sage, dass mich diese Grübelei nicht weiterbringt. Dann sehe ich mich gedanklich vor einem Wagekreuz stehen: Ich kann wählen, ob ich weiter grübeln und unglücklich sein will, oder ob ich die Gedanken stoppe. Ich entscheide mich für Zweiteres, sage das auch laut (wenn niemand im Raum ist ;-) ), und visualisiere dann mit geschlossenen Augen eine schöne Situation, wobei ich aus drei "vorgespeicherten" Situationen (Urlaubserinnerungen) wähle. Das mache ich vielleicht eine halbe Minute, dann mache ich mit einer beliebigen Aktivität, die mich ablenkt, weiter.

Bei vielen ist aber schon das energische (nicht ärgerliche) STOPP STOPP STOPP effektiv.

c) - das fällt mir am Schwersten - : zu den Gedanken meditieren. Die Grundidee ist, die Gedanken zuzulassen, sich aber immer wieder sanft von ihnen loszureissen und auf den Atem zu fokussieren. Das klappt am besten im Liegen und mit tiefem Atmen in den Bauch. Es ist recht einfach, sich auf den hebenden und senkenden Bauch zu konzentrieren, ganz entspannt. Bei jedem Gedanken, der dann auftaucht, denkt man: Aha, hier ist also dieser Gedanke, aber jetzt konzentriere ich mich wieder auf meinen Atem. Man akzeptiert also, dass die Gedanken da sind, gibt ihnen aber keinen Platz.

JValn74


Hm, danke. Zum Teil kenne/mache ich das auch, aber Erfolg ist mittelmässig (wenn auch nicht ganz fehlend).

ELhemalige9r Nutzrer) (#4588x71)


Drei weitere Strategien:

d) sich vorstellen, dass man bestimmte Räume hat: einen Raum für den Job, einen für die Liebe, einen für die Familie etc. Dann kannst Du Dir vorstellen, dass Du die Tür zum Raum Deiner Eltern von aussen zumachst. So. Irgendwann kannst Du sie wieder aufmachen (heute? morgen? nächste Woche?), aber jetzt ist sie erstmal zu. Ein erstaunlich starkes Bild.

e) sich feste Grübel-Verbot-Zeiten setzen. Ein Beispiel, ich surfe sehr viel im Netz zu meiner Krankheit, jetzt habe ich mit meinem Freund vereinbart, dass ich aufhöre, sobald er nach Hause kommt, für den Rest des Tages ist das tabu.

f) das Grübelthema bewusst zur Seite legen und auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Man verbietet sich also nicht die Grübelei, schiebt sie aber auf. Ich bin gestern auf ein vergleichsweise banales Problem gestossen, dass mich beschäftigt und traurig gemacht hat. Eines Tages muss ich es lösen. Ich habe aber bewusst beschlossen, dass ich es am Wochenende ruhen lasse. Nächste Woche gehe ich es dann an.

JLan7x4


Ich hab immer das Gefühl, dass das Grübeln dadurch entsteht, dass da der bohrende Druck ist, ein Problem zu lösen, welches aber nicht gelöst werden kann. Der Mensch ist ja Problem-Lösugs-orientiert, und wenn ein ungelöstes problem vorliegt, will es gelöst werden; wenn das nicht geht, wirds Gegrübel (ist ja auch die Definition - sinnloses Gedankenkreisen um nicht lösbare Probleme).

Um mir selber zu sagen "halt, stopp, aufhören", scheint mir die Erkenntnis notwendig, dass das Problem wirklich NICHT LÖSBAR ist. Sprich, ein klares, umfassendes Verständnis dessen, was vorliegt, mit der Akzeptanz "man kann da nix machen", und dann ist das Thema abgehakt und wird auch nicht weiter begrübelt.

Das ist wohl auch meine Motivation zur Analyse. Erkenntnis, um daraufhin meinen Standpunkt und mein weiteres Verhalten gefestigt zu untermauern. Unsicherheit ist da Gift (zumal die beteiligten Gefühle stark an einem zerren).

Aber ich denke, ich nähere mich diesem Punkt. Grübeln und gedanklich-damit-sonstwie-beschäftigen (und auch schreiben hier) wird schon spürbar weniger.

Ewhemali%ger N~utzer R(#458G871x)


Ich hab immer das Gefühl, dass das Grübeln dadurch entsteht, dass da der bohrende Druck ist, ein Problem zu lösen, welches aber nicht gelöst werden kann. Der Mensch ist ja Problem-Lösugs-orientiert, und wenn ein ungelöstes problem vorliegt, will es gelöst werden; wenn das nicht geht, wirds Gegrübel (ist ja auch die Definition - sinnloses Gedankenkreisen um nicht lösbare Probleme).

Ja, sehe ich auch so.

Um mir selber zu sagen "halt, stopp, aufhören", scheint mir die Erkenntnis notwendig, dass das Problem wirklich NICHT LÖSBAR ist. Sprich, ein klares, umfassendes Verständnis dessen, was vorliegt, mit der Akzeptanz "man kann da nix machen", und dann ist das Thema abgehakt und wird auch nicht weiter begrübelt.

Ich weiss nicht, ob es so schwarz-weiss ist. Und so einfach ist es auch nicht. Ich schaffe es ja auch nicht, nicht über meine Zukunft nachzugrübeln. Nach aktuellem Forschungsstand liegt es nicht in meiner Hand, ob ich jemals gesunden werde. Aber wer weiss das schon 100%ig sicher. Nach aktuellem Stand liegt es nicht in Deiner Hand, zu einem für Dich akzeptablen Verhältnis zu Deinen Eltern zu gelangen. Aber das kannst Du auch nicht 100%ig sicher wissen, denn vielleicht gibt es den einen Knopf, den Du drücken musst, Du kennst ihn nur nicht. Man muss sich mit dieser Unsicherheit abfinden, und das bedeutet, Kontrolle abzugeben. Das ist ja das Schlimmste, dieser Kontrollverlust. Man muss ihn akzeptieren, zumindest hier und jetzt, um nicht kaputtzugehen. Du und ich.

L`ichtAemwHorjizont


Die Vergangenheit kann man sowieso nicht ändern. Also hilft nur Akzeptanz und das Beste draus machen. Ist wie eine Behinderung, mit der man eben klarkommen muss, weil man sie nicht weghexen kann.

Für mich war es wichtig, mich von meinen Eltern zu verabschieden. Also von denen, die ich gerne gehabt hätte und die ich lange versucht habe, dahin zu ändern. Eines Tages wurde mir klar, dass das nicht geht, nie gehen wird. Das hat mir meine Eltern fremd gemacht. Ich bin für sie auch fremd geworden. Wir verstehen uns gegenseitig nicht. Wollen, können aber nicht. Und rückblickend betrachtet war das ein Leben lang so. Das festzustellen war hart. Ich musste mich von einer Illusion verabschieden.

JEanx74


Aber das kannst Du auch nicht 100%ig sicher wissen, denn vielleicht gibt es den einen Knopf, den Du drücken musst, Du kennst ihn nur nicht.

Ja, das beschreibst es ganz gut, das ist wohl die Quelle des Grüblens. Es lässt mir keine Ruhe ob ich den Knopf nicht doch finde.

Zumal ich mir sicher bin, dass es ihn gibt. Zwar nicht den Knopf, der zu einem vernünftigen Verhältnis zueinander führt, aber den, der dazu führt, dass es mir gut geht mit dieser Situation. Ich sehe das wohl ziemlich verhaltenstherapeutisch, ABC-Modell und so, aber ich denke, dass es durchaus "den einen Dreh- und Angelpunkt" gibt, der die ganzen Schmerzen verursacht. Das kann man dann zwar auch nicht per Knopfdruck ändern, aber man kann, wenn mans gefunden hat, gezielt therapeutisch bearbeiten, und DANN, denke ich, ist auch gut mit dem Thema, vorher aber nicht (weswegen auch alle Ratschläge, sich damit weniger zu beschäftigen, einfach nicht mehr drüber nachzudenken etc. mir nix bringen, weil ich das zwar tun kann, es aber nichts daran ändert dass ich mich mies fühle).

a0utumnx-like


Du weißt nicht, wie es wäre, wenn dein Vater nicht mehr da wäre und deine Mutter nur noch dich hat. Meine Mutter hat sich nach dem Tod meines Vaters sehr gewandelt. Positiv.

Jetzt, seit ich nicht mehr bei ihr bin, klammert sie sich an den Gedanken, dass ich irgendwann zurückkomme. Momentan lässt sie renovieren, damit ich es später schön habe. Das hat sie meinen Nachbarn erzählt. Ich war jahrlang wie du Jan. Habe oft über das Verhalten meiner Mutter gegrübelt, warum sie so ist. Ich habe das Umdenken erst vor 2 Jahren gelernt, als ich wieder einen schlimmen Morbus Meniere-Anfall hatte. Ich hatte schon vor Jahren zwei solcher Anfälle. Heute weiß ich, wenn beruflich und privat alles zusammenkommt, wird mir das zuviel und der erneute Morbus Meniere-Anfall wird die Folge sein. Das will ich vermeiden. Den Arbeitgeber habe ich zum Glück gewechselt. Bei meiner Mutter bin ich ausgezogen, nachdem sie immer wieder ihre Tobsuchtsanfälle hatte. Heute tut sie mir leid. Sie hat ihr Leben nur auf meiner Schwester aufgebaut. Hatte kein eigenes Leben. Jetzt erst, seit mein Vater gestorben ist, lebt sie auf und unternimmt viel mit Freundinnen. Das passt jetzt wieder meiner Schwester nicht. Ich gönne es meiner Mutter. Hoffe, dass sie noch einige schöne Jahre hat. Ihre Ehe war sicher nicht optimal und sie hat sich deswegen an meine Schwester geklammert. Sie hat mir viel angetan die letzten Jahre, aber ich sehe es hier wie LichtamHorizont.

Nur mit dem Unterschied, dass ich seit meinem Auszug in ihrer Gunst gestiegen bin. Aber auch, wenn ihre Ehe nicht optimal war: Sie hatte es damals in der Hand zu gehen. Aber sie wurde so erzogen, dass man sich nicht trennt.

Die letzten Monate hatten mich ihre Tobsuchtsanfälle getroffen. Sie überwogen die Vergangenheit. Jetzt, seit ich ihre Tobsuchtsanfälle nicht mehr erleben muss, geht es mir besser. Aber in dieser Zeit fühlte ich mich auch nicht gut, weil ich zu oft damit konfrontiert wurde.

Ich wünsche euch allen ein schönes sonniges Wochenende :-)

Jsan7x4


und deine Mutter nur noch dich hat

Die hat mich nicht, nicht jetzt und auch in der zukunft nicht

Ich weiss aber wie sie war als mein Vater mit Herzinfarkt und OP im Krankenhaus war..

und ich hab auch nicht den Eindruck, dass unsere Mütter sich sehr ähnlich sind. Du beschreibst Deine ja fast als unterwürfig Deinem Vater gegenüber, "kein eigenes Leben", erst nach seinem Tod etwas aufgeblüht. Das ist bei meinen genau umgekehrt, sie hat(te) Freunde, ist aktiv, will Dinge unternehmen, er buddelt sich zuhause ein, hat einen einzigen Bekannten den er "meinen sogenannten Freund" nennt, zieht sich sozial zurück.

Was ich anders sehe als ihr beide ist das "verstehen wollen". Das impliziert noch so einen Rest Gutes. Den sehe ich aber nicht. Meine Mutter ist eine psychopathische Sadistin, das muss man leider so sagen; sie quält Vater und mich mit purem Vorsatz. Ich sehe da nix gutes und auch keinen "Weg zurück" mehr.

ich bin manchmal erstaunt wenn ich von Leuten lese, dass man nach einiger Zeit, Abgrenzung und Abnabelung wieder zueinander findet oder "sporadischen Kontakt" unterhält. Das ist völlig undenkbar. Es gibt da nur zwei varianten. Entweder ich bin zu 100% wie gewünscht, oder jeder "sporadische Kontakt" besteht darin, dass mir die Tatsache, dass ich das nicht bin, vorgeworfen wird De fakto werde ich, wenn es nicht (basierend auf meiner 100%igen Bejahung des verdrehten Systems) "nett ist", bei jedem Kontakt nur angebrüllt und mit Vorwürfen überzogen (von beide). Hab manchmal den Eindruck, dass meine Eltern noch eine Spur verschärft sind im Vergleich zu den Eltern der anderen Teilnehmer hier.

Wual-tons


Der Abhängige muss seine Sucht erst erkennen, bevor er sie bekämpfen kann.

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