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Wie viel dürfen Eltern sich bei erwachsenen Kindern rausnehmen?

K-le:ixo


Choupette_Finnian

Find ich schon. Der Homophobe hätte gern einen weniger schwulen Sohn, der urdeutsche Vater gern eine Tochter, die nicht zum Islam konvertiert usw. ;-)

Sorry, aber genau das meinte ich. Es geht doch um Dich und nicht um "man". Klar gibt es Menschen, die an Idealvorstellungen festhalten, sie anderen wünschen, auch wenn es die Betroffenen nicht wünschen, etc. etc.

Das schließt sich mMn nicht zwangsläufig aus. Du vermischt hier außerdem zwei Themen. Du projizierst gerade meine Vorstellungen auf das Leben meiner Eltern, verlierst aber irgendwie aus den Augen, dass es nicht darum geht, wie ich meine Eltern im Ganzen gern hätte (zumal ich dazu nicht einmal konkrete Vorstellungen habe, ich wünsche ihnen nur nicht einsam und unglücklich zu sterben), sondern schlichtweg darum, wie ich mich von ihrer unberechtigten und teils äußerst fiesen Kritik lösen kann - wenn ein ändern ihrer Ansichten zu mir schon nicht drin ist. Letzteres ist schade, aber das nehme ich so hin.

Darum ja auch eine Alternative, die ich genannt habe - sie so anzunehmen, wie sie sind, etc. Lösungsmöglichkeiten können ja nur Dich betreffen, da Du das Problem hast.

Hakuna Matata - Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist. ;-D

Nein, es geht um die subjektive Wertung (in diesem Fall um Deine) und nachdem jeder sie subjektiv für sich definiert, kann er sie auch jederzeit ändern. Natürlich sofern er das will. Es gibt Menschen die sagen, nein, will ich nicht. Alternativen und Lösungen für das Problem gibt es viele.

Ich kann die Frage, wie viel Kontakt ich will auch nicht pauschal beantworten. Das schwankt. Und es kommt darauf an, wie sie auf meine Abgrenzungen reagieren werden.

Du wirst es schon herausfinden, was für Dich richtig ist.

J;anx74


So, noch bisschen mehr gelesen. Klingt genauso wie bei mir. Komplett egozentrisch und verdrehend. Verhalten sich Dir gegenüber mies und geben Dir sleber dann die schuld dafür, verteidigen sich auch dauernd gegenseitig. Oder?

Ausser sich das weiterhin gefallen zu lassen und radikal abgrenzen gibts da nichts, musste ich leider feststellen in meinem Fall. Der "Eiertanz", ein bisschen Abgrenzung, ein bisschen Diplomatie, geht immer in die Richtung dass sie immer penetranter und übergriffiger werden und irgendwann der Punkt "es geht nicht mehr" kommt. Eigentlich eskalieren an diesem Punkt lediglich Dinge, die schon viel länger klar sind.

Also bleibt nur der radikale Bruch. Dieser mag weh tun. Das ist dann genau das, woran man therapeutisch arbeiten kann und sollte.

Cshoupe)tte_Fixnnian


Jan:

Ich bin nicht am Anfang, nein. Ich bin nur soweit, dass ich langsam die Nase voll habe, dass ich älter werde und eigene Familienpläne entwickelt habe und dass ich entsprechend an die Zukunft denke.

Leidest Du überhaupt darunter?

Puh, leiden würde ich das nicht (mehr) nennen. Es macht mich wütend und es bewegt mich natürlich, sonst gäbs diesen Faden nicht. Aber leiden würde ich es insofern nicht (mehr) nennen, als dass ich das seit Jahren kenne, mitmache, und innerlich z.T. meine Grenzen gezogen habe. Äußerlich weniger, das sieht man ja hier. Aber das Wort "leiden" verbinde ich eher mit Trauer oder damit, dass es mir schlecht geht. Das war zu Kind- bzw. Teenie-Zeiten eher der Fall. In mir brodelt aber eher Wut. Ein bisschen Enttäuschung, weil ich nicht begreife, wie man so engstirnig und von sich überzeugt sein kann. Und wie wenig man die eigenen Fehler sieht, die man dem Gegenüber vorwirft.

Verhalten sich Dir gegenüber mies und geben Dir sleber dann die schuld dafür, verteidigen sich auch dauernd gegenseitig. Oder?

Genau!

-

Kleio:

Klar gibt es Menschen, die an Idealvorstellungen festhalten, sie anderen wünschen, auch wenn es die Betroffenen nicht wünschen, etc. etc.

Ich empfinde das als menschlich. Das ist nichts, was ich ablegen möchte, solange es in meinem Kopf passiert. Ich terrorisiere damit nicht meine Umwelt oder dränge es irgendwem auf. Ich grüble auch nicht die ganze Zeit darüber nach, wie das Leben von irgendwelchen Leuten (in meinen Augen) besser werden könnte oder sowas. Und was die Wünsche für meine Eltern abgeht, so entstehen diese auch aus einer großen Portion Egoismus: Ich bin Einzelkind und was das Alter und die Krankheiten meiner Eltern angeht, stehe ich allein davor. Ich habe auch keine große Verwandtschaft, schon gar nicht in meinem Alter. Die sind alle jetzt schon alt oder im Alter meiner Eltern. Es läuft darauf hinaus, dass ich mich kümmere oder niemand. Ich denke nicht, dass ich letzteres mit meinem Gewissen vereinbaren könnte. Nein, ich bin sogar sicher. Ich bin niemand, der die zweite Wange auch noch hinhält, aber das wäre mir zu hart - zumindest sehe ich das derzeit noch so, wer weiß, was noch kommt. ;-)

Du wirst es schon herausfinden, was für Dich richtig ist.

Da bin ich sicher. @:)

J|a$n74


Das klingt doch eigentlich ganz gut.

Ich leide darunter, dass man mit dieser brodelnden Wut und Enttäuschung im Endeffekt nirgends hin kann, weil halt keinerlei Bereitschaft zur Einsicht vorhanden ist, und ausser radikaler Abgrenzung, und damit de fakto dem Verlust der Eltern, nichts übrig bleibt. Trauer dominiert da, und Wut darüber, wie Menschen so dämlich und so egozentrisch sein können. Wobei das immer klarer (und leider auch stärker) wird, je mehr ich abgrenze. Ich hab ja auch jahrelang versucht, so ein Mittelding zu fahren. Geht aber nicht. schwarzweiss. Entweder so sein (oder tun) wie die wollen und im Zweifel alles wegstecken, oder Ofen aus. und da ersteres auf Dauer nicht zu ertragen ist, bleibt nur das radikale Ofen aus, und das tut halt weh.

CeoteSauPvage


mond+sterne, da geb ich dir Recht! Ich wüsste nicht, wie ich meine Gefühle ändern sollte, Wut und ähnliche Gefühle kann man kanalisieren und umleiten, vertagen, verschieben. Aber ein Nicht-Empfinden zu erreichen geht schlecht. Und will ich ja auch gar nicht, das würde aufs unterdrücken herauslaufen und um u.a. das zu ändern, existiert ja dieser Faden. :-)

Klar geht das! In deinem Fall würde ich dir empfehlen, es in die Richtung zu versuchen, dass es dir schlicht und einfach gleichgültig wird, was deine Eltern über dich denken. Dann ist auch jeglicher Ärger darüber weg, dass sie dich zB für eine Versagerin halten. Du solltest lernen, dass es nicht darauf ankommt, was deine Eltern über dich denken, sondern was du selber über dich denkst (und die Menschen die dir wohlwollend gegenüber stehen wie dein Freund und die Menschen denen du nicht aus dem Weg gehen kannst wie Kollegen - im letzteren Fall brauchst du eine spezielle Strategie).

Aber leiden würde ich es insofern nicht (mehr) nennen, als dass ich das seit Jahren kenne, mitmache, und innerlich z.T. meine Grenzen gezogen habe.

Die hast du innerlich eben noch nicht gezogen. Du hast zwar eine Vorstellung davon wo deine Grenzen sind, sie sind aber noch nicht wirksam.

Jan

Ich leide darunter, dass man mit dieser brodelnden Wut und Enttäuschung im Endeffekt nirgends hin kann, weil halt keinerlei Bereitschaft zur Einsicht vorhanden ist, und ausser radikaler Abgrenzung, und damit de fakto dem Verlust der Eltern, nichts übrig bleibt.

Aber die Eltern sind doch schon "verloren", unabhängig davon ob du darüber wütend bist oder nicht.

Und "Enttäuschung" ist genau das Stichwort. Hör auf, von deinen Eltern etwas (Unrealistisches) zu erwarten, dann wirst du auch nicht enttäuscht.

Was ihr beide lernen müsst ist Loslassen. Wie man das auch zwangsläufig muss, wenn einen der Partner verlässt weil er einen nicht (mehr) liebt. Da wird man sich zunächst auch Gefühlen wie Enttäuschung, Wut, Hass usw hingeben, dann aber muss man diesen Menschen loslassen und nach vorne schauen.

JCaMn7x4


tun wir doch.. aber ist nicht gerade einfach und schmerzfrei.

KUlexio


Choupette_Finnian

Ich empfinde das als menschlich. Das ist nichts, was ich ablegen möchte, solange es in meinem Kopf passiert. Ich terrorisiere damit nicht meine Umwelt oder dränge es irgendwem auf.

Es passiert nicht in Deinem Kopf, wenn Du es nicht passieren lässt. Gedanken sind ja nicht irgendwie selbständig und unabhängig von "Dir". Nein, Du terrorisierst (um Deine Wortwahl aufzunehmen) nicht Deine Umwelt (wäre auch nur möglich, wenn sie sich durch Deine Ansicht terrorisieren ließe), Du terrorisierst Dich.

Ich grüble auch nicht die ganze Zeit darüber nach, wie das Leben von irgendwelchen Leuten (in meinen Augen) besser werden könnte oder sowas. Und was die Wünsche für meine Eltern abgeht, so entstehen diese auch aus einer großen Portion Egoismus: Ich bin Einzelkind und was das Alter und die Krankheiten meiner Eltern angeht, stehe ich allein davor. Ich habe auch keine große Verwandtschaft, schon gar nicht in meinem Alter. Die sind alle jetzt schon alt oder im Alter meiner Eltern. Es läuft darauf hinaus, dass ich mich kümmere oder niemand. Ich denke nicht, dass ich letzteres mit meinem Gewissen vereinbaren könnte. Nein, ich bin sogar sicher. Ich bin niemand, der die zweite Wange auch noch hinhält, aber das wäre mir zu hart - zumindest sehe ich das derzeit noch so, wer weiß, was noch kommt.

Wenn ich Dich richtig verstehe, willst Du Dich weiterhin über Deine Eltern aufregen und auf sie wütend sein, wenn "sie Dich dazu treiben". Du willst sie wenn notwendig pflegen und für sie da sein. Es gibt genug Menschen, die es so handhaben und solche Situationen arten nicht selten in Katastrophen aus. Mit Katastrophen meine ich jetzt gar nicht, dass sie geschlagen werden, weil die Kinder mit der Situation überfordert sind oder sie dann zu dem Zeitpunkt den Kontakt abbrechen und es sich immer vorwerfen, dass sie ihren eigenen Anspruch an sich nicht erfüllen konnten. Nein, ich meine pflegende Wracks, weil sie sich nicht abgrenzen können und sie nicht gelernt haben, sich abzugrenzen, egal ob von der Meinung der Eltern oder auch, dass etwas zu viel ist und sie nicht mehr von sich fordern, als sie geben können, ihre Beziehung zum Partner kaputt geht, etc. Du willst heiraten, Kinder, Haus und Eltern pflegen, von denen Du Dich wütend machen lässt. Klar, das packen die meisten mit links. Denn das wäre ein mögliches Szenario, das Du hier entwirfst. Ob Du das wirklich willst, wirst Du ja sehen.

Jnan7x4


Du bist erst 25, ich 40. Ich bin schon 15 Jahre weiter, das soll nicht eingebildet klingen, aber ich empfinde vieles, was Du schreibst, meinen Gedanken und Gefühlen von vor diversen Jahren ziemlich ähnlich.

Gerade was das Pflegen angeht, habe ich für mich entschieden, dass ich nicht für sie da sein werde, zumindest nicht für meine Mutter, falls mein Vater früher geht. Es sträubt sich alles in mir. Und was das Gewissen angeht - es besteht keinerlei Sinn und Logik darin, ein schlechtes Gewissen gegenüber Leuten zu haben, die einen lebenslang nur komplett scheisse und egozentrisch behandelt haben. Die mich, anstatt mir zu helfen, in düstersten Phasen nur noch tiefer in die Verzweiflung getrieben haben, die mein Leben irreparabel beschädigt haben, und da nach wie vor keinerlei Einsicht zeigen. Das schlechte Gewissen ist genau die Falle der psychischen Fehlprogrammierung und solange Du Dich davon nicht frei machst, bist Du weiterhin gefangen. Es gibt da keinen Mittelweg. Die oder Du, dazwischen ist nichts (zumindest ist das bei mir so aber es kommt mir wie gesagt alles sehr ähnlich vor). Die (direkte und indirekte) Botschaft meiner Mutter lautet "Jan, Du wirst Dich für uns aufreiben und aufopfern bis zur völligen Erschöpfung. Du hast für uns da zu sein. Wie es Dir geht ist uns egal". Wenn ich mich da auch nur 1% verweiger, eskaliert das ganze System sofort, mit dem Resultat erheblicher Wut und auch Leidens meiner uneinsichtigen Eltern. Und wenn ich damit nicht leben kann, bin ich dazu gewzungen, mich für sie aufzuopfern.

C&houOpette_#Finniaxn


Jan, wann hast du denn angefangen dich näher damit auseinanderzusetzen und den Schlussstrich zu ziehen? Du klingst so, als wäre das Thea für dich noch sehr aktuell?

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CôteSauvage:

Du solltest lernen, dass es nicht darauf ankommt, was deine Eltern über dich denken, sondern was du selber über dich denkst (und die Menschen die dir wohlwollend gegenüber stehen wie dein Freund und die Menschen denen du nicht aus dem Weg gehen kannst wie Kollegen - im letzteren Fall brauchst du eine spezielle Strategie).

Ersteres weiß ich. Dessen bin ich mir bewusst - wäre ich das nicht, wäre ich wohl ziemlich weit unten.

Mit den Kollegen komme ich klar, da denke ich nicht "Oh nein, denen kann ich nicht aus dem Weg gehen", sondern vielmehr "Im Kleinen kann ich sie in die Schranken weisen, im Großen steht es mir frei die Kanzlei zu wechseln.". Ich setze mich dahingehend nicht unter Druck oder sowas. Wir haben allgemein kein sonderlich gutes Arbeitsklima, aber ich halte mich weitestgehend raus und komme mit den Leuten und der Situation klar. Gilt übrigens auch für mein restliches Leben, ich gehe weitestgehend höflich durchs Leben, aber lasse mir auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Es geht primär und sekundär um meine Eltern.

Da wird man sich zunächst auch Gefühlen wie Enttäuschung, Wut, Hass usw hingeben, dann aber muss man diesen Menschen loslassen und nach vorne schauen.

Zur Unterstützung ist ja dieser Faden gedacht. Und für Tipps, Gedankenaustausch...

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Kleio:

Wenn ich Dich richtig verstehe, willst Du Dich weiterhin über Deine Eltern aufregen und auf sie wütend sein, wenn "sie Dich dazu treiben"

Wie kommst du auf das schmale Brett, wenn du den Faden im gesamten liest? ":/

Du willst sie wenn notwendig pflegen und für sie da sein.

Um Gottes Willen, nein! Ich war erst am überlegen, ob ich das genauer ausführe... Hätte ich mal besser getan. Ich würde weder meine Eltern pflegen, noch sonst jemanden. Das kann und will ich nicht. Das erste, was ich zu meinem Freund gesagt habe, als wir uns entschlossen haben ein großes Haus oder einen Resthof zu kaufen war, dass aber weder meine Eltern noch seine jemals bei uns einziehen werden! Nicht einmal im Kuhstall!! Niemals!!

Ich würde meine Eltern unterstützen in eine gute Pflegeeinrichtung zu kommen, ggf. noch finanziell (kommt man ja eh nicht drumrum) und sie besuchen, sofern unser Verhältnis besser wird.

Ich möchte meine eigene Familie und meine Haustiere, ggf. den Beruf wechseln in eine Sparte, die mir Spaß macht, nicht die sie wollen. Vielleicht Hobby und Job verbinden. Das wars dann aber auch. Ich möchte für Mann und Kinder da sein - nicht als Hausmütterchen, sondern als Frau und Mutter und zwar so, wie meine es nicht war. Ich will nicht vollzeit arbeiten und meine Kinder zu Schlüsselkindern machen, die mit ihren eigenen Problemen klarkommen müssen. Als Topping dann Vorwürfe von mir, warum sie kein Vertrauen aufbauen können/konnten. Ich will keine oberflächliche Ehe führen, wo Liebe und Co. ganz hintenanstehen, wenn grad noch Zeit übrigen bleibt, notfalls halt am Wochenende oder wenn man mal länger Urlaub hat... Und das alles für irgendeinen materiellen Schwachsinn. :|N Kaputte Ehe, kaputte Kinder, aber ein Homekino an der Wand. Super.

E]hemaligerO Nutozer (#4M58871x)


Ich habe den vielen wundervollen Beiträgen in diesem Thread nichts hinzuzufügen, möchte Dir, choupette, aber mein Mitgefühl aussprechen. Wie Du hier siehst, bist Du nicht allein mit diesem Problem. Manche haben radikalere Schritte unternommen als andere. Ich kann mich - 15 Jahre nachdem ich von zu Hause ausgezogen bin - immer noch nicht von meiner Mutter abgrenzen, Respekt erhoffe ich mir immer noch, aber meist umsonst. Wie oft habe ich einen kompletten Kontaktabbruch gedanklich durchgespielt... Vieles in Deiner Geschichte kommt mir sehr bekannt vor! @:)

Ciote5Sauvaxge


@ Choupette

Ich finde das was du schreibst sehr durchdacht, deswegen sehe ich bei dir gute Chancen, dass du zu einem für dich akzeptablen inneren = emotionalem Verhältnis zu deinen Eltern finden wirst ;-)

(Da haben mich andere Threads zu diesem Thema schon mehr aufgeregt ;-D )

CnhouGpette_=Finnihan


Naja, es kommt wohl stark auf den Stand an... hatte ich den Faden vor 5 Jahren eröffnet, wäre Ich auch noch sehr unsicher und würde mich einiges auch nicht trauen in Erwägung ziehen. Damals habe ich aber auch nochvgedacht, dass meine Eltern ihre Sichtweise ändern wenn ich eine Ausbildung und eine eigene Wohnung habe. Pf. Naiv.

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Jule, klingt unschön und kräftezehrend seit 15 Jahren zu kämpften und zu hoffen... :-( warum brichst du letztendlich nicht mit ihr?

CPhoupektte_[Fi3nnian


Sorry, ich schreibe über das Handy, Fehler ahoi...

E;hemal%igrer Nuztzer (#45x8871)


Jule, klingt unschön und kräftezehrend seit 15 Jahren zu kämpften und zu hoffen... :-( warum brichst du letztendlich nicht mit ihr?

Hoffen tu ich eigentlich nicht mehr. Seit dem Tod meines Vaters vor >10 Jahren ist es auch nicht gerade besser geworden. Ich habe vor ein paar Jahren den Kontakt auf ein für mich einigermassen erträgliches Minimum heruntergeschraubt. Ich sehe sie 1-3 Tage im Jahr, wir telefonieren vielleicht einmal im Monat, aber auch mal zwei Monate nicht. Da sie mich aus völlig obskuren Gründen (lange Geschichte) nicht anruft, habe ich meine Ruhe, solange ich mich nicht von mir aus melde.

Du fragtest, warum ich nicht komplett mit ihr breche. Da gibt es mehrere Gründe, ich versuche mal zu schreiben, was mir in den Sinn kommt: Sie ist alleine, mein Vater ist tot, ich bin Einzelkind, sie ist einsam und hat wenige Freunde, zudem sind ihre einzigen zwei Freundinnen letztes Jahr gestorben. Ich habe eigentlich kein wirkliches Mitleid, da sie aus meiner Sicht ein Kotzbrocken ist v.a. Menschen gegenüber, die sie tatsächlich an sich heranlassen. Vielleicht tue ich ihr aber unrecht und sie ist nur mir gegenüber (und früher meinem Vater gegenüber) so. Ich fühle also eine gewisse Verantwortung, da sie mittlerweile über 70 ist und auch nicht mehr ganz gesund. Diese Verantwortung kommt nicht von Liebe (ich empfinde ihr gegenüber gar nichts mehr), sondern von schlechtem Gewissen, das sie mir subtil anerzogen hat (mit Unterstellungen wie "wenn ich dann ganz plötzlich sterbe, kommen alle meine Sachen in einen Container, Du kannst ja bestimmt nicht kommen"). Die Verantwortung ist aber eher organisatorischer/finanzieller Natur. Ich würde sie niemals pflegen.

Ein anderer Grund ist, das muss ich ganz offen sagen, dass ich aufgrund meiner Krankheit und daraus folgender Berufsunfähigkeit Existenzsorgen habe, die momentan gottseidank unbegründet sind, das kann in fünf Jahren aber anders aussehen, insofern - ja, ich möchte das, was sie noch an Vermögen hat, gerne erben. Sie hat es ohnehin nicht erarbeitet, sondern mein Vater. Geld ist das einzige, was sie mir noch gibt - und das nicht auf Nachfrage, das beim besten Willen nicht! Sondern mit einer absurden Wechselhaftigkeit zwischen Grosskotzigkeit und Geiz (sie hat mich seit 10 Jahren nicht zu meinem Geburtstag angerufen, weil ich kein Festnetz habe und es ihr zu teuer ist, mich auf meinem Handy anzurufen). Ich hatte bisher ein irre schlechtes Gewissen, grosse Geldbeträge anzunehmen, weil ich mich so wenig um sie "kümmere". Habe vor kurzem mit einer Psychologin darüber gesprochen (das Problem eigentlich nur angerissen), die fand mein schlechtes Gewissen unangebracht. Sie meinte, vielleicht sei das der einzige Weg für meine Mutter, mir ihre Zuneigung auszudrücken, und vielleicht würde ihr das durchaus etwas geben, wenn ich das Geld annehme. (Sie braucht das Geld ohnehin nicht, auch wenn sie großzügig lebt.)

Ein dritter Grund ist, dass "die Gesellschaft" ja meint (und das ist auch immer wieder schön hier im Forum zu lesen, gottseidank nicht in diesem Thread), man müsse seine Eltern lieben, einfach nur, weil sie die Eltern sind. Das ist bei mir tief verankert. Mir hat mal jemand die Freundschaft gekündigt, weil ich gesagt habe, dass ich meine Mutter hasse. Für Menschen, die eine heile Familie haben, ist so etwas undenkbar. Dass ich heute einige tiefsitzende Probleme habe, habe ich meinen Eltern und ihrem Leistungsdenken zu verdanken. Das ist für mich unentschuldbar.

Ein vierter Grund ist, dass mich ein kompletter Kontaktabbruch momentan zu viel Energie kosten würde. Ich bin chronisch krank und habe sehr, sehr wenig Energie zum Leben zur Verfügung. Insofern ist so ein "Knall" momentan einfach nicht drin, wenn ich auf mich selbst aufpassen will, und das habe ich immerhin in den letzten Jahren gelernt, meine Gesundheit ist mir am allerwichtigsten! Hier meine ich v.a. meine physische Gesundheit, aber auf Deine Situation übertragen natürlich auch das emotionale Wohlergehen. Eskalation ist manchmal nötig, aber nicht immer für alle Beteiligten die beste Lösung.

Ein fünfter Grund ist, dass meine Mutter noch einige Sachen meines Vaters hat, die ich gerne erben möchte (ich denke da an Reisetagebücher usw., handschriftliche Notizen zu seinen Hobbies). Sie hat schon mehrmals Sachen weggegeben, die mir sehr wichtig waren, das möchte ich nicht nochmal unnötig riskieren.

Der sechste Grund ist einer, den ich eigentlich gar nicht niederschreiben möchte, weil ich weiss, dass er aus purer Manipulation und emotionaler Erpressung seitens meiner Mutter entstanden ist: Ich habe durchaus auch schöne Erinnerungen an meine Kindheit, insofern "schäme" ich mich dafür, meiner Mutter nicht mehr Interesse entgegenzubringen. Meine Eltern haben mir auch gute Werte und Erlebnisse mit auf den Weg gegeben, mein Vater war ohnehin ein sehr interessanter Mensch mit vielen schönen Hobbies und Leidenschaft für das, was er mochte. Meine Mutter hat sicherlich versucht, alles richtig zu machen und ist doch so früh so gescheitert. Die Schuld daran hat sie immer mir gegeben. Es gab da ein paar SchlüsselerlebnisseSchlüsselerlebnisse, z.B. ist ihr einmal ein Kind vors Auto gelaufen, es ist nichts passiert, sie konnte noch bremsen, aber sie hat mich stundenlang beschuldigt, weil ich im Auto geredet und sie abgelenkt habe. Da war ich 10 oder so. Ein andere Geschichte, die leider öfter passiert ist, ist, dass sie mir angedroht hat, unser Auto gegen einen Baum zu fahren. Da war ich in der Grundschule. Sie war völlig hysterisch.

Ich möchte solche Geschichten nicht aufwärmen, und vermutlich erinnert sie sich nicht einmal mehr. Aber das sind Dinge, die ich nie vergessen können werde, da kann sie mich materiell noch so überschüttet haben (und tut es z.T. immer noch).

Der siebte Grund ist der, dass ich momentan nicht sehr unter ihr leide, da wir eben so wenig Kontakt haben. WENN wir Kontakt haben, dann geht es mir aber hinterher jedesmal schlecht. Sie schafft es immer, mir etwas reinzudrücken, was mich verletzt, und wenn ich sage, dass es mich verletzt, dann sagt sie, ich solle nicht so empfindlich sein. Es ist also meine Schuld, wenn ich fertig bin...

Ich wollte Deinen Thread nicht dazu missbrauchen, mir hier Sachen von der Seele zu schreiben, irgendwann mache ich dazu mal einen eigenen Thread auf. Manchmal kann es aber auch gut tun zu wissen, dass man nicht alleine ist mit seinem Kampf. Hier haben sich ja schon mehrere mit ähnlichen Geschichten geäußert.

Dir alles alles Gute! :)*

K%leAio


Wie kommst du auf das schmale Brett, wenn du den Faden im gesamten liest? ":/

Auf das schmale Brett kam ich dadurch:

Ich bin Einzelkind und was das Alter und die Krankheiten meiner Eltern angeht, stehe ich allein davor. Ich habe auch keine große Verwandtschaft, schon gar nicht in meinem Alter. Die sind alle jetzt schon alt oder im Alter meiner Eltern. Es läuft darauf hinaus, dass ich mich kümmere oder niemand.

Du hast es ja jetzt definiert, was Du darunter verstehst, Dich um Deine Eltern zu kümmern. Wenn das so funktioniert und genug Geld da sein wird, wird es auch klappen. Ansonsten kenne ich es aus dem Alltag anders und habe gerade vor kurzem ein extremes Negativbeispiel beobachtet, dass die Tochter nicht gut aussteigen ließ, auch wenn mir bewusst ist, dass die alte Frau an ihrer Tochter kein gutes Haar ließ. Meiner Ansicht nach hat sich die Tochter dann aber einfach nur unmenschlich (um es mit Deinen Worten zu beschreiben) benommen. Offiziell ging das als "sich kümmern" im Sinne, dass sie dafür sorgst, dass die Mutter versorgt war, durch. Also auch das kann ganz schön in die Hose gehen. Du wirst es aber sicher anders machen.

Und das alles für irgendeinen materiellen Schwachsinn. :|N

Dann hoffe ich für Dich, dass Deine potentiellen Kinder nicht gerade materielle Werte in ihrem Leben als erstrebenswert erachten werden. In der Regel wissen Menschen, dass sie angelogen werden, also hilft es in der Regel auch nicht, einfach mal die negative Meinung, die man hat zu schlucken und es nur hinter ihrem Rücken mit dem Ehepartner z. B. anzusprechen. Aber Du wirst sie sicher so annehmen, wie sie sein werden.

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