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In Beziehung zu Sex "gezwungen"

sVchilqchexr


Liebe Alias,

Ich hoffe, Du konntest schlafen und hast - falls Du hingegangen bist - den Arbeitstag gut überstanden. :)*

Pnink_LadyqApfexl


Hmmmm. Ein sehr, wie nennt man das, sensibles Thema. Aber es gibt ein paar Punkte in dem Faden, die mir ganz sauer aufstoßen.

1) Viele Frauen erleben laut Aussage einiger, bei einer Vergewaltigung einen Orgasmus! Das KANN und will ich mir nicht vorstellen und ich bin vergewaltigt worden. Ich glaube in keiner Situation meines Lebens war ich von einem Orgasmus so weit entfernt wie zu dem Zeitpunkt. Vor allem, wie soll denn der Partner der TE noch merken, dass die TE eigentlich gar nicht will, wenn es möglicherweise Orgasmusgeräusche gibt? Gerade bei Frauen ist der Orgasmus doch extreme Kopfsache. Ein Mann kann mir noch erklären, dass er durch mechanisches hin und her gereibe des Penis'kommt, aber eine Frau? Tut mir leid, zu der These hätte ich gern mal Studien gelesen, das ist für mich der größte Unsinn den ich je gelesen habe.

2) Ich finde es hart, wie schnell hier von Vergewaltigung per se gesprochen wird. Ja, der Partner der TE hat Mist gebaut, indem er das "Nein" nicht akzeptiert hat. Aber es wurde auch mehr als einmal erwähnt, dass Versöhnungssex bei dem Paar Gang und Gäbe ist. Und ja, ich habe alles gelesen. Aber ich begreife nicht, dass wenn die TE wirklich zu 0,0 Prozent gewollt hat, sie das nicht EINDEUTIG klar gemacht hat. Es war immerhin der Partner, nicht irgendein Fremder im Busch wo man Angst haben muss, der sticht einen ab. Ein gebrülltes "FASS MICH NOCH EINMAL AN UND ICH ZEIG DICH AN" wird den Typen wohl vom "vermeintlich einvernehmlichen" Sex abbringen, wenns der Partner ist. Wenn nicht, DANN würde selbst ich das Wort Vergewaltigung in den Mund nehmen.

3) Ich finde es hart, wie hier auf Arzt, Dokumentationen etc. gepocht wird mit dem Gedanken, dem Typen vllt. mal irgendwann das Leben mit einer Anzeige zu versauen. Okay, es gab paar äußere Schrammerierungen, die gibt es bei einigen sicherlich auch bei normalem Sex. Aber die TE hat auch eindeutig gesagt, dass sie ihn nicht anzeigen wird, warum wird sie hier so förmlich zu einer Dokumentation gedrängt? Sie ist schon jahrelang mit dem Mann zusammen und wird am besten einschätzen können, ob er ein gewalttätiger Irrer ist oder ob mit ihm einfach die Pferde durchgegangen sind, weil er sich vllt. so nach seiner Partnerin gesehnt hat, dass er nicht mehr von ihr lassen wollte.

Enhemalig!er Nut1zer (#x573012)


PinkLadyApfel

ZU 1) auch wenn es bei dir nicht so war, das gibt es .

Zu 2) - wurde schon alles geschrieben, dass du es anzweifelst ist für mich unverständlich.

Es erinnert mich an eine ähnliche Situation einer guten Freundin, die mit solchen Reaktionen wie deiner nach dem Erlebnis auch noch umgehen mußte . Mir fehlen die Worte- da wird einem übel.

A:ryaT 2.0


Mir fehlen die Worte- da wird einem übel.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Aber ich begreife nicht, dass wenn die TE wirklich zu 0,0 Prozent gewollt hat, sie das nicht EINDEUTIG klar gemacht hat.

Was muss man denn noch machen? Wieso reicht nicht ein: "Nein, lass das. Ich will das nicht." ? Ich versteh es nicht. Man kann ja wohl - gerade von seinem Partner - erwarten, dass er ein "Nein" akzeptiert und nicht erst aufhört, wenn ich mit Kratzen, Beißen oder Rumschreien anfange.

Ccinn.am(on4


1) Viele Frauen erleben laut Aussage einiger, bei einer Vergewaltigung einen Orgasmus! Das KANN und will ich mir nicht vorstellen und ich bin vergewaltigt worden. Ich glaube in keiner Situation meines Lebens war ich von einem Orgasmus so weit entfernt wie zu dem Zeitpunkt. Vor allem, wie soll denn der Partner der TE noch merken, dass die TE eigentlich gar nicht will, wenn es möglicherweise Orgasmusgeräusche gibt? Gerade bei Frauen ist der Orgasmus doch extreme Kopfsache. Ein Mann kann mir noch erklären, dass er durch mechanisches hin und her gereibe des Penis'kommt, aber eine Frau? Tut mir leid, zu der These hätte ich gern mal Studien gelesen, das ist für mich der größte Unsinn den ich je gelesen habe.

Ich glaube, diesen Abschnitt kann man auf

Das KANN und will ich mir nicht vorstellen und ich bin vergewaltigt worden.

reduzieren.

Es tut mir sehr leid, dass du so eine schlimme Erfahrung machen musstest.

Wie du dir aber wahrscheinlich denken kannst, machen viele Menschen in ihren Leben Erfahrungen, die zwar alle unter bestimmten Begriffen zusammenfassbar sind, jedoch unterschiedlichen Inhalt haben.

Ich beglückwünsche dich, bzw. sehe es als Glück im Unglück, dass du die Erfahrung eines Orgasmus bei einer Vergewaltigung nicht machen musstest.

Ich würde da vermutlich eher Demut empfinden als das Bedürfnis, der TE und allen Menschen, die eine Gewalterfahrung machen mussten, ihre Wahrnehmung abzusprechen.

Und wie die Inhalte bestimmter Erfahrungen, sind auch die Menschen an sich unterschiedlich. Denn ja, es gibt auch Frauen, die durch rein mechanische Stimulation kommen können, ob du es glaubst oder nicht!

Und es gibt auch Männer, die das nicht können.

Das ist auch kein Wunder oder irgendwie merkwürdig, sondern ganz im Gegenteil völlig normal und mich wundert es hingegen wirklich, dass du das nicht zu wissen scheinst.

2) Ich finde es hart, wie schnell hier von Vergewaltigung per se gesprochen wird. Ja, der Partner der TE hat Mist gebaut, indem er das "Nein" nicht akzeptiert hat. Aber es wurde auch mehr als einmal erwähnt, dass Versöhnungssex bei dem Paar Gang und Gäbe ist. Und ja, ich habe alles gelesen. Aber ich begreife nicht, dass wenn die TE wirklich zu 0,0 Prozent gewollt hat, sie das nicht EINDEUTIG klar gemacht hat. Es war immerhin der Partner, nicht irgendein Fremder im Busch wo man Angst haben muss, der sticht einen ab. Ein gebrülltes "FASS MICH NOCH EINMAL AN UND ICH ZEIG DICH AN" wird den Typen wohl vom "vermeintlich einvernehmlichen" Sex abbringen, wenns der Partner ist. Wenn nicht, DANN würde selbst ich das Wort Vergewaltigung in den Mund nehmen.

Den Gedankengang kann ich zwar prinzipiell nachvollziehen, frage mich aber trotzdem, warum du ihn laut äußerst, wo die TE doch schon klar gesagt hat, dass das Alles gewaltsam und gegen ihren ausdrücklichen Willen geschehen ist.

Versöhnungssex hat wohl seit über einem Jahr nicht mehr stattgefunden. Ich weiß ja nicht, wie andere Menschen das handhaben, aber wenn mein Partner und ich aus welchen Gründen auch immer mal auch nur ein paar Wochen keinen Sex hatten, sind unsere Annäherungsversuche sehr vorsichtig. Der "Druck" des Freundes der TE in allen Ehren, aber das gibt ihm nicht das recht, den Willen der TE zu missachten und den Sex gewaltsam zu erzwingen!

Hinzu kommt, dass Menschen im Schock nicht rational reagieren. Wurde hier schon lang und breit erklärt, dass das Hirn sich dann einfach ausschaltet und man nur noch zwischen "Kampf oder Flucht" wählen kann, bzw. der Instinkt für einen wählt.

3) Ich finde es hart, wie hier auf Arzt, Dokumentationen etc. gepocht wird mit dem Gedanken, dem Typen vllt. mal irgendwann das Leben mit einer Anzeige zu versauen. Okay, es gab paar äußere Schrammerierungen, die gibt es bei einigen sicherlich auch bei normalem Sex. Aber die TE hat auch eindeutig gesagt, dass sie ihn nicht anzeigen wird, warum wird sie hier so förmlich zu einer Dokumentation gedrängt? Sie ist schon jahrelang mit dem Mann zusammen und wird am besten einschätzen können, ob er ein gewalttätiger Irrer ist oder ob mit ihm einfach die Pferde durchgegangen sind, weil er sich vllt. so nach seiner Partnerin gesehnt hat, dass er nicht mehr von ihr lassen wollte.

Wie Dir beim aufmerksamen Nachlesen auch nicht entgehen wird, geht es nicht nur um eine mögliche Anzeige, sondern einfach auch um einen Schutz vor weiteren Übergriffen. Auch soll damit die Wahrnehmung der TE festgehalten werden und sie soll die Möglichkeit (!) erhalten, eine Anzeige zu machen, wenn sie das irgendwann will.

P.S.:

Eigentlich hatte ich überlegt, diesen Beitrag zu melden, weil er mal wieder hart an der Grenze ist. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man das nicht einfach unkommentiert löschen sollte, sondern gegen diese ganzen bescheuerten Vergewaltigungs-Klischees vorgehen sollte.

Falls die Moderation das anders sieht, kann mein Beitrag als Reaktion aber gerne gelöscht werden.

Alias 711589


nein, du bist nicht darauf eingegangen.

Ihn nicht anzeigen zu wollen ist kein Argument dafür, deine Verletzungen nicht dokumentieren zu lassen.

Aber warum brauche ich denn ein Argument? Ich möchte nicht zum Arzt gehen, ich will das nicht ansehen und dokumentieren lassen, ich will nicht dass es so groß und offiziell wird. Reicht das nicht als Grund?

wenn deine Verletzungen dokumentiert sind, hast du immerhin was gegen ihn in der Hand

Ich will nichts gegen ihn in der Hand haben. Er ist für mich kein gewalttätiges Monster, kein Krimineller. Er ist mein Freund/Exfreund und er hat mich wahnsinnig verletzt und mein Vertrauen zu ihm komplett zerstört. Ich denke, dass es das mit uns war und im Moment kann ich mir nicht einmal vorstellen, noch einmal mit ihm zu reden oder ein klärendes Gespräch zu führen. Aber ich brauche nichts gegen ihn in der Hand zu haben, ich will ihm auch nichts böses. Ich will einfach meine Ruhe und nicht wieder in so eine furchtbare Situation bzw. furchtbare Situationen kommen. Schon gar nicht mit ihm, aber auch nicht mit irgendjemand anderem.

Fotos habe ich aber gemacht, einfach für mich selbst. Keine Ahnung, warum. Vielleicht wirklich als "Erinnerung"

Dass ich überhaupt von dem Orgasmus geschrieben habe, bereue ich inzwischen so sehr. ICh will schon nicht, dass abgesehen von meiner Freundin noch jemand von der Sache erfährt, aber bevor ich noch einmal erzähle, dass ich in dieser Situation gek..... bin, beiße ich mir lieber die Zunge ab. Ich habe es nicht genossen! Es war schlimm für mich, mein Freund hat mir auch weh getan, weil er so rücksichtlos drauf los gemacht hat. Ich habe auch nicht gestöhnt oder so, mein Mund war so trocken, dass ich nicht einen Ton rausgebracht habe oder hätte.

Aber ich begreife nicht, dass wenn die TE wirklich zu 0,0 Prozent gewollt hat, sie das nicht EINDEUTIG klar gemacht hat

Habe ich aber doch.

So wie das passiert ist, so wie mein Freund mich geschnappt und festgehalten hat, hatte das nichts (!!!!) damit zu tun, wie wir vorher Sex hatten, auch wenn es man schneller oder wilder zur Sache ging. Damit beziehe ich mich auf unseren Sex in normalen Situationen und den nach einem Streit. Auch wenn man sehr wild und leidenschaftlich ist, kann das doch trotzdem liebevoll und zärtlich passieren, oder? So war es bei uns auch immer. Aber wie gesagt, wir hatten ja schon ganz lange eine "Durststrecke" und bis Samstag ewig gar nicht mehr miteinadner geschlafen.

Und sicher kennen das einige, dass es in einer Beziehung auch manchmal vorkommt, dass der eine Lust hat und der andere nicht. Kam bei uns auch vor und wenn mein Freund dann zum Beispiel abends im Bett einen Annäherungsversuch gestartet hat und an meiner Hose rumgefummelt oder mich irgendwo geküsst hat, aber ich nicht wollte, hat ein liebevolles "Schatz, heute nicht mehr" gereicht. Er hat es akzeptiert, wir haben vielleicht noch ein wenig gekuschelt oder auch nicht... Wie das eben so ist.

Entweder ich bin durch und durch verrückt und kann mir selbst überhaupt nicht mehr trauen, weil ich die Situation am Samstag und die gestern vollkommen anders erlebt habe als sie war (??) oder ich weiß auch nicht. Ich hab mich von ihm überrollt gefühlt, er hat mir weh getan, war grob und hinterher auch noch ziemlich respektlos. Und ich habe doch gesagt, dass er das lassen soll.

Ich habe mich heute zum Glück wieder mehr oder weniger gefangen, aber diese Zweifel und Selbstzweifel machen mich fertig. Ich bin doch eigentlich keine Dramaqueen, das ganze Wochenende war ehrlich gesagt ein Horror für mich und jetzt stehe ich vor den Trümmern meiner Beziehung. Ich kann mir das alles doch nicht nur eingebildet haben.

Und ich zerbreche mir seit Samstag natürlich auch den Kopf wie viel von der Verantwortung fpr das, was passiert ist, bei mir liegt, weil ich nicht noch deutlicher ausdrückken konnte, dass ich nicht will. Das Problem ist nur, dass ich es in der Situation wirklich nicht konnte. Ich kann es mir selbst nicht erklären. Insofern ist das sicher mein Fehler gewesen.

s5ch5ilchxer


Du brauchst Dich für NICHTS entschuldigen, rechtfertigen etc. Dich trifft keine Schuld. Du hast nichts falsch gemacht.

Wenn Du nichts dokumentieren lassen willst, ist das völlig ok. Wichtig ist, was Dir hilft und wie Du damit umgehen kannst.

Ich kann gut nachvollziehen, daß Du an Deiner Wahrnehmung zweifelst und es Dir irgendwie unwirklich vorkommt. Aber es ist passiert. Und deswegen ist es gut, daß Du es hier aufgeschrieben hast und es auch Deiner Freundin erzählt hast.

F=if~afofuxmm


Genau. Du machst das so, wie Du das möchtest und brauchst.

Alles Liebe! @:)

Sphoxjo


Dass ich überhaupt von dem Orgasmus geschrieben habe, bereue ich inzwischen so sehr.

Vielleicht ist es Dir wenigstens ein kleiner Trost - die allermeisten Frauen, die das bei einer Vergewaltigung erleben, also eine Erregung der Nervenbahnen, die zu einem orgasmusartigen körperlichen Empfinden führt, sind zutiefst verstört davon und wollen darüber mit kaum jemandem darüber reden, und wenn sie es tun, stoßen viele auf Unverständnis. Aufgrund des recht hohen med1-Google-Rankings werden einige dieser Frauen auch auf diesen Faden stoßen und lesen, dass es ihnen nicht allein so geht, und neben einigen Beiträgen wie dem von PinkLadyApfel werden sie auch viele andere lesen, die aussagen, dass diese körperliche Reaktion ganz schlicht vorkommen kann. Und vermutlich wird es die eine oder andere, die sich damit bis dahin vollkommen allein gefühlt hat, sehr beruhigen, dass sie damit eben nicht allein ist.

Und ich zerbreche mir seit Samstag natürlich auch den Kopf wie viel von der Verantwortung fpr das, was passiert ist, bei mir liegt, weil ich nicht noch deutlicher ausdrückken konnte, dass ich nicht will. Das Problem ist nur, dass ich es in der Situation wirklich nicht konnte. Ich kann es mir selbst nicht erklären. Insofern ist das sicher mein Fehler gewesen.

Ich schrieb es [[http://www.med1.de/Forum/Beziehungen/711589/#p21888785/ hier]] schon mal: Du hast Dir nichts vorzuwerfen. Das war keine Situation, in der Du abwägen und Dich für eine Reaktion entscheiden konntest. Ohne Kenntnis davon, was sich in so einer Situation im Hirn abspielt, kann man es nicht begreifen, aber es ist wirklich frappierend, wie sehr sich die Reaktionen auf solche Vorfälle meist ähneln. Bei Dir ist ein mächtiges biologisches Programm angesprungen und hat den Verstand umgangen. Das ist in gewissem Sinne auch eine schreckliche Erklärung, weil es heißt, dass man es nicht bewusst "besser" machen kann, aber so ist es eben. Es heißt aber keinesfalls, dass Du in einer vergleichbaren Situation wieder genau so reagieren würdest.

Ich hatte auch mal ein ziemlich scheußliches Erlebnis, wenn auch nicht annähernd so schlimm wie Deins - mit meinem Ex hatte ich reichlich wüsten Sex, teilweise mit Nasenbluten und Blutergüssen danach und so weiter. Wir hatten nie ein Codewort, ich wollte ja eh immer, und er ist nie ansatzweise an meine Grenzen geraten, bis ich dann mal nicht wollte, weil ich so wütend auf ihn war. Er hat es relativ schnell gemerkt, aber die Zeit, bis er es gemerkt und aufgehört hat, war wirklich entsetzlich. Der vertraute Mensch, mit dem ich so verdammt gern Sex hatte, und auf einmal hab ich ihn so elementar anders empfunden, war so in Panik, seine Stärke war auf einmal nicht mehr anziehend, sondern eine richtig existenzielle Bedrohung. Er hat aufgehört, weil er es gemerkt hat und mir nicht wehtun wollte (und Dein Ex hätte es auch merken können und sollen, er wollte nur nicht - sein Meideverhalten danach zeigt das recht nachdrücklich). Jedenfalls haben wir danach ein Codewort vereinbart, was ich vorher immer albern fand. Es hat gut zwei Wochen gedauert, bis ich wieder mit ihm schlafen wollte, obwohl er danach ebenso erschüttert war wie ich und nicht mal eingedrungen war. Ich kann nicht wirklich nachempfinden, wie es für Dich war, aber ein schwaches Echo davon, von diesem "Umkippen" von Vertrautheit in vollkommene Fremdheit, kann ich vermutlich zumindest erahnen. Und ich habe insgesamt drei eindeutig potenziell traumatisierende Erlebnisse gehabt, zwei davon im Zusammenhang mit Gewalt (das Erlebnis mit meinem Ex zähle ich nicht dazu, weil wir da viel Glück hatten). Das, was Du erlebt hast, zählt eindeutig zu solchen Erlebnissen, und bei so etwas reagiert das Gehirn nicht wie gewohnt. Täte es das, hätte es bei der Loveparade 2010 keinen einzigen Toten gegeben.

Falls Du in Deiner nächsten Beziehung Schwierigkeiten haben solltest, ganz loszulassen, vereinbart ein Codewort. Tu, was Du brauchst, um Dich sicher zu fühlen. Aber bitte gib Dir nicht die Schuld. Überleg, was Du anders hättest tun können, spiel die Situation im Kopf durch, wenn es Dir hilft, und ändere sie in Deiner Vorstellung ab. Ja, Du kannst mental ein bisschen "trainieren". Aber mit dem Wissen, das Du bei dem Ereignis hattest, mit Deinen Vorerfahrungen und in Deinem Schock, hättest Du nicht anders reagieren können als so, wie Dein Hirn es Dir in dem Moment vorgegeben hat.

D>ieDoseis~machtdaxsGift


Alias 711589

Ich finde es sehr schlimm in welchem Zustand innerer Bedrängnis Du Dich gerade befindest. Mir ist verständlich, dass Deine Gedanken und Gefühle Achterbahn fahren, Du für Dich versuchst zu reflektieren, WAS um alles in der Welt war das, was ich erlebt habe.

Du fühlst Dich (ich kann es nur vermuten) in 2 Welten, in der davor und in der danach. Beide bekommst Du nicht miteinander abgeglichen. Da gab es über lange Zeit einen Partner, mit dem es zwar (wie von Dir geschildert) turbulent zuging in Stress/Streit-Situationen, ABER es war steuerbar, es gab Grenzen und für Dich war überschaubar, ER geht nicht weiter, als das was Du von ihm kennst.

Es gab trotz aller Heftigkeit zwischen euch, eine unausgesprochene Ebene, wo trotz aller voran gegangener Wut, der andere in seinem Wesen und als Person respektiert wird.

Dieser Status Quo zwischen euch wurde an diesem Samstag für Dich nicht erkennbar durchbrochen. Es gab vorher keine vergleichbare Situationen zwischen euch, in der ein NEIN völlig übergangen wurde.

Es gibt keinen schlüssigen Grund für Dich, nach den Gründen einer Mitschuld zu suchen. Es gab einen inneren Schockzustand, der Dich völlig gelähmt hat. Es gibt Menschen, die an Unfallorten stehen, vom Verstand her wissen, was zu tun wäre - aber wie eine Salzsäule rum stehen und nichts tun, oder weg laufen vor Angst sie würden einen Fehler machen. Es gibt ebenso Menschen, die sehen, dass einem Anderen in ihrer Gegenwart Gewalt angetan wird, die sehenden Augens zusehen und handlungsfähig sind, obwohl sie vielleicht im Nachgang wissen, was dringend zu tun gewesen wäre.

Dies sind sehr komplexe Verhaltensmuster, Menschen klinken sich aus Situationen aus, die sie nicht ertragen und sich emotional unterdrückt und ausgeliefert fühlen.

Was erwartest Du von Dir, was Du hättest tun können? Das war kein Fremder, von dem Du NULL Ahnung gehabt hättest, was er als nächstes tun wird.

Auch Dein Freund war in einer Ausnahme-Situation, ob er für sich selbst erklären kann, was er in dem Moment tat, als er völlig die Kontrolle über sich verloren hat, wer weiß das schon. ABER mit Dir und einer Mitschuld, hat das in keiner Sekunde dieser Situation etwas zu tun.

Ich wünsche mir für Dich, dass Du Dir jegliche Strenge nimmst, an irgendeinem Punkt Fehler gemacht zu haben. Für Dich war nicht erkennbar wie weit Dein Freund (der war in diesem Moment noch) gehen würde. Du hast ihm bis zu seiner unkontrollierten Handlung vertraut. Das war angemessen und das durftest Du, bis er die Grenzen dazu gesprengt hat. Söhne Dich mit Dir aus, belaste Deine Seele nicht mit "Schuld", die nicht an Deiner Person hängt.

Grenze Dich von der Situation ab, es gab nichts was Du hättest tun können, Dein gebrochenes Vertrauen in diesen wenigen Minuten hat Dich aus der Situation raus geholt, um nicht bewusst zu erleben zu müssen, was ein Dir vertrauter Mensch tut. Dieser Schutzmechanismus ist tief in den meisten Menschen verankert, dass lässt sich nicht überlisten.

So handeln Kinder ( krasses Bsp. Sekten/Satanismus-Erfahrungen) und gewisse Muster dieses Verhaltens bleiben in uns und machen möglich, dass man daran seelisch nicht zerbricht.

Ich kann es mir selbst nicht erklären. Insofern ist das sicher mein Fehler gewesen.

NEIN, und Du musst Dir nichts erklären - Du hast Dich selbst beschützt, um etwas überstehen zu können, womit Du nicht rechnen konntest.

Pass auf Dich auf, vergrabe Dich nicht und umgib Dich mit vertrauten Menschen, die dafür sorgen das Du aufgefangen wirst. Dir alles Gute für Deinen Weg. :)_

Alias 711589


Danke für eure aufmunternden und netten Worte! Übrigens tut es mir auch für alle, die von geschrieben haben, dass sie richtig schlimme Dinge erlebt haben, leid.

Du hast Dir nichts vorzuwerfen. Das war keine Situation, in der Du abwägen und Dich für eine Reaktion entscheiden konntest.

Aber mit dem Wissen, das Du bei dem Ereignis hattest, mit Deinen Vorerfahrungen und in Deinem Schock, hättest Du nicht anders reagieren können als so, wie Dein Hirn es Dir in dem Moment vorgegeben hat.

Danke, dass du das sagst. Ich glaube, es war so. Ich weiß auch noch dass ich in diesen Momenten ganz viel gedacht habe, aber gleichzeit auch gar nichts. Mein Kopf oder auch mein ganzer Körper, mein ganzes "System" ist irgendwie "runtergefahren". Ich kann es nicht gut erklären. Es hat sich jedenfalls sehr, sehr schlimm angefühlt. Ich habe vorher zum Glück noch nie etwas in der Art erlebt und es war einfach ein Riesenschock.

Du fühlst Dich (ich kann es nur vermuten) in 2 Welten, in der davor und in der danach.

Ja, das beschreibt es ganz gut. Ich kenne meinen Freund einfach schon so lange, ich kenne seine Art, seine Macken, seine Stärken und Schwächen, weiß auch, welche Dinge ihn ärgern oder wütend machen, er hat mich schon so oft irgendwie berührt oder angefasst, wir haben etliche male miteinander geschlafen und da war es schön, aber das von Samstag und seinen Auftritt von Sonntag kriege ich einfach nicht zusammen. Ich will nicht sagen, dass es Liebeskummer ist, aber eine Form davon ist es wahrscheinlich doch.

Meine Gefühle schwanken eigentlich den ganzen Tag, es gibt so viele verschiedene Punkte, die mir weh tun, viele Fragen... Tagsüber ging es mir sehr gut, weil ich dankbar über die Ablenkung im Büro war. Jetzt kommen leider wieder die Gedanken. Ich glaube, ich werde sicher noch ein paar Tage brauchen, um das zu verdauen.

Lluisx08


War eigentlich das Gürtel weg legen und aufs Klo mit den Worten: "Besser als Streit" alles, was als Reaktion von ihm kam? Ich meine es wäre ja auch denkbar, dass er unfassbar entsetzt über sich ist, heult, mit dir reden will, keine Ahnung. Kennst du ihn so? ":/

S:hoOjo


Luis, sie haben sich doch danach noch mal getroffen.

Jetzt kommen leider wieder die Gedanken. Ich glaube, ich werde sicher noch ein paar Tage brauchen, um das zu verdauen.

Ich komme am besten mit Erinnerungen klar, wenn ich sie zulasse. Gedanken, Bilder, Gefühle. So ein bisschen wie Brandung, in der man liegt und die Wellen über sich wegrollen lässt und schaut, wie sie kommen und gehen.
Gb Dir die Zeit, die Du brauchst. Das können auch Wochen und Monate sein, in denen Du Dich noch eigenartig fühlst, manchmal oft, manchmal nur ganz kurz. Das hat ein ganz eigenes Tempo. Ist bei Dir schon mal ein richtig tiefes Loch im Zahn gefüllt worden, wonach der Zahn noch lange empfindlich war, obwohl er repariert und in Ordnung gebracht war, einfach weil die Nerven überreizt waren?
Du nimmst so ein Erlebnis mit, Du wirst es nicht mehr ganz los, es ist Teil Deiner Biographie. Es wird sich irgendwann viel neutraler anfühlen, vielleicht sogar eines Tages gar nicht mehr schrecklich, aber diese Heilung kannst Du nicht durch Willenskraft beschleunigen, so wenig, wie Du eine Fleischwunde zuwachsen lassen kannst, indem Du sagst: "Ich hab da jetzt keinen Bock mehr drauf." Das war ein schlimmes Erlebnis, und sowas muss ein Mensch im wahrsten Sinne des Wortes "verdauen".

Ich will nicht sagen, dass es Liebeskummer ist, aber eine Form davon ist es wahrscheinlich doch.

Trauer? Um Deine Gefühle, um den Menschen, den Du gekannt zu haben glaubst, um Dein eigenes Vertrauen in die Welt, das jetzt ein Stück weit beschädigt ist?

Ich weiß auch noch dass ich in diesen Momenten ganz viel gedacht habe, aber gleichzeit auch gar nichts. Mein Kopf oder auch mein ganzer Körper, mein ganzes "System" ist irgendwie "runtergefahren". Ich kann es nicht gut erklären. Es hat sich jedenfalls sehr, sehr schlimm angefühlt. Ich habe vorher zum Glück noch nie etwas in der Art erlebt und es war einfach ein Riesenschock.

Gewalt ist ein Riesenschock. Schon eine leichte Ohrfeige, wenn man das nicht kennt. Das singt in allen Nervenenden nach wie ein Stromschlag. Wenn dieses Echo allmählich abklingt, kannst Du sortieren, wie es Dir wirklich geht.
Es tut mir so leid, dass Dir das passiert ist. Aber Du gehst wirklich gut damit um. Du dämonisierst niemanden, Du bleibst ganz dicht bei Dir und Deinen Gefühlen, lässt Dir nichts einreden, sprichst aber darüber, statt Dich einzukapseln, und schaust genau hin, was bei Dir los ist. Dass es Dir damit beschissen geht, ist leider echt normal, aber auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt: Für das, was passiert ist, hast Du einen sehr klaren Kopf und hältst ihn wirklich gut über Wasser.

L{uis0x8


Luis, sie haben sich doch danach noch mal getroffen.

Ja, hab ich mitgekriegt ;-)

Aber das war doch ein ganz kryptisches Gespräch einschließlich seiner Bitte um einen Hinweis, was er jetzt machen soll.

Also mir ging es bei der Frage im Prinzip darum:

Trauer? Um Deine Gefühle, um den Menschen, den Du gekannt zu haben glaubst, um Dein eigenes Vertrauen in die Welt, das jetzt ein Stück weit beschädigt ist?

ALso dass es nicht nur ein Schock ist, was er da gemacht hat, sondern dass er sich jetzt irgendwie gar nicht damit auseinandersetzt. Das setzt ja noch eins drauf ":/ Also sie hätten ja z.B. auch heulend nebeneinander sitzen können und beide geschockt. Und ich wollte nur wissen, wie er sich sonst bei Konflikten verhalten hat.

C{oteSayuvxage


@ Shojo

Ich wollte dir mal hier ganz öffentlich schreiben, dass ich deine Beiträge in diesem Thread richtig toll finde :)^ Ich hoffe, dass das noch viele Aliase aus dem Internet lesen, die können da ganz viel Wertvolles mitnehmen.

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