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Realfakes - Das Spiel mit den Gefühlen anderer

EHhemal,iger Nu$tz5er x(#15)


Liebe8

und regelmäßig mit "ihr" telefonierte

Hast Du es nicht an der Stimme bemerkt?

MyeerReswxind


Interessantes Thema…da kann ich was dazu beitragen.

Ich kannte über eine Online-Plattform einen sehr seriösen Mann im Ruhestand. Wir lernten uns bald real kennen und schätzen. Jeden Tag telefonierten wir – manchmal stundenlang. Er hatte eine dipolare Störung, das wusste ich und konnte damit umgehen.

Eines Tages berichtete er mir von einer wahnsinnig tollen Frau, die er nachts auf dieser Plattform kennen gelernt hatte. Er schwärmte in den höchsten Tönen von ihr. Ich hörte mir alles an und meinte, er solle sie doch bald real kennen lernen.

Zwei Tage später berichtete er mir, dass besagte Frau (Pastorin) im Krankenhaus liege und auf eine Knochenmarkspende warte. Sie hätte Leukämie und würde isoliert in einem extra Zimmer liegen wegen der Infektionsgefahr. Ein Treffen könne erst in einigen Wochen, wenn es ihr besser ginge, stattfinden. So ging es weiter, sie schrieben und sie schilderte ihm genau, was gerade passierte. War Visite berichtete sie ihm, was die Ärzte vorhaben usw.

So ging es Wochen, ohne dass sie sich kennen lernten. Inzwischen wußte viele auf der Plattform von Ihrer Krankheit und überschlugen sich schier darin, ihr Kraft zuzusprechen. Mein Bekannter trennte sich von seiner Frau, verkaufte sein Haus und wollte sich 700km weiter weg (wo die kranke Frau wohnte) ein neues Haus kaufen und sich um sie sorgen.

Mir kam das von Anfang an seltsam vor und ich stellte Nachforschungen an. Zufällig kannte mein Cousin (Arzt) das Krankenhaus, war schon auf dem Gebiet der Leukämie tätig und hatte wieder mal dort zu tun. Ich gab ihm den Namen der Frau und bat ihn, mal zu schauen, wie es ihr geht.

Er rief mich von dort aus an und berichtete, dass es keine Patientin im Umkreis von 150km gab, die diesen Namen hatte. Eine Knochenmarkspende sei auch nicht geplant.

Meinem Bekannten erzählte ich das und bat ihn, doch erst mal nur eine Wohnung zu mieten und zu sehen, ob sie sich überhaupt real auch verstünden. In einem halben Jahr könne er doch immer noch ein Haus kaufen, und sie und ihre Töchter bei sich aufnehmen.

Er war dermaßen sauer, dass ich es wagte, diese Frau als nicht ganz ehrlich darzustellen…meinte, es wäre ihr Ritter und mir kündige er die Freundschaft. Ab dem Tag hörte ich nicht mehr von ihm.

Auf der Plattform kam es zu unbeschreiblichen Szenen mit dieser Frau. Sie verabschiedete sich im Chat mit dem Satz, dass sie nicht mehr lange zu leben hätte und eine Abschiedstour durch Deutschland zu ihren Freunden machen würde. Ich bin sicher, dass alle Chatteilnehmer am PC saßen und heulten vor Mitgefühl.

Mein Bekannter zog also in eine Wohnung 700km entfernt von mir und konnte sie nicht finden (weiß ich von einer anderen Chatteilnehmerin, mit der ich Kontakt hatte und die ich auch real kannte).

Er rief überall an und wollte sie ausfindig machen, da sie an seinem Umzugstag nicht kam. Er erreichte nach Tagen (völlig verzweifelt und die schlimmsten Ahnungen befürchtend) eine Tochter von ihr. Sie war total überrascht, dass jemand nach ihrer Mutter suchte. Ihre Mutter befände sich in einem Frauenhaus für wohnsitzlose Frauen und wäre eine pathologische Lügnerin. Ein Haus hätten sie nie gehabt und in ihrer Wohnung hätte es gebrannt, weshalb jetzt alle woanders untergekommen sind. Im Übrigen wäre sie und eine Schwester schwanger und wüssten nicht wohin. Ihre Mutter wäre keine Pastorin sondern die Putzfrau in einemsolchen Haushalt gewesen.

Mein Bekannter war fassungslos, als er das von der Tochter erfuhr. Meine Chatbekannte rief mich sofort an, und erzählte mir alles. Ich war in Sorge wegen meinem Bekannten, der schon in depressiven Zeiten über Suizid nachgedacht hatte. Ich verständigte seine Tochter und bat sie, sich um ihn zu kümmern.

Zwei Jahre später habe ich ihn zusammen mit der anderen Chatbekannten besucht und er dankte mir dafür, dass ich ihn vor einer großen Dummheit bewahrt hätte.

Unsere Freundschaft ist nie mehr geworden...er schämte sich zu sehr.

Eehemali/ger NCutz1er (#N5H68697x)


Der Faden ist wirklich klasse! Sehr konstruktiv! :)^

Es wurden schon so viel Einzelbeispiele genannt, dass ich eher kurz was allgemeines dazu schreibe:

@ Perspektive

Deine Liste finde ich finde ich klasse!

Im Zusammenhang hiermit:

+ indem wir aufhören diese Geschichten bei Facebook & Co. zu teilen

würde ich gern noch ein kurzes Video verlinken

[[https://www.youtube.com/watch?v=c6Bkr_udado Invention of loneliness]]

Die Perspektive: Wir bewegen uns in einer Spirale des Schicksals-Wettkampfes ... nach dem Motto "Wem geht es heute am schlechtesten ...?!" :[]

Ich finde die Frage spannend was die Wurzel dazu ist und die drückt sich wohl bei zunehmend mehr einzelnen Menschen in den ganzen Aufmerksamkeitsdefizitsyndromen und -störungen die in westlichen Gesellschaften so überhand nehmen aus: Aufmerksamkeit ist die neue eigentliche Währung in der westlichen Welt.

Durch neue Medien zählbar gemacht ( Facebook likes, Counter auf Webseiten, endloses tracking von jeder Bewegung die ein Internetuser durchführt) wird Aufmerksamkeit gebunden von der ich mich frage wo die hinging bevor es das Internet gab.

Dieser Wettbewerb um Aufmerksamkeit zieht sich durch Lebensbereiche, im Web ist er nur zählbar. Ein Troll beispielweise misst seinen Erfolg oft an der Anzahl der Antworten die er bekommt oder wenn eine Webseite es hergibt an der Anzahl der views seines Themas.

Ein Realfaker unterscheidet sich da insofern als er nicht quantitative sondern qualitative Zuwendung sucht. Irgendjemand hat schon das Stichwort Energievampir genannt.

Die Quelle ist aus meiner Sicht für alle genannten Arten (Troll, Realfaker, notorische Lügner und so weiter) ein für sich selbst negativer Umgang mit der eigenen Aufmerksamkeit und eine dazu passende Selbstwertproblematik.

Die Lösung ist also für alle Beteilligten ( egal ob Troll / Energiejäger oder darauf Reagierender/Gejagter ) mit der eigenen Aufmerksamkeit bewusst umzugehen und das ist es was Perspektive ja eigentlich mit der Liste anspricht.

Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit mit dem Mittel des Dramas würde wohl erst nachlassen, wenn wir der Alltäglichkeit des Lebens einen ähnlich hohen Stellenwert wie dem Drama geben. Ob wir dazu von Natur aus ausgelegt sind ist die Frage, aber die östliche Philosophie hat darauf eine Jahrhunderte alte Antwort: Meditation und Liebe zum Alltäglichen. Vermutlich erlebt sie auch deshalb heute einen Aufschwung in der westlichen Welt.

TBraJgicRClown*fish


Denn ich kenne so ein paar "gute Samariter", die über das Ziel hinausschießen, weit hinaus, sich übergriffig verhalten, sich in das Leben anderer Menschen so massiv einmischen, dass dieses gestört wird - alles unter dem Mantel des "ich will doch nur helfen", selbst wenn gar kein Hilfeauftrag vorliegt, bzw. dieser längst erledigt ist.

Isabell

Genau DAS hasse ich auch wie die Pest. Ich las dazu irgendwo mal den Begriff -Terrorhelfer- und fand ihn superpassend! @:)

EfhemaliQgerX Nutze#r x(#15)


TragicClownfish

Terrorhelfer

:)^ - sehr passend.

LXiebxe8


Hast Du es nicht an der Stimme bemerkt?

Isabell

Nein, sonst wär ich wohl kaum drauf reingefallen ;-) Er hatte keine besonders tiefe männliche Sprechstimme, wie ich später erfahren habe und hat sich gut verstellt. Ohne technische Mittel, soviel ich weiß. Manche können das recht gut.

Ob das [[https://www.youtube.com/watch?v=L1wNKjlfaK0]] z.B. echt ist, weiß ich nicht. Aber für Transsexuelle gibt es inzwischen auch gute online Tutorials und ich kenne eine Transsexuelle, die auch sehr weiblich klingt, obwohl sie noch keine Hormone einnimmt und früher eine wirklich männliche Stimme hatte.

E&hemali+ger NuMtze r m(#15x)


NotMichaelCain

Insgesamt stimme ich Dir (und auch Perspektive) in Teilen zu.

Was ich mich frage ist aber, ob man es immer mit dem Ursprung "Aufmerksamkeit suchen/brauchen" begründen kann.

Bei einigen Stories/Menschen habe ich nämlich auch den Eindruck solche Geschichten zu erfinden um nicht zu sich selbst, nicht zu seinen Schwächen etc. stehen zu müssen (oder zu Umständen unter denen sie sich befinden).

Ich schrieb es schon mal in einem anderen Beitrag: Es gibt ja auch die Faker, die über eine weitere Person (erfundene) Geschichten erzählen, deren Leben völlig anders darstellen (faken) um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen, aber viel eher sehe ich dahinter um sich selbst, das eigene Verhalten zu rechtfertigen, keine Verantwortung übernehmen zu müssen usw....Vater/Mutter schlägt, trinkt, nimmt Drogen, der Exfreund/die Exfreundin hat einen mies behandelt.... alles sowas.

Sicher sind hier die Grenzen fließend wann es ein wirkliches Fake"leben" ist was man sich aufbaut oder ob man "nur" lügt um sich selbst aus etwas rauszuhauen.

Dennoch gehupft wie gesprungen: Es muß nicht immer nur die pure Aufmerksamkeit gewollt werden wenn man ein anderes/falsches Leben vorspielt.

E7hem"aliiger $N{utzerC (#15x)


Liebe8

Nein, sonst wär ich wohl kaum drauf reingefallen ;-)

Stimmt natürlich ;-).

L}og 8Ladxy


Und genau deshalb glaube ich das sowas nicht (nur) gemacht wird weil einem langweilig ist. Ich glaube da steckt viel mehr dahinter, sonst ist das viel zu aufwendig. Hinter so einem intensiven Fake steht ein ganz großes Bedürfnis das man in der normalen Welt so nicht einfach befriedigen kann. Deswegen halte ich die Kontrolle über einen anderen Menschen für ein tragendes Element. Da ist nämlich dann die Täuschung teil der Kontrolle weil es mir viel viel Macht gibt ganz unsichtbar zu sein während der andere sich weitgehend sichtbar und damit verletzlich macht.

Ich glaube, die Gründe dafür sind total vielfältig. Auf jeden Fall kann man aber mal davon ausgehen, dass im Faker irgendein emotionales Bedürfnis befriedigt wird. Und ansonsten wird es eine ziemliche Bandbreite geben.

Was treibt solche Menschen an? Was genau triggert die Menschen, die sich auf solche Geschichten einlassen? Woher kommt dieses Bedürfnis, anderen Menschen wehzutun? Begreifen realfakes, was sie damit im Leben anderer Menschen anrichten - und wenn ja, wie unglaublich gleichgültig drauf muss man sein, um das nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern das auch noch lächelnd zu forcieren?

(Hervorhebung von mir)

Da gibt es sicherlich unterschiedliche Fälle. Entweder der Faker ist tatsächlich so unempathisch, dass er sich gar nicht vorstellen kann, was sein Handeln im Gegenüber auslöst. Oder es ist ihm tatsächlich egal. Oder aber es verschafft ihm noch einen ganz besonderen Kick, weil er sich übermächtig, intelligenter, ausgeschlafener fühlt als sein Gegenüber. Somit verpasst ihm jede erfolgreich erzählte und von anderer Seite akzeptierte Lüge einen Egoboost. Dass andere dabei entsprechend unter seinen Handlungen leiden, wird dann eben billigend in Kauf genommen.

Mir ist noch etwas anderes eingefallen. Eine damals gute Bekannte von mir war vor ein paar Jahren bei Studivz angemeldet. Neben den Gruppengeschehen, die dort unter dem richtigen Profil liefen, gab es noch eine Parallelwelt dort. Menschen erstellten sich in voller Absicht Fakeprofile, und zwar nicht irgendwelche, sondern unter den Namen von Schauspielern oder Seriencharakteren. Entsprechend wurden die Profile mit deren Fotos ausgestattet, die optische Beschreibung entsprach ihnen, auch die Gruppen, in denen die Fakes Mitglied waren, entsprachen der Rolle. Dann gab es noch extra geschlossene Gruppen, in denen die ganzen Fakes sich zu einer Art Rollenspiel trafen. Innerhalb der Gruppe gab es dann mehrere Settings, z.B. ein Krankenhaus, ein Café, ne Kneipe usw. In diesen Settings trafen die Fakes aufeinander und interagierten. Arbeiteten, flirteten, gingen Beziehungen ein. Meine Bekannte berichtete mir irgendwann z.B., ihr Fake habe geheiratet.

Hinter den Kulissen hatten die Fakes auch im Chat Kontakt. Meine Bekannte hatte irgendwann eigens einen zweiten icq-Account, nur um mit den ganzen anderen Fakes zu kommunizieren, da sie denen ihren richtigen Account nicht nennen wollte. Ungeschriebenes Gesetz war, dass niemand vom anderen wissen sollte, wer er war.

(Irgendwann erzählte sie mir, sie habe sich in einen Typen verknallt. Auf Nachfrage kam heraus, dass sie den Fake meinte. Irgendwann fand sie dann heraus, wer er wirklich war und fand ihn total unspannend. Das nur am Rande.)

In dem Fall bestand der Reiz aus zwei Komponenten. Zum einen: Je besser der Fake seine Rolle spielte, umso erfolgreicher war er im Rollenspiel. Und zum anderen: Man war ständig davon bedroht, bei Studivz gemeldet zu werden, da es verboten war, sich dort ein Fakeprofil anzulegen,, entweder von neidischen Mitspielern, mit denen man es sich - warum auch immer - verscherzt hatte, oder aber von Außenstehenden, die zufällig mal über das Fakeprofil stolperten und vom Spiel nichts wussten.

Über diese Geschichte ging tatsächlich der Kontakt zu dieser Bekannten auseinander, weil die irgendwann nur noch in dieser Parallelwelt lebte und mich das total befremdete, dass sie keine anderen Gesprächsthemen mehr hatte.

An der Stelle musste ich bei ihr schon von einer Sucht ausgehen, und ich glaube, dass das bei vielen Fakern so ist, auch wenn es sich bei ihnen nicht vordergründig um ein Spiel handelt. Es sei mal dahingestellt, wie sie in die Geschichte reingerutscht sind (entweder in voller Absicht - oder vielleicht, wie Nurarihyon, über eine Notlüge, die sich irgendwann verselbständigte) - aber irgendwann scheint der Punkt zu kommen, an dem sie alleine aus der Nummer nicht mehr rauskommen - nur noch über eine Enttarnung durch andere.

Ich glaube, wenn man schon mal an einem solchen Spiel teilgenommen hat und dort erfolgreich war, ist es nur noch ein kleiner Schritt dahin auszutesten, ob man das Spiel auch ins RL übertragen kann, wobei der ganz besondere Reiz eben darin besteht, dass man nur selbst weiß, dass man spielt.

Und. Weil hier Stimmen kamen, die sagten, das kostet doch viel zuviel Zeit, das macht doch keiner...wo kostet das Zeit? Eine parallele Existenz aufzubauen kostet praktisch null Zeit, dazu braucht es nur ein bisschen Fantasie, ein paar triggernde Formulierungen, ein gutes Gedächtnis und minimale technische Kenntnisse. Sowas schüttele sogar ich in meinem Alter mal eben in der großen Pause aus dem Handgelenk.

Ich glaube für einen realfake mit nahmen Kontakt braucht man wirklich Zeit die da investiert wird. Weil man ja nicht nur das eigene falsche FB-Profil/Twitter/Instagram füttert sondern auch noch die der anderen zu der einen Figur erdachten Personen. Familie, engere Freunde und soweiter. Für all die muss man sich ja ausenken wo sie sind, was sie so machen und soweiter.

Selbst, wenn man nur ein Profil füttern muss. Ich beziehe mich noch mal auf das von mir schon eingangs geschilderte Beispiel. Die Frau hatte sehr spezielle Profilfotos, die sie über osteuropäische Sites im Netz gefunden hatte. Selbst mit Inversbildersuche hatten wir, als wir irgendwann versuchten, die Bilder zu finden, Schwierigkeiten - diese Sites kennt hier einfach kein Aas. Danach musste man also schon mal intensiv suchen. Das Gleiche galt für den Rest ihres Profils. Stellt Euch das wie ein Facebookprofil vor, mit einer Freundesliste (reale Menschen! Keine Fakes! Mit denen muss man sich ja auch erst mal anfreunden.), Fotos, Vorlieben, Posts, die zum Charakter passen mussten - und später dann auch noch, sichtbar für alle, Interaktionen mit realen Menschen, die dem Ganzen natürlich dann einen immer realeren Anschein gaben. Das schüttelst Du nicht in der Mittagspause aus dem Ärmel.

Dazu kamen dann am Ende noch ebenso ausgestaltete Profile von angeblichen Freunden der Frau - wieder mit Fotos, mit eigener Freundesliste und so weiter. (Wobei die dann aufgrund der Kürze der Zeit nicht mehr so glaubwürdig waren - deswegen bröckelte das Lügengebilde auch dann so schnell.)

@ Chance007:

Tolle Beiträge übrigens - die könnte ich hier komplett kopieren und dann applaudieren. Aber dann wird mein Beitrag ja noch länger. ;-D

Aber wie oben schoon geschrieben, total auffällig ist, dass viele es eben DOCH gemerkt haben, es nur übergingen.

Ich glaube, es war Isabell, die sagte, wenn man einem Außenstehenden die Geschichten im Zeitraffer erzählt, rollen alle mit den Augen, weil so offensichtlich ist, dass da was faul war. Wenn man aber über Monate oder Jahre häppchenweise mit Informationen gefüttert wird und jeder Zweifel, der nicht nur aufkommt, sondern sogar noch artikuliert wird (Beispiel bei meinem Kumpel mit der Frau: "Schick mir doch mal ein aktuelles Foto von Dir!" - "Meine Handykamera ist kaputt - ich muss mal sehen, dass ne Freundin mal ein Bild von mir machen kann."), immer wieder irgendwie mit einer in dem Moment plausiblen Begründung wegerklärt wird, dann sieht man das große Ganze nicht. Und da gleichzeitig die emotionale Ebene so gepflegt wird, misst man dem vielleicht auch nicht die Bedeutung bei. Nach dem Motto: "Pfft. Dann hab ich halt kein aktuelles Foto von der. Dafür haben wir gerade schon wieder vier Stunden telefoniert."

LWog Lxady


Schon so viel geschrieben und doch noch was vergessen...

Ich hatte schon geschrieben, ich vergleiche das mit einem Suchtverhalten.

Ich glaube, dass die Befriedigung, die der Faker aus dem Faken zieht, vergleichbar ist mit einem Zocker, der bei einem tollen Spiel ein neues Level freispielt. Deswegen steigert sich auch die Absurdität und Intensität der Geschichte immer weiter. Erst ist der Fake-Charakter nur irgendeine Person, dann wird diese Person krank, dann todkrank, dann passiert noch irgend etwas anderes Heftiges - der emotionale Gewinn für den Faker wird nur erreicht, je krasser sich die Geschichte entwickelt.

cplaixret


Das ist für mich kein Faker, das ist schlicht ein Lügner. Der Unterschied liegt für mich darin das der eine lügt um etwas zu vertuschen um sein Leben zu behalten, während der Andere sich ein ganzes Leben ausdenkt und als Person so gar nicht existiert. Jemand der fremd geht ist ja ansonsten er oder sie selbst.

Die Grenzen sind fließend, denke ich. Manchmal werden von Fremdgehern riesige Lügengebäude kreiert, vom wichtigen Auftrag wegen dem man spät arbeiten oder geschäftlich verreisen muss, bis zur krebskranken Frau daheim. Mehrere Handys und SocialMedia-Accounts, falsche Freunde, die das Alibi bestätigen... alles um die anderen Personen bei der Stange zu halten. Im RL kann man natürlich nicht völlig losgelöst von der Wirklichkeit Aussehen, Alter und Geschlecht faken. Aber für die Hintergangenen ist, wenn der Schwindel auffliegt, dann auch erstaunlich wenig übrig von der Person, die sie glaubten zu lieben.

dsesaJpar+ecidOa


Das klingt schon logisch, das mit der Aufmerksamkeit und dem "langweiligen eigenen Leben" und so. Wenn ich jetzt aber an den Blog (Viktoria) denke, dann finde ich, dass die Sache da schon sadistische Zuge hatte. Da ging es für mein Empfinden auch um die reine Lust am Manipulieren. Und wenn ich versuche, mich in die Sache reinzudenken...dieser "Kai" dort, der hat die Viktoria doch auch oft mal zappeln lassen und hat sich länger nicht gemeldet, wenn sie nicht getan hat, was er wollte. Das macht doch kein netter Mensch, das ist doch absichtliches, ja ich weiß nicht, Bestrafen oder so. Sadismus, eben.

c:lai-ret


Da gibt es sicherlich unterschiedliche Fälle. Entweder der Faker ist tatsächlich so unempathisch, dass er sich gar nicht vorstellen kann, was sein Handeln im Gegenüber auslöst. Oder es ist ihm tatsächlich egal. Oder aber es verschafft ihm noch einen ganz besonderen Kick, weil er sich übermächtig, intelligenter, ausgeschlafener fühlt als sein Gegenüber. Somit verpasst ihm jede erfolgreich erzählte und von anderer Seite akzeptierte Lüge einen Egoboost. Dass andere dabei entsprechend unter seinen Handlungen leiden, wird dann eben billigend in Kauf genommen.

Eine Möglichkeit ist auch, dass Faker innerhalb der auf Lügen aufgebauten zwischenmenschlichen Beziehung durchaus glücklich sind und selbst massiv darunter leiden, wenn es dann auffliegt und alles vorbei ist. Sie sabotieren sich quasi selbst, indem sie immer wieder "Beziehungen" eingehen, die ihnen irgendwann unvermeidlich um die Ohren knallen. Dass sie selbst und das Gegenüber dann leiden werden, verdrängen sie so lange wie möglich.

C]han}ce0x07


Eine Möglichkeit ist auch, dass Faker innerhalb der auf Lügen aufgebauten zwischenmenschlichen Beziehung durchaus glücklich sind und selbst massiv darunter leiden, wenn es dann auffliegt und alles vorbei ist. Sie sabotieren sich quasi selbst, indem sie immer wieder "Beziehungen" eingehen, die ihnen irgendwann unvermeidlich um die Ohren knallen. Dass sie selbst und das Gegenüber dann leiden werden, verdrängen sie so lange wie möglich.

:)z So ähnlich habe ich es mir auch schon versucht zu erklären.

dBatnade87


Davon geh ich auch aus. Und ich nehme an sie belügen sich selbst in dem sie sich selbst erklären sie würden dem anderen ja auch nur geben was der oder die will. Um wieder auf den Blog zurückzukommen: Die Fakerin erklärte ja sie sei wirklich verliebt in die Bloggerin.

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