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Realfakes - Das Spiel mit den Gefühlen anderer

Leog fLady


Ein Traum scheint wahr zu werden. Aber Träume, die für wahr genommen werden, platzen. Ist das schlecht? Natürlich nicht. Hätte man sich gar nicht erst auf den Traum einlassen sollen? Aber was bleibt dann noch? Diese letzte Frage halte ich für wichtig. Woher kommt die Farbe im grauen Alltag?

Soll ich dann am Ende dankbar sein, dass mich jemand verarscht hat, weil es mein tristes Leben für ne Zeit versüßt hat? ":/

S;hoxjo


Andererseits - vergiss es. Hat ja doch keinen Sinn, und es schreddert nur den Faden. Schreib, was du willst, ich lese es ganz einfach nicht.

S>h'ojo


Bezog sich auf LovHus.

LFuis0A8


Ich möchte klar zwischen Empathie und Einfühlung unterscheiden. Empathie ist Mitgefühl, "dein Leid ist auch mein Leid, deine Freude auch meine Freude". Einfühlung ist einfach nur die Fähigkeit mitzubekommen, was im anderen vor sich geht. Was dann auch zu sehr hässlichen Zwecken "benutzt" werden kann. Psychopathen haben Null Empathie, können aber Meister der Einfühlung sein und so ihr ganzes Umfeld manipulieren.

Ob ein potenzielles Opfer eines wird oder nicht, hängt meines Erachtens nicht von seiner Empathie oder seinem Einfühlungsvermögen in den angehenden Täter ab, sondern ob es sich in den angebotenen Rahmen der Täter-Stories hineinziehen lässt oder nicht. Ich könnte aber nicht sagen, wieviel Wahlfreiheit da der Einzelne in einer konkreten Situation hat. Dürfte von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein.

Ja, das zum Einen, aber noch mehr.

Menschenkenntnis, Intuition, Scharfsichtigkeit, (schlechte) Erfahrung, ein undefinierbares Gefühl des Unbehagens, wenn man mit dieser Person zu tun hat, Selbstvertrauen, innere Stärke; ich finde es sehr Einseitig, das Personen potenziell abzusprechen.

Es gibt alle denkbaren Szenarien und Konstellationen. Genauso wenig, wie (manche) Menschen davor gefeit sind, sind es andere.

Einen Mehrwert hat die Diskussion meines Erachtens, wenn man nicht darauf besteht, dass jeder ein potenzielles Opfer ist, sondern wie man möglichst viele davor bewahrt, es zu werden.

L~ichtApmHorixzont


@ Log Lady

So in der Art war auch mein erster Gedanke...

L&og LNady


Einen Mehrwert hat die Diskussion meines Erachtens, wenn man nicht darauf besteht, dass jeder ein potenzielles Opfer ist, sondern wie man möglichst viele davor bewahrt, es zu werden.

Dazu müsste man - und entschuldigt an der Stelle die provokante Ausdrucksweise - gewisse Persönlichkeitsmerkmale der potentiellen Opfer "ausmerzen". So lange die Eigenschaften des Fakers und die der Opfer wie Puzzleteile ineinander greifen, sind die Voraussetzungen gegeben, dass der Faker erfolgreich ist.

Wir hatten hier ja bereits die These, dass es "den Faker" nicht gibt, sondern dass das Menschen mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen sind, die ihrerseits auch wieder ganz unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen in ihren potentiellen Opfern brauchen und diese suchen. Ich habe hier mal was über Psychopathen und Beziehungen gefunden. Das ist zwar erst mal keine Aussage über Faker, unterstreicht aber vielleicht, worauf ich hinaus möchte:

Jeder kann durch einen Psychopathen hereingelegt werden.

Psychopathen wählen jeden, egal ob reich oder arm, intelligent oder dumm. Es scheinen jedoch die mental Geschädigten anfälliger zu sein: die bereits erwähnten Histrionischen, usw., sowie die Opfer mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen.

[[http://de.sott.net/article/1020-Der-Psychopath-Teil-5-Psychopathen-und-Beziehungen Quelle]]

C?hancex007


@ LovHus

Du nimmst in Deinen Ausführungen ein paar Dinge als gegeben, die ich mal für meine Person ganz weit von mir weisen möchte.

Ein Traum scheint wahr zu werden. Aber Träume, die für wahr genommen werden, platzen. Ist das schlecht?

Wenn ich Kontakt zu anderen Menschen aufnehme, suche ich keinen Traum. Ich suche auch nicht das absolut Außergewöhnliche. Nicht jeder Faker beginnt in den schillerndsten Farben. Im Gegenteil. Oft ist es gerade zu Beginn ein stinknormaler Kontakt wie viele andere, die ganz genau so entstanden sind.

Vielleicht gehst Du hier von besonders plumpen Fakefäden aus, die besonders viel Drama enthalten. Das sind jedoch nicht die, welche ich für so schädlich halte.

Du beantwortest obige Frage mit:

Natürlich nicht.

Das mag für Dich gelten. Für mich gilt es nicht und ist auch am Thema vorbei. Denn nochmal: Ich suche keinen Traum, sondern echte ehrliche Menschen. Und wenn genau diese Annahme dann platzt, dann ist das selbstverständlich schlecht.

Hätte man sich gar nicht erst auf den Traum einlassen sollen?

Warum sollte man? Es gibt einen Haufen extrem spannende Menschen, die so einen Quatsch nicht nötig haben. Die volle Schönheit von deren Persönlichkeit entpuppt sich oft erst mit zunehmendem Austausch. Diese Menschen gibt es in echt, die muss man sich nicht erträumen. Was soll ich mit einem Traum, wenn ich die Originale kennen lernen kann? ":/

Aber was bleibt dann noch? Diese letzte Frage halte ich für wichtig. Woher kommt die Farbe im grauen Alltag?

Äh. Siehe oben. Brauchst Du Fakegeschichten, damit Dein Alltag bunter wird? Ich nicht.

M'uffH Pott.exr


Nachdem hier etwas Ruhe eingekehrt ist, kann ich auch mal meinen Senf dazugeben, ohne zu stören, hoffe ich.

Allgemeine (Semi-OT): Eine Störung muss nicht per se schlecht sein. Der Mensch ist ein Mustersucher und kann durch ein mildes (musterloses) Weißes Rauschen machmal zu echten Mustern geführt werden. ;-) (Semi-OT Ende.)

Menschen, sofern sie keine Autisten sind, sind Meister der Einfühlung.

Deine Einschränkung auf Autisten ist m.E. zu eng gefasst. Da gibt es einen fließenden Übergang. Nicht alle sind Meister. Nicht jeder nicht-Meister ist gleich Autist.

Dieselbe Einfühlung, die das Opfer zum Opfer macht, ermöglicht dem Faker, seine Geschichte zu inszenieren, in seine Rolle zu schlüpfen, gar in ihr für eine (unbestimmte) Zeit aufzugehen. Sie ist es, die uns 2 Stunden einem Film im Kino oder Fernsehen zusehen lässt, was von außen höchst lächerlich wirken muss. Oder stundenlang in einem Roman zu lesen, der uns hoffentlich nicht allzuoft die Stirn runzeln lässt ob der Ungereimtheiten. In denen uns Realität vor Augen geführt wird, ohne real zu sein. Was wir in diesen Fällen mehr oder weniger klar wissen.

Alles richtig, alles sehr allgemein. :-|

Ich glaube, dass wir diese Gelegenheiten zur Einfühlung so dringend brauchen, wie Katzen ihre Krallen und Vögel ihre Schnäbel wetzen müssen. Täuschung ist eine Kunstform, Enttarnung ihre Kritik. Die Skala reicht beim Spiel mit den Gefühlen wie beim Spiel auf den Seiten einer Geige von einfach nur schlecht bis absolut atemberaubend.

Mehr Inhalt, weniger Kunst! :-|

Ich vermute, dass vielen Menschen klar ist (durchaus nicht ganz unberechtigt), dass ihr Einfühlungspotenzial recht begrenzt ist, wenn sie sich als Ausgangsmaterial ausschließlich auf die Kette der Fakten in ihrem Leben beziehen sollen. Schläge wider das Selbstwertgefühl im Verbund mit einer Menge Geschichten aus Romanen und Filmen mit Fluchtpotenzial bestätigen und verdrängen diese unangenehme Selbsteinschätzung.

Öffz (s.o.).

Opfer und Täter finden sich auf der Suche nach Antwort auf dieselbe Frage: Wie kann mein Leben interessanter werden? Was verleiht ihm Bedeutung und Sinn? Bei beiden, so vermute ich, verblasst vor dem Hintergrund der aufregenden Interaktionen die schnöde Realität. Ein Traum scheint wahr zu werden. Aber Träume, die für wahr genommen werden, platzen. Ist das schlecht? Natürlich nicht.

Das ist wieder der Symbiose-Gedanken, aber die stimmt nicht. Am Ende der Geschichte verabschiedet sich nämlich ein Parasit.

Hätte man sich gar nicht erst auf den Traum einlassen sollen? Aber was bleibt dann noch? Diese letzte Frage halte ich für wichtig. Woher kommt die Farbe im grauen Alltag? LovHus

Nee, LovHus, lies noch mal von vorne an. Der Faden hier spricht nicht von Träumen.

R}alphx_HH


Der Unterschied zum träumen im Kino oder im Roman ist der, dass man sich bewusst zum Traum entscheidet und sich des träumens jederzeit bewusst ist. Bei der Täuschung wähnt man sich in der Realität. Und während man nach dem Kino eine wohlige Entspannung fühlt, 2 Stunden dem Alltag entronnen, fühlt man nach dem Fake nur eine bodenlose Enttäuschung. Blöde Vergleiche!

Mit tun diese Realfaker leid. Die Faker, die einen mal im Chat verarschen - naja. Unschön. Nervt. Bin auch 2x einem auf den Leim gegangen, aber man lernt daraus... Die lachen sich einen und gut ist. Die übrigen nerven dan nur noch, weil man sinnlos ein wenig Zeit investiert, bevor es auffällt.

Die Realfaker, die den Aufwand betreiben wie die Psychologin aus dem verlinkten Blog auf der Seite 1 hier, sind meiner Meinung nach krank. Schizophren oder irgendwas in der Art. Unfähig, ihr eigenes reales Leben zu leben flüchten sie sich in eine Scheinwelt. Ich glaube gar nicht, dass sie mit Absicht jemandem schaden wollen, sondern dass das für diese Menschen die einzige Möglichkeit ist, zu leben. Über ihre eigenen Gefühle können sie nicht sprechen, also erfinden sie ein Alter Ego. Kein Sex, keine Freunde, keine Beziehung, also gaukeln sie sich in dieser Traumwelt selbst vor, all das zu haben indem sie das anderen so real vorgaukeln, dass es für sie selber durch das Feedback Teil der Realität wird.

ddaanae;8x7


LovHus

Ein Traum scheint wahr zu werden. Aber Träume, die für wahr genommen werden, platzen. Ist das schlecht? Natürlich nicht. Hätte man sich gar nicht erst auf den Traum einlassen sollen? Aber was bleibt dann noch? Diese letzte Frage halte ich für wichtig. Woher kommt die Farbe im grauen Alltag?

Also in meinem Leben von ganz konkreten und realen Erlebnissen. Aber schöne Idee, es könnte auch Faker geben die sich der rechtfertigen in dem sie dem Gedanken da oben folgen.

Luis

Einen Mehrwert hat die Diskussion meines Erachtens, wenn man nicht darauf besteht, dass jeder ein potenzielles Opfer ist, sondern wie man möglichst viele davor bewahrt, es zu werden.

Es sei denn man betrachtet den Gewinn an Wissen an sich als Wert an sich, auch wenn man es nicht praktisch nutzen kann. So jedenfalls geht es mir.

E4hema?liger .Nut>zer (#1-5&)


Chance

Wenn ich Kontakt zu anderen Menschen aufnehme, suche ich keinen Traum. Ich suche auch nicht das absolut Außergewöhnliche. Nicht jeder Faker beginnt in den schillerndsten Farben. Im Gegenteil. Oft ist es gerade zu Beginn ein stinknormaler Kontakt wie viele andere, die ganz genau so entstanden sind.

Vielleicht gehst Du hier von besonders plumpen Fakefäden aus, die besonders viel Drama enthalten. Das sind jedoch nicht die, welche ich für so schädlich halte.

:)^

Auch an "meinem" Faker hat mich gerade das Reale/Rationale angezogen. Er war einfach der nette, bodenständige Kerl von nebenan. Er war nicht von Dramen umgeben, er war kein "Schleimer" der mich irgendwie besonders umworben hätte oder beschleimt hätte. Der nur irgendwann einfach sagte, er fände es prima in mir eine Frau gefunden zu haben die so tickt wie er.

Äh. Siehe oben. Brauchst Du Fakegeschichten, damit Dein Alltag bunter wird? Ich nicht.

Nö, ich auch nicht. Wäre mir auch zu viel gewesen.

Die letztendliche "Trennung" fiel mir auch viel eher deswegen so schwer weil ich eben dachte einen gradlinigen, echten, "normalen" Kontakt geknüpft zu haben der vielleicht etwas mehr werden könnte und nicht, weil sich da eine dramatisch/tragische Liebesstory entwickelte.

(Eine Assoziation: Gestern lief mal wieder "Speed" im Fernsehen. Zum Schluß sagt Keanu Reeves zu Sandra Bullock: "Ich muß Dich warnen, ich habe gehört, dass Beziehung die auf Extremerfahrungen beruhen nicht von langer Dauer sind." Für mich mit einer der wahrsten Sätze die je in Hollywood-Filmen gesagt wurden ;-D)

Ralph_HH

Der Unterschied zum träumen im Kino oder im Roman ist der, dass man sich bewusst zum Traum entscheidet und sich des träumens jederzeit bewusst ist. Bei der Täuschung wähnt man sich in der Realität.

:)^

Unfähig, ihr eigenes reales Leben zu leben flüchten sie sich in eine Scheinwelt. Ich glaube gar nicht, dass sie mit Absicht jemandem schaden wollen, sondern dass das für diese Menschen die einzige Möglichkeit ist, zu leben. Über ihre eigenen Gefühle können sie nicht sprechen, also erfinden sie ein Alter Ego. Kein Sex, keine Freunde, keine Beziehung, also gaukeln sie sich in dieser Traumwelt selbst vor, all das zu haben indem sie das anderen so real vorgaukeln, dass es für sie selber durch das Feedback Teil der Realität wird.

Nicht so 100prozentig aber so im Kern ist das eine gute Umschreibung wie ich das auch kurzfassen würde.

m'aripxosa


Opfer und Täter finden sich auf der Suche nach Antwort auf dieselbe Frage: Wie kann mein Leben interessanter werden? Was verleiht ihm Bedeutung und Sinn? Bei beiden, so vermute ich, verblasst vor dem Hintergrund der aufregenden Interaktionen die schnöde Realität. Ein Traum scheint wahr zu werden. [LovHus]

Meinst Du damit so etwas wie Du hast es doch auch gewollt?

Erfreulich, dass Du immerhin noch vom Täter - und nicht vom Wohltäter - schreibst. Bei einem Realfaker am Haken zu hängen ist in meinen Augen etwas ganz anderes, als sich vor den Fernseher zu setzen und sich in Rosamunde Pilchers Welt zu beamen. Für mich ist das eine Variante von emotionalem Mißbrauch - und das wird auch durch die Schilderungen von Betroffenen u.a. hier im Faden deutlich.

S^hojxo


Man muss da auch wirklich dringend unterscheiden zwischen jemandem, der ein paar Räuberpistolen zusammenspinnt, jemandem, der absichtlich Besorgnis anderer mit wirklich erschütternden Geschichten schürt, und solchen Leuten, die dann auch - und an der Oberfläche hier im Forum beispielsweise gar nicht sichtbar - mit jemandem intensive Beziehungen unter völlig falschen Voraussetzungen aufbaut und denjenigen von vorn bis hinten gezielt manipuliert und belügt. Das ist eine Unterschiedsspanne wie vom aufdringlichen Hinterherpfeifen übers Grabschen bis hin zu einer Vergewaltigung. Und während beim Hinterherpfeifen tatsächlich manchmal beide was davon haben, ist es eine atemberaubende Demonstration erstaunlicher Unfähigkeit zur Empathie (und zwar sowohl im kognitiven als auch im emotionalen Sinne), wenn man im letzteren Fall sagt: "Ach, wenn er oder sie das nicht wollte, dann wärs doch gar nicht passiert, da gehörn ja immer zzwei dazu, nech?"

ChhanIce0x07


Der Unterschied zum träumen im Kino oder im Roman ist der, dass man sich bewusst zum Traum entscheidet und sich des träumens jederzeit bewusst ist. Bei der Täuschung wähnt man sich in der Realität.

Für mich sind diese Beispiele überhaupt nicht vergleichbar mit einer Beziehung zwischen zwei Menschen, die nun mal naturgemäß auf Gegenseitigkeit aufbaut. :|N

Wenn ich einen Film schaue oder ein Buch lese, dann bin ich 'mit mir allein'. Es gibt keine privaten Informationen oder Einblicke in mein Seelenleben, welche (unter falschem Vorwand erschlichen) nach außen gelangen.

Weder ein Buch, noch ein Film kann mein Vertrauen missbrauchen.

Cihe


Meinst Du damit so etwas wie Du hast es doch auch gewollt?

Sicherlich nicht. Denn das Opfer ist sich dabei doch gar nicht (zwingend) bewußt, daß es sich in eine Scheinwelt begibt.

Würde es das hingegen bewußt (und eben nicht nur blind) tun, läge ja auch keine Täuschung vor.

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