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Realfakes - Das Spiel mit den Gefühlen anderer

E8hempalige$r Nutzer h(#57G301x2)


Porzellanseele**

Mh?

danae87

Mehr kommt gerade nicht aus mir raus, aber es ist ein " begreifendes mhm" und es arbeitet in mir.

dcana}e87


Oh gut, ich dachte schon ich bin irgendwo in einen Fettnapf gesprungen. @:)

EFhemali8ger Nu^tzer (#5%7301F2)


nein - im Gegenteil

LLichztAmH orBizoxnt


Für mich waren danaes Worte auch gerade ziemlich erleuchtend.


Wobei ich das oft auch als Schutzreaktion erlebe - wie nützlich sie ist, sei mal dahingestellt: "Wenn ich etwas hätte anders tun können, dann kann ich mich vor einer Wiederholung auch schützen - wenn es nicht an meinem Verhalten lag, dann nicht." Allerdings ist das meiner Ansicht nach ein Gedanke, der sehr weit vorn im Verarbeitungsprozess steht.

(Shojo)

Ich habe das Gefühl, dieses Denkmuster war bei solchen Menschen schon vorher vorhanden. Alles war ausgelegt auf volle Kontrolle, und wenn man aus eigenem Empfinden vollständig daneben greift, trifft es einen besonders hart. Man fragt sich: Wo habe ich nicht aufgepasst? Wie konnte das passieren?

Wenn man von vornherein die eigene Macht nicht überschätzt, ist die Gefahr kleiner.

LMicihtAmHoorizonxt


Gut, danae hatte das gleiche in anderen Worten auch schon geschrieben… :=o |-o

qQuacks;alberxei


Wobei ich das oft auch als Schutzreaktion erlebe - wie nützlich sie ist, sei mal dahingestellt: "Wenn ich etwas hätte anders tun können, dann kann ich mich vor einer Wiederholung auch schützen - wenn es nicht an meinem Verhalten lag, dann nicht." Allerdings ist das meiner Ansicht nach ein Gedanke, der sehr weit vorn im Verarbeitungsprozess steht. Ich habe ihn nie als nützlich erlebt, sondern nur als einen Standpunkt, der eine gewisse Verhärtung befördert oder tiefe Panik "verkleidet", aber nichts, was wirklich bei der Bewältigung hilft. Höchstens, indem der Gedanke im allerersten Schock danach einen Schutzpanzer gegen die Furcht bildet, es könne noch mal passieren.

Da gehts ja zum Teil auch darum, nach gewissen Ereignissen, in die man "arglos" geraten ist, wieder Kontrolle zu gewinnen, indem man sich vorstellt, wie man möglicherweise durch eigene(s) Vorsichtsmaßnahmen, Handeln und Verhalten Einfluss auf die Begebenheit gehabt hätte oder in Zukunft haben könnte. Ich denke, das kann manchmal als ein früher und vorübergehender Schritt in der Verarbeitung wichtig sein, um in der frühen Verarbeitungsphase wieder ein bisschen Kontrolle und Stabilität zu gewinnen - auch wenn es in den meisten Fällen nur ein vermeintlicher Kontrollgewinn ist. Nur sollte die Verarbeitung nicht in dieser Phase steckenbleiben, denn wenn einem dann wieder etwas Vergleichbares passiert, dann haut es einen noch viel mehr auf die Schnauze, da ja dann sogar die (vermeintlichen) Vorsichtsmaßnahmen versagt haben.

Szhowjxo


Ja, wobei ich es mehr als Gedanken kenne den die Menschen vor einer Erfahrung dieser Art hegen und pflegen. "Wenn ich mich richtig verhalte dann bin ich sicher. Der andere Mensch hat sicher irgendwas falsch gemacht was mir nie passieren würde." Eben der Reflex des victim blamings.

Das ist auf jeden Fall das Hauptbetätigungsfeld dieser Denkweise, ja.

Bei Menschen die etwas schlimmes erlebt haben kenne ich es dann eher als:"Oh Gott, wieso bin ich da nur lang gegangen, da war doch die Laterne kaputt, das hätte ich ja doch gleich wissen müssen. Gott ich bin so dumm, ich habs ja nicht anders verdient, das musste ja passieren." Bis zum nächsten Mal kommen die gar nicht mehr. :-|

Ich habe das tendenziell auch immer mit in die "Laut auf dem Friedhof singen und die Angst bannen"-Reaktion einsortiert, aber vielleicht stimmt es, was LichtAmHorizont schreibt - dass es ein vertrautes Denkmuster ist, das weitergeführt wird.

S%hojQo


Da gehts ja zum Teil auch darum, nach gewissen Ereignissen, in die man "arglos" geraten ist, wieder Kontrolle zu gewinnen, indem man sich vorstellt, wie man möglicherweise durch eigene(s) Vorsichtsmaßnahmen, Handeln und Verhalten Einfluss auf die Begebenheit gehabt hätte oder in Zukunft haben könnte. Ich denke, das kann manchmal als ein früher und vorübergehender Schritt in der Verarbeitung wichtig sein, um in der frühen Verarbeitungsphase wieder ein bisschen Kontrolle und Stabilität zu gewinnen - auch wenn es in den meisten Fällen nur ein vermeintlicher Kontrollgewinn ist. Nur sollte die Verarbeitung nicht in dieser Phase steckenbleiben, denn wenn einem dann wieder etwas Vergleichbares passiert, dann haut es einen noch viel mehr auf die Schnauze, da ja dann sogar die (vermeintlichen) Vorsichtsmaßnahmen versagt haben.

Ja, genau das meine ich. Die Frage ist wohl nur, ob es so ein vorübergehender Halt ist und auch einfach ein Abklopfen der Umstände hinsichtlich der Frage, ob etwas Sinnvolles daraus zu lernen ist, oder ob es selbstzerstörerische Züge annimmt.

q$ua=cksaltberyexi


Ich finde es übrigens eine der härtesten Übungen, sich selbst einzugestehen, dass man in einigen Situationen im Leben keine Kontrolle hat. Wenn ich an manche Situationen in meinem Leben denke, in denen ich (wohl) nichts tun konnte, um etwas "Schlimmes" zu verhindern, dann erinnere ich mich sehr gut, dass ich teilweise längere Zeit immer wieder gehadert habe, ob nicht doch vielleicht irgendein anderes Verhalten meinerseits dazu geführt hätte, dass etwas nicht oder weniger schlimm passiert wäre. Da das für die Zukunft gesündeste Maß an Anerkennen der eigenen Hilflosigkeit einerseits und "Lernen aus (vielleicht) Fehlern" andererseits zu finden, ist schon eine verdammt harte Nummer.

LYichtAAmHorzizoxnt


Als erste Affektreaktion kann ich mir das bei allen Menschen vorstellen. Um dauerhaften Schaden davonzutragen, eher nur bei denen mit Prädisposition. Aber auch hier hängt die Therapierbarkeit bzw. Resilienz wie es, wie ich jetzt gelernt habe, heißt von verschiedenen Faktoren ab, die auch tatsächlich ganz banal in den Genen liegen können. Aber eine sehr große Rolle dürfte auch die Lebenserfahrung spielen.

S*hoejo


Ja. Und es ist auch schwer, sich zuzugestehen und einzugestehen, dass einen manche Dinge verdammt hart treffen, auch wenn man sie noch so sehr rationalisiert. Dass die Wucht durchs Denken nicht vermindert wird und man es hinnehmen muss, dass man getroffen, traurig, erschüttert ist und auch eine Zeitlang wirklich beeinträchtigt, auch wenn man eigentlich keinem Ereignis und keinem Menschen die Macht zugestehen möchte, einen so zu treffen. Ich habe irgendwann mal gedacht, dass das Leben einen halt irgendwann kaputtspielt, es pflückt einen auseinander, und darin kann auch Schönheit liegen, wenn man sich mitten hineinstürzt in dieses Zerpflücktwerden, in dieses Erleben und Sein und in gewissem Sinne auch: Hinnehmen. Schrägerweise fühle ich mich sehr viel heiler, seit ich finde, dass es okay ist, kaputt zu sein.

SShoj[o


Aber auch hier hängt die Therapierbarkeit bzw. Resilienz wie es, wie ich jetzt gelernt habe, heißt von verschiedenen Faktoren ab, die auch tatsächlich ganz banal in den Genen liegen können. Aber eine sehr große Rolle dürfte auch die Lebenserfahrung spielen.

Ich glaube, dass da die charakterliche Prädisposition schon eine große Rolle spielt, wobei man die später als Heranwachsender und Erwachsener sicher auch stark beeinflussen kann beziehungsweise sie sich ohnehin die ganze Zeit im Wechselspiel mit dem Umfeld befindet. Lebenserfahrung hingegen - hm. Die kann einen eben auch kaputtmachen, die Lebenserfahrung, die ist ja nicht immer nur ein Zugewinn.

Luewiaxn


danae (und allgemein)

Ist man da eher offen und sieht die Schuld und Verantwortung eher bei demjenigen der betrogen hat oder so, dann ist das zwar hart und tut weh, aber man zerfleischt sich selbst nicht so.

Ich finde es wichtig, zwischen Schuld und Veratwortung zu unterscheiden. Ein Mensch, der z.B. aus Hilfsbereitschaft oder aus persoenlichem Interesse einem Faker auf den Leim geht, hat sicherlich keine Schuld. Trotzdem ist das, was passiert ist, durchaus auch als eine Folge der Entscheidungen zu verstehen, die dieser Mensch getroffen hat. Und insofern ist da eine gewisse Eigenverantwortung zu finden. Das finde ich wichtig, denn ich denke, es ist etwas Positives, sich selber nicht als ohnmaechtiges Opfer wahrzunehmen, und sich Gedanken darueber zu machen, was der eigene Anteil an etwas war, was passiert ist, im Hinblick darauf, das eigene Leben in Zukunft besser zu gestalten. So sehe ich es jedenfalls fuer mich in Situationen, in denen es auch die Moeglichkeit gaebe, dass ich jemand anderes allein verantwortlich fuer mein Unglueck mache ("Fakeropfer" war ich bisher wissentlich noch nicht, daher kann ich in diesem Zusammenhang nicht von mir selber berichten).

Um mal zu illustrieren, inwiefern das fuer mich etwas ganz anderes ist als "Schuld" bzw. "victim blaming": Nehmen wir einen Menschen, der sehr hilfsbereit ist und sich ohne es zu wissen auf einen Faker einlaesst. Offensichtlich muesste er das nicht; man muss niemandem helfen, der irgendwo im Internet von irgendeinem Leid schreibt. Man koennte vermutlich auch vermeiden, sich emotional zu verwickeln; man koennte mehr Abstand halten.

Nun ist es so, dass dieser hilfsbereite Mensch vielleicht sagt: "Ich will aber nicht uebervorsichtig und distanziert sein; ich will Moeglichkeiten zu helfen nutzen, und ich will mich auch nicht einem emotionalen Kontakt verschliessen, denn da ist viel Potenzial drin fuer Bereicherung meines Lebens". Und dieser Mensch ist sich vielleicht bewusst, dass es da ein Risiko gibt, weil gewisse Menschen Hilfsbereitschaft und emotionale Oeffnung ausnutzen und manipulieren. Der Mensch entscheidet sich bewusst, zu helfen und sich zu oeffnen, trotz dieser Gefahr. Ich interpretiere das so, dass er eine Verantwortung wahrnimmt vor sich selber.

Ich glaube, dass dieser Mensch mit der Erfahrung, einem Faker aufzusitzen, bewusster und besser umgehen kann als jemand, in dessen Weltbild diese Moeglichkeit (noch) gar nicht vorkommt. Als jemand, der helfen will und sich verwickeln laesst, ohne das bewusst zu entscheiden in bewusster Inkaufnahme eines Risikos. Jemand, der sozusagen unter der versteckten Voraussetzung handelt, dass es keine Faker oder Menschen, die Hilfsbereitschaft ausnutzen, geben duerfte - oder der glaubt, "MIR kann das nicht passieren". Aber dieser Jemand, der da eher so "hineingeraet", laedt deshalb keine "Schuld" auf sich. Er tut niemandem ein Leid. Die Verantwortung, in der ich ihn sehe, ist dazu da, ihm die Moegichkeit zuzusprechen, in Zukunft bewusster zu handeln.

Es gibt noch viele andere Moeglichkeiten, bewusst auf eine solche Erfahrung zu reagieren, oder auch von vornherein sich der Gefahr weniger auszusetzen (ich persoenlich folge einer Philosophie, die dem Konzept der "objektiven Realitaet" gegenueber skeptisch ist; wenn mir jemand was erzaehlt, ist meine Wahrheit grundsaetzlich bloss, dass mir das so erzaehlt wurde, und nicht, dass es tatsaechich so ist; meine Einstellung den Dingen gegenueber, die mir erzaehlt werden, ist nicht "entweder fuer wahr halten oder nicht glauben"); mir geht es nicht darum, was richtiges oder falsches Verhalten oder Einstellung waeren. Mir geht es darum, dass jeder Mensch auf sein Leben und Erleben Einfluss hat, und darum, diesen bewusst wahrzunehmen.

L9ichAtAm#Horizoxnt


Lebenserfahrung hingegen - hm. Die kann einen eben auch kaputtmachen, die Lebenserfahrung, die ist ja nicht immer nur ein Zugewinn.

(Shojo)

Klar, nicht jede Lebenserfahrung ist gleichermaßen tauglich. Und Lebenserfahrung nur in Jahren gemessen sagt auch nichts aus. Es kommt schon auf die Qualität an. Und da hat man ja nicht immer selbst Einfluss drauf. Je jünger man ist, desto weniger.

Ich habe irgendwann mal gedacht, dass das Leben einen halt irgendwann kaputtspielt, es pflückt einen auseinander, und darin kann auch Schönheit liegen, wenn man sich mitten hineinstürzt in dieses Zerpflücktwerden, in dieses Erleben und Sein und in gewissem Sinne auch: Hinnehmen. Schrägerweise fühle ich mich sehr viel heiler, seit ich finde, dass es okay ist, kaputt zu sein.

(Shojo)

Ja, seltsam, so geht es mir auch...

Mbu?ffk Poctter


Ich finde das, was hier zur Unterscheidung von Verantwortung und Schuld gesagt wurde enorm wichtig. Ich hatte das früher nie so wahrgenommen. Im Alltag werden die Begriffe, so ist mein Eindruck, häufig durcheinander geworfen. Dabei ergibt es viel mehr Sinn, diese Begriffe zu differenzieren.

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