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Realfakes - Das Spiel mit den Gefühlen anderer

a#.fixsh


Der Satz von NotMichaelCaine bezog sich in meiner Lesart nicht auf die Motive der Faker, sondern auf den Schaden, den sie anrichten können und dass dieser eben keine Kleinigkeit sei. Deine Anmerkung dazu las sich für mich wie einer Art verdrehte, etwas spöttische ("seltsame Blüten") doppelte Verneinung, die ich in dem Kontext einfach nicht verstanden habe.

Deine Erklärung jetzt habe ich verstanden.

L`ovHxus


Ah, danke a.fish. Ich stand tatsächlich auf dem Schlauch, weil ich nur gesehen habe, was ich gemeint habe und dann ist es einfach schwer bis unmöglich zu sehen, wie ich noch verstanden werden könnte. Da hilft dann nur die Rückfrage.

Und in der Tat, meine anderen Beiträge hier (oder auch woanders) könnten sich so lesen lassen, als würde ich den Schaden gerne als Kleinigkeit sehen. Ich kann da nur versichern: Das wäre das Gegenteil meiner Intention, nämlich Wege zu finden, die es ermöglichen, nach so einer Erfahrung Beziehungen nicht nur noch mit heruntergelassenen Visier oder auf Sparflamme und mit einem Grundmisstrauen zu erleben. Und die Bagatellisierung einer schlimmen Erfahrung zu einer "Kleinigkeit" ist kein solcher Weg.

Was mir vorschwebt ist ein Weg, der von der Dramatisierung, in der das Erleben in all seinen Facetten durchlitten und wahrgenommen wird, um zu verstehen, was da eigentlich abgelaufen ist, zu einer Relativierung führt, in der all die anderen Erlebnisse, gerade auch schöne und glückliche Beziehungsmomente parallel auch wieder da sind, am Ende alle genau so, wie sie waren, nicht größer, nicht kleiner. Und dabei weder das Schöne das Schlimme rosarot färbt noch das Schlimme das Schöne verdrängt. Wenn das gelingt, so meine Überzeugung, ist der Mensch am Schlimmen, wie am Guten gereift und gewachsen.

So verstanden sind also Dramatisierung und Relativierung zwei ganz wichtige Schritte der Erlebnisverarbeitung, und helfen, einer Bagatellisierung oder einem Steckenbleiben zu entgehen. Leider sind beide Begriffe für viele Menschen negativ besetzt und dann ist es vorprogrammiert, mich misszuverstehen. Z.B. habe ich neulich in einem anderen Faden erlebt, dass "relativieren" und "bagatellisieren" als Synonyme verstanden wurden. Dann ist klar, dass das Gegenteil von dem verstanden wird, was ich gemeint habe.

Ein anderes Missverständnis, das ich inzwischen erkannt habe und nun schnell ausräumen kann, ist, dass viele Menschen offenbar nicht groß zwischen "verstehen" und "einverstanden sein" unterscheiden. Dabei ist Verstehen gerade dann besonders wichtig, wenn man nicht einverstanden ist.

a~.fi#sh


Ich glaube, den Betroffenen fällt es oft schwer, diese Unterscheidung zu machen, weil speziell diese Sache oft bagatellisiert und den Betroffenen eher mit Spott und Hähme begegnet wird. Wenn das das Hintergrundrauschen und -gefühl zu einem erlebten Unrecht ist, fällt es sicher doppelt schwer zu sagen: es hatte auch seine guten Seiten und ich verstehe, warum er oder sie das getan hat. Denn man muss ja erst einmal (gefühlt oder tatsächlich) darum kämpfen, dass es überhaupt als echter Schaden und wirkliche Verletzung wahrgenommen wird.

In dem Maße, in dem das Phänomen breiter bekannt und besprochen und auch ernst genommen wird, wird sicher auch der Umgang damit differenzierter werden.

Victoria Schwartz hat übrigens eine Selbsthilfegruppe für Betroffene eingerichtet.

LpovHuxs


Ich glaube, den Betroffenen fällt es oft schwer, diese Unterscheidung zu machen

Ja, das ist schwer. Vielleicht auch doppelt schwer, weil ihre Gesprächspartner diese Unterscheidung nicht machen. Wollen das Leid des anderen nicht an sich ran lassen und versuchen mit Bagatellisierung zu "helfen". Vermutlich läuft jede Relativierung von Abschluss der Dramatisierung auf Bagatellisierung hinaus.

Irgendwie gibt es hier eine Bildungslücke. Auch wenn Leidverarbeitung auf jedem Lebensplan steht, fehlt sie in den Bildungsplänen. Dabei bietet der Schul- und Erziehungsalltag jede Menge Anlässe.

LxovHkus


...vor Abschluss...

M}uff Photter


Eine Realfakes-Geschichte:

[[http://www.fritschis-welt.de/2017/09/18/mein-fake-jasmin-nicoletta-goldmann/]]

LIian-:JiPll


So typisch, typischer geht es nicht.

mbond+siter9n@e


Ja, spannend zu lesen.

SLhojxo


Ach, bäh.

wtiXn/winxwin


Auf so eine Person bin ich damals auf depri.ch hereingefallen.

Über Monate hatte ich ihre Fäden verfolgt und irgendwann schickten einige User incl. mir, ihr Geschenke usw....dann nach Monaten entpuppte sich die Wahrheit, dass alles nur Fake war. Das haut einen dann doch echt aus den Socken, weil man sich schon ein richtiges Bild von diesem Menschen gemacht hatte, Dauerkontakt hatte und dann sowas....

Ich finde sowas auch mehr als mies. :(v

In meinem Falle war es eine ach so arme Frau mit einem unheilbaren Gehirntumor.

wNin:wi+nwixn


Die Seite wurde aus rechtlichen Gründen eingestellt.

Nur im Archiv findet man sie noch:

[[http://archive.is/aVFG9]]

R^h6elixa


Zählt diese hier auch zu den Realfakes?

[[http://www.spiegel.de/panorama/justiz/australien-bloggerin-belle-gibson-muss-wegen-erfundenen-krebsleidens-strafe-zahlen-a-1170263.html]]

Oder war das Finanzielle das eigentliche Motiv?

Sehr widerlich!

Mruff jPottxer


ählt diese hier auch zu den Realfakes?

Hm. Die Person [[https://en.wikipedia.org/wiki/Belle_Gibson Belle Gibson]] ist eher eine Betrügerin und Hochstaplerin als ein Realfake. Sie hat sich nicht unter falschem Namen das Vertrauen ihrer "Follower" ergaunert. Und sie hat dies offenbar getan, um Geld zu verdienen, nicht, um eine Art Trieb zu befriedigen.

Ungeachtet dessen ist die Grenze da fließend. Auf jeden Fall wurden viele Iherer Follower nicht nur finanziell geschädigt, sondern sie hat auch mit deren Gefühlen gespielt.

Sehr widerlich!

In der Tat.

SChojo


Gibson musste 275.000 Strafe zahlen. 7.000 hatte sie alibimäßig gespendet. Umgerechnet etwa 300.000 an Spendengeldern in etwa eingekommen. Ich hoffe ja, parallel wurde ihr das unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erwirtschaftete Geld abgenommen, oder sie musste darauf wenigstens ordentlich Steuern zahlen, sodass sie nicht finanziell halbwegs +/- aus der Sache rausgeht oder sogar mit einem kleinen Plus. UND mich ärgert, wenn sie wirklich "nur" wegen der falschen Angaben zu den Spenden verurteilt wurde und nicht wegen der nachweislichen Lüge bezüglich des angeblichen Hirntumors und der ebenso angeblichen Heilung.

Na, aber immerhin dient sie jetzt als Beispiel dafür, was man von solchen Heilsversprechungen halten kann. For what it’s worth ... Betroffene glauben es ja gegebenenfalls doch, wenn sie es unbedingt glauben wollen.

Ich kann geschickt angelegten Betrügereien im großen Stil ja in seltenen Fällen durchaus etwas abgewinnen, aber auf die Tour und mit dem Kollateralschaden ganz sicher nicht.

SOh3ojo


(Und nee, ein Realfake ist die nicht. Nur real scheiße druff. Charakterlich, und jetzt vermutlich auch, was die Stimmung betrifft. ;-D )

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