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Höchste Zeit für ein neues Gesicht!

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Liebe ist nicht genug - Leben mit Krankheit und Sterbewunsch

d3an;aTex87


Das klingt ganz vernünftig. ;-D

H$immeRlgrxün


Mittlerweile habe ich die neue Situation (nicht mehr berufstätig sein) erfasst. Die Veränderung der äusseren Umstände bewirkt auch wieder eine Veränderung in meinen Gefühlen. Ich beschäftige mich momentan weniger mit dem, was da kommen wird, sondern mit dem, was ich hinter mir lassen muss.

In den vergangenen Monaten habe ich mich hauptsächlich mit dem Sterben beschäftigt und mit der Vorstellung, wie unerträglich ich ein Leben mit meiner Krankheit finde. Dabei kam die Trauer um das, was verloren ist (eben das unbeschwerte, gesunde Leben) nicht oder zu wenig vor. Das hole ich nun nach.

Es fühlt sich an wie der Schmerz nach unerwartetem verlassen werden. Noch immer möchte ich nicht wahrhaben, dass es diesen Schnitt in meinem Leben gegeben hat. Es tut weh und ich möchte zurückhaben, was mir da genommen wurde. Gleichzeitig weiss ich natürlich, dass das nicht geht. Das Leben geht weiter – mit oder ohne mich. Nach der Diagnose fühlte ich mich für viele Wochen wie unter einer Käseglocke – die Welt drehte sich ohne mich. Irgendwann drehte ich mich wieder mit ihr, aber es gelang mir nicht, die neue Situation zu akzeptieren.

Heute glaube ich, dass es dafür eben auch noch die Trauerphase braucht. Ich kann heute den Schmerz besser zulassen, manchmal überwältigt er mich ganz und gar. Diese Tage sind schwer. Aber ich will die Tatsachen nicht verdrängen, ich will durch diesen Schmerz durchgehen. Ich glaube, ich kann erst dann in Frieden mit mir sterben, wenn ich auch in Frieden mit mir leben könnte.

C:oteKSauvxage


Es fühlt sich an wie der Schmerz nach unerwartetem verlassen werden.

Erst hab ich mich gefragt: Wieso denn das? Inzwischen weißt du ja längst was los ist und reflektierst (d)eine Entscheidung. Aber ich denke damit hast du sehr recht:

Heute glaube ich, dass es dafür eben auch noch die Trauerphase braucht.

Mein 1. Freund hat mich total unerwartet verlassen (also für mich und auch meine Familie war es total unerwartet und ich glaube nachträglich: auch für ihn). Das hat mich total umgehauen. Gerade wenn man jung ist rüttelt das an den Grundfesten von allem. Ich hab bestimmt ein Jahr gebraucht bis ich es weitgehend verdaut hatte. In dem Jahr habe ich intensiv meine Gedanken aufgeschrieben, Bücher über die Phasen von Trennung und Wahrnehmung/ Akzeptanz der Trennung gelesen, zig Gespräche mit meiner Mutter (die seit nach meiner Pubertät wie eine beste Freundin für mich ist) und meiner besten Freundin geführt. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass ich das damals so verarbeitet habe dass es sich nicht negativ auf spätere Beziehungen/ meine allgemeine Haltung zu Männern etc ausgewirkt hat. Aber es war ein hartes Stück Arbeit.

Während ich das geschrieben habe, habe ich mir überlegt: Mit wem würde ich dementsprechend heute die Tatsache verarbeiten, dass ich todkrank bin (wäre ich an deiner Stelle)? Eigentlich wäre das immer noch vor allem meine Mutter. Bei der würde ich nicht nachdenken, ob sie das belasten, nerven, etc würde. Diese beste Freundin von damals gibt es immer noch, aber die hat inzwischen ihr eigenes Leben/ Familie und eigene Probleme. Ich glaube nicht dass ich sie öfter anrufen/ treffen würde als ich es jetzt tue. Und mein Partner? Kann ich gar nicht wirklich sagen - seither ging es mir nie mehr so richtig richtig schlecht während ich einen Partner hatte, so dass ich das bisher nicht ausprobieren konnte. Mit meinem Partner habe ich schon oft über berufliche Probleme (es waren eigentlich mehr Fragestellungen als "Probleme") gesprochen, und über existenzielle Themen (würde man abtreiben wenn ich schwanger werden würde; u.Ä.) mehr theoretisch. Ich denke dass ich auch jetzt sehr viel mit mir selber abmachen würde. Aber ich würde auch, wie du, das Internet nutzen, das es damals noch nicht gab, und mit Fremden Gedanken austauschen.

Ich glaube, ich kann erst dann in Frieden mit mir sterben, wenn ich auch in Frieden mit mir leben könnte.

Ein toller Satz, über den man sehr lange nachdenken kann.

H?immel#grün


Auch wenn hier vielleicht nur noch wenige mitlesen, ich will den Faden doch weiterführen.

Ich habe Bilder.

Da ist mal das Bild der Waage (die Version mit den Waagschalen). Auf der einen Seite ist meine Krankheit, sie wiegt schwer. Auf die andere Seite packe ich gute Erinnerungen aus meinem Leben, aktuelle schöne Erlebnisse, Dankbarkeit – einfach alles, was geeignet ist, diese Waage im Gleichgewicht zu halten. Dadurch ist es mir möglich, noch immer lebenswerte Stunden oder sogar Tage zu geniessen.

Ein anderes Bild ist das vom Streichholz. Ich fühle mich wie ein Streichholz, das gebrannt hat und nun verglüht ist. Es ist noch immer als Streichholz erkennbar, aber nochmal anzünden geht nicht.


Momentan lese ich "Dienstags bei Morrie" von Mitch Albom. In diesem Buch finde ich Sätze, die absolut mein eigenes Empfinden treffen. Ein Beispiel:

"Ich bin nicht mehr so lebendig, wie ich früher immer war, aber ich bin noch nicht tot. Ich bin irgendwie… dazwischen."

Es ist eine besondere Situation, "dazwischen" zu sein. Alles ist sehr intensiv. Ich fühle Erleichterung und gleichzeitig Trauer. Immer wieder geht es nicht um entweder A oder B, sondern um A und gleichzeitig B. Jetzt bin ich auch öfters ganz in meiner eigenen Welt, mag nicht mehr jedem Gespräch folgen, mag mir nicht mehr Gedanken machen zu Dingen, die mich nicht (mehr) berühren. Ich entgleite in diesen Momenten den anderen, aber ich bin bei mir.

D7iTe Sejherin


alles in allem klingt das ganz schön zerrissen? gar nicht wirklich so, als seiest du mit dir im reinen?

Hcimme{lgrxün


@ Die Seherin

Ich hab gerade überlegt, warum sich meine Worte für dich nach Zerrissenheit anhören. Offenbar ist es nicht leicht, Gedanken, die sich über Wochen entwickeln, in wenigen Sätzen verständlich zu machen. Vielleicht hilft das Folgende.

Für mich ist es gut, dass ich unterschiedliche Gefühle gleichzeitig wahrnehmen und aushalten kann. Beispiel: Ich freu mich sehr über die Sonne, den schönen Garten und meine Blumen. Dabei verdränge ich aber mein absehbares Sterben nicht. Freude und Trauer gleichzeitig. Die Waage im Gleichgewicht - das bedeutet für mich: ich bin mit mir im Reinen.

Es fühlt sich für mich richtig an, beide Schalen der Waage im Auge zu behalten. Sie sind meine Realität. Es geht für mich nicht um ein Ganzes, das zerrissen ist, sondern um zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille. Keine davon möchte ich mehr ausblenden.

L`ichtASmHorixzont


@ Himmelgrün

Geht es Dir denn im Großen und Ganzen psychisch gut?

Mir geht es beim Lesen Deiner Worte nämlich so ähnlich wie Die Seherin. Ich finde, das hört sich fast nach einem Trauma an. Nach Überforderung. Aber von Ferne und ohne zu wissen was Du fühlst ist das kaum zu beurteilen.

LFichtAImHorizxont


Ich kenne Freude und Trauer zugleich nämlich eher von ganz schrecklichen Situationen..

H+immSel|grün


@ LichtAmHorizont

Wie geht es einer, die sich mit ihrem Sterben auseinandersetzt?

Mir geht es manchmal gut, manchmal leide ich. Traumatisiert hat mich die Diagnose damals bestimmt, aber inzwischen liegen zwei Jahre therapeutischer Begleitung hinter mir und ich werde immer gelassener. Manchmal bin ich trotzdem überfordert. Meine momentane Situation ist vielleicht die grösste Herausforderung, die ich je zu bewältigen hatte. Ich bewältige sie aber jeden Tag. Als eine "ganz schreckliche Situation" würde ich meine Lage nicht bezeichnen. Als eine ganz aussergewöhnliche Situation aber schon.

Uns allen ist klar, dass wir irgendwann sterben werden. Den Tod aber in greifbarer Nähe zu haben bzw. den Gedanken daran wirklich zuzulassen, verändert. Ich kann mich weniger mit anderen beschäftigen, ich lebe (noch) bewusster im Jetzt und Heute und ich nehme Abschied. Immer wieder ein Stück. Manchmal ganz bewusst, manchmal eher unbewusst.

Ich will dieses Sterben an mich ran lassen und trotzdem noch leben bis es soweit ist. Eine Gratwanderung?

Bdir'keMnzwexig


ich kann das alles soweit nachvollziehen...

ich hab nur deine beiträge gelesen, himmelsgrün

ich weiß auch nich, ob ich "künstlich" verlängern würde, der anderen zuliebe oder mich dem eigentlich natürlichen sterbeprozess einfach hingeben würde.

mein beitrag hilft vermutlich nich viel, aber ich wollte es gesagt haben

C[oteSHauvaxge


"Ich bin nicht mehr so lebendig, wie ich früher immer war, aber ich bin noch nicht tot. Ich bin irgendwie… dazwischen."

Es ist eine besondere Situation, "dazwischen" zu sein. Alles ist sehr intensiv. Ich fühle Erleichterung und gleichzeitig Trauer. Immer wieder geht es nicht um entweder A oder B, sondern um A und gleichzeitig B. Jetzt bin ich auch öfters ganz in meiner eigenen Welt, mag nicht mehr jedem Gespräch folgen, mag mir nicht mehr Gedanken machen zu Dingen, die mich nicht (mehr) berühren. Ich entgleite in diesen Momenten den anderen, aber ich bin bei mir.

Für mich hat sich das gar nicht zerrissen gelesen. Eher wie jemand der in einer Zwischenwelt ist und sich darauf vorbereitet langsam rüberzugleiten. Gerade dieses "Manches ist mir einfach nicht mehr wichtig". Das hat ja was von Loslassen, gelassen sein, usw

C+lalal.alxa


Hallo Himmelgrün,

Ich bin jetzt gerade erst auf deinen Beitrag gestoßen und wollte dir sagen, dass er mich sehr berührt hat.

Was einige vielleicht als Zerrissenheit herauslesen ist sicher die Interpretation von gesunden Menschen, die den Tod noch lange verdrängen. Die Meinung heutzutage ist, man sei entweder glücklich oder traurig. Aber du erfährst nun, was "Glück im Unglück" bedeutet. Und es ist schön, dass du genau diese beiden Empfindungen haben kannst.

Ich hoffe du und deine Partnerin werdet noch einige schöne Moment haben, bis wirklich eine Entscheidung gefasst werden muss. Ich werde sicher wieder hier reingucken und lesen wie es dir geht.

Liebe Grüße,

L7ichRtAmoHo=rizxont


Was einige vielleicht als Zerrissenheit herauslesen ist sicher die Interpretation von gesunden Menschen, die den Tod noch lange verdrängen.

Ja, ist wohl so... Ich kann mich da nicht wirklich hineinfühlen, so sehr ich es versuche.

C\omrxan


Hallo Himmelgrün, habe jetzt auch gemerkt, dass es Neues in deinem Faden gibt.

Was kann ich mit der Entscheidung für das Sterben vermeiden?//__

- eine andere Einstellung finden müssen

Das fand ich interessant. Nicht nur vor dem Körperlichen, was dich im Leben erwarten würde, hast du Angst. Du möchtest dafür keine Andere werden, selbst wenn du mit einer anderen Einstellung das Leben weiterführen könntest (wie dein verstorbener Freund).

Ich fürchte mich vor dem, was da kommt - egal welche Entscheidung es dann sein wird.

Es ist die absoluteste Entscheidung, die man im Leben treffen kann. Die Entscheidung zur Geburt wurde uns abgenommen.

aber ich fürchte bereits jetzt den Tag, wo es mir richtig klar wird, dass ich nun "Hausfrau" bin – oder Frührentnerin?

Du bist Mensch. Wenn du für deine Nichtbeschäftigung unbedingt einen Titel brauchst, nimm doch "Privatière". Das klingt nicht so negativ.

Ich will dieses Sterben an mich ran lassen und trotzdem noch leben bis es soweit ist. Eine Gratwanderung?

Das ist gut möglich. Es gibt ja auch so fatale Situationen, wo man mit dem Risiko spielt. Eigentlich will man eine gewisse Linie nicht überschreiten, ist aber so fasziniert von ihr und fordert sein Schicksal heraus, indem man sich an diese Linie immer weiter herantastet. Irgendwann kommt ganz unverhofft ein Schritt zuviel und man hat die Linie überschritten, ohne dass man wirklich Kontrolle darüber hatte. Vielleicht wird es dir ähnlich gehen? Vielleicht nimmt dir das Schicksal eines Tages die Entscheidung ab, weil du dank der kraftspendenden Perspektive "Exit" dich so lange an den Punkt, wo es nötig sein sollte, herantastest, bis doch medizinische Maßnahmen nötig sind oder ein Sterben auf natürlichem Wege eingeleitet wird?

a5gnes


Nur zu meinem Verständnis: Dir sind alle Therapieoptionen für eine Niereninsuffizienz, die mit und die ohne Maschinen, bewußt und Du hast Dich gegen sie entschieden, obwohl sie Dir potentiell eine normale Lebenserwartung (und mit einem Transplantat auch Lebensqualität) erlauben würden?

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