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Liebe ist nicht genug - Leben mit Krankheit und Sterbewunsch

C6ot<eSa?uxvage


Das mit den verschiedenen Wegen versteh ich nicht so ganz. Ich kenne doch das eine oder andere Paar, bei dem einer schwer krank war und dann schließlich auch gestorben ist, aber da war nichts von wegen "die Wege trennen sich bereits jetzt". Anscheinend kann man es durchaus hinkriegen, so einen Weg bis zum Schluss gemeinsam zu gehen, anscheinend gibt es durchaus Menschen, die einen Partner auf dessen schwerem Weg bis zum Schluss begleiten und Menschen, die sich von ihrem Partner bis zum Schluss begleiten lassen. Irgendwas gefällt mir an diesem

Und ich bin die, die sich in den letzten Wochen immer weiter entfernt hat, die begonnen hat, die Gefühle runter zu fahren, die sich in sich selber zurückgezogen hat. Weil es alles etwas leichter macht. Ich geh auf meinem eigenen Pfad, nicht mehr auf unserem. Katja blieb eine Weile stehen auf unserem Weg und nun geht auch sie weiter, allein.

nicht. Ist es vielleicht dieses Pathos?

H#immRelgrxün


Musste erstmal nachschlagen, was nun Pathos eigentlich genau ist. Wiki sagt:

Umgangssprachlich versteht man heute darunter eine emotionale, theatralische und tendenziell übertriebene Form der Artikulation.

Hm. Emotional zu sein, finde ich ok, aber theatralisch und übertrieben? Au weia, so möchte ich nicht wirken. Ist mein Bild für dich zu theatralisch?

Ich kann es auch anders ausdrücken. Während ich mich da in meinem Niemandsland zwischen Leben und Sterben tummle (Mist, schon wieder ein Bild), geht Katja ihren Aufgaben im Verein nach. Da waren wir früher beide engagiert, haben uns das Amt geteilt. Diese Zusammenarbeit hat uns viel Bereicherung beschert, es war ein besonderer Teil unserer Beziehung, ein Projekt sozusagen, bei dem wir uns ideal ergänzt haben. Ich hab mich da aber ausgeklinkt, hab einfach das Interesse verloren. Dies ist ein Beispiel unter anderen.

Während ich mich also mit meinen Gedanken über gutes Sterben beschäftige, Bücher dazu lese und mich von materiellen Dingen löse, richtet Katja ihre Aufmerksamkeit auf ihre Zukunft, engagiert sich, trifft sich mit (zum Teil neuen) Bekannten, akzeptiert, dass sie irgendwann vieles ohne mich machen wird und beginnt bereits damit. Es gab auch eine Zeit, wo sie sagte "ohne dich macht es keinen Spass, ich geh da dann auch nicht hin". Mittlerweile kann sie allein gehen. – Das meinte ich damit, sie blieb erst stehen und geht nun aber allein weiter.

Ich glaube dir gern, dass es Menschen gibt, die "es hinkriegen, so einen Weg bis zum Schluss gemeinsam zu gehen". Was ich bei uns beobachte, ist ein zeitweises sich verlieren, ein Nebeneinanderherleben. Sobald ich das merke, gehe ich auf die Suche nach den Ursachen. Ich frag mich, ob wir da gerade unbewusst was schleifen lassen, oder ob wir das so haben wollen. Dann kommt es zu Gesprächen. In diesen Momenten gehen wir den Weg (wieder) zusammen.

Vielleicht sind diese Phasen von sich sehr nah sein und dann wieder weniger nah sein in Beziehungen auch gar nicht so ungewöhnlich. Es mag sein, dass ich heute vieles der besonderen Situation zuschreibe. Früher hätte ich mir dazu vielleicht weniger Gedanken gemacht.

yCukuxmu


Ist es vielleicht dieses Pathos?

aber theatralisch und übertrieben? Au weia, so möchte ich nicht wirken. Ist mein Bild für dich zu theatralisch?

Nein, so wirklst du nicht. Jedenfalls nicht auf alle.

Anders als du, musste ich nicht nachschlagen und wunderte mich an der Stelle, wo denn da ein Pathos sein soll.

Das passt zu dem, was ich in meinem Beitrag zuvor geschrieben hatte.

Ich frag mich, ob wir da gerade unbewusst was schleifen lassen, oder ob wir das so haben wollen. Dann kommt es zu Gesprächen. In diesen Momenten gehen wir den Weg (wieder) zusammen.

Ich finde, das ist normal. Dein Fokus liegt jetzt woanders. Deine Zukunft ist - anscheinend, wenn du dabei bleibst - kurz, die von Katja erst einmal nicht sichtbar auf bald begrenzt.

Sie kann noch davon ausgehen, dass sie eine unbestimmt "lange" Zukunft hat, sie hat einen anderen Horizont vor ihren Augen.

Der gemeinsame Weg ensteht, wenn dein Ende wieder für euch beide aktiv im Raum steht, wenn dieses Ende, auch ohne Worte, wieder bewusst geteilt wird.

C`oteSMauvagxe


Himmelgrün, bisher fand ich dass du mit erstaunlich wenig Pathos schreibst (du "dürftest" natürlich jederzeit schreiben wie du magst/ bist/ es dir gut tut, nur wäre ich bei viel Pathos hier wahrscheinlich weniger in diesem Faden), und bei deiner letzten Beschreibung fiel mir das halt auf. Vielleicht weil du das, was du jetzt konkret beschrieben hast, da noch sehr abstrakt beschrieben hast. So wie ich euer Leben nach deinem letzten erläuternden Beitrag verstehe finde ich es sehr gut wie ihr das macht. Und natürlich löst das bei beiden was aus, wenn einer weiterleben muss und sich darauf vorbereitet (zB potenziell neue Freundschaften angeht) und der andere bestimmte Dinge die man zuvor gemeinsam gemacht hat nicht mehr machen kann/ will.

Da ist aber ganz sicher auch was dran:

Vielleicht sind diese Phasen von sich sehr nah sein und dann wieder weniger nah sein in Beziehungen auch gar nicht so ungewöhnlich.

Ich finde eine Beziehung lebt auch davon, dass immer mal wieder neuer input von außen reinkommt. Es ist schön wenn man was gemeinsam machen kann, aber es ist auch schön wenn einer was macht was der andere nicht macht, dann hat man was zu erzählen, zu diskutieren usw.

R)alpxh_HH


Ich denke, die lange Zeit der Vorbereitung hat es Euch beiden ermöglicht, den Abschied, den viele zu plötzlich, unerwartet vollbringen müssen, schrittweise und behutsam zu vollziehen. Dass ihr Euch ein Stück weit voneinander löst ist doch ok, es ermöglicht es Deiner Freundin nicht in Trauer und Lethargie zu versinken, sondern ihr Leben zu leben. Das passiert in jeder normalen Beziehung, mal früher, mal später auch ohne solch dramatische Anlässe, dass beide Partner ihre individuellen Freiräume in der Beziehung neu erfinden müssen. Daran geht eine Beziehung nicht kaputt, im Gegenteil, in den Freiräumen hat man Zeit für sich, schöpft man Kraft.

Schön, dass Du Dich über die geschenkten Monate freuen kannst!

:)*

Hmimmexlgrün


@ Comran

Das heisst, das Auslaufenlassen wird länger dauern als erwartet. Aufschieben geht nicht, wir sind ja schon drin im Prozess, aber wir können sicher noch öfters gute Erlebnisse haben, ohne zu denken, dass es das letzte Mal ist.

Katja ist erleichtert. Sie freut sich einfach auf mehr Zeit. Sie möchte ja auch möglichst bald wieder beruflich einsteigen, da ist es nun sehr schön, dass sie nicht in den nächsten Monaten mit einer grossen Verschlechterung meines Zustandes rechnen muss. Neuer Job und dann solche privaten Herausforderungen.. ach nö.

Wieder von vorne beginnt keine von uns, wenn das Sterben dann wieder näher rückt. Es wird ein Weitermachen sein. Das, was bisher gefühlt, besprochen und erreicht wurde, bleibt uns erhalten.

Hlimxmelxgrün


@ yukumu und @Ralph_HH

(..und auch andere, die ich gerade nicht persönlich erwähne.)

Danke für eure lieben Worte und Wünsche. Es ist schön, dass ihr eure Gedanken schreibt.

Lciebex8


Ich lese von Anfang an mit und habe lange überlegt, ob ich mich einklinken soll oder nicht. Denn eigentlich würde ich gerne ein paar Worte an Katja richten. Dir gegenüber wurde ja schon mehrfach Hochachtung ausgesprochen und ich habe sie auch. Ich ziehe allerdings auch und vor allem meinen Hut vor deiner Partnerin. Ich kann ihren Umgang mit deinem Umgang nur bewundern. Mich zerreißt es als Außenstehende fast beim Mitlesen und die Vorstellung, das als Partnerin "mitzumachen", finde ich schier unerträglich.

Ich freue mich von Herzen für euch, dass die letzte Blutkontrolle so positiv ausgefallen ist und euch offenbar weitere Monate vergönnt sind. Aber dieses langsame Abschiednehmen, verbunden mit dem Auf und Ab der Gefühle, vor allem für einen Partner, der tatenlos zusehen muss - puh, ich kann nur noch einmal sagen: Hut ab.

Das muss sie so wahnsinnig viel Kraft kosten.

Nicht, dass dir irgendwer gewünscht hätte, es würde nun endlich wirklich zu Ende gehen. Versteh mich nicht falsch, so will ich meinen Beitrag jedenfalls nicht verstanden wissen. Aber auch wenn ihr euch nun verständlicherweise über die gewonnene Lebenszeit freut - einfacher macht es den Prozess des "sich damit Abfindens" für den Partner sicher nicht und gerade in den letzten Beiträgen ist ja auch durch geklungen, dass man sich das als derjenige, der gehen muss, einerseits zwar wünscht - also dass der Partner seinen Weg irgendwann alleine weitergeht - aber es ist wirklich einer schmaler Grat, auf dem man da in den letzten Wochen und Monaten eines solchen Abschiednehmens gemeinsam wandelt.

Ich kann euch beide nur bewundern und deine Partnerin vor allem deshalb, weil das Ende für sie nicht das Ende ist.

Schwer in Worte zu fassen...

C]ogmrIaxn


Katja ist erleichtert. Sie freut sich einfach auf mehr Zeit.

Das freut mich zu hören. :)z

Ich bewundere ihre Haltung, denn an ihrer Stelle würde mich die weitere Ungewissheit sehr belasten. Wenn ich einen überschaubaren Zeitraum hätte und diesen Entschluss mittragen würde, dann wäre es eine terminierbare Belastung. Aber der zeitlich ungewisse Aufschub würde mich gleichzeitig daran hindern, in ein neues Leben zu schauen. Sie ist mit dir in diesem Schwebezustand, auf ihre eigene Weise. Das Leben im Jetzt würde mir an ihrer Stelle sehr viel Kraft abverlangen, denn sie hat den Blick in die Zukunft genauso von deiner unvorhersehbaren Lage abhängig gemacht. Damit ist sie deinem Zustand so nahe gekommen, wie es für sie als gesunden Menschen nur möglich ist. Viel Kraft, und auch viel Vertrauen braucht man dafür.

Wirklich bewundernswert. Ich denke, du weißt um deine glückliche Lage, in dieser doch schweren Situation jemanden an der Seite zu haben, der das vermag, ohne daran zu zerbrechen.

Hcimmeldgrüxn


Hallo Liebe8

Keine Angst, ich verstehe deinen Beitrag ganz und gar nicht falsch. Schön, dass du dich gemeldet hast.

Ich bin sehr mit dir einverstanden, meine Partnerin ist ein wunderbarer Mensch. Gerade heute habe ich ihr das wieder mal ganz ausdrücklich gesagt. Das Schöne ist, sie findet mich auch toll. o:) Wir haben wirklich das Glück, uns ideal zu ergänzen. Wir sind sehr unterschiedlich im Wesen - und doch gibt es offenbar eine Grundlage, auf der unsere Beziehung tiefe Wurzeln geschlagen hat und nun seit Jahren gedeiht und blühen kann.

Die jetzige Situation kostet Kraft, aber vielleicht nicht so "wahnsinnig viel", wie du glaubst. Dies, weil einfach schon sehr viel Kraft vorhanden ist und auch, weil sie ein sehr pragmatischer Mensch ist. Wenn sie es mal nicht ist, bin ich es. Es kam ganz selten vor, dass wir beide gleichzeitig überfordert waren.

Wir haben beide schon in früheren Jahren erlebt, dass wir an Herausforderungen wachsen. Leider bin ich nun nicht mehr so an Weiterentwicklung interessiert, aber sie schon. Es spricht ganz viel dafür, dass sie das Leben ohne mich auch gut packt. Ich will aber nicht leugnen, dass die erste Zeit schwer sein wird. Der Gedanke daran schmerzt mich jedes mal sehr.

yRuk"uemu


Ich finde es echt schade, dass kein Buch daraus wird.

Wir, die wir hier mitlesen - und schreiben - können, sind gewissermaßen "privilegiert", ein Buch aber würde so viele Menschen mehr erreichen.

Ich gehe auch davon aus, dass das Thema eines "aktiven" Beendens des eigenen Lebens uns, also die Gesellschaft, in den nächsten Jahren weiter beschäftigen wird und das, was hier zum Ausdruck gebracht wird, hat einen Wert und könnte einen Beitrag leisten - gerade in Deutschland, wo vor paar Monaten, wie ich finde, ein Gesetz verabschiedet wurde, das aus der Angst geboren wurde und damit viele Menschen in verzweifelter Lage alleine lässt.

H(imm*el*grün


Ich gehe auch davon aus, dass das Thema eines "aktiven" Beendens des eigenen Lebens uns, also die Gesellschaft, in den nächsten Jahren weiter beschäftigen wird und das, was hier zum Ausdruck gebracht wird, hat einen Wert und könnte einen Beitrag leisten - gerade in Deutschland, wo vor paar Monaten, wie ich finde, ein Gesetz verabschiedet wurde, das aus der Angst geboren wurde und damit viele Menschen in verzweifelter Lage alleine lässt.

Ja, das Thema ist ein wichtiges und ich glaube auch, dass noch mehr darüber geredet werden müsste. Es braucht noch viel Aufklärung und Berichte von Betroffenen.

Gerade kürzlich erschien ein Artikel in der NZZ am Sonntag über die Auswirkungen auf die Angehörigen.

[[http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/sterbehilfe-das-leiden-der-angehoerigen-ld.83008]]

In dem Artikel stehen einige Aussagen, die mir aufgestossen sind. Beispiele:

Assistierte Suizide machten bereits 2013 über die Hälfte aller Suizide aus; neuere Zahlen liegen noch nicht vor, doch die Tendenz ist steigend.

Das hört sich an, als ob sich immer mehr Menschen umbringen, weil es den assistierten Suizid gibt. Wie viele dieser Menschen den "konventionellen" Weg gewählt hätten, gäbe es die Sterbehilfeorganisationen nicht, darauf wird nicht eingegangen, so etwas kann natürlich auch nicht bestimmt werden. Ich jedenfalls wäre eine davon und ich glaube nicht, dass es erstrebenswert ist, wenn sich die Leute vor Züge oder von Brücken werfen, sich erhängen oder was es sonst noch der unschönen Methoden gibt.

Oder dann, das Ergebnis einer Studie, die besagt, dass ein relativ hoher Anteil von rund 40 Prozent der Angehörigen noch lange nach dem assistierten Suizid psychisch litt.

Wie will man abgrenzen, ob ein Leiden der Angehörigen dem Suizid oder allgemein dem Verlust des geliebten Menschen gilt? Jemanden gehen lassen müssen ist nicht einfach, vielen Menschen macht es grosse Mühe. Ich glaube aber, es müsste eher beim Punkt angesetzt werden, warum viele den Tod so sehr ausklammern wollen als dabei, dass der Suizid von schwer kranken und vom Leiden erschöpften Menschen schuld ist am Leiden der Angehörigen.

Ein Argument kommt auch immer wieder: Palliativmedizin mache Sterbehilfe unnötig. Dabei wird gerne ausgeblendet, dass es gar nicht genügend Plätze in Sterbehospizen gibt. Ich selber werde es testen können, ob ich einen Platz bekomme oder nicht. Meine Entscheidung, ob Exit oder nicht, wird (auch) davon abhängen.

Was die Palliativversorgung in den konventionellen Krankenhäusern angeht, habe ich schlechte Erfahrungen. Meiner Schwiegermutter wurde so viel Morphin gegeben, dass sie meist gar nicht mehr wach war. Sie verweigerte diese Behandlung schliesslich, wollte lieber "bei Bewusstsein" sterben. Ich frage mich auch, ob es ein besserer Tod ist, wenn jemand wochenlang völlig zugedröhnt dahinstirbt, oder ob nicht doch ein abgekürztes Sterben durch Exit angemessener ist. Wie wirken die unterschiedlichen Sterbemöglichkeiten auf die Angehörigen?

Mein lieber Freund wurde noch bis wenige Stunden vor seinem Tod im Krankenhausbett umgelagert, um Wundliegen zu vermeiden – obwohl er starke Schmerzen hatte, die er auch anzeigen konnte und obwohl die Palliativärztin schon am Abend zuvor die Angehörigen auf seinen (baldigen) Tod vorbereitete. Ein Transport in ein Sterbehospiz wurde abgelehnt, weil er allenfalls nicht mehr lebend ankommen würde, aber die Umlagerungen mussten nach Plan erfolgen. Er wurde also noch in der End-Sterbephase geplagt, weil die Kommunikation zwischen Palliativärztin und Tages-Pflegepersonal offenbar gar nicht stattfand. Diese Eindrücke damals im Krankenhaus haben mich sehr erschüttert und die Erinnerung daran schmerzt noch heute – so viel zum Leiden der Angehörigen.

Wenn schon Studien, dann müsste vielleicht auch das Leiden der im Krankenhaus traumatisierten Angehörigen jenem der untersuchten Gruppe gegenübergestellt werden.

ycuRkumxu


Mich macht das in Deutschland verabschiedete Gesetz wütend - und auch ohnmächtig.

Übrigens, Borasio, ein Palliativmediziner, hat einige lesenswerte Bücher zu dem Thema geschrieben.

Für dich, Himmelgrün, nicht unbedigt "interessant" (denke ich, weil du schon entschlossen bist und deinen eigenen Weg gehst), aber für andere Menschen, die sich für das Themas interessieren.

Es passt, finde ich, deinen Schilderungen nach, zu deinem bisherigen Lebensweg, dass du auch diese letzte Phase sehr selbstbestimmt und ziemlich organisiert und geplant, in die eigene Hände nimmst.

Nicht alle Menschen sind so. Viele überlassen sich dem, was kommt, auch wenn sie am liebsten einiges doch selber würden bestimmen wollen.

CKot6eSau#vag4e


Himmelgrün, wie gehts dir denn?

H>ipmmeLlgrüxn


Phasen und Stimmungen wechseln. Momentan lebe ich wieder im selben Spannungsfeld wie vor einem halben Jahr, als ich den Faden hier eröffnet habe. Das, was ich möchte und für mich richtig empfinde, "darf ich nicht wollen", weil ich damit denen, die mich lieben, etwas wegnehme. Ich will kein Dialyse-abhängiges Dasein und ich fühle mich wieder schlecht und schuldig, weil ich mich gegen Katjas Willen aus unserem gemeinsamen Leben wegstehlen will.

Es ist schwer auszuhalten, Traurigkeit und Verzweiflung sind wieder sehr präsent. Auch Ärger. Es kommt mir grad vor, als ob ich nur im Kreis gelaufen wäre und nun wieder am Ausgangspunkt stehe. Mühsam sowas.

Ich beschäftige mich mit dem Thema Resilienz und es macht mir was aus, dass ich nicht wie meine Schwester die Herausforderung unserer Krankheit einfach annehmen kann (oder will). Da habe ich nun zwar meine starken Wurzeln, die mich im Boden halten – aber meine Teile, die dem Sturm ausgesetzt sind, sind nicht biegsam. So muss ich brechen.

Dann frage ich mich wieder, warum mir das Denken und Fühlen der anderen überhaupt so zu schaffen macht. Warum lasse ich mich beeinflussen? Warum meine ich, ich müsste biegsamer sein? Ich sehe, dass mein Umfeld darauf hofft, dass es mir gelingt, mein Leben auch mit Krankheit lebenswert zu empfinden. Ich selber aber hoffe darauf, dass ich immun werde für die Wünsche und Hoffnungen der anderen. Aus zwei Schritten Abstand betrachtet finde ich das ganz schön verrückt.

Es hilft etwas, wenn ich nachlese, was ich bisher formuliert habe. Auch um die Gespräche mit meiner Therapeutin bin ich weiterhin froh. Auch wenn mich vermehrt Muskel- und Gelenkschmerzen und manchmal Übelkeit plagen, bin ich doch körperlich noch zu vielem fähig, woran mir was liegt. Die Freude über letzten Blutwerte hielt nicht lange an. Sehr bald empfand ich es als Last, dass ich nun noch eine längere Zeitdauer vor mir habe. Vielleicht bin ich deswegen nun wieder beim "Dezember-Stand" angelangt. Dass das Ende nicht so nah ist wie gedacht, lässt nun wieder mein Dilemma in den Vordergrund treten.

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