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Liebe ist nicht genug - Leben mit Krankheit und Sterbewunsch

H_im0melHgrPüxn


@ MaryEllen

Wenn ich dich so in dir ruhend lese (bewundernswert), fürchte ich, ihre Verzweiflung darüber könnte umso größer sein.

Da hast du allerdings recht. Ihre Verzweiflung und ihr Schmerz sind riesig. Sie ist ein Mensch, der gern die Kontrolle über die Dinge hat und die ist ihr nun ja völlig entglitten.

M_ary=Ellexn


Diese Eigenschaft habt ihr ja offensichtlich beide.

Ich komme mir komisch vor, hier zu schreiben, wo ich grade mal halb so alt bin wie du und nicht annähernd so ruhig und fest in meinen Haltungen bin.

Aber ich stelle mir vor, dass ich an ihrer Stelle einfach mindestens den Hauch eines Vorwurfs in mir hätte. Ich würde ehrlich gesagt von meinem Partner erwarten, dass er es zumindest versucht. Das klingt jetzt auch total egoistisch und irgendwie kindisch, aber je nach meiner Einschätzung des Einschränkungsgrades wäre ich zum Verlust dazu noch verletzt, dass ich ihm den Versuch per se nicht wert bin. Habt ihr das wirklich geklärt?

CBoteSa"uvkage


Ich könnte, wäre mein Partner krank und hätte deine Einstellung, nicht umhin zu vergleichen, ob ein "Maschinen-Leben" nicht besser zu ertragen wäre als mein Verlustschmerz über alles, was man nicht mehr erleben kann.

Aber das eine - das Maschinenleben - müsste die TE, und das andere - den Verlustschmerz - ihre Partnerin ertragen. Das kann man schlecht "vergleichen", finde ich.

Ich denke, ich würde von meinem Freund nicht verlangen (auch nicht mir wünschen oder ähnlich abgemilderte Formen von "Verlangen"), dass er ein Maschinenleben erträgt, damit ich keinen Verlust ertragen muss.

MTar[yElljeIn


Selbstverständlich kann man es schlecht vergleichen! Das hinkt überall. Ich schrieb es nur, weil ich trotz aller logischen und auch gefühlsmäßigen Gründe ehrlich traurig darüber wäre. Verlangen, erwarten, wünschen ... Das ist alles zu hart, da hast du recht. Ich würde nicht wollen, dass er es mir zuliebe tut. Sagen wir, ich hätte die Hoffnung, dass er es versucht. Nicht durchzieht, keinesfalls. Nicht um jeden Preis. Aber auf den Versuch würde ich tatsächlich hoffen. Ich finde auch selber nicht, dass dieses Empfinden meinerseits richtig ist - es gefällt mir selber nicht, weil es egoistisch ist in einem Moment, wo der andere nur an sich denken dürfen sollte.

CJoteSauxvage


je nach meiner Einschätzung des Einschränkungsgrades wäre ich zum Verlust dazu noch verletzt, dass ich ihm den Versuch per se nicht wert bin.

Das finde ich einen relevanten Gedanken, kann ich auch gut nachvollziehen.

Ich finde es sehr interessant, wie sich in dem, was die Leute hier schreiben, unterschiedliche Grundhaltungen offenbaren (die alle nicht per se falsch oder richtig sind).

Für mich zB war eigene möglichst freie Entscheidung (wirklich "frei" ist man ja nie), möglichst keine/ wenig Abhängigkeit von anderen Menschen usw immer sehr wichtig. Daher rührt es wahrscheinlich, dass ich mit dem Akzeptieren eigener Entscheidungen anderer nicht so viel Mühe habe wie manch andere Menschen. Ich weiß auch genau was für mich persönlich richtig ist, und das setze ich dann auch um. Daher fällt es mir vielleicht leichter, zu sehen, dass ein anderer ebenfalls genau weiß, was er will und nicht will, und die entsprechende Umsetzung zu akzeptieren. Ich weiß auch, dass ich nie auch nur annähernd "Kontrolle" über einen anderen Menschen bzw sein Tun habe, daher schmerzt mich auch kein "Kontrollverlust". Allerdings will ich gern die Kontrolle über das haben, was mich betrifft, daher verstehe ich die entsprechende Sichtweise der TE. Über Partnerschaften denke ich so, dass ein Partner sich nicht wegen mir zu irgendwas verbiegen soll. Alles was uns beide betrifft, soll von beiden so gewünscht sein, sonst möchte ich es nicht.

H@imme2lgrüxn


@ MaryEllen

Brauchst dir überhaupt nicht komisch vorkommen. Du hast was zu sagen und ich bin durchaus nicht der Meinung, dass es da ein Alterslimit gibt. :-)

Ich habe meine Frau auch schon gefragt, warum sie keine Wut empfindet. Fragte mich (und sie), ob sie nicht das Bedürfnis hat, mir ordentlich den Kopf zu waschen. Aber nein, offenbar hat sie das nicht. Viele Monate lang wagte sie ja noch nicht mal zu äussern, dass sie es gerne anders hätte. Ihr Kommentar war immer nur: "Ich kann ja nichts machen, das ist allein deine Entscheidung."

Inzwischen hat sich das ja zum Glück geändert, wohl dank der Unterstützung ihrer Therapeutin, die sie darin bestärkt, mir zu sagen, was sie möchte. Auch wenn ich mich wahrscheinlich nicht beeinflussen lasse, muss sie sich mindestens später nicht damit plagen, dass sie "nichts" gemacht hat.

Meine Frau hat eindeutig sehr viel Liebe für mich und sehr viel seelische Grösse.

M?ar4y4Ellexn


Nur, wenn Himmelgrüns Frau mit dem Konflikt auch nicht zurecht kommt, tragen beide die Last davon. Aber kann man das überhaupt klären? Ich weiß es nicht. Es ist ein echtes Dilemma. Mir kommt alles wie eine Anmaßung vor, was ich schreibe, drum hören ich auch wieder auf ...

Ich wollte nur sagen, dass ich manche Was-wäre-wenn-Fragen ehrlich sinnvoll finde, auch wenn sie an der Realität nichts ändern können. Man kann oft was an der hypothetischen Antwort erkennen.

CzoXteSauxvage


Ich finde auch selber nicht, dass dieses Empfinden meinerseits richtig ist - es gefällt mir selber nicht, weil es egoistisch ist in einem Moment, wo der andere nur an sich denken dürfen sollte.

Das finde ich jetzt wiederum zu hart. Eine Beziehung lebt schon davon, dass man - auch maßgeblich - an den anderen und nicht nur an sich selber denkt. Ich wünsche mir auch Achtung und Rücksichtnahme in einer Beziehung, und diesen Wunsch finde ich vollkommen berechtigt, ich mache es ja genauso. Nur finde ich eben, dass eigenes Leiden bei der Abwägung, die man dann vornehmen sollte, besonders stark ins Gewicht fällt. Wenn man das vernunftmäßig weiterdenkt, könnte man zB sagen (so hast du es wohl gemeint): Wenn die Einschränkungen der TE unter den Maschinen minimal wären, die Folgen für ihre Freundin aber katastrophal, wenn sie sich diesen Einschränkungen nicht unterwerfen würde, sollte die Abwägung der TE so ausfallen, dass sie die Einschränkungen auf sich nimmt. Allerdings scheint es hier so zu sein, dass die TE die Einschränkungen für sich als katastrophal empfindet, daher fällt ihre Abwägung - sie denkt ja auch an ihre Freundin dabei - eben anders aus.

C<oPteSaLuJvagge


Meine Frau hat eindeutig sehr viel Liebe für mich und sehr viel seelische Grösse.

Das wollte ich auch gerade schreiben, als ich gelesen habe, dass sie keine Wut, Ent-täuschung etc wegen deines Handelns empfindet.

Mir kommt alles wie eine Anmaßung vor, was ich schreibe, drum hören ich auch wieder auf ...

Wieso denn, ich finde es interessant was du schreibst und in keiner Weise unangemessen.

MgarfyExllen


Über Partnerschaften denke ich so, dass ein Partner sich nicht wegen mir zu irgendwas verbiegen soll. Alles was uns beide betrifft, soll von beiden so gewünscht sein, sonst möchte ich es nicht.

Das würde ich auch so unterschreiben! Ich bin mir meiner Inkonsequenz da auch bewusst - viele andere haben sie vielleicht auch in sich, darum habe ich es mal formuliert.

Inzwischen hat sich das ja zum Glück geändert, wohl dank der Unterstützung ihrer Therapeutin, die sie darin bestärkt, mir zu sagen, was sie möchte. Auch wenn ich mich wahrscheinlich nicht beeinflussen lasse,

Wunderbar :-) Selbst wenn du dich beeinflussen lassen würdest, wäre das ja deine Entscheidung @:)

M]ary]Ellen


Wenn die Einschränkungen der TE unter den Maschinen minimal wären, die Folgen für ihre Freundin aber katastrophal, wenn sie sich diesen Einschränkungen nicht unterwerfen würde, sollte die Abwägung der TE so ausfallen, dass sie die Einschränkungen auf sich nimmt.

Genau. Nur sind ja beide Seiten subjektiv, das braucht unendliches Feingefühl. Ein Segen, dass es vorhanden ist.

HjimLmel^grün


Ich schliesse mich der Meinung von CoteSauvage an, was du schreibst, liebe MaryEllen, ist gar nicht anmassend und ich bin froh, dass du schreibst.

Gerade bin ich nicht so schnell mit Antworten, aber CoteSauvage nimmt mir ja so lieb die Worte aus dem Mund, da kann ich mich auch zurücklehnen. :)D

C0oteSjauvaPgxe


@ Himmelgrün

Um mal was weniger Schwermütiges zu schreiben ;-): Wie werdet ihr, also du und deine Freundin, denn den Übergang ins neue Jahr begehen?

HCimm%elgxrün


Hm ja, heute ist Silvester. - Für uns ein Tag wie die anderen davor. Leider, finde ich.

Mir hat das Feiern über den Jahreswechsel immer viel Freude gemacht. Meiner Frau leider gar nicht. Sie ist dann eher traurig und will nichts wissen von Feiern. Uns so machen wir halt nichts besonderes, wahrscheinlich schlafen wir um Mitternacht.

Es macht aber nicht wirklich was, weil ich (wegen der Krankheit und den Medikamenten) überdurchschnittlich müde bin und abends/nachts nicht sehr zu gebrauchen. Um wach zu bleiben müsste ich ganz viel Schwarztee trinken..

Momentan ist sie mit irgendwas beschäftigt und ich schreibe und lese hier. Später werden wir wohl auf dem Sofa rumkuscheln und uns Iron Lady oder Yentl ansehen. :-)

C{oteQS8auvaxge


Mir hat das Feiern über den Jahreswechsel immer viel Freude gemacht. Meiner Frau leider gar nicht. Sie ist dann eher traurig und will nichts wissen von Feiern.

War das schon immer so, also auch als du noch gesund warst? Wenn sie (nur) heute traurig wäre und nichts zu feiern hätte, könnte ich das sehr gut verstehen ...

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