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arbeitsloser Freund macht mich wütend

e<stax1


Aber ich würde keinem jungen Menschen raten, ein Ehrenamt aufzunehmen, wenn er arbeitslos ist. Das wäre dann nämlich eher eine Art Beschäftigungstherapie und würde dem System auch noch in die Karten spielen (ätsch, jetzt arbeitest du sogar zum Nulltarif, und über H4 haben wir dich schön an der Kandare).

Ich schon!

Das Jobcenter ist gar nicht begeistert wenn man ehrenamtlich arbeitet, die interessieren nur Sachen bei denen man aus der Statistik verschwindet und das ist bei einem Ehrenamt nicht der Fall.

Wenn sich jede ungelernte Vollzeitkraft als Alleinverdiener mit 2 Kindern Urlaub und ein Auto leisten kann, wieviel müssten denn dann alle ausgebildeten Kräfte, geschweige denn Akademiker verdienen?

Das Gehalt ist auch so eine Ungerechtigkeit in unsere Gesellschaft. Ich finde man sollte das Gehalt danach berechnen, was jemand auf Arbeit leistet, ich denke an Kindergärtnerinnen, Altenpflegerinnen usw....immer dieser drüber stellen von Akademikern, das ist auch hauptsächlich in Deutschland so.

(Sorry ich schweife ab.)

LTouixsiana


Das habe ich auch so nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass es etliche Missstände (schreibt man das tatsächlich mit 3 "s" ?! :-/ ) gibt, und nicht, dass H4ler allein dafür verantwortlich sind. Trotzdem ist dies ein Aspekt in der ganzen Problematik.

Sie sind nicht nur allein dafür verantwortlich, sie sind überhaupt nicht dafür verantwortlich. Wenn ein Staat zusieht, wie immer mehr mittelständige Unternehmen kaputtgemacht werden während von den Großindustriellen immer mehr Arbeitsplätze in Billiglohnländer verschachtert werden, wenn Politik sich von der Wirtschaft bezahlen lässt, Gewinne maximiert und v.a. privatisiert werden, während Verluste sozialisiert werden, dann ist es falsch, dafür den kleinen Mann verantwortlich zu machen. Hier im Land ist das Vermögen 90:10 verteilt, also denk mal darüber nach, wen Du dafür verantwortlich machst, dass es so läuft wie es läuft-

Also dreh mir nicht das Wort im Mund um. Ich bin nicht so ein möchtegern hochtrabender, aber dummer Junge, dem du die Welt erklären musst. :|N Und mich so hinstellen lassen, tue ich erst Recht nicht.

Nein, Du bist offensichtlich jemand, der im Büro hockt und schulmeisterlich auf andere herabschaut, und spätestens, wenn jemand unter seiner Gehaltsklasse einen Plasma-TV hat, schwillt ihm der Kamm. Wie kann man auf H4-Empfänger, denen manchmal wirklich nur die Glotze übrig bleibt, während unserereins sich echte Hobbys, Reisen, Kultur und Bildung leisten kann, nur derartig neidisch sein? Ich finde das unverständlich und auch irgendwie peinlich.

Auf jeden Fall soviel, dass er sich ein einfaches, bescheidenes Leben leisten kann. Ein Leben ohne großen Luxus, aber mit kleinen Annehmlichkeiten und Freuden, vielleicht auch mal eine Woche Urlaub und ein kleines Auto.

Wäre schön, wenn der Staat das Geld hätte, die Voraussetzungen für den Arbeitsmarkt zu schaffen, so das genau dies möglich wäre. So ist es aber leider nicht.

Es ist möglich, aber unsere Eliten wünschen dies nicht. Teile und herrsche. Während Du und noch ein Haufen anderer auf sozial Schwache gehetzt werden, haben die oberen Zehntausend auch weiterhin herrlich ihre Ruhe.

Und wie sollte sowas auch funktionieren? Wenn sich jede ungelernte Vollzeitkraft als Alleinverdiener mit 2 Kindern Urlaub und ein Auto leisten kann, wieviel müssten denn dann alle ausgebildeten Kräfte, geschweige denn Akademiker verdienen?

Wo käme man da hin, wenn eine Pflegekraft im Altenheim, die fremden alten Leuten den Hintern abwischt oder ein Bauhelfer, der sich für die nächsten 30 Jahre den Rücken kaputtmalocht, tatsächlich zwei Kinder haben dürften? Ungeheuerlich. Ganz zu schweigen, dass sie tatsächlich im Urlaub auch mal was anderes sehen wollen als ihre Wohnung auf der Platte, die wohlmöglich noch einen Balkon hat. Und bitte bloß keinen Plasma-TV. Fast wieder lustig, wenn es nicht so traurig wäre, wie man denen, die sonst nichts haben, auch das kleinste Stückchen Glück missgönnen kann.

Was mit dem Partner der TE ist, keine Ahnung. Vielleicht hat er nach 30 Bewerbungen und der Reaktion ("du kommst hier nicht rein") die Nase voll? Wäre schade, und eine Lösung ist es auch nicht. Vielleicht hofft er noch immer eine Stelle zu finden, wo er einen fairen Lohn verdient? Vielleicht. Vielleicht gibt es auch noch tausend andere Gründe für seine Passivität. Die TE selbst ist zwar aktiv, hat aber bislang auch noch nichts für die Gesellschaft geleistet (er hat immerhin ein halbes Jahr gearbeitet) sondern nimmt ein Studium in Anspruch. Vielleicht wird sie nach Beendigung desselben zum ersten Mal praktisch erleben, wie der erste Arbeitsmarkt funktioniert und dass nicht jeder, der alle Voraussetzungen erfüllt, auch zum Zuge kommt. Er ist gerade mal 23, und ich glaube nicht, dass er sein Leben lang arbeitslos bleiben wird.

L:oui~sianxa


Ich schon!

Das Jobcenter ist gar nicht begeistert wenn man ehrenamtlich arbeitet, die interessieren nur Sachen bei denen man aus der Statistik verschwindet und das ist bei einem Ehrenamt nicht der Fall.

Wie gesagt, zwar macht sich eine Ehrenamt im Lebenslauf besser als wenn da gar nichts steht, und wenn es fürs Selbstwertgefühl dienlich ist, auch um der sozialen Kontakte und eines strukturierten Tagesablaufs wegen, warum nicht. Nur ändert das nicht wirklich etwas an der Jobsituation. Ähnlich sehe ich es mit den 1-Euro-Jobs. Das ist Ausbeutung pur und festigt die Ungerechtigkeit im System. Das sieht nur nicht jeder, weil es sich ja so gut anfühlt, wenn man herumtrompeten kann, dass man ja soooo viel besser ist als ein gewöhnlicher H4-ler, der nur auf seinem faulen Hintern sitzt. Auch hier: Teile und herrsche. Erkläre den einen, dass sie ja sooo toll sind, weil sie Lohndumping betreiben und den anderen, dass die gesamte Gesellschaft sie hasst und verachtet, und schon ist das Problem halbwegs gelöst.

Das Gehalt ist auch so eine Ungerechtigkeit in unsere Gesellschaft. Ich finde man sollte das Gehalt danach berechnen, was jemand auf Arbeit leistet, ich denke an Kindergärtnerinnen, Altenpflegerinnen usw....immer dieser drüber stellen von Akademikern, das ist auch hauptsächlich in Deutschland so.

Das sehe ich auch so. Standesdünkel ist eine ekelhafte Sache. Anstelle dass man dankbar ist für Talente und Gaben, nutzt man diese, um sich zu profilieren und auf andere herabzuschauen. Dabei macht sich der Wert eines Menschen ganz sicherlich nicht an seinem Abschluß oder seiner Berufstätigkeit fest. Idioten gibt es überall.

vzamp@ire.llxa75


Ich hatte neulich ein sehr interessantes Gespräch mit meiner 85jährigen Nachbarin zum "früher konnte ein Mann seine Familie" ernähren Thema, das schon ehrlich gesagt auch meine Meinung zu dem Thema bestätigt hat: früher hatten die Leute auch weniger Ansprüche. Konnten die Menschen noch kochen, schrieben Essenspläne, damit nichts weggeworfen wurde und führten Haushaltsbuch. Urlaub? Zelten am nächsten See. Kino, Essen gehen? Nie drin. Freizeit wurde mit Aktivitäten verbracht, die nichts kosteten und Kino war Luxus zum Geburtstag. 3 Zimmer für eine 5köpfige Familie Usus. Auto nie drin, da ist man Rad gefahren. Und die 48 Stunden Woche gab es auch noch.

Heute erwartet der arbeitende Mensch eine 35 Stunden Woche, jedes Kind ein eigenes Zimmer, Fernseher, Tablet und neues Handy sind selbstverständlich. Urlaub muss auch drin sein und vieles mehr, das geht natürlich nicht als Alleinverdiener, das wäre aber auch in den 50ern und 60ern nicht gegangen!

Ich wohne hier mittendrin im Ghetto.Ein Großteil meiner Nachbarn ist arbeitslos, viele leben bereits in 4. Generation vom Staat. Ernährt wird sich von McDonalds, Döner und Mikrowellenfrass, das alles kostet Geld, viel mehr als kochen, aber viele wissen wirklich nicht mal mehr wie das geht. Geld wird für Handy, Tablet und sehr viel unnötigen Schnickschnack wie das Nagelstudio ausgegeben, aber für Schulbücher für die Kids ist dann kein Geld da. Da ist sehr viel schief gelaufen. Aber die Ansprüche sind hoch, auch hier. Wenn dann das Geld ausgegangen ist, geht man zur Tafel oder zur Suppenküche. Und erzählt dann wie clever man ist, sich das Geld fürs Essen mal wieder gespart zu haben.

LEouis ibana


Auf jeden Fall waren die Ansprüche früher niedriger, aber Deutschland war noch nie so reich wie heute. Ich finde es auch bedauerlich, dass so viele Leute gar nicht mehr selbst kochen können, das ist viel gesünder, wobei auch noch nie so viel Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker und Aromen in den Lebensmitteln waren wie heute, Hauptsache billig.

Radfahren - auf jeden Fall! Nur: Früher war die Firma, bei der man angestellt war, im selben Dorf oder ein Dorf weiter. Zelten? Haben wir früher gerne gemacht, heute kostet ein Stellplatz soviel wie früher eine Nacht in der Pension. Was die Arbeitszeiten angeht... ich sage es mal so: Noch nie war Arbeit so dicht gepackt und am Limit wie heute. Was früher von drei gemacht wurde, wird heute von einer Vollzeitkraft, evtl. noch mit einer Halbtagskraft zusammen gestemmt. Alles ist am Limit, noch nie gab es so viel psychische Erkrankungen wie heutzutage.

Sicherlich hatten die Leute früher andere Probleme, aber es waren nicht nur ihre Ansprüche, die geringer waren, die Ansprüche der Gesellschaft an die Leute selbst war auch geringer. Das Kind hat, wenn's nicht pariert hat, paar aufs Maul bekommen, die Frau hatte, wenn der Alte Stress hatte, vielleicht auch mal ein blaues Auge, Vergewaltigung in der Ehe war nicht strafbar, Frauen hatten weniger Rechte. Wenn der Franz in der Schule ein Blödmann war, dann hat er sich damit nicht, wie es heute wäre, die gesamte Zukunft versaut sondern der ging dann eben zum Holzfällen oder auf den Bau oder sonst wohin. Wer heute in der Schule nicht zurechtkommt, der hat düstere Zeiten vor sich. Das Leben früher war härter. Aber es war in vielen Belangen auch einfacher. Da würde einem auch nicht eingeredet, dass man alles erreichen kann, so dass man unzufrieden wird oder sich als Versager fühlt, wenn man eben nicht alles erreicht.

Was Du über Deine Nachbarn im Ghetto erzählst.... ganz ehrlich, das ist doch schlimm! Glaubst Du nicht, dass sie gerne ein besseres Leben mit Perspektive hätten? Ich glaube das schon, aber sie kennen es nicht anders, sie fühlen sich ausgegrenzt, ungewollt, und ja, dann verspürt mal wohl auch mal ein kleines Hochgefühl, wenn man bei der Tafel was abstauben konnte. Aber neidisch kann ich darauf beim besten Willen nicht sein. Ich bin froh, dass wir einen gesunden Standard leben und sehe absolut keinen Grund, auf Leute, die es schwer haben im Leben, auch noch draufzutreten.

Ob übrigens selber kochen immer günstiger kommt.... ich bezweifele es, zumindest, wenn man den Anspruch hat, bio zu kaufen und zu essen. Ich koche seit ein paar Jahren täglich, und ich backe seit Anfang des Jahres auch selbst. Aber nicht, um Geld zu sparen sondern um es etwas gesünder zu haben. Ob ein selbstgefertigter Bio-Burger günstiger ist als der von MD wage ich zu bezweifeln.

Scilberm#ondiaxuge


Früher hätten Typen wie der Freund der TE nicht so viel Verständnis erfahren.

L)ouiEsianxa


Das stimmt :-D

Früher hätte er aber bestimmt auch einen Job gefunden ohne sich 30x vergeblich zu bewerben.

Wie gesagt, ich will nichts schönreden, ich kenne den Freund der TE nicht, aber ich war selbst mehrfach arbeitssuchend und weiß, wie schwer das sein kann und wie sich das anfühlt.

e8stax1


Mir hat neulich auch erst wieder eine ältere Frau erzählt das sie ja früher noch Samstag arbeiten mussten und 48h und was den heute alle (grundlos) jammern. Da habe ich auch innerlich gedacht, die hat null Ahnung wie das heute läuft. Man arbeitet viel intensiver kann aber trotzdem jederzeit entlassen werden, außerdem machen die meisten Arbeitnehmer mehr als das was in ihrer Stellenbeschreibung steht, unbezahlte Überstunden, schlechte Arbeitsatmosphäre, Arbeitswege von über einer Stunde, Chefs die Arschlöscher, missgünstige Kollegen sind und was weiß ich noch alles.

e+stxa1


Ich meinte |-o "Chefs die Arschlöscher sind, missgünstige Kollegen"

vqam$piyrellax75


Und du glaubst, das gab es früher nicht?

Was natürlich stimmt ist, dass es früher viel mehr lebenslange Jobs gab, von der Lehre bis zur Rente, das gibt es heute wirklich fast nicht mehr.

Sytal8fyxr


Das Jobcenter ist gar nicht begeistert wenn man ehrenamtlich arbeitet, die interessieren nur Sachen bei denen man aus der Statistik verschwindet und das ist bei einem Ehrenamt nicht der Fall.

Wobei ich sagen würde, ob jemand ein Ehrenamt ausführt oder nicht ist dem Jobcenter relativ egal. Im Hinblick auf Vermittlung wird da dann eh keine Rücksicht drauf genommen.

Wenn sich jede ungelernte Vollzeitkraft als Alleinverdiener mit 2 Kindern Urlaub und ein Auto leisten kann, wieviel müssten denn dann alle ausgebildeten Kräfte, geschweige denn Akademiker verdienen?

Naja, dann eben auch mehr. Wäre doch nicht mehr wie Recht. Wer 40 Stunden die Woche buckelt hat es m.E. durchaus verdient, sich Urlaub und Auto leisten zu können - auch wenn es "nur" ein Ungelernter ist.

Wie kann man auf H4-Empfänger, denen manchmal wirklich nur die Glotze übrig bleibt, während unserereins sich echte Hobbys, Reisen, Kultur und Bildung leisten kann, nur derartig neidisch sein? Ich finde das unverständlich und auch irgendwie peinlich.

:)=

eNstaP1


Und du glaubst, das gab es früher nicht?

Also nicht in diesem Ausmaß. Ich bin selbst Ü 40 und finde das es immer ungemütlicher wird im Arbeitsalltag. Vielleicht nicht bei Beamten, aber die haben ja eh Sonderstatus.

T:his\ TwziGlighjt .Gardexn


Da würde einem auch nicht eingeredet, dass man alles erreichen kann, so dass man unzufrieden wird oder sich als Versager fühlt, wenn man eben nicht alles erreicht.

Ein sehr guter Satz :)^ .


Schreibt die TE eigentlich noch im Forum oder war das nur ein Gastauftritt?

D umxal


Wieso sollte sie sich denn für eine Grundsatzdiskussion um ALG II interessieren?

LGola%X5


Wieso sollte sie sich denn für eine Grundsatzdiskussion um ALG II interessieren?

Weil ein Blick auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge helfen könnte, ihre Erwartungshaltung ihrem Partner gegenüber zu reflektieren und ggf. zu modifizieren.

Mit ihrem derzeitigen Blick auf ihn steht und fällt alles damit, ob er einen Job findet.

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