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Aromantisch? Kann ich nicht Lieben?

aInotherbGadabrxtist hat die Diskussion gestartet


Hey,

Ich habe da ein Problemchen mit welchem ich mich schon länger beschäftige. Um es kurz zu machen, die Sache ist die:

Ich habe schlichtweg das Gefühl, dass ich keine romantische Liebe empfinden kann. Natürlich bin ich mein Roboter der keinerlei Gefühle hat, ich liebe meine Eltern, meine Freunde, meine Tiere. Doch das war es auch schon, ich komme Gefühlsmäßig nichtmehr über diese Ebene hinaus. Ich war zwar mit 12 auch schon verknallt, doch wenn ich heute so darüber nachdenke dann war das nur Kindergarten Kram. (Ich meine: Ich war 12, da weiß man noch nichtmal was Liebe so genau ist)

Meiner Meinung nach kann Liebe nur aus Freundschaft entstehen, doch ich komme einfach nicht aus der Freundschaft heraus. Liebe ersetzt Freundschaft in meinen Augen und ich möchte eine gute Freundschaft unter anderem auch nicht mit einer (wahrscheinlich zum scheitern verurteilten) Liebe ersetzen. Und sobald ich jemanden treffe den ich attraktiv finde und mir vielleicht vorstellen könnte eine Beziehung mit demjenigen zu haben, denke ich mir, dass ich ihn/sie/es ersteinmal besser kennenlernen muss. (BOOM und schon habe ich mich selbst gefriendzoned)

Wenn ich sage dass ich aus der Freundschaftsebene nicht hinaus komme, meine ich dass ich die Person auf eine Freundschaftliche weise Liebe, doch sobald ich an Kuscheln oder Küssen denke wird mir augenblicklich schlecht und ich versuche an etwas anderes zu denken. Sex kommt ohnehin nicht in Frage, da ich Asexuell bin.

Auf einer Seite will ich eine Beziehung, ich möchte lieben und geliebt werden, doch auf der anderen Seite denke ich mir auch immer: Brauche ich eine Beziehung überhaupt? Was soll ich mit einem Partner anfangen? Muss ich mit ihm gassi gehen oder ihn füttern?

Ich habe einfach Angst dass ich niemals eine Beziehung haben werde und somit immer alleine sein werde. Vielleicht stehe ich mir auch nur einfach selbst im Weg? Ich weiß es nicht, doch deshalb frage ich hier ja nach.

LG

Antworten
sfensUibelxman


Ich habe einfach Angst dass ich niemals eine Beziehung haben werde und somit immer alleine sein werde.

Mit Freunden bist du auch nicht allein. Ich glaube, als asexueller Mensch wirst du es wesentlich schwerer haben, einen Beziehungspartner zu finden- und den dann auch noch zu lieben ... ich stelle mir das sehr schwer, wenn auch nicht unmöglich vor.

DWieDoNsismachxtdasGift


Auf einer Seite will ich eine Beziehung, ich möchte lieben und geliebt werden, doch auf der anderen Seite denke ich mir auch immer: Brauche ich eine Beziehung überhaupt? Was soll ich mit einem Partner anfangen? Muss ich mit ihm gassi gehen oder ihn füttern?

Da ein Partner kein "Hund" ist, entfällt die regelmäßige Gassirunde oder die "Raubtierfütterung". Aber ich gehe davon aus, Du hast es mehr flappsig humorig-ironisch gemeint. ;-)

Liebe hat viele Facetten, die sich nicht einzig auf romantische Emotionen, Erotik und gemeinsamer Paar-Sexualität runter brechen lassen. Du schreibst, Du möchtest das Gefühl der Liebe leben, sie an einen Partner geben und sie selbst empfangen dürfen.

Die Frage ist dann nicht wozu eine Beziehung führen. Ein Partner kann vieles sein. Lebensbegleiter, jemand der Deine Interessen und Hobbies teilt bzw. durch seine Präsenz intensiver und durch Gemeinsamkeit ergänzt/bereichert.

Du hast Erfahrungen mit Sozialkontakten, und kannst diese offenbar genießen. Alles was Du mit Deinen Freunden teilst geht, wenn Du es zulassen kannst auch mit einem Menschen den Du in Deinem Tempo in Dein Leben lässt auch.

Es gibt allerdings dabei eine große Einschränkung, die eine gemeinsame Sexualität miteinander ausschließt, aufgrund Deiner von Dir festgestellten Asexualität. Diese betrifft nicht nur Frauen, sondern kommt auch bei Männern vor. Somit besteht durchaus die Möglichkeit über Foren oder soziale Netzwerke Männer kennenzulernen, die von sich aus wenig Probleme mit nicht vorhandenem Nähegefühl oder fehlendem Sex haben.

Hier zur Thematik einige Links:

[[http://www.asexuality.org/de/]]

[[https://asexuality.info/]]

[[https://www.kleiderkreisel.de/foren/gefuhle/seele/2497058-asexuell]]

[[http://www.cafebabel.de/gesellschaft/artikel/asexualitat-schlimm-wenn-man-lieber-kuchen-mag.html]]

Ich habe einfach Angst dass ich niemals eine Beziehung haben werde und somit immer alleine sein werde. Vielleicht stehe ich mir auch nur einfach selbst im Weg? Ich weiß es nicht, doch deshalb frage ich hier ja nach.

Ich denke schon, dass Du Dir vielleicht aus eigener Unsicherheit, bisher in nicht vorstellbarer Konstellationen selbst im Weg stehst. Wie sieht der Umgang mit Eltern und Freunden aus? Gibt es dabei in den Kontakten mal etwas wie sich in den Arm nehmen oder Berührungen? Oder vermeidest Du diese auch, um keine Konflikte herauf zu beschwören bzw. Missverständnisse?

Ich könnte mir schon vorstellen, dass allein der Austausch mit anderen Menschen die in derselben Lebenssituation stecken für Dich ein Zugewinn sein kann. Der große Vorteil Du kannst sein wie Du bist, ein Sichverstellen entfällt. Es kann ein eigener Weg sein, durch Menschen die den Weg in eine Partnerbeziehung gefunden haben für sich selbst dazu zu lernen.

Durch neue Erfahrungen anderer ebnet bei Dir vielleicht den Weg neue Gedanken und Pläne in Dein Leben zu lassen. Und ja, Liebe und Freundschaft innerhalb einer Paarbeziehung schließen sich auch ohne romantische Gefühle nicht aus.

Ich kann nicht einschätzen, welche Schritte Du bisher für Dich gegangen bist. Was Du zulassen kannst und was nicht.

Und sobald ich jemanden treffe den ich attraktiv finde und mir vielleicht vorstellen könnte eine Beziehung mit demjenigen zu haben, denke ich mir, dass ich ihn/sie/es ersteinmal besser kennenlernen muss.

Das ist eine völlig normale Entwicklung vor dem Schritt in Richtung Beziehungsanbahnung. Völlig unabhängig davon, ob diese mit oder ohne Sexualität stattfindet.

Vielleicht bedarf es erst einiger positiv gemachter Erfahrungen, bevor Du mutiger und offensiver an die Partnersuche ran gehen kannst. Eine Möglichkeit dazu wären die von mir oben erwähnten Links.

Lies Dich ein und entscheide dann, ob dies ein Versuch eines neuen Weges für Dich sein könnte. Ich wünsche Dir dafür Zeit, Muße und das Du dadurch leichter erkennen kannst an welcher Stelle in Deinem Leben Wünsche und Bedürfnisse in Einklang zu bringen sind. :)* @:)

Wsate[rxli2


Ich kann mir vorstellen, dass man ohne Sexualität nicht die Art Bindung aufbaut, die man mit Sexualität aufbauen würde, weil man sich einfach nicht so nahe kommt. Es ist dann ja eigentlich nur "Freundschaft", weil das, was Liebe von Freundschaft unterscheidet, fehlt. Vermutlich fühlt es sich deshalb auch nicht wie was anderes als Freundschaft an, höchstens noch wie eine "besondere" Freundschaft.

Für mich gibts z.B. Sex ohne Liebe, das ist dann auch keine Freundschaft in dem Sinne. Die Person ist mir im Grunde relativ egal und ich kann auch gut auf sie verzichten. Dann gibts lose Freunschaften, die Leute sind mir auch relativ egal und verzichtbar und es ist nicht schlimm, wenn ich sie nicht mehr sehe (z.B. das, was ich mit Arbeitskollegen habe, mit denen ich mich gut verstehe und privat auch mal was unternehme, denen ich aber nicht alles anvertrauen würde). Dann gibts noch gute Freunschaften, wo jemand mich inspiriert, mit mir Hobbys teilt und wo man sich jahrelang kennt und sich auch nach Jahren ohne Kontakt noch fehlt oder sich gern dran erinnert. Wo man auch persönlich wirklich dran wächst. Und dann gibts noch Liebe, das ist quasi gute Freundschaft + Sex. Deshalb kann ich mit meinem Exfreund auch keine Freundschaft+ haben, weil ich da automatisch wieder in die Liebesgefühle verfalle, weil er halt kein "loser Freund" mehr ist sondern ich ihn dafür viel zu gut kenne und die Freundschaft schon viel zu wichtig geworden ist.

Also ich denke mal wenn du asexuell bist, ist das, was du suchst, ein "bester Freund" und das fühlt sich eben anders an als Liebe und Verknalltsein.

Ansonsten hab ich auch mit der Zeit die Erfahrung gemacht, dass Liebesgefühle unterschiedlich stark sein können. Liebe kann unheimlich naiv sein, aber kann auch ziemlich verkopft sein und man wird seelisch nicht so stark berührt, was ich persönlich aber eigentlich besser finde, da dann auch Liebeskummer nicht so stark ist, wenns mal auseinander geht, man weniger zum Klammern und zur Eifersucht neigt usw.

s.en3sibexlman


Und sobald ich jemanden treffe den ich attraktiv finde und mir vielleicht vorstellen könnte eine Beziehung mit demjenigen zu haben, denke ich mir, dass ich ihn/sie/es ersteinmal besser kennenlernen muss.

Um dir spätere Enttäuschungen zu ersparen, solltest du aber dem Gegenüber auf irgendeine Weise schon früh deutlich machen, dass du nie sexuelles Interesse haben wirst ...

a+nfang5mitfreu6de


Ich habe einfach Angst dass ich niemals eine Beziehung haben werde und somit immer alleine sein werde. Vielleicht stehe ich mir auch nur einfach selbst im Weg? Ich weiß es nicht, doch deshalb frage ich hier ja nach.

ich denke, du solltest einfach die sache etwas weniger verkrampft angehen. einerseits muss liebe sich nicht unbedingt aus freundschaft entwickeln, sondern kann sich auch einfach so aus einer diffusen anziehung entwickeln, welche zeitweise aussieht, wie freundschaft.

zum anderen kann es natürlich durch deine asexualität sehr schwer sein, einen partner auf beziehungsebene zu finden, aber zu verzweifeln, ohne es versucht zu haben, ist auch keine lösung. ich würde bei potenziellen partnern das thema asexualität von anfang an ansprechen und ansonsten einfach mal sehen, was passiert, ohne zu viele neben- und hintergedanken.

sueventnhrexe


Liebe setze ich gleich mit Begehren und bei Asexualität wird das Begehren immer stark eingeschränkt sein.

Demzufolge sollte auch das Gefühl der Liebe eingeschränkt sein, eben vergleichbar mit der Liebe zu den Eltern, Tieren etc.

a$.fixsh


Es ist dann ja eigentlich nur "Freundschaft", weil das, was Liebe von Freundschaft unterscheidet, fehlt.

Mh. Das ist zumindest bei mir nicht so. Freundschaftliche Gefühle und Liebe fühlen sich eindeutig unterschiedlich an, auch ohne sexuelle Komponente.

anotherbadartist, ich denke, sich gezielt in "asexuellen Kreisen" umzuschauen, ist keine schlechte Idee (siehe Links von DieDosismachtdasGift). Es muss ja nicht auf Partnersuche hinauslaufen, aber ich glaube, wer sich dort herumtreibt, hat sich schon eingehender mit unterschiedlichen Beziehungsmodellen, Bedürfnissen usw. auseinandergesetzt und kann Dir neue Ideen, Herangehensweisen und Denkanstöße mitgeben.

Ich habe durch's Internet schon von Paaren gehört, die quasi genau Deine Wunschvorstellung leben: eine exklusive Partnerschaft, aber ohne romantische/sexuelle Handlungen. Ist halt etwas spezieller und man hört nicht so oft davon, aber wenn sich die zwei richtigen Menschen finden, gibt es das natürlich.

WYalkin^gGhoxst


@ anotherbadartist

Hab das gleiche Problem mit den gleichen Ursachen wie du, aber nach wie vor keine richtige Lösung.

Es ist einfach nur Beziehungsinteresse da, aber bei meinen relativ wenigen Verabredungen empfinde ich in der Regel nichts. Ein einziges Mal war es anders, aber das war mehr eine Seelenverwandtschaft mit einer Gleichgesinnten (also ebenfalls asexuell und aromantisch) und hat sich über längere Zeit entwickelt. Und ich denke, das ist auch der einzig realistische Weg, also Gleichgesinnte mit vergleichbarem Beziehungsinteresse zu finden und das Ganze dann möglichst liberal bzw. ohne regelmäßige Verpflichtungen anzugehen.

Heterosexuelle Beziehungspartner kann man dahingehend eigentlich vergessen. Zumindest hab ich noch von keinem heterosexuellen Mann gehört, der auf Umwegen nicht doch noch "rangelassen" werden wollte.

eQl'amar


Es ist dann ja eigentlich nur "Freundschaft", weil das, was Liebe von Freundschaft unterscheidet, fehlt.

Ich seh das auch wie a.fish.

Sexualität ist da eher ein zusätzlicher Faktor.

Sowohl der Mann als auch ich sind sexuelle Wesen, also ist die gemeinsame Sexualität auch Teil unserer Beziehung (und durchaus auch ein wichtiger). Die Beziehungsdynamik wird auch durch Quantität und Qualität unserer gemeinsamen Sexualität beeinflusst. Die Liebe wiederum, die meinem Empfinden nach schon gesondert existiert, beeinflusst das nicht mehr oder weniger als viele andere Faktoren, die uns jeweils wichtig sind.

Auf [[https://www.youtube.com/watch?v=qaDUtPffuvA youtube]] hatte ich dazu mal irgendwann eine englischsprachige Reportage über ein asexuelles Pärchen gesehen. Keinerlei sexuelles Begehren, aber doch ganz deutlich und für die Protagonisten klar differenziert exklusive Liebe.

h/an*nahx_31


Da ein Partner kein "Hund" ist, entfällt die regelmäßige Gassirunde oder die "Raubtierfütterung".

;-D

Kennst du die Big Bang Theory und Sheldon Cooper eigentlich? Falls nicht, das ist eine Sitcom, in der ein asexueller Mensch eine zentrale Rolle spielt. Er hat dann trotzdem eine Beziehung, ist aber vollkommen unromantisch und küsst die Freundin noch nicht mal für mehrere Jahre. Ist sehr interessant. Es ist zwar Comedy, aber es steckt ja in jeder Komödie auch Wahrheit. Jedenfalls verändert sich das bei dem über die Jahre. Aber graduell und extrem langsam.

Ich glaube deshalb man kann ganz anders sein und ticken als andere Menschen - man muss nur einen Partner finden, der das versteht und wünsche dir auch so einen. @:) :)*

EMhemalige!r NutzePr (#;588506)


Willkommen im Club. Ich bin auch aromantisch (aber nicht asexuell). Meistens wird man damit von anderen missverstanden und die Aromantik als charakterliches Defizit oder als Symptom einer psychischen Erkrankung hingestellt. z.B. die Unterstellung eines Traumas, liebloser Eltern und anderer netter und so gar nicht voreingenommener Hypothesen über die Ursachen

hjanna#h_x31


Willkommen im Club. Ich bin auch aromantisch (aber nicht asexuell). Meistens wird man damit von anderen missverstanden und die Aromantik als charakterliches Defizit oder als Symptom einer psychischen Erkrankung hingestellt. z.B. die Unterstellung eines Traumas, liebloser Eltern und anderer netter und so gar nicht voreingenommener Hypothesen über die Ursachen

Also wie ist das jetzt mit dem aromantisch sein?

Hat man dann niemals romantische Gefühle? Und wenn man diese nie hat, woher weiss man dann überhaupt, dass es sie gibt? D.h. vielleicht hat man diese ja doch und sie fühlen sich aber anders an, als man denkt dass es sich für andere anfühlt?

E{hema-liger NuWtzear (H#588x506)


Hat man dann niemals romantische Gefühle?

Genau. Und ich weiß das für mich daher, weil sich bei mir trotz Sympathie und guter Wellenlänge miteinander nie das Empfinden einstellt mit dem anderen eine Partnerschaft eingehen zu wollen und andere Verhaltensweisen, Gedanken und Empfindungen, die verliebte Menschen bzw. romantisch tickende Menschen von sich erzählen und zeigen. ... Aus den Reaktionen von Mitmenschen, gerade denen, die sich wohl schnell verlieben, weiß ich, dass ich da wohl zu einer Minderheit gehöre mit meinem (Nicht)Empfinden. Ein Vorurteil ist aber, dass man als aromantischer Mensch auch per se gefühlskalt wäre. Das ist bei mir nicht der Fall.

Eahemalibger Nautzer (#j58850x6)


(Das war bei mir übrigens auch schon immer so. Es gibt da keine schlechten Erlebnisse mit dem anderen Geschlecht oder sowas in der Art. Und meine Eltern sind auch sehr liebevoll gewesen und haben eine stabile, glückliche Ehe seit über 30 Jahren etc., um mal die sontigen üblichen Verdächtigen zu erwähnen.)

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