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Abenteuer Ausland oder was habe ich mir dabei gedacht?

sJonnensfte5rnx2


Hi,

ich lebe seit fast fünf Jahren im englischsprachigen Ausland (anderer Kontinent als D). Bin noch ohne Kinder aber mit Partner, den ich hier im Ausland kennengelernt habe und der hier auch verwurzelt ist, das heisst ich bin wohl noch auf längere Zeit hier..

Meine Meinung ist, dass man so ein Abenteuer definitiv mal in Angriff nehmen sollte. Ein paar Besonderheiten aber sind schon zu beachten, speziell als Familie.

1. Ohne Oma und Opa ist alles schwieriger. Man muss sich erst mal einen Babysitter organisieren und, je nachdem wo man sich aufhält, kann das auch schnell ins Geld gehen. Hier in meinem Umfeld sind junge Expat Familien abends und an den Wochenenden fast immer zu Hause mit ihren Kindern, mangels Babysitter und Großeltern. Gleiches gilt für die Kindergartenpreise, teilweise extrem teuer.

2. Wie weit ist man von D entfernt? Wie teuer sind die Flüge? Sind Oma und Opa, Verwandte und Freunde reisebereit und wollen auch mal besuchen kommen oder ist man selbst immer derjenige der umherfliegt? Je nachdem kann man schon viel Heimweh entwickeln, wenn man seine Lieben wirklich nur einmal im Jahr sieht. Und als Familie gehen 4 Tickets dann auch schnell ins Geld, ganz zuschweißen vom Jetlag mit Kleinkindern (Hilfe!).

3. Ist man weiter in einer deutschen Firma angestellt oder unter "Auslandsbedingungen". Grundsätzlich sind die Arbeitsbedingungen mit einem ausländischen Arbeitgeber schlechter was Urlaub und medizinische Versorgung angeht. Weniger Urlaubstage und will man diese immer mit Nachhausefliegen verbringen? Man will ja auch mal in seinem Urlaub etwas vom Gastland sehen.. Ich habe z.B. 15 Urlaubstage, die mit einem Flug nach D schnell mal aufgebracht sind. Mit einem deutschen Arbeitgeber in der Hand ist das wohl nicht so kritisch.

4. Wie ist die medizinische Versorgung? Wie einfach ist es einen Kinderarzt zu kriegen? In meinem Gastland brauchen Familien je nach Location 1-2 Jahre um überhaupt einen Hausarzt zu bekommen, von Kinderarzt ganz zu schweigen, und wir sprechen hier von einem Land mit deutschem Lebensstandard. Diese Familien rennen also jedesmal in die Notaufnahme eines Krankenhauses, wenn das Kind Fieber oder sonstiges hat, und müssen sich dann einen Tag frei nehmen. Nicht schön, und mit unserem deutschen Standard überhaupt nicht zu vergleichen (auch wenn wir alle gern meckern, wie atzend alles in D ist :)). An sich ist die medizinische Versorgung aber gut, nur kann man hier eben nicht erwarten, immer den gleichen Arzt zu sehen.

5. Wie ist die Krankenkasse? Müssen bestimmte Sachen selbst gezahlt werden (Zahnarzt Grundversorgung, Impfungen?).

6. Wie "offen" ist das Gastland? Findet man schnell Freunde Wie findet man sich sprachlich zurecht?

Dies sind nur ein paar "Nachteile" die sein können oder auch nicht. Grundsätzlich habe ich es nie bereut ins Ausland gegangen zu sein, diese Erfahrung kann dir keiner nehmen! Grundsätzlich sollte man sich vor Augen fuhren, dass man heutzutage wirklich jederzeit im Notfall innerhalb von 24 Stunden in D sein kann. Entfernung ist nur noch relativ ;-)

Alias 725366


Da bin ich wieder.

Entschuldigt bitte, dass ich mich erst jetzt melde. Ich bin mit den Kindern zurzeit viel alleine und muss viel erledigen, da bin ich bisher nicht dazu gekommen. Vielen Dank noch mal für eure Antworten, ich gehe gleich darauf ein.

Kurz zur momentanen Situation: Es geht jetzt in die heiße Phase, der Umzug steht fast vor der Tür und ich habe viel zu tun, dass ich kaum darüber nachdenken kann. Mein Mann ist total aufgeregt und reißt mich mit seinem Enthusiasmus regelrecht mit. Ich konnte auch einige Dinge klären, bei denen ich Bedenken hatte, was mich sehr beruhigt hat.

Alias 725366


@ Oldie49

Danke für deinen weiteren konstruktiven Input. Ich habe ihn bereits vor einigen Tagen gelesen und konnte dadurch einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung machen.

Du sperrst dich gern gegen den Begriff der "Angst", weil du möglicherweise aus deiner Erziehung heraus damit so etwas wie "Schwäche" verbindest.

Nein, das ist es nicht. Aber ich empfinde Angst als zu starkes Wort für meine Gefühle. Es ist mehr ein Unwohlsein, Unbehagen.

Du hast also in dir etwas angelegt, auf das du zurückgreifen kannst, wenn Unsicherheiten bevorstehen. Nämlich auf die Erfahrung, solche Herausforderungen bereits mehrfach schadlos bewältigt zu haben.

Danke für diese Worte. Das ist ein wertvoller Hinweis für mich. Daraus kann ich tatsächlich Kraft in mutlosen Situationen gewinnen.

Vor allem aber hast du diese Form der Verantwortung (in einem fremden Land) in deinem bisherigen Leben noch nicht ausprobieren und üben können. Das ist neu.

Das klingt interessant. Ja, die Form meiner Verantwortung ändert sich und es macht mir Sorgen, ob ich dem gerecht werde. Aber so lange ich nicht unbedacht handle, sind diese Sorgen eigentlich unbegründet. Und immerhin trage ich diese Verantwortung nicht alleine.

Du bist nicht gefangen in ihnen, sondern du siehst sie quasi von außen. Klasse! Denn dann werden diese Ängste dich ganz sicher nicht hindern, im richtigen Augenblick das Richtige zu tun. Sie lähmen nicht.

Danke für das Kompliment. Das schafft Vertrauen, dass ich mehr richtig als falsch mache. Es tut gut, das von einem objektiven Betrachter zu hören.

In dir lauert also irgendwo das Gefühl, dein Mann könne das evtl. gar nicht so gewollt haben und könne damit überfordert sein?

Nicht ganz. Er würde nichts tun, was er gar nicht will. Mein Mann ist sehr gut in seinem Job und er braucht die Herausforderung. Wenn der neue Job ihn aber unterfordert oder die dort übliche Arbeitsweise ihm nicht zusagt, dann wird er schnell unzufrieden. Ich habe das so ähnlich schon mal angesprochen und er hat das nicht wirklich ernst genommen. Da war mir aber die mögliche Bedeutung noch nicht bewusst. Ich werde da noch mal nachhaken, auch wenn ich seine Antwort dazu eigentlich bereits kenne. Er ist ein Optimist: Es wird gut laufen und wenn nicht, dann sucht er nach einer Lösung und findet sie (in Abstimmung mit mir).

Und wenn es keine versteckte Schuldzuweisung von deinem Mann gibt, dann gibt es auch nicht die von dir befürchtete Möglichkeit, dass er dir plötzlich die "Schuld" gibt, wenn es nicht gelingt

Ja, du hast Recht. Das Problem liegt hier eindeutig in meinem Kopf. Ich werde es dennoch mal ansprechen. Dann ist es raus und erfahrungsgemäß löst sich sowas dann schnell in Luft auf.

Ihr könntet vielleicht miteinander die ein oder andere Grenzlinie (um das schreckliche Wort "Deadline" zu vermeiden) miteinander vereinbaren.

Es wird dich vielleicht überraschen, aber das haben wir bereits im Vorfeld getan. Wir haben tatsächlich eine Liste gemacht, welche Schwierigkeiten wir für möglich halten und welche Situationen dazu führen würden, dass wir frühzeitig zurückgehen. Wir haben das bewusst besprochen, wo wir die eigene persönliche Grenze sehen. Das hat wesentlich dazu beigetragen uns FÜR den Auslandsaufenthalt zu entscheiden.

Lieber Oldie49, ich möchte mich nochmals bei dir bedanken. Du hast einiges ins rechte Licht gerückt. Das habe ich auch zum Anlass genommen, einige Dinge konkret zu hinterfragen und mich zu informieren. Das hat geholfen manche Ungewissheit aufzulösen und mich zu beruhigen. Danke. @:)

Alias 725366


@ Bambine

Ich denke das was dir jetzt vor allem Bauchgrummeln beschert, ist der Trennungsschmerz. Von der Wohnung, von der Familie, von liebgewonnen Gewohnheiten.

Alles Gute und einen Guten Start in der neuen Heimat auf Zeit.

Trennungsschmerz ist es auf jeden Fall. Aber das ist sicher ein Stück weit normal. Danke für deine lieben Glückwünsche.

@ schilcher

Ich denke man ist immer überrascht, wenn man so gar nicht damit rechnet, und auf einmal ist man mit Sorgen/Ängsten/Zweifeln konfrontiert. Kannst Du denn mit Deinem Mann darüber sprechen, oder musst Du das jetzt selbst mit Dir rumschleppen?

Ich kann mit meinem Mann über alles reden, allerdings macht es mir sein Optimismus manchmal schwer. Ich brauchte erstmal Klarheit für mich und denke, dass ich sie jetzt gefunden habe.

@ RaupeNimmersatt

Es ist ganz SUPER rausgekommen!

Toll, das freut mich, dass es euch so gut gefallen hat und die Kinder eine super Zeit hatten. Das macht mir Mut! Schön, dass euch diese Erfahrung Lust auf eine Wiederholung gemacht hat. Möchtest du verraten, wo ihr ward und wo es diesmal hingehen soll? Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß, wenn es klappt!

@ Krabbelkäferle

Ich danke dir sehr für den Link. Habe ein paar Videos angeschaut und sie haben mich sehr angesprochen. Sie erziehen ihr Kind zweisprachig, da konnte ich mir wichtige Tipps für meine Kinder abschauen. Da mir das Thema etwas schwer im Magen lag, hat mir das geholfen und mir Zuversicht gegeben, dass alles schon gut wird.

Alias 725366


@ singende

aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich ein Auslandsaufenthalt in jeder Hinsicht lohnt.

Das kann ich aus meiner Erfahrung heraus auch sagen. Allerdings ist es ja diesmal mit Familie. Das wird noch mal andere Herausforderungen bringen als alleine.

Der Aufenthalt kann sehr spannend sein, gerade für Kinder. Du wirst staunen über sie!

Oh, da bin ich gespannt. Ich kann mir das verwirrte Gesicht meiner Großen noch gar nicht vorstellen, wenn alles neu ist. Ich hoffe nur, dass sie sich schnell an alles gewöhnt. Aber wahrscheinlich wird ihr das schneller gelingen als mir. Das höre ich immer wieder.

Freu dich drauf! Das wird eine einmalige Erfahrung.

Danke. Das denke ich auch, aber ich sollte mir das öfters vor Augen halten.

Übrigens gibt es natürlich im Ausland auch immer eine deutsche Community.

Es gibt tatsächlich in der Nähe eine Tochterfirma eines großen deutschen Unternehmens. Ich habe von zwei Mamas jetzt auch den eindringlichen Rat bekommen, mich unbedingt vor Ort anderen Müttern anzuschließen. Eine von ihnen ist selbst Expat. Das nehme ich mir sehr zu Herzen. Mittlerweile habe ich immer öfter Vorfreude als Sorgen.

@ bfi

Danke für deinen Beitrag. Du scheinst auch sehr glücklich mit deiner Entscheidung. 20 Jahre – wow. Vermisst du Deutschland gar nicht?

Aber wenn man das Land MAG oder zumindest Teilaspekte richtig gut findet (ich tue mich bei NZ zum beispiel mit der Kultur schwer und der sprache , aber landschaftlich ist es schon ganz toll hier) dann kann man sich doch richtig auf ein Abenteuer freuen.

Ja, wir mögen das Land. Das macht es tatsächlich leichter. Einige Sorgen konnte ich in den letzten Tagen ausräumen. Zusammen mit euren Erfahrungsberichten und der Vorfreude meines Mannes, freue ich mich mittlerweile auch.

@ sonnenstern2

Eine internationale Beziehung ist auch spannend. Da hat man noch mal ganz andere Rahmenbedingungen. Vermisst du Deutschland? Könnte sich dein Freund auch eine Zeit in Deutschland vorstellen oder würdest du das gar nicht (mehr) wollen?

Zu 1.

Oma und Opa zu kompensieren wird nicht leicht. Bezüglich der Betreuung haben wir uns einige Alternativen überlegt (Babysitter, Übernachtung bei anderen Kindern, Fitnesscenter mit Kinderbetreuung, Besuche von Verwandten,…). Schwieriger wird die enge Beziehung beizubehalten. Außer wöchentlich skypen und regelmäßige Besuche bleibt da nicht viel.

Zu 2. Und 5.

Das sind keine Punkte, die es schwierig machen sollten. Formal sind wir sehr gut aufgestellt. Gerade was die medizinische Versorgung der Kinder betrifft konnte ich in den letzten Tagen für mich alles zufriedenstellend klären.

Zu 6.

Das Land ist sehr offen. Wie gesagt, kenne ich das Land bereits. Ich habe auch einige Kontakte in dem Land, auch wenn diese nicht vor Ort sind. Generell sind mein Mann und ich auch offen für neues und schließen schnell Freundschaften. Die Sprache können wir beide.

Grundsätzlich sollte man sich vor Augen fuhren, dass man heutzutage wirklich jederzeit im Notfall innerhalb von 24 Stunden in D sein kann. Entfernung ist nur noch relativ

Das ist ein guter Hinweis, das habe ich noch gar nicht bedacht. Vor allem ist bei meinen Eltern genug Platz um auch schnell unterzukommen.

Alias 725366


Danke an alle, die sich Zeit genommen haben, hier zu lesen und besonders diejenigen, die mir geantwortet haben. Mir hat das sehr geholfen, einige neue Sichtweisen zu entdecken und eure Aufmunterungen haben gut getan. Ich fühle mich jetzt schon viel "mutiger" und entspannter. Ich hoffe, ich kann mir das bewahren.

Über weitere Erfahrungsberichte freue ich mich sehr. @:)

w/inte!rslonne 0x1


Ich habe Angst für meine Kinder die falsche Entscheidung zu treffen.

man muss ja immer Entscheidungen für sie treffen und auch, wenn sie es anfangs ein bisschen schwer haben, da sie die Großeltern vermissen , sich sprachlich zu Recht finden müssen , ist es eigentlich für Kinder immer gut, von Anfang an zu lernen, dass alles irgenwie immer geht. Dass es nie 100% das eine gibt, was einen glücklich macht.... sondern das im Leben Dinge gibt die schön sind, Spaß machen und dass es auch mal schwerere Dinge gibt, die es zu bewältigen gilt. (Lebenserfahrung sammeln heißt das wohl ;-) und nicht immer den leichtesten Weg zu gehen - klar will man vom Gefühl her fü seine Kinder immer das 100%ig perfekteste...ist aber doch falsch, so können sie schlechter tolle , eigene Menschen werden)

Also aus der Sicht gesehen, kann es für die Kinder gar nicht die falsche Entscheidung sein. Die Sprache werden sie schnell lernen (was für später immer ein Vorteil ist ), sie werden sich integrieren , sie werden Freunde finden...

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