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Warum lassen die Menschen sich so sehr vom Aussehen beeinflussen

C\omraxn


Ich sehe zuerst den Anzug als ersten Eindruck. Und dann das Gesicht. Und manchmal passen Gesicht und Kleidung auch gar nicht zusammen. Jeder kann ein seriöses Outfit kaufen und anziehen. Aber die Substanz sieht man in den Augen und darauf kommt es an. Wenn ich mir irgendwelche jungen aufstrebenden Bürohengste ansehe, die mit Anfang 20 gezwungen oder gewollt im Zweireiher ins Büro flitzen, muss man nur etwas genauer hinschauen und kann schnell unterscheiden, wer davon diese Rolle später mal richtig ausfüllen wird und wer einfach nur bemüht ist. Wenn der Blick schon Unsicherheit oder gar Unterwürfigkeit ausdrückt kann der Anzug nichts mehr retten.

Genauso wie ein Autoverkäufer oder Immobilienmakler mit Ende 40 den besten Anzug aller Zeiten tragen kann - er bleibt nun mal Autoverkäufer oder Immobilienmakler, was man ihnen auch ansieht.

Bei mir ist vermutlich Hopfen und Malz verloren. Ich trage nie Anzug und habe außerdem lange Haare. Keine Ahnung, was die Leute in mir sehen, aber gerade mit dem beruflichen Werdegang gehe ich nicht gerne hausieren, weil das ein langweiliges Thema ist. Außerdem würde es mir doof vorkommen, beim Bäcker irgendwelche Kontaktscheu aufzubauen.

E.hemaliAger $Nutzer (#59x0071)


Natürlich ist das so, dass gerade in Geschäften nach dem Äußeren gegangen wird. Ich finde es manchmal unfreiwillig lustig bis entlarvend.

Und wenn z.B. ein Autohaus meint, dass sie einen gar nicht erst über teurere Autos beraten müssten, weil man nicht im Anzug dort erschienen ist. Dann bekommt mein Geld eben die Konkurrenz. Gleiches bei Möbeln etc..

p~a{razeGllnulss


Ich kann auch aus Erfahrung feststellen, dass sich der Umgangston und die Sprache deutlich unterscheidet, wenn z.B. eine Dame einen Business Anzug trägt, oder eben mal eine Jegging. Das gilt natürlich auch für Männer. Männer die einen Anzug tragen, verhalten sich anders als 'Manni im Tainingsanzug'. Die Dame im Anzug wird sich stets bemühen, sich an Situationen intelligent anzupassen.

GIa}dghetixer


Gibt aber noch einen anderen Aspekt: Ein Mensch "von Format" wird oft auch im Freizeitlook als eben solcher erkannt und nicht in die Flaschensammler Abteilung eingestuft. Selbstsicherheit und mit "beiden Beinen am Boden" im Leben stehen strahlt eben genau nicht der Anzug und die Krawatte aus, sondern der Mensch selbst.

Viele tragen allerdings den Freizeitlook so, dass a) man eben sieht, dass ganz bewusst Konventionen gebrochen werden sollen, wohl um zu provozieren oder b) die eigene Verwahrlosung irgendwie als Erholungseffekt wahrgenommen werden soll oder c) eine "ich erhebe mich über euch indem ich euch nicht folge" Haltung an den Tag gelegt wird.

Das hat alles kein Format, kommt es doch eben genau nicht aus der so gerne gewünschten Souveränität heraus, ist es dem Träger doch eben genau nicht egal, sondern ein (mMn armseliges) Statement. Und dann hat der Autoverkäufer recht, wenn er sich abwendet, denn entweder es mangelt eh an den Möglichkeiten oder man hat einen sicher nicht angenehmen Kunden vor sich.

Insofern sind auch solche Sozialexperimente, die man ja öfters und in zahlreichen Varianten sieht, nicht mehr als "nette Unterhaltung", denn dort wird ja bewusst mit einer Verkleidung die Persönlichkeit verborgen und eine andere Persönlichkeit vorgespielt.

E%hemali~gerX Nutzber (1#5900x71)


In meinem Fall war es kein geplantes "Sozialexperiment", sondern hat sich so ergeben. Und nö - nix mit "man sieht einem das Format an, egal was der trägt" - ich kann es selbst wie gesagt bestätigen, dass in gewissen Bereichen Verkäufer deutlich danach gehen, was man anzieht. Und das ist auch anderen so ergangen, die beruflich relativ hochrangige Positionen innehaben und alles andere als schüchtern oder rüpelhaft auftreten, sondern tatsächlich Format haben. Nur wird deren Format durch Jeans und Pullover vs. Anzug eben deutlich geschmälert in den Augen mancher Verkäufer in Auto- und Möbelhäusern.

Und böse bin ich auch nicht: Den Effekt kann man sich ja umgekehrt zu nutze machen. Als ich mal wenig Geld gehabt habe, habe ich bei sowas bewusst einen Anzug angehabt und wurde gleich als vermögender eingeschätzt als wenn ich dort in Jeans usw. aufgetreten wäre.

B+ast8maxn


@ CoteSauvage

Ich versteh das Problem nicht. Ist mir egal wie höflich oder unterwürfig der Bäckereifritze je nach meiner Kleidung ist,

Warum sagst Du Fritze?

Bei einem statushohen Banker oder Chefarzt würdest Du doch auch nicht Bankerfritze oder Medizinerfritze sagen, oder?

Bfas;tmaxn


@ Mehno

Inzwischen kann man ja auch mit Jeans und barfuß in die Oper. Nur vor den angesagten Clubs stehen noch Türsteher - aber nach welchen Kriterien die einen durchlassen ist für mich undurchsichtig.

Für mich nicht ;-D

Bgast!man


@ _Surferin

Das du es billig findest, wenn Leute Hirn haben und es bevorzugst, Leute nach Äußerlichkeiten zu bewerten, ist von einem wie dir, nicht anders zu erwarten. :=o

Jeder und Jede bewertet Menschen nach Äußerlichkeiten.

Du willst hier doch nicht ernsthaft behaupten, dass Du einen dicken glatzköpfigen 1,60m Mann genauso viel Wertschätzung entgegenbringst wie dem gestählten 1,90m Hünen mit schönen dunklen Haaren.

Ich weiß jedenfalls, welcher von den beiden für dich nicht als Partner in Frage käme.

syensi|belxman


Zu jedem Anlass, zu jeder Umgebung gibt es ein passendes Outfit.

Weil du das so gelernt hast und es brav nachmachst?

Im Büro zieht man sich halbwegs vernünftig an, Hemd und gute Hose, nicht in Jeans und T-Shirt.

Jeans und T-Shirt sind bequemer und pflegeleichter. Warum es gerade Hemd und gute Hose sein muss, erschließt sich mir nicht und rationale Gründe gibst du auch nicht an (die gibt es auch nicht). Warum eine saubere Jeans keine gute Hose ist, ist für mich auch nicht nachvollziehbar.

Im guten Restaurant, in der Oper ebenso.

Ich gehe auch in ein gutes Restaurant und in die Oper mit Jeans und T-Shirt (beides sauber).

Wenn mir nun jemand begegnet, der in Schlabberlook ungepflegt daherkommt, dann signalisiert mir dieser Mensch: Für Dich reicht mir dies Outfit, mehr ist für Dich nicht nötig.

Ungepflegt ist nicht gleich Jeans+T-Shirt. Ungepflegt bedeutet für mich oft mangelnde Hygiene (meine Abneigung hat hier vor allem medizinische Gründe).

Genaugenommen signalisiert jemand z.B. in Jeans+T-Shirt nur, dass derjenige bequeme Kleidung trägt. Alles andere ist vorurteilsbezogene Interpretation. Achtung erbringe ich anderen Menschen nicht durch Kleidung. Ich werte und interpretiere auch andere Menschen nicht so. Ansonsten verweise ich auf "Des Kaisers neue Kleider ..."

weil alle nur in Schlabberlook herumlaufen.

Was du abfällig als Schlabberlook bezeichnest, ist einfach nur bequeme Kleidung. Anzug und Krawatte halte ich für unbequem, pflegeintensiv und mitunter den Temperaturen nicht angemessen. Das halte ich für irrational.

Und ich halte Anzug und Krawatte auch nicht für ästhetisch schön.

Dennoch blicke ich diesbezüglich neutral, weil es nicht meine Entscheidung ist- von mir aus kann jeder Anzug und Krawatte tragen wer will.

sVensiabel=man


Ich kann auch aus Erfahrung feststellen, dass sich der Umgangston und die Sprache deutlich unterscheidet, wenn z.B. eine Dame einen Business Anzug trägt, oder eben mal eine Jegging. Das gilt natürlich auch für Männer. Männer die einen Anzug tragen, verhalten sich anders als 'Manni im Tainingsanzug'. Die Dame im Anzug wird sich stets bemühen, sich an Situationen intelligent anzupassen.

In meinem Umfeld kann ich einen derartigen kausalen Zusammenhang nicht feststellen. Ich kenne den anzugtragenden Gauner genauso wie die hochintelligente, nette, freundliche Frau in einfachem T-Shirt und Jeans/Leggins. Kleidung sagt zunächst erst mal gar nichts über den Menschen. Wer aus Kleidung auf irgendwelche menschlichen Eigenschaften schließt, sollte vielleicht mal seine Ladung Vorurteile abwerfen.

Jeder und Jede bewertet Menschen nach Äußerlichkeiten.

... mancher sehr stark und mancher weniger.

LoichtAPmHorsizonxt


@ sensibelman

Wer aus Kleidung auf irgendwelche menschlichen Eigenschaften schließt, sollte vielleicht mal seine Ladung Vorurteile abwerfen.

Ich glaube, das klingt einfacher, als es ist. Wenn man Dir nur verschiedene Fotos verschieden gekleideter Menschen vorlegt, wirst Du zwangsläufig erst einmal nur aufgrund dessen ein Urteil fällen, ob Du willst oder nicht. Wie sehr man sich im persönlichen Umgang davon beeinflussen lässt, steht auf einem anderen Blatt - auch, wie lange man sein Urteil aufrecht erhält. Aber wenn ich einen Rocker sehe und daneben einen Anzugträger, habe ich automatisch in Bild davon im Kopf, wer wie sein könnte - der Rocker betreibt vielleicht eher ein Tattoo-Studio oder eine Motorrad-Werkstatt, während der Anzugträger in einer Bank oder im Vorstand sitzt. Das kann sich später als Irrtum herausstellen, aber ich denke zumindest erst einmal so. Da kann ich gar nichts gegen machen.

Wenn Du mit "Eigenschaften" Charaktereigenschaften meinst, stimme ich Dir zu. Feine, saubere Kleidung macht aus niemandem einen besseren Menschen als abgetragene Kleidung.

s)ens@ibeIlmxan


Wenn man Dir nur verschiedene Fotos verschieden gekleideter Menschen vorlegt, wirst Du zwangsläufig erst einmal nur aufgrund dessen ein Urteil fällen, ob Du willst oder nicht.

Vielleicht denke ich diesbezüglich zu rational. Ich will auf Grund der Kleidung kein Urteil fällen. Zudem steht meine persönliche Erfahrung dem entgegen: Ich kenne sympathische Menschen im Anzug, im "Schlabberlook" das enthält für mich eine Negativwertung ich bezeichne das eher als bequeme Kleidung,, als Gothik, als Punk, als Rocker, .... genauso kenne ich Menschen, die mit gleichen Kleidungsstilen daherkamen, die ich als sehr unsympathisch in Erinnerung habe.

L1ichtAlmHorizoxnt


Sympathie hängt für mich auch nicht vom Kleidungsstil ab. Aber wen ich wie einschätze (was treibt der wohl so in seinem Leben), wird davon schon beeinflusst.

s5ensiVbelmhaxn


. Aber wen ich wie einschätze (was treibt der wohl so in seinem Leben), wird davon schon beeinflusst.

Bei mir nicht (höchstens beim Punk näherungsweise).

CEoteSAauvFage


Warum sagst Du Fritze?

Bei einem statushohen Banker oder Chefarzt würdest Du doch auch nicht Bankerfritze oder Medizinerfritze sagen, oder?

Kommt drauf an. Hier habe ich "Fritze" geschrieben, um die Banalität der Situation und damit des "Problems" aus meiner Sicht zu betonen.

Insgesamt verstehe ich das Gewese um Kleidung (also wie man sich kleiden "muss"/ "soll") nicht so ganz. In meiner Freizeit (dazu gehören auch Einkäufe) zieh ich an was ich will. Das Bedürfnis, in Unterwäsche die Frühstückssemmeln zu holen, hab ich nicht, also ist das schon mal kein Problem. Ähnliches gilt für Events mit Dresscode wie Abendkleid. Ich hab keinen Job, in dem ich im Kostüm rumlaufen muss, damit ist auch dieses Problem vom Tisch. Es gibt aber Gelegenheiten, wo man etwas Bestimmtes erreichen will und da gehe ich nicht das Risiko ein, von anderen falsch (zB als inkompetent) eingeschätzt zu werden, nur um meinen Schlabberlook nicht ablegen zu müssen. Was einen stolz drauf sein lässt, dass man in abgerissenen Klamotten zum Bäckerfritzen oder in die Oper geht, erschließt sich mir auch nicht. Unter "sich (nicht) verbiegen" versteh ich was anderes.

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