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... du solltest jetzt gehen, Ben.

wsinte/rsonfne 0x1


Ich bin unendlich traurig und weiß nicht, wieso. Ich bin sauer und weiß nicht, auf wen.

vielleicht auf dich selbst? vielleicht bist du traurig, weil du spürst nicht richtig lieben zu können, dich wirklich für nur den einen öffnen zu können, hinzugeben, treu zu sein, ein guter Partner zu sein...und noch viel mehr.... ":/

P yt5honxist


Aber das Gefühl, dass ich einen Fehler gemacht habe, will einfach nicht weggehen. Aber welcher Fehler ist das genau? Wann? Mit wem?

Ich denke, du hast dir das Gespräch und sein Ergebnis vorher nur in einem Verlauf ausgemalt. Die starke Juli sucht das Gespräch und beendet mit ihren Worten die Beziehung. Der schwache Gegenüber windet sich, fleht, jammert um Gnade, wird vom drohenden Verlust motiviert zu immer größeren Zugeständnissen und Heldentaten. Und du hast nur diesen einen Verlauf in Betracht gezogen. Und dann: wäre er doch wirklich ein armer Wurm. Und deine Trennung hätte sich bestätigt: ja, mit diesem armen Wurm möchte ich eigentlich nicht zusammen sein.

Stattdessen hat er sehr emotional stark reagiert: Ich kann mir vorstellen, nun empfindest du, dass er dich abgelehnt hat, also er hat sich von dir getrennt, plötzlich kommt er damit in eine sehr aktive Position und bestimmt z.B. den Zeitplan mit, wo du davor dachtest, allein selbst steuern zu können, wie es weitergeht. Und damit hast du nicht gerechnet. Denn dieser Verlust der Kontrolle und diese Ablehnung tut dir weh. Denn du bist nicht (mehr) gewohnt, dass du abgelehnt wirst. Und fühlst dich vielleicht wieder an ganz früher erinnert. Sondern inzwischen liegt es an dir, andere abzulehnen, wie eben Ben.

Und gleichzeitig erkennst du, wie emotional stark dein auslaufender Offene-Beziehungs-Freund in diesem Gespräch war. Er sucht nicht weiter immer wieder die Ablehnung von dir, kämpft nicht. Warum? Er hat immer wieder etwas probiert, auch mehrfach kleine Schritte, aber das ging nicht auf, und statt dass er näher an dich rankam, verspürte er, dass du ihm dann ausweichst, seine Avancen also ablehnst. Und wenn er die Erfahrung immer wieder macht, ist es Zeit, die immer wieder sinnlosen Versuche einzustellen anstatt zu intensivieren, um aus Selbstschutz nicht immer wieder die Ablehnung, die er von dir erfahren hat, zu spüren. Und ich kann mir vorstellen: diese emotionale Stärke von ihm hat dich überrascht. Es hat dir eine neue Seite an ihm gezeigt. Aber eine, die du nun im Nachhinein eigentlich bewunderst. Denn zumindest ist er dir nun mit der emotionalen Distanz zu dir gleicher als vorher. Und das ist wieder eine Gemeinsamkeit. Und Gemeinsamkeiten können Grundlage von Sympathien sein.

Naja und nebenbei: noch vor kurzer Zeit hattest du zwei Beziehungen, nun sind beide im Auslaufen begriffen (oder schon vorbei). Und klar, wird einiges gewohnte langsam (oder abrupt) wegfallen: die Nähe, die Gespräche, die gegenseitige Hilfe/Beistand, Zuhören, Reden, Sex. Die Geschwindigkeit der Trennung könnte dich überraschen. Ich glaube auch, dass er emotional festgelegter in dieses Gespräch gegangen ist als du. Er hatte so Zeit, sich auch emotional vorzubereiten. Und bei ihm passt das Ergebnis besser zu dem, was er offenbar als Erwartungshaltung an das Gespräch hatte.

Ich glaube trotzdem, dass du bald wieder beziehungstechnisch auf die Beine kommst, Juli. Einfach aus der Vergangenheit heraus hat sich doch gezeigt, dass du an sich schnell wieder Anschluss finden kannst, es dir glücklich zufällt und du den Zufall auch aktiv mit Initiative unterstützt. Schau mal, nach der Ablehnung durch den Donnerstagsmann fand sich z.B. direkt Ben, der gleich am nächsten Tisch saß, wenn ich mich recht erinnere. Ich glaube, deine vergangenen Erfahrungen mit den versch. Männern schärfen dann auch deinen Blick, mit welchen Männern es sich dann auch für dich liebevoller und wirklich langanhaltender anfühlt.

Mitfühlende Grüße,

C?omrxan


Was hab ich nur falsch gemacht...

Ich glaube eher, dass es die Erkenntnis ist, dass dein lockeres Beziehungswunschbild und dennoch die gefühlte Zuverlässigkeit deines Ex-Partners nicht die dauerhafte Symbiose eingehen konnten, die du vielleicht erwartet oder gewünscht hast. Du hattest Alles - und so lange konntest du beides aus vollen Zügen auskosten. Schließlich hast du mehr genommen als gegeben, und das weißt du. Um so leben zu können, brauchst du aber auch ein passendes Gegenstück.

Diese sind sehr selten, und dein letztes ist dir gerade weggebrochen. Und du weißt vermutlich tief im Inneren, dass es nicht einfach wird, eine solche Symbiose nochmal einzugehen. Und du hast die Sicherheit verloren, dass solche Symbiosen funktionieren können.

Irgendwie wird da vermutlich auch eine Angst aufkeimen, dass du dich in Zukunft eventuell für ein Modell entscheiden müsstest und eine Seite aufgeben müsstest: entweder wieder Herz für einen Menschen zulassen, um ihn tatsächlich zu binden. Oder stets variabel zu bleiben und eben auf eine Lebenspartnerschaft vorerst ganz verzichten.

Rxa~lpihx_HH


Was hab ich nur falsch gemacht...

Eine gute Frage. Eigentlich nichts, denn es war Deine Entscheidung so zu leben und Du warst zufrieden. An dem Punkt, wo das nicht mehr der Fall war, hast Du es beendet. Das ist doch gut so. Dass Du jetzt traurig bist, ist ziemlich normal, zwei geliebte Menschen gehen zu lassen ist nicht leicht. Da ist ein bisschen Liebeskummer, ein bisschen gekränktes Ego und ein bisschen Trauer, dass ein angenehmer Zustand nun vorbei ist. Eine Leere, ein Schwebezustand im unklaren. Da braucht ein bisschen Zeit, bis Du wieder Halt findest.

Die spannendere Frage ist, was willst Du in Zukunft machen? Was willst Du? Du hast Liebeskummer, trauerst Ben und Deinem Freund hinterher, obwohl Du doch hier felsenfest behauptest, dass Du keine Liebe willst, keine enge Beziehung, keine Ehe, kein zusammen leben. Aber was dann? Liebe light? Toller Sex mit jemandem, der dich begehrt aber nicht liebt? Einen Sexpartner finden ist einfach als Frau, aber vermutlich nicht dauerhaft erfüllend. Was denn? Von jemandem geliebt werden, den Du nicht zurück lieben brauchst? Jemand, der immer für Dich da ist, aber für den Du nicht da sein willst? Das funktioniert nicht. Mag sein, dass man für eine Weile jemanden findet, der diese unverbindliche Sache als Freundschaft mit Vorzügen, als Affäre, als offene Beziehung light mitmacht. Aber ich denke, langfristig sucht doch jeder im Leben den Partner, mit dem man glücklich ist und mit dem man alles teilt.

Du hast Dich dagegen entschieden und das ist ok so. Der Schmerz aus der zerbrochenen Ehe wiegt schwer, zu schwer, um ein Risiko einzugehen, das nochmal erleiden zu müssen. Aber was machst Du daraus? Das was Du probiert hast, hat nicht geklappt. Liebe ist keine Einbahnstraße, Liebe ist immer etwas was zwei Menschen braucht, die einander lieben. Geliebt werden, aber nichts zurück spiegeln... Man könnte sich wundern, was Deinen Freund so lange bei Dir gehalten hat. Vielleicht hat er sich auch schon länger emotional distanziert und sich abgefunden damit, dass das nicht von ewiger Dauer sein wird.

Du wirst Dich entscheiden müssen, ob Du Dein Herz verschenken möchtest, das Abenteuer Liebe noch einmal wagen möchtest, mit dem Risiko, da Schiffbruch zu erleiden. Eine Garantie auf Glück gibt es nicht, aber den meisten Menschen ist es einen Versuch wert. Immer wieder. Eins ist dabei aber sicher: Mr. Right kommt nicht, solange die Stelle an Deiner Seite von Menschen in offenen Beziehungen von Sexpartnern und dergleichen belegt ist. Zu der Suche nach dem großen Glück gehört es, die nicht perfekt passenden Menschen ziehen zu lassen.

Oder Du entscheidest Dich, allein zu bleiben und keine Beziehung mehr einzugehen. Nur Freundschaften und ggf. mal Sex Partner. Aber bisher warst Du da ein wenig inkonsequent. Keine Liebe wollen, keine Beziehung, aber andere Männern doch so nah an Dich heran lassen, dass es am Ende weh tut... Klingt nicht vernünftig. Aber hey, warum soll man auch immer vernünftig sein? Kein Grund, sich zu schämen. Die wenigsten Menschen leben ihr Leben vollständig rational. Wäre ja auch langweilig.

D)ie Seh<erxin


ach Juli - verzeih, wenn ich trotz deiner traurigkeit ein wenig in mich hineingrinse ;-D das ist gar nicht gegen dich gerichtet, sondern hat mit mir selber zu tutn - so ähnlich ging es mir in meiner länger andauernden beziehung. da hat er nämlich fast genau so großmütig, großartig, liebevoll und traurig-souverän reagiert... und damit vollkommen anders, als ich so dachte. und ich hatte in einer anwandlung von gnadenloser selbstüberschätzung auch damit gerechnet, dass ein häufchen elend um meine liebe und gnade kämpft |-o

im grunde ist es dir aber doch tief in dir drin lieber so, oder? du willst ihm doch gar keinen emotionalen todesstoß versetzen und du selber willst doch auch nichts lauwarmes, sondern heiß-kalt :)_

JSulic200x6


Ich danke euch sehr für Eure Beiträge - egal ob Holzhammer oder Wärmflasche, beides tut mir, je nach Tagesform, sehr gut @:)

Mein offene-Beziehung-Freund hat sich gestern abend nochmal nach mir erkundigt und wollte sich vergewissern, dass es mir gut geht. Das war eine wirklich schöne, liebevolle Geste und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Und es tat gut, zu sehen, wie es ihm mit der Trennung geht. Dennoch ist der Schritt unumkehrbar - für ihn wie für mich. Aber je klarer der Kopf wieder wird, je mehr der Rauch der Schlacht sich verzieht, desto besser kann ich wieder die Balance halten und begreifen, dass alles richtig war.

Schockierend, aber richtig. Ich muss es jetzt einfach nur noch schaffen, das auszuhalten!


Ich denke, du hast dir das Gespräch und sein Ergebnis vorher nur in einem Verlauf ausgemalt. Die starke Juli sucht das Gespräch und beendet mit ihren Worten die Beziehung. Der schwache Gegenüber windet sich, fleht, jammert um Gnade, wird vom drohenden Verlust motiviert zu immer größeren Zugeständnissen und Heldentaten.(...) Stattdessen hat er sehr emotional stark reagiert. (...) dieser Verlust der Kontrolle und diese Ablehnung tut dir weh. Denn du bist nicht (mehr) gewohnt, dass du abgelehnt wirst. Und fühlst dich vielleicht wieder an ganz früher erinnert. Sondern inzwischen liegt es an dir, andere abzulehnen, wie eben Ben.

Pythonist

Ja, du hast ziemlich genau auf den Punkt gebracht, wie es sich für mich angefühlt hat. Ich war total unvorbereitet auf den Verlauf des Gespräches - und schäme mich deshalb so für meine Arroganz. Allerdings muss ich deinem fett markierten Satz total widersprechen: ich empfinde mich spätestens seit dem Ende meiner Ehe als "abgelehnt" und ungeliebt. Ich könnte, wenn ich mir ganz derbe selbst eins reinwürgen wollte, auch feststellen: es gab noch nie einen Mann in meinem Leben, der mich geliebt hat. Aber so ein Gedanke ist selbst für mich zu krass, und ich werde mich um Himmels Willen nicht weiter damit beschäftigen.

Ich glaube trotzdem, dass du bald wieder beziehungstechnisch auf die Beine kommst, Juli. Einfach aus der Vergangenheit heraus hat sich doch gezeigt, dass du an sich schnell wieder Anschluss finden kannst, es dir glücklich zufällt und du den Zufall auch aktiv mit Initiative unterstützt.

Pythonist

Das ist nett von dir, dankeschön! Allerdings möchte ich gar nicht unbedingt "beziehungstechnisch" auf die Beine kommen - es reicht, wenn es "männertechnisch" bleibt. Ein netter Flirt würde mir da vollkommen reichen - ich begegne als Langstreckenpendler so vielen Menschen in regelmäßigen Abständen, da käme mir ein Donnerstagsmann nur allzu gelegen. Schöne Augen, ein Kaffee, ein fröhliches Gespräch - das reicht mir erstmal.

Ich glaube eher, dass es die Erkenntnis ist, dass dein lockeres Beziehungswunschbild und dennoch die gefühlte Zuverlässigkeit deines Ex-Partners nicht die dauerhafte Symbiose eingehen konnten, die du vielleicht erwartet oder gewünscht hast. Du hattest Alles - und so lange konntest du beides aus vollen Zügen auskosten. Schließlich hast du mehr genommen als gegeben, und das weißt du. Um so leben zu können, brauchst du aber auch ein passendes Gegenstück.

comran

Das ist der springende Punkt! Rein faktisch habe ich nie mehr genommen als gegeben, gar nicht, absolut nicht - ich habe mich in dem Beziehungsrahmen, den wir abgesprochen hatten, von Anfang an ganz korrekt bewegt. Abgesehen von Ben, das räume ich ein. Aber klar, man kann so solche "Absprachen" immer so und so sehen: habe ich jetzt immer alles diktiert und es damit meinem Freund quasi aufgezwungen? Oder hab ich einfach nur gesagt: du, ich kann es einfach nur so und so und so - und er hat mit bestem Gewissen zugestimmt und alles war theoretisch in Ordnung? Ist eine Frage der Sichtweise. Und etwas, was ich bei einem noch sehr hypothetischen nächsten Mal besser machen müsste. Nur wie?

Und du hast die Sicherheit verloren, dass solche Symbiosen funktionieren können. (...) Irgendwie wird da vermutlich auch eine Angst aufkeimen, dass du dich in Zukunft eventuell für ein Modell entscheiden müsstest und eine Seite aufgeben müsstest: entweder wieder Herz für einen Menschen zulassen, um ihn tatsächlich zu binden. Oder stets variabel zu bleiben und eben auf eine Lebenspartnerschaft vorerst ganz verzichten.

comran

Das macht mir jetzt sehr zu schaffen, ja. Daher hab ich gerade auch kein Interesse daran, etwas Ähnliches anzustreben. Ich will mir eigentlich gar keinen "besser funktionierenden" Partner suchen. Dafür habe ich im Moment noch viel zu viel Angst davor, etwas falsch zu machen. Besser wäre es, ich würde mich einfach nur noch mit glücklich verheirateten Männern umgeben, die mit mir niemals etwas anfangen würden und sich nur darüber freuen, morgens 'nen netten Kaffee zu trinken. Damit käme ich ein paar Monate erstmal gut über die Runden. Ich hatte tolle (wenn auch wenige) Beziehungen bzw. tolle (wenn auch wenige) Männer - auch, wenn ich zum Teil sehr Schlimmes erlebt habe - und ich habe nicht das Gefühl, mir jetzt beweisen zu müssen, dass es für mich einen großartigen, längerfristigen Partner gibt - in welchem Beziehungsgefüge auch immer.

Die spannendere Frage ist, was willst Du in Zukunft machen? (...) Liebe light? Toller Sex mit jemandem, der dich begehrt aber nicht liebt?

Ralph_HH

Genau! Streiche "Liebe light", ersetze es durch "tolle Freundschaft" oder "dicke Kumpel" oder meinetwegen auch "ein-Stück-weit-Partner". Das würde ich sofort unterschreiben. Ist das denn so abwegig?

Versteh' mich nicht falsch: ich möchte damit in keinster Weise Beziehungen und Ehen wie deine (und wie viele der Mitschreiber hier) abwerten. Ich betrachte mich nicht als diejenige, die es als Einzige richtig macht und alle anderen gefühlsduseligen Hippies belächelt. Das ist überhaupt gar nicht so - und ich ziehe meinen Hut vor Lebenspartnerschaften, die voller Liebe sind, aneinander wachsen, sich viel zumuten und trotzdem zusammenstehen! Ich wünschte, ich hätte das in meiner Ehe auch geschafft, ja. Hab ich aber nicht - und will um jeden Preis verhindern, nochmal alles zu verlieren. Das ist meine einzige Motivation - nicht die, andere Menschen und ihre Gefühle zu missionieren oder am Ende gar noch stolz darauf zu sein, dass man es mit der Liebe nicht hingekriegt hat.

Liebe ist keine Einbahnstraße, Liebe ist immer etwas was zwei Menschen braucht, die einander lieben. Geliebt werden, aber nichts zurück spiegeln... Man könnte sich wundern, was Deinen Freund so lange bei Dir gehalten hat. Vielleicht hat er sich auch schon länger emotional distanziert und sich abgefunden damit, dass das nicht von ewiger Dauer sein wird.

Ralph_HH

Das frage ich mich auch - und komme zu demselben Schluss wie du. Ich denke, er hat einfach mitgenommen, was geht - und hat sich damit schlussendlich mehr getraut als ich. Denn ich an seiner Stelle hätte schon vorher kalte Füße bekommen und mich zurückgezogen - wie ich es bei Ben getan habe. Mein offene-Beziehung-Freund hat sich darauf eingelassen und das genossen, was wir hatten. Möglicherweise spielen da die zwanzig Jahre mehr Lebens- und Liebeserfahrung auch eine große Rolle.

Oder Du entscheidest Dich, allein zu bleiben und keine Beziehung mehr einzugehen. Nur Freundschaften und ggf. mal Sex Partner. Aber bisher warst Du da ein wenig inkonsequent. Keine Liebe wollen, keine Beziehung, aber andere Männern doch so nah an Dich heran lassen, dass es am Ende weh tut... Klingt nicht vernünftig.

Ralph_HH

Stimmt. Da gebe ich dir recht - und das ist etwas, was ich erst noch genau begutachten und bewerten muss. Was ist da passiert? Warum? Was genau tut da eigentlich so weh? Und wie bin ich überhaupt dahin gelangt, obwohl ich es doch gar nicht wollte?!! Wie entstand das "zu nah", so dass es letztendlich wehtat? Und - keine Angst, vernünftig bin ich sowieso nicht. Aber das wusste ich vorher schon. ;-)

ach Juli - verzeih, wenn ich trotz deiner traurigkeit ein wenig in mich hineingrinse ;-D das ist gar nicht gegen dich gerichtet, sondern hat mit mir selber zu tutn - so ähnlich ging es mir in meiner länger andauernden beziehung. da hat er nämlich fast genau so großmütig, großartig, liebevoll und traurig-souverän reagiert... und damit vollkommen anders, als ich so dachte. und ich hatte in einer anwandlung von gnadenloser selbstüberschätzung auch damit gerechnet, dass ein häufchen elend um meine liebe und gnade kämpft

im grunde ist es dir aber doch tief in dir drin lieber so, oder? du willst ihm doch gar keinen emotionalen todesstoß versetzen und du selber willst doch auch nichts lauwarmes, sondern heiß-kalt

Die Seherin

Klar darfst du grinsen! An manchen Tagen kann ich das zur Zeit zugegeben nicht so gut ab... aber jetzt gerade geht's. Und es stimmt natürlich: im Grunde bin ich erleichtert darüber, wie es gelaufen ist. Dass wir beide dabei sehr fair blieben, dass wir gleichwertig traurig und wehmütig waren und trotzdem dasselbe "Trennungsziel" hatten. Aber der Schock war trotzdem groß. Ich bin ohnehin so wahnnsinnig unsicher in Gefühlsdingen und mir hat's den Boden unter den Füßen weggezogen, als ich erkennen musste, dass ich mir (mal wieder) jahrelang etwas vorgemacht habe bzw. (mal wieder) einem Anderen lächerlicherweise innige Liebe zu mir angedichtet habe. Und diese (erneute) Erfahrung hat im selben Moment ein sehr, sehr flaues Gefühl in mir gesät...

Möglicherweise hat es auch ein bisschen damit zutun:

vielleicht bist du traurig, weil du spürst nicht wieder richtig lieben zu können, dich wirklich für nur den einen öffnen zu können, hinzugeben, treu zu sein, ein guter Partner zu sein...und noch viel mehr....

wintersonne 01

JQulic200x6


... mein "offene-Beziehung-Freund" ist ja eigentlich richtigerweise mein Ex-Freund... daran muss ich mich wohl erst noch gewöhnen... :°(

C(omr+an


Schließlich hast du mehr genommen als gegeben, und das weißt du. Um so leben zu können, brauchst du aber auch ein passendes Gegenstück.

comran

Das ist der springende Punkt! Rein faktisch habe ich nie mehr genommen als gegeben, gar nicht, absolut nicht - ich habe mich in dem Beziehungsrahmen, den wir abgesprochen hatten, von Anfang an ganz korrekt bewegt.

OK, ich versuche es anders auszudrücken: du hast zu deinem Vorteil die Bedingungen ausgehandelt, währen dein Ex-Freund nehmen musste, was du für ihn lassen kannst. Er hätte natürlich widersprechen können, aber er hat es nicht getan. Ich glaube auch, mich daran erinnern zu können, dass du ihm ebenfalls sexuelle Offenheit zugesprochen hast, er es aber nicht nutzen wollte. Insofern war es schon ein fairer Deal, aber er hat dir mehr genutzt als ihm. Er hatte nur, dass er auf dieser Basis mit dir zusammensein konnte. Und das war ihm offenbar genug.

und ich habe nicht das Gefühl, mir jetzt beweisen zu müssen, dass es für mich einen großartigen, längerfristigen Partner gibt - in welchem Beziehungsgefüge auch immer.

Dahinter steckt eine tiefe Angst vor Verletzung. Und das ist mehr als sexuelle Offenheit. Zumal die sexuell offenen Paare, denen ich begegne, auf einer sehr tiefen Ebene Bindung, Vertrauen und Liebe geschaffen haben. Dein Ex-Freund war ja nie Langzeit-Affäre (also vergleichbar mit den anderen Abenteuern, nur länger), sondern er hatte auch bei dir eine andere Stufe. Obwohl du es gar nicht wolltest, hast du unterschieden, konntest aber eben nicht 100% geben, sondern vielleicht nur 70% (keine Ahnung, bitte nicht die Zahlen wörtlich nehmen @:) ). Weil du dir gesagt hast, dass du dich an keinen Menschen mehr vergeben wirst. Was aber ist geschehen? Du hast einen Menschen verloren, und obwohl du dich nicht binden wolltest, nanntest du ihn "mein Freund" und bedauerst den Verlust.

Ich befürchte, du machst dir da etwas vor mit deiner Distanz-Wand. Wenn es so sein sollte, hoffe ich, dass du es rechtzeitig merkst, dass vielleicht dein Ex-Mann der Fehler war, aber nicht die Bindung als solche. :)_

GfedIankkenspr)ingxer


Hallo Juli,

erstmal tut es mir sehr leid für dich, dass deine beiden Beziehungen (zu deinem "Offenen-Beziehungs-Freund" und zu Ben) gescheitert sind. Mir sind beim Lesen ein paar Dinge durch den Kopf gegangen:

Als ich deine ersten Beiträge gelesen habe, fand ich deine Lebenseinstellung wirklich großartig: deine Beschreibungen von Ben und von deinem Beziehungsmodell strahlten so viel Lebenslust aus; gleichzeitig finde ich gut, dass du insbesondere deine Beziehung zu deinem (Ex-)Freund sehr analytisch reflektieren kannst und dabei eine hohe Empathie ihm gegenüber zeigst und auch deine eigenen Anteile an euren Problemen erkennst. Dass es dir nun nach den ganzen Entwicklungen schlecht geht, ist ja völlig verständlich. Zuerst mal ist da ja der Verlust eines ja doch auch "geliebten" Menschen. Das steckt ja niemand einfach so weg. Möglicherweise spielt da aber schon auch eine gewisse narzisstische Kränkung eine Rolle, die dadurch entstand, dass dein Ex-Freund nicht "um dich gekämpft hat". Aber wie du vorhin geschrieben hast, ist doch die Art und Weise, wie die Trennung gelaufen ist, letztlich eigentlich total positiv: es gibt keinen Rosenkrieg und ihr könnt weiterhin miteinander auf eine offenbar liebevolle Art sprechen. So sollte es doch eigentlich sein.

Was mich ein bisschen zum Grübeln gebracht hat, ist Folgendes: Wie einige meiner Vorredner bin ich nicht sicher, inwiefern dieses offene Beziehungsmodell letztlich geeignet ist, wirklich glücklich zu werden (so sehr ich dir das auch wünsche! Auch für mich hat dieses Modell - zumindest rein theoretisch - eine hohe Anziehungskraft). Irgendwie hat dieses Modell aber auch was von "So ganz will ich mich an niemanden binden". Die Frage ist, ob die Männer, mit denen du es in Zukunft zu tun haben wirst, damit zufrieden sein werden. Ich will das natürlich nicht ausschließen, aber für sehr hoch halte ich die Wahrscheinlichkeit nicht.

Mir scheint, dass dieses "Sich-nicht-hundertprozentig-binden-Wollen" noch sehr eng mit deiner gescheiterten Ehe zu tun hat ("gebranntes Kind scheut das Feuer"), auch wenn ich gar nicht weiß, was da genau vorgefallen ist. Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass dich diese Geschichte noch sehr beschäftigt. Von daher scheint es mir ratsam, zu allererst zu versuchen, die Eheproblematik anzugehen und zu verarbeiten (wie auch immer das konkret aussieht - ob mit professioneller Hilfe oder durch eigenes "Durcharbeiten"), sodass du wieder Vertrauen dahingehend entwickeln kannst, dass auch "hundertprozentige", "monogame" Beziehungen in höchstem Maße erfüllend sein können und nicht automatisch irgendwann in tiefen Verletzungen resultieren müssen. Rein rational betrachtet erhöhen sich damit m.E. die Chancen für ein erfülltes Beziehungsleben, weil du dadurch im Erfolgsfall in die Lage kommst, sowohl in polygamen (oder polyamoren oder wie man das nennt) als auch in "klassischen" Beziehungen "zuhause sein" zu können.

Keine Ahnung, ob diese Gedanken jetzt was Neues zu der ganzen Diskussion beitragen... :-) Ich wünsche dir aber auf jeden Fall, dass sich alles so entwickelt, dass es für dich gut ist!

JWuli2E00x6


comran und Gedankenspringer und auch andere: ich beginne zu verstehen, was ihr mir sagen wollt - und warum. Und ich glaube inzwischen, dass wir da ein wenig aneinander vorbeireden.

Der Ursprung des Missverständnisses liegt glaub ich in der "offenen Beziehung" - die ich so nenne, weil ich keinen anderen Namen weiß. Aber inzwischen denke ich: bitte streicht die offene Beziehung, denn um diese geht es mir gar nicht. Darauf hat mich vor allem dieser Gedanke gebracht

Zumal die sexuell offenen Paare, denen ich begegne, auf einer sehr tiefen Ebene Bindung, Vertrauen und Liebe geschaffen haben.

comran

So würde ich das auch sehen. Eine offene Beziehung besteht aus zwei Menschen, die sich lieben, für die klar ist, dass sie zu zweit erstmal das Allerwichtigste sind - und die sich quasi als Bonus trotzdem sexuell gesehen nach außen öffnen.

Und das heißt natürlich, dass auf diese Art von Beziehung kaum etwas von dem zutrifft, was ich bisher schrieb, was ich mir wünsche und anstrebe.

Denn weder will ich einen Mann finden, den ich über alles liebe(n kann), noch geht es mir darum, mich in Deutschlands Betten permanent auszutoben. Ich bin nicht auf Trophäenjagd und fühle mich durch Sex mit nur einem Mann nicht so eingeengt, dass es mich gleich dem nächsten unter die Lenden wirft. Das ist mir gar nicht so wichtig.

Ich möchte einfach nur das Besitzdenken vermeiden! Darum geht es mir! Ich möchte genau das nicht, was mir bei meinem mittlerweile Ex-Freund passiert ist! Offene Beziehung hin oder her, mir doch egal - ich hätte einfach nur gern jemanden, mit dem ich befreundet sein kann. Den ich gern mag und mit dem ich ergo auch gern Sex habe. Und zwar nicht moralisch verwerflich und heimlich und eingeschränkt wie ich es mit irgendwelchen Affairen haben könnte, sondern ganz legal, normal und entspannt.

Ich bin nach wie vor der Meinung: SELBSTVERSTÄNDLICH geht das. Ich bin nicht die Einzige auf der Welt, die in so einer Konstellation zufrieden ist. Zumal mich Männer in meinem Alter nicht wirklich interessieren, das war schon immer so - wenn ich jemanden interessant und attraktiv finde, dann ist er eher jenseits der Vierzig. Und wie viele Männer in genau diesem Alter haben bereits "eine Runde hinter sich" und könnten sich durchaus vorstellen, sich eine zeitlang mit einer Frau wie mir einzulassen?

Ich möchte um Himmels Willen nicht geliebt werden, um mich besser zu fühlen und diesen Jemand dauerhaft am langen Arm verhungern lassen, während ich mich darin suhle dass "ich mich ja nicht binden kann" und "Angst vor Gefühlen habe" und und und. Will ich doch gar nicht. Es braucht einfach nur einen Mann, der sich in dieser Sichtweise genauso wohlfühlt wie ich. Und da es mich ja auch gibt, wird es ihn schon auch irgendwo geben.

Von daher scheint es mir ratsam, zu allererst zu versuchen, die Eheproblematik anzugehen und zu verarbeiten (...), sodass du wieder Vertrauen dahingehend entwickeln kannst, dass auch "hundertprozentige", "monogame" Beziehungen in höchstem Maße erfüllend sein können und nicht automatisch irgendwann in tiefen Verletzungen resultieren müssen. Rein rational betrachtet erhöhen sich damit m.E. die Chancen für ein erfülltes Beziehungsleben, weil du dadurch im Erfolgsfall in die Lage kommst, sowohl in polygamen (oder polyamoren oder wie man das nennt) als auch in "klassischen" Beziehungen "zuhause sein" zu können.

Gedankenspringer

:-) Der Gedanke gefällt mir! Ist natürlich folgerichtig, dass die "Auswahl" bei den klassischen Beziehungsvorstellungen höher ist als mit meiner individualistischeren Variante. Du hast Recht, ganz klar. Aber ist es deswegen erstrebenswert, weil es alle so machen?

Mag sein, dass die Jahre mich wieder beruhigen können, ich vielleicht mal Mut fassen kann, wieder das zu leben, was ich mir immer erträumt und dann so bitter verloren habe. Aber im Moment kann ich mir nicht vorstellen, was dazu erst noch alles passieren muss... Von meinem Mann bin ich ja mittlerweile seit fast fünf Jahren getrennt, und es vergeht bis heute kaum ein Tag, an dem ich mich nicht frage, was ich falsch gemacht habe. Ich bin nicht jeden Tag traurig, nein, das nicht. Gar nicht. Das ist definitiv mit der Zeit besser geworden und auch vollkommen in Ordnung so. Aber ich denke sehr viel und sehr oft darüber nach.

An der Grübelei, dem schlechten Gewissen, der Demütigung von damals konnte auch mein Ex-Freund nichts ändern, all die Jahre nicht. Und nichtmal die Erfahrung mit Ben, diesem unglaublichen Mann, bei dem es so eingeschlagen hat wie - hm... noch nie?! - konnte mir einen Schubs in die richtige Richtung geben. Es sieht also nicht unbedingt so aus, als stünde die von euch vehement eingeforderte "Bekehrung" unmittelbar bevor... :)_

G@edoankkensp%ringer


Hallo Juli,

danke für deine offenen Worte. Falls das so rübergekommen sein sollte: mir geht es überhaupt nicht um "Bekehrung". Das anzustreben wäre ja völlig arrogant und vermessen. Wie schon geschrieben, bin ich durchaus der Meinung, dass es nicht unmöglich ist, eine Beziehung so zu leben, wie du es die idealerweise vorstellst (ob die jetzt "offen" heißt oder irgendwie anders...), auch wenn es wohl tatsächlich schwieriger ist, so jemanden zu finden, als wenn man einem "klassischen" Beziehungsmodell anhängt. Ich drücke dir alle Daumen, dass du jemanden findest, mit dem das genau so klappt!

Auf einem anderen Blatt steht aber nach wie vor die Sache mit deiner Ehe, finde ich. Die Enttäuschung, das Sich-selbst-Vorwürfe machen hast du ja wie du schreibst fünf Jahre lang nicht ablegen können. Und ich denke: genau da liegt der Hund begraben. Ich kann dir da gar nichts Konkretes raten, aber ich habe das Gefühl, dass diese Sache aufgearbeitet sein muss, um eine für dich "ideale" Beziehung (also eine, die nichts Besitzergreifendes, aber trotzdem ein tiefes Gefühl von gegenseitiger Liebe, ohne Asymmetrie in den Gefühlen der beiden Partner) wieder führen zu können. Es scheint mir nämlich, dass die noch nicht komplett erfolgte Aufarbeitung deiner Ehe dich (vielleicht unter anderem?) daran gehindert hat, mit deinem "jetzt-Ex" diese Art von Symmetrie herzustellen.

Und nebenbei bemerkt: Ich finde, du hast völlig recht - die Gegenseitigkeit der Gefühle, dieses Den-anderen-nicht-besitzen-Wollen/Müssen ist der Kern einer Beziehung und die es gilt, zu erreichen; ob dann innerhalb einer solchen Beziehung eine Öffnung nach außen stattfindet oder nicht, ist dann eigentlich völlig nebensächlich, solange die beiden Partner in Bezug auf diese Frage Einigkeit herstellen können.

LG

Gedankenspringer

Cpo1mran


Ich glaube, der Begriff "Freund" in seinen unterschiedlichen Interpretationen ist hier das Problem.

ich hätte einfach nur gern jemanden, mit dem ich befreundet sein kann. Den ich gern mag und mit dem ich ergo auch gern Sex habe. Und zwar nicht moralisch verwerflich und heimlich und eingeschränkt wie ich es mit irgendwelchen Affairen haben könnte, sondern ganz legal, normal und entspannt.

Wenn ich von Freunden/Freundinnen im Sinne von "befreundet sein" rede, dann schließt das den Sex erst einmal aus. Was du meinst ist eine besondere Form der Freundschaft, d.h. neben dem üblichen "befreundet sein" gestattet man sich Intimitäten. Eine solche Freundschaft-Plus (um mal den Mainstreambegriff zu bemühen) zu finden ist natürlich ungleich schwieriger als einfach nur einen Freund. Denn es setzt neben charakterlicher Kompatibilität auch körperliche Attraktivität voraus sowie die Konstellation, dass dieser Freund eben solo ist oder in einer offenen Beziehung lebt. Du hast aber schon in deinem zweiten Beitrag geschrieben, dass dein Ex eine exklusive Beziehung anstrebt, auch wenn er es nie ausgesprochen hat. Aber du hast es genossen, wieviel Aufmerksamkeit er dir zuteil werden ließ, und dass er dich auf Händen trug. Vermutlich aber genau deswegen - nicht nur aus dem Freundschaftsgedanken. Ich glaube, so viel wird dir aus reiner Freundschaft niemand geben (womit wir wieder bei deinen Vorteilen sind, die du genossen hast).

Und wie viele Männer in genau diesem Alter haben bereits "eine Runde hinter sich" und könnten sich durchaus vorstellen, sich eine zeitlang mit einer Frau wie mir einzulassen?

Genau das hat dein Ex-Freund gemacht. Es war "eine zeitlang" (so würde ich 5 Jahre schon bezeichnen). Aber du leidest darunter, dass diese Zeit vorbei ist. Dabei ist es doch genau das, was du leben wolltest. Keine Bindung über Freundschaft hinaus, regelmäßiger Sex, und nicht auf Dauer.

Mir scheint, als wäre es nur passend, wenn du allein über Beziehungsmodell, Start- und Endezeitpunkt bestimmen könntest. Es gehören aber zwei dazu.

GbedanPkensprainger


Interessante Gedanken, comran! Besonders deshalb, weil mir durch deinen Beitrag deutlich wird, dass man offene Beziehungen aus zwei Perspektiven betrachten kann: entweder als "Freundschaft-plus-(Intimität)", wie du es beschreibst, oder eben als "Beziehung-minus-(Ausschließlichkeit)", wenn man so will. Letzteres wegen dem "Minus" aber bitte nicht als wertend betrachten. Bei ersterem denke ich, dass es letztlich nicht um Liebe im engeren Sinn geht, sondern eher um "having a good time"; bei zweiterem schon - und wenn man es als Paar schafft, sich auf diesen Modus zu einigen, hat man aus meiner Sicht etwas Großes geschafft. In Bezug auf den konkreten Fall wäre die Frage dann, ob die Beziehung von Juli und ihrem Exfreund nun eher Freundschaft-plus-Intimität oder Beziehung-minus-Ausschließlichkeit war. Und noch viel wichtiger: ob beide das identisch eingeschätzt haben. Scheinbar wohl nicht, zumindest nicht hundertprozentig. Wahrscheinlich ist das auch keine Frage von "Entweder-Oder", sondern eher ein Kontinuum, auf dem man sich als Paar (und als Einzelner) irgendwo verorten muss.

R1aOlphH_HxH


Es läuft auf die Quadratur des Kreises hinaus. Sex ja, aber bitte keine Beziehung. Aber auch keine One night stands. Freundschaft ja, aber keine Verbindlichkeit, keine Liebe. Bitte eine Freundschaft+, aber keine, wo er dann nächstes Jahr bei Med1 den nächsten Faden eröffnet "hilfe, ich liebe meine Freundin, aber sie will nur Sex".. Die Fäden dieser Art gibt's hier ja zu Hauf. Den geeigneten Menschen dafür zu finden, dürfte kompliziert werden. Die meisten Menschen sehnen sich nach Zweisamkeit, nach der großen Liebe. Die, die unglücklich liiert sind, suchen den schnellen Sex. Oder eben Freundschaften. Oder sie finden sich damit ab, dass sie die Liebe nicht finden und bleiben allein.

Letztlich muss man sich glaube ich eingestehen, dass man das eh nur begrenzt steuern kann, wem man über den Weg läuft, und was für Gefühle da auf beiden Seiten entstehen oder auch nicht. Ich wäre einfach mal abwartend gespannt, was die Zukunft so bringt.

Jbuli20G06


comran und Ralph, wie sehr man in euren Worten immer herauslesen kann, dass ihr beide eure Frauen wirklich und innig liebt... das bewundere ich echt @:) Und ich gönne es euch von Herzen! Da nehme ich auch gern in Kauf, dass eure Gedanken dazu etwas... ähm... einseitig ...gefärbt sind - und das nur im wirklich allerbesten Sinne! Es ist so viel Wertvolles und Schönes für das Leben und die Liebe an sich dabei - und dass es ausgerechnet zwei Männer sind, die die Lanze für die große Liebe brechen, finde ich umso schöner - auch für z.B. bekümmerte, traurige, enttäuschte Mitleser(innen).

Trotzdem finde ich, der eine oder andere Gedanke schießt etwas über das Ziel hinaus

Du hast aber schon in deinem zweiten Beitrag geschrieben, dass dein Ex eine exklusive Beziehung anstrebt, auch wenn er es nie ausgesprochen hat. Aber du hast es genossen, wieviel Aufmerksamkeit er dir zuteil werden ließ, und dass er dich auf Händen trug. Vermutlich aber genau deswegen - nicht nur aus dem Freundschaftsgedanken. Ich glaube, so viel wird dir aus reiner Freundschaft niemand geben (womit wir wieder bei deinen Vorteilen sind, die du genossen hast).

comran

Dass er mich auf Händen trug, ist richtig. Dass er alles für mich getan hat, auch. Aber das ich es "genossen" habe, stimmt einfach nicht! Da muss ich entschieden widersprechen! Warum sonst wäre dieser Faden entstanden? Nie hab ich das "genossen", wie ich ja auch mehrfach beschrieb, sondern lediglich mit ... Unbehagen? Nervosität? Schlechtem Gewissen? ... gespürt, dass er mehr für mich fühlt als ich für ihn. Niemals fand ich das gut - im Gegenteil! Er machte mich auf diese Weise zu einer herzlosen, gönnerhaft auftretenden Egoistin, die ich nie sein wollte! Natürlich nicht böswillig, das weiß ich, aber trotzdem war es unfair. Unfair von mir, dass ich diese ab und an auftretende Erkenntnis wieder beiseite schob und unfair von ihm, dass er immer so tat, als sähe er alles genauso wie ich ohne es wirklich aufrichtig zu meinen.

Ich finde, die Beschreibung von Gedankenspringer trifft es ganz gut:

(...) entweder als "Freundschaft-plus-(Intimität)", wie du es beschreibst, oder eben als "Beziehung-minus-(Ausschließlichkeit)", wenn man so will. (...) Bei ersterem denke ich, dass es letztlich nicht um Liebe im engeren Sinn geht, sondern eher um "having a good time"; bei zweiterem schon (...) In Bezug auf den konkreten Fall wäre die Frage dann, ob die Beziehung von Juli und ihrem Exfreund nun eher Freundschaft-plus-Intimität oder Beziehung-minus-Ausschließlichkeit war. Und noch viel wichtiger: ob beide das identisch eingeschätzt haben. Scheinbar wohl nicht, zumindest nicht hundertprozentig.

Gedankenspringer


Jetzt gerade, zu meinem "Zwischenfazit" fiel mir vor allem dieser Satz ins Auge:

Mir scheint, als wäre es nur passend, wenn du allein über Beziehungsmodell, Start- und Endezeitpunkt bestimmen könntest. Es gehören aber zwei dazu.

Comran

Das ist ein guter, wichtiger und sehr hilfreicher Gedanke! Danke! Ich werde weiter darüber nachdenken, inwiefern er zutrifft oder nicht - oder was genau er mit sich bringt.

Abgesehen davon (und das meine ich wirklich nicht böse!) stelle ich aber auch fest, dass die wirklich gute Diskussion mit euch für mich irgendwie schon derart ermüdend ist in meiner immer und immer gleichen Verteidigungshaltung, dass mir ehrlich gesagt die Lust vergangen ist, gleiches nochmal mit einem hypothetischen "nächsten" Mann durchzukauen Insofern habt ihr mich schonmal vor Schlimmerem bewahrt....

Oder wie Ralph es sagt

Oder sie finden sich damit ab (...) und bleiben allein.

Ralph_HH

Das scheint mir auch erstmal das Beste zu sein. Ich kenne das ausdauernde Single-Dasein ja auch gar nicht - mag sein, dass es mir gut gefällt, mir niemand richtig schlimm fehlt und ich vielleicht auch mit wenig oder keinem Sex ohne viele Abstriche leben kann. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

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