» »

Schwierige Streitkultur

k"atia0foxx hat die Diskussion gestartet


Mich würde mal interessieren, wie ihr mit Menschen umgeht, die sich während oder nach Streits doof verhalten.

Es geht hauptsächlich um Alltagsstreitereien, in denen sich der eine nicht gerecht behandelt fühlt oder der andere etwas Blödes gesagt hat. Das eine kommt zum anderen, man wird wütend und sagt Dinge, die man ohne Wut vielleicht nicht gesagt hätte.

Passiert mir auch manchmal, aber ich entschuldige mich hinterher, erkläre mich oder meine Wut, bin in jedem Fall einsichtig, kompromissbereit und kooperativ. Zumindest bemühe ich mich darum und ich denke, dass es mir meistens auch gelingt. Es entspricht ein bisschen meinem Naturell, ich kann impulsiv sein und dann platzt es einfach aus mir heraus (daran würde ich gerne an mir arbeiten in naher Zukunft), aber mir ist Fairness und Kompromissbereitschaft trotzdem sehr wichtig und auch das Dazu-Stehen können, dass man doof war.

Jetzt treffe ich aber manchmal auf Menschen (und habe davon auch ein paar in der Familie), die sich hinterher "nicht erinnern können", das alles SO nie gesagt haben, man sie an den Pranger stelle, sie würden ja eh alles falsch machen, egal, worum es geht, uswusf.

Wie geht ihr mit sowas um? Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass ich dieses Verhalten nicht abstellen werde können, egal, wie sehr ich mich ärgere (ja, hat lange gedauert). Mich langweilt und nervt es mittlerweile, ich finde es irgendwie "billig" sich so aus der Affäre zu ziehen.

Ich war früher so, dass ich eigentlich immer die Schuld für alles bei mir gesucht habe. Selbst, wenn andere einfach so fies waren. Das hat mich aber irgendwann total zermürbt, sodass ich andere Wege finden musste mit Konflikten umzugehen. Ich gucke mittlerweile auch mal bei dem anderen, wo seine Anteile liegen. Ich hoffe, ich verfalle nicht zu sehr ins andere Extrem.

Mein Problem ist: Wie geht es nach so einem Streit, der nicht "geklärt" werden konnte, weil der andere sich entzieht, weiter? Einfach weiter machen bis zum nächsten Mal? Stur bleiben, sauer sein und Selbstreflexion erwarten Bin aber eigentlich gar nicht mehr sauer, eher gelangweilt ? Schwamm-drüber-Attitüde anlegen? Mir fehlt sämtliches Werkzeug nach so einem Nerv-Streit weiterzumachen.

Wie macht ihr das?

Antworten
D=ielKrueqmi


ich denke, der Anspruch, dass jeder Streit geklärt werden kann, ist einfach unrealistisch, da Menschen nunmal verschieden sind.

as eine kommt zum anderen, man wird wütend und sagt Dinge, die man ohne Wut vielleicht nicht gesagt hätte.

Passiert mir auch manchmal, aber ich entschuldige mich hinterher, erkläre mich oder meine Wut, bin in jedem Fall einsichtig, kompromissbereit und kooperativ.

das würde bei mir z.B. nur einmal funktionieren. Schleudert mir mein Gegenüber beim nächsten Streit wieder irgendetwas um die Ohren, kann er/sie sich das Entschuldigungs-Gelumpse sparen.

Kjoominxa


Am besten gar keine Streitsituationen entstehen lassen, solchen Menschen aus dem Weg gehen, erst recht nicht als Partner wählen und am besten beim ersten Versuch des Gegenübers, sich zu entziehen, wenn es dann doch passiert, einfach die Klappe halten.

Früher habe ich es noch mit einem:"wir wissen beide, dass du das genauso gesagt hast!" versucht.

Empfahl ein Ratgeber.

Hilft nichts.

Daher: ich weiß genau, was du meinst, kenne das Gefühl gut und lerne immer mehr, die Vermeidungstaktik zu fahren.

Diese Deppen kann man nicht ändern, nur ihnen aus dem Weg gehen.

Sie haben Recht und ich meine Ruhe.

k0atuiafxox


Die Kruemi

Ich kann deine Einstellung zwar verstehen, ich bin aber in einem Haushalt aufgewachsen, wo oft impulsiv gestritten wurde. Ich rede hier nicht von Beleidigungen unter der Gürtellinie, aber Lautwerden, die Beherrschung verlieren, nur sich und seine Wut in dem Moment sehen, schon.

Ich kenne dieses Gefühl einfach selbst, dass mich die Wut so sehr überkommt, dass ich mich nicht so sehr im Griff habe, wie ich es mir wünsche, insofern bin ich da einigermaßen nachsichtig bei anderen. Wie gesagt, das ist ein Punkt an dem ich an mir arbeiten möchte und mir passiert sowas auch nur unter extremen Stressbedingungen und auch nur im familiären Umfeld.

Dennoch ist es mir eben, wie oben geschrieben, wichtig, dass man es hinter einfach klärt, nochmal kurz darüber spricht, sagt: ja, war doof. Nur wenn der andere das gar nicht zulässt, was dann?

D0iezKruemi


Dennoch ist es mir eben, wie oben geschrieben, wichtig, dass man es hinter einfach klärt, nochmal kurz darüber spricht, sagt: ja, war doof. Nur wenn der andere das gar nicht zulässt, was dann?

Ganz einfach: es geht nicht immer darum, was DIR wichtig ist. wenn der andere es nicht so klären will wie du es willst, dann bleibt es eben ungeklärt. Für dich unbefriedigend, aber du kannst niemanden zwingen.

k<atia(fozx


Ah, ich versuche mich nochmal zu erklären: Mir kann sowas auch mal passieren, dass ich die Beherrschung verliere, daher bin ich mit anderen nachsichtig. Aber WENN mir sowas passiert, dann bin ich hinterher gesprächsbereit und stehe dazu.

Mir geht es darum, was ich tun soll, wenn andere die Beherrschung verlieren und hinterher nicht gesprächsbereit sind.

Koomina

Ja, mir gelingt es auch immer öfter hinterher die Klappe zu halten und mich nicht so sehr "mitnehmen" zu lassen. Grundsätzlich würde ich solche Menschen, wenn ich sie neu kennenlerne auch eher meiden. Aber wenn es Leute aus meiner Familie sind? Ich kann die ja nicht alle meiden... ":/ ;-)

kHatpiafxox


Ganz einfach: es geht nicht immer darum, was DIR wichtig ist. wenn der andere es nicht so klären will wie du es willst, dann bleibt es eben ungeklärt. Für dich unbefriedigend, aber du kannst niemanden zwingen.

Irgendwie fühle ich mich gerade unverstanden. Mir ist schon klar, dass ich niemanden dazu zwingen kann so zu handeln wie ich es will. Das ist überhaupt nicht mein Anliegen.

Wenn dir jemand an den Kopf geknallt hat, dass du gerade nervst beispielweise und 3 Stunden später behauptet die gleiche Person, dass sie das nie gesagt hätte und sich daran überhaupt nicht erinnern kann. Wie würdest du reagieren?

K2leixo


katiafox

Mich würde mal interessieren, wie ihr mit Menschen umgeht, die sich während oder nach Streits doof verhalten.

Ich streite selten und wenn, dann setze ich es bewusst als Mittel ein, ohne mich davon gefühlsmäßig berühren zu lassen.

Es geht hauptsächlich um Alltagsstreitereien, in denen sich der eine nicht gerecht behandelt fühlt oder der andere etwas Blödes gesagt hat. Das eine kommt zum anderen, man wird wütend und sagt Dinge, die man ohne Wut vielleicht nicht gesagt hätte. Ich habe kein Problem mich zu "zweinigen", also festzustellen, Du siehst es so, ich anders und beides ist okay. :-)

Finde ich sinnlos. Allerdings habe ich auch keine Erwartungshaltung "gerecht" behandelt zu werden, denn andere denken ja nicht wie ich und finden schon einmal etwas anderes als gerecht, als ich.

Wie geht ihr mit sowas um? Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass ich dieses Verhalten nicht abstellen werde können, egal, wie sehr ich mich ärgere (ja, hat lange gedauert).

Sehe ich auch so. Andere kann ich nicht ändern, aber ich entscheide, worüber ich mich ärgere und wann. Ich übe mich darin, mich so wenig wie möglich zu ärgern. Funktioniert im Moment gut.

Mich langweilt und nervt es mittlerweile, ich finde es irgendwie "billig" sich so aus der Affäre zu ziehen.

Ich unterstelle anderen nicht, dass sie sich "billig" aus der Affäre ziehen. Das wäre ja nur meine Bewertung in Beziehung auf das Verhalten des Gegenübers. Ich akzeptiere, wenn sie meinen, sie würden sich anders erinnern. In der Regel geht es nicht um lebenswichtige Dinge, also lohnt sich auch keine Besserwisserei meinerseits. :-) Dann gibt es halt zwei unterschiedliche Erinnerungen. Ist ja logisch, Menschen nehmen ja unterschiedlich wahr.

Umgekehrt lasse ich aber so ein Verhalten, dass jemand ausfallend wird nicht zu. Das langweilt mich, weil ich mit einer gewissen persönlichen Ebene nichts anfangen kann. Gerade weil ich weiß, dass ich entscheide, wann ich wütend werde, weiß ich ja, dass jetzt der andere entschieden hat wüten auf mich oder wegen einer Sache zu sein. Insofern weiß ich auch, dass das nichts mit mir zu tun hat, sondern er die Verantwortung dafür trägt. Ich suche mir meine Gesprächspartner schon auch so aus, dass sie sich mitteilen können, ohne alles persönlich zu nehmen oder persönlich zu werden.

Ich war früher so, dass ich eigentlich immer die Schuld für alles bei mir gesucht habe. Selbst, wenn andere einfach so fies waren. Das hat mich aber irgendwann total zermürbt, sodass ich andere Wege finden musste mit Konflikten umzugehen. Ich gucke mittlerweile auch mal bei dem anderen, wo seine Anteile liegen. Ich hoffe, ich verfalle nicht zu sehr ins andere Extrem.

Ich habe aufgehört Schuldzuweisungen zu suchen. Jeder ist, wie er/sie ist. Konflikt bedeutet nicht automatisch etwas Schlechtes. Es bedeutet, dass es zwei unterschiedliche Meinungen gibt. Was soll es da für Anteile geben? Woran?

Mein Problem ist: Wie geht es nach so einem Streit, der nicht "geklärt" werden konnte, weil der andere sich entzieht, weiter? Einfach weiter machen bis zum nächsten Mal? Stur bleiben, sauer sein und Selbstreflexion erwarten Bin aber eigentlich gar nicht mehr sauer, eher gelangweilt ? Schwamm-drüber-Attitüde anlegen? Mir fehlt sämtliches Werkzeug nach so einem Nerv-Streit weiterzumachen.

Ein Problem kann nur dann zu zweit gelöst werden, wenn es beide als Problem sehen, ansonsten ist es mein Problem. Das kann ich jederzeit lösen oder es als Problem behalten.

Wozu überhaupt zum Streit kommen lassen? Ich meine, ich verstehe Streit jetzt nicht als konstruktive und sachliche Auseinandersetzung, sondern als Gespräch in dem es persönlich wird und/oder beleidigend. Also wozu?

Werkzeuge dafür gibt es gute, aber die Hauptsache ist einmal, sich selbst nicht zu ärgern und die Aussagen auch nicht unbedingt immer persönlich nehmen, wobei es davon abhängt, mit wem ich es zu tun habe. Ich entscheide mich selten, mich zu ärgern.

K.obomwin#a


Ich habe in meiner Familie einige solcher Exemplare.

Mit der Zeit lernt man ja, dass Klärungen mit denen nichts bringen.

Also: Klappe halten.

Hält man sie nicht, regt man sich hinterher nur doppelt auf. Sei lieb zu dir und lass es bleiben.

Es gibt einfach Menschen, die eher sterben, Freunde verlieren, sich zum Affen machen, als einen Fehler zuzugeben.

Mit so jemand muss ich nicht befreundet sein oder auf Teufel komm raus einen verträglichen Nenner finden.

KyooAmRixna


Kleio, man muss aber auch zwischen Meinungen und Fakten unterscheiden können.

Die Leute, von denen ich rede, vertreten z.B. die Meinung, der Himmel sei grün und hielte man ihnen ein Lexikon unter die Nase, behaupten sie plötzlich steif und fest, sie hätten doch die ganze Zeit gesagt, der Himmel sei blau.

Das war jetzt ein wenig plakativ.

Wollte nur veranschaulichen, dass ich kein Problem damit habe, eine Meinung stehen zu lassen, aber anstrengend wird es, wenn jemand Fakten leugnet oder verdreht, damit er irgendwie seine "Meinung retten" kann. Verstehst, was ich mein?

K(lneixo


katiafox

Ich kann deine Einstellung zwar verstehen, ich bin aber in einem Haushalt aufgewachsen, wo oft impulsiv gestritten wurde. Ich rede hier nicht von Beleidigungen unter der Gürtellinie, aber Lautwerden, die Beherrschung verlieren, nur sich und seine Wut in dem Moment sehen, schon.

Kann ich gut nachvollziehen. Ich kannte von zu Hause auch keine vernünftige Diskussion oder Auseinandersetzung, nur Herumgeschreie, Lautwerden oder auch unter die Gürtellinie gehen. Also wenn ich wollte, so kann man sagen, habe ich eine gute Ausbeildung genossen und ich könnte jeden verbal in den Boden stampfen, indem ich ihn niedermache und/oder abwerte.

Ich kenne dieses Gefühl einfach selbst, dass mich die Wut so sehr überkommt, dass ich mich nicht so sehr im Griff habe, wie ich es mir wünsche, insofern bin ich da einigermaßen nachsichtig bei anderen. Wie gesagt, das ist ein Punkt an dem ich an mir arbeiten möchte und mir passiert sowas auch nur unter extremen Stressbedingungen und auch nur im familiären Umfeld.

Ja, kenne ich also auch, da mir ja eher wenig zugehört wurde, wobe ich meine Wut nie an anderen ausgelassen habe. Ich wusste ja, wie es sich anfühlt, wenn man ungerecht niedergemacht wird und wollte das auf keinen Fall anderen antun. Ich ließ es dann an mir aus. Den größten Stress habe ich mir also selbst gemacht und war sowohl auf meine Familie als auch auf mich wütend. Als ich das erkannt habe, habe ich daran arbeiten können, mir keinen Stress zu machen. Ich habe zwar immer wieder Rückfälle (allerdings nicht in dieser ausgeprägten Form), aber mir ist auch bewusst, dass ich die Ursache bin.

Dennoch ist es mir eben, wie oben geschrieben, wichtig, dass man es hinter einfach klärt, nochmal kurz darüber spricht, sagt: ja, war doof. Nur wenn der andere das gar nicht zulässt, was dann?

Naja, ich weiß nicht. Was soll das bringen, wenn man immer wieder austickt, es bespricht und man so weitermacht. Dann kann man es gleich lassen, darüber zu reden, weil sich ja eh nichts ändern wird. Vor allem weiß ich z. B., dass es meine Vater nicht leid getan hat. Es hätte mir also eine Entschuldigung nichts gebracht, weil er einfach so war. Das ist so, wenn mir immer wieder die Hand ausrutscht (ist ja nichts anderes als eine verbale Ohrfeige). Ich knalle jemandem eine (in dem Falle verbal), entschuldige mich, erkläre, wie ich es geschafft habe, so wütend zu werden und dem anderen eine geknallt habe und nach einiger Zeit mache ich es wieder. Irgendwie sinnlos, oder? Dann kann ich ja gleich dazu stehen, dass es halt immer wieder vorkommt und es mir nicht leid tut, denn sonst würde ich es ja nicht mehr tun, sondern etwas ändern. Es tut mir leid und ich mache es trotzdem immer wieder, ist auch nicht besser. Ich wäre an solchen Unterredungen nicht interessiert. Ich hätte schon das erste Mal verstanden, wie es dazu kommt und nach dem zweiten Mal hätte ich verstanden, dass derjenige es trotzdem immer wieder macht.

Mir geht es darum, was ich tun soll, wenn andere die Beherrschung verlieren und hinterher nicht gesprächsbereit sind.

Hast Du denn gefragt, warum sie nicht gesprächsbereit sind? Meine Mutter hat 40 Jahre auf so ein Gespräch mit meinem Vater gewartet und natürlich nie bekommen. War logisch, aber sie hat irgendwann ihre Erwartungshaltung auf ein Minimum heruntergeschraubt, was sie viel friedlicher machte. :-) Es war die leise Hoffnung, dass er irgendwann einsieht, dass es falsch war, aber natürlich hat er das eben nicht so gesehen. Falsche Erwartungen macht man sich selbst und damit schürt man selbst eine Hoffnung, die nicht realistisch ist. Aufgrund dessen regt man sich dann darüber auf und ist wütend. Selbstproduziert.

Ja, mir gelingt es auch immer öfter hinterher die Klappe zu halten und mich nicht so sehr "mitnehmen" zu lassen. Grundsätzlich würde ich solche Menschen, wenn ich sie neu kennenlerne auch eher meiden. Aber wenn es Leute aus meiner Familie sind? Ich kann die ja nicht alle meiden... ":/ ;-)

Du kannst sie (andere) aber auch nicht ändern, nur Dich selbst. Wenn sie nicht bereit sind darüber zu reden, dann kannst Du sie nicht zwingen. Was Du ändern kannst ist Deine Erwartungshaltung, also eben nicht erwarten, dass sie dazu bereit sind, weil sie es nicht sind.

Wenn dir jemand an den Kopf geknallt hat, dass du gerade nervst beispielweise und 3 Stunden später behauptet die gleiche Person, dass sie das nie gesagt hätte und sich daran überhaupt nicht erinnern kann. Wie würdest du reagieren?

Ich nehme seine Sicht so an, wobei das ja jetzt nichts weltbewegendes ist und nichts Schlimmes. Er/sie fand, dass ich ihn nerve und meint, er hätte es nicht gesagt. Passiert mir mittlerweile mit meiner Mutter ständig, dass sie sich an Dinge anders erinnert (aus Altersgründen). Na gut, soll so sein. Manchmal sage ich, ach, ich habe es anders in Erinnerung. Wie verschieden doch unsere Wahrnehmung ist, oder ich sage, aha, so hast Du das gesehen. Erledigt. :-)

K7lEeixo


Koomina

Kleio, man muss aber auch zwischen Meinungen und Fakten unterscheiden können.

Die Leute, von denen ich rede, vertreten z.B. die Meinung, der Himmel sei grün und hielte man ihnen ein Lexikon unter die Nase, behaupten sie plötzlich steif und fest, sie hätten doch die ganze Zeit gesagt, der Himmel sei blau.

Das war jetzt ein wenig plakativ.

Mag plakativ sein, aber z. B. habe ich seit jeher Kleidungsstücke, die für mich grün sind und für meine Mutter braun. War schon vorher so, bevor sie angefangen hat zu altern. Wo liegt das Problem. Für sie ist es braun, für mich grün. Ich sagte dann auch, Du ich rede von meiner grünen Bluse, das ist die, die für Dich braun ist. Ich erkenne es als ihre Ansicht an, egal ob das für die meisten anders wäre. Ich habe damit kein Problem die Ansicht anderer zu respektieren. Und wie wichtig ist es, wenn das nun für eine Allgemeinheit ein Fakt ist? Für mein Gegenüber ist es ein anderer Fakt. Das würde doch nur in Rechthaberei enden. Ich weiß es ja dann, dass für denjenigen der Himmel grün ist, das was halt für mich blau ist. Erledigt.

Wollte nur veranschaulichen, dass ich kein Problem damit habe, eine Meinung stehen zu lassen, aber anstrengend wird es, wenn jemand Fakten leugnet oder verdreht, damit er irgendwie seine "Meinung retten" kann. Verstehst, was ich mein?

Ich verstehe, was Du meinst. Für mich spielt das nicht so eine große Rolle, ob Fakt oder Meinung. Der andere sieht es so und das kann ich so annehmen. Wenn ich weiß, dass der Himmel blau ist, dann reicht es doch. Ich muss den anderen nicht davon überzeugen, vor allem, wenn er mich vielleicht gar nicht dazu aufgefordert hat.

kZahtixafox


Die Leute, von denen ich rede, vertreten z.B. die Meinung, der Himmel sei grün und hielte man ihnen ein Lexikon unter die Nase, behaupten sie plötzlich steif und fest, sie hätten doch die ganze Zeit gesagt, der Himmel sei blau.

Ich kenne noch die verschärfte Form, indem gesagt wird: "Nein, das stimmt nicht, was in dem Lexikon steht." Aber gut, das nehm ich auch nicht so ernst. Wobei doch, es nervt mich eigentlich immer noch viel zu sehr.

Und ich glaube, ich weiß auch warum. Dieses Gefühl, was mich ohnmächtig werden lässt, ist: Ich kann mich nicht auf diese Leute verlassen. Ich glaube, ein Grundproblem aus meiner Lebensgeschichte und da rührt auch meine Wut her, die mich manchmal selbst überkommt.

Den größten Stress habe ich mir also selbst gemacht und war sowohl auf meine Familie als auch auf mich wütend. Als ich das erkannt habe, habe ich daran arbeiten können, mir keinen Stress zu machen. Ich habe zwar immer wieder Rückfälle (allerdings nicht in dieser ausgeprägten Form), aber mir ist auch bewusst, dass ich die Ursache bin.

So weit bin ich mittlerweile auch. Mir ist bewusst, dass es an mir liegt und dass nur ich es ändern kann. Dennoch gelingt es mir nach wie vor nicht da hinzukommen:

aha, so hast Du das gesehen. Erledigt. :-)

Ich muss da gerade echt mal drüber lachen, weil es so einfach und genial ist. Nur wieso lasse ich mich immer viel zu oft noch "mitnehmen"? Darf ich fragen, wie du "dahin" gekommen bist?

Finde ich sinnlos. Allerdings habe ich auch keine Erwartungshaltung "gerecht" behandelt zu werden, denn andere denken ja nicht wie ich und finden schon einmal etwas anderes als gerecht, als ich.

Was meinst du damit, dass du nicht die Erwartungshaltung hast "gerecht" behandelt zu werden? Und wo ziehst du die Grenze? Wenn dich jemand verbal in eine bestimmte Ecke stellen will (Äußerungen verdreht, anders darstellt als gemeint) oder und das ist einer meiner wunden Punkte, weil dieser Knopf schon als Kind in mir angelegt und oft gedrückt wurde, dir Schuldgefühle aufhalsen will, wie reagierst du dann?

Das sind bei mir z.B. Momente, wo es mich mitnimmt und wo ich nicht mehr entscheiden kann. Das Gefühl ist in etwa dann so, als ob mich eine rote, wallende Lavaglut von innen durchfährt und ich benehme mich wie ein Hb-Männchen werde laut, muss mich bewegen, mach mich wahrscheinlich vollkommen zum Affen, aber das Gefühl ist da: Das ist ungerecht! Dagegen muss ich mich wehren. Oder anders ausgedrückt: Meine Wut fühlt sich in diesem Moment gerecht an und ich habe keine Chance da auszusteigen. Gut, das passiert mir jetzt nicht so oft, aber es passiert.

Das Beispiel mit den grünen und braunen Kleidungsstücken kenne ich auch sehr gut, aber da geh ich auch mit Humor dran. Sowas kann ich sehr gut ab und da seh ich auch keine Notwendigkeit, einen Konflikt heraufzubeschwören.

Wieder anders ist es bei Emotionen anderer. Ich bin da sehr empfänglich für (grundsätzlich schnell reizüberflutet, weil ich quasi alles aufnehme) und das passiert mir auch recht oft, dass sich Wut oder auch andere Emotionen anderer sehr schnell auf mich übertragen. Daran arbeite ich aber schon, indem ich mich versuche selbst zu spüren. Das musste ich auch echt mühsam lernen, aber es klappt mittlerweile ganz gut, mal mehr, mal weniger, aber ist okay.

Ich versuche noch auf ein paar deiner Fragen/Aussagen einzugehen:

Hast Du denn gefragt, warum sie nicht gesprächsbereit sind?

Ja, aber da habe ich dann schon die Antwort gehört, dass man mir nicht helfen könne. Zum Beispiel: Ich sage: Das hat mich verletzt, warum hast du das gemacht oder warum hast du das nicht gemerkt? Und dann kommt halt diese Antwort. Wahlweise auch: "Du bist zu empfindlich/dünnhäutig, ich wäre nicht verletzt gewesen".

Damit kann ich nicht umgehen.

Für mich spielt das nicht so eine große Rolle, ob Fakt oder Meinung. Der andere sieht es so und das kann ich so annehmen.

Kannst du auch akzeptieren, dass andere eine Meinung über dich haben, die du als ungerechtfertigt empfindest?

K oNomixna


Missverständnis:

Der andere weiß sehr wohl, was er gesagt hat. Seine Wahrnehmung/Erinnerung ist mit deiner deckungsgleich. Aber er gibt es nicht zu. Weil das eine Schwäche wäre.

Also lügt er lieber oder schafft es gar, sich selbst einzureden, er hätte dies oder jenes gar nicht gesagt.

Ja, ich verstehe die Aussage: "Ich kann mich auf diese Menschen nicht verlassen."

k@atia/fox


Der andere weiß sehr wohl, was er gesagt hat. Seine Wahrnehmung/Erinnerung ist mit deiner deckungsgleich. Aber er gibt es nicht zu. Weil das eine Schwäche wäre.

Also lügt er lieber oder schafft es gar, sich selbst einzureden, er hätte dies oder jenes gar nicht gesagt.

Doch, ich hatte das auch unter diesem Aspekt gesehen. Ich kenne jemanden, der behauptet dann, dass das alles falsch ist, was im Lexikon steht und bezichtigt somit alle anderen auf dieser Welt der Lüge nur damit er nicht zugeben muss, dass er falsch liegt. Obwohl er es besser weiß. {:(

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beziehungen oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Psychologie · Erziehung · Sexualität · Homo, Hetero, Bi


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH