» »

Schwierige Streitkultur

K\oomyina


Sorry, mein Beitrag war an Kleio gerichtet. Weil sie immer wieder davon schrieb, man hätte eben unterschiedliche Wahrnehmungen.

Darum ging's, glaub ich, weder dir noch mir. Sondern die Fälle, in denen einer 'lügt', um sich zu entziehen.

EOhema[liger NNutzerx (#4x98327)


@ katiafox

Was du da schreibst, klingt einfach nur total anstrengend. Die Vorstellung, dass mir nach einem Streit jemand noch hinterher rennt, um die Sache krampfhaft aus der Welt zu schaffen, ist grauenhaft. Wenn ich mich gestritten habe, dann will ich einfach meine Ruhe. Punkt. Und wer mir diese nicht gönnen kann, der kann sich erst recht auf Stunk einstellen.

Wer mir, weil er ja ach so impulsiv ist, wiederholt irgendeinen Scheiß an den Kopf wirft, kann sich seine Erklärungsversuche getrost in den Allerwertesten schieben.

kja:ti@afox


Okay, also nimmst du es in Kauf zu lügen und zu sagen, du spinnst, das war alles ganz anders, nur damit du deine Ruhe hast?

Ich möchte nochmal klar stellen, dass ich niemandem hinterher renne und impulsiv wahllos Leuten Sachen an den Kopf knalle. Impulsiv und richtig wütend werde ich bei den zwei Punkten, die ich genannt habe, sonst nicht. Diese Interpretation deinerseits finde ich anstrengend. Wenn mir jemand sagt, jetzt nicht, lass mich in Ruhe, ist das kein Thema für mich. Aber abstreiten hinterher, darum geht's mir gerade.

Ich ärgere mich halt über diese Deppen, die Lügen, um ihre Ruhe zu haben. Ich finde keinen Weg damit umzugehen. Das bedeutet meistens konkret: Ich sitze irgendwo rum, grübeln mich zu Tode und hab Wut im Bauch. Anstrengend für mich, ja.

C>otelSauvxage


Aber wenn es Leute aus meiner Familie sind? Ich kann die ja nicht alle meiden... ":/ ;-)

Natürlich kann man Leute meiden, mit denen man nicht klarkommt oder die man nicht schätzt, egal ob es Familienmitglieder sind (außer man wohnt zuhause) oder nicht. Und wenn man so jemandem nicht auskommt kann man derartige Situationen vermeiden.

Das schreibt dir allerdings jemand, der eher der gelassen-gleichgültige Typ ist und der gezielt launischen und impulsiven Menschen aus dem Weg geht. Nachdem du dich selber als impulsiv und dich manchmal falsch verhaltend beschreibst hilft dir ein Rat, der nicht auf impulsive Menschen zugeschnitten ist, wahrscheinlich nicht.

Wenn dir jemand an den Kopf geknallt hat, dass du gerade nervst beispielweise und 3 Stunden später behauptet die gleiche Person, dass sie das nie gesagt hätte und sich daran überhaupt nicht erinnern kann. Wie würdest du reagieren?

Ich würde die Augen verdrehen und "Ja, is recht" sagen.

Dennoch ist es mir eben, wie oben geschrieben, wichtig, dass man es hinter einfach klärt, nochmal kurz darüber spricht, sagt: ja, war doof. Nur wenn der andere das gar nicht zulässt, was dann?

Dann wird es eben nicht "geklärt". Gerade das o.g. Beispiel wäre mir viel zu banal um dann irgendwas "klären" zu wollen.

Ich kann mich nicht auf diese Leute verlassen.

Das ist doch eine wichtige Erkenntnis (wenngleich du die an Banalitäten festzumachen scheinst). Man kann sich in der Tat nur auf sehr wenige Leute verlassen.

Kannst du auch akzeptieren, dass andere eine Meinung über dich haben, die du als ungerechtfertigt empfindest?

Mir zB ist es wurscht, was andere, die mir nichts weiter bedeuten, für eine Meinung über mich haben. Und Leute wie du sie schilderst würden mir in diesem Sinne nichts bedeuten.

Ich kenne jemanden, der behauptet dann, dass das alles falsch ist, was im Lexikon steht und bezichtigt somit alle anderen auf dieser Welt der Lüge nur damit er nicht zugeben muss, dass er falsch liegt. Obwohl er es besser weiß. {:(

Ja und? Das ist halt ein Idiot, über sowas kann man doch nur lachen, alles andere ist die Anstrengung nicht wert.

Ich ärgere mich halt über diese Deppen, die Lügen, um ihre Ruhe zu haben.

Wieso? Du hast doch erkannt dass es Deppen und Lügen sind. Ich ärgere mich auch nicht über impulsive und launische Menschen. Ich gehe ihnen soweit möglich aus dem Weg, und wenn das nicht möglich ist (zB im Job) überleg ich mir eine Strategie für die, ganz sachlich.

Hast du diese Probleme nur in Bezug auf deine Familie oder auch in Bezug auf deinen Partner und deine Freunde?

kGatia3fox


Danke für deine Antwort!

Das schreibt dir allerdings jemand, der eher der gelassen-gleichgültige Typ ist und der gezielt launischen und impulsiven Menschen aus dem Weg geht. Nachdem du dich selber als impulsiv und dich manchmal falsch verhaltend beschreibst hilft dir ein Rat, der nicht auf impulsive Menschen zugeschnitten ist, wahrscheinlich nicht.

Naja, ich würde gerne dahin kommen, insofern können mir deine Ratschläge vielleicht schon helfen. ;-)

Allerdings würde ich mich nicht unbeingt als launische Person bezeichnen, ich hab meine "Launen" schon im Griff, bzw. ich bin niemand, der seine Launen an anderen auslässt. Das finde ich selbst ganz furchtbar.

Mein Beispiel war wohl wirklich nicht so glücklich gewählt. Hier eines, was mir in meiner letzten Beziehung genauso passiert ist. Diese Geschichte ist so affig und eigentlich ein Sketch wert, aber es war so und solche Begebenheiten haben sich durch die Beziehung gezogen. {:(

Ich wurde gefragt, ob ich Honig in meinen Tee möchte. Ich sage: Danke, nein, nur Tee. Mein Ex guckt mich ungläubig an, als ob es unfassbar wäre, seinen Tee ohne Honig trinken zu können und scheffelt mir massenweise Honig in meinen Becher. "Das wäre besser, ich würde schon sehen". So und da war ich trotteligerweise schon auf 180, hab ihn angepflaumt, warum er mich nicht ernst nimmt und mir meinen Tee ohne Honig nicht lässt. Daraufhin war er ob meiner Reaktion beleidigt. Aber das Thema war erstmal durch, Stimmung zwar Banane, aber ich hatte hier kein Bedürfnis ewig zu diskutieren, kann es nur nicht verstehen und bin genervt.

Ich frage mich, was mit mir nicht stimmt, dass mich so ein totaler Quatsch schon so nervt. Ja, er hat mich nicht ernst genommen, ja er war extrem übergriffig und einfach ein Depp, aber warum bleib ich nicht cool und mach mir einfach einen neuen Tee und zeig ihm 'nen Vogel.

Bis hierhin ist es schon schräg, aber jetzt zu meinem eigentlichen Problem, das ich gestern abend versucht habe zu thematisieren und was mich dann richtig auf die Palme bringt. Irgendwann kommt es nochmal auf diese Situation zu sprechen, ich sage: Weißt du noch, damals, das war doch so eine albern Situation mit dem Honig, ich war total genervt und du beleidigt, wir sind schon zwei Deppen, oder?

Und dann sagt er: "So ein Quatsch. Ich war doch gar nicht beleidigt! Das stimmt doch so alles gar nicht!" Es bleibt also hier stehen, dass ich ihn sozusagen grundlos angepflaumt habe und jetzt alles falsch darstelle. Dass er aber eine 3/4 Stunde neben mir gesessen hat, nicht mehr mit mir gesprochen hat, die Arme verschränkt hatte und einfach wirklich total kindisch war, das habe ich mir laut ihm ja nur eingebildet.

Und JETZT bin ich auf 180! Er steht nicht dazu, gibt mir für alles die Schuld, steht nicht zu seinem Verhalten und ich werde laut und ticke aus.

Ja, was stimmt in solchen Situationen nicht mit mir, dass ich mich da so von provozieren lasse? Dass ich das Bedürfnis habe, jetzt hierfür kämpfen zu müssen, dass die "Wahrheit" auf den Tisch kommt, dass ich gesehen werde, dass ich mich darauf verlassen kann, dass wir eine ähnliche Wahrnehmung haben und Dinge ähnlich bewerten?

Ich persönlich (und das wollte ich gestern damit ausdrücken, als ich meinte, dass ich auch blöd und impulsiv sein kann, aber hinterher wenigstens dazu stehe) hätte an dieser Stelle gesagt: "Oh man, ja. Ich war echt bescheuert. Sorry." Dieses Eingeständnis fehlt mir dann.

Anstatt zu sagen: Hörzu, ich glaub mit uns beiden ist das zu kompliziert, hat sich diese Beziehung mit solchen und ähnlichen, teilweise noch schlimmeren Situationen hingezogen. Und ich hab immer für meine "vermeintliche Wahrheit" gekämpft, von der ich wollte, dass sie gesehen wird. In solchen Situationen fühle ich mich wie Hauchecorne, der Protagonist aus der Kurzgeschichte "Die Schnur" von Guy de Maupassant, falls die hier jemand kennt. :-|

Hast du diese Probleme nur in Bezug auf deine Familie oder auch in Bezug auf deinen Partner und deine Freunde?

Mit Freunden eigentlich gar nicht, nein. Mit gewissen Familienmitgliedern schon, im Beruf oder so überhaupt nicht.

kNatia?fox


Was noch hinzu kommt ist, dass ich solche Situationen hinterher zergrübele. Und ja, das ist glaube ich wirklich schon ein bisschen pathologisch bei mir.

Ich drehe es in meinen Gedanken hin und her. Hab ich überreagiert? Hat er überreagiert? Hätte ich den Tee einfach trinken sollen? Nein, aber musste ich so aufbrausend sein? Der arme, er hat es ja nur nett gemeint. Aber warum nimmt er mich nicht ernst? {:(

So geht das dann im Oberstübchen und trägt wohl auch dazu bei, dass ich beim nächsten mal dann vielleicht auch schon schneller hitzig und aufbrausend werde. Ich glaube, das beschreibt mein Verhalten und meine Reaktionen ein bisschen besser als impulsiv. Ich bin ein Hitzkopf. Klingt jedenfalls niedlicher und ich kann es so besser vor mir rechtfertigen :[]

CdoteSa6uvaxge


Ich wurde gefragt, ob ich Honig in meinen Tee möchte. Ich sage: Danke, nein, nur Tee. Mein Ex guckt mich ungläubig an, als ob es unfassbar wäre, seinen Tee ohne Honig trinken zu können und scheffelt mir massenweise Honig in meinen Becher. "Das wäre besser, ich würde schon sehen". So und da war ich trotteligerweise schon auf 180, hab ihn angepflaumt, warum er mich nicht ernst nimmt und mir meinen Tee ohne Honig nicht lässt. Daraufhin war er ob meiner Reaktion beleidigt. Aber das Thema war erstmal durch, Stimmung zwar Banane, aber ich hatte hier kein Bedürfnis ewig zu diskutieren, kann es nur nicht verstehen und bin genervt.

Ich frage mich, was mit mir nicht stimmt, dass mich so ein totaler Quatsch schon so nervt. Ja, er hat mich nicht ernst genommen, ja er war extrem übergriffig und einfach ein Depp, aber warum bleib ich nicht cool und mach mir einfach einen neuen Tee und zeig ihm 'nen Vogel.

Ich fürchte das war schon wieder ein schlechtes Beispiel ... Der Typ spinnt doch, wenn er dich erst fragt ob du was willst, dann sagst du nein, und dann macht er genau das :-o Falsch "an dir" ist da bloß dass du die Beziehung zu solchen Menschen nicht zeitnah überdenkst - anstatt "irgendwann nochmal auf diese Situation zu sprechen zu kommen".

Dass er aber eine 3/4 Stunde neben mir gesessen hat, nicht mehr mit mir gesprochen hat, die Arme verschränkt hatte und einfach wirklich total kindisch war, das habe ich mir laut ihm ja nur eingebildet.

Es ist doch ganz einfach: Mit Menschen, die ein solches Kommunikationsverhalten an den Tag legen, führe ich keine Beziehung!

Dein Problem ist, dass du solche Details auf dich beziehst. Hier ist aber der andere ein Depp, und das kannst du natürlich nicht ändern. Du kannst ihm nur aus dem Weg gehen, das ist das was ich mit meinem 1. Posting sagen wollte.

Was noch hinzu kommt ist, dass ich solche Situationen hinterher zergrübele.

Es ist ja kein Schaden über sowas nachzudenken. Dabei hättest du relativ schnell zu dem Schluss kommen können, dass dein Freund sich dir gegenüber unverschämt verhält und du mit ihm nicht vernünftig kommunizieren kannst, und das zieht dann eine weitere unvermeidliche Schlussfolgerung nach sich.

k^atixafox


Ich fürchte das war schon wieder ein schlechtes Beispiel ...

Ich habe gerade hin und her überlegt, aber es sind tatsächlich nur solche Momente, in denen ich austicke. Ich tue mich allerdings wirklich sehr schwer zu schnallen, wann man mit mir "unverschämt" umgeht und wann ich übertreibe. Ich krieg das oft rational nicht gebacken, spüre dann aber eben diese maßlose Wut aufkommen und explodiere. Ich bin leider mit ziemlichem Psychoterror, Manipulationen und emotionaler Erpressung groß geworden. Daher kann ich es oft nicht so wirklich erkennen, ob ich mich wehren darf oder nicht. Krank, ich weiß. Aber ich übe mich darin und bin auch schon besser geworden. Früher habe ich alles weggeschluckt oder die Situation überspielt und so getan, als ob das gerade gar nicht passiert wäre oder bin in mir "versunken". Hat mich als Kind/Jugendliche in so manchen Situationen gerettet. Dass ich mittlerweile in solchen Situationen austicke ist tatsächlich relativ neu.

Wie gesagt, das passiert mir nicht ständig und auch nicht so, wie Nurariyhon es wohl aufgefasst hat, dass ich bewusst Streit anzettel oder suche. Es ist eher ein "defensives Austicken", wenn man das so nennen kann. Oft ist es aber auch nur eine gehörige Portion Wut im Bauch, die mich im Alltag begleitet und von der andere gar nicht unbedingt immer etwas mitbekommen. Ich möchte das ja aber abstellen, weil ich selbst darunter leide.

Falsch "an dir" ist da bloß dass du die Beziehung zu solchen Menschen nicht zeitnah überdenkst - anstatt "irgendwann nochmal auf diese Situation zu sprechen zu kommen".

Naja, wir sind schon seit längerem nicht mehr zusammen, insofern habe ich diese Beziehug mittlerweile schon überdacht. ;-) Ich wage sogar zu behaupten, dass ich so eine Beziehung nicht mehr eingehen könnte.

Ist mein Thema gar nicht "schwierige Streitkultur", sondern "gesunder Umgang mit Emotionen"? Ich bin mir selbst gar nicht mehr so sicher... ;-)

Koleixo


katiafox

Ich kenne noch die verschärfte Form, indem gesagt wird: "Nein, das stimmt nicht, was in dem Lexikon steht." Aber gut, das nehm ich auch nicht so ernst. Wobei doch, es nervt mich eigentlich immer noch viel zu sehr.

Cool, ich weiß genau, was Du meinst ]:D . Da gibt es die aus meiner Sicht hahnebüchernsten Erklärungen und Anschauungen. Nur, solange ich auf dieser Wertungsbasis bleibe und diese Einstellung habe, mache ich ja nur mich verrückt, wütend. Denn was ist denn die Folge? Ich versuche zu erklären, versuche beizubringen, versuche zu überzeugen und das mit dem Endergebnis, dass mein Gegenüber starr bei seiner Ansicht bleibt und ich die Wände hochklettere. Es hat eben überhaupt nichts mit dem anderen zu tun, sondern nur mit mir.

Und ich glaube, ich weiß auch warum. Dieses Gefühl, was mich ohnmächtig werden lässt, ist: Ich kann mich nicht auf diese Leute verlassen. Ich glaube, ein Grundproblem aus meiner Lebensgeschichte und da rührt auch meine Wut her, die mich manchmal selbst überkommt.

Das kann gut sein. Das sind ja alles Muster, die man einmal schön in einen Koffer einpackt (Erziehung) und ins Leben mit hinausnimmt. Das sind die Werkzeuge, die man benutzt. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist, man kann sich ihrer bewusst werden und sie auch mit der Zeit wegschmeißen und sich neue Werkzeuge beschaffen.

So weit bin ich mittlerweile auch. Mir ist bewusst, dass es an mir liegt und dass nur ich es ändern kann.

Das ist schon einmal ein wichtiger Schritt. :-)

Ich muss da gerade echt mal drüber lachen, weil es so einfach und genial ist. Nur wieso lasse ich mich immer viel zu oft noch "mitnehmen"? Darf ich fragen, wie du "dahin" gekommen bist?

Ja, eigentlich ist es leicht und natürlich auch wieder nicht, zumindest am Anfang nicht und vor allem auch gerade mit jenen (Familie), mit denen man diese Muster eingeübt hat. Aber Du hast ja schon einen großen Schritt getan, Du hast erkannt, dass Du Dir die Zähne an den Leuten ausbeißt, dass es nur Dich wütend macht und dass es eigentlich nichts bringt, nur steckst Du noch in Deinen Mustern fest bzw. verfällst Du oft in dieses Muster (also mir passiert das auch heute noch – Rückfälle gibt es immer wieder, aber immer seltener).

Wie ich dahin gekommen bin – einen Schritt nach dem anderen ;-) . Ich habe natürlich auch viel darüber nachgedacht, wieso andere das tun, was sie tun, weil ich mich ja darüber so aufgeregt habe. Irgendwann habe ich erkannt, dass ich mich vom Verhalten anderer extrem abhängig machte und dann eigentlich ein Spielball war/bin. Wenn ich ständig darüber nachdenke, warum der andere das tut, so denkt, bin ich beim anderen. Je nachdem, wie mich jemand ansprach, wie er mit mir redete, war ich also oben oder unten. Ein freundliches Wort, Aufmerksamkeit mir gegenüber – juhu, :-D Abwertung, Ignoranz – Wut, Ärger :-( . Ich habe mich sehr beobachtet, war sehr bei mir Selbst und habe darauf geachtet, wann ich wie reagiere. Erst wenn ich meiner Reaktionen bewusst bin, kann ich sie auch bewusst ändern und gar nicht mehr wütend werden.

Was meinst du damit, dass du nicht die Erwartungshaltung hast "gerecht" behandelt zu werden?

Es ist eine Erwartungshaltung gerade bei Eltern z. B. gerecht behandelt zu werden, dass sie zuhören, dass sie einen ernst nehmen, bzw. welche persönlichen Erwartungen ich als ihr Kind auch immer aufstelle. Wenn diese Haltung dann nicht kommt, bin ich natürlich enttäuscht, traurig, ärgerlich, wütend oder wie jemand dann halt auch persönlich immer auch ist. Der Auslöser ist nicht der andere, sondern meine unrealistische Erwartung und auch meine Wertung, dass das gut/richtig ist, also ich recht habe und der andere nicht. Habe ich eine realistische Erwartungshaltung oder aus meiner Sicht am besten gar keine, im Sinne, egal, wie der andere es auch sieht, so ist es okay, dann löse ich in mir keine Reaktion aus.

Und wo ziehst du die Grenze?

Ich ziehe die Grenze dort, wo ich nicht Willens bin mich mit einer Person oder einem Verhalten auseinanderzusetzten. Es gab eine lange Liste an Themen, bei denen ich wusste, dass es da mit meinen Vater nur Krach geben kann. Also habe ich mit ihm darüber auch nicht mehr diskutiert, aber trotzdem im Respekt reflektiert, dass ich akzeptiere, dass er so denkt.

Wenn dich jemand verbal in eine bestimmte Ecke stellen will (Äußerungen verdreht, anders darstellt als gemeint) oder und das ist einer meiner wunden Punkte, weil dieser Knopf schon als Kind in mir angelegt und oft gedrückt wurde, dir Schuldgefühle aufhalsen will, wie reagierst du dann?

Dann baue ich meine Schuldgefühle ab, was eigentlich bedeutet und es damals für mich auch bedeutet hat, mir zuerst ein halbwegs gesundes Selbstbewusstsein zuzulegen und differenzieren zu lernen. Da sagt Mutter/Vater Du kannst das ja nicht, immer musst Du das und das machen, Du nimmst nie rücksicht auf uns, etc. etc. Und ich springe schon an die Decke, weil das ja so ungerecht ist, weil sie nicht sehen wollen, dass es doch ganz anders ist, etc. Die Schleife ist nicht mehr aufzuhalten. Es war enorm wichtig für mich zu erkennen, wo dieser Knopf bei mir sitzt. Auch ist es ein Problem, dass es doch nicht nur Eltern auslösen können. Manchmal trifft man wildfremde Menschen, die diesen Knopf genauso auslösen. Das ist das Problem, denn es ist ein Muster und hat nicht unbedingt immer nur mit dem einer bestimmten Person zu tun. Ist mir letztes Jahr gerade passiert. Das kann also jederzeit getriggert werden, wenn ich nicht bei mir bin und nicht achtsam. Letztlich ist es immer dann, wenn ich die Meinung, Schuldzuweisung eines anderen übernehme, also nicht bei mir bleibe. Da setze ich also die Grenze.

Ein wichtiger Punkt ist auch – wer sagt etwas und wer ist dieser jemand, der mir die Worte im Mund umdreht oder mich oder meine Meinung abwertet? Hinz und Kunz interessiert mich nicht. Das heißt, ich suche mir die Leute aus, deren Meinung mir wichtig ist und auch ihre Meinung zu einem Thema. Dafür habe ich zwar keine Erwartung, aber quasi eine Bedingung. Wenn diese Bedingung nicht erfüllt wird, dann interessiert mich die Ansicht nicht. Eliminiert von vorne herein wahrscheinlich 90% der Aussagen, die ich zu hören bekomme. Jemand, der mir gerne die Wörter im Mund verdreht, entspricht nicht meiner Vorstellung eines Kommunikationspartners, also ist es mir auch nicht mehr wichtig, zu welchen Schlüssen er/sie kommt. Schade um meine Lebenszeit. Es ist meine Entscheidung mit wem und mit was ich mich beschäftige und das sind Dinge, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen. Auch eine Grenze. Es gibt sicher Ausnahmen, aber die weisen in der Regel nur wieder auf einen Punkt, den ich noch nicht so beherrsche, also heißt es wieder üben.

Das sind bei mir z.B. Momente, wo es mich mitnimmt und wo ich nicht mehr entscheiden kann. Das Gefühl ist in etwa dann so, als ob mich eine rote, wallende Lavaglut von innen durchfährt und ich benehme mich wie ein Hb-Männchen werde laut, muss mich bewegen, mach mich wahrscheinlich vollkommen zum Affen, aber das Gefühl ist da: Das ist ungerecht! Dagegen muss ich mich wehren. Oder anders ausgedrückt: Meine Wut fühlt sich in diesem Moment gerecht an und ich habe keine Chance da auszusteigen. Gut, das passiert mir jetzt nicht so oft, aber es passiert.

Kenne ich gut, wie gesagt, nicht gegen andere gerichtet, aber diese immense Wut, die ich so steigere, weil ich mich ja so ungerecht behandelt fühle und das ja "schlecht" ist, dass es mich lähmt. Das ist das für mich wieder ein Grund, an mir zu arbeiten, denn ich lähme mich und mache mich dadurch einfach auch geistig unbeweglich. Ich kann ja nicht mehr denken, weil ich nur rot sehe. Schadet wieder nur mir. Es gibt ja durchaus Menschen, die mir wirklich schaden wollen und ich setzte meine Gehirntätigkeit "außer Kraft"? Gar nicht gut für mich.

Das Beispiel mit den grünen und braunen Kleidungsstücken kenne ich auch sehr gut, aber da geh ich auch mit Humor dran. Sowas kann ich sehr gut ab und da seh ich auch keine Notwendigkeit, einen Konflikt heraufzubeschwören.

Humor, wenn Du ihn besitzt, kann hilfreich sein. Ich bin auch jemand, die an sich generell lustig und humorvoll ist. Um mein Muster zu erkennen, habe ich mich dann oft beobachtet, wie ich es schaffe in manchen Situationen mit Humor zu reagieren und wie ich denke, wenn ich auf der Palme bin. Ich muss also nicht unbedingt von anderen lernen. Ich kann auch von mir selbst lernen.

Wieder anders ist es bei Emotionen anderer. Ich bin da sehr empfänglich für (grundsätzlich schnell reizüberflutet, weil ich quasi alles aufnehme) und das passiert mir auch recht oft, dass sich Wut oder auch andere Emotionen anderer sehr schnell auf mich übertragen. Daran arbeite ich aber schon, indem ich mich versuche selbst zu spüren. Das musste ich auch echt mühsam lernen, aber es klappt mittlerweile ganz gut, mal mehr, mal weniger, aber ist okay.

Im Prozess ein gesundes Selbstbewusstsein zu erlangen habe ich gelernt mich auch anders auszudrücken – selbstbewusst. Ich habe früher ja auch so gedacht. Die Emotionen und Wut anderer übertragen sich auf mich. Das ist fremdbestimmt. Ich übernehme die Emotionen und Wut der anderen. Wenn ich diese Einstellung gewinne, dann ist der nächste Schritt, dass ich eben die Emotionen und Wut anderer nicht übernehme, sondern bei ihnen lasse. Also differenziere: ich, der andere, meine Handlung, seine Handlung, meine Denkweise, ihre Denkweise, etc.

KYlleio


katiafox

Kannst du auch akzeptieren, dass andere eine Meinung über dich haben, die du als ungerechtfertigt empfindest?

Was heißt eigentlich das nicht zu akzeptieren? Ich kann ja dagegen angehen, kann anfangen zu argumentieren, kann anfangen Beweise zu erbringen, etc. und wenn einer seine Meinung über mich oder auch sachlicher über irgend ein Verhalten von mir hat und eine Wertung, dann wird er diese nicht ändern. Hätten beide das gleiche Interesse, dann käme es ja nicht zum Streit, dann würde der Konflikt ganz anders behandelt werden. Damit wäre ich wieder in der Schleife von oben. Ich renne mit dem Kopf gegen diese aufgezogene Wand meines Gegenübers an und habe am Ende Kopfschmerzen. Die Frage, die ich mir irgendwann gestellt habe ist, warum ich das eigentlich tun sollte? Welche Erwartungshaltung habe ich und woher rührt meine Reaktion, dass ich nicht annehmen kann/will, dass jemand mich nicht mag, meine Meinung nicht mag, mich anders (also nicht falsch) beurteilt, bewertet, als ich oder als ich es gerne sehen würde? Habe ich ein Interesse jemanden anderen zu überzeugen, dass er meine Ansicht übernimmt? Ist es nicht genau das, was mir gerade da nicht gefällt, weil ja mein Gegenüber mich versucht zu überzeugen, dass er recht hat?

Ich sehe durchaus auch beim Gegenüber, dass er vermeintlich lügt, also nicht authentisch ist, aber das ist immer noch meine Ansicht und meine Wertung. Akzeptanz heißt ja nicht jemanden oder die Meinung eines anderen gut zu heißen, sondern sie anzunehmen, sie so zu lassen, wie sie ist. Wenn ich mich akzeptiere, wie ich bin, dann akzeptiere ich den anderen auch, wie er ist. Akzeptanz ist eine wertfreie Annahme meiner Person oder der Person eines anderen. Ansonsten gibt es Kampf, Streit, etc.

Ich ärgere mich halt über diese Deppen, die Lügen, um ihre Ruhe zu haben. Ich finde keinen Weg damit umzugehen. Das bedeutet meistens konkret: Ich sitze irgendwo rum, grübeln mich zu Tode und hab Wut im Bauch. Anstrengend für mich, ja.

Wenn ich differenziere, dann gibt es keine Deppen. Dann gibt es Menschen, die in Bezug auf eine Sache lügen und wenn ich etwas bewerte, dann ist es die Handlung. Der Mensch selbst bleibt für mich jemand, der gleichwertig ist und dann behandle ich ihn auch respektvoll. Ich kann ja trotzdem der Meinung sein, dass seine Ansicht falsch ist oder einfach, dass sie anders ist.

Ich wurde gefragt, ob ich Honig in meinen Tee möchte. Ich sage: Danke, nein, nur Tee. Mein Ex guckt mich ungläubig an, als ob es unfassbar wäre, seinen Tee ohne Honig trinken zu können und scheffelt mir massenweise Honig in meinen Becher. "Das wäre besser, ich würde schon sehen". So und da war ich trotteligerweise schon auf 180, hab ihn angepflaumt, warum er mich nicht ernst nimmt und mir meinen Tee ohne Honig nicht lässt. Daraufhin war er ob meiner Reaktion beleidigt. Aber das Thema war erstmal durch, Stimmung zwar Banane, aber ich hatte hier kein Bedürfnis ewig zu diskutieren, kann es nur nicht verstehen und bin genervt.

Ich frage mich, was mit mir nicht stimmt, dass mich so ein totaler Quatsch schon so nervt. Ja, er hat mich nicht ernst genommen, ja er war extrem übergriffig und einfach ein Depp, aber warum bleib ich nicht cool und mach mir einfach einen neuen Tee und zeig ihm 'nen Vogel.

Weil es Dir wichtig war (was ja auch klar ist), dass Dein Partner Dich ernst nimmt, dass er Dich und Deine Bedürfnisse respektiert.

Und JETZT bin ich auf 180! Er steht nicht dazu, gibt mir für alles die Schuld, steht nicht zu seinem Verhalten und ich werde laut und ticke aus.

Du wirst ihn genauso wenig überzeugen können, wie er Dich zum Tee mit Honig.

Ja, was stimmt in solchen Situationen nicht mit mir, dass ich mich da so von provozieren lasse? Dass ich das Bedürfnis habe, jetzt hierfür kämpfen zu müssen, dass die "Wahrheit" auf den Tisch kommt, dass ich gesehen werde, dass ich mich darauf verlassen kann, dass wir eine ähnliche Wahrnehmung haben und Dinge ähnlich bewerten?

Ich würde nicht sagen, dass mit Dir etwas nicht stimmt. Das ist ja eine völlig verständliche Reaktion. Wer will denn nicht vom Partner so angenommen werden, wie er ist, nur denke ich, dass das alle wollen, auch der Partner. Hier vermisse ich es bei beiden.

Ich persönlich (und das wollte ich gestern damit ausdrücken, als ich meinte, dass ich auch blöd und impulsiv sein kann, aber hinterher wenigstens dazu stehe) hätte an dieser Stelle gesagt: "Oh man, ja. Ich war echt bescheuert. Sorry." Dieses Eingeständnis fehlt mir dann.

Es macht auch keinen großen Sinn von sich auf andere zu schließen. Du siehst dieses Vorgehen von Dir positiver als sein Vorgehen. Dadurch stellst Du Dein Verhalten höher als seins und hoffst, dass er mindestens so reagiert, weil Du ja "recht" hast ;-) .

Anstatt zu sagen: Hörzu, ich glaub mit uns beiden ist das zu kompliziert, hat sich diese Beziehung mit solchen und ähnlichen, teilweise noch schlimmeren Situationen hingezogen. Und ich hab immer für meine "vermeintliche Wahrheit" gekämpft, von der ich wollte, dass sie gesehen wird. In solchen Situationen fühle ich mich wie Hauchecorne, der Protagonist aus der Kurzgeschichte "Die Schnur" von Guy de Maupassant, falls die hier jemand kennt.

Ja, Du hast mittlerweile eine andere Erkenntnis gewonnen als er. Er ist ja nicht umsonst Dein Ex.

Ist mein Thema gar nicht "schwierige Streitkultur", sondern "gesunder Umgang mit Emotionen"? Ich bin mir selbst gar nicht mehr so sicher...

Manchmal lässt es sich nicht immer trennen und der ungesunde Umgang mit seinen Emotionen hat ja manchmal auch die Folge, dass es eine schwierige Streitkultur gibt. Teilweise trifft das ja auch zu. Manchmal ist ja das Gegenüber durchaus auch schwierig, aber man selbst ist dann halt auch schwierig und die Lösung eines Konfliktes ist nicht immer die Einigung auf einen gemeinsamen Weg, sondern manchmal ist es eine genauso gute Lösung, getrennte Wege zu gehen.

ErmotiAonjale


Jetzt treffe ich aber manchmal auf Menschen (und habe davon auch ein paar in der Familie), die sich hinterher "nicht erinnern können", das alles SO nie gesagt haben, man sie an den Pranger stelle, sie würden ja eh alles falsch machen, egal, worum es geht, uswusf.

Das erinnert mich zunächst mal an ein mir bekanntes vierjähriges Kind (das einmal ganz fest behauptete, dass nicht es selbst, sondern der Phantasiefreund das Loch in den Vorhang geschnitten hätte). Und an eine andere Person, von der ich so vorgeschädigt bin, dass die Chance für derartig unreife Menschen (vor allem solche, die hinterher nicht zu dem stehen, was sie getan haben), eine Beziehung mit mir zu führen, bei unter Null liegt. Das Zusammenleben mit derartig egozentrischen, unreifen, selbstgerechten, reflektionsunfähigen und womöglich noch übergriffigen (denn was der andere sagt, wird ja nicht zur Kenntnis genommen) Leuten ist derartig grausig, dass ich schon aus hundert Metern Entfernung die Flucht ergreife.

kLaitiafxox


Nur, solange ich auf dieser Wertungsbasis bleibe und diese Einstellung habe, mache ich ja nur mich verrückt, wütend.

Ja, das stimmt. Ich mache mich verrückt damit und so fühle ich mich in diesen Momenten auch, wenn ich um "meine Wahrheit" kämpfe.

Ich habe mich sehr beobachtet, war sehr bei mir Selbst und habe darauf geachtet, wann ich wie reagiere. Erst wenn ich meiner Reaktionen bewusst bin, kann ich sie auch bewusst ändern und gar nicht mehr wütend werden.

Ich habe vor drei Jahren etwa mit Achtsamkeits-Meditation angefangen und da erstmal gelernt, mich überhaupt wahrzunehmen. Ich kann bis heute nicht so ganz beschreiben, was da auf einmal mit mir passiert ist, aber in mir haben sich Fenster und Türen geöffnet und mich hat alles, was ich immer so irgendwie weggesteckt hatte komplett überrollt. Es kam alles hoch. Seitdem ist das überhaupt erst so, dass ich das Gefühl habe, um "meine Wahrheit" kämpfen zu müssen. Vorher war mir gar nicht bewusst, dass ich überhaupt eine Wahrheit habe. ;-)

Da habe ich auch zum ersten Mal begriffen, dass ich eine Wahlmöglichkeit habe und dass ich meinen Emotionen und Einflüssen von Außen gar nicht so ausgeliefert bin, wie ich das immer dachte. Wenn ich erstmal weiter ein- und ausatme passiert ja erstmal gar nichts, außer dass ich ein- und ausatme und das verschafft mir Zeit, meine Wahlmöglichkeiten wahrzunehmen.

Außer halte, ich sehe rot. Und unter Stresssituationen seh ich doch mittlerweile schneller mal rot als mir das lieb ist. Da würde ich gerne von wegkommen...

Es gab eine lange Liste an Themen, bei denen ich wusste, dass es da mit meinen Vater nur Krach geben kann. Also habe ich mit ihm darüber auch nicht mehr diskutiert, aber trotzdem im Respekt reflektiert, dass ich akzeptiere, dass er so denkt.

Das fällt mir zum Beispiel wahnsinnig schwer und soweit bin ich definitiv noch nicht, dass ich da im Respekt reflektieren könnte. Ich bin bezüglich des Egoismus und auch des psychischen Geisteszustandes meines Vaters irgendwie noch zu schockiert, als dass ich damit respektvoll umgehen könnte. Da sind früher so viele Dinge passiert, die aber schlichtweg seiner damaligen Unzurechnungsfähigkeit zuzuschreiben sind, dass ich davon irgendwie noch ganz schön traumatisiert bin. Das ist aber nochmal eine andere Baustelle, die hier wohl den Rahmen sprengen würde. Dennoch hat das alles sehr dazu beigetragen, dass ich heute solche Probleme habe.

Im Prozess ein gesundes Selbstbewusstsein zu erlangen habe ich gelernt mich auch anders auszudrücken – selbstbewusst. Ich habe früher ja auch so gedacht. Die Emotionen und Wut anderer übertragen sich auf mich. Das ist fremdbestimmt. Ich übernehme die Emotionen und Wut der anderen. Wenn ich diese Einstellung gewinne, dann ist der nächste Schritt, dass ich eben die Emotionen und Wut anderer nicht übernehme, sondern bei ihnen lasse. Also differenziere: ich, der andere, meine Handlung, seine Handlung, meine Denkweise, ihre Denkweise, etc.

Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. Ich war früher eben eigentlich nie bei mir oder Teile von mir waren ausgeknipst, irgendwo vergraben. Ich musste so verfahren, weil es bei uns zu Hause an allen Ecken und Enden gebrannt hat und nur so konnte ich durch das alles irgendwie durchgekommen.

Mein Vater hat mir sein ganzes Leben immer und immer wieder von seinen Traumata, die er zweifelsohne erlebt hat, erzählt. Eben auch in der Form, dass er später hemmungslos über seine Suizidgedanken mit mir gesprochen hat oder ach keine Ahnung einfach nicht bei sich war, unzurechnungsfähig, unzuverlässig war, ziemlich viel vermasselt hat und einfach so auch oft verstörend war. Wir sind z.B. zwei mal auf der Autobahn liegen geblieben, weil er einfach "vergessen" hat, dass man Autos auch tanken muss, damit sie weiterfahren. Oder einmal hat er mich auf einer Fahrradtour irgendwie wohl beim Fahrrad fahren einfach so vergessen, ist jedenfalls in mir fremden Gebieten so schnell vorausfahren gefahren, dass ich ihn erst nach 20 Minuten einholen konnte und glücklicherweise durch Zufall die richtige Abzweigung genommen hatte

Ich führe das nur an, um zu verdeutlichen, warum ich heute so Probleme habe, mich selbst zu spüren und somit anfälliger bin, dass ich schneller mal bei den anderen bin als bei mir selbst. Es wurde halt immer sehr viel Verständnis von mir eingefordert für die psychischen Wehwehchen der Anderen. Meine sind dann halt auf der Strecke geblieben. :-|

E^hejmaligenr Nutz^er (#4K9832x7)


@ katiafox

Bis hierhin ist es schon schräg, aber jetzt zu meinem eigentlichen Problem, das ich gestern abend versucht habe zu thematisieren und was mich dann richtig auf die Palme bringt. Irgendwann kommt es nochmal auf diese Situation zu sprechen, ich sage: Weißt du noch, damals, das war doch so eine albern Situation mit dem Honig, ich war total genervt und du beleidigt, wir sind schon zwei Deppen, oder?

Genau sowas finde ich einfach nur anstrengend. Warum musst das Thema krampfhaft wieder auf den Tisch bringen? Ich verstehe es einfach nicht. Das finde ich mindestens genauso übergriffig wie die Situation mit dem Honig. Du manipulierst ihn dazu zu sagen, dass er ein Depp ist. Dass du das ganze in einem "Wir sind..." verpackst, ändert daran gar nichts. Ihr nehmt euch da beide nicht sonderlich viel. Ist beides totaler Kindergarten.

kIati$afofx


Ich würde nicht sagen, dass mit Dir etwas nicht stimmt. Das ist ja eine völlig verständliche Reaktion. Wer will denn nicht vom Partner so angenommen werden, wie er ist, nur denke ich, dass das alle wollen, auch der Partner. Hier vermisse ich es bei beiden.

Wenn ich dich da richtig verstehe, dann ist das aber die hohe Kunst. Das würde bedeuten, dass ich jemanden in dem Moment genau so annehme wie er ist. Nämlich, dass er lügt, obwohl uns ds beiden sehr wohl bewusst ist, nur damit er keine Schwäche zugeben muss. Dass mein Kampf an dieser Stelle nichts bringt weiß ich ja, nur annehmen im Sinne von eben so stehen lassen, puh... das fordert mich heraus. ;-)

kgatiHafoxx


Warum musst das Thema krampfhaft wieder auf den Tisch bringen?

Ich weiß es nicht. Ich versuche es ja gerade zu erforschen und daran zu arbeiten. Es ist sowas wie ein aussichtsloser Kampf, damit ich nicht in Vergessenheit gerate? Vielleicht wollte ich auch nochmal bekräftrigen, dass er meine Grenze überschritten hat und ich mir nicht anders zu helfen wusste, als ihm das, ja, hilflos unter die Nase zu jubeln, damit sowas in Zukunft nicht mehr vorkommt, weil es mich innerlich fertig macht und ich totale Probleme damit habe, meine Grenzen zu wahren. Mir ist doch bewusst, dass es kein guter Umgang ist...

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Beziehungen oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Psychologie · Erziehung · Sexualität · Homo, Hetero, Bi


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH