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Vergleich von deutschen und amerikanischen Beziehungen/Ehen

Dzudie7C1


Ich habe selbst in den USA gelebt und bin auch - zumindest teilweise - beruflich mit dieser Problematik befasst. Ich kann Dir folgendes dazu sagen:

Die Beobachtung, dass sich dort viele Männer relativ früh binden und eine Familie gründen ist so zunächst

richtig. Das Problem ist, dass - wie Du selbst vermutest - vieles tatsächlich Fassade ist. Und zwar insofern als, sie irgendwann merken oder zumindest glauben zu merken, etwas verpasst zu haben. Dies holen sie dann ab mit Mitte 30 oder Anfang 40 nach. Heutzutage werden viele dieser Ehen geschieden. Früher war das Ganze verlogener und wurde verheimlicht (zumindest vor der Familie und Freunden) so gut und so lange es eben ging.

Im Übrigen teile ich die Einschätzung einiger Vorredner nicht, dass dieses Verhalten geographisch besonders unterschiedlich sein soll. Es tritt im sogenannten "Bible-Belt" also in Texas und den östlichen Südstaaten ebenso auf, wie anderswo in den USA.

Eine Ausnahme bilden vielleicht die großen Metropolen New York City, Washington D.C., San Francisco, Miami usw. sowie größere Universitätsstädte. Dort ist es aufgrund der vorherrschenden Lebensstile nicht so sehr verbreitet, ab 20 zu heiraten und Kinder zu bekommen.

"Just my 5 cents" ... wie der Amerikaner sagt ;-)

AOnnae-MarieP 19x83


Danke erstmal für die vielen Antworten!

Ich finde, es haben sich sehr interessante Diskussionen aus der Fragestellung entwickelt.

Ich sehe bei Tieren zum Teil intakteres Sozialverhalten. Der Gedanke von der menschlichen Sonderstellung ist einfach nur eine subjektive Anmaßung.

WalkingGhost

Zwar OT, aber sehe ich genauso ;-D

Ich habe vor einiger Zeit mal einen interessanten Artikel darüber gelesen, dass in den USA Beziehungsanbahnung (und die Weiterentwicklung in der Beziehung) tendentiell viel "strukturierter" läuft als in vielen Ländern Europas. Da gibt es (im Schnitt) mehr kulturelle Unterschiede als man annehmen würde.

In dem Artikel stand unter anderem drinnen, dass langjährige Beziehungen viel weniger üblich/akzeptiert sind als bei uns. Wenn eine Beziehung gut läuft, dann "sollte" die Heirat möglichst spätestens im dritten Beziehungsjahr oder so erfolgen. (Von den religiösen Kreisen mit "kein Sex vor der Ehe" mal ganz zu schweigen.)

Die Ehe scheint in den USA noch viel stärker "dazuzugehören" als bei uns.

Im Schnitt sind viele europäische Länder da wohl liberaler.

LolaX5

Was mir aufgefallen ist, dass es tatsächlich nicht nur in religiösen Kreisen so gehandhabt wird, sondern auch beim 0815-Ottonormal"Amerikaner".

Wenn du einem Amerikaner erzählst, dass man 8-10 Jahre zusammen ist und nicht heiratet, können die das kaum glauben.

Sowohl bei meinem Bruder als auch bei anderen Amerikaner habe ich beobachtet, dass sie sich bei der Partnerwahl tatsächlich viele Gedanken machen und keine Lebensabschnittsgefährtin suchen, sondern einen Partner fürs Leben. Die Motivation ist, aus den bereits genannten Gründen, wahrscheinlich eine andere als es in Deutschland der Fall ist...aber im Ergebnis läuft es an sich ja aufs gleiche hinaus.

Ich stelle jetzt mal die gewagte These auf, dass u.a. aufgrund der Sozialstruktur in Dtl., keiner aus Sicherheitsgründen heiraten würde...es gibt sogar viele Paare, die erst heiraten, wenn Kinder auf der Welt sind.

Auch habe ich beobachtet, dass Eltern eine größere Bedeutung in den USA haben. Bekannte Mädels in meinem Alter in den USA haben mir erzählt, dass die Eltern nur einen vermögenden Freund akzeptieren würden und nach 1-2 Jahren daten auch geheiratet werden muss...und die hören tatsächlich drauf ]:D Obwohl das erwachsene Frauen sind. Und das ist kein Einzelphänomen.

AUnna-M+arie" 198x3


Noch was

Ich habe selbst in den USA gelebt und bin auch - zumindest teilweise - beruflich mit dieser Problematik befasst. Ich kann Dir folgendes dazu sagen:

Die Beobachtung, dass sich dort viele Männer relativ früh binden und eine Familie gründen ist so zunächst

richtig. Das Problem ist, dass - wie Du selbst vermutest - vieles tatsächlich Fassade ist. Und zwar insofern als, sie irgendwann merken oder zumindest glauben zu merken, etwas verpasst zu haben. Dies holen sie dann ab mit Mitte 30 oder Anfang 40 nach. Heutzutage werden viele dieser Ehen geschieden. Früher war das Ganze verlogener und wurde verheimlicht (zumindest vor der Familie und Freunden) so gut und so lange es eben ging.

Im Übrigen teile ich die Einschätzung einiger Vorredner nicht, dass dieses Verhalten geographisch besonders unterschiedlich sein soll. Es tritt im sogenannten "Bible-Belt" also in Texas und den östlichen Südstaaten ebenso auf, wie anderswo in den USA.

Eine Ausnahme bilden vielleicht die großen Metropolen New York City, Washington D.C., San Francisco, Miami usw. sowie größere Universitätsstädte. Dort ist es aufgrund der vorherrschenden Lebensstile nicht so sehr verbreitet, ab 20 zu heiraten und Kinder zu bekommen.

"Just my 5 cents" ... wie der Amerikaner sagt ;-)

Dude71

Wie gehen den diese Männer in ihrer "Midlifecrisis" damit um? Betrügen sie ihre Frauen oder reißen sie sich am Riemen, weil sie wissen, dass sie zu viel verlieren würden und ggf. Frau und Kind ewig zahlen müssen?!

E+hemal?iger{ NutzYer (#O5686o97)


Betrügen sie ihre Frauen oder reißen sie sich am Riemen, weil sie wissen, dass sie zu viel verlieren würden und ggf. Frau und Kind ewig zahlen müssen?!

Das Unterhaltsrecht ist völlig anders als hier. Kinder haben ab 18 einen viel geringeren Anspruch auf materielle Unterstützung durch ihre Eltern. Sie lösen sehr viel mehr über frühre Kredite. Privatinsolvenzen sind schneller angemeldet und sehr viele Schulden von Privathaushalten werden in Folge dessen nie wirklich beglichen. Die rechtlichen Verhältnisse sind einfach anders und das wirkt sich aus - wie hier eben auch - aus. Betrogen wird im Durchschnitt sicher genausoviel wie hier.

Sowohl bei meinem Bruder als auch bei anderen Amerikaner habe ich beobachtet, dass sie sich bei der Partnerwahl tatsächlich viele Gedanken machen und keine Lebensabschnittsgefährtin suchen, sondern einen Partner fürs Leben. Die Motivation ist, aus den bereits genannten Gründen, wahrscheinlich eine andere als es in Deutschland der Fall ist...aber im Ergebnis läuft es an sich ja aufs gleiche hinaus.

Woran machst Du diese These fest? Daran dass amerikanische Männer ihre Partnersuche im Detail mehr thematisieren und diskutieren? Auch öffentlich?

ARrnov2015


Um mal zurück zu den Fakten zu kommen: Deutsche sind tatsächlich viel älter bei der ersten Hochzeit als US-Amerikaner. Dazu gibt es viele Statistiken. Aber wie immer Vorsicht mit den Statistiken: geht es um das Alter bei der Hochzeit, oder bei der ersten Hochzeit. Und wurde der Median oder den Durchschnitt (der dürfte wesentlich höher als der Median sein)?

Also hier die Statistiken

[[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_age_at_first_marriage]]

[[https://de.wikipedia.org/wiki/Heiratsalter]]

[[https://priceonomics.com/at-what-age-do-people-get-married-around-the-world/]]

[[http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1328/umfrage/heiratsalter-lediger-maenner/]]

[[http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1329/umfrage/heiratsalter-lediger-frauen/]]

[[http://de.statista.com/statistik/daten/studie/249290/umfrage/heiratsalter-in-der-ddr/]]

[[http://www.statista.com/statistics/371933/median-age-of-us-americans-at-their-first-wedding/]]

E|hemaliHger N=utzer (m#568697)


Zwei Personen, die sich einander verbunden und verpflichtet sehen, können ihre Defizite teilweise eigenständig kompensieren.

Ja und das passiert ja schon ständig. Nennt man Liebe. Gibts in unterschiedlichen Formen.

Beispielsweise kann sich der eine um die finanziellen Belange kümmern, während der andere erforderliche Qualifikationen erwirbt. In unserem Sozialsystem wirst du irgendwann in sinnlosen Maßnahmen geparkt, wenn du bis zu einer gewissen Altersgrenze den Startschuss verpasst hast. Sozusagen dezentrale Problemlösung vs. zentralistische Abhängigkeit. Und ich bin der Meinung, dass Populationen ein gewisses Maß an Selektionsdruck brauchen, um nicht zu degenerieren. Das wurde auch durch Experimente mit Mäusen bzw. Ratten belegt und Menschenmassen sind nicht zwangsläufig intelligenter.

Es ist spannend das Du nicht erkennen kannst, dass der Selektionsdruck sehr viel deutlicher greift?! Er hat sich nur folgerichtig in eine andere Richtung verlagert!

W alkin_gGhoxst


@ NotMichaelCaine

Ja und das passiert ja schon ständig. Nennt man Liebe. Gibts in unterschiedlichen Formen.

Richtig, denn das von mir dargestellte Problem betrifft ja auch nicht alle, sondern hauptsächlich die relativ zum Rest wachsende Unterschicht (was aber wiederum zu gesamtgesellschaftlichen Verzerrungen führt).

Es ist spannend das Du nicht erkennen kannst, dass der Selektionsdruck sehr viel deutlicher greift?! Er hat sich nur folgerichtig in eine andere Richtung verlagert!

Nein, das ist mir vollkommen bewusst. Nur dass diese Form von Selektion parasitäre Verhaltensweisen belohnt und schlussendlich zum Kollaps des Systems führt.

EAhemsaliger Nputze@r (#568697x)


Nein, das ist mir vollkommen bewusst. Nur dass diese Form von Selektion parasitäre Verhaltensweisen belohnt und schlussendlich zum Kollaps des Systems führt.

Und warum sollte sie das?

Waalk:ingGhoxst


@ NotMichaelCaine

Und warum sollte sie das?

Gegenfrage: Du hast wahrscheinlich auch gewisse Mindestanforderungen an deinen Partner, die im praktischen Bereich und weniger im Bereich "Liebe" liegen - hab ich Recht?

Elhema3liger wNutzer (#56x8697)


Du hast wahrscheinlich auch gewisse Mindestanforderungen an deinen Partner, die im praktischen Bereich und weniger im Bereich "Liebe" liegen - hab ich Recht?

Natürlich. Ich habe an alle Menschen die von sich aus zu meinem näheren Umfeld gehören wollen gewisse Mindestanforderungen. Nur ohne Liebe wirds garantiert nie eine Paarbeziehung.

Ich würde gerne einmal lesen wie Du argumentierst ohne auf der Thesen Ebene hängen zu bleiben. Du machst doch demnächst Deinen Master - da sollte das drin sein.

PAri}ya8x6


Hallo,

ich habe einen Teil meiner Kindheit in den USA verbracht und dort auch noch viele Verwandte verteilt über mehrere Staaten. Ich beobachte schon auch dass dort tendenziell einfach schneller und früher geheiratet wird (meine Cousinen und Cousins haben alle geheiratet als sie noch auf der Uni waren, allesamt zwischen 22-26) und es gesellschaftlich unter jungen Leuten nicht so "uncool" ist zu heiraten wie hier, sondern es machen alle. Hier ist man mit 26+verheiratet ja gerade unter jungen Akademikern ein echter Exot.

Meine Familienteile in den USA (und Kanada) verstehen gar nicht weshalb ich bspw seit Jahren mit meinem Freund zusammenlebe und wir nicht verheiratet sind, es würde doch "so gar keinen Sinn machen".

WEalking!Ghoxst


@ NotMichaelCaine

Natürlich. Ich habe an alle Menschen die von sich aus zu meinem näheren Umfeld gehören wollen gewisse Mindestanforderungen. Nur ohne Liebe wirds garantiert nie eine Paarbeziehung.

Das mit der Liebe ist soweit klar (sehe ich auch nicht anders). Gehen wir weiterhin davon aus, dass es sich bei den praktischen "Essentials" (u. a. Bildung, finanzielle Eigenständigkeit) und systemtragende Eigenschaften handelt. Was passiert nun, wenn man an der Stelle den Selektionsdruck herausnimmt?

Ich würde gerne einmal lesen wie Du argumentierst ohne auf der Thesen Ebene hängen zu bleiben. Du machst doch demnächst Deinen Master - da sollte das drin sein.

Wenn das andere auch tun, mache ich mir gern den Mehraufwand (auch wenn ich mich schwerpunktmäßig mit Verwaltungsrecht befasse). Arno2015 hat hier aber bisher als Einziger empirische Erfassungen angeführt (zu einem anderen Sachverhalt). Außerdem wäre es gut, wenn wir uns zunächst mal auf eine Streitfrage einigen könnten. Ich kann hier gern Statistiken über steigende Armutsquoten anführen, sehe aber die Gefahr, dass das wieder nur als Verteilungsproblem interpretiert oder ausschließlich auf andere Ursachen zurückgeführt wird.

W+alkciMn<g Ghost


*um systemtragende

Exhemalig`er NuhtzLer~ (#56869j7x)


Gehen wir weiterhin davon aus, dass es sich bei den praktischen "Essentials" (u. a. Bildung, finanzielle Eigenständigkeit) und systemtragende Eigenschaften handelt.

Nein - davon gehen wir eben nicht aus?! Weil das viel zu kurz gegriffen ist?! Werte sind genauso systemtragende Eigenschaften falls Du das noch nicht wusstest?! Sie liegen jeder staatlichen Ordnung zu Grunde und dienen der Politik zur Grundlage der rechtlichen Ausgestaltung?!

Und ja - durch die Verknappung der freiwilligen sozialen Leistungen muss die Ausgestaltung geändertwerden, wenn die Werte diesselben bleiben. Verknappung der freiwilligen sozialen Leistungen ist, aber doch nur eine direkte Folge von deren gesellschaftlicher Abwertung gegenüber dem Produktionsprozess?

Ein abgewertetes Gut wird zwangsläufig weniger angeboten. Simple Marktlogik. Wenn man dann feststellt, das man doch benötigt muss "man" es selbst anbieten. Hier. In den USA. In der gesamten westlichen Welt passiert das gerade. Das ist aber doch nur die logische Folge aus der Geschichte?

W/alking(Ghosxt


@ NotMichaelCaine

Nein - davon gehen wir eben nicht aus?! Weil das viel zu kurz gegriffen ist?! Werte sind genauso systemtragende Eigenschaften falls Du das noch nicht wusstest?! Sie liegen jeder staatlichen Ordnung zu Grunde und dienen der Politik zur Grundlage der rechtlichen Ausgestaltung?!

Völlig richtig, aber Werte wie Solidarität muss man zunächst mal zu schätzen wissen, um sie auf der Ebene der politischen Willensbildung auch als solche zu bewahren - und zwar nachhaltig. Wie viele Hilfebedürftige denken sich denn, wenn sie am Monatsersten das Geld abheben: "Ok, dafür hat jetzt aber jemand anderes gearbeitet." Geld in der heutigen Form hat keinen intrinsischen Wert, sondern ist nur ein Wertbemessungsmittel.

Wenn Hilfe aber nicht nur dann in Anspruch genommen wird, wenn sie unabdingbar ist, und mit dem Ziel, irgendwann aus der Hilfebedürftigkeit herauszukommen und selbst anderen zu helfen, ist das nicht der Wert "Solidarität", sondern der Wert "Solidarität ist eine Einbahnstraße". Funktioniert langfristig nicht.

Und ja - durch die Verknappung der freiwilligen sozialen Leistungen muss die Ausgestaltung geändertwerden, wenn die Werte diesselben bleiben. Verknappung der freiwilligen sozialen Leistungen ist, aber doch nur eine direkte Folge von deren gesellschaftlicher Abwertung gegenüber dem Produktionsprozess?

Ein abgewertetes Gut wird zwangsläufig weniger angeboten. Simple Marktlogik. Wenn man dann feststellt, das man doch benötigt muss "man" es selbst anbieten. Hier. In den USA. In der gesamten westlichen Welt passiert das gerade. Das ist aber doch nur die logische Folge aus der Geschichte?

Da wären wir wieder beim Thema Resilienz: Wie verkraftet man externe Störungen (hier Abwertung der eigenen Arbeitsleistung)? In dem Fall durch Flexibilität (Umschulung). Angeblich gibt es ja einen Fachkräftemangel, also wo liegt das Problem? Fördern sollte man eher die Angleichung von Bewerber- und Stellenprofilen, nicht aber Personen ohne Flexibilität und Leistungsbereitschaft (weil man dadurch nur negative Anreize setzt).

Auch der Staat kann letztendlich nur regulieren und mittelbar Arbeitskräfte beauftragen. Wen beauftragst du, wenn du mit Fehlanreizen die Unfähigen vermehrt und den Rest reduziert hast?

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