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Organspendeausweis Partner - aufgewühlt

Mkarie?27 hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben,

vielleicht denken nun einige, was das für ein läppisches Thema ist aber ich denk schon den ganzen Tag drüber nach. Mir ist auch kein aussagekräftiger Betreff eingefallen, sorry.

Mein Freund hat einen Organspendeausweis, von dem ich nichts wusste. Den hat er seit Sommer 2015, da waren wir schon ein paar Jahre zusammen.

Bin ziemlich aufgewühlt, das Thema lässt mich nicht los, dabei weiss ich nicht mal genau, warum :-|

- Weil er sowas hat / schon eine feste Entscheidung zu dem Thema fällen konnte, während mir das schwer fällt?

- Weil er mich bei seinen Gedanken zu so einem wichtigen Thema nicht eingeschlossen / es mir nicht gesagt hat?

- Oder weil ich grundsätzlich somit "erinnert" wurde, dass immer was passieren kann und ich mich mit dem Thema mehr als ungern beschäftige?

Ich konnte ihn noch nicht drauf ansprechen, er ist auf Geschäftsreise. Habe mich sicher bald wieder beruhigt aber dennoch: wie würdet ihr reagieren?

LG Marie

Antworten
MvirDsanmxir


Ihn loben, weil er so umsichtig ist :)^

M%azFik>e'exn


Hä? Wieso bist du aufgewühlt weil er einen Spendeausweis hat?

Steht denn im Ausweis vermerkt, wer im "Fall der Fälle" das zu entscheiden hat oder wie?

Die Entscheidung hat er für sich getroffen und es ist eine gute - auch ich habe einen Ausweis. Mit Ausnahme meiner Augen, darf alles verwendet werden. Wieso Augen?

Naja, sollte ich das zeitliche segnen und meine Augen werden transplantiert besteht die Möglichkeit, dass meine Lieben in ein fremdes Gesicht blicken und meine Augen entdecken - klingt vielleicht doof aber naja.

Du schreibst, du hast dich damit nicht auseinander gesetzt. Wieso nicht? Eventuell hilft es dir, dich im Netz etwas zu belesen und dir eine Pro & Contra Liste zu erstellen. Eventuell helfen dir auch Berichte, indem ein Leben gerettet werden konnte.

Mein Argument für mich ist/war: Was soll ich mit meinen Organen, wenn ich die Augen nie wieder aufmachen werde? Aber drei Zimmer weiter ein junges Mädel (oder sonst wer) mit meiner Lunge noch 99 Jahre alt wird.

mLaripWosa


Gar nicht reagieren, denn für ihn ist das offenbar eine sehr private Angelegenheit, die er nicht mit Dir besprechen wollte - warum auch?

Wie bist Du eigentlich an seinen Spenderausweis gekommen?

MVari@e27


- Oder weil ich grundsätzlich somit "erinnert" wurde, dass immer was passieren kann und ich mich mit dem Thema mehr als ungern beschäftige?

Damit meinte ich, dass ich mich ungern mit dem Tod geliebter Menschen auseinandersetze und das für mich irgendwie ein Tabuthema ist.

SEapieFnxt


- Weil er sowas hat / schon eine feste Entscheidung zu dem Thema fällen konnte, während mir das schwer fällt?

ist das ein Grund, deswegen aufgewühlt zu sein? :-/ weil er sich entscheiden kann und Du dich nicht? Kann ich mir nicht vorstellen.

- Weil er mich bei seinen Gedanken zu so einem wichtigen Thema nicht eingeschlossen / es mir nicht gesagt hat?

sein Körper, seine Entscheidung. Vermutlich hält er das für eine Lappalie, was es ja auch ist. Es ist lediglich ein Ausweis der aussagt, was nach dem Tod mit seinen Organen passieren darf. Und das entscheidet jeder für sich selbst.

- Oder weil ich grundsätzlich somit "erinnert" wurde, dass immer was passieren kann und ich mich mit dem Thema mehr als ungern beschäftige?

das ist der einzige Ansatz, den ich evtl noch nachvollziehen kann.

Msazike~eWn


Tabuthema? Was machst du denn, wenn z.B. deine Eltern auf Grund ihres Alters nicht mehr sind?

Irgendwann muss man sich zwangsläufig damit auseinander setzen - niemand verliert gerne geliebte Menschen und das wünsche ich auch niemandem. Aber komplett die Augen davor zu verschließen ist nicht gut.

Cwom3ran


Weil er sowas hat / schon eine feste Entscheidung zu dem Thema fällen konnte, während mir das schwer fällt?

Fühlst du dich damit unter Zugzwang gesetzt, weil er sich so entschieden hat?

Weil er mich bei seinen Gedanken zu so einem wichtigen Thema nicht eingeschlossen / es mir nicht gesagt hat?

Das ist auch der Grund, warum ich noch damit hadere. Meine Frau hat schon einen gemacht (mich auch nicht gefragt). Ich stelle mir halt vor, dass es ohnehin schon schwer genug sein wird, wenn sie mich zuerst verlieren sollte. Und dann zögert sich dadurch ja noch der Abschied hinaus. Wegen der Entnahme selbst, dass ich nicht mehr "vollständig" bin, habe ich kein Problem. Eher wegen dem Prozedere in schlimmen Zeiten, dass sich zuerst andere bei mir "bedienen".

Eigentlich will ich es aber.

wie würdet ihr reagieren?

Ich würde ihn fragen, warum er nichts davon gesagt hat. Es ist ja schließlich eine wichtige Information für die Hinterbliebenen.

a=.fi]sh


Ich denke, wenn man sich ungern mit dem Thema Tod und Sterben beschäftigt, kann so eine Info einen schon kalt erwischen. Ich selber habe nicht so die Berührungsängste, wenn es um meinen eigenen Tod geht, und fand auch die Entscheidung meines Partners, sich einen solchen Ausweis ausstellen zu lassen, sehr schön. Mich erschreckt das irgendwie nicht so, ich reagiere da eher empfindlich und (über)besorgt, wenn er mal wirklich krank wird.

Er hat mir das auch nicht speziell mitgeteilt. Er hatte früher keinen Ausweis, weil er eher so wie Du tickt, könnte ich mir vorstellen. Ihm war das Thema schon immer unangenehm und als er sich irgendwann dazu durchgerungen hatte, wollte er das lieber nicht weiter thematisieren. Ich lass ihn da machen, das ist eine persönliche Entscheidung - auch wenn er natürlich wusste und weiß, dass ich Organspende für eine wichtige Sache halte (und ein bisschen stolz auf ihn bin, dass er es nun trotzdem gemacht hat).

Ich finde auch eigentlich nicht, dass das ein läppisches Thema ist, es berührt ja große Tabuthemen - Tod, Sterben, aber auch die Unsicherheit darüber, wie man den Tod definieren soll, wann man loslassen muss, etc. Da kann man schon mal länger drüber nachdenken und dass man sich davon unangenehm berührt fühlt, finde ich verständlich.

B#irFkenzLwe%ig


du kannst ihn nich ansprechen, bevor du nich weißt, was genau dich stört.

ich finde es super, daß er weiterdenkt.

klar wäre es schön gewesen, dich mit einzubeziehen. vor allem weil, wenn wirklich was is, du sagen kannst: er hat n organspendeausweis.

und mit dem tod solltest du dich auseinandersetzen und nich verdrängen. der gehört zum leben dazu, auch wenn der gedanke daran unangenehm is

HFone/y91_mIit_LMinix13


Ist doch gut dass er einen hat!

Sollte jeder haben.

a7.dfixsh


du kannst ihn nich ansprechen, bevor du nich weißt, was genau dich stört.

Warum denn nicht? Man kann doch zusammen überlegen.

M.arTie2x7


Danke für Eure Antworten..

@ Mariposa

Gar nicht reagieren, denn für ihn ist das offenbar eine sehr private Angelegenheit, die er nicht mit Dir besprechen wollte - warum auch?

Warum nicht doch?

Wie bist Du eigentlich an seinen Spenderausweis gekommen?

Lag mit diversen Karten ausm Geldbeutel aufm Schreibtisch

@ Mazikeen

Tabuthema? Was machst du denn, wenn z.B. deine Eltern auf Grund ihres Alters nicht mehr sind?

Wenn ich nur daran denke, fange ich an zu heulen und schiebe das alles beiseite. Weiss nicht, warum ich da so extrem reagiere.

@ Comran

Fühlst du dich damit unter Zugzwang gesetzt, weil er sich so entschieden hat?

Nein, eigentlich nicht.

Das ist auch der Grund, warum ich noch damit hadere. Meine Frau hat schon einen gemacht (mich auch nicht gefragt). Ich stelle mir halt vor, dass es ohnehin schon schwer genug sein wird, wenn sie mich zuerst verlieren sollte. Und dann zögert sich dadurch ja noch der Abschied hinaus. Wegen der Entnahme selbst, dass ich nicht mehr "vollständig" bin, habe ich kein Problem. Eher wegen dem Prozedere in schlimmen Zeiten, dass sich zuerst andere bei mir "bedienen".

Eigentlich will ich es aber.

Hast Du mit Deiner Frau gesprochen, warum sie es Dir nicht sagte? War das ein Problem für Dich?

Deine Gedanken sind ein neuer Anstaz für mich - dass ich das Leid für die anderen mit dem Prozedere verlängern würde, kam mir noch nicht in den Sinn.

Ich habe kein Problem damit, wenn meine Organe weiter verwendet würden - glaube ich. Die Vorstellung aber, dass jemand meinen Partner (oder andere ganz arg geliebte Menschen) aufmachen und "unvollständig" machen würde, macht mich direkt fertig. Beschert mir gerade einen Heulkrampf Dabei finde ich die Entscheidung grundsätzlich unterstützenswert und sinnvoll. Nur bei meinen Liebsten kann ich das wohl nicht rational bewerten.

Ich würde ihn fragen, warum er nichts davon gesagt hat. Es ist ja schließlich eine wichtige Information für die Hinterbliebenen.

Das habe ich vor. Ich glaube dass das mit reinspielt - es ist eine wichtige Information für Hinterbliebene und genau das wäre ich neben den anderen ja auch. Kann grad nicht so genau sagen was das auslöst, dass er es mir nicht sagte. Enttäuschung?

@ a.fish

Lieben Dank für Deinen Beitrag und das Verständnis. Kalt erwischt trifft es wohl ganz gut. :)_

@ Sapient

Ich persönlich empfinde es nicht als Lappalie. Sein Körper, seine Entscheidung? Ja, da bin ich bei Dir. Aber so einfach ist es nicht, zumindest für mich, wenn ich mal betrachte, was das ausgelöst hat.

CNomraen


Hast Du mit Deiner Frau gesprochen, warum sie es Dir nicht sagte? War das ein Problem für Dich?

Sie hat es mir ja gesagt. Sie hat mich nur nicht vorher gefragt ;-) .

Es ist ihr Körper und wir sind keine Menschen, die Grabkult pflegen möchten. Wir lassen uns ohnehin verbrennen und möchten beim Überlebenden möglichst zuhause bleiben (als Asche). Da ist es nicht schlimm, wenn paar Teile fehlen.

Das erste, was ich empfand, war ein Gefühl von Kontrollverlust. Ich kann nach dem Ende nicht unmittelbar über die sterblichen Überreste bestimmen. Aber ich respektiere ihren Wunsch. Und irgendwie ist die Vorstellung, dass nach einem Tod ein Teil von ihr in einem anderen Körper weiterleben darf, auch schön.

Wenn ich nur daran denke, fange ich an zu heulen und schiebe das alles beiseite. Weiss nicht, warum ich da so extrem reagiere.

Wir waren durch den frühen Tod des Schwiegervaters und durch die lange Krankheit mit Todesfolge meiner Mutter gezwungen, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich bin in dieser Zeit gedanklich sehr tief in diese Tabuzone hineingegangen. Wir haben Patientenverfügungen gemacht und meine Frau weiß, dass dabei ein verschlossener Brief liegt, wenn ich plötzlich nicht mehr da wäre. Es war einer der schwersten Wege, die ich je gewählt habe, aber ich bin heute sehr froh, dass ich so viel gemacht habe. In diesem Brief stehen all die Dinge, die ich ihr sagen möchte, wenn sie mich verliert. Und das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, dass ich all das in jedem Fall noch loswerden kann. Man weiß ja nie, wann und wie es passiert.

Meine Frau hat auch mal mit Tränen geschluckt, als ich ihr den Brief erklärte. Einfach weil man sich knallhart damit konfrontiert, dass es keine Sicherheit und keine Ewigkeit gibt.

hDavwen't_]waitxed


Ich kann dich auch gut verstehen. Das Thema ist irgendwie "intim", und ich z. B. kann mir nicht vorstellen, solche Themen nicht mit meinem Partner und engsten Vertrauten zu besprechen, ähnlich wie Testament und Vorsorgevollmacht.

Kommt drauf an, wie du davon Kenntnis bekommen hast (hab ich vielleicht überlesen, wie?), ob du ihn ohne weiteres drauf ansprechen könntest. Ich würde es aber möglichst tun.

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