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Abschluss mit Familie?

Alias 729887 hat die Diskussion gestartet


Ich entschuldige mich jetzt schonmal, falls der Beiträg ggf. etwas länger wird oder auch ein wenig wirr, ich bin gerade überhaupt nicht geordnet im Kopf.

Es geht um meine Familie. Speziell auch um meinen Vater:

Ich dachte eigentlich immer, ich hatte eine schöne Kindheit, teilweise auch weil man mir das immer eingeredet hat (regelmäßige Phrase meiner Mutter: "ich bin eine gute Mutter!"). Mittlerweile habe ich bemerkt, dass ich wahnsinnig viel verdrängt habe. Und es kommt immer wieder hoch. Das ganze war auch ein Thema in einer Therapie, die ich vor zwei Jahren begonnen hatte, allerdings nicht das Hauptthema. Zur aktuellen Situation: Ich wohne seit etwa 5 Jahren nichtmehr dort. Ich wohne mit meiner (mittlerweile) Frau zusammen und führe ein ansich sehr schönes Leben, es fehlt uns an nichts. Ich habe aber aktuell wieder eine Phase, an der ich zu knabbern habe. Ich weiß auch noch nicht ganz, wohin dieser Faden führen wird. Vielleicht brauch ich einfach gerade jemanden, der sich das ganze mal anhört, vielleicht brauche ich einen Arschtritt, vielleicht einfach ein paar gut gemeinte Ratschläge oder Beiträge von Menschen in einer ähnlichen Situation.

Seit ich kleinauf war ging es immer um Erfolg. Immer. Das habe ich als Kind nicht wirklich so extrem wahrgenommen wie jetzt. Verlieren war nicht drin, man musste besser sein als andere Kinder und als Vorzeigemodell dienen. Realschule? Niemals! Gymnasium, das muss mindestens sein, die Kinder meiner Tante sind ja schon auf der Realschule. Ausbildung? Nix gibts, es wird studiert. Ich habe das leider viel zu lange mit mir machen lassen. Das ganze ging so weit, dass wenn ich mit meinem Bruder was spielen wollte (meist Mariokart auf dem Super Nintendo), dass er nur mit mir spielt, wenn er erster werden darf, ich darf nicht vor ihm ins Ziel. Das war mit damals egal, ich wollte halt zocken. Meine etwas weitere Familie (Großtante z.B.) hat nur meinem Bruder aufmerksamkeit geschenkt, weil er der Ehrgeizige war. Mir schien alles in den Schoß zu fallen, ich musste wenig lernen, etc und war trotzdem begabt. Das ich viel dafür getan habe, das hat keiner gesehen. Mein Studium als Softwaretechniker fiel mir leicht, jeder hat nur gesehen das es mir leicht fiel. Das ich mit 13 Jahren schon angefangen habe zu "lernen", dass war unbeachtet. Wir sind eine Handwerkliche Familie. Nur das Ingenieurwesen zählt, was mein Bruder natürlich ausübt. Ich bin der "PC Kerl", der dann gut genug ist, wenn mal wieder ein Rechner kaputt ist oder ein WLAN Router eingerichtet werden muss.

Meine Mutter war dominant, mein Vater hat daheim bis heute nichts zu sagen. Ich habe sehr unter meiner Mutter und meinem Bruder gelitten, selbst mein Bruder hatte einen höheren Stellenwert als mein Vater. Da mein Bruder diese Dominanz auch ausgeübt hat, stand ich im Prinzip immer unter ihm. Das hat mich nicht gestört, da wir wenig miteinander zu tun hatten. Anfangs. Ich habe mich eigentlich daher immer mit meinem Vater beschäftigt, wir haben gemeinsame Hobbies, etc. Vor und nach meinem Auszug daheim haben wir uns immer zu Dorffesten oder Kaffees getroffen, mal bei ihm, mal bei mir, mal einfach irgendwo. Ich habe das massiv genossen, da mein Vater und ich auf einer Wellenlänge sind.

Nun ging es in der Kindheit weiter. Mein Bruder und ich haben uns, als er etwa 19 und ich 17 war, eine Wohnung im gleichen Haus geteilt. Er war dort massiv dominant und ein zusammenleben war schlicht und ergreiffend nicht möglich. Es galten seine Nachtzeiten, gemeinsame Räume wurden eingerichtet wie er will, etc. Wir hatten streit wegen diversen sachen. Eigentlich nurnoch Streit. Es find schon bei seiner Klohygiene an. Er pinkelt im stehen und hinterlässt im Klo eine schweinerei, dass es mir vor freunden schlichtweg nurnoch peinlich war. Wenn es eskaliert ist, ging er zu Muttern und hat in allem recht bekommen. Ich hatte keine Rechte.

Ich habe immer mal wieder eine Freundin gehabt, mein Bruder nicht. Daher war mir mütterlicherseits Freundin vergönnt. Es wurde richtig propaganda betrieben. Vornerum war meine Mutter die zuvorkommende Frau, auch meinen Freundinnen gegenüber. Hintenrum, teilweise habe ich das erst jahre später erfahren, hat sie stimmung gegen diese gemacht. Keine war ihr recht. Teilweise hat sie es mir gegenüber auch gesagt. Z.B. phrasen wie: "Die macht ja nur ne Ausbildung, die bringt dich bestimmt dazu das studium aufzugeben, weil sie vor dir geld verdient". Das gleiche bei meinem Freundeskreis: "Die verdinen alle schon Geld, lass sie lieber saussen, du wirst nur neidisch und studierst nicht und endest genauso". Etc. Ich wusste garnichtmehr was ich machen soll. Mein Vater hat sich, vermutlich aus Angst vor Konflikten, rausgehalten.

Wenn es probleme mit meiner Mutter gab in Form von konflikten, hat sie alles hingedreht, das sie keine Schuld trifft, sondern die andere Seite. ICh war immer der, der sich entschuldigen musste. Das kann sie gut, das macht sie bei allen so!

Meine Familie streitet sich nur. Es wird immerwieder ein Opfer rausgepickt und gestritten. Nicht in kleinem Maßstab. Mit meinem Onkel spricht wegen meiner Mutter niemand mehr, so hat sie stimmung gegen ihn gemacht. Meiner Tante geht es ähnlich. Ich bin der einzige, der sich sein eigenes Bild macht und mir der prämisse "die person hat mir nix getan, warum soll ich streiten" rangeht und mich trotzdem mit diesen Unterhalte oder mal auf einen Kaffee treffe. Das stößt sauer auf, denn "eine familie muss bei sowas zusammenhalten".

Ausgezogen bin ich, weil ich es in dieser Situation nichtmehr ausgehalten habe. Ich bin damals dann mit meiner jetzigen Frau zusammengezogen. Auch das stieß sauer auf und wurde torpediert, wie es nur geht (z.B. mit Streichung aller Geldmittel, inkl. Kindergeld. Damals war ich glaube ich 21 und studierte). Meine Freundin hat aber für uns beide gesorgt und ich hatte einen Nebenjob, neben dem Studium.

Nungut, als ich dann geheiratet habe, hat meine Mutter mit allen mitteln veruscht, meine Hochzeit zu torpedieren und mich auchnoch dafür verantwortlich zu machen. Das Ergebniss: Keiner meiner Familie war da. Niemand. Nichtmal mein Vater, vermutlich aus angst vor Muttern. Seither spricht sie nichtmehr mit mir, was mir, um ehrlich zu sein ganz recht ist. mit ihr habe ich auch für mich schon mehr oder weniger abgeschlossen, sieht man von den seiteneffekten ab.

Nun zu dem, was mich aktuell aufwühlt: Natürlich kommen die ganzen Sachen gerade hoch, ich realisiere sehr viel, was früher gelaufen ist, das ich schlicht vergessen oder verdrängt habe. Z.B. hatte meine Mutter eine alkoholische Phase (ob sie ein alki ist/war, weiß ich nicht, sie hat aber über ein jahr hin jeden tag gebechert und wurde Streitlustig). Was noch dazu kommt: Ich vermute, meine Mutter erlaubt meinem Vater nichtmehr, sich mit mir zu treffen. Wenn wir uns treffen, dann weil er "zufällig" in der Nähe meiner Arbeit ist und sich dann bei mir meldet. Für mich kommt das rüber, als würde er sich heimlich mit mir treffen. Darüber sprechen will und tut er nicht, ich habe schon das offene Gespräch mit ihm gesucht. Ich sehe meinen Vater noch ca 2 mal im Jahr. Jetzt heute wollte er sich wieder treffen, ich habe ihm aber gesagt, ich habe Urlaub und er kann mich gerne daheim Besuchen (ich muss daheimbleiben, warte auf die Lieferung einer Spedition). Er sagt, das kann er nicht machen. Mir tut das ganze einfach weh, ich würde gerade am liebsten Heulen. Meine Wohnung ist ca 5 Fahrminuten von ihm entfernt, er kann mich im 30km entfernten arbeitsort besuchen, aber daheim nicht? Ich finde das ganze nur unfair, da ich wie gesagt meine Mutter dahinter vermute. Warum kann er nicht einmal in der Sache rückgrad zeigen? Ihm tut das ganze genauso weh, das merkt man, er würde gerne, da er weder mit meiner Mutter noch mit meinem Bruder klarkommt und unter diesen leidet und ich so ziemlich der einzige bin, mit dem er sich einfach mal über Gott und die Welt unterhalten kann. Die Sache ist: Ich kann nichtmehr. Jedesmal wenn ich nach einem Kaffee frage und er ablehnt ist es für mich wie ein Stich ins Herz. Wäre es nicht um ihn, hätte ich mit meiner Familie schon lange überhaupt nichtsmehr am Hut. Ich stehe gerade vor dem Inneren Konflikt, ob ich ihn als Kollateralschaden abtue und komplett mit der Sache familie abschließe. Ich habe mich damit abgefunden, dass meine Familie wegen meiner narzisstischen Mutter beschissen ist. Ich weiß gerade nicht, was ich machen soll. es fühlt sich an als würde ich meinen Vater alleine lassen. Er versucht seit heute morgen mich anzurufen und schreibt mails. Aber ich habe bisher nicht geantwortet und überlege, ob ich überhaupt noch antworten soll oder einfach die mails ungelesen in den Papierkorb werfe (für meine Mutter habe ich schon lange eine Telefonsperre und einen Mailfilter, die mails landen direkt im nirvana). Ich weiß es eifnach nicht. Er tut mir leid, aber ich muss auch selbst damit klarkommen und für mich ist es eigentlich nur machbar, wenn er rückgrad beweisst, meine mutter meine mutter sein lässt und sich trotzdem mit mir offen trifft oder wenn ich mich komplett abnable. Der beste Fall für alle wäre natürlich ,dass er sich endlich scheiden lässt, das thema war auch schon ein paar mal auf dem tisch (als drohung meiner Mutter gegenüber ihm), aber er traut es sich nicht. Glücklich ist er in der Ehe nicht und das ist einfach unfair, weil er ein so wundervoller Mensch ist. Ich weiß nicht weiter.

Sorry, ich merke selbst der Text ist verwirrend, ich kann aber gerade einfach nicht alles so verpacken, wie es sich wirklich anfühlt. Ich will gerade einfach nur heulen und gleichzeitig alles kurz und klein schlagen. Danke an die, die es gelesen haben.

Antworten
Dnies SDeheOrixn


die frage ist doch, fühlst du dich für deine eigene ausgeglichenheit verantwortlich, oder für das wohlergehen deines vaters - beides zusammen wirst du wohl (im moment noch) nicht hinbekommen!

insgesamt habe ich den eindruck, dass du im ersten schritt einmal sortieren solltest, welche beziehungsgeflechte aus deiner erzählung da überhaupt genauer anzuschauen sind - welche eine chance hätten, welche du so hinnehmen musst...

J+enrnsxch


Oja ich habe auch so ne Familie, der es wichtig ist,was man von Beruf ist usw. Total oberflächlich...... Ich frag mich immer wieso ich so anders geworden bin? Mir ist Familie total wichtig aber mit meiner Familie kann man einfach keine Familienfeste feiern. Das endet immer in Katastrophen. Trotzdem geb ich nicht auf und lade sie immer wieder ein.

Das mit deinem Vater würde ich so regeln, dass du ihm sagst, entweder er steht zu dir und kommt dich auch Zuhause besuchen oder er soll es sein lassen. So wie es jetzt ist, willst du es nicht mehr.

Und deine Kindheit...... Versuch einfach ein haken hinter zu machen.ist nicht einfach, ich weiß! Lass die Schatten der Vergangenheit nicht deine Zukunft versauen. Du hast mit deiner Frau ja jetzt die Chance alles besser zu machen und dir eine Familie nach deinen Vorstellungen zu schaffen. Vielleicht ist dein Vater,wenn du und er es denn möchten, mal ein Teil davon.

Alias 729887


die frage ist doch, fühlst du dich für deine eigene ausgeglichenheit verantwortlich, oder für das wohlergehen deines vaters - beides zusammen wirst du wohl (im moment noch) nicht hinbekommen!

Ja, sowas hab ich mir schon fast gedacht und entspricht auch meinen Empfindungen. Generell habe ich mittlerweile (auch dank Therapie) die einstellung, dass ich erstmal nach meinem Wohl an erster Stelle schauen sollte. Ich finde die situation für mich dennoch ernüchternd, weil es keinen "optimal" Weg gibt. Entweder ich schade mir oder meinem Vater. Beide haben es imho nicht verdient...

Und deine Kindheit...... Versuch einfach ein haken hinter zu machen.ist nicht einfach, ich weiß!

Versuche ich. Schon lange. Es wird. Langsam, aber es wird.

Ich frag mich immer wieso ich so anders geworden bin?

Geht mir genauso. Manchmal (so arrogant es klingt) bin ich der einzige mit gesundem Menschenverstand in dem Clan.

Das mit deinem Vater würde ich so regeln, dass du ihm sagst, entweder er steht zu dir und kommt dich auch Zuhause besuchen oder er soll es sein lassen. So wie es jetzt ist, willst du es nicht mehr.

Sollte ich, das ist richtig. Das problem ist, dass ich die Antwort darauf kenne. Er wird sich nichtmehr melden. Es sind auch gewisse hemmungen meinerseits dabei. Ich hab es durch die Blume schon gesagt, aber er (will?) es glaube ich nicht verstehen.

Mir ist Familie total wichtig aber mit meiner Familie kann man einfach keine Familienfeste feiern. Das endet immer in Katastrophen. Trotzdem geb ich nicht auf und lade sie immer wieder ein.

Ich frage mich nur immer, warum man sich an so einem Tag nicht einfach zusammenreissen kann. Niemand zwingt irgendwen mit irgendwem mehr als höflichkeiten auszutauschen. Selbst die geschiedene und zerstrittene Familie meiner Frau hat es geschafft einfach mal alles zur Seite zu räumen an unserer Hochzeit. Warum können das andere nicht?

S-olamixe


Die Sache ist: Ich kann nichtmehr. Jedesmal wenn ich nach einem Kaffee frage und er ablehnt ist es für mich wie ein Stich ins Herz. Wäre es nicht um ihn, hätte ich mit meiner Familie schon lange überhaupt nichtsmehr am Hut.

Hast Du ihm das schon einmal gesagt? das solltest Du umbedingt, gerade bevor Du ernsthaft überlegst mit ihm auch abzuschließen.

A.ntigHonxe


DU lebst JETZT und zwar mit deiner Frau zuammen - und DAS alleine zählt.

Wenn dein Vater nicht genug Mumm hat, sich mit dir zu treffen, ist das schade, aber SEIN Problem.

Du kannst weder deine Mutter oder deinen Vater ändern, noch die Vergangenheit.

Sieh nach vorn - es ist DEIN Leben, welches du noch vor dir hast. @:)

TBhe4BlachkWixdow


Das deine Familie nicht zur Hochzeit kam, ist eine Unverschämtheit. Ich würde mir für solche Menschen kein Bein ausreißen und Mutter und Bruder abhaken. Klar, dein Vater wird nie zu dir stehen können und wenn dir die Treffen nicht weh tun, könntest du sie ihm zuliebe fortführen. Helfen kannst du ihm nicht, denn es ist seine Entscheidung, mit diesem Biest von Frau eine scheinheilige Ehe fortzusetzen.

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