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Erfüllende Vater-/Mutterrolle- vers. Ansichten eines Elternpaars

S omNmerki?nd003 hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Foris,

mein Mann und ich haben eine wunderbare 1,5 Jahre alte Tochter. Ich bin noch 7 Monate in Elternzeit, mein Mann geht Vollzeit arbeiten.

Ich bin wirklich sehr gerne Mama, aber als meine Tochter ein Jahr alt wurde, habe ich gemerkt, dass ich zum Ausgleich regelmäßig "etwas anderes" brauche - Zeit mit Freundinnen, Zeit für mich, Zeit ohne Verantwortung für einen kleinen Menschen.

Natürlich verbring ich auch gerne Zeit zusammen als Familie. Es ist nicht so, dass ich sofort die Flucht ergreife, sobald mein Mann Urlaub hat und zu Hause ist.

Nur alle 3 bis 6 Monate brauch ich einfach mal eine Auszeit. Das war für ihn bisher okay.

Vor ein paar Wochen war ich nun mit meiner Tochter und meiner Mutter verreist. Mein Mann war allein zu Hause und ihm ist fast die Decke auf den Kopf gefallen. Er war das erste Mal seit 1,5 Jahren für mehrere Tage allein zu Haus.

Seitdem darf ich mir Sprüche anhören wie "Wie du das nur aushälst, ein paar Tage ohne uns zu sein", "Wie man sich das nur absichtlich wünschen kann, allein zu sein".

Ich weiß, dass er eine ganz andere Grundsituation hat wie ich (er ist Mo bis Fr auf Arbeit ohne uns) aber dennoch kommt mein schlechtes Gewissen hoch.

Ist es nicht legitim als liebenden Mutter ein paarmal im Jahr ein paar Tage für sich zu haben? Morgens zu entscheiden, wann man aufstehen möchte? Den Tag ohne Rücksicht auf Essens- und Schlafenszeiten zu gestalten?

Mich würde interessieren, ob auch andere Mütter dieses Bedürfnis haben und welche Regelungen dafür mit dem Partner getroffen wurden.

Vielen Dank für Eure Sichtweisen, Meinungen und Erfahrungen

Antworten
M~ilvchmanxn76


Das Grundproblem kennen glaub ich viele Paare: Unterschiedliche Situationen der Partner in die man sich schlecht einfühlen kann (weil man sie kaum kennt) und Unzufriedenheit mit der eigenen Situation. Ich glaub es ist sehr weit verbreitet in der klassischen Baby- bzw. Kleinkind-Konstellation (Frau daheim, Mann arbeitet) dass der Mann der Frau z.B. die Freizeit neidet, die Frau dem Mann die Zeit außer Haus und die sozialen Kontakte, der Mann der Frau die Zeit mit dem Kind, die Frau dem Mann die Zeit ohne Kind, ...

Sprecht darüber was eure Rollen euch geben, was euch fehlt, was eure Bedürfnisse sind. Und lasst euch auf keinen Wettstreit ein, wer wobei ärmer ist und es wobei besser hat. Ich vermute ihr gebt beide euer Bestes eure Rollen auszufüllen und habt beide ein Interesse dass es eurem Partner und euch selbst gut geht.

DHie S=eherin


zwischenfrage: fasst du dieses "Wie du das nur aushälst, ein paar Tage ohne uns zu sein" als kritik an deiner sehnsucht nach auszeit auf? hast du das gefühl dich rechtfertigen zu müssen?

sbenIsi?beSlmaxn


Den Tag ohne Rücksicht auf Essens- und Schlafenszeiten zu gestalten?

Was ist so schlimm an Essens- und Schlafenszeiten? Wechselst du dich nicht mal gelegentlich mit deinem Mann ab (so dass du mal richtig ausruhen kannst)- insbesondere an Wochenenden. Auf Arbeit ist man im Übrigen auch in der Regel nicht besonders frei, was die Zeiteinteilung betrifft. Auch da ist man eingespannt.

"Wie man sich das nur absichtlich wünschen kann, allein zu sein".

Das verstehe ich auch nicht (meine Frau sieht das sehr ähnlich)- wir würden nicht freiwillig alleine über mehrere Tage irgendwohin reisen. Das ist aber offenbar von Mensch zu Mensch anders- hängt aber meines Erachtens auch sehr stark von der Gestaltung des Lebensalltags ab. Wenn der Lebensalltag einer Mutter überwiegend nur aus Füttern und Betreuung besteht, kann das schnell zu übler anstrengender (und langweiliger) Gleichförmigkeit führen, aus der sie dann ausbrechen will.

Ansonsten lockert sich die Situation relativ schnell, wenn das Kind älter und selbständiger wird.

Ich halte es für viel zu selten, sich alle paar Monate entspannen zu können- Kinderbetreuung sollten Aufgabe beider Eltern sein, auch wenn ein Elternteil infolge von Elternzeit stärker beteiligt ist. Warum wechselt ihr euch mit der Elternzeit nicht ab?

APndwrejkxa


Also ich verstehe das vollkommen. Geht mir genauso. Manchmal fühlt man sich in einem Hamsterrad gefangen, über all "muss", " soll" man etwas tun. Nimm Dir Deine Auszeit, verstehe aber auch, dass Dein Mann diese nicht braucht, er hat sie die ganze Woche. Ein schlechtes Gewissen musst Du sicher nicht haben.

LholaXS5


Mein erster Gedanke beim Lesen: Kann es sein, dass er ganz schön manipulativ ist? ":/

Da ist er einmal für ein paar Tage voll in der Verantwortung für eure Tochter und schon bekommt er die Krise und versucht dich per emotionaler Manipulation (Subtext: "Eine gute Mutter hätte nicht das Bedürfnis auch mal allein zu sein".) dazu zu bringen, dir das ja nicht zur Gewohnheit zu machen und ihn in seiner Rolle als Vater verstärkt zu fordern. Ich würde da an deiner Stelle eher zu Ärger tendieren, nicht zu schlechtem Gewissen.

SzhoyjRo


Da ist er einmal für ein paar Tage voll in der Verantwortung für eure Tochter und schon bekommt er die Krise und versucht dich per emotionaler Manipulation (Subtext: "Eine gute Mutter hätte nicht das Bedürfnis auch mal allein zu sein".) dazu zu bringen, dir das ja nicht zur Gewohnheit zu machen und ihn in seiner Rolle als Vater verstärkt zu fordern. Ich würde da an deiner Stelle eher zu Ärger tendieren, nicht zu schlechtem Gewissen.

Lola, sie hatte die Tochter mitgenommen, er war ALLEIN zu Hause, nicht allein mit der Tochter.

Seitdem darf ich mir Sprüche anhören wie "Wie du das nur aushälst, ein paar Tage ohne uns zu sein", "Wie man sich das nur absichtlich wünschen kann, allein zu sein".

Staunt er wirklich drüber, oder ist das Genörgel? Ich finde es jedenfalls irritierend. Ich bin öfter mal unterwegs, mal nehme ich den Kleinen mit, mal nicht, und tatsächlich hat der Kerl festgestellt, dass er uns dann vermisst, aber da hat er nur gesagt, dass er es nicht so sehr genießt wie erwartet, sondern uns halt dann ziemlich doll vermisst. Das ist ja auch völlig okay, kann sich auch wieder ändern, ist halt, wie es ist, aber so, wie Du es schreibst, klingt es fast wie ein Vorwurf - meint er das denn so?

S.hojo


Ach so: Ich bin sehr gern mal allein unterwegs (allein zu Hause bin ich eh unter der Woche so um die sechs Stunden, aber da arbeite und prokrastiniere ich), und im Gegensatz zu Sensibelman halte ich das vorwiegend für eine Typfrage, wenngleich sicher auch vom Lebensalltag mitbeeinflusst. Mein Radar nimmt andere Menschen und überhaupt Lebewesen sehr deutlich wahr, einfach ihre Gegenwart, selbst wenn sie gar nix von mir wollen, und manchmal möchte ich andere oder auch GAR niemanden auf diesem Radar haben. Wenn Du dieses Bedürfnis hast, dann hast Du dieses Bedürfnis. Gerade das hier:

Morgens zu entscheiden, wann man aufstehen möchte? Den Tag ohne Rücksicht auf Essens- und Schlafenszeiten zu gestalten?

ist ja nun mal mit einem kleinen Kind nur möglich, wenn sich jemand anders kümmert.
Unser Kleiner ist manchmal übers Wochenende bei meiner Mutter, und wir vermissen ihn ein bisschen und schnurren regelrecht vor lauter Entzücken. Ich finde dieses Bedürfnis, ab und zu mal die Brut loszusein, so absolut scheißnormal, dass ich allein über die Idee, es wäre nicht normal, so verblüfft bin, als würde mich jemand fragen: "Sag mal, findest du es eigentlich normal, wenn man ab und zu mal Kartoffeln essen mag, oder ist das irgendwie schlimm?"

L*olaxX5


Lola, sie hatte die Tochter mitgenommen, er war ALLEIN zu Hause, nicht allein mit der Tochter.

Ah ok, mein Fehler. Habe da wohl zu flüchtig gelesen.

Wobei mein Lesefehler dann vielleicht auf anderem Weg was zum Lösung beitragen kann: Das nächste mal soll die Tochter eben die paar Tage beim Vater zu Hause bleiben. Dann ist er nicht alleine und hat die volle Verantwortung. Könnte leicht sein, dass er den Wunsch nach Alleinsein vielleicht wieder besser nachempfinden. ;-D

S^ommerkmind003


Vielen Dank für all Eure Meinungen.

Ich will nochmal ergänzen, dass mein Mann wirklich ein toller Vater ist und sich viel um seine Tochter kümmert und er mir abends auch viel abnimmt.

Dennoch hab ich einfach ab und zu den Wunsch, Freunde zu treffen, die nicht gleich nebenan wohnen, wo man nicht einfach mal an einem Nachmittag hinfährt. Und ich habe den Wunsch, mit diesen Freunden, gute Gespräche zu führen und vollkommen bei ihnen zu sein ohne darauf achten zu müssen, was meine Tochter in einer fremden Wohnung gerade anstellt. ;-D

@ sensibelman

Mir geht es nicht um den Alltag. Mir ist klar, dass ich aufgrund der gewählten Aufgabenverteilung den Großteil der Kinderbetreuung übernehme. Und wie schon oben erwähnt, nimmt mir mein Mann viel ab und kümmert sich toll um seine Tochter.

Aber ich kann z.B. nicht selig weiterdösen, wenn meine Tochter am Wochenende an der Schlafzimmertür klopft obwohl der Papa sie versucht "abzulenken".

LolaX5

Mein Mann war bereits mit unserer Tochter allein und hat das super gemeistert.

S.ho)jo


Dennoch hab ich einfach ab und zu den Wunsch, Freunde zu treffen, die nicht gleich nebenan wohnen, wo man nicht einfach mal an einem Nachmittag hinfährt. Und ich habe den Wunsch, mit diesen Freunden, gute Gespräche zu führen und vollkommen bei ihnen zu sein ohne darauf achten zu müssen, was meine Tochter in einer fremden Wohnung gerade anstellt. ;-D

Ich verstehe das wirklich supergut und wüsste ehrlich gesagt absolut niemanden in meinem gesamten Freundeskreis, bei dem es mich nicht aus allen Wolken fallen lassen würde, wenn er das anders sähe. Männlein wie Weiblein. Absolut komplett stinknormales Bedürfnis.

EQhemaliger N.utzerx (#590071)


Ich schließe mich LolaX5 an:

Mein erster Gedanke beim Lesen: Kann es sein, dass er ganz schön manipulativ ist? ":/

Da ist er einmal für ein paar Tage voll in der Verantwortung für eure Tochter und schon bekommt er die Krise und versucht dich per emotionaler Manipulation (Subtext: "Eine gute Mutter hätte nicht das Bedürfnis auch mal allein zu sein".) dazu zu bringen, dir das ja nicht zur Gewohnheit zu machen und ihn in seiner Rolle als Vater verstärkt zu fordern. Ich würde da an deiner Stelle eher zu Ärger tendieren, nicht zu schlechtem Gewissen.

Ihm ist die Decke auf den Kopf gefallen; er möchte nicht, dass du ihn alleine lässt. Dass er das nicht direkt so sagt, sondern mit diesen Sprüchen ankommt, finde ich - wie LolaX5 schon sagte - auch ungut-manipulativ, weil er so tut, als wärest du mit deinen Bedürfnissen nicht normal - und das, weil er in seinen Bedürfnissen mal zu kurz gekommen ist und er ein Problem hatte mit der Situation. Er versucht sein Problem aber als grundsätzlichen "Fehler" von dir und deiner Persönlichkeit/deinem So-Sein (wie es immer so schön heißt) hinzustellen. Das ist mies, weil es dich in deiner eigenen Entwicklung/Entfaltung behindern und zurückwerfen soll (damit seine Bedürfnisse abgedeckt sind).

Mein Mann war allein zu Hause und ihm ist fast die Decke auf den Kopf gefallen. Er war das erste Mal seit 1,5 Jahren für mehrere Tage allein zu Haus.

Seitdem darf ich mir Sprüche anhören wie "Wie du das nur aushälst, ein paar Tage ohne uns zu sein", "Wie man sich das nur absichtlich wünschen kann, allein zu sein".

Bturpgmxan


Ich als Mann finde es gut, wenn eine Frau sowas macht. Ich finde, das trägt zu Ihrer Zufriedenheit und Ausgeglichenheit erheblich bei. Dann muss ER halt mal übers WE das Kind hüten, das ist doch nicht so schlimm. Happy wife, happy life :-o

sOe%nsi:bel+man


Aber ich kann z.B. nicht selig weiterdösen, wenn meine Tochter am Wochenende an der Schlafzimmertür klopft obwohl der Papa sie versucht "abzulenken".

Dann ist das nicht gut organisiert- ich bin immer raus gegangen und habe sehr konsequent verhindert, dass ein Kind meine Frau beim Schlafen störte. Ich halte Schlafstörungen durch andere Personen für sehr schlimm, wenn ein Mensch Erholung und Entspannung benötigt- dann ist nämlich die Erholungsphase im Eimer wir hatten nicht nur 1,2, 3,... Kinder

Du musst dich zum Abschalten zwingen- vergiss mal ab und zu dein Kind, wenn dein Mann die Betreuung übernimmt- du musst nicht die Übermutter spielen. Du wirkst nicht besonders gelassen- du machst dir zuviele Sorgen- man muss beim Rufen des Kindes nicht jedesmal bei Fuss stehen, wenn jemand anderes die Betreuung übernommen hat. Auch ein 1,5 Jähriges Kind kann durchaus verstehen (und muss es lernen), wenn der Papa dem Kind sehr konsequent und eindringlich sagt, dass das Kind nicht stören darf, weil Mama schläft- und da hätte ich keineswegs das Kind nur liebenswürdig abgelenkt.

Ich vermute mal, dass dein Beispiel symptomatisch ist.

Und ich habe den Wunsch, mit diesen Freunden, gute Gespräche zu führen und vollkommen bei ihnen zu sein ohne darauf achten zu müssen, was meine Tochter in einer fremden Wohnung gerade anstellt.

Wenn dein Mann in dieser Zeit die Betreuung übernimmt, sollte das kein Problem sein. Auch hier ist das wieder eine Frage der Organisation.

g.re(tax_


ich fahre zwei- oder dreimal im jahr ein wochenende alleine zu freunden, mein mann macht es ebenso. der andere behält derweil die kinder. wir brauchen das beide und ich finde es so normal wie den wunsch, mal ins kino zu gehen.

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