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Ich liebe ihn einfach nicht mehr

P{olly_2006 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich habe lange gebraucht, um mich zu überwinden und hier meinen Beitrag zu schreiben.

Innerlich bin ich total zerrissen. Um es kurz zu machen... Ich glaube, ich liebe meinen Mann einfach nicht mehr. Ich bleibe, weil ich meiner Tochter (8) und meinem Mann nicht das Herz brechen will. Aber ich weiß heute schon, dass ich nicht mit diesem Mann alt werden möchte. Ich bin selbst über mich erschrocken und es dauerte ca. 1 Jahr, bis ich das erkannt habe.

Wir haben uns sehr früh kennen gelernt. Ich war 18, er 21. wir sind jetzt 22 Jahre zusammen. Wunderschöne Jahre. Ich habe ihn immer wahnsinnig geliebt, und er mich. Wir haben viel erlebt, Höhen und Tiefen überstanden. Ich habe immer zu ihm gehalten und er zu mir. Nach aussen sind wir das perfekte Paar.

Letztes Jahr im Herbst hat irgendwie alles angefangen. Mein Vater ist gestorben und mein Leben steht seit dem Kopf. Ich bin sensibler geworden. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren, stören mich die Eigenschaften an meinem Mann, die ich früher unwiderstehlich fand. Er ist sehr selbstbewusst. Es grenzt fast schon an Arroganz. Es war mir schon immer bewusst, aber jetzt stört es mich. Die Art, wie er mit anderen Menschen umgeht, sie behandelt, von oben herab...das stört mich unglaublich. Er benutzt Schimpfwörter, die unter die Gürtellinie gehen. Ihm felht jegliches Feingefühl. Er ist absolut nicht in der Lage, sich in andere hinein zu versetzen.

Natürlich habe ich ihm das schon gesagt. Aber er nimmt es leider nicht an. Zu mir und unserer Tochter ist er wunderbar. Er sorgt sich, dass es uns gut geht. Er ist aufmerksam und nimmt mir viel Arbeit ab. Ich sollte mich glücklich schätzen. War ich auch. Sehr. Bis eben jetzt!

Wir unternehmen nicht mehr viel. Zeit zu zweit haben wir nur selten. Ich kümmere mich ein wenig um meine Mutter, aber eben nicht übermäßig. Es bleibt immer noch genug Zeit für uns als Familie.

Aber leider ist es eben so, dass ich mich für alles was ich tue rechtfertigen muss. Er wirft mit giftigen Pfeilen, wenn er nicht im Mittelpunkt steht. Es ist sehr anstrengend für mich, mit seinen Launen zurecht zu kommen.

Ich will mich nicht so sehr beschweren, aber ich fühle, dass meine Liebe zu ihm am erlöschen ist. Es tut mir leid, aber das ganze hat sich so über das Jahr heraus kristallisiert. Ich weiß nicht genau, was ich machen soll. Aber ich will nicht mit ihm alt werden. Das ist das Einzige, was mir absolut bewusst geworden ist.

Geht es irgend jemandem ähnlich? Ich will keine Vowürfe, sondern Tipps, die mir weiter helfen. Danke.

Antworten
O\ldiMe\4x9


Hallo liebe Polly,

Fangen wir mal hiermit an

Zu mir und unserer Tochter ist er wunderbar. Er sorgt sich, dass es uns gut geht. Er ist aufmerksam und nimmt mir viel Arbeit ab. Ich sollte mich glücklich schätzen. War ich auch. Sehr. Bis eben jetzt!

Wie passt das damit zusammen?:

Aber leider ist es eben so, dass ich mich für alles was ich tue rechtfertigen muss. Er wirft mit giftigen Pfeilen, wenn er nicht im Mittelpunkt steht. Es ist sehr anstrengend für mich, mit seinen Launen zurecht zu kommen.

Ich äußere zunächst mal den Verdacht, der Zwang zur Rechtfertigung wird nicht von deinem Mann permanent erzeugt, sondern du hast ihn längst so verinnerlicht, dass du der Meinung bist, dich rechtfertigen zu MÜSSEN, ohne dass er das einfordert. Um aus diesem Hamsterrad – das teilweise selber gemacht ist - heraus zu kommen, wäre also der Versuch sinnvoll, dich mal für etwas NICHT zu rechtfertigen, obwohl du das eigentlich mit jeder Faser willst. Nimm dir dafür mal ein einfaches Thema, einige unerklärliche Stunden, die du weg warst zum Beispiel. Versuche mal zu sagen: "Ja, da war ich unterwegs, das war mir wichtig!" Punkt. Und alle erklärenden Sätze, die danach noch aus dir raus wollen, schluckst du runter. Und wartest, was tatsächlich daraufhin von ihm kommt. Du wartest damit praktisch, was dieses neue Vorgehen "mit dir macht", oder was mit euch macht. Dieses Beispiel solltest du natürlich auf das anwenden, was wirklich bisher Grund zur Rechtfertigung war.

Exzessive Rechtfertigung ist Vermeidung, ist vorweggenommener Gehorsam. Sie dient der Harmonie. Und ich könnte mir vorstellen, dass die Harmonie zwischen euch, die zwischen den Zeilen sichtbar ist, großenteils von dir hergestellt werden musste. Das war so lange in Ordnung, wie dir das leicht gefallen ist. Wenn es dir aber so schwer fällt, dass du über das Ende der Beziehung nachdenken musst, wäre zunächst einmal auszuprobieren, was an Stelle der von dir erzeugten Harmonie treten kann. Denn eine Beziehung ohne ständige Harmonie kann spannend sein, sie fühlt sich neu an, lebendig.

Ich will mich nicht so sehr beschweren, aber ich fühle, dass meine Liebe zu ihm am erlöschen ist.

Dieses "Ich will mich nicht beschweren" klingt rührend. Da steckt ein "eigentlich ist ja alles gut" drin. Das, was dich aber dazu bewogen hat, hier zu schreiben, ist die Tatsache, dass nicht mehr alles gut ist, weil der Mantel der von dir zu erzeugenden Harmonie verschlissen ist, da schimmert das durch, was dein Mann an "nicht liebenswürdigen Anteilen" hat. Und wenn die Augen erst einmal geöffnet sind, kriegt man sie auch nicht wieder zu. Man muss neu lernen, damit umzugehen oder nach anderen Lösungen suchen.

Es tut mir leid, aber das ganze hat sich so über das Jahr heraus kristallisiert. Ich weiß nicht genau, was ich machen soll. Aber ich will nicht mit ihm alt werden. Das ist das Einzige, was mir absolut bewusst geworden ist.

Würdest du dieses "Jahr der Erkenntnis" denn als besonders schlimmes Jahr bezeichnen? Oder ist es eher ein Jahr der individuellen Weiterentwicklung, das dich für die störenden Anteile bei deinem Mann so empfindlich gemacht hat?

Ich glaube, ich liebe meinen Mann einfach nicht mehr. Ich bleibe, weil ich meiner Tochter (8) und meinem Mann nicht das Herz brechen will. Aber ich weiß heute schon, dass ich nicht mit diesem Mann alt werden möchte.

Zunächst die Gute Nachricht: Niemand kann oder wird dich dazu zwingen, mit ihm alt zu werden. Ob du mit ihm trotzdem alt werden wirst oder nicht, das ist allein deine Entscheidung. Und die rückt nun näher, du hast Angst davor.

Die schlechte Nachricht ist natürlich, dass diese Entscheidung sehr weit reichende Konsequenzen mit sich bringt, wenn du wirklich in die neue Straße einbiegen willst, die sich für dich aufzutun beginnt. Du hast bisher nur den einen Weg gesehen. Er war vorgezeichnet, automatisch richtig und dort war immer dein Mann an der Seite. Wenn du nun alleine abbiegen willst und einen eigenen Weg gehen, dann wird dir das nur dann gelingen, wenn du dich intensiv damit beschäftigt hast, was dir auf diesem neuen Weg Begegnet. Dazu braucht es intensive worst-case-Szenarien, es braucht viele Bilder, von denen einige unerträglich sind, man möchte ihnen aus dem Weg gehen.

Wo werde ich leben?

Wovon werde ich leben?

Wie geht es mit unserem Kind weiter?

Wir überstehe ich die Trennungsgespräche?

Wovor habe ich die meiste Angst?

Welche Menschen werde ich verlieren, welche Freunde werden mich nicht verstehen?

Muss mich überhaupt jeder verstehen?

Wie sieht die juristische Seite aus: Ehevertrag, Unterhalt, Versorgungsausgleich, Sorgerecht?

Das sind erste Fragen, weitere werden folgen. Mir ist Folgendes ganz wichtig: Du darfst dich trennen, es ist nicht verboten, nicht unmoralisch und es gibt keine unüberwindbaren Hindernisse. Aber du solltest es erst dann tun, wenn du dir darüber klar geworden bist, dass der alte Weg an der Seite deines Mannes nicht mehr zu gehen ist, nicht mehr zu verbessern ist. Und das ist möglicherweise noch längst nicht geklärt.

sciVngenxde


Dass dein Mann etwas irritiert ist oder es nicht ernst nimmt, wenn du jetzt nach 22 Jahren Seiten an ihm kritisierst, für die du ihn früher geliebt hast, kann ich verstehen.

Letztes Jahr im Herbst hat irgendwie alles angefangen. Mein Vater ist gestorben und mein Leben steht seit dem Kopf. Ich bin sensibler geworden. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren, stören mich die Eigenschaften an meinem Mann, die ich früher unwiderstehlich fand.

Hast du ihm das mal so gesagt?

Es ist normal, dass man sich weiterentwickelt und immer mal wieder einen Punkt im Leben erreicht, der einen durch Erkenntnisse/ Ereignisse/ Bekanntschaften umdenken lässt.

Ich würde mit ihm immer wieder das Gespräch suchen und ihm Stück für Stück die Dinge, die dich stören vortragen. Vielleicht kann er an sich arbeiten, wenn er merkt, es geht dir damit jetzt nicht mehr so gut bzw. wenn er realisiert, dass dadurch die Liebe zu ihm erkaltet ist.

Auf jeden Fall würde ich ihm die Chance geben, daran etwas zu verändern, wenn er das möchte und dazu in der Lage ist.

y@ess\es%neexe


Hallo Polly,

tut mir leid das zu lesen. Man liest es leider immer wieder hier. Immer die gleiche Geschichte. Oder zumindest ähnlich. Wie offen könnt ihr denn miteinander reden? Du sagtest ja schon das er Deine Kritik nicht annimmt. Ist ihm der Ernst der Lage bewusst? Hast du schon mal an eine Paaarberatung gedacht? Meist brauchen die Männer erst einen Schuss vor den Bug bevor sie den Ernst erkennen.

s$ensibuelmxan


ich fühle, dass meine Liebe zu ihm am erlöschen ist

Liebt er dich eigentlich noch?

CuonanDe%rZe8r\stärxer


Deinen Sinneswandel könntest du hier nicht für mich verständlich auseinanderlegen.

Was hat sich verändert. Was war der unerträgliche Konflikt, der beim Tod deines Vaters aufgetreten ist.

Für mich hört sich das so an als ob dir Sachen bewusst geworden sind, die dir erst aufgefallen sind, dann aufgestoßen sind, die dich zunehmend abgestoßen haben, bis du sie angefangen hast zu verabscheuen und zu verurteilen.

Was du beschreibst ist, denke ich ein Risiko jeder Beziehung, dass man sich irgendwann doch voll auf die Nüsse geht.

Ihr müsst wohl die Regeln neu verhandeln. Vielleicht musst du auch Konflikte mit deinem Mann auskämpfen. Also offener reden als früher, und alte status quo über den Haufen werfen.

Ansonsten ist es halt wie es ist, dann findet ihr neue Partner oder werdet alleine alt.

Lxilan84


Erstmal müsst Ihr meines Erachtens gar nichts.

Wenn Du Dich schon fragst, ob Du jemanden liebst, hast Du damit aufgehört. Ist -nur- meine Meinung.

Das ist doch eine Hop oder Top Entscheidung, die nur Du für Dich fällen kannst. Wer soll das hier besser beurteilen, als Du?

Alles Gute @:)

m@a:usi7198x8


Wie in Guten so in Schlechten Zeiten bis dass der Tot euch Scheidet .

Er ist nicht Aggressiv und schlägt nicht ist kein Alkoholiker oder Verbrecher nicht Spielsüchtig nix ...

Findet doch mal wieder dass was euch damals zusammen gebracht hat was war es dass so Abenteuerlich war ? Warum habt ihr euch geliebt ?

Ich bin seit ich 14 bin mit meinen Mann zusammen wir haben 2 Kinder früh geheiratet etc dass nun 14 Jahre her und viele schlechte Zeiten aber auch gute in den schlechten Zeiten haben wir uns Psoitive dinge gesucht warum es so ist dass wir für einander bestimmt sind .

Es ist auch ein Kind im spiel 8 Jahre eine Scheidung wäre wie ein Welt zusammen bruch...

P(olly}2006


Vielen Dank für Eure ehrlichen Antworten!

Ich habe die halbe Nacht wach gelegen und darüber nachgedacht...wie so oft.

Natürlich kann ich 22 Jahre nicht einfach so erklären. Ich bin auch nicht der Typ, der sich Notizen macht, was, wann, wie passiert ist. Ich kann nur auf mein Gefühl hören.

@ Oldie49 Ja,

du hast es es richtig erkannt! Ich bin Harmoniesüchtig. Ich bin der Part, der dafür sorgt, dass Frieden in unserer Familie herrscht. Umso schwerer tu ich mich damit, jetzt diejenige zu sein, die aufwühlt und rebelliert. Und natürlich habe ich Momente in denen ich mir nehme, was ich brauche, ohne mich rechtfertigen zu müssen. Nur entsteht dann die Spannnung, die unerträglich zu sein scheint. Bestes Beispiel: Ich habe ein Wander-Wochenende mit meiner Mutter gemacht. Er hat es nicht verstanden, weil er es persönlich genommen hat. 'Warum ich ihn nicht dabei haben will? Und ist das jetzt immer so, dass wir getrennt Urlaub machen?' Natürlich nicht! Aber es wird mir ständig zum Vorwurf gemacht. Er versteht es als Abweisung, ich verstehe es als Fürsorge zu meiner Mutter. Es sind nur 3 Tage gewesen! Aber ein riesiges Theater drumherum.

Und auch das ist richtig:

"Und wenn die Augen erst einmal geöffnet sind, kriegt man sie auch nicht wieder zu. Man muss neu lernen, damit umzugehen oder nach anderen Lösungen suchen."

Seine "schlechten" Eigenschaften kenne ich sehr gut, und oft genug waren sie Thema in Diskussionen. Nur kennt ihr das, dass manche Eigenschaften mit dem älter werden immer ausgeprägter werden? Das kann ich kritisieren, so oft ich will, er erkennt es einfach nicht! Und langsam bin ich müde, es immer wieder anzusprechen. Es erscheint mir sooooo anstrengend und ungehört.

Ja, und natürlich habe ich Angst. Vor allem vor seiner Reaktion. Er würde mir das Leben zur Hölle machen.

@ Senisibelmann

Er liebt mich! So sehr, dass er Angst hat, dass ich ihn mal irgendwann verlassen würde. Wir (meine Tochter und ich) bedeuten ihm die Welt. Und selbst jetzt, wo ich diese Worte schreibe, tut es mit schon fast wieder leid, dass meine Gefühle so sind, wie sie sind. Und ich weiss, dass er fühlt, dass etwas nicht stimmt. Das ist auch der Grund, warum er immer wieder die Bestätigung meiner Zuneigung sucht, mir sagt, dass er mich liebt, und die selbe Antwort auch von mir erwartet. Ich gebe ihm die Antwort, die er hören will, wil ich noch zu große Angst davor habe, ihm die Wahrheit zu sagen. So lange unsere Tochter so klein ist, will ich mich zurück nehmen.

@ mausi1988

kennst Du den Spruch "Geht es dem Esel zu gut, geht er aufs Glatteis tanzen"? So in etwa fühle ich mich. Sollte ich nicht mit dem zufrieden sein, was ich habe? Bescheiden bleiben? Mir bewusst machen, was ich Gutes an ihm habe?

Aber es ist eben dieses Gefühl und ich kann nichts dagegen tun! Es fühlt sich furchtbar an und ich hätte nie gedacht, dass mir das mal passieren würde. Ich habe ihn doch mal so sehr geliebt. Wo ist das nur hin?

Mir ist absolut klar, dass eine Wlt zusammen bricht! Aber eben noch nicht jetzt!

p(araz)eIllxnuss


Jo, manchmal kommt das so im Leben. Man lebt so vor sich hin und dann kommt einem so ein leiser Verdacht auf, dass irgend_etwas_gar_nicht_stimmt. Man hat sich auseinander gelebt. Ein Paar sollte zusammen wachsen. Doch oft genug sprintet einer voran und der Andere bleibt stehen. Das ist halt so. Das habe ich auch erlebt und auch mal die Reissleine gezogen. Ich bin ein Mensch der alles versucht. Aber man hat eben nicht immer Erfolg damit. Es ist irgendwie bitter; ein bitterer Geschmack. Viel Glück dir mit deinen Entscheidungen.

DWrDoQoClitt,lxe


Ich verstehe nicht wie jemand der Sie "liebt" Ihnen umgehend auch "das Leben wieder zur Hölle machen" kann. In Ihren Äußerungen liegen sehr viele Widersprüche, ich denke dass Sie innerlich schon abgeschlossen haben und nun mehr oder weniger in Selbstmitleid zerfliesssen, hiermit sollten Sie aufhören und eine klare Linie fahren. Es gibt nun 2 Möglichkeiten: 1. die Ehe nach eindeutigen Gesprächen komplett neu beleben ( dazu gehören beide ) Oder 2. das Leben ändern.

Mitleid oder Harmoniezwang hilft niemandem.

Puolly2x006


DrDoolittle

Das ist es ja eben! In einem Moment ist er so zuckersüß und im nächsten schwirren mir die furchtbarsten Schimpfworte um die Ohren.

Ist denn Selbstmitleid so schlimm? Ich denke darüber nach, eine über 20jährige Beziehung beenden zu wollen. Es lässt mich doch nicht kalt! Ich bin traurig darüber und entsetzt! Ich würde Menschen verletzen und unglaubliches Leid über eine Familie herauf beschwören! Das macht man doch nicht aus einer Laune heraus! Und auch nicht, ohne mit der Wimper zu zucken!

Und wie soll man eine Ehe neu beleben Können? Hat das schon mal jemand nach über 20 Jahren erfolgreich geschafft? Ich wäre natürlich bereit, alles mögliche zu probieren. Aber wenn dieses Gefühl nun mal da ist!!!

OvlZdien49


Moin Polly,

Ja, du hast es es richtig erkannt! Ich bin Harmoniesüchtig. Ich bin der Part, der dafür sorgt, dass Frieden in unserer Familie herrscht. Umso schwerer tu ich mich damit, jetzt diejenige zu sein, die aufwühlt und rebelliert.

Das ist der Lauf des Lebens. Wer zu lange gibt, ohne Nehmen zu können, ist plötzlich davon überrascht, leer zu sein. Wer zu lange etwas tut, was Substanz kostet, wird von seinen eigenen Grenzen überrascht. Wahrnehmen muss er sie trotzdem und letztlich auch einhalten. Süchte sind ja nicht positiv, sondern sie richten in aller Regel Schaden an. Könntest du dir vorstellen etwas gegen diese Harmoniesucht zu tun? Auf Entzug zu gehen?

Ich sehe das, was sich bei dir tut, also weniger als Rebellion, denn als natürliche Folge aus der bisherigen Interaktion zwischen euch, die davon geprägt war, dass du toleranter sein wolltest, als du in der Substanz bist. Der Liebe zu Liebe hast du dich verausgabt und die Anteile deines Mannes, die dich und Euer Zusammenleben belastet haben, ignoriert. Liebe und Beziehung funktioniert aber nur so lange, wie man auch die negativen Anteile des Partners integrieren kann. Ausblenden und ignorieren holt einen wieder ein.

Damit wirst du nun konfrontiert und ich sehe vor allem, dass du selber über das erschrocken bist, "was das mit dir macht". So willst du nicht sein. Aber du hast meines Erachtens immer noch einiges an Spielraum, um so sein zu können, dass du nicht vor dir selber erschrecken musst.

Und natürlich habe ich Momente in denen ich mir nehme, was ich brauche, ohne mich rechtfertigen zu müssen. Nur entsteht dann die Spannnung, die unerträglich zu sein scheint. Bestes Beispiel: Ich habe ein Wander-Wochenende mit meiner Mutter gemacht. Er hat es nicht verstanden, weil er es persönlich genommen hat. 'Warum ich ihn nicht dabei haben will? Und ist das jetzt immer so, dass wir getrennt Urlaub machen?' Natürlich nicht! Aber es wird mir ständig zum Vorwurf gemacht. Er versteht es als Abweisung, ich verstehe es als Fürsorge zu meiner Mutter. Es sind nur 3 Tage gewesen! Aber ein riesiges Theater drumherum.

Da hatte ich ja ins Schwarze getroffen. Ja, dominante Männer mit Verlustängsten wollen die Ich-Inseln ihrer Frauen gern möglichst klein halten und weitgehend kontrollieren. Es wäre also eine Bedingung zwischen euch, das nachhaltig zu ändern, falls du noch nach Chancen für eure Beziehung Ausschau hältst. Dein Mann müsste also endlich lernen, dass du solche Inseln bisher nicht "gegen ihn" sondern "für dich" gebraucht hast. Da du allerdings schon länger ins Defizit geraten bist und offensichtlich deine eigenen Toleranzgrenzen überschritten hast, reicht das alleine jetzt nicht mehr. Was wirklich reichen würde, kann ich noch nicht erkennen. Könntest du es formulieren?

Seine "schlechten" Eigenschaften kenne ich sehr gut, und oft genug waren sie Thema in Diskussionen. Nur kennt ihr das, dass manche Eigenschaften mit dem älter werden immer ausgeprägter werden? Das kann ich kritisieren, so oft ich will, er erkennt es einfach nicht! Und langsam bin ich müde, es immer wieder anzusprechen. Es erscheint mir sooooo anstrengend und ungehört.

Da liegt der Schlüssel in deinen Erwartungen, die du an deine kritischen Äußerungen knüpfst. Wie sehen denn solche Kritiken bei dir aus? Wirfst du ihm das vor? Machst du Vorschläge, was er anders machen sollte? Sagst du ihm, was dich belastet und wie sehr es dich belastet, stellst ihm aber frei, damit so umzugehen, wie er das will? Kannst du mal ein konkretes Beispiel nennen?

Ja, und natürlich habe ich Angst. Vor allem vor seiner Reaktion. Er würde mir das Leben zur Hölle machen.

Das Bild funktioniert so nicht. Wenn du einfach so bei ihm zu bleiben versuchst und das nur mit AUSHALTEN machst, kommt die Hölle sowieso. Die ist dann selbst gemacht. Glaubst du ernsthaft, dass du deine Ehe nur dadurch erhalten kannst, dass du "aus Angst vor der Hölle" bei ihm bleibst? Kannst du dir vorstellen ihm das dann zu sagen. "Ich bleibe nur bei dir, weil ich Angst davor habe, dass du mir das Leben zur Hölle machst!" das würde ein völlig neues Kapitel einläuten und möglicherweise unerwartete Wege zur Trennung eröffnen. Aber ich glaube, so weit bist du noch nicht. Und ob das notwendig ist, kann ich auch noch nicht einschätzen.

Er liebt mich! So sehr, dass er Angst hat, dass ich ihn mal irgendwann verlassen würde.

Bis dahin klingt das OK. Aber Liebe wird nun mal oft mit Besitzanspruch verwechselt, während wahre Liebe immer los lassen kann. Kennt er also die wahre Liebe nicht? Könnte er die lernen?

Wir (meine Tochter und ich) bedeuten ihm die Welt. Und selbst jetzt, wo ich diese Worte schreibe, tut es mit schon fast wieder leid, dass meine Gefühle so sind, wie sie sind.

Ja, es tut dir leid, aber du nimmst es wenigstens wahr, du hast deine Grenzen erkannt. Und nun müsstest du lernen, damit so konstruktiv wie möglich umzugehen.

Und ich weiss, dass er fühlt, dass etwas nicht stimmt. Das ist auch der Grund, warum er immer wieder die Bestätigung meiner Zuneigung sucht, mir sagt, dass er mich liebt, und die selbe Antwort auch von mir erwartet. Ich gebe ihm die Antwort, die er hören will, wil ich noch zu große Angst davor habe, ihm die Wahrheit zu sagen.

Du sagst ihm also die Unwahrheit, weil du Angst vor der Hölle hast, die über dich rein brechen könnte, wenn du die Wahrheit sagst? Wie lange willst du das noch machen? Was wäre die nächste Grenze, die dann bewirkt, dass du die Wahrheit sagst?

So lange unsere Tochter so klein ist, will ich mich zurück nehmen.

Also weitere zehn Jahre?

kennst Du den Spruch "Geht es dem Esel zu gut, geht er aufs Glatteis tanzen"? So in etwa fühle ich mich. Sollte ich nicht mit dem zufrieden sein, was ich habe? Bescheiden bleiben? Mir bewusst machen, was ich Gutes an ihm habe?

Ja, das könntest du versuchen. Aber dafür müsstest du neue Ansätze finden, denn die alten Mechanismen sind verbraucht und funktionieren nicht mehr. Ob es neue funktionierende geben könnte, weiß ich noch nicht.

Aber es ist eben dieses Gefühl und ich kann nichts dagegen tun! Es fühlt sich furchtbar an und ich hätte nie gedacht, dass mir das mal passieren würde. Ich habe ihn doch mal so sehr geliebt. Wo ist das nur hin?

Liebe kann verbraucht werden, sie kann gehen. Das geschieht oft. Und die Gründe sind so vielfältig wie das Leben selber.

Mir ist absolut klar, dass eine Welt zusammen bricht! Aber eben noch nicht jetzt!

Sondern wann?

Ooldi e49


Noch ein Nachtrag:

Das ist es ja eben! In einem Moment ist er so zuckersüß und im nächsten schwirren mir die furchtbarsten Schimpfworte um die Ohren.

Das ist verbale Gewalt. Dagegen musst du dich wehren, dazu bist du deiner eigenen Würde wegen verpflichtet. Du musst ihn also mit seiner eigenen Aggression konfrontieren, wenn überhaupt Einsicht möglich sein sollte. Ob bei ihm allerdings eine Persönlichkeitsstörung vorliegen könnte, können wir von hier aus nicht beurteilen. Auszuschließen ist das aber nicht.

Ist denn Selbstmitleid so schlimm? Ich denke darüber nach, eine über 20jährige Beziehung beenden zu wollen. Es lässt mich doch nicht kalt! Ich bin traurig darüber und entsetzt!

Ich sehe das zunächst nicht als Selbstmitleid, sondern als Erreichen deiner persönlichen Toleranzgrenze.

Ich würde Menschen verletzen und unglaubliches Leid über eine Familie herauf beschwören! Das macht man doch nicht aus einer Laune heraus! Und auch nicht, ohne mit der Wimper zu zucken!

Nein, du würdest es ja auch nicht leichtfertig tun, aber wenn du es tun musst, dann sehe ich das anders als du. Ich sehe nicht, dass du dann Menschen verletzt und "unglaubliches Leid über deine Familie bringst". Ich sehe es so, dass diese Familie längst leidet und durch eine nachhaltige Veränderung – auch wenn es eine Trennung sein sollte – neue Verletzungen nur bei dem Mann erzeugt werden, der dir "die furchtbarsten Schimpfworte um die Ohren" wirft. Darf er das? Darf nur er verletzen, du nicht?

Und wie soll man eine Ehe neu beleben Können? Hat das schon mal jemand nach über 20 Jahren erfolgreich geschafft? Ich wäre natürlich bereit, alles Mögliche zu probieren. Aber wenn dieses Gefühl nun mal da ist!!!

Ja sicher ist das möglich, aber ich weiß nicht, ob das bei euch möglich oder sinnvoll ist

A elfixir


hi Polly!

[...]

bei DIR hat sich was verändert, und das einzige worüber DU nicht denkst, ist was DU eventuell tun könntest.

aber DIR tut es weh, DIR tu es leid, DU kannst das nicht mehr leiden, DU kannst das andere nicht mehr sehen, DU, DU, DU, DU, DU.

[...]

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