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Bedeutet "auf Augenhöhe sein" auch gleicher Bildungsabschluss?

c?lai;ret


Ich habe es bei meinen Eltern erleben müssen, was es bedeuten kann, wenn die Partner bildungsmäßig nicht auf Augenhöhe sind. Vater promovierter Akademiker, Mutter Volksschulabschluß (so hieß das damals, heute wäre es wohl Hauptschulabschluß) und Ausbildung zur Kinderpflegerin (gibt's heute in der Form auch nicht mehr).

Ich kann es in einem Satz zusammenfassen, der meine Kindheit begleitet hat, immer dann, wenn es Streit zwischen ihnen gab: "Was wärst du denn ohne mich!"

Es mag Fälle geben, in denen es gut ausgeht, weil die Partner in der Lage sind, sich in Streitsituationen zivilisiert zu verhalten. Aber ich habe meine Zweifel.

Das war dann eine verkorkste Ehe, aber verallgemeinern kann man das nicht. Meine Eltern hatten ähnlich unterschiedliche Bildungsabschlüsse, aber das war nie ein Problem.weil sie dennoch an Kunst, Kultur, Tagesgeschehen interessiert war und damit eine gemeinsame Basis für Gespräche und Interessen da ist. Von seinem Fachgebiet hatte sie natürlich wenig Ahnung, aber das haben die wenigsten Mitmenschen.

Ich denke ein ähnlicher Bildungsabschluss kann ein Indikator sein, muss aber nicht. Es gibt genügend Leute, die nach dem Uni-Abschluss nie wieder ein Buch anrühren. Wichtig ist doch wofür man sich interessiert, wie man seine Freizeit gestaltet, welche Werte und Zukunftspläne man hat. Mit jemandem, der null intellektuelle Interessen hat könnte ich persönlich keine Beziehung führen, aber das ist unabhängig von der formalen Berufsqualifikation.

cxrciOecha;rlie


....und es gibt genug Leute, die auch vor und während des Uniabschlusses kein Buch anrühren ;-D

Z(im


ich habe nicht studiert.

Trotzdem gibt es viele Akademiker, mit denen ich nicht über Themen, die mich interessieren, reden kann.

Weil sie nichts wissen darüber.

Meine Hobbies, Interessen, Freizeitaktivitäten sind ganz anders.

Wieso soll jemand mit einem absolvierten Maschinenbaustudium mehr über die Sachen wissen, die mich interessieren (wie Astronomie oder surrealistische Maler) , aber nicht ihn? Es erschliesst sich mir nicht ganz.

Bei einigen Freizeitaktivitäten kenne ich Leute, von denen ich überhaupt nicht weiss, ob sie studiert haben oder welchen Beruf sie haben. Es interessiert mich aber auch nicht, und besonders finde ich es interessant, dass es sie auch überhaupt nicht interessiert, wo ich arbeite und als was und welchen Abschluss ich habe. Und einige davon kenne ich schon Jahre.

Generell habe ich aber eine Vorliebe für Menschen, die sich nicht über den Job oder die Ausbildung definieren. ;-)

o\nod{isxep


Ich kann mir das nicht nur vorstellen, ich praktiziere das auch mit Erfolg. Der Bildungsabschluss hat ja nun mal gar nichts mit Bildung zu tun, sondern viel mit fachbezogenem Spezialwissen, das man sonst nicht braucht. Jede abgeschlossene Berufsausbildung qualifiziert für die Fachhochschule. Was meinst Du, wieviele Ärzte ehemalige Arzthelferinnen geheiratet haben? Und die können und wissen manches besser, als der Arzt selber.

...Sozialstatus, der bei der Ärztin bspw. automatisch höher wäre als bei einem Fließbandarbeiter

Da liegst Du komplett daneben - so einen Automatismus gibt es nicht! Typisch Schubladendenken.

AMnn7wylxlXxx


Um mal direkt auf deine Frage zu antworten: Ein Bildungsabschluss ist doch zweitrangig. Mein Freund hat einen niedrigeren Schulabschluss als ich - was ich erst nach einem Jahr Beziehung heraus fand. Wir hatten nie darüber gesprochen und er ist halt ziemlich intelligent. Abschluss hin oder her.

Ich glaube, hier kommt es sehr auf die persönliche Einstellung an, wonach man seine Mitmenschen beurteilt. Aber Bildungsabschlüsse gehören da für mich absolut nicht dazu. Eben weil man einem Menschen diesen nicht ansehen /anmerken muss. :)z

Agn'drea unfd LIxNA


Mein Freund ist als Meister selbstständig und hat dementsprechend auch einen höheren Bildungsabschluss als ich. Womit ich als einfache Kinderkrankenschwester schon ein Problem hatte, und überlegt hatte ihn überhaupt zu daten, bzw. er hat mich dann gedatet. Letztendlich ist es so was von egal was für einen Bildungsabschluss man hat, meine Allgemeinbildung ist genauso so hoch wie seine ( nur das er es sozusagen auf den Papier hat ), nur weil man Abi/Studium etc. hat, heißt das noch lange nicht das man intelligenter ist als jemand mit Hauptschulabschluss.

DeifeKruexmi


nur weil man Abi/Studium etc. hat, heißt das noch lange nicht das man intelligenter ist als jemand mit Hauptschulabschluss.

ähm, bei dem Extrem Studium vs Hauptschulabschluß --doch, natürlich heißt es das in diesem Fall! Kein psychisch gesunder Mensch, der über die Intelligenz verfügt, erfolgreich ein Studium zu absolvieren, wird sich auf Dauer mit einem Hauptschulabschluß zufrieden geben in der heutigen Zeit. Selbst, wenn die Person aus einem schlechten Elternhaus kommt und wenig Unterstützung erfahren hat, wird irgendwann vermutlich dann im späteren Verlauf der 2te Bildungsweg beschritten.

Kvann`NichthKlagexn


Danke, das beruhigt mich, dass hier anscheinend viel Toleranz herrscht. Ich kenne das nämlich leider überhaupt nicht so tolerant. Meine Eltern sind sehr festgefahren in ihrem Weltbild und denken, dass, wenn man studiert hat (das haben sie + ich auch), auf jeden Fall auch einen Partner bräuchte, der ebenfalls studiert hat. Wenn ich mal mit jemandem zusammen war, der nicht studiert hat, wollten sie mir immer einreden, ob das denn das Richtige für mich wäre, dass ich meinen eigenen "Wert" nicht erkennen würde, also dass ich angeblich so schlau bin und jemand Besseres verdient hätte usw. Es kommt zwar kein direktes "Der Mann passt nicht zu dir, trenn dich" aber immer so indirekte Sticheleien, z.B. dass von irgendeinem Typen erzählt wird, der *zufällig* den gleichen Job wie mein Partner hat, und der ziemlich ungebildet, übergewichtig oder irgendwas anderes Negatives ist. Das ist angeblich nur so eine Geschichte, die sie mal erzählen wollten, sie geben dann nicht zu, dass sie mir damit zeigen wollen, dass Leute mit diesem bestimmten Job dumm sind.

Mich kotzen diese Vorurteile und dieses Elite-Denken ziemlich an. Ich würde mir nichts mehr wünschen, als in meiner Partnerwahl akzeptiert zu werden und einen Zusammenhalt in der Familie zu haben. :-( Ich wollte deshalb mal fragen, ob so eine Ansicht meiner Eltern der Normalfall ist oder ich da mit außergewöhnlich festgefahrenen Menschen zu tun habe.

Ich bin keine 20 mehr, aber trotzdem belastet mich diese Einstellung und "Gehirnwäsche" durch meiner Eltern sehr - besonders wenn sie es so hintenrum oder durch Sticheleien von sich geben.

Lmoutisi[anxa


Schwierige Frage. Bildung oder zumindest Intellekt ist eine Facette, die zur Augenhöhe gehört. Aber nur eine von vielen.

Ich schreibe aber absichtlich Bildung und nicht Bildungsabschluß, denn man sieht oft genug, dass Akademiker nicht mal ordentlich schreiben können, und damit meine ich nicht etwaige Probleme zwischen alter und neuer deutscher Rechtschreibung. Mir ist also jemand mit einer guten Allgemeinbildung lieber als ein Akademiker, der sich irgendwie durchgewurschtelt hat.

Selbst bei Hauptschulabschlüssen kann es sein, dass die Person einfach stinkendfaul war, aber das Potential gehabt hätte, Abitur zu machen.

L4ou{iysianxa


Danke, das beruhigt mich, dass hier anscheinend viel Toleranz herrscht. Ich kenne das nämlich leider überhaupt nicht so tolerant. Meine Eltern sind sehr festgefahren in ihrem Weltbild und denken, dass, wenn man studiert hat (das haben sie + ich auch), auf jeden Fall auch einen Partner bräuchte, der ebenfalls studiert hat. Wenn ich mal mit jemandem zusammen war, der nicht studiert hat, wollten sie mir immer einreden, ob das denn das Richtige für mich wäre, dass ich meinen eigenen "Wert" nicht erkennen würde, also dass ich angeblich so schlau bin und jemand Besseres verdient hätte usw.

Ich kenne diesen Standesdünkel und finde ihn ekelhaft. Wenn man eine Gabe hat, dann ist es kein Verdienst sondern gegeben. Sich darauf auch noch etwas einzubilden, finde ich ziemlich daneben.

Was nützt es denn, wenn Du "standesgemäß" heiratest, Dich also nicht unter Wert verschleuderst, und dann mit jemandem zusammen bist, der ein Idiot ist? Aber Hauptsache Akademiker? Ich finde wichtig, dass man genügend Themen hat, über die man reden und diskutieren kann, wenn die Ebene stimmt, ist das Stück Papier unwichtig.

cUriec4ha5rlie


Mich kotzen diese Vorurteile und dieses Elite-Denken ziemlich an.

Der Grundtenor im I-Net - und auch hier im Faden - ist doch, dass heutzutage jeder Abitur bekommt und jeder studieren kann, dass es viel zu viele gibt, nichts mehr besonderes etc...

Kann man sehen wie man will, die Frage, die sich nur stellt, ist, ob es wirklich Elite-Denken Deiner Eltern ist oder einfach Lebenserfahrung.

Tatsächlich kenne ich aus meinem persönlichen Umfeld keine Beziehung, die eine lange Ehe wurde, wenn die Partner bildungstechnisch sehr auseinander waren. Das ging für ein paar Jahre gut,

aber dann nicht mehr und danach hatte immer jeder einen Partner aus seinem eigenen beruflichen Umfeld mit etwa gleichen Voraussetzungen.

Deine Eltern meinen halt wahrscheinlich Ähnlichkeiten, die nichts mit Wissen zu tun haben, sondern mit einer bestimmten Art, an Dinge ran zu gehen und mit einer Art Menschen- und Persönlichkeitsprägung, die einer akademischen oder einer nicht-akademischen Ausbildung zu eigen sind. Beides schafft jeweils Gemeinsamkeiten.

Ich persönlich habe Freunde, die nicht studiert haben, aber der Umgang mit ihnen ist ein anderer als der mit denjenigen, die studiert haben, am meisten fällt mir der Unterschied bei der Argumentation auf, egal, welches Thema es betrifft.

Das ist nichts Schlimmes, aber ich bin gegenüber den Nicht-Akademikern selten "frei" in meiner Wortwahl oder Ausführung, weil ich unbewusst immer Angst habe, dass sie mich für überheblich halten, wenn ich schneller auf den Punkt kommt, Dinge einwerfe, die sie nicht wissen oder Abläufe dezidiert mit Querverbindungen bis weit in die Vergangenheit verfolge und darstelle.

Und zumindest in meinem Falle liegt das an der Unmasse von methodischen Abläufen, die ich im Studium bewältigen musste.

Am schlimmsten finde ich es immer, wenn sich im Brustton der Überzeugung irgendwelche küchenpsychologischen Dinge zusammengereimt werden, man aber taub für fundierte Erkenntnisse in dem Bereich sind, weil sie einfach den Unterschied zwischen Meinung und Erkenntnis nicht kennen.

Für eine Partnerschaft wollte ich das auf Dauer nicht, dass ich nicht "ich selbst" sein kann.

Aber vielleicht kam nur noch nicht der richtige.

Mfoni%ka65


Ähnlicher Bildungshintergrund ist auf jeden Fall ein wichtiges Kriterium für Augenhöhe. Für mich stellt sich eher die Frage, ob und welche Beziehungen immer "auf Augenhöhe" sein müssen, sind sie sehr häufig nicht.

NIalax85


Kein psychisch gesunder Mensch, der über die Intelligenz verfügt, erfolgreich ein Studium zu absolvieren, wird sich auf Dauer mit einem Hauptschulabschluß zufrieden geben in der heutigen Zeit.

Wieso? Wenn für seinen Traumberuf kein Studium notwendig ist, warum sollte er es dann tun?

Um irgendein Studium zu haben, quasi als Zeugnis seiner Intelligenz?

Meinen Beruf könnte man sowohl als Lehre, so wie ich als Beruffschule mit Abi, aber auch mit Gymnasium und anschließendem Studium ergreifen. Und wir sitzen hier dann alle an der selben Position :=o

Ich habe nicht studiert, weil ich eben schon eine Ausbildung hatte und alles weiterführende mich 1,5 Jahre Studium nur das wiederholen hätte lassen was ich schon in der Berufsschule gelernt habe. Und das für 2.000 Euro im Semester. Da bin ich lieber mit 19 gleich arbeiten gegangen - aber ich hatte eben das Glück mit 15 schon zu wissen was ich mal machen will.

Meine Kollegin hat das ganze Gymnasium über keinen Schritt in diesen Beruf gemacht, aber ihn dann studiert und ist so zu ihrer Ausbildung gekommen. Sie ist halt jetzt 3 Jahre älter als ich - aber wir machen den selben Job. Sie hat einen Mag. Titel - ich nicht, für meinen Chef macht das aber keinen Unterschied. Den einzigen Unterschied den ich bei uns sehe ist, dass sie mehr theoretisches Wissen hat (bspw. über berühmte Personen in dieser Branche) - ich aber im Handwerk an sich routinierter bin, bzw. mir leichter handwerkliches selbst aneigne.

M6innaKly


Der reine formale Bildungsabschluss einer Person ist mir ziemlich egal. Als Entscheidungskriterium für eine Partnerschaft oder eine Freundschaft sagt dieser für mich gar nichts aus.

Interessanter finde ich ein Bildungsniveau, dass mit meinem soweit kompatibel ist, dass man sich gut Unterhalten kann.

D%i_eKruexmi


Meinen Beruf könnte man sowohl als Lehre, so wie ich als Beruffschule mit Abi, aber auch mit Gymnasium und anschließendem Studium ergreifen. Und wir sitzen hier dann alle an der selben Position

als Lehre mit Hauptschulabschluß?

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