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Mein Mann hat eine kalte Seite

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Meine Mutter hat das meinem Vater immer vorgeworfen, wenn sie gelitten hat, sich alles von der Seele reden wollte und er keine Lust hatte, sich ihre ganze emotionalen Ballast anzuhören oder gar anzunehmen, denn natürlich war das nicht nur in einer Sache so, weil sie schlicht jemand ist, die schlicht besonders emotional ist und ihre Probleme eben ständig wiederholt.

Den Vergleich finde ich an dieser Stelle passend. Oft denken Menschen, der muss doch jetzt genauso damit umgehen wie ich.

Mancher Mensch möchte seine Probleme verbal nach außen tragen, mancher möchte sie lieber vergessen, wenn sie nicht lösbar sind. Ich halte die Erwartungshaltung: "Der muss mich doch jetzt trösten und mit mir fühlen" genauso problematisch und egoistisch wie: "Die soll mich damit in Ruhe lassen". Ich glaube, dass hier nur gegenseitiges Verständnis für das unterschiedliche Umgehen mit Problemen hilft. Jemanden ständig mit seinem eigenen Problem zu belasten ist nämlich auch nicht sehr rücksichtsvoll- jeden falls nicht minder rücksichtslos, als ein: "lass mich doch damit in Ruhe".

Nur leider empfinde ich die heutige Menschheit immer verbissener und bitterböse, kaltherzig und egoitisch.

Ich empfinde die Menschheit nicht bitterböse, kaltherzig und egoistisch- ja es gibt solche Menschen, es gibt aber auch freundliche, warmherzige und rücksichtsvolle/hilfsbereite Menschen.

Ich sehe aber nicht unbedingt warmherziges und rücksichtsvolles Verhalten darin, wie stark jemand sein Mitgefühl verbal zeigt (oder spielt), sondern was jemand zur Lösung von Problemen im Handeln beiträgt- und ja, es kann durchaus hilfreicher und rücksichtsvoller sein, klare und harte Kritik zu üben, damit eine Änderung erfolgen kann, als jemanden durch "Mitheulen" in seinen Problemen einzuklammern. Klar kann es mitunter schon hilfreich sein (wenigstens unterstützend), jemanden einfach freundliche Worte zu spenden, Verständnis und Mitgefühl zu zeigen, ihn in den Arm zu nehmen und zu drücken- das ist aber keinesfalls immer die richtige oder ausreichende Hilfe. Das kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein.

Ich will das mal am Beispiel eines schockgefährdeten Menschen illustrieren:

Da ist jemand mit einer schmerzhaften schwereren Verletzung. Nun kann eine Person sich der verletzen Person zuwenden, indem sie mit wehklagt, "wie schlimm die Wunde ist", Mitgefühl zeigen wollen, "wie schmerzhaft das sein muss"- das ist eine der "besten" Methoden, die verletzte Person in einen Schockzustand zu überführen, weil man dieser Person ihren Schmerz wesentlich bewusster macht.

Man kann natürlich auch vollkommen anders reagieren- man kann einfach über vollkommen andere Themen sprechen, die Verletzung scheinbar ignorierend, kein Wort über die Verletzung zu verlieren und die Wunde vorsichtig ruhigstellen und verbinden ... (man könnte fehlendes Mitgefühl unterstellen)

Es ist nicht unbedingt immer hilfreich, über das Problem selbst zu sprechen- manchen mag das fälschlicherweise kaltherzig erscheinen- es ist aber mitunter alles andere als das- manchmal ist das sogar sehr besonnenes Handeln.

Und hier liegt vielleicht ein allgemein menschliches Problem. Oft genug wird das Denken, Fühlen und Handeln anderer Menschen vollkommen falsch interpretiert- in der Regel durch starre feste Vorstellungen die während der Erziehung geprägt wurden, woran man das Denken und Fühlen einer anderen Person "erkennt". Aber: Nicht jedes Lächeln muss eben ein freundliches sein, nicht jede "mitfühlend" ausgesprochenen Worte müssen tatsächlich mitfühlend sein, nicht jedes Schweigen muss mit fehlendem Mitgefühl verbunden sein.

Ob du die Reaktion deines Mannes als kalt empfindest muss nicht unbedingt damit zu tun haben, ob dein Mann in der Tat diesbezüglich kalt ist- u.U. verarbeitet er Probleme nur anders, wofür dir das Verständnis fehlt (OK, es könnte auch tatsächlich kalt sein). Deutung/Gefühl ist nicht gleich Realität- dafür unterliegt Mensch zu vielen Täuschungen in seiner Gefühlswelt.

Nicht jeder Mensch trägt seine Emotionen nach außen. Mancher Mensch verarbeitet seine Emotionen innerlich für sich. Emotionen bei einer anderen Person fehlen nicht, nur weil man sie selbst nicht wahrnimmt oder wahrnehmen kann. Da sollte man schon sehr vorsichtig mit seinen (Vor)Urteilen sein. Vielleicht wird dein Mann auch nur deiner eigenen Erwartungshaltung nicht gerecht- weil er das Problem anders als du es sieht- vielleicht hilft es dir, einfach deine Erwartungshaltung zu überprüfen.

ZQimtkeqksx77


Hallo,liebe Themenstellerin!

Darf ich zum besseren Verständnis zwei Fragen stellen?

Wie alt seid ihr?

Du schriebst von gemeinsamen Kindern...wieviele habt ihr und wie alt sind sie?

Ich habe jetzt nicht alle Diskussionsrichtugen gelesen...

Aber mir fiel auf, dass vor der Fehlgeburt die Familienplanung offenbar abgeschlossen war?

Ihr hattet schon Kinder und dein Mann wollte definitiv keine weiteren und du scheinbar auch nicht, da ihr ja über eine Sterilisation des Mannes ( Vasektomie?) nachgedacht habt.

Dann wirst du ungeplant schwanger und das obwohl keiner mehr Kinder wollte...Da ist ja klar dass dein Mann nicht grad vor Freude aus den Socken springt.

Dann hast du eine Fehlgeburt, du verlierst das Kind was scheinbar ungewollt war,insbesondere von deinem Mann. Er hat mit Sicherheit zur Schwangerschaft kein emotionales Verhältnis aufgebaut. Folglich kann dabei der bedauerlichen Fehlgeburt keine große Reaktion von ihm kommen

Meine Satzzeichen Taste geht grad nicht :(v

Ich höre raus dass du mit der langfristigen Unfruchtbarkeit deinerseits haderst.

Aber warum?

Wenn du schon Kinder hast und vielleicht Ende 30 (?)bist, betrachte doch die Vorteile. Nicht mehr verhüten müssen, keine Mens...

Ich denke vielleicht solltest du das für dich professionell aufarbeiten,sonst nagt es weiter an dir und du gibst deinem Mann unbewusst die Schuld dafür, obwohl er nichts dafür kann.

Klar ist es nicht toll, dass er etwas verschlossen in dem Thema ist. Aber ich denke damit ist er nicht alleine.

Wenn das Ganze nicht nur dich sondern auch eure Ehe runterzieht, sollte ihr vlt über Paartherapie nachdenken. Aber oft hilft es schon viel, wenn sich das eigene Denken verändert. Dann verhält man sich Andersons setzt unbewusst beim Partner ggf. ebenfalls neue Verhaltensmuster in Gang.

Alles Gute!

P\ytho?nixst


Was ist denn dein Blick nach vorn, WehesHerz? Den vermisse ich recht deutlich.

Deine Gedanken sind bei den Ereignissen 2 Jahre zurück, aber die Vergangenheit lässt sich von dir doch nicht mehr ändern oder beeinflussen.

Aber das morgen, das lässt sich von dir beeinflussen. Du selbst hast es doch in der Hand, ob es morgen wieder traurig wird, oder nicht. Darin liegt doch eine Chance.

OaneF lowexr


Naja, ich kann es schon verstehen. Ihrem Herzen geht es nicht gut wegen dem Verlust des Kindes. Das Herz ist noch in der Vergangenheit.

Pxyth,on+ist


Aber durch diese starke Rückbesinnung in die Vergangenheit hat sie ja auch weniger Platz in der Gegenwart: weniger mentalen Platz für sich selbst, weniger mentalen Platz für ihre Kinder, und nicht zuletzt für ihren Mann, für das Jetzt, Heute, und Morgen.

Ihr Mann könnte bestimmt einfühlsamer sein (anfangs war er das noch, schrieb sie), aber wenn er nur mitfühlend und mitklagend zurückblicken würde, würde er auch wie ein Trauerkloß dahängen. Also distanziert er sich. Zumal nach doch immerhin schon 2 Jahren. Er unterstützt ihren Trauerweg nicht mehr aktiv. Und bei aller Trauer: immerhin blickt er so nach vorn statt zurück.

Für mich ist schwer abzugrenzen, wo hier "normale" Trauer noch der passende Begriff ist und wo für WehesHerz dann schon eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) in Betracht gezogen werden kann, die hier eben durch ein Trigger-Ereignis (gleiche Zeit im Jahr) wieder verstärkt wird. Ich denke, es kann sich für sie lohnen, das mal in Betracht zu ziehen und ggf. untersuchen zu lassen. Aber ich will auch keine Ängste schüren, die bisher nicht da waren, sondern ihr mit diesem Rat eine Hilfe geben.

E}voluzxzer


Leider wissen wir nicht sehr viel mehr über deinen Mann. Seinen Charakter auf sein Verhalten nach deiner Fehlgeburt zu reduzieren wäre sicherlich falsch. Zuerst einmal möchte ich sagen, dass es sicherlich kein böser Wille seinerseits ist, vielmehr haben Männer einfach keinen Plan, wie sie sich in solch einer Situation verhalten sollen. Da er auf emotionaler Ebene nicht sehr kommunikativ ist, scheint er wohl Schwierigkeiten im allgemeinen damit zu haben. Ich betrachte dies immer als eine Frage von Fähigkeiten, manche haben es einfach nie gelernt und sich auch nicht erarbeitet. Deswegen sind sie keine schlechten Menschen.

Eine Lösung würde ich jedoch nicht bei ihm, sondern zuerst bei dir suchen. Viel von dem, was du schreibst und beklagst hat mehr mit dir, als mit deinem Mann zu tun. Ich würde versuchen einige Therapiestunden zu bekommen. Deinem Mann gegenüber würde ich es so darstellen, dass du da was aufarbeiten musst, was in professionelle Hände gehört.

Im besten Falle gewinnst du damit seine Aufmerksamkeit und möglicherweise auch mehr Offenheit, miteinander über Dinge zu reden. Im schlechtesten Falle tust du es eben für dich, was an und für sich eh das Entscheidendere ist, denn du bist es, die lernen will, mit einer Situation besser umzugehen. I.d.R. ändert man sich selbst leichter, als einen anderen Menschen.

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