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Mutter fällt durch jedes soziale Raster. Noch helfen?

Alias 734704 hat die Diskussion gestartet


Hi,

puh, ich muss mich einfach mal ein bisschen ausheulen über meine Mutter, die mir sehr leid tut, aber ich bin nicht imstande, ihr zu helfen.

Sie ist 64 Jahre jung.

Anfänge: Sie kommt vom Land, kinderreiche arme Bauern-Familie. Durch unbehandelte Mittelohrentzündungen Hörschaden (60% Taubheit) und angeborene Sprachlähmung (nicht ganz so schlimm). Schwerhörigkeit nie behandelt im Kindes und Jugendalter. In der Grundschule sitzen geblieben, sozial stark auffällig (andere Kinder verprügelt usw). Von der Hauptschule mit 12 ausgeschult, da durch die Hörprobleme zu starke Rechtschreibprobleme, Rechenschwäche, sämtliches Allgemeinwissen fehlt (in der Grundschule hat sich keiner drum gekümmert). Außerdem könne sich niemand um die Hörprobleme kümmern.

Dadurch kein Schulabschluss.

Keine Ausbildung, Putz-Jobs, Gelegenheitsarbeiten wie Zeitarbeit, Regale einräumen.

Später: Vater kennen gelernt, mit ihm Glück gehabt, mich bekommen. Vom einen ins nächste Dorf gezogen. Dort ging es schon zu ca. ihrem 22 Lebensjahr los mit psychischen Problemen. Verfolgungswahn, schwere Depressionen, Borderline-Anzeichen. Auf dem Dorf kein Rückhalt. Psychische Krankheit wird als Blödheit und Ungehorsam angesehen. Anfangs noch viele Freunde, die sie aber bald alle mit Streits vergrault. Vater ganztags auf der Arbeit, viel Streit mit Schwiegermutter, bei denen die Familie wohnt. Mutter klammert sich sehr an mich (Sohn), hetzt mich in meiner Jugend viel gegen Vater und Oma auf, setzt aber in Vaters Gegenwart das Gesicht der liebenden Ehefrau auf.

Jetzt-Zustand: Mutter hat zahlreiche Therapien, psychologische Kuren und Psychiatrieaufenthalte hinter sich, die sie aber immer wieder abbricht. Krankheitseinsicht ist nicht so richtig vorhanden, ihrer Meinung nach sind andere Leute Schuld an ihrem Zustand. Sie hat keine Hobbys und lässt sich zu nichts begeistern. Sie kann mit 62 nur rudimentär schreiben und lesen, aber möchte auf keinen Fall etwas dagegen unternehmen. Sie verbringt den Tag mit Grüblereien, sagt, andere hätten sie "kaputt gemacht", ärgert sich viel über Verhaltensweisen ihrer Mutter, Lehrer, Schwiegermutter von vor bald 50 Jahren.

Konflikte werden auf ihre Schwiegermutter übertragen, teilweise auch auf deren Freundinnen. Und auf meinen Vater.

Es werden verschiedene Krankheitsbilder geschätzt, Bipolares, Borderline, Depressionen. Tabletten gab es viele, aber die Einnahme bricht sie immer wieder ab. Sie betrachtet das als "Ruhigggestellt werden, damit die eigentlichen Täter ihre Ruhe haben". Da sie sich nicht richtig formulieren kann, haben die Ärzte keinen Bock auf sie.

Die Verantwortung für alles (Behörden, Einkäufe, Ärzte usw) lädt sie bei meinem Vater ab, zu dem sie ein ambivalentes Empfinden hat. Einerseits hasst sie ihn, andererseits sagt sie auch, wenn der mal stirbt, bringt sie sich mit um, ihr Leben sei dann vorbei.

Es wird gelegentlich (selten aber) mit Selbstmord gedroht. Immer wieder werden alte, triggernde Geschichten ausgepackt (Lehrer, die mit Stöcken hauen), heulend auch mal nachts am Telefon.

Sie ist starke Hypochonderin und erwartet, dass man sich hauptsächlich für ihre Krankheiten interessiert. Tägliche Nachrichten der Enkel über Handy betrachtet sie als Aufforderung, sich nur für andere zu interessieren, nach ihr frage keiner.

Sämtliche Ärzte und Anwälte hat sie (erfolgreich) probiert zu verklagen, weil die ihr nicht helfen.

Mutter will keinen Zentimeter von ihrem Schema abrücken, aber unterstellt mir (Sohn), dass ich mich nicht für sie interessiere, dabei bin ich der einzige, der das tut. Oma und Vater haben aufgegeben, überlassen sie total sich selbst, weil sie so anstrengend ist.

Aktuell ist sie wieder in der Psychiatrie. Aber bin mir nicht sicher, ob das was helft, es wird nur Kunsttherapie zum Entschleunigen angewandt.

Gibt es irgendeine Möglichkeit, Mutter noch zu helfen?

Antworten
nLimuex88


Eine schwierige Situation, in der du dich befindest. Und deine Mutter auch.

Fakt ist - leider kann nicht jedem geholfen werden, weil viele Menschen sich auch nicht helfen lassen wollen. Bei deiner Mutter ist das bestimmt auch krankheitsbedingt so. Und sie hat da leider/gottseidank auch das Recht dazu, selbst zu entscheiden, welche Hilfe sie möchte und welche nicht.

Das hilft dir als Sohn jetzt nicht viel weiter, aber versuche gut auf dich selbst zu achten.

Dqie STehexrin


warum willst du deiner mutter helfen? und nein, diese frage ist nicht zynisch gemeint!

was ist deine motivation? ihr leben zum "endspurt hin" noch angenehmer zu gestalten? dich und deinen vater zu entlasten. sie als menschen zu retten? was?

S|unfldowerx_73


Schwierig... schon mal über eine formelle Betreuung nachgedacht?

TDh>eBlDackPWxidow


Du hast es doch schon im 1. Satz geschrieben: Du bist nicht imstande, ihr zu helfen. Du kannst es einfach nicht.

Ich kenne einen ähnlichen Fall im persönlichen Umfeld sowie die psychischen Auswirkungen auf Ehemann und alle 3 Kinder.

Die Kinder haben irgendwann aufgegeben, die Mutter ihr Leben leben lassen und sich ihren Familien gewidmet.

BQiskoutti


Helfen im Sinne von "sie heilen" kaum, helfen im Sinne von "da sein" kannst Du. Vorausgesetzt, Du bringst die Kraft dazu auf.

C3londy:ke


Vlt. habt Ihr in der Nähe einen Sozialpsychiatrischen Dienst, den Du mal aufsuchen kannst. Und ja, ein/e

Betreuer/in für Deine Mutter wäre sinnvoll.

R$alp'h_HH


Die spannende Frage wäre ja, was denn das beste für deine Mutter wäre und wer das festlegt.

Die Betreuer, Ärzte und Familie sind sich sicher, das beste wäre eine Therapie. Offenbar ist Deine Mutter selbst aber anderer Meinung und das ist ihr gutes Recht. Solange sie keine Therapie, keine Pillen will, braucht sie keine nehmen. Es ist ihr Leben. Sie hat ja eine Weile Tabletten genommen offenbar, aber das hat zumindest nicht so angeschlagen, dass sie die gerne weiter nehmen würde. Ruhig gestelt... Wenn sie sich ohne die Pillen fitter fühlt, dann ist das so.

Und zu dem Thema alle anderen sind Schuld. Ja, zu dem Ergebnis kann man auch bei ganz objektiver Betrachtung kommen. Nur dass die schuldigen von damals heute nicht mehr dabei sind. So etwas gehört tiefenpsychologisch aufgearbeitet, aber das muss sie wollen!!

BTiskHottxi


ihrer Meinung nach sind andere Leute Schuld an ihrem Zustand. Sie hat keine Hobbys und lässt sich zu nichts begeistern. Sie kann mit 62 nur rudimentär schreiben und lesen, aber möchte auf keinen Fall etwas dagegen unternehmen.

Was, auch ganz objektiv gesehen, eine Mitbeteiligung durch ihre eigene Passivität an ihrem unglücklichen Zustand nicht ausschließt. Ich würde aber nicht von Schuld reden, weder von ihr noch von anderen. Es gibt Lebensverläufe, die sich aus den verschiedensten Voraussetzungen einfach sehr nachteilig ergeben. Wenn sie es nicht sehen kann oder will, dass es auch an ihr selbst liegt, kann ihr das niemand einbläuen.

Bjis:kottti


Besser: IN ihr selbst liegt und an ihrer Einstellung.

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