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Gefühlswirrwarr

M_erlxen hat die Diskussion gestartet


Hallo miteinander,

im Augenblick befinde ich mich in einem totalen Gefühlswirrwarr und weiß nicht wirklich, was ich machen soll.

Ich bin 24 Jahre alt und seit knapp 6 Jahren mit meinem Freund zusammen. Seit 5 Jahren wohnen wir gemeinsam.

Er ist ein absolut liebenswürdiger Mensch und von Grund auf gut. Wir halten zueinander, sind uns Pfeiler, eine stabile Beziehung, auf Augenhöhe und wir vertrauen uns, zumindest bis jetzt.

Nun ist es so, dass ich einen anderen Mann kennengelernt habe. Dieser Mann gibt mir das Gefühl wieder ein kleines Mädchen zu sein, sich frei atmend und wach zu fühlen, beachtet und begehrt. Wir hegen Sympathie füreinander und können miteinander reden, ohne dass es unangenehm wäre. Sexuell gesehen wären wir das jeweilige Gegenstück und könnten unsere Neigungen ausleben, ohne dass es für einen von beiden einen Kompromiss bedeuten würde. Soviel hierzu.

Gefühlsmäßig habe ich meinen Freund betrogen, ohne dass es mit dem anderen Mann zu körperlicher Intimität gekommen wäre. Für mich ist die Situation total absurd, weil ich mich bis dato nie mit so etwas konfrontiert sah. Ich schwärme für ihn, bin mir allerdings nicht sicher, ob ich für das Gefühl schwärme, was er in mir weckt, oder für die Person an sich.

Noch viel wichtiger aber ist, dass mir meine Unzufriedenheit in der Beziehung bisher nicht in der Intensität aufgefallen war und mich das jetzt mit einem Schlag trifft. Mein Freund und ich hatten in der Vergangenheit zwar Gespräche miteinander, allerdings war mir selbst damals nicht bewusst, wie sehr das an mir nagen würde und wie still-leidensfähig ich eigentlich bin. Ich dachte immer, dass meine Gefühle "sicher" wären und nun muss ich feststellen, dass das nicht so ist.

Es ist nicht so, dass mein Freund mich nicht lieben würde. Er sagt es mir oft und ich glaube es ihm auch. Aber ich fühle mich emotional verarmt in unserer Beziehung, irgendwie so alleine. Er hat es sich bequem gemacht und auch ich habe irgendwann Platz genommen. Jetzt könnte man vielleicht hieran arbeiten. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich noch daran arbeiten will/kann. Ich schäme mich so dafür, weil ich ihm einer Chance beraube, die er eigentlich verdient hätte. Nur denke ich, dass es für uns beide ein Verbiegen wäre, das keiner von uns verdient hat. Und vor allem zweifle ich daran, dass meine Gefühle für ihn wieder belebt werden können.

Es wäre einfacher, wenn ich ihn sonst als Menschen nicht so schätzen würde. Ich will ihn nicht verlieren, dabei habe ich ihn auf gewisse Weise schon verloren.

War von euch jemand schon in einer solchen Situation? Ich fühle mich so hilflos.

Liebe Grüße

Antworten
D$ie Syeherin


Jetzt könnte man vielleicht hieran arbeiten. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich noch daran arbeiten will/kann.

"können" kannst du nur, wenn du willst und wenn dein freund mitarbeiten würde!

versuche dich gedanklich vielleicht einmal darauf zu konzentrieren, dass es wahrscheinlich gar nicht um diesen bestimmten anderen mann get, sondern um das, war er ausgelöst hat. dass du wegen dieser gefühle die schwachstellen deiner beziehung genauer anschauen musst.

weißt du, du und dein freund, ihr habt euer erwachsen werden geteilt, seid einen ganz wichtigen und prägenden weges abschnitt in eurer entwicklung miteinander gegangen... die frage ist, ob ihr immer noch auf dem weg in die gleiche richtung seid?

EZinM-ann6P5


Tja, dir geht es nur so wie vielen Millionen anderen Paaren auch, dass mit der Zeit eine Gewöhnung sich einstellt. Und damit Routine. Und plötzlich taucht ein anderer Mensch auf, den findet man anziehender, spannender, interessanter. Man spürt wieder ein Kribbeln, die Lust erwacht endlich wieder.

Aber "darf" man nachgeben? Darf man seinen (momentanen) Gefühlen nachleben? Ist man ein einzelner, freier Mensch oder ist man in erster Linie Partner, Freund, Ehemann/-frau? Ist man individuell oder sozial? Schwere Entscheidungen!

M'erlxen


Vielen Dank für die Antworten :-)

Ob wir noch auf dem Weg in die gleiche Richtung sind?

Ich weiß es nicht. Im Prinzip teilen wir gleiche Werte und Ansichten. Ich fühle mich in einigen Punkten aber einfach alleine. Wenn ich etwas mit Freunden machen will, dann muss ich es alleine machen. Wenn ich mal weggehen will, dann muss ich es alleine machen. Wenn irgendwas geklärt (Papierkram) werden muss, dann muss ich es alleine machen, mich (gefühlt) alleine ärgern und alleine nach Lösungen suchen. Mir fehlt diese Teilhabe, das gemeinsame Schaffen von Erinnerungen. Wir leben in dem Trott, dass er zum Sport und anschließend zur Arbeit geht, irgendwann dann nach Hause kommt und eigentlich zu nichts mehr wirklich Lust hat - außer Sex, bei dem wir auch unterschiedliche Neigungen haben - und dann schlafen geht. Und wenn man all das anspricht, dann schlägt einem das große Schweigen in's Gesicht. Es ist aber keine Gleichgültigkeit, er kann einfach nicht anders.

Würde ich meinen momentanen Gefühlen nachleben, dann wäre ich nicht bei ihm. Ich fühle mich nicht als einzelner, freier Mensch oder als Partner/Freundin/Ehefrau. Ich fühle mich als einzelner Mensch, der sich großteils mutterseelenallein in einem partnerschaftlichen "Gefängnis" bewegt.. Versteh mich nicht falsch - ich bin niemand, der die absolute Freiheit braucht. Ich bin eigentlich auch niemand, der stets auf der Suche nach dem Besseren ist und geht, wenn es problematisch wird.

Liebe Grüße

CJoteQSauxvage


Wenn ich etwas mit Freunden machen will, dann muss ich es alleine machen. Wenn ich mal weggehen will, dann muss ich es alleine machen. Wenn irgendwas geklärt (Papierkram) werden muss, dann muss ich es alleine machen, mich (gefühlt) alleine ärgern und alleine nach Lösungen suchen. Mir fehlt diese Teilhabe, das gemeinsame Schaffen von Erinnerungen. Wir leben in dem Trott, dass er zum Sport und anschließend zur Arbeit geht, irgendwann dann nach Hause kommt und eigentlich zu nichts mehr wirklich Lust hat - außer Sex, bei dem wir auch unterschiedliche Neigungen haben - und dann schlafen geht. Und wenn man all das anspricht, dann schlägt einem das große Schweigen in's Gesicht.

Da frag ich mich was dir diese Beziehung überhaupt bringt bzw ob das überhaupt eine "Beziehung" ist. Im Prinzip lebt ihr doch wie 2 Singles, oder?

MLer/lxen


Dass da jemand ist, der einen liebt. Der in unmöglichsten Situationen zu Dir steht, dich immer in den Arm nimmt und dich nicht verlassen würde. Der einen nimmt, so wie man ist und es keine Peinlichkeiten gibt.

Wie zwei Singles leben wir nun auch nicht. Er ist ja nicht gleichgültig oder desinteressiert an mir. Ich befürchte nur, dass wir vom Wesen bzw. unseren Bedürfnissen zu unterschiedlich sind. Ich will das Gefühl haben, zu leben, zu fühlen, zu erfahren und das teilen und gemeinsam erfahren. Ihm reicht seine Welt.

Liebe Grüße

TcraumfäYng2erinxa


Ich gebe dir den Rat dich zu trennen.

Der neue Mann hätte es nicht in dein Leben geschafft, wenn die Beziehung mit deinem Freund passen würde.

Und es passt halt nicht mehr.

Da ist ganz viel Gewohnheit, Routine, Geborgenheit, Vertrautheit und natürlich wird es wehtun das/ihn zu verlieren.

Die Alternative ist sich immer nach dem anderen zu verzehren und sich zu fragen "Was wäre wenn...?"

Mit 24 Jahren bist du noch so jung, dass ich an deiner Stelle einen Neuanfang probieren würde.

Aber eben geordnet, erst sich trennen, auseinander ziehen und nicht schon vorher fremdgehen. Aus Respekt.

C_oteSzau/vagxe


Dass da jemand ist, der einen liebt. Der in unmöglichsten Situationen zu Dir steht, dich immer in den Arm nimmt und dich nicht verlassen würde. Der einen nimmt, so wie man ist und es keine Peinlichkeiten gibt.

Reicht dir das (auf längere Sicht)?

Sex, bei dem wir auch unterschiedliche Neigungen haben

Das schreibst du so nebenbei, aber das finde ich schon wichtig.

M(eJrlen


Nachdem ich die letzten Wochen und Tage immer mit mir alleine an meinen Gefühlen und der Situation gegrübelt hatte und immer mehr das Gefühl in mir aufkam, dass ich bald platze und die Situation für mich immer unerträglicher wurde, habe ich mit meinem Freund gesprochen.

Den anderen Mann habe ich dabei erstmal ganz ausgeklammert, weil ich mir über seine Rolle als Person nicht im Klaren bin. Ich kann einfach nicht sagen, ob es der Mensch an sich ist oder viel mehr die Gefühle, die er in mir weckt, dass er mir den Ist-Zustand in meiner Beziehung indirekt aufzeigt. Was das anbetrifft, bin ich momentan am Ordnen meiner eigenen Gefühle – allerdings bin ich da bisweilen zu keinem Ergebnis gekommen. Jedenfalls versuche ich im Augenblick die Gefühle und Gedanken einfach zuzulassen und sie nicht ständig zu bewerten. Sie sind eben da, gleich ob ich sie "verwerflich", "falsch" oder "ungerecht" finde – sie sind da und damit, dass ich sie ständig versucht habe, zu bewerten, bin ich nicht wirklich weitergekommen.

Letztlich habe ich meinen Freund gesagt, dass es in der Form so nicht mehr weitergehen kann. Dass er gemerkt hat, wie ich mich (ungewollt) distanziert habe und dass ich ihm damit auch nicht weh tun möchte. Er ist mir sehr wichtig – und ich bräuchte im Augenblick einfach etwas Abstand und dass ich mir wünschen würde, wenn er mir diesen zugesteht.

Ich habe ihm gesagt, dass wir sehr unterschiedlich in unseren Bedürfnissen sind. Dass ihm das ausreicht, was er im Augenblick hat – dass das eben sein Leben ist, mit mir, dem Hund, seiner Arbeit, seinem Sport und unserer Wohnung – ich aber anders sei – erleben will, geselliger bin, aber das teilen will – nicht nur passiv. Im Laufe der Zeit hat das dazu geführt, dass ich sehr viel alleine war, alleine erlebt habe und mich auch irgendwie alleingelassen gefühlt habe. Dass es eine Zeit gegeben hat, in der ich mir sehr gewünscht habe, dass er mehr aktiv Teil an meinem Leben genommen hätte. Wir haben in der Vergangenheit schon darüber gesprochen, nur wurde meine Seite nicht wirklich ernst genommen (wertungsfrei geschrieben!), jedenfalls hat es nicht dazu geführt, dass sich etwas geändert hätte. Und in der Folge mache ich sehr viel alleine und alleine für mich aus – habe meine kleine eigene Welt mit dem Unterschied, dass ich nicht mehr weiß, ob ich das Bedürfnis habe, dass er daran noch teilnimmt :-|

Er hat nicht sehr viel dazu gesagt. Am Anfang hat er versucht, zu relativieren. Dass das doch gar nicht so sei und wir uns nicht auseinandergelebt hätten. Bis er merkte, dass ich es wirklich ernst meinte. Viel gesagt hat er dennoch nicht, aber das war für ihn sicherlich ein Schlag. Er meinte dann nur, dass ich doch sein Leben sei, dass er doch nicht wisse, wo er hingehöre, wenn ich nicht mehr da sei und er genauso gut aus dem Fenster springen könnte, wenn ich weg wäre :°(

An der Stelle musste ich weinen. Weinen, weil ich ihn nicht verletzen will, weinen, weil ich mich unter Druck gesetzt fühlte. Ich bin mir ganz sicher, dass er mich nicht unter Druck setzen wollte, sondern dass das reine Verzweiflung war. Und dennoch hab ich mich so gefühlt.

Ich bin dann mit dem Hund rausgegangen, weil ich einfach kurz Luft brauchte. Ich war erleichtert, aber gut ging es mir nicht. Und irgendwie hatte ich das Bedürfnis, jetzt bei ihm zu sein.

Ich rief an – er kam vorbei und wir machten einen Ausflug mit dem Hundetier. Er war erleichtert irgendwie und zwischenzeitlich hatte ich auch vergessen, wie es um unsere Beziehung eigentlich steht. Es war so komisch – einerseits hat es so unglaublich gut getan, mit ihm zu sein, andererseits war da ein beklemmendes Gefühl. Aber leidenschaftliche Gefühle – die habe ich nicht. Ich weiß nicht, ob die wieder kommen können. Ich weiß nicht, ob es normal ist, dass man sie irgendwann nicht mehr in der Form hat.

Ich will die Beziehung nicht einfach hinschmeißen. Mein Freund ist mir zu wichtig und das, was wir hatten, ist es mir auch. Der andere Mann macht es mir hierbei gefühlsmäßig nicht leicht, weil er in mir leidenschaftliche Gefühle geweckt hat, die meinem Freund gegenüber eingeschlafen sind. Der erste Schritt ist jedenfalls getan; ich hätte nicht so lange mit meinen Gefühlen alleine hadern sollen..

Liebe Grüße

Weom}bpatzs


Ich finde deine Entscheidung bemerkenswert. Es wäre sicher "einfach" gewesen, dich zu trennen und dem anderen Mann zuzuwenden. Nur weil es holpert,ist nicht unbedingt die komplette Beziehung hinüber. Ihr habt tolle Attribute die für eine gefestigte Partnerschaft sprechen.

Eine Beziehung ist dann am Ende, wenn einer der Partner nicht mehr bereit ist an den Problemen zu arbeiten... und das scheint hier nicht der Fall zu sein :)^

D2ie{ Se<herxin


puh... saublöde situation :-/ im grunde hat dein freund dir zwar zugehört, anscheinend auch den ernst der lage erkannt, aber hat er denn etwas konstruktives beigesteuert? hast du ideen, was genau du dir von ihm wünscht? was an handlungen/verhalten von ihm, euch als paar wieder zusammen bringen könnte?

M{e=rlexn


@ Die Seherin

Etwas Konstruktives hat er leider nicht wirklich beigesteuert. Und das ist in der Situation nicht nur blöd – es stört mich ganz grundsätzlich ziemlich. Er ist eher der ruhigere Typ und das ist für mich auch völlig in Ordnung. Aber sobald Redebedarf besteht, sitzt mir jemand gegenüber, der sich ausschweigt. Das hat nichts damit zu tun, dass es ihm egal wäre o.ä., ich weiß nicht, warum das so ist. Ich merke dann nur, dass ich mich je nach dem in der Konsequenz alleine/allein verantwortlich/überfordert/wütend fühle. Auch darüber haben wir schon gesprochen – es ist ja nicht so, dass ich vom Partner erwarte, meine Gedanken lesen zu können.

Ideen – ich weiß nicht. Es ist irgendwie komisch, weil ich jetzt eine Distanz fühle, die es mir schwer macht. Vor einiger Zeit hätte ich mir gewünscht, dass er mehr dabei ist. Dass er Interesse an meinen Freunden hat, sie z.T. überhaupt kennenlernen will, weniger lethargisch ist und dass er sich weniger anmerken lässt, wenn ihm etwas nicht so viel Spaß macht. Dass er auch mal über seinen Schatten springen kann. Als wir uns kennengelernt haben, war er so viel lebendiger. Er (32) ist zwar älter als ich (24), aber ich fühle mich jetzt auch nicht in einer "Sturm-und-Drang"-Phase – ich will nur keinen Dornröschenschlaf. Und (meine) Leidenschaft hat darunter sehr gelitten. Ich glaube, dass es einfacher wäre, wenn da einfach noch mehr wäre. Im Augenblick fällt es mir schwer, ihn zu küssen oder Sex mit ihm zu haben.

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