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In Teufel's Küche

E,llwa71


@ Moppen

Für mich klingt Eure Ehe auch total beklemmend und freudlos.

Wenn Du Dich zurückerinnerst an Eure Kennenlernzeit: was hat Euch aneinander fasziniert, was hat Euch verbunden, und wie lange hat der Zauber angehalten?

Ist es überhaupt nur ansatzweise denkbar, daran wieder anzuknüpfen?

M#oppten


Oldie49

Es war die Entscheidung, durch das erste Kind, die Beziehung "heilend zu verändern"…was offensichtlich nicht funktioniert hat.

Es kam mir damals nicht so vor. Ich dachte, das was sich nach Stillstand anfühlt, ist nicht zwingend ein schlechtes Zeichen. Ich dachte, das kommt einfach daher, dass es an der Zeit ist für den nächsten Schritt. Das ist es, was ich damals dachte.

Es war DEINE Entscheidung, sein Tagsüber-Schlafen und sein Entfernen von dir zu akzeptieren, nicht mehr dagegen zu kämpfen. Ein wesentlicher Schritt in die Distanz.

Ich sehe, was du meinst, aber ich weiß nicht, was ich hätte tun können, um es zu verhindern. Deutlicher sein? Es immer wieder wiederholen? Ich weiß es nicht. Wir haben damals oft darüber geredet. Wenig produktiv offensichtlich.

Und daraus wird auch bald das Bewusstsein entstehen, das nicht noch mal zu können. Man kann das nicht beliebig wiederholen.

Ich weiß noch nicht genau, weshalb, aber irgendwas macht dieser Satz. Deshalb habe ich ihn noch mal rausgeholt.

Nun, eure Inseln sind sehr unterschiedlich, auf denen ihr euch eingerichtet habt. Du hast offensichtlich zugelassen, dass auf deiner Insel mehr Verpflichtungen sind als auf seiner, weil du – vielleicht aus den Schuldgefühlen nach der vorübergehenden Trennung heraus – ihm "Gutes tun wolltest". Er sollte auf seiner Insel glücklich und zufrieden sein, darum hast du ihn immer weniger mit deinen Problemen belastet. Auch das war eine Entscheidung.

Das Bild mit den Inseln finde ich sehr anschaulich und in gewissen Zügen wechselt amüsant und traurig. Ich denke, du könntest da glatt in allen Punkten unserer Insel-Gestaltung Recht haben.

Und dein Unbewusstes wird dir gesagt haben, dass du bisher nichts Verbotenes tust, denn es gab ja noch keinen Sex.

Eigentlich finde ich es ziemlich falsch und verboten, was wir bislang getan haben. Und ich fühle mich auch recht mies deswegen. Eine solche Intimität und Vertrautheit sollte es außerhalb der Paarbeziehung nicht zu Menschen des anderen Geschlechts geben. Auch wenn es nur eine emotionale Intimität ist.

aber du hast all das, was vielleicht auf der WIR-Insel mit A noch zur Verbesserung hätte beitragen können, da herunter geholt und auf deine Insel mit B geholt. Damit ist die WIR-Insel mit A so gut wie leer. Mehr oder weniger eine Wüste. Und das ist kein Zufall.

Klingt irgendwie mies. Weshalb ist es kein Zufall?

Mwoppexn


RalphHH

Es ist schade, mitzubekommen, dass zwei Partner nicht in der Lage sind, sich in ihrer Beziehung gemeinsam ausreichend Mühe zu geben, zu reden, miteinander zu arbeiten, an sich selber zu arbeiten, um dann aber für einen neuen Flirt Feuer und Flamme zu sein.

Das klingt ein bisschen so wie die strafende, verurteilende Stimme in meinem Inneren. Hätte ich mir nur mehr Mühe gegeben... würde ich mich doch jetzt einfach zusammen reißen und wäre nicht so schwach, dem nachzugeben, was sich gut anfühlt...

Aber bei Euch scheint das schon vorher nicht so ganz perfekt gewesen zu sein. Die Entscheidung, dann auch noch ein 2. Kind in die Welt zu setzen habt ihr dennoch gemeinsam bewusst getroffen

Schwer, meine Kleine im Kopf zu haben und das zu sagen, aber klar, blöde Entscheidung. Vom Punkt, an dem ich jetzt stehe, sogar ne total blöde Entscheidung.

Also seid ihr beiden zu dem Zeitpunkt gewillt gewesen, die Ehe zu erhalten und zu pflegen. Was hat sich da in nur 4 Jahren geändert?

Keine Ahnung. Ich wollte immer zwei Kinder, was mich aber dazu gebracht hat, das unter den Umständen auch durchzuziehen? Ich weiß es nicht. Und was ihn angeht. Er war doch glücklich. Ist er ja immer noch.

M op&pexn


Ella71

Wenn Du Dich zurückerinnerst an Eure Kennenlernzeit: was hat Euch aneinander fasziniert, was hat Euch verbunden, und wie lange hat der Zauber angehalten?

Der wirkliche Zauber? Ich traue es mich gar nicht, das hier jetzt zu schreiben... ich habe gerade mal darüber nachgedacht, und denke, dass es zwei oder drei Monate waren. Danach kam viel Realität dazu. Es war lange Zeit ein wir-gegen-den-Rest-der-Welt. Keine Ahnung, wo das hin ist. Ich fühle mich oft sehr allein.

Ist es überhaupt nur ansatzweise denkbar, daran wieder anzuknüpfen?

Am Anfang noch mal anzuknüpfen? Keine Ahnung. Die Paarberaterin damals hat das auch geschafft, und mit dem gemeinsamen Zurückgehen in die Vergangenheit auch die alten Gefühle geweckt. Hätte ich auch nicht für möglich gehalten.

s~ensibXelm-ann9x9


mit dem gemeinsamen Zurückgehen in die Vergangenheit auch die alten Gefühle geweckt.

Offenbar ließ sich das nur kurzzeitig aufrechterhalten. Genaugenommen möchte dein Mann bei sich nichts verändern. Selbst wenn er es täte, täte er es vemutlich nur eher gezwungenermaßen- das mag er für einen begrenzten Zeitraum durchhalten, danach fällt er aber in der Regel in alte Verhaltensmuster zurück. Wenn die Leidenschaft zur Änderung fehlt, dann ist es ziemlich sinnlos.

Ich halte es für verschenkte Lebensfreude, wenn zwei Menschen sich in eine ungemütliche Form pressen lassen müssen, damit die Beziehung aufrechterhalten wird. Ich bin bestimmt kein Freund von Trennungen- aber wenn es nicht passt, wenn der Aufwand zur Veränderung zu groß ist und mit Freudverlust einhergeht, nur um die Beziehung zu retten, dann halte ich es für verschenkte Lebenszeit. Mich wundert, dass dein Mann das so durchzieht.

RHa$lKph_HxH


Das klingt ein bisschen so wie die strafende, verurteilende Stimme in meinem Inneren. Hätte ich mir nur mehr Mühe gegeben... würde ich mich doch jetzt einfach zusammen reißen und wäre nicht so schwach, dem nachzugeben, was sich gut anfühlt...

Das klang von mir vermutlich ein bischen schärfer als es gemeint ist, weil ich da auch eigene unschöne Erlebnisse habe. Nein, es ist sicher nicht ein "einfach zusammen reißen", es ist schon deutlich mehr. Und es bist nicht nur DU, die sich Mühe geben hätte müssen, sondern ihr beide. Dennoch: Ja, es ist so, eine Beziehung leben, heißt sich Mühe zu geben. Wenn man das nicht will, wird auch die nächste Beziehung scheitern. Nur dass die erstmal unbelastet und fröhlich starten kann. Wie sieht die Beziehung zu dem Mann, von dem Du schwärmst aus, wenn ihr erst mit beiden Kindern zu viert seid? Mag sein, dass das alles viel einfacher ist, weil der neue viel mehr von Arbeitsteilung und Verantwortung hält. Dennoch muss auch das organisiert und bewältigt werden. Man fragt sich bei manchen Paaren gelegentlich, wo diese wären, wenn all die Energie, die in die Verheimlichung von Affären etc. geflossen ist, darauf verwendet worden, die Ehe in Schwung zu halten. Aber das soll keine "strafende Verurteilung" sein, wie sehr du das versucht hast, ob Du alles gegeben hast und das am Ende trotzdem nicht gereicht hat, weißt nur Du.

Die Frage lautet: Geht da noch was, oder ist das hoffnungslos und Du suchst Dir lieber etwas neues, stressfreieres, mit dem Du glücklich bist?

OZld"iex49


@ Moppen

"Es war DEINE Entscheidung, sein Tagsüber-Schlafen und sein Entfernen von dir zu akzeptieren, nicht mehr dagegen zu kämpfen. Ein wesentlicher Schritt in die Distanz." Ich sehe, was du meinst, aber ich weiß nicht, was ich hätte tun können, um es zu verhindern. Deutlicher sein? Es immer wieder wiederholen? Ich weiß es nicht. Wir haben damals oft darüber geredet. Wenig produktiv offensichtlich.

Es ist nicht zwingend nötig, nun herauszufinden, was du damals hättest tun können, weil die Lösungen für dein Problem nicht in der Vergangenheit liegen, sondern in Gegenwart und Zukunft. Aber um zu verstehen, wie sehr auch du am Status Quo mitgewirkt hast, ist es schon hilfreich einzusehen, dass es Alternativen zu deiner Handlungsweise gegeben hätte. Ja, du hättest deutlicher sein können, du hättest auf deinem Standpunkt bestehen können, eine klare Grenze aufzeigen, hinter die du nicht zurückweichen würdest. Solche Grenzen aufzuzeigen, nennt man "Begrenzungsmacht ausüben". Und das ist eine konstruktive Machtform. Da du das nicht getan hast - weil die Kräfte nicht reichten oder du nicht wusstest, wie du es hättest tun sollen – kam diese Distanz zustande. Und die war nicht mehr zu überwinden bis heute.

"Und daraus wird auch bald das Bewusstsein entstehen, das nicht noch mal zu können. Man kann das nicht beliebig wiederholen." Ich weiß noch nicht genau, weshalb, aber irgendwas macht dieser Satz. Deshalb habe ich ihn noch mal rausgeholt.

Die Erkenntnis, es nicht einfach noch mal genauso machen zu können wie beim letzten Mal tut weh. Es kann aber auch sein, dass du diese Erkenntnis noch nicht zulassen willst und es dich dazu drängt, tatsächlich noch einmal paartherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch gut. Beweis mir – und dir – also das Gegenteil. Man kann es nicht "beliebig oft" wiederholen, aber vielleicht kann man es tatsächlich noch ein zweites Mal versuchen, wenn man sich dabei an den Fehlern orientiert, die seit dem ersten mal gemacht wurden und mit denen man aufhören könnte. Hast du schon darüber nachgedacht?

Leider sehe ich vor dem Hintergrund des Verliebens und der Existenz eines ungebundenen Mannes B keine guten Chancen für ein Gelingen eines solchen Vorhabens

Das Bild mit den Inseln finde ich sehr anschaulich und in gewissen Zügen wechselt amüsant und traurig. Ich denke, du könntest da glatt in allen Punkten unserer Insel-Gestaltung Recht haben.

Wenn es dazu beitragen kann, dass du VERSTEHEN kannst, warum du hierhin gekommen bist, dann hat es seinen Zweck erfüllt. Es geht mir darum, dass du dich und deinen Zustand verstehen kannst, dass du einsehen und begreifen kannst, warum du bist, wo du bist.

Eigentlich finde ich es ziemlich falsch und verboten, was wir bislang getan haben. Und ich fühle mich auch recht mies deswegen. Eine solche Intimität und Vertrautheit sollte es außerhalb der Paarbeziehung nicht zu Menschen des anderen Geschlechts geben. Auch wenn es nur eine emotionale Intimität ist.

Richtig. Die Erwähnung der fehlenden sexuellen Aktivitäten mit B trifft ja auch nur einen Teilaspekt, der vor allem in der Außenansicht eine Rolle spielt. Trotzdem kann das auch in deiner persönlichen Sicht – und bei der Bewältigung der Krise – eine Rolle spielen. Denn solltest du tatsächlich noch den Rückzug aus der Beziehung mit B versuchen, dann ist das natürlich einfacher, wenn die Körper noch nicht JA zueinander gesagt haben. Es ist schon jetzt äußerst schwierig, danach ist es fast aussichtslos – und irgendwann auch nicht mehr sinnvoll.

"aber du hast all das, was vielleicht auf der WIR-Insel mit A noch zur Verbesserung hätte beitragen können, da herunter geholt und auf deine Insel mit B geholt. Damit ist die WIR-Insel mit A so gut wie leer. Mehr oder weniger eine Wüste. Und das ist kein Zufall." Klingt irgendwie mies. Weshalb ist es kein Zufall?

Ich habe das weder beurteilend noch gar verurteilend gemeint. Es klingt nicht schön, aber es ist eine Beschreibung der Tatsachen, so wie ich sie verstehe. Es ist kein Zufall, dass du das getan hast, weil die Gemeinsamkeiten nicht mehr gelingen wollten, weil sie dir nicht mehr das gegeben haben, was dir gut getan hätte. Dir fehlte mehr und mehr auf dieser gemeinsamen Insel, und dann hast du irgendwann das, was du trotz allem eine Zeit lang dort noch investiert hast, aufgehört zu investieren und es anderswo investiert. Das ist kein Zufall, das ist unbewusstes Handeln. Und wenn man es erkannt hat, ist es im Bewusstsein und man kann es anschauen. Je nach Umständen kann man dann damit aufhören, es weiter so zu machen. Oder aber man zieht Konsequenzen aus dem, was da entstanden ist. Letzteres ist bei dir wahrscheinlicher.

E5ll}ax71


@ Moppen

Der wirkliche Zauber? Ich traue es mich gar nicht, das hier jetzt zu schreiben... ich habe gerade mal darüber nachgedacht, und denke, dass es zwei oder drei Monate waren.

Ja, verdammt wenig. Aber es hat den Zauber also immerhin gegeben. Worauf fußte er? Warum war er (vermutlich) so schnell verpufft?

Danach kam viel Realität dazu. Es war lange Zeit ein wir-gegen-den-Rest-der-Welt.

Heißt dies, Ihr hattet gegen äußere Widerstände zu kämpfen, und es hat Euch mehr voneinander distanziert statt zusammengeschweisst? Warum dann die Fortsetzung?

Keine Ahnung, wo das hin ist. Ich fühle mich oft sehr allein.

:°_

Hast Du den Eindruck, dass Dein Mann sich am Anfang lediglich "Mühe gegeben hat" und ihm das gar nicht innewohnt, was für Dich in Wirklichkeit wichtig für eine innige Beziehung ist?

Falls ja, woran könnte es liegen, dass Du Dich sozusagen täuschen und einwickeln hast lassen?

Am Anfang noch mal anzuknüpfen? Keine Ahnung. Die Paarberaterin damals hat das auch geschafft, und mit dem gemeinsamen Zurückgehen in die Vergangenheit auch die alten Gefühle geweckt. Hätte ich auch nicht für möglich gehalten.

Wie geht es Dir bei der Vorstellung, in fünf Jahren noch mit Deinem Mann zusammen zu sein?

Wie würde er hingegen vermutlich auf eine Trennung reagieren, und was macht diese Vorstellung mit Dir?

Eslla7k1


@ Moppen

Der wirkliche Zauber? Ich traue es mich gar nicht, das hier jetzt zu schreiben... ich habe gerade mal darüber nachgedacht, und denke, dass es zwei oder drei Monate waren.

Ja, verdammt wenig. Aber es hat den Zauber also immerhin gegeben. Worauf fußte er? Warum war er (vermutlich) so schnell verpufft?

Danach kam viel Realität dazu. Es war lange Zeit ein wir-gegen-den-Rest-der-Welt.

Heißt dies, Ihr hattet gegen äußere Widerstände zu kämpfen, und es hat Euch mehr voneinander distanziert statt zusammengeschweisst? Warum dann die Fortsetzung?

Keine Ahnung, wo das hin ist. Ich fühle mich oft sehr allein.

:°_

Hast Du den Eindruck, dass Dein Mann sich am Anfang lediglich "Mühe gegeben hat" und ihm das gar nicht innewohnt, was für Dich in Wirklichkeit wichtig für eine innige Beziehung ist?

Falls ja, woran könnte es liegen, dass Du Dich sozusagen täuschen und einwickeln hast lassen?

Am Anfang noch mal anzuknüpfen? Keine Ahnung. Die Paarberaterin damals hat das auch geschafft, und mit dem gemeinsamen Zurückgehen in die Vergangenheit auch die alten Gefühle geweckt. Hätte ich auch nicht für möglich gehalten.

Wie geht es Dir bei der Vorstellung, in fünf Jahren noch mit Deinem Mann zusammen zu sein?

Wie würde er hingegen vermutlich auf eine Trennung reagieren, und was macht diese Vorstellung mit Dir?

Mvoppxen


Oldie49

Ja, du hättest deutlicher sein können, du hättest auf deinem Standpunkt bestehen können, eine klare Grenze aufzeigen, hinter die du nicht zurückweichen würdest. Solche Grenzen aufzuzeigen, nennt man "Begrenzungsmacht ausüben".

Mit dem Setzen von Grenzen habe ich Probleme wie ich in der Therapie festgestellt habe. Das ist etwas, das ich gerade erst lerne. Ich bemerke oft nicht, wann meine Grenzen erreicht sind, kann meine Grenzen selbst nur schlecht setzen und behaupten, bin aber sehr sorgsam darauf bedacht, die Grenzen anderer zu wahren.

Es kann aber auch sein, dass du diese Erkenntnis noch nicht zulassen willst und es dich dazu drängt, tatsächlich noch einmal paartherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Nein, möchte ich nicht. Ich denke, mir wird immer klarer, dass ich nur noch da raus möchte. Ich war schon viel zu lang dadrin.

Dir fehlte mehr und mehr auf dieser gemeinsamen Insel, und dann hast du irgendwann das, was du trotz allem eine Zeit lang dort noch investiert hast, aufgehört zu investieren und es anderswo investiert. Das ist kein Zufall, das ist unbewusstes Handeln. Und wenn man es erkannt hat, ist es im Bewusstsein und man kann es anschauen.

Ja, verstehe ich.

M]oppxen


Irgendwie geht es mir gerade gar nicht gut. Ich bin im Moment auch nicht strukturiert genug, um jetzt dezidiert zu antworten. Ich danke euch aber schon mal für die lieben Antworten und dafür, dass ihr euch damit beschäftigt, dass ich es offensichtlich völlig verkackt habe. Entschuldigt die Wortwahl. Ich melde mich später oder morgen wieder.

M[oppxen


Ralph_HH

Das klang von mir vermutlich ein bischen schärfer als es gemeint ist, weil ich da auch eigene unschöne Erlebnisse habe.

Das tut mir leid. Vielleicht habe ich es auch härter empfunden, weil es meine Schuldgefühle in Worte gefasst hat.

Ja, es ist so, eine Beziehung leben, heißt sich Mühe zu geben.

Das weiß ich. Ich weiß es heute mehr als zu Beginn unserer Beziehung, damals war ich 23 und der naiven Meinung, wenn wir uns nur lieben, schaffen wir es gegen alle Widrigkeiten. Das stimmt nicht. Es reicht nicht aus. Das habe ich über einen langen Zeitraum gelernt. Und ich finde schon, dass wir uns Mühe gegeben haben. Vielleicht haben wir uns nicht so toll dabei geschlagen, vielleicht waren wir auch in Zügen zu naiv, aber ich fühle mich definitiv so, als hätte ich etwas sehr mühevolles hinter mir.

Geht da noch was, oder ist das hoffnungslos und Du suchst Dir lieber etwas neues, stressfreieres, mit dem Du glücklich bist?

Der Witz ist ja, dass ich gar nicht glaube, dass es stressfreier wäre. Die Umstände, die Umstellung, die Finanzen, die Räumlichkeiten, die Konflikte, die Umgangsregelung... all das stelle ich mir sehr viel stressiger vor als es jetzt ist.

M@oppexn


Ella71

Aber es hat den Zauber also immerhin gegeben. Worauf fußte er? Warum war er (vermutlich) so schnell verpufft?

Ich weiß nicht mehr, worauf er fußte. Was ihn verpuffen ließ, war vielleicht die Realität, die Stück für Stück entzauberte. Die Beziehung zu seiner Ex war sehr problembeladen gewesen, davon hat er sicher einiges mitgenommen, das ich nicht adäquat auffangen konnte. Er war hoch verschuldet, kein Auto, kein Führerschein, recht lebensunpraktisch, hat nach zwei Monaten mit mir Schluss gemacht, weil er der Meinung war, sich in eine Andere verliebt zu haben.

Heißt dies, Ihr hattet gegen äußere Widerstände zu kämpfen, und es hat Euch mehr voneinander distanziert statt zusammengeschweisst?

Habe ich ungeschickt ausgedrückt. Ja, wir hatten gegen Widerstände zu kämpfen. Seine Ex, meine Unfähigkeit, mich in der Rolle der Bezugsperson eines fremden Kindes zu sehen, seinen unkontrollierte finanzielle Situation, die offenkundige Ablehnung meiner Eltern. All das hat uns zusammen geschweißt, aber ich weiß nicht, ob es vielleicht nur eine trotzige jetzt-erst-Recht-Haltung war, oder ein illusorisches Zusammenhalten fußend auf dem überstehen solcher Krisen.

Hast Du den Eindruck, dass Dein Mann sich am Anfang lediglich "Mühe gegeben hat" und ihm das gar nicht innewohnt, was für Dich in Wirklichkeit wichtig für eine innige Beziehung ist?

Nein, ich habe das Gefühl, ich habe in ihm etwas gesehen, das er nicht ist und nicht sein kann. Warum ich das nicht erkannt habe, oder diese Erkenntnis immer wieder verdrängt oder verleugnet habe, weiß ich nicht.

Wie geht es Dir bei der Vorstellung, in fünf Jahren noch mit Deinem Mann zusammen zu sein?

Nicht besonders gut, weil ich fürchte, dass es uns dann nicht besser sondern schlechter gehen wird. Ich bin jetzt schon meilenweit von dem Menschen entfernt, der ich war und sein möchte. Ich bin freudlos geworden, alles ist mühevoll und kaum zu bewältigen, es fällt mir immer schwerer auch mal 5 gerade sein zu lassen (habe ich noch nie geschrieben, sieht komisch aus). Ich will nicht so ein Mensch und so eine Mutter sein.

Wie würde er hingegen vermutlich auf eine Trennung reagieren, und was macht diese Vorstellung mit Dir?

Ich habe Angst, dass es ihm schlecht geht wegen mir. Ich habe Angst, dass er sich von den Kindern distanziert, so weg zieht, dass es räumlich zur Farce wird, Besuche zu realisieren, zumal er ja nicht mobil ist. Ich habe Angst, dass er depressiv wird, zu trinken anfängt, mich hasst. All sowas. Wie soll man jmd, der glücklich ist, klar machen, dass man es selbst nicht mehr ist, und ihm jetzt deshalb die Grundlage für's eigene Glück entzieht?

Schoxjo


Die Beziehung zu seiner Ex war sehr problembeladen gewesen, davon hat er sicher einiges mitgenommen, das ich nicht adäquat auffangen konnte.

Er war 37, Du 23, er also wirklich definitiv erwachsen, Du gerade dabei, mit dem richtigen Erwachsenwerden anzufangen. Es war seine vergurkte Ex-Beziehung, nicht Deine. Weshalb hättest Du da irgendwas auffangen sollen, und das auch noch "adäquat"? War das Dein Bedürfnis, tickst Du da so, dass Du immer alles reparieren und heilen möchtest, oder war da auch ein Teil seiner Erwartungen dabei?

Ich habe den Eindruck, dass ich das Thema Verantwortung in eurer Beziehung sehr einseitig aufgeteilt habt. Für was trägt er denn bei euch welche? Auf der emotionalen Seite und auf der praktischen Seite? Wo sorgst Du dafür, dass es läuft, wo er? Und, ganz wichtig: Wo tut ihr es zusammen? Auch übertragen auf Oldies schönes Bild der Inseln: Was von dem "Mobiliar" der zusehends leeren Wir-Insel war von Dir, was von ihm?

Für mich klingt es nicht, als hättest Du eine "Depression". Für mich klingt es, als seist Du völlig ausgebrannt. Und er sieht es nicht, spürt es nicht, weil er nicht kann oder nicht will.

Früher hattet ihr Schwierigkeiten und habt euch dort hinausgearbeitet, vermutlich in der Erwartung: Wenn ihr das erst mal geschafft habt, dann wird es schön. Jetzt habt ihr euch rausgearbeitet, aber es ist nicht schön geworden. Was liegt vor euch, worauf arbeitet ihr jetzt hin? Er hat sich eingerichtet, da, wo ihr jetzt seid, Du bist dort unglücklich. Was soll jetzt noch kommen? Wenn die Kinder aus dem Haus sind, bist Du Anfang 50, er ist im Ruhestandsalter. Ich finde das sehr beklemmend.

Es gab einen ordentlichen Schuss vor den Bug, er hat sich im Sand verlaufen. Es klingt, als hätte er Dir quasi einmal "Blumen mitgebracht", um dann im Bewusstsein, er hätte sich ja jetzt einmal feste Mühe gegeben, wohlig wieder in den alten Trott zurückzugleiten. Und der alte Trott, das ist nicht euer alltägliches Leben an sich, sondern der Grad seiner Wachheit und grundsätzlichen Aufmerksamkeit für Dich. Er fühlt sich dort wohl, wo Du erstickst, und dass Du erstickst, scheint er nicht zu merken. Das sind keine guten Voraussetzungen, und ihr habt kein gemeinsames Ziel, denn er ist "angekommen", Du nicht.

Ich sehe den anderen nicht als Auslöser der Krise, sondern als Symptom. Für mich klingt es, als würdest Du da mit Deiner Ehe ein totes Pferd reiten. Kann man machen, machen viele, macht aber unglaublich müde. Das ist die Art Anstrengung, die einem alle Kraft aus den Knochen saugt, weil es niemals aufwärts geht, weil man sich nicht abrackert, um ein Ziel zu erreichen und etwas zu schaffen, sondern nur, um einen Status quo aufrechtzuerhalten, den man eigentlich gar nicht will. Du scheust ja nicht Arbeit und Anstrengung an sich. Du scheust das Nichtgesehenwerden. Das halte ich für gesund, denn wo man nicht gesehen wird, ist man ja ganz verschwendet und verschwendet auch seinerseits seine Zeit.

Ich habe Angst, dass er sich von den Kindern distanziert, so weg zieht, dass es räumlich zur Farce wird, Besuche zu realisieren, zumal er ja nicht mobil ist.

Wenn er das wirklich tut, dann ist sein Vatersein auch jetzt nur eine Farce. Nur räumliche Anwesenheit.

Meine Sichtweise, die mehr über mich sagt als über Deine Situation, von der ich nur Stichworte kenne. Schau einfach, was Du davon gebrauchen kannst und was nicht. Jedenfalls finde ich nicht, dass Du an irgendwas "schuld" bist; wenn überhaupt, dann habt ihr es gemeinsam "verbockt" - vielleicht auch nur, indem ihr euch Gemeinsamkeiten eingeredet habt, die nicht da sind oder zumindest nicht tragfähig. Jedenfalls haben euch gemeinsame Dynamiken dorthin geführt, wo ihr jetzt seid, und jetzt müsst ihr jeder für sich und gemeinsam schauen, in welche Richtung ihr von hier aus weitergeht. Du schuldest ihm Ehrlichkeit. Du schuldest ihm nicht, dort zu bleiben, wo Du erstickst. Füreinander sterben klingt immer so romantisch, aber ich glaube, das ist damit nicht gemeint.

Srhozjxo


Ich habe den Eindruck, dass ich das Thema Verantwortung in eurer Beziehung sehr einseitig aufgeteilt habt.

Das riecht ja fast nach einem freudschen Verschreiber! ;-D Tatsächlich war bei uns der Wendepunkt, dass ich nicht mehr für alles die Verantwortung übernommen habe, und er hat das, was liegenblieb, nicht nur aufgegriffen, sondern die Verantwortung für das Funktionieren des Wirs als gemeinsame Verantwortung begriffen. Ich war damals zwei Sekunden davor, zu gehen und nicht mehr wiederzukommen, wir waren allerdings Mitte 20 und hatten keine Kinder. Mir hat sehr, sehr imponiert, wie er damit umgegangen ist, und es hat sich in der ganz tief zugrundeliegenden Struktur etwas geändert, wir waren an einem ganz neuen Punkt und sind nie wieder zurückgegangen.
Das ist es, was mir bei Deiner Beschreibung Kopfschmerzen macht, übrigens - dass Du schreibst, ihr hättet "Altes wiederbelebt", sozusagen, aber es hätte nicht lange gehalten. Nicht, dass ihr gemeinsam etwas Neues entdeckt hättet, sondern: Altes wiederbelebt. Das heißt, ihr habt nicht die Dynamik eurer Beziehung geändert, sondern euch nur gemeinsam erinnert, gewissermaßen. Es ist kein Wunder, dass das nicht alltagstauglich war, es war ja eher ein Echo als eine gemeinsame neue Strategie.

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