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Was ist der weibliche Gegenpart zum "echten Mann"?

LgitlaLixna


So bald jemand allerdings eine Familie gegründet hat, wird leider immer noch so getan, als müsse man deswegen als Mann halt so viel Geld wie möglich nach Hause scheffeln.

Kann ich (leider) bestätigen.

Stand letztens sprach- und verständnislos daneben, als es über Arbeitsverteilung und Wochenarbeitszeit ging. Da wurde über einen Vater von zwei Kindern U5 gemutmaßt, dass er doch vermutlich sehr gerne von 35 auf 40 Stunden erhöhen will, immerhin kann er doch sicher jeden Euro derzeit gebrauchen.

Dass diverse Teilzeitkräfte immer wieder anfragen, ob sie nicht ein paar Stunden mehr arbeiten können, wurde komplett ignoriert.

Deutscher Großkonzern mit Fachkräftemangel.

Verrückte Welt.

d|anahe87


Ich hab mir sagen lassen das junge Väter genau deshalb gerne eingestellt werden. Die hauen nicht so schnell ab und arbeiten viel, weil sie Existenz sichern müssen. Wenn jemand dann dem Bild nicht entspricht, dann sorgt das für große Irritation und Ablehnung.

Danke NotMichaelCane, werde ich mit genau ansehen und im Auge behalten. :-D

LcovH~ugs


Deutscher Großkonzern mit Fachkräftemangel. Verrückte Welt.

Dahinter steht die Gewerkschaft. Es darf nur ein bestimmter (geringer) Anteil an 40-h-Verträgen geschlossen werden (Zeichen der selbstlosen Flexibilität der Gewerkschaft), um die familienfreundliche 35-h-Woche nicht zu gefährden. Zugleich werden akribisch die Überstunden verfolgt und auf Abbau gedrängt. Schwierig? Na, dann stellt mehr Leute ein und verteilt die Arbeit nicht auf möglichst wenig Schultern. Schwierig? Entschuldigung, Großkonzern, wie wäre es mit ausreichender Ausbildung und konsequenter Übernahme?

L>ovxHus


Und "gewisse" Grundmodelle unterstützen nur "gewisse" Individualitäten.

Kannst Du die These begründen?

Die Physiker suchen noch nach der Weltformel. Aber Philosophen suchen nicht mehr - soweit ich weiß - nach der ganz großen Synthese als "Ende der Geschichte" zu der es keine Antithese mehr geben kann. Es gibt und gab zwar immer wieder Vereinheitlichungsbemühungen wie die allgemeinen Menschenrechte oder von Seiten der Religionen das Projekt Weltethos, aber auch diese umfassen nur einen Teil der möglichen Lebensentwürfe und schließen andere aus.

Mir scheint, die Gegenthese: "Es gibt mindestens ein Grundmodell, das alle Individualitäten unterstützt." bedarf eher der Begründung.

EIhem.aliger Nut+zer s(#L568H69x7)


Es gibt und gab zwar immer wieder Vereinheitlichungsbemühungen wie die allgemeinen Menschenrechte oder von Seiten der Religionen das Projekt Weltethos, aber auch diese umfassen nur einen Teil der möglichen Lebensentwürfe und schließen andere aus.

Jetzt wird es spannend: Welche Lebensentwürfe werden durch allgemeine Menschenrechte aus Deiner Sicht denn ausgeschlossen?

L{i&laLiana


@ LovHus:

Es darf nur ein bestimmter (geringer) Anteil an 40-h-Verträgen geschlossen werden

Ja aber warum stockt man nicht die Leute mit 18-/20-/25-Stunden-Wochen auf? Mehrere von den Teilzeitkräften wollen mehr arbeiten. Keinem werden die Stunden genehmigt %:|

Die 40h-Verträge will hier eigentlich keiner haben...

Entschuldigung, Großkonzern, wie wäre es mit ausreichender Ausbildung und konsequenter Übernahme?

Läuft tatsächlich mittlerweile ganz gut. Es fehlt derzeit aber an erfahrerenen Facharbeiten. Das Problem lässt sich nicht innerhalb von kurzer Zeit durch die Übernahme von Azubis lösen.

Aber das ist wiederum ein ganz anderes Thema.

LbovHmus


Ja aber warum stockt man nicht die Leute mit 18-/20-/25-Stunden-Wochen auf? Mehrere von den Teilzeitkräften wollen mehr arbeiten. Keinem werden die Stunden genehmigt.

Der wichtigste Grund ist, dass dann ein Abstocken nicht mehr möglich ist, wenn der Mitarbeiter das nicht von sich aus will. Die größte Sorge ist nicht, nicht alle Gewinnchancen wahrgenommen zu haben wenn das Geschäft brummt, sondern bei Einbrüchen nicht schnell und flexibel genug die Kosten runter zu bekommen.

Eine brauchbare Vorstellung gibt es, wenn man sich vorstellt, dass ein Unternehmen ganz leicht einatmen kann, aber nur sehr schwer wieder ausatmen. Es muss sich also hüten zu tief einzuatmen.

d.anaxe87


Das gilt ja aber AUCH für den Familienvater der auf 40 Stunden aufgestockt werden soll. Wenn der Familienleben anstrengend findet und weiter soviel arbeiten will, dann kriegen sie die Stunden auch nicht wieder runter.

Die Frage ist halt am Ende wem man die mehr Stunden anbietet. Der meist weiblichen Teilzeitangestellten oder dem männlichen Angestellten mit kleinen Kindern der eigentlich eh schon VZ arbeitet. Und erstaunlicherweise werden sie dem Mann mit Kindern angeboten.

LqovH/us


Jetzt wird es spannend: Welche Lebensentwürfe werden durch allgemeine Menschenrechte aus Deiner Sicht denn ausgeschlossen?

Zunächst wird die Antwort davon abhängen, welche Rechte ein konkreter Satz "allgemeiner Menschenrechte" umfasst und auf welchen Wertvorstellungen dieser Satz basiert. Jeder solche Satz schließt Lebensentwürfe aus, die nach der Verwirklichung von entgegenstehenden Werten trachten. Eine Diskussion läuft dann überlicherweise darauf hinaus, dass der Satz Rechte so beschaffen sei (oder zumindest sein soll), dass er zugleich wünschenswerte Lebensentwürfe einschließt und alle anderen ausschließt. Jede konkrete Antwort auf deine Frage würde dann eine "Ja, Gott sei dank. Deshalb haben wir ja die allgemeinen Menschenrechte."-Reaktion nach sich ziehen.

Zum zweiten fällt mir auf, dass bereits der Begriff "Lebensentwurf" einen Bias in Richtung "Individualismus" enthält. Ich sage mal vorsichtig so: Nicht jeder Lebensentwurf basiert darauf, ihn selbst gebastelt zu haben. In diese Konfliktzone zwischen individueller Entfaltung und Einbindung in die Gemeinschaft habe ich meine Antwort auf danae platziert, über die wir gerade diskutieren. Mir ist das am Begriff der "Rolle" deutlich geworden, der eine Art Bindeglied bildet: Die Rolle erfüllt eine Funktion in der Gemeinschaft, aber das Individuum möchte seine Rolle(n) frei wählen und ausgestalten, gelegentlich so, dass die Rolle maximal aneckt. Manchmal läuft es wie geschmiert, manchmal knirscht es gewaltig. Hierher gehört auch meine Bemerkung, dass ich mir kein "Grundmodell" vorstellen kann (auch nicht die allgemeinen Menschenrechte), die als Art Patentlösung alle hier denkbaren Konflikte pauschal löst.

Von der Lösungsrichtung her halte ich es allerdings für zielführender, durchaus auch im Sinne individueller Entfaltungsmöglichkeiten, den Fokus nicht auf den individuellen Lebensentwurf zu legen und von der Gemeinschaft bedingungslose Unterstützung zu erwarten, sondern von der Frage nach der eigenen Rolle in der Gemeinschaft und damit einem notwendigen Beitrag auszugehen, was dann zweifach positiv auf das individuelle Entfaltungspotenzial zurückwirkt: Einmal lässt mich das Leben in der Rolle nicht unberührt, zum anderen lebt es sich freier in einer gelingenden Gemeinschaft, die weniger von Neid und Missgunst durchargwöhnt wird, weil jeder beschäftigt ist, seinen Lebensentwurf durchzusetzen und vor den anderen zu schützen. Das gilt schon für die kleinste Gemeinschaft, die Paarbeziehung.

L}ila\Lina


Das gilt ja aber AUCH für den Familienvater der auf 40 Stunden aufgestockt werden soll. Wenn der Familienleben anstrengend findet und weiter soviel arbeiten will, dann kriegen sie die Stunden auch nicht wieder runter.

Doch - die 40 Std Verträge sind bei uns jederzeit widerrufbar, wenn es die wirtschaftliche Situation erfordert.

Warum das nicht bei Teilzeitkräften auch so vereinbart werden kann? ":/

LJov;Hxus


Danae, auf diese sozialen Aspekte schaut der Betriebsrat (wir reden gerade von Großkonzernen) und gelegentlich das Personalwesen. Ich würde auch sagen, dass dort ziemlich konservative Rollenvorstellungen vorherrschen: "Wenn der Vater mehr arbeitet, braucht die Mutter weniger (oder gar nicht) zu arbeiten, was den Kindern zu Gute kommt." Dementsprechend hat der Vater Sozialpunkte die ihm Vorteile bei der Verteilung von iPfründen beschert.

Der Unternehmer will eine so flexibel wie mögliche Personalkapazität haben: D.h. großzügige Arbeitszeitkonten und Zeitarbeit wo immer möglich. Und: Die erfahrenen Leistungsträger, die klar und sicher weitreichende Entscheidungen treffen können, können gar nicht zu viel arbeiten. Sie arbeiten in der Regel auch entsprechend, sonst hätten sie nicht den Erfahrungsschatz aufbauen können, der sie - entsprechend der Zinseszinskurve - mit der Zeit exponentiell von anderen Mitarbeitern abhebt und sehen und riechen lässt, was andere erst mitbekommen, wenn die Kacke schon am dampfen ist.

Wer davon wie Familie hat interessiert genauso wenig wie das Geschlecht oder die Religionszugehörigkeit. Der Mediamarktverkäufer fragt den ärmlich aussehenden Kunden, der einen Großbildfernseher kaufen will, auch nicht, ob seine Kinder ordentlich angezogen und ernährt sind. Jeder verfolgt die zu seiner Rolle gehörenden Interessen.

LhovHxus


Doch - die 40 Std Verträge sind bei uns jederzeit widerrufbar, wenn es die wirtschaftliche Situation erfordert.

Warum das nicht bei Teilzeitkräften auch so vereinbart werden kann?

Führ das Gespräch mal mit einem Betriebsrat (vielleicht hast du ja Interesse, dich entsprechend zu engagieren). Als Unternehmer wäre ich begeistert, wenn mir die dir vorschwebende Flexibilität angeboten würde.

dxanaxe87


Ich würde auch sagen, dass dort ziemlich konservative Rollenvorstellungen vorherrschen

Genau darum ging es ja. Da bremsen einen die Rollenvorstellungen der Anderen massiv. Mag sein, dass es bei großen Unternehmen der Betriebsrat ist, ich kenn das aber auch von kleineren Unternehmen. Am Ende hat da jemand eine Vorstellung von meinem Leben und ich kann mich der nicht völlig entziehen.

Der Mediamarktverkäufer fragt den ärmlich aussehenden Kunden, der einen Großbildfernseher kaufen will, auch nicht, ob seine Kinder ordentlich angezogen und ernährt sind. Jeder verfolgt die zu seiner Rolle gehörenden Interessen.

Deshalb ist der Kapitalismus ja auch so toll. *hust*

L7ilaxLina


Genau darum ging es ja. Da bremsen einen die Rollenvorstellungen der Anderen massiv.

Genau das wollte ich mit meiner Geschichte aus dem Großkonzern bestätigen.

Es wird zwar groß damit geworben, dass Flexible Office / Home Office / Work Life Balance / Job Sharing usw. ja zur Unternehmenskultur gehören - was auch tatsächlich stimmt.

Aber bei solchen Entscheidungen hilft kein Konzept, wenn die Entscheider immernoch in ihren Rollenklischees feststecken.

Betriebsrat ist 'ne gute Idee, werd mal nachhaken.

Auch wenn ich selber definitiv nicht aufstocken will, sondern lieber ein wenig reduzieren würde :=o

LAo)vHuubs


Da bremsen einen die Rollenvorstellungen der Anderen massiv.

Wenn dir der Wind ins Gesicht bläst, ja. Für andere ist es genau der Rückenwind, den sie brauchen, um voran zu kommen. Ist der Zeitgeist nicht wie ein wehender Wind, kollektiv erzeugt von den Lebensvorstellungen aller Menschen? Gefährlich sind nur Flaute und Sturm, also fehlende oder zu große Intensität. Über die Richtung würde ich mir weniger Sorgen machen. Erstens wechselt sie von Zeit zu Zeit und Ort zu Ort und zweitens lassen sich die Segel so setzen, dass die eigene Richtung nicht verloren geht.

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