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Einseitig nicht mehr passende Kontakte "loswerden"

C(aloine.ken


Interessantes Thema.

Auch ich habe ein paar Kontakte eingeschränkt, einfach nur durch sukzessiven Rückzug.

Warum sollte man es ankündigen? Ich finde es nicht sinnvoll und auch nicht taktvoll, anderen direkt zu sagen, man lege keinen Wert mehr auf den Kontakt - außer jemand spricht es direkt als Frage an, dann würde ich es auch ehrlich beantworten.

Es bleibt trotzdem noch eine freundschaftliche Verbundenheit, muss ja auch so nicht im Bösen enden.

C)alin~ekexn


Merke gerade, dass ich ein paar Seiten überschlagen habe, also sorry, falls Thema verfehlt. :=o

E-hemal$ige,r Nutlzer 5(#6h0567x7)


Passiert. ;-)

Aber komplett verfehlt hast du das Thema auch nicht. So wie du halte ich es normalerweise auch bzw. verlaufen sich Kontakte eigentlich beidseitig wieder, sobald es nicht (mehr) passt. Da wieder Kontakt aufzunehmen, um das "Ende des Kontaktes" mitzuteilen, fände ich auch sehr absurd.

E4hemaliger \NutzeGr (#6056p77x)


Hoi, ist das ein neutraler Vorschlag :-| oder schon einer mit Appell-Charakter? ;-D

Pythonist

Kommunikation hat doch immer vier Seiten?! Aber klar - durch die Formulierung habe ich eine davon betont :)z

NotMichaelCaine

Einen Appell habe ich gar nicht gesehen ... Aber ich liege mit dem vier Seiten Modell von Schulz v. Thun eh über Kreuz. Deshalb, weil ich finde, dass nicht immer alle vier Seiten vorliegen. Klar kann man sich die fehlenden Seiten konstruieren (so wie im Deutschunterricht), aber das hat für mich sowas von Kafffesatzleserei.

Und dass jemand, der das Fenster geschlossen haben möchte, weil er friert, nicht einfach aufsteht und das Fenster schließt, sich etwas Wärmeres anzieht oder eine andere Person direkt darum bittet, das Fenster zu schließen, ist mir nach wie vor menschlich unbegreiflich, mal hart ausgedrückt. ... Ich verstehe mich auch im wahrsten Sinn des Wortes nicht gut mit Menschen, die derart über Ecken, also indirekt, kommunizieren und "Mir ist kalt." als versteckten Appell an andere meinen, dass diese das Fenster schließen sollen und dann dasitzen und warten, dass jemand ihren Appell versteht und ausführt und ansonsten weiterfrieren müssen. Wie kann man so unselbstständig sein?! Für mich sagt derjenige einfach, dass ihm kalt ist. Fertig. Nix mit vier Seiten der Kommunikation.

Besonder schön fand ich auch immer, wie bei der Selbstaussage-Seite rumgedeutet wurde, was jemand mit eigentlich (für mich) neutralen Sätzen über sich selbst aussagen möchte. Das meine ich eben mit konstruiert wirken bzgl. der vier Seiten.

Ironie und Sarkasmus mag ich dagegen. ... Und ja, manchmal verstehe ich auch indirekte Apelle, aber ich mag mir nicht ständig den Kopf darüber zerbrechen, was jemand mit irgendwelchen Andeutungen (bei denen der irgendwas unausgesprochenes von mir möchte) gemeint haben könnte. Soll er klar sagen, was er meint/von mir erwartet oder für immer schweigen.^^

Wenn mir jemand sehr wichtig ist, bin ich auch bereit meine Empathie dafür zu verwenden, über das Unausgesprochene nachzudenken und das idR auch zu erfüllen, konkludent und nicht extra kommuniziert. So eine Art stillschweigende, unsichtbare 2. Ebene der Kommunikation und Interaktion. Das kann auch als untereinander vertraute Sprache Spaß machen; eben als ein (fast) wortloses Verstehen bzw. nur durch Blicke. Mit meinen Eltern geht das z. B. gut oder mit manchen Freunden. Das geht schneller als erst mit Worten ausgedrückt. Insidersprache.

@ Forensiker

Das kommt sicherlich auf den Kontext an - in einem organisierten Umfeld wie der Schule, Job oder Politik kann man damit rechnen, dass die eigenen Interessen wenig bis gar nichts zählen bis man sie äußert.

Das schon, aber ich vertraue eigentlich auch darauf, dass ich nicht den gleichen Stellenwert wie irgendein Stuhl in dem Gebäude habe. Sicher bin ich mir da allerdings auch nicht. Jeder ist ersetzbar.

Ich finde das auch immer ziemlich schwierig und bemühe mich, meine Interessen immer schon im Voraus möglichst plakativ, möglichst häufig und notfalls auch rein egozentrisch zu kommunizieren, da es eben manchmal tatsächlich darum geht, dass ein Konflikt woanders und eben nur nicht auf dem eigenen Rücken ausgetragen wird. Ich vermute bei mir aber auch negative frühkindliche Prägungen, da ich mich zu solchem Handeln erstmal bewusst bewegen muss, während mein intuitives Verhalten eher dazu tendiert, mir alles gefallen zu lassen.

Ja, man muss sich selbst für seine Bedürfnisse und Interessen einsetzen. Das versuche ich auch, weil ich andererseits sonst dazu neige, zu wenig auf mich zu achten. Dass man kein Fairplay erwarten kann von anderen, ist etwas, an das ich mich noch nicht ganz gewöhnt habe außer ich bin gerade in einem eh eher wachsamen Modus unterwegs; das ist aber so eine Sache. Zu viel Misstrauen ist ja auch nicht gut.,, aber ich habe das anders als früher schneller auf meinem Schirm.

Ob ich mir etwas gefallen lasse oder nicht, hängt bei mir stark von der Situation ab. Ist eine Abwägungssache. Manches lohnt sich nicht, anderes lässt sich nicht ändern nochmal anderes lässt sich sachlich abwenden oder einfach aussitzen usw..

während mein intuitives Verhalten eher dazu tendiert, mir alles gefallen zu lassen.

Ist das eigentlich bei dir auch privat so?

Weil du auch schreibst nachfolgend:

Schwieriger wird es für mich, wenn ich mit mir sympathischen Menschen zu tun habe, die ebenfalls regelmäßig über meine Interessen hinwegtrampeln. Natürlich ist es dann erstrecht eine Frage der Kommunikation, aber ich komme schwer damit klar, wenn jemand dann noch nicht mal versucht, auch ein unkommuniziertes Interesse zu beachten. Es gibt da m. E. nämlich schon Verhaltensweisen, die grob unhöflich sind und mich in eine ziemlich bescheuerte Situation bringen, wenn ich dann da allen Ernstes noch auf mein Interesse verweisen muss. Oder positiv formuliert, es gibt viele andere Menschen, die nicht so über meine Interessen hinwegtrampeln und die Situation ähnlich sehen würden wie ich.

So abstrakt kann ich gerade den letzten Satz gut verstehen, allerdings fällt mir persönlich kein Bild dazu ein zu der von dir beschriebenen Situation. (Im Gegensatz zu anderen, die eher in Wörtern denken, denke ich meistens bildlich oder weder bildlich noch in Wörtern. Deshalb muss ich vieles auch erstmal für mich in Wörter übersetzen intern, bevor ich anderen etwas dazu sagen kann. ... Beim Lernen oder bei Metaphern ist das Bildliche dagegen sehr hilfreich, um das inhaltlich zu verstehen. Deshalb finde ich aber auch das mit dem "jmd. etwas aus der Nase ziehen" eklig :=o )

Übrigens glaube ich auch, dass viele Lehrer das genießen, denn man muss das wirklich wollen und dazu in der Lage sein.

Kann sein; ich habe allerdings auch Lehrer in meiner Familie, die nicht so ticken und hatte dadurch mit Sicherheit auch ein zu idealisiertes Bild von Lehrern als Kind bzw. am Anfang der Pubertät. Ebenso wie von Polizisten, Ärzten etc., die ich weniger als Person mit Fehlern und Stärken gesehen hatte, sondern als (ideale) Vertreter ihrer Funktion gesehen und auf abstrakter Ebene dafür gemocht habe. Quasi sowas wie bessere Menschen. Das ist zum Glück nicht mehr so. Aber ich neige immer noch dazu, andere erstmal in ihrer (beruflichen) Funktion wahrzunehmen statt die auch als Privatperson zu sehen. Der Vorteil ist immerhin, dass mich das Privatleben dieser Leute (z. B. meiner Ärzte) dann auch nicht interessiert und quasi für mich nicht existent ist. Genau andersherum ist es, wenn ich jemanden zuerst privat kennenlerne. Wobei mich der Beruf an sich dann durchaus interessieren kann. Für mich trenne ich auch sehr zw. meinem beruflichen und meinem privaten Leben.

EEhemaliHger Nutze0r (#6W0567x7)


*Kaffeesatzleserei :=o

E?hvemal-iger Noutzewr (x#6056x77)


Zur Erklärung:

Quasi sowas wie bessere Menschen.

Weil sie eben den Staat repräsentiert haben in gewisser Weise. Und den Staat habe ich mir als Kind als perfektes, Einzelschicksalen vorgehendes, übergeordnetes System vorgestellt. Als Kind hat man da ja noch naive Illusionen. ;-D

Hätte ich daran auch noch als Jugendliche weitergeglaubt, wäre ich später zum Beispiel zur Bundeswehr gegangen oder in den Polizeidienst. Weil ich mich so einem (idealen) System dann gerne untergeordnet hätte.

FDorenpsik~er


_Polarfuchs_,

Ja, man muss sich selbst für seine Bedürfnisse und Interessen einsetzen. Das versuche ich auch, weil ich andererseits sonst dazu neige, zu wenig auf mich zu achten. Dass man kein Fairplay erwarten kann von anderen, ist etwas, an das ich mich noch nicht ganz gewöhnt habe außer ich bin gerade in einem eh eher wachsamen Modus unterwegs; das ist aber so eine Sache. Zu viel Misstrauen ist ja auch nicht gut.,,, aber ich habe das anders als früher schneller auf meinem Schirm.

Ich kann ja mit dem Begriffen Fairness und Gerechtigkeit wenig anfangen, weil ich damit verbinde, dass doch nur jemand seine eigenen Interessen als übergeordnetes Interesse durchzusetzen versucht. In deinem Beispiel hätte z. B. die Lehrerin dich dazu auffordern können, im Sinne der Fairness die Plazierung deiner Sitznachbarin hinzunehmen, denn irgendwo muss sie ja sitzen o:) Vielleicht habe ich aber auch nur zu schwarze Pädagogik erlebt oder zu viel Nietzsche gelesen.

Trotzdem fand ich es schon irgendwann mal erschreckend, wie wenig man sich üblicherweise die Interessen von anderen schert. Ich gewöhne mich aber dran, zunehmend geht's auch intuitiv, und sehe da durchaus auch im Nachhinein die falsche Vorstellung bei mir. Es gibt zwar auch die klassischen Interessenkonflikte, wo's als Verlierer immer doof aussieht und da will ich mich nicht mehr einfach so unterordnen. Es gibt aber auch viele Situationen, wo man einfach nur sein eigenes Interesse auf den anderen extrapoliert und dann eine Chance nicht ergreift, die sonst sowieso niemand ergreifen wollte - wo am Ende noch alle froh sind, dass jemand die Drecksarbeit macht ;-D Oder Situationen, wo man individuell etwas erreicht, und andere einem aus Neid unterstellen, man hätte ihnen etwas weggenommen, wo man sich also eigentlich nur deswegen schlecht fühlen soll, weil man im Gegensatz zum anderen etwas erreicht hat (und evtl. dann zumindest als Vorbild taugen würde, wenn es der andere aushält, d. h. man hätte etwas gegeben und nicht genommen).

Ist das eigentlich bei dir auch privat so?

Naja, eigentlich werde ich da immer besser, aber ich hab da auch eine Freundin, die mir manchmal als Meisterin des sozialen Drucks erscheint, wohingegen ich mit dem-die-Stirn-bieten noch etwas zurückhänge. Die Beschreibung ist durchaus abstrakt gemeint aber Modell gestanden hat eine Abend, die ich mit ihr in einer Kneipe verbracht habe. Da hat sie sich tatsächlich vom dem Wirt (unbekannterweise) eine halbe Stunde seine Leidensgeschichte incl. psychiatrischer Diagnosen seiner verstorbenen Mutter angehört, dass Ganze natürlich buchstäblich über mich hinweg. Und das war auch keine akkute Geschichte, wo ich's noch verstanden hätte. Es war auch irgendwie klar, dass es trotz meherere Jahrzehnte Altersunterschied eine sexuelle Komponente hat. Und ich hätte mir erstens gern seine Erzählung nicht angetan, schon weil ich es unbekannterweise übergriffig finde und auch, weil ich ja weder als Zuhörer gemeint war noch gefragt wurde, ob mich das alles interessiert. Und find's auch im Nachhinein von dieser meiner Freundin echt unhöflich, dass sie das zumindest ohne positives feedback meinerseits so durchgezogen hat - und das Zeitfenster um da noch eine positive Ablehnung anzubringen ist ziemlich kurz, weil sowas mich irgendwann echt nervt. Das war für mich auch eher so das Stuhl-feeling. Manchmal denke ich wirklich, dass ich mich in Psychoanalyse nochmal als Kind an den Küchentisch begeben muss, um mitzukriegen, dass ich ja heute tatsächlich aufstehen & gehen kann ^^

Die Geschichte würde ich mir in der Form heute nicht mehr antun, aber sie ist wirklich eine Person, wo ich eigentlich ständig aufpassen muss, nicht in etwas unliebsames hineingezogen zu werden. Ich hatte mich damals schon bewusst mit ihr ausschließlich zu zweit getroffen, aber auch das hat ja bekanntlich in der Situation net gereicht ;-)

EThemaliNger NutzVer (P#56x8697)


o - ich dachte ich hätte noch geantwortet...

Das könnte ich so konkret gar nicht sagen und ich frage sowas auch nicht gezielt ab. Das läuft bei mir glaube ich sehr stark über eine unbewusste bis halbbewusste, intuitive Ebene ab.

Ja - für mich ist das ist der "Normalzustand", der funktioniert wenn dabei die für einen selber "richtigen" Kontakte in genügendem Ausmaß entstehen. Nur wenn das nicht der Fall ist brauchts irgendeine Form von Check warum das so ist - aus meiner Sicht.

Für mich sind das häufig allgemeine Themen wo ich merke wie reflektiert die andere Person ist, bzw. anhand der Rückfragen oder fehlen von Rückfragen merke wie jemand an einem Thema allgemein arbeitet und dann frage ich mich: Wenn der so ähnlich auch mit persönlichen Themen umgeht - liegt mir das oder finde ich das sch...?

Interessant, dass du das so konkret benennen kannst. Das ist bestimmt sehr nützlich.

Das ist sozusagen der "zu Fuss" Weg, wenn die Intuition in der Vergangenheit sehr unzuverlässig bzw durch negative Erziehungmuster überdeckt war... Da brauchst Du quasi eine Zeitlang "Krücken" (Bewusstsein ist eine) bis Deine Intuition wieder für Dich arbeitet und nicht für das negative Erziehungsmuster. Wenn die Intiution wieder verlässlicher ist, sind "die Krücken" zwar nicht mehr nötig, aber da Du schon weisst wie sie funktionieren kannst Du sie routinierter einsetzen falls sie mal wieder gebraucht werden.

Mir fällt nur ein, dass es sehr aufschlussreich sein kann, wie jemand reagiert, wenn man in irgendeinem Punkt nicht so möchte, wie derjenige. Ob das akzeptiert wird, ob gedrängelt oder gejammert wird oder vorherige Wertschätzung dann entzogen oder man angegriffen wird. Sowas eben. Das ist aber nicht so gut geeignet als Frühindikator, weil solche Situationen erst im Laufe eines Kontaktes entstehen.

Mh ok ja - das kommt sicher auf die Art und Weise an wie man jemanden kennen lernt. Real ist es ja so, dass man die meisten Menschen in irgendeinem Zusammenhang "erlebt". Dabei zeigt sich Konfliktverhalten oft auch schon ohne das man selbst zwangsläufig darin verwickelt ist. Dazu kommt, dass man das eigene Konfliktverhalten in Gruppen ja selbst auch sehr stark an den Tag legen kann. Meiner Erfahrung nach schreckt das den einen oder anderen mit dem man sowieso nicht so kann schon ab, so das derjenige auch seinerseits keinen Kontakt sucht. Bei Männer klappt das für mich real mittlerweile sehr gut (bei diskussionen im Netz lustigerweise nicht), muss ich sagen. Wenn ich überlege wer da in den letzten 2-3 Jahren von sich aus Kontakt zu mir gesucht hat und mich aus Gemeinschaftssituationen gekannt hat: Da ist niemand dabei wo ich Probleme habe. Bei den Frauen ist das anders. Da sind bei den Kontaktsucherinnen mehr dabei, die mein altes Problem (Co-abhängigkeit) zu haben scheinen und vielleicht irgendwie versuchen mein Gruppenkonfliktverhalten zu erfassen. Das ist zwar auf eine Art schmeichelhaft, leider eher wieder so ein Helfer-Opfer Ding was bei mir bislang eben weniger oft in stabilen Freundschaften endet, besonders wenn das Opfer noch tief drin steckt.

Insgesamt: Neue Freunde/Bekannte von guten Freunden sind die einfachsten Kanditaten, weil ein guter Freund ja oft schon ein paar Stichpunkte geben kann "wie" der neue Freund tickt.

Wenn ich, um ein anderes Beispiel zu nennen, an diesen Verein denke den wir letztes Jahr mal angetestet haben - da wurde viel über die Vereinsziele diskutiert (weil relativ neu). Dabei sieht man sehr deutlich was für ein Gruppenkonfliktverhalten Menschen an den Tag legen. Spannend ist dann ob das beibehalten wird, wenn man mit jemandem 1:1 diskutiert oder derjenige in einer Einzeldiskussion anders auftritt. Bei den eher "stillen" ist das schwieriger, weil da alles 1:1 angetestet werden muss und sich da die Extremen verstecken können. Ich mag ja ruhigere Typen normal auch lieber, aber da ist die Spannweite von "bedürftig - co-abhängig" zu " offen - souverän" die man im Einzelfall erkunden "muss" wenn einen derjenige interessiert viel größer, da dieser Typ Mensch sich in Gruppen nicht zeigt. Da geht wirklich nur der "steinige Weg" mit den entsprechenden Risiken, dass das Gegenüber die Situation völlig anders einschätzt und ohne das ansatzweise Wissen darüber wie Konflikte beim Gegenüber ablaufen.

Oder auch im Sport wenns um irgendwelche Wettkampfvorbereitungen / Beteilligungen / Feste geht und etwas organisiert werden muss. Immer wenn Du mehrere Menschen koordinieren musst entstehen Konflikte und Du kannst sehen wie sich einzelnen verhalten - konstruktiv / Ziel konform - reaktionsvermeidend / still - aktiv destruktiv und so weiter. Dazu hab ich die Menschen noch nicht "nah" dran, sondern erlebe sie in der Gruppe.

So betrachtet ist gerade Konfliktverhalten schon ein Frühindikator aus meiner Sicht.

Bei einem Internetkontakt geht das nur sehr begrenzt weil Du den weniger im Gruppenkonflikt siehst. Auf so Plattformen wie hier geht das noch etwas(über Beitragshistorie eines Mitglieds), aber da kennst Du dann natürlich auch nur die schriftliche Form des Konfliktverhaltens. Bei den klassischen Datingplattformen ist das wohl weniger der Fall - zumindest was ich so höre. Da ist wohl nur 1:1 angesagt. Da geht nur der steinige Weg - sozusagen.

Aktiv nach solchen Menschen suchen geht nur bedingt. Mir fallen sie auf, wenn man sich begegnet, aber letztlich findet man diese Leute an den verschiedensten Orten. (Klar, bis auf die Sportgruppen - die kann man sehr gut gezielt suchen, muss aber auch Glück haben.)

Aktiv suchen meine ich im Sinn von den Fokus mehr auf diese Menschen setzen und die anderen etwas mehr ausblenden. Zumindest im privaten Kontakt. Sicher sind das von Dir beschriebene allgemein die Menschen, die sowieso schon überdurchschnittlich mehr Kontakte haben als andere. Trotzdem kann ich ja mit denen mehr in Kontakt kommen wollen - solange daraus kein "ich muss die jetzt haben" wird oder Frust darüber das man sich nicht annähert, kann sich das entwickeln oder auch nicht. Je mehr dieser positiven Kandidaten um einen rumfloaten desto einfacher wirds das laufenzulassen.

Beispiel: ich habe im Sport eine Frau (sicher um die 15 Jahre älter als ich) die vor ein paar Jahren zugezogen ist. Seither ist sie mehr oder weniger regelmässig dabei. Sie ist mir recht schnell aufgefallen, weil sie, wenn sie sich engagiert hat sehr zielstrebig und unkompliziert agiert hat. Ich hatte im Lauf der Zeit immer mal wieder Versuche sie in andere Gesprächsthemen 1:1 zu verwickeln, aber das verlief sich: sie hatte kein Interesse. Jetzt sieht es momentan so aus als könnte sich da doch noch eine nähere Bekanntschaft entwickeln. Auslöser war das sie mich in einem anderen Zusammenhang (Strassenfest) getroffen hat. Ich bin ganz offen wie sich das entwickelt. Sie ist mir bislang nicht negativ sondern nur positiv aufgefallen. Sie hat eine positive Ausstrahlung, aber auch eine gewisse Reserviertheit, die mich nicht stört. Bisher hatte sie mich wohl einfach nicht auf dem Schirm. Seit dem Strassenfest reden wir mehr über andere Themen und der Kontakt geht von beiden gleichermassen aus. Das kommt ja auch vor. Sowas ist für mich keine unnormale Entwicklung und manchmal entstehen aus sowas Freundschaften - manchmal eben nicht.

E~hemaligyer N'utzeXr (#]568|697)


Einen Appell habe ich gar nicht gesehen ...

Das ist ja auch gut so :).

Aber ich liege mit dem vier Seiten Modell von Schulz v. Thun eh über Kreuz. Deshalb, weil ich finde, dass nicht immer alle vier Seiten vorliegen. Klar kann man sich die fehlenden Seiten konstruieren (so wie im Deutschunterricht), aber das hat für mich sowas von Kafffesatzleserei.

Mh - das Modell ist ja dazu da verständlich zu machen warum Kommunikation scheitern könnte. Was für Dich Kaffeesatzleserei ist, ist für Dein Gegenüber vielleicht unbewusstes folgen eines Kindheitsmusters.

Beispiel: Wenn A in der Kindheit immer eins auf den Deckel bekommen hat, wenn A nicht das Fenster geschlossen hat nachdem die Mutter "mir ist kalt" geäussert hat, hat A da einfach eine Apellverschaltung mit dem Satz "mir ist kalt". Für A hatte es Konsequenzen diesem Apell, der nicht ausgesprochen war, nicht zu folgen.

Wenn Du jetzt nur die Information gibst: Mir ist kalt - wird A darauf höchstwahrscheinlich mit Fenster schliessen reagieren. Egal ob Du Dir über den Apellcharakter nun bewusst bist oder nicht. Nicht weil Du appelliert hast, sondern weil A diesen Satz hauptsächlich als Apell kennt.

Ganz schlimm wirds allerdings wenn A statt dessen innerlich wütend beschliesst diesem unverschämten Apell nicht Folge zu leisten, weil A das früher schon gehasst hat und überhaupt wie kannst Du A diesen Satz nur zumuten (und so weiter und so fort), dann keinen Ton sagt sondern durch sein innerliches Kopfkino erstarrt neben Dir sitzt und nur noch einen bösen Blick für Dich übrig hat. Schon hast Du das tollste Missverständnis obwohl überhaupt nichts gesagt wurde.

Sagt A statt dessen: "O man - das war immer der Spruch meiner Mutter und wenn ich nicht sofort aufgesprungen bin um das Fenster zu schliessen gabs eins aufs Dach. Blöde Erinnerung." antwortest Du womöglich was wie " ich hol mir schnell einen Pulli" und der abend geht fröhlich weiter.

Das 4 Seiten Modell sagt ja nichts darüber aus ob jemand Kaffeesatzlesen soll oder nicht. Es beschreibt warum manche Kaffeesatzleserei betreiben und erklärt auch bei einem selber vereinzelt warum man wie kommuniziert. Es soll ja dazu dienen Missverständnisse zu beheben. Wenn einer z.b. nur auf der Sachinformation (ich möchte das Fenster zu) rumreitet(<- rumreitet ist hier schon der Indikator) der andere die Sachinformation schon lange verarbeitet hat, aber eine eigene hat (ich möchte das Fenster auf) die diametral gegenüber steht - kann der erste auf der Sachinformation rumreiten soviel er will und es ändert nichts. Es wird sich nur auf einer der 3 anderen Ebenen lösen lassen.

Wenn Du Dir Deine Beispiele anschaust ( zb. auch das "wir haben eine Beziehung" des einen Typen vs "wir haben keine Beziehung" von Dir) siehst Du das die auf der Sachebene nicht lösbar sind, beide aber darauf bestanden haben die auf der Sachebene zu lösen. Es gibt Menschen die versachlichen ihre Gefühlswelt so stark, dass sie meine die müsste für andere genauso gegenständlich sein und deshalb müsse ihr gefolgt werden. Das ist ein klassisches Problem wenn jemand - jetzt im 4 Seiten Model gesprochen - von sich glaubt "immer sachlich" zu sein. Derjenige möchte sich mit den anderen Seiten der von ihm selbst transportierten Kommunikation nicht beschäftigen.

Nimm als Nervbeispiel dafür einen [[https://www.youtube.com/watch?v=XIYasGzBB9w Klassiker]]

EQhemaligeZr Nuktzerg (#605x677)


@ NotMichaelCaine

Ja - für mich ist das ist der "Normalzustand", der funktioniert wenn dabei die für einen selber "richtigen" Kontakte in genügendem Ausmaß entstehen.

Das könnte ich z. B. gar nicht mit Sicherheit sagen, ob ich wirklich gerne mehr Kontakte hätte (also, ob das Ausmaß zu wenig ist). Sicher ist bei mir da nur meine Ambivalenz.

Woran das liegt, weiß ich. U. a. an einem Rückzugs- und Distanzbedürfnis. Das wiederum liegt u.a. an Introversion, fehlender Energie bzw. rascher Erschöpfbarkeit + Reizüberflutung.

Real ist es ja so, dass man die meisten Menschen in irgendeinem Zusammenhang "erlebt". Dabei zeigt sich Konfliktverhalten oft auch schon ohne das man selbst zwangsläufig darin verwickelt ist. Dazu kommt, dass man das eigene Konfliktverhalten in Gruppen ja selbst auch sehr stark an den Tag legen kann. Meiner Erfahrung nach schreckt das den einen oder anderen mit dem man sowieso nicht so kann schon ab, so das derjenige auch seinerseits keinen Kontakt sucht.

Ja. Wobei auch die generelle Art wie man rüberkommt abschreckend bzw. filternd wirkt. Diesbzgl. weiß ich auch, dass ich zwar freundlich, aber auch distanziert rüberkomme. Das ist aber auch einfach authentisch. Mir ist idR dann auch nicht nach näherem Kontakt (und sei es einfach, weil ich müde bin).

Bei Männer klappt das für mich real mittlerweile sehr gut (bei diskussionen im Netz lustigerweise nicht), muss ich sagen. Wenn ich überlege wer da in den letzten 2-3 Jahren von sich aus Kontakt zu mir gesucht hat und mich aus Gemeinschaftssituationen gekannt hat: Da ist niemand dabei wo ich Probleme habe. Bei den Frauen ist das anders. Da sind bei den Kontaktsucherinnen mehr dabei, die mein altes Problem (Co-abhängigkeit) zu haben scheinen und vielleicht irgendwie versuchen mein Gruppenkonfliktverhalten zu erfassen. Das ist zwar auf eine Art schmeichelhaft, leider eher wieder so ein Helfer-Opfer Ding was bei mir bislang eben weniger oft in stabilen Freundschaften endet, besonders wenn das Opfer noch tief drin steckt.

Suchen andere Menschen oft privaten, engeren Kontakt zu dir?

Diese "Beziehungen", die von so einem Gefälle geprägt sind wie die Helfer-Opfer-Geschichten erscheinen mir auch nicht tragfähig und reizvoll als privater Kontakt.

Für mich könnte ich kein bestimmtes Muster oder einen bestimmten "Typus" ausmachen, der bevorzugt von sich aus Kontakt zu mir sucht. In der Regel wird zum einen mein nonverbal mitgeteilter Wunsch nach Distanz respektiert (auch wenn sich ein freundliches Gespräch ergibt) und auf der anderen Seite filtert sich das eigentlich immer passend raus (nur bei diesen drei Kontakten eben nicht). Wenn doch mal jemand Kontakt gesucht hat, waren das fremde Männer, die mich unterwegs oder auf einer Feier angesprochen haben (das mag ich nicht) oder männliche vage Bekannte von der Uni, die was von mir wollten. Der einzige, dem ich da zugesagt hatte zu einem Treffen, das der gerne wollte, hat dann einen Rückzieher gemacht; bei den anderen habe ich das entweder gar nicht als Kontaktwunsch erkannt oder eben einen Korb gegeben bzw. das ignoriert (gerade diese merkwürdigen Kontaktversuche unterwegs). Das waren entweder schüchterne oder narzisstische Personen, selten solche, die ich als normal selbstsicher etc. einschätzen würde. ... Ich denke das liegt daran, dass die anderen meine Distanziertheit richtig verstehen und keinen Kontakt suchen. Angeblich soll ich auch einschüchternd wirken, aber das muss hierbei keine Rolle gespielt haben. Ich finde das schlecht einzuschätzen, weil mir persönlich dieses Partnersuch-Zeugs eh unverständlich ist. Das ist für mich eine fremde Welt, die ich nicht verstehe.

Bei den Frauen fällt mir da kein besonderes Muster auf.

Meistens werde ich aber für bereits vergeben gehalten, sodass ich meine Ruhe habe bzgl. irgendwelcher Kontaktaufnahmen wegen eines weitergehenden Interesses. Den Grund verstehe ich zwar nicht, vielleicht wegen meiner distanzierten Art, finde das aber praktisch.

Wenn ich, um ein anderes Beispiel zu nennen, an diesen Verein denke den wir letztes Jahr mal angetestet haben - da wurde viel über die Vereinsziele diskutiert (weil relativ neu). Dabei sieht man sehr deutlich was für ein Gruppenkonfliktverhalten Menschen an den Tag legen. Spannend ist dann ob das beibehalten wird, wenn man mit jemandem 1:1 diskutiert oder derjenige in einer Einzeldiskussion anders auftritt.

Interessanter Punkt. Da ich mich auch in den Sportvereinen, in denen ich Mitgleid bin, gleichwohl nicht als Mitglied im engeren Sinne betrachte und kein "Gruppenmensch" bin, ist mein Gruppenkonfliktverhalten irgendwas zw. gleichgültig und vermeidend. Mich interessiert das einfach nicht; gerade beim Sportverein bin ich da, weil ich die Sportart mag und das als Ausgleich zum Beruf mache. In dieses zwischenmenschliche Zeugs möchte ich gar nicht erst reingezogen werden.

Bei anderen, kleineren Gruppen zu zweit oder dritt kommt es darauf an worum es geht. Wenn ich zu etwas eine Meinung habe und es für sinnvoll halte, die zu äußern, kann ich das auch vor einer Gruppe tun. Das ist kein Problem. Meistens sehe ich den Sinn nicht; gerade bei diesen Kindergartengeschichten von Erwachsenen. Das sollen die unter sich ausmachen; dazu kann ich eh nichts Sinnvolles beitragen außer mich rauszuhalten.

Bei den eher "stillen" ist das schwieriger, weil da alles 1:1 angetestet werden muss und sich da die Extremen verstecken können. Ich mag ja ruhigere Typen normal auch lieber, aber da ist die Spannweite von "bedürftig - co-abhängig" zu " offen - souverän" die man im Einzelfall erkunden "muss" wenn einen derjenige interessiert viel größer, da dieser Typ Mensch sich in Gruppen nicht zeigt. Da geht wirklich nur der "steinige Weg" mit den entsprechenden Risiken, dass das Gegenüber die Situation völlig anders einschätzt und ohne das ansatzweise Wissen darüber wie Konflikte beim Gegenüber ablaufen.

Mein Problem ist, dass ich dazu neige, bei den "Ruhigeren" eher Gleichgesinnte zu vermuten. Das war z. B. mein Irrtum bei dem jungen Mann auf der Feier, den ich lediglich für schüchtern aber nicht für narzisstisch - noch dazu erfolglos narzisstisch gehalten habe. Angesprochen hatte ich ihn, weil mir langweilig war und ich mich mit den anderen links und rechts neben mir bereits unterhalten hatte.

Etwas Ähnliches habe ich bei Menschen mit diagnostizierten Depressionen (wie sich hinterher irgendwann herausstellt). Da habe ich deren Zurückgezogenheit auch fehlgedeutet und gedacht, dass die Person auch gerne wie ich ihre Ruhe hat etc.. Die so entstandenen Kontakte bereue ich aber nicht.

Ist eben das Risiko.

Es gab auch Stillere, bei denen das für mich deutlich war, dass dahinter etwas anderes steckt als bei mir und das "kein passender Kontakt" werden wird/ist.

So betrachtet ist gerade Konfliktverhalten schon ein Frühindikator aus meiner Sicht.

Danke, das werde ich zukünftig stärker berücksichtigen.

Bei einem Internetkontakt geht das nur sehr begrenzt weil Du den weniger im Gruppenkonflikt siehst. Auf so Plattformen wie hier geht das noch etwas(über Beitragshistorie eines Mitglieds), aber da kennst Du dann natürlich auch nur die schriftliche Form des Konfliktverhaltens.

Na ja, man erfährt da schon teils sehr viel über "das Wesen" des anderen, finde ich. Die Art, wie die Person denkt etc.. Heiß aber natürlich nicht, dass man sich 1:1 dann versteht offline.

Mit manchen verstehe ich mich offline auch, mit denen ich mich schriftlich kaum bis gar nicht verstehen würde. Weil das einfach ein anderer "Schreibstil" ist.

Bei den klassischen Datingplattformen ist das wohl weniger der Fall - zumindest was ich so höre. Da ist wohl nur 1:1 angesagt. Da geht nur der steinige Weg - sozusagen.

Diese Portale interessieren mich ja nicht.

Aktiv suchen meine ich im Sinn von den Fokus mehr auf diese Menschen setzen und die anderen etwas mehr ausblenden. Zumindest im privaten Kontakt.

Ich habe generell privat entweder Kontakt zu solchen Menschen oder keinen. Schätze, da filtere ich schon deutlich mehr als die meisten.

Beispiel: ich habe im Sport eine Frau (sicher um die 15 Jahre älter als ich) die vor ein paar Jahren zugezogen ist. (...) Sie ist mir bislang nicht negativ sondern nur positiv aufgefallen. Sie hat eine positive Ausstrahlung, aber auch eine gewisse Reserviertheit, die mich nicht stört. Bisher hatte sie mich wohl einfach nicht auf dem Schirm. Seit dem Strassenfest reden wir mehr über andere Themen und der Kontakt geht von beiden gleichermassen aus. Das kommt ja auch vor. Sowas ist für mich keine unnormale Entwicklung und manchmal entstehen aus sowas Freundschaften - manchmal eben nicht.

Sicher sind das von Dir beschriebene allgemein die Menschen, die sowieso schon überdurchschnittlich mehr Kontakte haben als andere. Trotzdem kann ich ja mit denen mehr in Kontakt kommen wollen - solange daraus kein "ich muss die jetzt haben" wird oder Frust darüber das man sich nicht annähert, kann sich das entwickeln oder auch nicht.

Das sehe ich grundsätzlich auch so. Mein Kumpel ist z. B. jemand, der viele verschiedene Kontakte pflegt. Das ist gut, weil er dadurch kein Problem damit hat, dass man sich länger nicht sieht. Treffen eben alle paar Monate mal. Und sein sonstiger Sozialkreis ist auch sehr nett (treffe die bei seinen Geburtstagsfeiern). Wir wohnen etwa 1h auseinander und haben ursprünglich zusammen studiert (ebenso wie die meisten seiner anderen Bekannten/Freunde). Über ihn habe ich eine gute Freundin kennengelernt; auch wenn sich der Kontakt verlaufen hat durch ihren Umzug plus ihre psychische Erkankung sowie Abbruch ihres Studiums dieses Jahr.. Ist eben recht verstreut.

Auf die anderen Beiträge gehe ich die Tage ein.

EwhemaAliger\ Nutzfer (#6025677)


@ NotMichaelCaine

Steht dein Nick dafür, nicht zu schauspielern und sich an andere anzupassen (chamäleonartig quasi)? ... Pardon, aber bei deinem Nick springt einfach das Nicht/Not ins Auge und daraus folgend in meinem Kopf die Frage "Warum nicht [diese Person]?!". Aber du kannst diese Fragen auch einfach unbeantwortet lassen.

Das 4 Seiten Modell sagt ja nichts darüber aus ob jemand Kaffeesatzlesen soll oder nicht. Es beschreibt warum manche Kaffeesatzleserei betreiben und erklärt auch bei einem selber vereinzelt warum man wie kommuniziert. Es soll ja dazu dienen Missverständnisse zu beheben. Wenn einer z.b. nur auf der Sachinformation (ich möchte das Fenster zu) rumreitet(<- rumreitet ist hier schon der Indikator) der andere die Sachinformation schon lange verarbeitet hat, aber eine eigene hat (ich möchte das Fenster auf) die diametral gegenüber steht - kann der erste auf der Sachinformation rumreiten soviel er will und es ändert nichts. Es wird sich nur auf einer der 3 anderen Ebenen lösen lassen.

Das verstehe ich nicht. Wenn A das Fenster zu haben möchte und B das Fenster offen, haben die einfach einen Interessenskonflikt. Wie man den mit den drei (anderen) Ebenen lösen könnte, verstehe ich nicht. Dann sagt A eben auf der Selbstaussageebene: "Ich friere/mir ist kalt." und B wiederum "Ich finde die Zimmertemperatur ok, wie sie ist. Mit geschlossenem Fenster wäre es mir ... zu warm, zu stickig etc.."

Gleiches hierbei:

Wenn Du Dir Deine Beispiele anschaust ( zb. auch das "wir haben eine Beziehung" des einen Typen vs "wir haben keine Beziehung" von Dir) siehst Du das die auf der Sachebene nicht lösbar sind, beide aber darauf bestanden haben die auf der Sachebene zu lösen.

Das löst sich z. B. darüber, dass ich zum Glück in einer Kultur und in einem Rechtsstaat lebe, in dem ich selbst entscheiden darf, ob ich in einer Beziehung/Partnerschaft sein möchte mit jemanden bzw. ein Nein meinerseits nicht übergangen und ich z. B. zwangsverheiratet werden kann, weil der andere mich heiraten möchte.

Das kann man nicht einseitig bestimmen, dass man mit jemanden in einer Partnerschaft ist - gegen das deutliche Nein des anderen. Umgekehrt kann ich auch nicht einseitig meinerseits bestimmen, dass eine andere Person B ab sofort mit mir zusammen ist, nur weil ich das gerne so hätte.

Wie man das mit dem Schulz v. Thun-Modell löst, verstehe ich nicht. Da bleibt der Interessenskonflikt ja auf allen vier Ebenen bestehen, weil A und B da einfach diametral entgegengesetzt auseinander liegen.

Es gibt Menschen die versachlichen ihre Gefühlswelt so stark, dass sie meine die müsste für andere genauso gegenständlich sein und deshalb müsse ihr gefolgt werden. Das ist ein klassisches Problem wenn jemand - jetzt im 4 Seiten Model gesprochen - von sich glaubt "immer sachlich" zu sein. Derjenige möchte sich mit den anderen Seiten der von ihm selbst transportierten Kommunikation nicht beschäftigen.

? Dass ich immer auf der Sachebene rede bzw. mich da bewege, würde ich nie behaupten. Aber bei mir sind meiner vier Seiten von ihrer Botschaft her kongruent. Selbstaussage: "Ich will keine Partnerschaft mit dir."; Appell: "Beachte diese Grenze." Beziehungsebene: "Keine Partnerschaft von meiner Seite." Sachebene: "Ich will keine Partnerschaft mit dir./Interessenskonflikt/Wir wollen das Entgegengesetzte."

Das Loriot-Bsp. hätte ich als passiv-aggressiv beschrieben von der Kommunikation her. Da dürfte das Problem sein, dass der Mann auf den anderen drei Seiten etwas anderes kommuniziert (ihm unbewusst), als auf seiner Sachebene. Die Ebenen sind gerade nicht kongruent bei ihm.

Das ist genau die Art von Kommunikation, die ich meinerseits nicht mag. Denjenigen würde ich extra betont rein wortwörtlich bzw. nur auf der Sachebene "hören" und ihm nur darauf antworten.

E,hemZaliger Nnutzedr (#562869x7)


Das könnte ich z. B. gar nicht mit Sicherheit sagen, ob ich wirklich gerne mehr Kontakte hätte (also, ob das Ausmaß zu wenig ist). Sicher ist bei mir da nur meine Ambivalenz.

Mh - tust Du dich allgemein schwer irgendeine Form von "Mangel" - also etwas nicht zu haben was Du aber tatsächlich brauchst - wahrzunehmen? Es gibt bei "Anzahl der Kontakte" ja keinen "Standartwert" der für alle Menschen gleich ist und wo Du objektiv sagen könntest: erreicht oder nicht erreicht. Insofern zählt da eigentlich nur Deine subjektive Wahrnehmung und solang da nicht der Wunsch nach mehr Kontakten da ist reichen Deine offensichtlich aus, oder nicht?

Der Default für die meisten ist doch - "ich habe aussreichend Kontakt. Wenn jemand neues für mich sehr interessantes auftaucht entsteht vielleicht der Wunsch mit demjenigen in Kontakt zu treten, aber generell bin ich zufrieden".

Suchen andere Menschen oft privaten, engeren Kontakt zu dir?

Oft ist immer relativ und ob tatsächlich engerer Kontakt gewünscht wird kann ich ja nicht sicher wissen, weil ich ja auch nicht auf alle Einzelkontaktwünsche eingehe. Privater Kontakt a la "können wir mal zusammen" - das kommt schon vor. Ich mache z.B. im Verein ab und zu die Kraftraum Einführung für Neumitglieder und Interessierte. Da bin ich zunächst einfach eine "naheliegende Kommunikationswahl" besonders bei denjenigen, die allein gekommen sind. Das hat sicher weniger was mit meiner Person zu tun, sondern einfach damit, dass ich als offiziell ansprechbar geoutet bin (es in folge dessen unwahrscheinlich ist, dass ich Kommunikation ganz abblocke). Gerade für etwas sozial unsichere Menschen ist das ja dann eine sichere Bank. Dabei bleibt dann die eine oder der andere "hängen" der vorschlägt mal zu einem Lauftreff zu gehen oder ins Kino oder sonst einem Event und so weiter. Die andere "Quelle" wo mir das häufiger passiert ist im Umfeld meines Bruder. Das liegt einmal daran, dass er extrovertiert, kontaktfreudig und sehr engagiert ist und bei ihm immer wieder neue Leute aus und ein gehen. Er hat einmal die Woche "Open house" wo Freunde und Bekannte zum Abendessen vorbei kommen können, vorausgesetzt sie bringen was zu Essen mit. Klar das basiert auf einem harten Kern aus Freunden, Arbeitskollegen meines Bruders und so weiter, die aber ihrerseits dann ihre neuen Lover oder Kumpels / Freundinnen mitbringen.

Das verstehe ich nicht. Wenn A das Fenster zu haben möchte und B das Fenster offen, haben die einfach einen Interessenskonflikt. Wie man den mit den drei (anderen) Ebenen lösen könnte, verstehe ich nicht.

Worüber würde denn eine Kompromisfindung in dieser Situation sonst laufen, wenn nicht über die anderen 3 Seiten? Der Sachkonflikt ist da. Fenster zu/auf. Klar - Du kannst Kompromisse rigeros ablehnen, dann ist Kommunikation unnötig - aber real gibt es Situationen wo das nicht geht, oder? Was passiert also in der Kommunikation und wovon hängt das ab?

Im Fensterbeispiel hängt die Kompromisfindung z.B. massiv an der Beziehung mit demjenigen der das Fenster auf oder zu haben will, aber auch an der Umgebung. Wenn Du in einem Arztzimmer sitzt ist z.B. ja keine Langzeitlösung nötig. Da kannst Du kompromisfindende Kommunikation umgehen wollen, weil keinerlei Beziehung mit den Anwesenden besteht und Du auch keine aufbauen willst. Dich irgendwo ausserhalb des Wartezimmers z.B. in den Ganz zu setzen wäre dann eine Sachlösung ohne Kommunikation und sicher praktikabel wenn Du eher ungern kommunizierst. Wenns ein Kollege ist mit dem Du diesen Sachkonflikt hast (andere Beziehung!) wirst Du um kommunikative Kompromissfindung zunächst kaum rumkommen, zumindest so lange bis Deinem Antrag auf anderen Arbeitsplatz statt gegeben wird, was z.B. eine kompromislose Sachlösung wäre. In der kommunikativen Kompromisfindung ist es wiederum hilfreich, wenn die Beteilligten sich klar darüber sind, dass ihre Subjektivität (einer brauchts warm der ander brauchts vielleicht kalt) eben keine sachliche Objektivität für alle darstellt und beides eine Berücksichtigung finden muss. Klassische Lösung: Derjenige ders warm braucht öffnet das Fenster sobald er das Zimmer verlässt und der Kalt woller schliesst es dann nach ein paar Minuten wieder oder der Warm braucher kommt an ein paar Tagen wärmer angezogen. Wenn dieser Kompromis besprochen ist kann das eine relevante Zwischenlösung sein wo auf beide Subjektivitäten geachtet wird.

Letzteres zu erkennen war mit dem Typ der meinte er wäre in einer Beziehung mit Dir offensichtlich nicht drin. Er hielt (ausgedrückt durch sein Verhalten) seine Gefühle über euren Beziehungsstatus nicht für subjektiv sondern für "objektiv" - daher dann auch das Generve. Dieses nicht erkennen (wollen) der eigenen Subjektivität und nicht anerkennen wollen der Subjektivität des anderen ist es was in Kommunikation häufig die unlösbarsten Konflikte gibt und natürlich lässt man solche Menschen, die sich superschwer tun das auseinanderzuhalten besser links liegen. Bei Narzissten ist diese Versachlichung in der Sprache, wenn ihre Subjektivität durchgesetzt werden soll, oft ganz extrem. Allerdings betrifft das auch "normale" Menschen. Der Rückschluss "Objektivierung der eigenen Subjektivität = Narzisst" funktioniert also nicht! Immer dann, wenn das Gegenüber in der Kommunikation nicht anerkennen kann (weil es eben die eigenen Gefühle, die die Grundlage für Selbstaussage, Appell und Beziehung der Kommunikation bilden nicht erkennen kann oder will, sondern lieber als sachliche Tatsachen darstellt, die das Gegenüber zu übernehmen hat) das es gar nicht ohne eigene Subjektivität kommunizieren kann, hast Du unlösbare Kommunikationskonflikte. Menschen, die die eigene Subjektivität wahrnehmen sind in der Regel kompromisbereiter - allerdings nicht mehr wenn sie auf jemanden treffen, der objektiviert um die eigene Subjektivität durchzusetzen. Das gibt dann auch häufig die innerlich gekündigten Mitarbeiter ;-).

Ich möchte hier nicht appelieren was ich schreibe als gegeben zu übernehmen, sondern anregen das Muster mal im Hinterkopf zu behalten und wenn gewünscht in der Realität und in Situationen zu prüfen. Auch an der eigenen ;-). Ich erkenne bei mir auch immer noch bestimmte Neigungen zur Versachlichung - das ist dann meistens ein Fingerzeig darauf, dass ich bei einem für mich heiklen Thema bin, das an meine Substanz geht oder an alten Mustern rührt. Kommunikation kann helfen das nicht nur bei anderen sondern auch bei sich selbst aufzuspüren, wenn man das möchte. Das Unterbewusstsein kommuniziert immer mit - ob wir nun wollen oder nicht.

Das löst sich z. B. darüber, dass ich zum Glück in einer Kultur und in einem Rechtsstaat lebe, in dem ich selbst entscheiden darf, ob ich in einer Beziehung/Partnerschaft sein möchte mit jemanden bzw. ein Nein meinerseits nicht übergangen und ich z. B. zwangsverheiratet werden kann, weil der andere mich heiraten möchte.

Entscheidungen, die eine andere Person nicht miteinbeziehen kann man in einem Staat wie unserem natürlich immer treffen - ganz unabhängig von der Kommunikation die statt gefunden hat. Dazu braucht auch niemand ein Kommunikationsmodel?! Kommunikationsmodelle unterstützen da wo Kommunikation fortgesetzt wird - hauptsächlich in Form von Bewusstseinsbildung über das was da ist und durch das erkennen dessen was da ist eben wie Kompromisfindung laufen könnte. Klar wenn einer sich weigert ist die Kommunikation rum. Und nein - das mein ich nicht wertend. Manchmal ist Kommunikationsende die einzige Möglichkeit, weil entweder nur eine oder keine Partei Interesse an Kompromissen hat. Kommunikation im Konfliktfall funktioniert nur wenn beide Interesse daran haben die aufrecht zu erhalten und den Konflikt mit einem Kompromis zu lösen.

Der Klassiker den ich verlinkt habe ist ein sehr simples Beispiel wo wohl die meisten wüsste wie die Situation hätte anders gelöst werden können: Wenn er am Anfang tatsächlich ausschliesslich eine Sachinformation hätte kommunizieren wollen wäre ihre erste Reaktion korrekt gewesen (zur Kenntnisnahme) und das Thema beendet. Sie hat ja mit ihrer ersten Reaktion nur die Sachinformation ausgesucht. Das Wiederholen der bereits anerkannten Sachinformation zeigt aber - darum gings ihm nicht. Es ging eigentlich um Beziehungs- Selbstoffenbarung und Appelcharakter, den sie aber nicht gehört hat. Deshalb beharrt er drauf - klammert aber an der Sachebene.

Wie würde eine sachorientierte Lösung aussehn, wenn es ihm tatsächlich darum gehen würde ein weiches Ei zu essen?

"Berta, das Ei ist nicht so weich wie ich es gern hätte - ich geh kurz in die Küche und mach mir ein 4 1/2 Minuten Ei."

E:hemaliger6 Nutzer (%#60567x7)


@ Forensiker

Ich kann ja mit dem Begriffen Fairness und Gerechtigkeit wenig anfangen, weil ich damit verbinde, dass doch nur jemand seine eigenen Interessen als übergeordnetes Interesse durchzusetzen versucht.

Ach so; ok dann könnte ich mit den Begriffen auch nichts anfangen. Für mich haben sie eine andere Bedeutung. Ethik spielt dabei eine Rolle und außerdem auch Gesetze. Gerade Gesetze sind ein Versuch, verschiedene Interessenslagen miteinander auszugleichen unter Beachtung übergeordneter Werte statt zum Beispiel ein Faustrecht; jedenfalls in einem demokratischen Staat. Ob ein Gesetz auch wirklich zu Fairness und Gerechtigkeit führt in der praktischen Anwendung, ist wieder eine andere Frage.

Abseits davon werden einem in der Familie solche Fairness- und Gerechtigkeitsprinzipien vermittelt. Bei Geschwistern beliebt: Dass einer teilt, und der andere aussucht, wenn die sich etwas miteinander teilen sollen. Und dass nicht einfach der körperlich Überlegene das andere Geschwisterkind nach Belieben misshandeln darf und sonstwie nicht die Interessen einer Person über den Interessen der anderen Person stehen außerhalb von deren persönlichen Grenzen. Gibt da diesen "Spruch": "Die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen beginnt." Das versinnbildlicht das Prinzip dahinter. Für mich stehen da sehr wichtige, essentielle Prinzipien hinter im Zusammenleben mit anderen in einer Gemeinschaft. Aber es geht mir hier nicht um eine Diskussion über die beiden Begriffe.

Naja, eigentlich werde ich da immer besser, aber ich hab da auch eine Freundin, die mir manchmal als Meisterin des sozialen Drucks erscheint, wohingegen ich mit dem-die-Stirn-bieten noch etwas zurückhänge. (...) Manchmal denke ich wirklich, dass ich mich in Psychoanalyse nochmal als Kind an den Küchentisch begeben muss, um mitzukriegen, dass ich ja heute tatsächlich aufstehen & gehen kann ^^

Die Geschichte würde ich mir in der Form heute nicht mehr antun, aber sie ist wirklich eine Person, wo ich eigentlich ständig aufpassen muss, nicht in etwas unliebsames hineingezogen zu werden. Ich hatte mich damals schon bewusst mit ihr ausschließlich zu zweit getroffen, aber auch das hat ja bekanntlich in der Situation net gereicht ;-)

Klingt anstrengend. Und ja, du kommst bei der Szene in der Kneipe in der Tat sehr passiv rüber statt für deine Interessen in dem Moment selbst etwas zu tun, damit sie gewahrt bleiben. Statt aufzustehen und zu gehen, gäbe es noch andere Möglichkeiten. (Das ist insofern auch eine andere Situation, als die, die ich mit meinem Beispiel aus der Schule meinte.)Aber mit deiner Freundin wäre mir das auch zu anstrengend gewesen, etwas zu unternehmen, wenn sie sich so regelmäßig zutexten und festnageln lässt von völlig unbekannten Menschen und man da immer aktiv mehr als sonst üblich gegenarbeiten müsste, um nicht unfreiwillig in das Ganze reingezogen zu werden. ... Sich bewusst zu machen, welche Handlungsoptionen und -freiheiten man hat in solchen Situationen statt das "mitzuertragen" und sich stillschweigend zu ärgern, ist natürlich immer gut und trainiert auch für die Zukunft.

@ NotMichaelCaine

Soweit ich dein "Statement" in deinem Thread richtig verstanden habe, bist du in dem Forum hier nicht mehr aktiv, aber ich finde deine Fragen und Gedanken interessant und antworte dir deshalb noch darauf (statt die rein privat stillschweigend für mich durchzugehen).

Mh - tust Du dich allgemein schwer irgendeine Form von "Mangel" - also etwas nicht zu haben was Du aber tatsächlich brauchst - wahrzunehmen?

Nein, eigentlich nicht. Und anhand von Erfahrungswerten weiß ich auch in etwa, was meine Bedürfnisse sind. Aber ich weiß auch, dass man mit seiner Selbstwahrnehmung danebenliegen kann, sich irren oder sich selbst unbewusst etwas vormachen kann.

Da mein "Kontaktbedürfnis" von dem abweicht, was ich bei Gleichaltrigen im Durchschnitt als normal kennengelernt habe und auch in der Psychologie die Wichtigkeit von sozialen Kontakten (gerade auch Freundschaften und Partnerschaft/Verpartnerung) betont wird, ist das eben ein Anlass für mich seit jeher, mein davon abweichendes Bedürfniss stärker zu hinterfragen. Ich bin mir für mich auch durchaus sicher, dass ich für mich "bedürfnisgerecht" lebe, auch wenn das von den Bedürfnissen der Menschen um mich herum abweicht, aber zu 100 Prozent kann ich das selbst ja gar nicht wissen. Es könnte auch einfach sein, dass ich etwas vermeide unbewusst, da Wahrnehmungsverzerrungen habe etc. - sodass ich das eben als Restzweifel im Hinterkopf behalte.

Mit Ambivalenz meinte ich, dass ich Nähe zwar mag, aber nur unter bestimmten Bedingungen, die nicht mehrheitsfähig sind unter Mitmenschen. Das, was mehrheitsfähig ist, passt für mich wiederum nicht. Deshalb ist die Chance/das Risiko hoch beim Kennenlernen neuer Menschen, dass das Ganze unschön verläuft/endet, wenn es da um einen näheren Kontakt gehen soll.

Zum Glück gibt es zwar auch Menschen, die das ähnlich sehen (Gleichgesinnte quasi) und andere, die aus anderen Gründen kompatibel sind, aber die sind eher selten und die tragen kein entsprechendes Hinweisschild; da könnte Intuition aber gut helfen beim Erkennen.

Passende neue Kontakte fände ich durchaus erfreulich. Als nettes Plus im Leben. Deshalb erscheint mir das ausnahmslose Vermeiden eines Kennenlernen neuer Menschen nicht sinnvoll, aber bei wem sich eine Ausnahme lohnt, bleibt als Dilemma. Schlechtestenfalls habe ich dann das unnötige Problem, einen solchen nicht passenden Kontakt wieder "loswerden" zu müssen - oder man versteht sich zwar gut, der Kontakt endet aber aus anderen Gründen (Umzug, Lebenskrisen des anderen Teils, Tod etc.). ... Ich wäre auch bestimmt motivierter, wenn ich mit dem status quo unzufrieden bzw. nur unzufrieden wäre, aber ich eigentlich bin ich mit dem status quo zufrieden. Mehr bestimmte Kontakte fände ich nett, je nachdem, wie das dann praktisch läuft. In der Theoris ist das ja immer anders als in der Praxis.

Angst vor dem Alleinesein als Einsamkeit habe ich nicht. Im gewissen Sinn ist jeder alleine und lebt in seiner eigenen Welt. Das wird hier gut beschrieben m. E.

Wir alle - egal ob intro- oder extrovertiert - kommen nicht umhin, uns mit dem Alleinsein auseinanderzusetzen. Im ganz banalen Sinne schon ganz früh in der Kindheit und später, wenn wir uns beim Alleinsein erst ängstigen und dann langweilen. Aber auf eine Art sind wir immer allein, auch und gerade wenn wir unter Freunden sind: Jedes Missverständnis, jede etwas andere Interpretation einer gemeinsam erlebten Situation, selbst verschiedene Vorlieben zeigen uns, dass wir in einem existenzialistischen Sinne allein sind. Wir können uns zwar verständigen, werden aber nie dieselben Bewusstseinsinhalte haben, die etwa unser bester Freund hat. Wir können uns gegenseitig nicht verstehen, sondern nur interpretieren.

Quelle: [[http://www.geistundgegenwart.de/2013/06/alleinsein-freundsein.html]]

(Geht mir nicht um das Thema Introversion dort, das in dem verlinkten Artikel eine größere Rolle spielt.)

Das hat sicher weniger was mit meiner Person zu tun, sondern einfach damit, dass ich als offiziell ansprechbar geoutet bin (es in folge dessen unwahrscheinlich ist, dass ich Kommunikation ganz abblocke). Gerade für etwas sozial unsichere Menschen ist das ja dann eine sichere Bank. Dabei bleibt dann die eine oder der andere "hängen" der vorschlägt mal zu einem Lauftreff zu gehen oder ins Kino oder sonst einem Event und so weiter.

Ein bisschen kenne ich das so auch von Sportkursen (allerdings ohne eine leitende oder sonstwie offizielle Position in den Kursen gehabt zu haben.) Aber ich fand das immer etwas zwiespältig, weil im Zweifel dann auch der Sportkurs für mich belastet/beschädigt ist. Besonders, wenn ich den Kurs und die Sportart gemocht habe. Ist eben immer eine zweischneidige Sache. Einerseits kann das nett sein, aber das Zwischenmenschliche nimmt dann auch in der Sportart/dem Kurs eine größere Rolle ein, während man vorher anonym und freier einfach am Training teilnehmen konnte und einfach (irgend)ein zufälliger Teil der Gruppe. Ich mag Letzteres ähnlich stark wie Ersteres und im Zweifel ist mir die ungestörte Teilnahme an dem Kurs als anonymes Element wichtiger.

Aktuell im Sportverein überlege ich daher auch, inwieweit ich mich außerhalb des Trainings beteiligen und auch zukünftig mit den Leuten feiern gehen möchte. Mir bedeutet das Training dort nämlich viel und das möchte ich mir nicht kaputtmachen mit irgendwelchen über die Sportart hinausgehenden zwischenmenschlichen Verwicklungen.

Die andere "Quelle" wo mir das häufiger passiert ist im Umfeld meines Bruder. Das liegt einmal daran, dass er extrovertiert, kontaktfreudig und sehr engagiert ist und bei ihm immer wieder neue Leute aus und ein gehen. Er hat einmal die Woche "Open house" wo Freunde und Bekannte zum Abendessen vorbei kommen können, vorausgesetzt sie bringen was zu Essen mit. Klar das basiert auf einem harten Kern aus Freunden, Arbeitskollegen meines Bruders und so weiter, die aber ihrerseits dann ihre neuen Lover oder Kumpels / Freundinnen mitbringen.

Das "Open House"-Modell deines Bruders finde ich sehr sympathisch. Vor allem, weil das nach einer netten Mischung an Personen klingt und einerseits die Regeln klar sind (etwas zu essen mitbringen), aber das Zusammensein gleichzeitig auch zwanglos-unverbindlich ist.

Enhemalpiger` Nutze<r (#6$05677)


Worüber würde denn eine Kompromisfindung in dieser Situation sonst laufen, wenn nicht über die anderen 3 Seiten?

Ach so; ich hatte gedacht, dass die Personen auf den anderen drei Ebenen dabei ja auch nichts anderes sagen bzgl. des Konflikts, als auf der Sachebene. Mit Ausnahme der Personen, die wie der Mann im Loriot-Beispiel auf den anderen Ebenen etwas anderes meinen und wollen, als sie auf der Sachebene vorgeben. Sowas könnte man bei der Klärung des Konflikts z. B. im Hinterkopf berücksichtigen oder gegenüber dem anderen ansprechen.

In der kommunikativen Kompromisfindung ist es wiederum hilfreich, wenn die Beteilligten sich klar darüber sind, dass ihre Subjektivität (einer brauchts warm der ander brauchts vielleicht kalt) eben keine sachliche Objektivität für alle darstellt und beides eine Berücksichtigung finden muss.

Natürlich; das ist etwas, was mir so auch beigebracht worden ist bzw. kenne ich das als normale Vorgehensweise.

Dieses nicht erkennen (wollen) der eigenen Subjektivität und nicht anerkennen wollen der Subjektivität des anderen ist es was in Kommunikation häufig die unlösbarsten Konflikte gibt und natürlich lässt man solche Menschen, die sich superschwer tun das auseinanderzuhalten besser links liegen. Bei Narzissten ist diese Versachlichung in der Sprache, wenn ihre Subjektivität durchgesetzt werden soll, oft ganz extrem. Allerdings betrifft das auch "normale" Menschen.

Der Rückschluss "Objektivierung der eigenen Subjektivität = Narzisst" funktioniert also nicht!

Nein, auch nicht-narzisstische Menschen verwenden narzisstische Muster usw.. Falls das auf den Typen bezogen war - das war das Gesamtbild von dem, warum ich zu dem Schluss gekommen bin. Das Kommunikationsmuster von jemanden ist da nur ein Teil des Gesamtbildes. Und ich meine das auch mehr darauf bezogen, dass derjenige einen narzisstischen Stil hatte.

Danke für deine Erklärungen, wie das mit dem Versachlichen und der fehlenden Anerkenntnis der Subjektivität anderer gemeint war bzw. was es damit auf sich hat.

Kommunikation kann helfen das nicht nur bei anderen sondern auch bei sich selbst aufzuspüren, wenn man das möchte.

Das möchte ich, aber entweder für mich alleine oder in einer passenden Gesprächssituation mit einem passenden Gegenüber. In einer 1:1 Gesprächssituation, nicht auf facebook, twitter, in einem öffentlich für jeden lesbaren Forum.

FPoreonsiwkxer


_Polarfuchs_,

Abseits davon werden einem in der Familie solche Fairness- und Gerechtigkeitsprinzipien vermittelt. Bei Geschwistern beliebt: Dass einer teilt, und der andere aussucht, wenn die sich etwas miteinander teilen sollen. Und dass nicht einfach der körperlich Überlegene das andere Geschwisterkind nach Belieben misshandeln darf und sonstwie nicht die Interessen einer Person über den Interessen der anderen Person stehen außerhalb von deren persönlichen Grenzen. Gibt da diesen "Spruch": "Die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen beginnt." Das versinnbildlicht das Prinzip dahinter. Für mich stehen da sehr wichtige, essentielle Prinzipien hinter im Zusammenleben mit anderen in einer Gemeinschaft. Aber es geht mir hier nicht um eine Diskussion über die beiden Begriffe.

Also ich find ja, da gehen eine Menge verschiedener Dinge zusammen. Teilen unter Geschwistern ist ein ideales Bespiel, das Gerechtigkeit veranschaulicht. Wenn aber die Beziehungen abstrakter und unpersönlicher werden und die Themen komplexer und unbequemer, dann wird eben nach einer Lösung gesucht, die möglichst wenig Widerstand hervorruft. Die wird dann im Anschluss alles von fair, Kompromiss oder Verarschung genannt, und das macht man am besten möglichst laut, damit man das nächste mal auch wieder berücksichtigt wird, so seh ich das zumindest, allerdings auch mehr aus späterer Erfahrung. Aus meiner Kindheit habe ich eher zu viel falschen Idealismus mitgenommen, deswegen bin ich da auch leicht allergisch ;-)

Klingt anstrengend. Und ja, du kommst bei der Szene in der Kneipe in der Tat sehr passiv rüber statt für deine Interessen in dem Moment selbst etwas zu tun, damit sie gewahrt bleiben. Statt aufzustehen und zu gehen, gäbe es noch andere Möglichkeiten. (Das ist insofern auch eine andere Situation, als die, die ich mit meinem Beispiel aus der Schule meinte.)Aber mit deiner Freundin wäre mir das auch zu anstrengend gewesen, etwas zu unternehmen, wenn sie sich so regelmäßig zutexten und festnageln lässt von völlig unbekannten Menschen und man da immer aktiv mehr als sonst üblich gegenarbeiten müsste, um nicht unfreiwillig in das Ganze reingezogen zu werden. ... Sich bewusst zu machen, welche Handlungsoptionen und -freiheiten man hat in solchen Situationen statt das "mitzuertragen" und sich stillschweigend zu ärgern, ist natürlich immer gut und trainiert auch für die Zukunft.

Ja, finde ich schon dadurch eine schwierige Situation, dass eine dritte Person "dabei" ist, zu der ich eigentlich gar keine Beziehung unterhalten will. Und andere Freunde würden das auch berücksichtigen oder kämen gar nicht erst auf die Idee, sich unbekannterweise so zutexten zu lassen. Aber natürlich habe ich meine Möglichkeiten da nicht ausgeschöpft. Übrigens kann ich mir auch vorstellen, in dem Beispiel mit der Schule aufzustehen und zu gehen. Nicht für mich persönlich, aber manche hätte es so sehr auf die Palme gebracht und dabei sogar "Recht" bekommen und wären evtl. nie wieder in so eine Situation gebracht worden.


Der Rest ging zwar nich an mich, find's aber doch interessant:

Da mein "Kontaktbedürfnis" von dem abweicht, was ich bei Gleichaltrigen im Durchschnitt als normal kennengelernt habe und auch in der Psychologie die Wichtigkeit von sozialen Kontakten (gerade auch Freundschaften und Partnerschaft/Verpartnerung) betont wird, ist das eben ein Anlass für mich seit jeher, mein davon abweichendes Bedürfniss stärker zu hinterfragen. Ich bin mir für mich auch durchaus sicher, dass ich für mich "bedürfnisgerecht" lebe, auch wenn das von den Bedürfnissen der Menschen um mich herum abweicht, aber zu 100 Prozent kann ich das selbst ja gar nicht wissen. Es könnte auch einfach sein, dass ich etwas vermeide unbewusst, da Wahrnehmungsverzerrungen habe etc. - sodass ich das eben als Restzweifel im Hinterkopf behalte.

Es geht mir da ähnlich, wobei ich mich mit der Zeit zumindest dem "Normalen" angenähert habe. Und es heute immer noch überraschend finde, wenn jemand behauptet, ich hätte in meiner neuen Stadt guten Anschluss gefunden oder ich hätte viele Freunde oder irgendsowas Verquertes ;-) Aber es ist auch deswegen eine große Unsicherheit da, weil ich im Rückblick sehe, wie grottig das mal war. Und hätte ich meine Bedürfnisse gekannt, wäre mir bestimmt noch etwas eingefallen, mir selbst das als bedürfnisgerecht zu verkaufen. Hinzu kommt, dass ja mein Therapeut mich in eine Psychoanalyse stecken will, er sieht also einige Dinge als gar nicht in Ordnung an und ich bin zumindest nicht geneigt, ihm da komplett zu widersprechen :=o Aber letztlich ist's ja das schlauste was man tun kann, einfach die Qualität & Quantität an Beziehungen zu führen, die einem gerade passt und auf dem weiteren Weg das immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Ich mach das gerade auf die unbequemsten Weisen, habe das auch weiterhin vor, und dafür mag ich mich, wenigstens ein bisschen ;-) Hast du denn mal etwas in Richtung Therapie gemacht oder daran gedacht? Nicht, dass ich's dir einreden will, wenn es dir so schon gut genug geht, ist das ja auch nicht nötig, aber das sind eben so klassische Therapie-Themen.

Mit Ambivalenz meinte ich, dass ich Nähe zwar mag, aber nur unter bestimmten Bedingungen, die nicht mehrheitsfähig sind unter Mitmenschen. Das, was mehrheitsfähig ist, passt für mich wiederum nicht. Deshalb ist die Chance/das Risiko hoch beim Kennenlernen neuer Menschen, dass das Ganze unschön verläuft/endet, wenn es da um einen näheren Kontakt gehen soll.

Den ersten Teil kann ich nachvollziehen, den zweiten weniger. Für mich ist ja das unschöne am Kennenlernen die entsprechende Gruppensituation (s. mein Gruppenfaden ^^). Dass mal eine Dame in einer Affaire (oder auch ohne dass überhaupt etwas über Freundschaft hinausgehendes statt gefunden hätte) mehr wollte, kam vor, aber trifft wohl den Punkt nicht ":/ Wenn's unschön verläuft, würde ich den Kontakt verringern und wenn die Reaktion dann noch schlimmer ausfällt, erstrecht.

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