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Inkompatible Persönliche Grenzen

DTie S1eherixn


ich habe heute im süddeutsche magazin einen ganz interessanten ansatz gelesen, den man eventuell auch hier überdenken könnte:

ist ein unterlassen anders zu bewerten, als ein tun?

so ganz bekomme ich es gerade nicht mehr zusammen (ist noch nicht freigeschaltet) [[http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/liste/l/10 traust du dich]]

ist also der im recht, der ein unterlassen verlangt?

LgichtBAmHo^rizonxt


@ rr2017

Ich bin wirklich erstaunt, wie sehr hier ein Verhalten, welches nach landläufigem Verständnis für die Partnerin wirkich eine Zumutung sein dürfte, und hart an realer Untreue dran ist, mit etlichen Dingen, die nach "normalem Menschenverstand" Grenzüberschreitungen sind, die nicht in Beziehungen gehören, also, lauter Dinge, die wirklich eine offensichtliche, eindeutige Sprache sprechen, relativiert und schöngeredet werden. Sehr befremdlich.

Meist ist es doch nicht das konkrete Verhalten, das einen am Partner stört, sondern das, was man vermutet, was dahinter steckt. Partner flirtet fremd = ich bin nicht wichtig genug, reiche nicht, meine Gefühle sind ihm egal etc. Ist also ein gewisser Anspruch, den man an den Partner stellt. In diesem Fall eine Art Exklusivitätsanspruch. "Habe keine Götter neben mir." "Lass deine Welt sich nur um mich drehen." Warum man das nun so unbedingt möchte, ist eigentlich immer in einem selbst begründet und ist hier nicht das Thema.

Es ist auch eigentlich egal, ob etwas, das jemand tut, nach "landläufigem Verständnis" "gut" oder "schlecht" ist. Es kommt darauf an, ob ich damit klar komme oder nicht.

Finden sich zwei Partner, die beispielsweise beide gern fremdflirten und die es bei dem jeweils anderen nicht stört, weil sie sich ihrer selbst und der Liebe des Partners sicher genug sind, warum dann also nicht?

Oder finden sich zwei, wo nur der eine fremdflirtet, es den anderen aber nicht stört, weil er sich seiner selbst und der Liebe des Partners dennoch sicher genug ist, warum dann also nicht?

Stört es jemanden - ja, dann braucht man eben einen, der es sieht wie man selbst und den man nicht erst zurecht erziehen muss. Den Partner umerziehen geht eigentlich immer in die Hose. Wenn ich weiß, der andere unterlässt (oder tut) etwas nur, weil ich es unbedingt will, ohne wirklich den Sinn darin zu sehen und seine eigentliche Sicht darauf tatsächlich zu ändern, fühle ich mich dabei nicht wohl. Ich will ja keinen dressierten Affen haben, der sich meinen Befehlen fügt. Will ich andersherum ja auch für niemanden machen müssen.

LSichtAmHDorizxont


Konkret auf diesen Fall bezogen gibt es also aus meiner Sicht diese Möglichkeiten:

- Eigene Einstellung überdenken und ggf. anpassen, und wenn man das nicht kann:

- anderen Partner suchen, der dieselbe Einstellung hat wie ich

r r2\0x17


Ist das der Start in eine neue Kultur, in der erstmal alle ethischen Regeln und Grundsätze abgeschafft werden sowie die meisten Gesetze, per se erstmal alles ok ist, und jeder für sich schauen muss, was ER für ein Problem hat, wenn er irgendwas als verletzend empfindet?

DgiZe SFeheerixn


Ist das der Start in eine neue Kultur, in der erstmal alle ethischen Regeln und Grundsätze abgeschafft werden...

vielleicht ist das eine weiterentwicklung einer kultur, in der zum einen mal überlegt wird, welche der bisherigen regeln welchen bestand haben können/sollen/müssen und zum anderen, wie das künftig offener kommuniziert wird :-)

rfr201x7


vielleicht aber auch nicht

LAichtAmHHori\zonxt


@ rr2017

Ist das der Start in eine neue Kultur, in der erstmal alle ethischen Regeln und Grundsätze abgeschafft werden sowie die meisten Gesetze, per se erstmal alles ok ist, und jeder für sich schauen muss, was ER für ein Problem hat, wenn er irgendwas als verletzend empfindet?

Wenn ich mit meiner Äußerung der Beginn einer solchen Kultur sein könnte, würde mich so viel Macht eher erschrecken als erfreuen, glaube ich… :-o

Ich äußere lediglich meine Sicht der Dinge. Ist ja keiner gezwungen es genauso zu sehen oder zu machen. Mein persönliches Ziel ist es, aus dem "Mir geht es nur schlecht weil der so und so ist/dies und das macht"-Denken herauszukommen und festzustellen, dass mein Glück nicht ausschließlich vom Handeln oder Unterlassen durch andere abhängt. Weiter nichts. Ob ich das, was der andere tut/unterlässt, als ethisch/moralisch/sonst irgendwie gut oder schlecht bewerte, spielt dabei erst mal gar keine Rolle. Das ist ein ganz anderes Thema.

rvr*2017


Ich bin ja auch durchaus dafür, sich nicht unreflektiert in jede emotionale Regung hineinfallen zu lassen, aber man sollte dabei auch mal die Kirche im Dorf lassen.

Was Du schreibst erinnert mich an (von Dir, und von anderen) bekannten Extremen - Pendeln zwischen entweder selber schuld sein, oder der andere ist der "Feind" - total schwarz weiss.

Die Wahrheit liegt in der Mitte und derartiges "bei sich bleiben und schauen was es mit mir macht" sollte man meiner Meinung nach auf pathologische Überreagieren beschränken. Es gibt durchaus auch den Fall "mir geht es schlecht, weil der und der doof ist und mich verletzt hat". Alles andere ist doch haarsträubend.Wenn mich einer schlägt, dann tut das weh, und das liegt nicht an mir sondern daran dass der andere mich geschlagen hat.

Ausserdem bergen derlei Ansätze massive Missbrauchsgefahr, die ich auch schon häufig verspürt habe, in letzter Zeit. Opferumkehr und so. Schlimm, wirklich ganz schlimm, geradezu niederträchtig und graunehaft.

rorz201x7


Nachtrag . ich finds allerdings auch manchmal schwierig, die Grenze zu finden, speziell bei Situationen, wo beides zusammenkommt - der andere ist tatsächlich doof, aber es ist auch eigenes Überreagieren im Spiel. Dennoch (ich finde davon abgesehen, es ist auch teil eines wachsenden selbstwertgefühls) - manchmal ist wirklich der andere schuld und doof. Nicht ZU SEHR immer nur bei sich schauen.

D!ie S[ehexrin


ich finds allerdings auch manchmal schwierig, die Grenze zu finden...

zumindest finde ich persönlich immer wieder interessant, die schon in mir existenten grenzen, nicht in stein gemeißelt für alle ewigkeiten so stehen zu lassen, sondern zu hinterfragen!

ist ja schon echt spannend, sich mal zu fragen, warum man irgendwann sagt "stopp - bis hierher und nicht weiter!". nicht immer kommen meine grenzen aus mir selber heraus, sondern haben sich von außen"vorgaben" her entwickelt.

LKicjhtArmHoLrizxont


@ rr2017

Was Du schreibst erinnert mich an (von Dir, und von anderen) bekannten Extremen - Pendeln zwischen entweder selber schuld sein, oder der andere ist der "Feind" - total schwarz weiss.

"Selbst Schuld" ist Deine Interpretation.

Nur weil ich den anderen nicht verurteile, verurteile ich ja nicht automatisch mich. Das wäre schwarz-weiß, ja. Aber so sehe ich es gar nicht. Du aber anscheinend?...

LhovHxus


Ich bin wirklich erstaunt

Da siehst du mal, rr, wie horizonterweiternd so ein Forum ist :-D .

"normalem Menschenverstand"

Mit der gleichen Übertragung von der eigenen Normalität auf alle meint der Freund von Alias auch, dass 99% der Männer so sind wie er (wenn ich das jetzt noch richtig im Kopf habe).

hart an realer Untreue dran

Was soviel heißt wie, hart an der Grenze, aber nicht jenseits der Grenze (wenn "Treue" die Grenze ist). Und dann gibt es noch eine Menge "Normalitäten" jenseits dieser Grenze: Swinger, polyamouröse Beziehungen, Fremdgänger in einer Beziehung, ohne dass die Beziehung deshalb scheitert...

Das macht den Reiz, aber auch die Schwierigkeit unserer Zeit aus: Dass man sich auf keine vorgefertigte, tradierte Normalität mehr verlassen kann, dass man sich seine eigene Normalität entwickeln muss.

LMovH]uxs


Alias

dass man sich seine eigene Normalität entwickeln muss.

Dazu habe ich einen guten Literaturtipp, wie man das als Paar machen kann: "Gelegenheit macht Liebe - Glücksbedingungen in der Partnerschaft" von Michael Lukas Moeller. Das sollte eine Menge Stoff bieten, mit dem ihr für euch klären könnt, ob ihr das Potenzial habt, miteinander glücklich zu werden.

rfr2R017


Und wo ist die Grenze? Muss man sich auch seine "eigene Normalität" entwickeln z.B. im Umgang mit schweren Straftaten, Mord, Folter, Kindersoldaten etc.?

Wenn es keine tradierte, vorgefertigte ethische Normalität mehr gibt?

Warum schaffen wir nicht alle Gesetze ab?

Dfie BSehxerin


Wenn es keine tradierte, vorgefertigte ethische Normalität mehr gibt?

Warum schaffen wir nicht alle Gesetze ab?

es hat doch niemand davon gesprochen, dass dies alles abgeschafft werden soll! es war die rede davan, all diese ethischen regeln, werte, gesetze mal zu hinterfragen, zu sehen, wie sie in die heutige zeit passen, wie dies in meine vorstellung von beziehung passt, ob das mit meinem partner zusammen funktioniert...

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