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Er möchte keine Schwäche zeigen, oder....?

Sdnonefxfi hat die Diskussion gestartet


Hallo alle Zusammen,

ich weiß gerade nicht, ob ich überreagiere.... vielleicht könnt ihr mir mit euren Meinungen helfen.

Ein sehr lieber Bekannter von meinem Freund, den ich in den letzten anderthalb Jahren auch sehr in's Herz geschlossen hatte, ist vor kurzem verstorben. Die Nachricht hat mich völlig umgehauen. Mein Freund wollte den Tag über nicht darüber sprechen und sagte, er kämpft das mit sich allein aus.

Da wir die Situation noch nicht hatten, hab ich nochmal genau nachgefragt, wie ich jetzt mit ihm umgehen soll. Er kannte ihn noch deutlich länger und enger... Er sagte, dass ich ihn bitte gar nicht darauf ansprechen solle und er das mit sich allein ausmachen will. Ok, das habe ich vollständig akzeptiert, jeder ist da anders.

Heute ist die Beerdigung...

Da der Friedhof weiter weg ist und er Teil einer größeren ich nenne es mal "Community" war, fährt die ganze große Truppe (knapp 40 Leute) mit einem gemieteten Bus zur Beerdigung.

Da ich sowas leider aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme nicht mitmachen kann, habe ich gesagt ich fahre nicht mit und wir fahren dann zu zweit irgendwann später zum Grab und trinken dort auf unseren Freund die flasche (bzw. ein Glas) Wein, welche wir eigentlich für ihn aus unserem letzten Urlaub mitgebracht hatten und mit ihm gemeinsam bei einem geselligen Abend geniessen wollten. Mein Freund wollte mit zur Beerdigung. Völlig ok.

Heut hab ich gesundheitlich einen guten Tag und hatte überlegt, vielleicht doch mit zu fahren. Zwar mit dem eigenen Auto, da Busse mit vielen Menschen mich über die Maßen stressen würden, aber das wäre ja letztendlich auch egal. Ich hatte einfach das Bedürfnis, mich zu verabschieden im Rahmen der Beisetzung. Da ich mit meinem Freund über das Thema ja auch nicht wirklich reden konnte, hatte ich das Gefühl, ich könnte mich so halt verabschieden und vielleicht mit den Anderen aus der "Community" darüber reden.

Mein Freund wollte aber leider nicht, dass ich mitkomme.... Er sagte, er weiß nicht was das heute mit ihm macht und er möchte nicht vor mir weinen, keine Schwäche zeigen. Ausserdem würde ich bestimmt weinen und er könne mich nicht weinen sehen. Und da ich bei Menschenmengen schonmal Panik bekomme, hätte er die ganze Zeit das Gefühl auf mich aufpassen zu müssen und würde sich ständig einen Kopf um mich machen...

Im ersten Moment hab ich Verständnis gezeigt. Ich hab dann den Vorschlag gemacht, dass ich später dazu kommen könne, wenn die Community noch beisammen sitzt und die Beerdigung vorbei ist.

Darauf hat er zwar nicht nein gesagt, aber recht schroff reagiert. Ich kenne ihn gut genug um zu wissen, dass ihm auch dieser Vorschlag nicht soooo recht war.

Ehrlich gesagt bin ich seitdem einfach nur traurig... und finde es schon ein wenig egoistisch von ihm. Oder was denkt ihr?

Ich mein.. ich weiß, ich bin durch meine gesundheitlichen Probleme sicher nicht einfach und ja es hätte passieren können, dass ich mich von der Gesellschaft entfernen muss um runter zu kommen. Aber ich leben mein Leben lang damit und weiß, was ich mir zutrauen kann und kann mir selbst helfen. Das weiß er auch. Bei anderen Gelegenheiten hat er noch nie geäussert, dass er sich Sorgen macht wegen mir und er wegen mir den Kopf nicht frei haben kann, ob Kirmes oder was auch immer. Und das ging auch immer ganz gut mit mir. Ich sage halt irgendwann, dass es nicht mehr geht und entweder er bleibt noch, oder er fährt mit. Wie er mag, da habe ich ihn nie zu irgendwas überreden wollen.

Ok, das heute ist keine Kirmes, das weiß ich wohl. Und ich verstehe auch, dass er da nicht noch auf mich achten wollen würde und es ihm schwer fallen würde es nicht zu tun, auch wenn er das nicht braucht und ich allein gut klar komme.

Trotzdem bin ich irgendwie echt enttäuscht und traurig... Ich mein, wir heiraten bald. Da kann er mich doch nicht immer ausschliessen, wenn es mal schwierig wird? Wenn er mal emotional werden könnte?

Ach ich weiß auch nicht.. grad ist mir echt zum Heulen... :-(

LG Snoeffi

Antworten
kyatha@rinab-die-Sgroßxe


Erstmal mein Beileid zum Tod deines Freundes :)-

Ich denke, wenn es auch dein Freund war, wäre ich wohl mitgefahren. Klar verstehe ich, dass er sich um dich keine Sorgen machen will, aber du bist alt genug und hast genauso wie er das Recht, Abschied zu nehmen. Wenn er sich vor dir keine Blöße geben will, ist das sein Problem und nicht deins. Allerdings wäre mir tatsächlich unwohl dabei, wenn mein Mann mich von solch emotionalen Ereignissen ausschließen und diese lieber mit sich selbst ausmachen würde. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich meinen Mann auch in schweren Situationen unterstütze und umgekehrt genauso. Und wo sollten wir schwach sein können, wenn nicht bei unseren Partnern? Das finde ich ziemlich schwierig, muss ich sagen und da würde ich wohl auch noch mal drüber reden. Sicher nicht heute Abend, aber vielleicht durchaus noch vor der Hochzeit.

S}noeTffi


Vielen Dank liebe Katharina-die-große, du triffst den Nagel auf den Kopf! Das sind die Gedanken, die mir auch durch den Kopf schiessen.. Also, dass man doch gerade in einer Partnerschaft Gefühle und auch Schwäche zeigen darf und... ja es fällt mir auch sehr schwer, ihn da nicht unterstützen zu können. Ich bin da das totale Gegenteil, habe dann Redebedarf, wünsche mir die berühmte Schulter zum Anlehnen etc...

Es tut mir gerade einfach nur weh, weil ich das alles so überhaupt nicht nachvollziehen kann, was gerade passiert. Ich werde da auf alle Fälle noch einmal das Gespräch suchen....

SbnoVeffxi


Grad schreibt er, dass sie auf dem Rückweg sind und ich noch nachkommen könne.

Ich fahre nicht, da ich kein guter Schauspieler bin. Ich habe dringenden Redebedarf mit meinem Partner und könnte keine gute Miene machen und ich möchte da keinen Aufriss machen, die Partnerin vom Verstorbenen ist anwesend.

Naja, immerhin hat er mir Bescheid gegeben................

h~eutDe_hixer


Ich denke, dein Freund war sehr ehrlich zu dir.

Wenn ich es recht verstehe, war es ein sehr enger Freund von ihm und du hast ihn über ein Jahr kennengelernt. Das sind sehr unterschiedliche Beziehungen zum verstorbenen Freund.

Dein Freund hat dir klar gesagt, was er in dieser Ausnahmesituation braucht und was ihm hilft.

Das deine Bedürfnisse da anders sind, mag sehr wohl sein. Jeder geht in anderer Weise mit Ausnahmesituationen um und das sollte respektiert werden. Ich kenne viele Menschen, die in ihrer Trauer allein sein möchten.

Dein Freund weiss, dass er auf deine Unterstützung zählen kann. Wenn er es braucht, wird er darauf zurückgreifen. Alles andere ist störend und vielleicht sogar aufdringlich.

S[noefxfi


heute-hier, ich verstehe was du schreibst..

Nein, es war kein sehr enger Freund, darunter würde ich was Anderes verstehen. Aber schon jemand, den man aus der "Community" ganz besonders gern mochte und der mir in den 1 1/2 Jahren auch sehr an's Herz gewachsen ist. Aber ja.. er kannte ihn länger. Aber ist die Zeit, die man jemanden kannte, an der Stelle nicht irgendwie egal wenn man jemanden sehr mag?

Und... ja klar respektiere ich da seine Haltung. Aber... respektiert er an der Stelle meine Gefühle ???

hreute_'hier


Ich antworte dir ehrlich ohne auf deine aktuelle Gefühlslage einzugehen:

Ein Ausnahmezustand findet nicht jeden Tag statt. Wenn ich Menschen in Ausnahmezuständen erlebe, nehme ich mich und meine eigenen Gefühle sehr zurück und sehe, ob ich helfen kann.

Es gibt keine Vorwürfe, keine ungefragten Ratschläge, kein Bedrängen. Die Leute müssen durch eine ungewohnte und anstrengende Situation. Es ist oft nur eine Frage der Zeit bis wieder zum Alltag übergangen werden kann. In dieser Übergangszeit haben Menschen in Ausnahmesituationen für mich absolute Schonfrist. Sie dürfen praktisch alles, was ihnen -wenn auch nur vermeintlich- hilft.

Da ich selbst auch nur ein Mensch mit Gefühlen bin, wende ich mich in solch einer Zeit an andere Freunde oder Verwandte. Die sind nicht ganz so involviert und haben einen klareren Blick mit ihrer Distanz.

S%no!eEffi


heute-hier

Ich weiß ein ehrliches Wort zu schätzen... ;-) Also danke dafür!

Ich verstehe absolut was du schreibst und handhabe das ähnlich in meinem Verwandten- und Freundeskreis. In dieser Situation sehe ich nun zwei trauernde Menschen, die sich auf ihre Art gern verabschiedet hätten und nicht in der Lage waren, einen Kompromiss zu finden - so das einer - in dem Falle ich - verletzt zurück bleibt. Da gibt es also Redebedarf für die Zukunft.

BoirkeBnzweixg


aber sie befindet sich ja genauso in einer ausnahmesituation, also die TE

und ich habe lernen müssen,d aß es krank macht, wenn man sich zu sehr zurück nimmt

außerdem denke ich, daß diese situation ein generelles problem aufmacht

SUhene2p


Vielleicht könnte es helfen deinem Freund zu erklären, dass Weinen keine Schwäche ist. Im Gegenteil - Es ist eine Form von Stärke Gefühle und auch Verletzlichkeit zeigen zu können. Will er dich zukünftig von jeder Beerdigung von Menschen ausschließen, die euch beiden nahe standen? Im aktuellen Fall kannst du ihm ja noch entgegen kommen und der Beerdigung fern bleiben. Doch für die Zukunft solltet ihr eine Lösung finden. Es wird ja wahrscheinlich nicht die letzte Beerdigung sein auf die ihr geht.

LFewiaxn


Snoeffi

Mir ist von dem was du schreibst her nicht 100% klar, ob es dein ganz eigenes persoenliches Beduerfnis gewesen ist, dort hinzugehen, wegen deiner Gefuehle im Zusammenhang mit dem Tod des Bekannten und evtl. der Community. Oder ging es dir eher darum, deinem Freund zu begleiten und ihm Beistand zu leisten?

Du klingst eher nach ersterem. Wenn das so ist, hast du ihm das klar und unmissverstaendlich so gesagt?

In dem Fall faende ich es befremdlich, wenn er so reagiert, denn natuerlich sind deine Gefuehle wichtig, wenn es dir ein Beduerfnis ist, dorthin zu gehen, ist es natuerlich dein Recht, das auch zu tun, und dein Freund hat kein Recht, dich davon abzuhalten, bloss damit du ihn nicht in trauerndem Zustand siehst.

Andererseits, wenn es dir um zweiteres geht, wenn du in ertster Linie seinetwegen gehen wolltest (oder auch bloss, wenn du es ihm so gesagt hast, dass er diesen Eindruck hat), kann ich sehr gut verstehen, dass er sagt: "Nein, meinetwegen solltest du das nicht tun" - wenn es sich halt fuer ihn nicht "richtig" anfuehlt.

Fuer dich scheint das Problem in erster Linie zu sein, dass er es nicht will, dass du ihn weinen siehst oder wenn er seinen Emotionen freien Lauf laesst. Vielleicht ist das von ihm aus eigentlich nur ein Teil der Begruendung, wer weiss, jedenfalls finde ich einerseits richtig, dass du ihm sagst, dass er dir vertrauen kann und dass du auch in solchen Situationen gerne bei ihm bist. Andererseits denke ich, wenn es dir in erster Linie um ihn geht, und sein Gefuehl sagt halt, dass er dich lieber nicht dabei hat, waere fuer mich mal der erste Ansatz, zu akzeptieren und zu respektieren, was er ueber sich und seine Gefuehle sagt. Das kann sich langfristig immer noch aendern.

Aber eben, das haengt davon ab, wie du meine Eingangsfrage beantwortest. Wenn du aus eigenem Antrieb aus Gruenden dahin wolltest, die nichts mit ihm zu tun haben, wuerde ich an deiner Stelle nicht akzeptieren, dass er dich davon abhalten will.

CLotexSa3uvagZe


Ich sehe das so wie heute_hier, habe das aber tatsächlich so gelesen, als ginge es dir hauptsächlich darum, dass du deinem Freund beistehen willst, dieser deinen Beistand aber nicht will sondern deine Anwesenheit als Belastung empfinden würde, was dich wiederum verletzt. Außerdem kommt noch hinzu, dass ich persönlich keine Beerdigungen brauche, um um jemanden zu trauern und von ihm Abschied zu nehmen.

Für mich hätte hier derjenige Vorrang, dessen Interessen stärker berührt sind, und das ist hier dein Freund. Für den ist ein Freund gestorben, für dich war es nur ein Bekannter.

S)noBeUffxi


Hallo Zusammen,

entschuldigt, dass ich erst heute antworte. Wir waren im Urlaub und ich hab's vorher einfach nicht geschafft. Aber ich möchte euch natürlich noch mitteilen, wie es weiter gegangen ist.

Vorweg: Es ging mir nicht darum, meinen Freund zu untersützten. Also natürlich auch, denn in einer Partnerschaft ist man nunmal füreinander da, aber es ging daraum, dass ICH mich gerne verabschiedet hätte im Rahmen der Beerdigung und er das nicht wollte.

Wäre es nur um ihn gegangen und er hätte meine Unterstützung nicht gewollt, hätte ich das natürlich akzeptiert. Ich hätte es zwar komisch gefunden und hätte das Gespräch auch hierzu noch einmal gesucht, aber das wäre ok gewesen für mich.

Nunja, als er Heim kam, kam er von sich aus auf mich zu, nahm mich in den Arm und meinte, dass das total blöd von ihm gewesen sei. Ich hatte noch gar nichts dazu gesagt, das kam von ihm. Diese Erkenntnis kam ihm irgendwann während der Beerdigung und es tat ihm leid, dass er sich so verhalten hatte.

Wir konnten dann im Gespräch viel klären und es hat uns dann beiden sehr gut getan, uns auszusprechen. Beim nächsten Mal können wir damit glaube ich anders / besser umgehen x:)

LG / Snoeffi

mBs92


Ja, das macht doch eine gute Beziehung aus. Dass man Fehler im Nachhinein sich und dem Partner zugestehen kann. Fehler wrrdet ihr immer machen, aber so hat die Beziehung echtes Potential! Aes Gute für euch ;-)

PBurGpleli_ke


Selbst in der Trauer um einen Menschen..... käme ich nicht auf die Idee, jemanden nicht trauern und sich verabschieden zu lassen......

Dass das Gewissen bei der Beerdigung kam..... joah, kann ich mir gut vorstellen. Denn dann war die Gelegenheit eindeutig vorbei, das schießt natürlich ins Bewusstsein.

Den Faden habe ich heute erst gesehen.... und ja, ich finde heute, am 20.07.2017 deinen Freund bzw. Mann als..... zusätzlich zum Egoismus auch noch empathielos.

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