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Kein Interesse an Freundschaften oder Beziehungen - normal?

HoaKyle hat die Diskussion gestartet


Guten Abend,

seitdem ich aus der Schule raus bin (ist ca. 1 1/2 Jahre her, bin 19), sind meine Schul-Freundschaften verblasst bzw. mittlerweile nicht mehr vorhanden, was mich alledings keineswegs stört. Zudem habe ich kein Interesse an einer Liebesbeziehung mit einem Mann, was in meinem Alter eher ungewöhnlich ist, oder? Ebenso habe ich kein sexuelles Interesse, ich bin zwar aufgeklärt und so, aber für mich hat Küssen, Petting, Sex etc. überhaupt keinen Reiz bzw. vor manchen Sachen habe ich leichten Ekel.

Ich habe viele oberflächliche Bekanntschaften (Ausbildung, Schule) und verstehe mich mit meiner Familie gut, auch wenn ich nicht über ernste Themen oder über Sachen rede, die mich gerade bedrücken Das tue ich nur in Foren,, haben wir zusammen viel Spaß und lachen viel gemeinsam. :-)

Denkt ihr, dass ich deswegen kein Bedürfnis nach weiteren sozialen Kontakten habe? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas vermisse oder mir irgendwas fehlt, ich bin sowieso eher ein introvertierter Mensch, der sich gerne alleine beschäftigt.

Gobt es hier noch welche, die auch so wie ich sind? Und findet ihr das normal?

Antworten
s8ensibAelmkannx99


Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas vermisse oder mir irgendwas fehlt,

Ich denke, dass dann eigentlich alles OK ist. Du musst ja nicht wie andere sein.

H~aylxe


Das stimmt auch wiederrum, jeder ist individuell. Ich dachte nur, dass der Mensch ein soziales Tier ist und ob doch etwas mit mir nicht stimmen könnte.. ":/

LnebenshunHgrigeMxama


Ach Hayle, du Süße!

Das ist ganz typisch für Essgestörte, leider. Würde mir grade erst wieder von einer Psychotherapeutin bestätigt, denn ich bin genauso. Zu oft enttäuscht worden, keine Nähe zulassen können und wollen... ich habe auch null Interesse an Freundschaften, denke ohne besser dran zu sein.... Einige frühere Freundschaften sind erhalten geblieben und werden gepflegt. Das ist auch ganz nett, aber neue Freundschaften gibt es nicht mehr.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und Nein, ganz normal ist diese Isolation nicht. Da steckt mehr dahinter, ganz sicher! :)*

Pzlane4tienSw1ind


Ich dachte nur, dass der Mensch ein soziales Tier ist und ob doch etwas mit mir nicht stimmen könnte.. ":/

Im Allgemeinen, ja. Aber keine Regel ohne Ausnahme. :-) Du hast ja nach wie vor Sozialkontakte (Familie, Ausbildung), vielleicht reicht dir das einfach und du brauchst nicht noch zusätzlich welche. Es gibt tatsäclich Menschen, die alleine wunderbar auskommen und nichts vermissen. Genauso gibt es Menschen, die überhaupt nicht alleine sein können. Ich habe beispielsweise eine Freundin, die weit weg wohnt und die ich sehr selten sehe. Wenn sie mal ein oder zwei Tage lange nichts mit anderen Menschen unternimmt, wird sie depressiv. Ich wiederum kann locker zwei ganze Wochen (vielleicht auch länger) alleine sein und werde nicht einsam. So sind wir halt, jeder etwas anders. :-D Solange du dich damit wohl fühlst, ist das überhaupt kein Problem. :)^ Und es sagt ja niemand dass das bei dir immer so bleibt. Vielleicht sieht es in 10 Jahren wieder anders aus. Hauptsache du bist glücklich damit.

MForw)ena


Ich bin ganz genauso - mittlerweile 32, noch nie eine Beziehung gehabt, noch nie jemanden auch nur geküsst und auch absolut kein Bedürfnis danach. Alle Freundschaften habe ich auslaufen lassen, meine Familie sehe ich einmal die Woche und das reicht mir an sozialen Kontakten. Online unterhalte ich mich gerne mit Leuten, aber ich merke, dass ich z.B. nicht gerne PNs schreibe, wo ich dann immer das Gefühl habe, antworten zu "müssen". Diese Regelmäßigkeit geht mir recht schnell auf den Zeiger, wenn man dann alle paar Tage reinschauen und schreiben soll.

Ob das normal ist, weiß ich nicht, ist mir aber auch egal - irgendwann lernt man, sich so zu nehmen, wie man ist. Das wichtige ist doch, dass man glücklich ist. Und wenn man das eben ist, wenn man Dinge anders macht als andere, dann ist doch total okay.

H>ayl}e


Ich wusste garnicht, dass das im direkten Zusammenhang damit stehen könnte. Ich habe auch das Gefühl, dass ich ohne besser dran bin, weil ich denke, dass die meisten Menschen hinterhältig und stark 'ich-bezogen' sind..

Aber warum denke ich so? Klar habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, wie wahrscheinlich jeder andere auch, aber andere pflegen trotzdessen weiterhin soziale Kontakte? ":/

H_ayle


Vielleicht bin ich wirklich eine Ausnahme nachdem ich eure weiteren Beiträge dazu gelesen habe. ;-D

PwlaneRtenxwind


Ok ich revidiere etwas meinen Beitrag etwas, ich wusste nicht dass Hayle essgestört ist und dementsprechend Probleme hat. Ich ging von einer gesunden jungen Frau aus, der es gut geht.

Ich habe auch das Gefühl, dass ich ohne besser dran bin, weil ich denke, dass die meisten Menschen hinterhältig und stark 'ich-bezogen' sind..

Ok das klingt mir schon nicht mehr so gesund. :-(

H~aylxe


Also stimmt doch etwas nicht mit mir.. %:|

AcB"Cx01


Ich habe auch das Gefühl, dass ich ohne besser dran bin, weil ich denke, dass die meisten Menschen hinterhältig und stark 'ich-bezogen' sind..

Aber warum denke ich so? Klar habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, wie wahrscheinlich jeder andere auch, aber andere pflegen trotzdessen weiterhin soziale Kontakte? "

Hier sagst Du selber schon das Wesentliche. Der Unterschied ist das nicht jeder diese schlechten Erfahrungen gemacht hat. Es sind aber schon viele die genauso betroffen sind.

Ich schreibe das jetzt mal ganz direkt. Durch schlechte Erfahrungen entstehen Bindungsstörungen und Bindungsangst. Auch die introvertiertheit.

[[http://blog.vitos.de/allgemein/bindungsstoerung-eine-stoerung-durch-traumata-in-der-kindheit]]

[[https://www.google.de/search?q=bindungsst%C3%B6rung&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=yiejWb2rEqiC6AS1_aywCw]]

Wenn man soziale Kontakte meidet dann bekommt man keine Übung. Man ist unsicher und zieht sich noch mehr zurück. Auf Dauer keine Lösung finde ich.

Lpebe'nsh[ungrigexMama


Du hast recht, da stimmt etwas nicht mit dir. Aber nicht primär, weil du kein Interesse an sozialen Kontakten hast. Da spielt viel mehr zusammen.

Du wurdest von Menschen enttäuscht, das ist Ansich normal im Leben. Dass das mal passiert. Aber ich würde mal behaupten, dass du von dir sehr nahe stehenden Personen sehr früh und vielleicht auch regelmäßig enttäuscht wurdest.

Ich sehe auch in jedem Menschen erstmal was Schlechtes und interpretiere alles negativ. Das ist aber nicht richtig, denn es gibt Menschen, die es wirklich nur gut mit einem meinen.

Beobachte dich mal, wie genau du auf andere reagierst.

HMayxle


Ich meide an sich jetzt keine sozialen Kontakte, ich vermeide es, dass ich tiefergehende Beziehungen zu Menschen habe. Ich erwarte von meinen Mitmenschen garnichts, das war ein Prozess von mehreren Jahren, der sich nach und nach entwickelt hat und ich denke, dass ich mich damit vielleicht vor Enttäuschungen schützen möchte (da ich ja nichts erwarte)? Aber irgendwie geht die Rechnung nicht auf... ":/ Oder ist es doch gut, dass ich keine Erwartungen habe?

P#lanete\nw)ixnd


Letztenendes musst du in dich selbst reinhorchen: bist du glücklich mit der Situation? Brauchst/willst du wirklich keine Freunde oder ist das ein vermeidendes Verhalten? Die Fragen kannst nur du selbst beantworten.

CBentifgolixa


Dazu passt ganz gut die Parabel "Die Stachelschweine" von Arthur Schopenhauer, speziell der letzte Satz.

Arthur Schopenhauer

Die Stachelschweine

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich en einem kalten Winterrage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so da? sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance! - Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

Solange man diese "eigene, innere Wärme" hat, geht das auch ganz gut, doch irgendwann braucht jeder Mensch mal Hilfe, spätestens im Alter - und dann könnte es schwierig werden, wenn man das soziale Miteinander verlernt hat...

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