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Mein Sohn und ich

L[om[ax hat die Diskussion gestartet


Mein Sohn ist 13, und ich bin 58. Ich wollte in diesem Faden zum Ausdruck bringen, welches Verhältnis ich zu ihm habe.

Als ich meine Frau kennenlernte, war ich bereits 42 und sie 39. Wir wollten beide ein Kind, bevor sich die biologische Tür schloss. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt gebraucht, um eine finanzielle Absicherung hinzubekommen als Beamter. Das beruhigte uns beide doch sehr. Zwei Jahre später wurde sie schwanger, und 2003 wurde zu unserer Freude unser Sohn geboren. Er ist gesund und intelligent, ein wunderbares Kind.

Dann im Jahr 2010 stellte sich bei mir heraus, dass ich Parkinson habe mit einer Sturzflut an körperlichen und seelischen Symptomen, die mich völlig gefangen hielten und halten. Ich habe das Gefühl, dass ganze Jahre seiner Entwicklung an mir vorbeigerauscht sind. Dabei hatte ich so viel mit ihm vorgehabt, und dann kann ich das wegen körperlichen Einschränkungen nicht durchführen noch nachholen. Dass er als einzige Baustelle den Sport und körperliche Fitness hat, schreibe ich teilweise mir zu, weil ich ihn nicht genügend fördern konnte.

Jetzt, in der Pubertät, wendet er sich anderen Personen zu, ist mehr im Internet als in unserer Familie anwesend. Das erkenne ich als normal an. Zugleich wird mir klar, dass die Kindertage auch nie wiederkommen wird.

Ich habe Angst davor, dass er mich als Vater zum Totalausfall später einmal erklärt, wenn er Vergleiche ziehen wird. "Krank, nur mit seiner Krankheit beschäftigt. Taugt nicht als Vorbild." Dabei wollte ich so vieles besser machen als mein Vater.

Das macht mich ziemlich traurig.

Antworten
R?au.peN0immexrsatt


Ich verstehe, dass Du das Gefühl hast, etwas verpasst zu haben.

Meine Empfehlung ist: Nicht zurückschauen, sondern vorwärts. Was geschehen ist, ist geschehen und aufgrund Deiner schweren Krankheit auch verständlich. Aber Du kannst jetzt noch eine schöne Beziehung mit Deinem Sohn aufbauen. Dies wird eine andere Beziehung sein, als mit einem Kind, aber deswegen nicht weniger schön.

Mein Vater hat sehr wenig Zeit für uns Kinder gehabt, da er im Beruf immer sehr eingespannt war (und natürlich auch die Prioritäten so gesetzt hat). Jetzt im Erwachsenenalter habe ich eine sehr gute Beziehung mit ihm aufgebaut. Ich geniesse dies sehr. Es kommt mir nicht in den Sinn, meinem Vater vorzuwerfen, er habe dem Beruf eine zu hohe Priorität eingeräumt.

Er holt es jetzt übrigens mit den Enkeln nach. Diese verbringen regelmässig in den Schulferien ein paar Tage bei ihm, und ich freue mich sehr darüber, wie bewusst er an ihrer Entwicklung teilnimmt.

Ich hoffe, Du kannst die Schuldgefühle abbauen und Dich auf die Gegenwart und Zukunft mit Deinem Sohn konzentrieren.

HsyperiPon


Ich habe Angst davor, dass er mich als Vater zum Totalausfall später einmal erklärt, wenn er Vergleiche ziehen wird. "Krank, nur mit seiner Krankheit beschäftigt. Taugt nicht als Vorbild." Dabei wollte ich so vieles besser machen als mein Vater.

Wie fortgeschritten ist dein Parkinson. Wie mobil bist du noch?

S8umhiKlee


Mein Vater ist krank geworden, als ich so ca 10 Jahre alt war und er war praktisch die nächsten 15 Jahre körperlich sehr eingeschränkt... Aber mir war immer klar, wenn ich ihn brauche, dann ist er für mich da, ohne Wenn und Aber.

Rede mit Deinem Sohn (Du beschreibst ihn ja als intelligenten jungen Mann) und erkläre ihm, was Deine Erkrankung bedeutet und was für Folgen sie haben kann/wird. Zeige ihm, dass Du alles versuchst, um für ihn dazusein, dass Du auch drauf achtest, ihn und Deine Frau gut abzusichern, wenn sich Deine Krankheit verschlimmert.

Ich hätte in dem Alter gerne gewusst, woran mein Vater erkrankt ist, aber er hat es (aus Sorge, ich könnte damit nicht umgehen oder überfordert sein, à la "Wer will schon einen kranken Vater?") nur mit meiner Mutter besprochen und mich damit ausgegrenzt, worauf ich mich für ein paar Jahre auch emotional zurückgezogen habe. Es hat einen längeren stationären KH-Aufenthalt seinerseits gebraucht, damit wir uns ausreden konnten (ich war ca 15) und wir erkannt haben, dass wir uns beide irgendwie versucht haben zu beschützen... Auf jeden Fall, fiel es mir danach viel leichter, mit der Erkrankung meines Vaters umzugehen und Verständnis dafür aufzubringen, wenn er es mal nicht geschafft hat, an Ereignissen in meinem Leben teilzunehmen. Gleichzeitig war auch Schluß mit dem Spekulieren meiner Freunde, Klassenkollegen und auch Nachbarn ("Dein Vater ist schon komisch, der unternimmt so selten was mit Dir") und ich konnte mich klar davon distanzieren.

Ich finde den offenen Umgang mit der Situation am besten.

Ich wünsche Dir alles Gute!

T=atjan1a64x72


Ich habe Angst davor, dass er mich als Vater zum Totalausfall später einmal erklärt, wenn er Vergleiche ziehen wird. "Krank, nur mit seiner Krankheit beschäftigt. Taugt nicht als Vorbild." Dabei wollte ich so vieles besser machen als mein Vater.

Das kann ich nachvollziehen, diese Gedanken hatte ich auch oft. Jahre war ich mit mir selbst beschäftigt: Körperliche Erkrankungen, eine seelische Erkrankung, das Bewältigen der Ursachen....

Oft konnte ich nicht so wie ich wollte.

Was mir wirklich geholfen hat waren offene Gespräche mit meinen Kindern. Hast du deinen Sohn schon mal gefragt wie er dich sieht?

Meine Erfahrung: Kinder wollen spüren dass sie geliebt werden, und dazu braucht es keine besonderen körperlichen Aktivitäten. Ich bin mir sicher dein Sohn wird Verständnis haben wenn er auf seine Kindheit irgendwann zurückblickt.

Sag ihm dass er dir wichtig ist.

UMomox 3


Es tut mir sehr leid, Lomax, dass du so krank bist und dass deine Krankheit verhindert, das Leben mit deiner Familie, insbesondere mit deinem Sohn so zu leben, wie du dir das gewünscht hast. Aber ich denke, du solltest nicht traurig sein, nicht so traurig, wie du es bist.

In der Vergangenheit haben die seelischen Symptome, von denen du berichtest, deine Aufmerksamkeit gebunden und die Entwicklung deines Sohnes möglicherweise gefühlt oder tatsächlich an dir "vorbeirauschen" lassen. Deine körperlichen Einschränkungen waren und sind ganz sicher für das Verhältnis zu deinem Sohn am unwichtigsten. Dein Sohn ist noch sehr, sehr jung und trotz Bildschirmsucht und scheinbarer Teilnahmslosigkeit an dem, was um ihn herum passiert, ist deine Unterstützung, Begleitung des Alltags, Zuwendung für ihn sehr wichtig. Du kannst ihm, auch wenn er 13 ist, noch geben, was von allem das Wichtigste ist: Liebevolle väterliche Zuneigung. Du schreibst über ihn wie ein Vater, der seinen Sohn sehr liebt und stolz auf ihn ist. Dann zeig ihm das! Nimm, soweit dir das möglich ist, Anteil an seinem Leben; schau (zur Not) mal mit in seine doofen PC-Spiele; lass dir von ihm erzählen, was er erlebt hat oder denkt, und höre aufrichtig interessiert zu; erzähle ihm aus deiner Jugend, von deinen Eltern und Großeltern. Und nimm ihn doch einfach mal in den Arm, wenn er nach Hause kommt. Er wird sich wundern, was jetzt mit dem Alten los ist? Dann wundert er sich mal. Ich glaube eher, dass es ihm einfach gefällt.

Du kannst für ihn jederzeit ein wundervoller Vater sein!

Liomaxx


Ich danke euch für euren tröstenden Worte.

Ich antworte euch Morgen genauer.

Gute Nacht!

w+illegesucndsein


Oh man, das ist echt traurig :°_ Ich bin selber ohne Vater aufgewachsen und weiß heute, wie wichtig dieser gewesen wäre.

Du kannst ihm, auch wenn er 13 ist, noch geben, was von allem das Wichtigste ist: Liebevolle väterliche Zuneigung. Du schreibst über ihn wie ein Vater, der seinen Sohn sehr liebt und stolz auf ihn ist. Dann zeig ihm das!

Ich hätte mir das sooooooo doll gewünscht! Du hast immer noch die Chance, deinem Sohn zu zeigen, wie sehr du ihn liebst!

Ich wünsche euch alles Gute :)* :)* :)*

Lduc*i32


Ich glaube du brauchst dir keine Sorgen zu machen.

Ich bin auch neurologisch schwer krank und meine Kinder sind immer am daddeln (ihre Freunde auch). Klar sind die Kinder Jahren vorbei. Aber wenn man zuverlässig und offen ist, dann wird man wertgeschätzt. Man kann ja auch Filme zusammen schauen usw.

Es geht um wie viel man sich unterhält.

Mit ihrer Vater gibt es Probleme. Er ist sehr unzuverlässig. Macht leere Versprechen. Das zerstört Beziehungen.

E}hJemalidger Nut6zer (?#6118K99)


Dass er als einzige Baustelle den Sport und körperliche Fitness hat, schreibe ich teilweise mir zu, weil ich ihn nicht genügend fördern konnte.

Dafür gibt es Sportvereine oder je nach Umgebung und Alter können Kinder auch gut draußen spielen und dadurch ihre Motorik trainieren. Dass die eigenen Eltern mit einem Sport machen müssten, sehe ich nicht so. Interesse zeigen an dem, was das Kind so macht und ggf. sportliche Interessen unterstützen, reicht m. E..

Zugleich wird mir klar, dass die Kindertage auch nie wiederkommen wird.

Das klingt bedauernd. Was hättest du mit ihm in seiner Kindheit denn gerne unternommen bzw. was vermisst du, was jetzt in seiner Pubertät mit ihm nicht mehr möglich ist aus deiner Sicht?

Ich habe Angst davor, dass er mich als Vater zum Totalausfall später einmal erklärt, wenn er Vergleiche ziehen wird.

Solche Vergleiche finde ich persönlich unsinnig, weil man Eltern immer nur als Gesamtpaket bekommt und bei anderen Eltern/Familien auch nicht weiß, was da hinter den Kulissen passiert. Geht es dir vor allem darum, wie du in deiner Vaterrolle dastehst oder darum, eine eigene gute emotionale Beziehung zu deinem Sohn aufzubauen?

Wenn Letzteres der Fall ist, würde ich anfangen oder ausbauen, mich für ihn als Person zu interessieren. Wie die anderen schon schrieben: Was macht er? Was hat er für Interessen und warum? Was macht ihm daran Spaß? Was sind seine Sorgen? Wie geht es ihm?

Wenn dir das schwerfällt, geht das zum Teil über gemeinsame Aktivitäten. Und seien es so banale Sachen wie sich zusammen einen Film anzuschauen aus einem Genre, das ihr beide mögt, oder Gemeinsamkeiten beim Musikgeschmack festzustellen oder ihn ab und zu zu fragen, wie sein Tag so war. Sowas eben.

L{uchi32


Was ich traurig fand. Meinem jüngere Sohn hat letzte Woche gesagt, er hasst es zu zusehen, wie ich leide.

Freitag bis Samstag war ich wieder im Krankenhaus. Er meinte er regelt alles zu Hause und ich sollte gesund werden.

Vor 2 Wochen war es ganz schlimm. Ich habe mich zu früh aus dem Krankenhaus entlassen und bin zu Hause zusammengebrochen. War 1 Tag nach Hirn OP und habe eine schlimmen.Migräne gekriegt. Könnte im Krankenhaus nicht schlafen und war fix und fertig. Habe geweint. Das hatte meiner 12 jährige Tochter noch nie gesehen. War total eingeschüchtert und hat mir eine Karte gebastelt. Der grosse kann sich an die ganz schlimmen Zeiten erinnern. Als ich schwerbehindert wurde.

Aber es ist die Kleinigkeiten woran man merkt,dass man wichtig ist. Auch wenn man nicht alles machen kann.

Ich habe die "mir geht es super Fassade" neuerlich fallen lassen.

Ehrlichkeit ist wichtig und mit Jugendliche kann man reden. Manchmal ;-D. Wenn Sie nicht daddeln. Aber manchmal daddele ich mit. Bin bei Streetfighter unschlagbar ;-D

Ich bin aber wesentlich jünger als du. Ich war 23 beim ersten Kind. Er ist jetzt 17.

PFurHplexlike


Lomax,

sprich mit deinem Sohn darüber. Genau über diese Gedanken, die du hier schilderst.

Separat klärst du ihn über Parkinson auf und ja, wie einige hier schon geschrieben haben: Sprich mit ihm darüber!

Das ist unheimlich viel wert, auch wenn dein Sohn noch nicht erwachsen ist, ist er dennoch fähig dich auch hin und wieder zu trösten, was ihm selbst wahrscheinlich auch ein gutes Gefühl gibt.

Er ist denke ich auch alt genug, um zu erfassen, worum es geht und ich glaube, wenn du deine Schutzhülle fallen lässt, wird er dir sehr dankbar sein.

Es muss nicht gleich ganz weiß oder ganz schwarz sein: Suche einen Mittelweg, klär ihn auf, dosiere aber auch so, dass er nicht arg belastet wird. :)_

LIomiax


Ich danke euch für eure Anteilnahme. Meine Mobilität ist zunehmend eingeschränkt. Ich wollte immer mal eine Kanutour mit ihm machen, um ihm zu zeigen, wobei ich früher zur inneren Ruhe gekommen bin. Das geht körperlich nicht mehr. Auch traue ich mich zunehmend nicht mehr aus dem Haus.

Was mich aber wirklich trifft, ist mein Mangel an konzentriertem Zuhören und angemessenem Antworten auf seine Fragen. Hinzu kommen zunehmende Wortfindungsstörungen. Und mein Sohn fordert mich interlektuelll stark heraus, er stellt mir immer wieder intellligente Fragen und äußert Meinungen, die es erforderlich machen, differenziert zu antworten. Das geht immer schlechter. Inzwischen ist er mir überlegen, was z.B. die IT anbetrifft. Dass er in seinem Alter immer weniger den Ratschlag im zwischenmenschlichen Bereich holt, ist sicherlich normal.

Jetzt hat er beschlossen, dass er sich nicht konfirmieren lassen will. Er sagt, er glaube nicht an Gott, aber mein Verdacht ist es, dass ihn der ganze Trubel mit dem Fest nicht zusagt. Statt mich aktiv damit auseinanderzusetzen, wie meine Frau das tut, war ich nur heilfroh, dass ich kein Fest im nächsten Jahr ausrichten muss.

Ich habe ihm meine Krankheit erklärt, und zwar insbesondere, dass sie degenerativ ist, ich also auf einer Rutschbahn nach unten sitze. Zwar kann er sie verstandesmäßig erfassen, glaubt aber, dass es wohl nicht so schlimm kommen wird.

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