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Wer hat Affäre in der Ehe verarbeitet

EGhemaliger GNutze.r (#42x0475) hat die Diskussion gestartet


Hallo an alle im Forum,

ich hoffe hier für meine bzw. unsere derzeitige schwierige Situation evtl. ein paar hilfreiche Antworten und Tipps zu bekommen.

Ich lebe seit über 20 Jahre mit meinem Mann zusammen. Nur jetzt gab es einen riesen "Knall" und ich allein bin Schuld dran.

Unsere Ehe läuft seit Jahren ziemlich sexlos ab. Und keiner hat dafür was beigetragen, sich mal zu fragen wieso oder einfach mal darüber zu reden, weils wohl uns beiden peinlich war. Irgendwann fing ich sogar an zu glauben, dass sich mein Mann den Sex schon längst woanders holt und hätte es sogar noch verstanden, weil ich selber überhaupt kein Verlangen mehr nach Sex hatte. Und so lange ich nichts davon mitbekomme, ist es auch gut so. Dumme Einstellung, ich weiß. Doch jetzt bin ich diejenige gewesen die ihren Mann betrogen hat. Ich hatte Sex mit einer Internetbekanntschaft. Wie das ganze ins Rollen gekommen ist, schreibe ich jetzt nicht, sonst wird diese Geschichte viel zu lange, weil ich mit dem Ganzen dann auch noch virtuell abhängig wurde und froh bin, dass ich aus dieser Chatsucht rausgefunden habe.

Mein Mann weiß mittlerweile über alles bescheid. Ich habe es ihm erzählt, wobei ich mir nicht mal sicher bin ob das richtig oder falsch war es zu sagen. Mir ging es nicht darum mein Gewissen zu erleichtern. Ich war nur über mein unfaires handeln über mich selbst so enttäuscht, weil ich mich in einer virtuellen Welt versteckt habe und mich auch noch zu etwas hinreißen habe lassen, anstatt mich mit meinem Mann zu Hause hinzusetzen um endlich mal über unsere eigene Ehe bzw Probleme zu reden. Er war natürlich erstaunt und verletzt über das Ganze. Er hat aber nicht überreagiert. Ich selbst habe mit sofortigem beenden der Ehe seinerseits gerechnet, was ich verstanden hätte und ich denke ich hätte ihn ohne noch etwas schön zu reden auch verlassen. Erst haben wir das Ganze mal sacken lassen, dass der erste Schock erstmal verdauen kann, genau so wie ich damit erst klar kommen musste, dass ich die Wahrheit ans Licht komme habe lassen. Dann haben wir ein paar Abende viel geredet. Über meine Treffen mit dem anderen Mann weniger, das hat ihn nicht so interessiert, was vllt auch ganz gut so ist. Er wollte nur wissen wie man sich näher kennen gelernt hat, wie alt er war und wo man sich getroffen hatte, mehr nicht. Er hat mir dann auch erzählt welche Probleme ihn selbst innerlich zu schaffen machen was unser Sexualleben betrifft. Da kamen Dinge aus ihm heraus, mit denen ich gar nicht gerechnet hätte. Es tat gut über all das mal zu reden. Und ich selbst gab mir dann viel Hoffnung dass wir das gemeinsam schaffen. Seitdem gibts auch wieder mehr Umarmungen und Zärtlichkeiten. Nur momentan kommen wir irgendwie nicht weiter. Bzw. vor allem ich. Ich bringe meine eigenen Vorwürfe nicht aus dem Kopf, obwohl ich weiss, dass mich mein Mann noch sehr liebt hat und ich ihn auch. Ich würde so gerne noch viel mehr auf ihn zugehen, dass er merkt dass ich um unsere Ehe auch kämpfen mag, aber irgendwie bin ich so handlungsunfähig und verunsichert in allem, weil ich nicht weiss, wie er alles auffasst. Er verhält sich im Prinzip wie immer, oft wie wenn nichts gewesen wäre, das verunsichert mich noch mehr. Das verunsichert mich wieder so sehr, dass ich mich nicht mal fragen traue, wie es ihm geht, wie es innerlich bei ihm ausschaut. Ich hab wohl mit dem ganzen Scheiss kein Vertrauen in mir selber. Nur noch Hemmungen.

Kann mir hier jemand ein klein wenig weiterhelfen oder hat jemand ähnliches erlebt, was ich bzw wir tun können, damit wir

nicht noch beide daran zerbrechen. Schuldzuweisungen könnt ihr euch sparen. Mit denen komme ich nicht weiter. Die habe ich jeden Tag. Mir geht es seelisch sogar schlechter als meinen Mann. Ich weine sehr viel und ziehe mich oft selbst total zurück, weil ich nichts mehr ungeschehen machen kann. Und er schaut nur nach vorne, was auch die richtige Einstellung ist.

Ging es jemand ähnlich so wie mir und was habt ihr unternommen damit man es schafft, wenn es beide wollen.

Antworten
RYalTph_xHH


Ich habe ähnliches erlebt, Details spare ich mir, die möchte ich für mich behalten. Aber sagen wir mal, ich weiss wovon ich rede...

Du schreibst gleich zu Anfang, Du bist Schuld an allem. Nein, das ist nicht so. Die Schuld am Scheitern einer Beziehung tragen immer beide. Zum Glück ist es bei Euch noch nicht so weit, auch wenn Du da fest mit gerechnet hast.

20 Jahre sind eine lange Zeit. Eine Ehe voller Liebe und Glück wirft man nicht weg, nur weil der andere mal einen schwachen Moment hatte oder aus einem festgefahrenen Schema ausbrechen wollte. Im Prinzip kann das eine große Chance sein, dass beide Partner diesen Einschnitt als Schuss vor den Bug wahrnehmen, als Weckruf, um nun endlich mal die Beziehung selber anzupacken. Du bist fremdgegangen, weil es bei Euch keinen Sex mehr gab. Daran sind beide Schuld, wenn man denn unbedingt diesen Begriff bemühen möchte. Diese Erkenntnis hilft ungemein, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Man kann dem Partner durchaus leichter verzeihen, wenn man weiß, dass man selber da auch einen teil zur Misere beigetragen hat. Das kann allerdings nur Dein Partner für sich selber erkennen, Du solltest nicht versuchen, einen Teil der Schuld aktiv bei ihm abladen zu wollen.

Ihr beide habt nur gemeinsam die Möglichkeit, diese Ursache anzugehen, indem ihr gemeinsam doch mal das Thema Sex aufgreift. Redet darüber. Was ihr mögt, was nicht, warum ihr keinen Sex habt, ob das zu langweilig geworden ist, ob er Angst vor Erektionsproblemen hat oder dergleichen, ob ihr Euch körperlich noch anziehend findet. Das Thema Sex im Gespräch zu meiden und dann lieber keinen zu haben ist keine Lösung, wie ihr gerade erfahren habt. Wenn ihr Hemmungen habt, dann hilft eine Flasche Wein gemeinsam genossen weiter, das löst die Zunge.

Ganz wichtig ist: Ihr müsst beide an dem Thema arbeiten. Ein "Schwamm drüber, weiter im Alltag" bringt Euch nur schnell zur nächsten Katastrophe. Den Anfang habt ihre gemacht,

Er hat mir dann auch erzählt welche Probleme ihn selbst innerlich zu schaffen machen was unser Sexualleben betrifft. Da kamen Dinge aus ihm heraus, mit denen ich gar nicht gerechnet hätte.

Setz da weiter an und redet weiter. Phantasien, die Euch beide anregen.

Und ihr solltet das fremdgehen thematisieren: Seid ihr beide gewillt, das als Aufsetzpunkt für einen Neuanfang zu nehmen, Euch mehr Mühe zu geben, mehr zu reden, mehr Sex zu haben? Erst wenn er sich dahingehend äußert, dass er das auch will, kannst Du mit ihm gemeinsam den Seitensprung abhaken und nach vorne schauen. Diesen Beitrag von ihm kannst Du ruhig offensiv einfordern.

Ich drück die Daumen. :)^

pcaraz{ellxnuss


Manche Dinge passieren halt. Wichtig dabei ist, dass man fair bleibt. Sich und anderen gegenüber. Weißt du, wir sind alle nur Menschen. Du, so wie dein Partner, und so wie die Menschen um dich herum. Nimm dich nicht so hart ins Gericht. Das hilft lediglich kurzfristig. Auf lange Sicht kannst du dir nur noch verzeihen. Dann wird das schon wieder. Schau nach, wie das alles passiert ist und schau zu, wie du das wieder in den Griff bekommst. Dein Mann unterstützt dich da bestimmt, wenn ihr offen darüber redet.

Alles Gute für dich und eure Beziehung.

MMiDckfxlow


Es geht mir wie Ralph HH, ich kann ebenso aus eigener Erfahrung und Betroffenheit sprechen. Und auch ich werde mich hier eher neutral und abstrakt ausdrücken. Wenn dich wirklich in die Tiefe gehend etwas interessiert, dann bist Du eingeladen dich über PM mit mir bilateral auszutauschen, den ersten Schritt wirst aber Du machen müssen. Details und Konkretes wird es hier nicht geben, das würde nur die falschen Teilnehmer hier im Faden anlocken und ihn schlussendlich sprengen.

Was ich dir auf jeden Fall ans Herz legen möchte ist folgendes:

1. Nehmt die Krise ernst und gesteht sie euch ein. Und dann nehmt sie als Chance wahr. Erst eine ernsthafte Krise setzt die Energie frei, die es braucht, um das wirklich notwendige in Bewegung zu setzen. Es braucht Mut, dem allem ins Auge zu sehen. In deinem Starttext lese ich zu häufig vom Wegsehen und Verschweigen, vom so tun als wäre alles "wieder wie gewohnt".

2. Entscheidet euch, was ihr mit dieser Chance anstellen wollt, jeder für sich und dann gemeinsam. Ihr habt im Prinzip drei Möglichkeiten.

A) Ihr beendet eure derzeit Beziehung und wollt herausfinden, ob ihr einen Neuanfang machen wollt und könnt, und wie der dann aussehen soll.

B) Ihr versucht eure bestehende Beziehung zu "erhalten", was aber dann wohl mehr oder weniger drauf rauslaufen wird, dass ihr sehr schnell in altes Fahrwasser zurück geht, und das wird euch dann irgendwann wieder dahin führen, wo ihr eben gewesen seit. Augen zu und alles ist wieder gut weil wie vorher, das macht ganz sicher nichts besser als vorher. Anders ausgedrückt, nicht das Fremdgehen war "schlecht", das was dazu geführt hat ist das Problem.

C) Schlussendlich könnt ihr euch trennen, durchaus ein gängiges Modell. Der Vorteil ist, es gibt meist einen konventionell Schuldigen (das scheint mir die Rolle zu sein, die Du gerade aus eigenem Antrieb einnimmst). Der Nachteil ist, die Trennung hat einerseits natürlich einen sehr destruktiven Charakter und andererseits lernen beide Betroffen meist nichts daraus. Mehrfach geschiedene sind nun nicht so selten.

Ich hab den Eindruck, dass ihr euch nicht wirklich auf C) zubewegen wollt, auch wenn Du eigentlich damit gerechnet hast (warum eigentlich? Wäre es dir leicher gefallen, lieber gewesen, er hätte dich rausgeworfen? Und wenn ja, warum? Weil Du denkst, es so verdient zu haben?). Stell dir mal die Frage, warum Du dich nicht trennen willst? Und stell deinem Mann die Frage, warum er sich nicht trennen will!

Wenn ihr nicht in einen Modus kommt, der euch "arbeitsfähig" macht, dann werdet ihr irgendwann in B) landen, also eine grosse Schleife gedreht haben ohne dabei einen einzigen Schritt weitergekommen zu sein.

Wie wird man "arbeitsfähig"? Mir, uns, haben bei dieser Frage vier Dinge geholfen. Das klare und konsequente Kommittment, die bestehende Beziehung nicht mehr weiterführen sondern herausfinden zu wollen, ob es für uns eine neue Beziehung geben kann. Darüber hinaus professionelle Unterstützung und zwei Bücher. Das Kommittment war, und ist bis heute, das stärkste Motivator. Ich, wir, wollen nicht mehr in den Zustand zurück, der uns in diese Krise geführt hat. Gleichzeitig hat diese Krise erst diese Weiterentwicklung ermöglicht, die ich heute für mich und meine Partnerin in Anspruch nehme.

Ich sehe, bei aller Individuallität der beteiligten Personen und Beziehungskrisen, einen ganz wesentlichen gemeinsamen Faktor, der entweder zu einer Krise führt oder ein konstruktives Umgehen damit verhindert, und das ist die Kommunikation, bzw. die mangelnde Kompetenz zu kommunizieren. Dabei ist dieses Problem kompliziert und vielschichtig. Ein Aspekt ist, dass Paare in langjährigen Beziehungen eine ganz eigene Kommunikationskultur haben. Wenn aber diese Kommunikationskultur Kern der Paarproblematik ist, dann ist es unglaublich schwer, wenn nicht unmöglich, sich als Paar selbst durch Gespräche weiterzuentwickeln. Wie sollte das anders gehen, als miteinander zu reden. Aber dabei kommen wir direkt wieder zur Ursache zurück. Diesen Teufelskreis aufzubrechen, da können Profis eine sehr wertvolle Unterstützung sein, denn sie können die Navigation in der Veränderung der Kommunikation übernehmen (wenn man sie denn lässt!). Ein weiterer Aspekt ist der Umstand, dass es eine Wahrheit geben mag, aber es ist nicht jeder berufen, sie auszusprechen. Ein Profi kann eine Art Geschützen Raum bieten, in dem es dann doch möglich ist, etwas auszusprechen, ohne dass es ein grosses Missverständnis- oder Verletzungsrisiko gibt. Es braucht unglaublich viel Mut und Überwindung, Fragen zu stellen, die, wie in deiner Beziehung, 20 Jahre tabu waren, Dinge zu sagen, intime Gedanken auszusprechen, die 20 Jahr hinter der Schamhaftigkeit verborgen gehalten wurden. Aber Du selbst hast ja bereits erkannt, wie überraschend die Dinge waren, die dir dein Mann in Bezug auf sein sexuelles Innenbild gesagt hatte.

Ihr solltet an diese Innenbilder heran. Ich sehe darin den Schlüssel zu der neuen Beziehung, wenigstens zur Antwort auf die Frage, ob es eine Chance dafür gibt. Ich denke, dass viele Beziehungen daran scheitern, entweder in eine Trennung oder in unendlichen Schmerz und/oder Langeweile münden, weil diese Innenbilder nicht kommuniziert werden. Die Gründe sind dabei in meinen Augen oft Scham, Angst, Konventionen, mangelnden Mut, manchmal auch Bequemlichkeit, oder eine Mixtur aus mehreren. Erst wenn man im Stande ist, das zu überwinden hat man in meiner Erfahrung die Chance auf eine neue Beziehung mit dem selben Partner, allerdings ist weder er noch man selbst dann noch der gleiche. Aber das soll dann auch gerade so sein!

Ich drück euch die Daumen. Es kann funktionieren, wenn beide es wollen. Das schreibt dir ein lebender Beweis. Und meine Einladung steht.

Mick

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