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Emotionslose, „korrekte“ Freundschaften

kLirraM198x9 hat die Diskussion gestartet


Hi, es geht um Freundschaften, die ich als anstrengend empfinde, obwohl mir niemand was getan hat, im Gegenteil.

Ich bin recht schüchtern und habe wenig soziale Kontakte, habe aufgrund meiner Schüchternheit schon Therapien hinter mir.

Über Selbsthilfegruppen und FB-Gruppen hatte ich mal Kontakte geknüpft, weil ich dachte, jeder Mensch braucht Kontakte. Es waren immer Gleichgesinnte, also auch welche Richtung ängstlich/schüchtern mit wenig Kontakten.

Nun habe ich mit manchen schon seit Monaten oder Jahren WhatsApp/Mail-Kontakt. Das Problem ist, dass mich das anstrengt und sich auch nach so langer Zeit keine richtige Vertrautheit einstellt. Die Mails von meinen "Freunden" sind fast immer nur seeehr lange Berichte über den Tag. Irgendwelche speziellen Probleme auf der Arbeit am Computer, aber nie irgendwas Richtung Emotionen/Gefühle/Beziehung.

Ich fühle mich immer verpflichtet zu antworten, aber mir bringt das eigentlich absolut nichts. Es stellen sich, wie gesagt, keine vertrauten Gefühle ein, alles ist so distanziert und nur wie ein Tages-/Wochenbericht. Die Leute sind sehr gehemmt und schreiben sehr neutral und politisch korrekt. Wenn ich irgendwas schreibe kommt eigentlich immer "ja, schön.. ja, ist doch ok...", aber nie die richtige ehrliche Meinung. Auch auf Themen, die mehr Richtung Gefühle gehen, kommt nur eine moralisch korrekte Antwort. Die Leute meinen das nicht böse, es ist halt einfach die starke Schüchternheit. Manches wirkt auch etwas Richtung Asperger (manche ängstlichen Menschen haben ja weitere Anteile von bestimmten Persönlichkeiten).

Wie komme ich aus den Freundschaften raus oder wie kann ich den Kontakt freundlich etwas mehr einschränken? Ich antworte schon in größeren Abständen, aber ich möchte mit Kontaktabbruch auch niemandem schaden. Teilweise haben die außer mir keinen oder nur noch einen weiteren guten Kontakt. Ich finde, es passt einfach nicht so gut, wenn beide so ängstlich/korrekt und wenig initiativ sind. Ich denke, ich müsste mich da eher unter "normale"/etwas extrovertiertere Leute mischen.

Also mit jemandem, der unhöflich oder unfreundlich ist, kein Problem, da nicht mehr zu antworten oder ihm das zu sagen, aber meine Kontakte meinen ja nichts böse. Und ich habe das Gefühl, das ist sehr einseitig, ich antworte länger nicht und, wenn ich denn mal wieder schreibe, kommt direkt schon wieder eine seeehr lange und ausführliche Antwort.

Lg und Danke fürs lesen *:)

Antworten
MlaeLrad


Viele haben beim Schreiben nicht so viele Hemmungen wie im Beisammensein im Cafe oder bei jemandem vor Ort.

Aber mit Verlaub: Kontakte, die rein über Emails und WhatApp bestehen als Freundschaften zu bezeichnen finde ich persönlich schwierig. Aber da definiert vielleicht jeder den Begriff Freundschaft anders. Seitdem es "Freunde" bei Facebook und Co. gibt denken viele tatsächlich sie hätten 500 Freunde.

Freunde sind Menschen, die ich persönlich kenne, öfter mal sehe, mit ihnen telefoniere. Und Freunde sind Menschen, die ich nachts um 3 anrufen kann wenn es ersnthafte Probleme gibt. Freunde sind Menschen, die mich so mögen wie ich bin, Menschen, die verzeihen, die sich mit einem freuen, Menschen, die da sind und für die man selbst gerne da ist.

Sachen, die ich auf der Arbeit erlebe erzähle ich mir mit Bekannten und den Kollegen, aber unter Freunden eher selten. In Deinem Falle wird das WhatsApp und Co schön dafür als Tagebuch missbraucht. Die sind ihre Brocken los und Du fühlst Dich in der Pflicht zu reagieren.

Zunächst verabschiede Dich von dem Gedanken, dass dies wirklich Freunde seien. Sind sie nicht. Dann fühl bei Dir nach. Du schreibst hier, also hast Du bereits erkannt, dass es sich für Dich nicht gut anfühlt und nicht richtig.

Du hast jetzt zwei Möglichkeiten:

1.) Du reagierst erstmal gar nicht mehr auf die langen Tiraden über die Arbeit und die Erlebnisse. Wenn Dir dann irgendwann (2-3 Tage später) danach ist, dann schreibst Du was von Dir, gehst aber nicht drauf ein, was die Person vorher schrieb. Vielleicht (!) merkt derjenige dann was. Aber eben nur vielleicht.

Ich empfehle daher eher Nummer

2.) Du schreibst oder sagst, dass Dir das so zu einseitig und zuviel ist. An der Reaktion erkennst Du dann nämlich wie derjenige wirklich zu Dir als Mensch steht.

k4iraE198x9


Hallo, danke für deine Antwort. Also ich kenne sie schon auch real. Wir haben uns einige Male getroffen, aber auch nicht so oft wegen Entfernung. Es ist immer recht distanziert und es geht nur über so Themen wie Arbeit/Kollegen/Urlaubsziel. Ich weiß auch nicht, wie ich das in eine andere Richtung lenken könnte. Wenn ich von persönlicheren Problemen (z.B. was mit Beziehung) erzähle, dann kommen nur so Standard-Antworten wie "ja, das ist schwierig.. ja, das müsst ihr wissen".

Habe auch das Gefühl, als so eine Art Tagebuch behandelt zu werden. Habe aber auch große Angst, das anzusprechen. Wenn ich nur kurz auf den langen Bericht eingehe und eher was von mir schreibe, merkt die andere Person das auch nicht und schreibt wie gewohnt viel und ausführlich weiter ihre Berichte über Arbeit usw. Mir ist allein die Menge schon zu viel. WhatsApp-Nachrichten im Umfang von längeren E-Mails.

GOrap%efrunitsxaft


Hallo kira,

hast du schon überlegt, es direkt anzusprechen, dass du dich zurückziehen wirst oder das tun möchtest? Eine Antwort auf eine Nachricht, verbunden mit einer Ankündigung, dass man sich dann längere Zeit nicht melden wird oder erst wieder zu bestimmten Terminen (Geburtstag, Weihnachten, etc.) macht es zunächst vielleicht einfacher, Mal Abstand zu gewinnen.

MGaeraxd


Du hast Angst das anzusprechen. Warum?

Es ist nicht so, dass ich die Angst nicht nachvollziehen könnte, keiner mag Konflikte. Aber frage Dich, was könnte denn schlimmstenfall passieren, wenn Du Deine Bedürfnisse wahrnimmst und diese mitteilst?

Das schlimmste, was passieren könnte (!), wäre doch, dass diese Person sich dann gar nicht mehr meldet und ihr keinen Kontakt mehr habt. Aber das wäre doch auch dann für Dich die Rückmeldung, was diese Person in Dir sah. Nämlichen einen seelischen Mülleimer. Und himmel mit sowas will man nichtmal entfernt bekannt sein.

Du kannst doch eigentlich nur gewinnen.

MNonXikax65


Ich fühle mich immer verpflichtet zu antworten, aber mir bringt das eigentlich absolut nichts.

Einfach sein lassen, nicht mehr zurück schreiben. Entweder kommt dann gar nichts oder eine Nachfrage, dann kannst du immer noch reagieren.

Bxraune8sleidersxofa


Also ich an deiner Stelle würde diese "emotionslosen" Kontakte nicht abbrechen. Im Prinzip würde ich zwei Gruppen machen.... In die erste Gruppe kommen die Leute, bei denen du dir vorstellen kannst, dass die Freundschaften intensiver werden könnten. Dafür muss man dann aber auch was tun, nämlich sich treffen, statt nur schreiben. Bald fangen die Weihnachtsmärkte an Zb.

In die zweite Gruppe kämen die Leute, bei denen du weißt, das bleiben nur Schreibbekanntschaften. Aber auch diese Bekanntschaften können gewinnbringend sein, wenn man nicht allzu viel verlangt.

Bekanntschaften sind immer positiv, solange sie nicht runter ziehen. Halte sie fest, du weißt nie, was mal passiert.

MGaeraxd


Aber der Kontakt ist ja in dem Falle nicht posotiv, er strengt sie an. Wo etwas einem nicht gut tut, sollte man sich lernen abzugrenzen.

Entweder also ansprechen, klar und deutlich, dann kann sich der Kontakt ins Positive verändern. Dann hat die andere Person die Möglichkeit ihr Verhalten anzupassen.

Oder auslaufen lassen oder gleich klar sagen, dass man unter diesen Umständen keinen weiteren Kontakt wünscht. Niemand braucht Kontakte, die einen runterziehen und anstrengen.

k8iriaL1989


Ich hab’s ihr jetzt mitgeteilt vorsichtig, habe gesagt, dass mich der Kontakt im Moment anstrengt und auch gerade die langen Nachrichten. Sie war sehr überrascht und wohl auch gekränkt, konnte ihre Gefühle aber wohl nicht so zeigen. Mir tut das halt auch leid. Sie hat mir dann noch etwas kürzeres geschrieben/berichtet, aber ich habe eigentlich gar keine Lust oder Energie darauf zu antworten.

Liuckix32


Oder schreibe deine Bekannte, dass du die wirklich kennenlernen willst und zwar auf die Gefühlsebene und schaue was passiert - also in die Gruppe die du behalten willst. Ich meine damit der Vorschlag oben über die 2 Gruppenaufteilung.

Wie sieht es im realen Leben aus? Hast du da Kontakt mit Menschen ausserhalb deine Whatsapp/Facebook Gruppen? Ich meine Leute die damit nichts zu tun haben, Leute die man wöchentlich sieht? Oder bist du zu zurückgezogen dafür? An diese Beziehungen solltest du eher arbeiten.

M`aherad


Ich finde es gut, dass Du es gesagt hast. Da sie überrascht war zeigt das deutlich, dass manche eben ihr Verhalten nicht an den Tag legen um zu nerven, sondern weil sie denken, dass es in Ordnung ist. Und sie kann es ja auch wirklich nur ändern, wenn sie weiß, dass es zuviel ist.

Jetzt hat sie die Gelegenheit ihr Verhalten anzupassen. Das ist super.

Gib ihr und auch Dir Zeit und warte bis die Lust kommt zu antworten. Gerade bei den Medien, bei denen es sich nicht um direkte Kommunikation handelt finde ich das gut, dass jeder dann antworten kann, wenn ihm danach ist.

M$onoikax65


Hm.. ich weiß nicht, ich finde die Botschaft ist doch nun, deine Mails sind zu lang. Kurz gesagt. Also schreibt sie weiter. So richtig klar rüber gebracht, was dein Problem mit dieser Art Mails oder Kontakt an sich, ist, hast du nicht.

adnfangjmitfr"eude


Wie komme ich aus den Freundschaften raus oder wie kann ich den Kontakt freundlich etwas mehr einschränken? Ich antworte schon in größeren Abständen, aber ich möchte mit Kontaktabbruch auch niemandem schaden. Teilweise haben die außer mir keinen oder nur noch einen weiteren guten Kontakt. Ich finde, es passt einfach nicht so gut, wenn beide so ängstlich/korrekt und wenig initiativ sind. Ich denke, ich müsste mich da eher unter "normale"/etwas extrovertiertere Leute mischen.

also erstmal würde ich gucken, welche freundschaften dir nützen und welche nicht. klar, man sollte nicht alles auf seinen kosten und nutzen reduzieren. aber: jeder mensch hat nur eine begrenzte menge an zeit und aufmerksamkeit und die muss man sich ja sowieso schon für sich selbst einteilen und ist dementsprechend knapp. wenn dann noch eine freundschaft dazu kommt, die nur zeit und aufmerksamkeit kostet, mir aber keinerlei (emotionalen) mehrwert bringt, ist eben die frage, wie sinnvoll so eine freundschaft dann überhaupt noch sein soll.

solche falschen freunde würde ich dann schonmal aus meinem leben verbannen. wer sich null für mich interessiert, sondern sich nur ausjammern oder auskotzen will oder nur von sich redet und erwartet, dass ich mir ellenlange mails rein ziehe, braucht nicht mich, sondern einen therapeuten.

als nächstes würde ich mir dann die freundschaften ansehen, die dir was bedeuten. die willst du nicht aufgeben, da ist der mehrwert da und die leute sind dir wichtig. jedoch labern sie oft zu viel oder texten dich zu. da würde ich mir dann gedanken darüber machen, wie du dich besser abgrenzen kannst. also ggf. auch mal schreiben oder sagen, dass du einen langen tag hast und keine zeit dafür hast, ihre langen mails zu lesen. wenn leute dann wirklich total gekränkt reagieren - mach dir klar, dass du niemandes therapeut bist.

was dir fehlt - die guten, freundschaftlichen gefühle und die netten unterhaltungen über freundschaftliche themen stellt sich meiner erfahrung dann eben mit den leuten ein, die du auf diese art und weise aussortiert hast. wer dir ein gutes gefühl gibt und auch akzeptiert, dass du auch mal keine lust oder zeit zum mailen/telefonieren/chatten/treffen hast, der ist dann wirklich dein freund und mit solchen leuten lassen sich dann sicher auch gemeinsamkeiten finden.

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