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Erfahrungsberichte Blutvergiftung/Sepsis

Syuga&r23 hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben,

ich bin 23 und wäre fast gestorben. Das erzählen mir auf jeden Fall alle Menschen in meiner Umgebung. Ich will dies irgendwie immernoch nicht wahrhaben und weiß nicht genau, ob ich es verdränge, weil ich mich selbst schützen will oder ob ich es einfach nicht so schlimm sehe, weil ich es falsch einschätze.

Anfang November bemerkte ich eine Art Pickel in meinem Nacken, der von Tag zu Tag immer größer wurde und mir unendliche Schmerzen bereitete. Da mein Arzt dazu nur meinte, der entstand weil ich zu viel Stress habe, half ich mir mit Schmerzmitteln, die ich aber nach einer Woche in hohen Dosen nahm um überhaupt annähernd zu überleben...nach einer Woche halfen die aber nicht mehr und ich musste an einem Sonntag ins Krankenhaus fahren, weil ich die Schmerzen nicht mehr aushielt. Ich hatte endlos viele Nächte nicht geschlafen und dachte, ich gehe kaputt an diesen Schmerzen. Im Krankenhaus rieten die Ärzte mir dazu, die Beule entfernen zu lassen. Die Stelle wurde vereist und aufgeschnitten. Ich dachte ich sterbe auf der Stelle, denn diese Schmerzen waren so wahnsinnig groß, dass die vorherigen ein Spaziergang dagegen waren. Ich fiel sofort in eine Schock...mein ganzer Körper zitterte und ich hatte keine Kontrolle mehr über ihn. Die 7 cm lange und 3 cm tiefe Wunde blieb offen und sollte von innen nach außen heilen, also bekam ich wieder Schmerzmittel mit und musste jeden Tag zum Hausarzt um den Verband wechseln zu lassen.

Drei Wochen später wachte ich morgens auf und hatte wahnsinnige Schmerzen (ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich sehr unempfindlich bin. Wenn ich sage ich habe Schmerzen, dann wären die meisten schon halb tot). Ich konnte kaum laufen und war froh das ich die letzte Nacht bei einer Freundin verbracht hatte, denn es sollte noch schlimmer werden. Ich konnte nicht essen, da ich unter starker Übelkeit litt. Im laufe des Tages lähmte mein ganzer Körper. Ich konnte weder den Arm noch den Kopf heben. Die bestellte Notärztin schob das auf eine Grippe mit Gliederschmerzen und ließ sich von mir auch keines besseren belehren. Man kennt doch seinen Körper, oder? Das war keine Grippe!!! Gegen 24 Uhr hielt ich es nicht mehr aus. Ich lag bei meiner Freundin auf dem Sofa, konnte mich nichtmal alleine drehen und konnte fast nicht mehr atmen. Ich hatte 40° Fieber, Schmerzen und war schon nicht mehr ganz da. Ich flehte um einen Krankenwagen.

Im Krankenhaus wurden dann sämtliche Untersuchungen durchgeführt. Ganze 5 Stunden lang. Ich konnte nicht mal auf die Trage vom Krankenhaus klettern, die 1 cm vor mir stand. Ich konnte nicht einen Finger heben. Komplett gelähmt. Dieser Zustand hielt zwei Wochen an. Ich wurde auf die Intensivstation verlegt, mit Verdacht auf Blutvergiftung. Alle waren sich einig, dass es von meiner gut heilenden Wunde kam, bis sie hörten, dass die OP in diesem Krankenhaus stattfand. Also..nee, es könnte ja auch was anderes sein.

Ich lag insgesamt vier Wochen im Krankenhaus. Auf dem Rücken. Konnte nicht einmal alleine trinken. Wäre zweimal fast gestorben, weil meine Werte so schlecht waren. War immer einen Tag normal ansprechbar, den nächsten wieder weg. Immer im Wechsel. Es war eine Zumutung für meine Familie und meine Freunde. Es war echt hart an der Grenze. Ich musste in der letzten Woche alles neu lernen. Vom Sitzen über Aufstehen, Duschen, Laufen, Essen...alles, wirklich alles. Ich habe in der Zeit 23 Kg abgenommen, weil ich wärend meines gesamten Aufenthaltes nichts essen konnte. Die Medis haben mir auf den Magen geschlagen. Ich habe starke Infusionen und Medikamente bekommen, gegen die ich gegen Ende noch allergisch reagiert habe. Am Tag meiner Entlassung war ich dann endlich in der Lage, fünf Meter am Stück zu gehen, bevor ich eine Pause einlegte. Ich werde immernoch schnell ohnmächtig, weil mein Kreislauf noch instabil ist. Ich könnte noch viele viele Geschichten erzählen über die schlechte Behandlung im Krankenhaus einer wehrlosen Person (mir) gegenüber.

Da ich keinerlei Erfahrungsberichte im Internet gefunden habe, von Gleichgesinnten, eröffne ich hier einen neuen Tread. Schreibt mir doch bitte, was ihr erlebt habt. Wie habt ihr es wahrgenommen? Wie lange hat es gedauert, bis ihr wieder wie früher wart? Wie geht es euch heute? Empfindet ihr es auch so schlimm, dass jeder euch bemitleidet und auf euch aufpassen will?

Lg

Jasmin *:)

Antworten
Cthax-Tu hat geantwortet


Hallo, Jasmin,

gottseidank habe ich eine Sepsis noch nicht erlebt, möchte aber einfach sagen, dass mich Dein Bericht sehr erschüttert hat. Das ist ja wirklich der absolute Horror. Ich selbst stand zwar dem dem Tod auch zweimal sehr nahe (Infarkte), aber eine solche Erfahrung in so jungen Lebensjahren ist schlicht und einfach Horror pur.

Hoffentlich finden sich hier Menschen, die Dir durch eigene Sepsis Erfahrungen bei der Bewältigung dieser Erfahrung helfen können. Falls nicht, möchte ich Dich sehr ermutigen, einen Psychotherapeuten zu Hilfe zu holen, ich brauchte damals auch einen Therapeuten, um meine Beinahe-Tod-Erfahrung zu verarbeiten.

Alles Liebe

Cha-Tu

S`upgar2x3 hat geantwortet


Hallo Cha-Tu,

Danke dir. Es tut mir auch sehr leid, dass du ähnliche Erfahrungen durchmachen musstest. Im Krankenhaus lagen zwei Herzpatienten neben mir und denen ging es auch super schlecht. Die hatten es auch alles andere als leicht. Ich hoffe es geht dir im Moment gut und sende dir für alles weitere was dich erwartet, viel viel Gesundheit.

Es war für mich wirklich nicht einfach und ich wache immernoch unter Alpträumen auf. Ich sollte eigentlich gleich vom Krankenhaus aus zur Reha nach Heiligendamm. Da ich aber eine Woche vor Weihnachten entlassen wurde und ich einfach mal wieder meine gewohnte Umgebung brauchte, nach so schwerer Krankheit, durfte ich erstmal nach Hause. Das Krakenhaus hat leider viel Mist gebaut und meine Anträge auf Reha nicht eingereicht. Nun sitze ich hier und warte auf ein Aufnahmedatum. War heute bei meinem Arzt und habe die Behandlungsmöglichkeiten besprochen. Da hab ich ihn gleich darum gebeten, eine Gesprächstherapie zu bekommen.

:)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)*

bmellla1x0 hat geantwortet


Hallo Sugar23,

Im November ist mir auch fast das Gleiche passiert. Während den Ferien in Amerika wurde es mir plötzlich extrem schlecht (extreme Bauchschmerzen, Fieber über 40 Grad). Da ich aber zurück wollte, ging ich nicht zum Arzt und ruhte mich bis zur Abreise aus.

Sobald ich dann wieder zurück war, ging ich direkt ins Krankenhaus. Die Ärzte erschraken als sie meine Blutwerte sahen, konnten aber nicht herausfinden, woher dies kam. Also wurden diverse Untersuchungen in die Wege geleitet. Nach drei Tagen wurde entschieden, mich zu operieren, da der Blinddarm nicht mehr ersichtlich war. Nach der OP erwachte ich nach 2 Tagen in der Intensivstation... Ich konnte mich ebenfalls nicht mehr bewegen und war intubiert. Ich verstand auch fast nichts, denn wahrscheinlich war ich voll von Medikamenten. Ebenfalls war ich mit Wasser gefüllt... ja ja.. während der OP wurden mir 24 Liter Flüssigkeit eingeflossen. Bei der OP wurde mir einen Teil des Darmes, der geplatzte Blinddarm entfernt. Hatte einen Abszess. Während der OP kam dann die schwere Sepsis. Meine Organe fingen an zu versagen. Ich verbrachte 5 Wochen im Spital, hatte eine offene Wunde am Bauch (durch die Sepsis konnte die Wunde nicht genäht werden). Wie Du, bin ich vor Weihnachten nach Hause. Einer meiner schönsten Tage. Aber danach fing die schwerste Zeit an. Das schlimmste waren die Gliederschmerzen. In der Nacht konnte ich nicht schlafen. Hatte überhaupt keine Energie (verlor ebenfalls 25 kg). Leider immer noch an Schwächeanfällen. Aber immerhin werde ich nächste Woche anfangen zu arbeiten (30%). Gemäss Informationen kann dies noch mehrere Jahre dauern, bis es vollständig geheilt ist. Hoffe aber, dass es schneller geht.

Hast Du eine Gesprächstherapie begonnen? Das schwierigste bei mir ist momentan die psychische Verarbeitung. Zu wissen, dass ich fast gestorben bin. Ebenfalls beschäftigt mich sehr, dass ich vieles vergessen habe oder mich gar nicht mehr erinnern kann.

Wünsche noch einen schönen Abend.

Gruss

Shuggarx23 hat geantwortet


Hey Bella10,

das hört sich genauso schlimm an, wie bei mir. Ich hoffe es geht dir jetzt auch schon wieder besser. Tut mir leid, das ich mich jetzt erst melde. Ich war bis zum 28.04. auf Reha. Und ich empfehle dir, diese auch zu beantragen. Ich hätte niemals gedacht, dass mir das soo helfen würde. Ich habe viele Leute kennengelernt, die andere Krankheiten hatten, aber mich verstehen. Wenn man mit Freunden oder Familie darüber redet, versuchen die zwar es zu verstehen, aber sie werden es nie schaffen. Ich bin allen sehr dankbar, dass sie so zu mir halten, aber wenn man selber Schwierigkeiten hat, alles zu verarbeiten, ist man nach einer Weile genervt von allem. Mir geht es jetzt nach der Reha wieder richtig gut. Ich habe super viel gelernt. Mein Körper und meine Seele hat sich wunderbar erholt und ich lebe jetzt ein ganz neues Leben...MEIN LEBEN. Ich lasse mir von niemanden mehr was sagen. Ich hatte ein Psychologisches Gespräch und werde mich auch erstmal in Betreuung geben, damit ich alles verarbeiten kann. Ich dachte immer: die denken ja alle ich bin nicht ganz richtig im Kopf, wenn ich sowas mache. Aber es wird mir sehr helfen. Und ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich noch lebe. Auch wenn vieles schwer ist. Und noch schwerer als vor der Krankheit. Das kann auch keiner nachvollziehen..aber ich mache jetzt viel aus meinem Leben. Die werden mich schon irgendwann verstehen. Dieses Gefühl wird man nie wieder los werden: ich hätte auch tot sein können..und hatte nichts vom Leben. Das will ich nie wieder!

Mein Werte sind immernoch schlecht, obwohl es schon so lange her ist. Das dauert noch lange bis sie wieder normal sind, haben die Ärzte zu mir gesagt. Aber ich glaube dran. Schwindelanfälle habe ich immernoch sehr stark, aber auch das geht weg. Hoffe ich.

Ich wünsche dir alles gute und viel Gesundheit und Lebensfreude. Wenn du irgendwelche Fragen hast, frag gerne. :)z :)* *:) *:)

jCu3$rgxen hat geantwortet


Hallo zusammen,

ich bin auf der suche nach einer Blutvergifftung, hier auf der Seite gelandet.

Vor ein paar Wochen,bin ich an einem Leistenbruch operiert wurden.2 Tage danach muste ich Notoperiert werden,weil das Netz am Darm verklebt war,und ein Loch reingerissen hat.

Ich lag anschliessend eine Woche auf der Intensivstation,hatte eine Blutvergiftung,Nierenversagen und eine Lungenentzündung.Mein Hausarzt sagt,ich wäre dem Tod noch mal so eben von der Schüppe gesprungen.

Mittlerweile ist alles gut verheilt, aber es findet eine Veränderung in mir statt.Bei jeder gefährlichen Situation,verbinde ich alles mit dem Tod,und gleichzeitig geht ein komiches Gefühl durch den ganzen Körper.

Wie sind die Erfahrungen nach diesem erschrecklichen Erlebnis bei euch ?

Sind Angstsituationen bei euch entstanden ? Macht ihr eine Therapie ?

Danke und viele Grüße,

Jürgen

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