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Herzneurose

Clhris~tian20x09 hat die Diskussion gestartet


Hallo Zusammen,

Ich (männlich, 29 Jahre), werde seit 1 Jahr aufgrund einer Hypertonie mit Tabletten vollgestopft. um meinen Blutdruck in Griff zu bekommen. Nun stellten sich aber in letzter Zeit recht merkwürdige Nebenwirkungen ein. (Vertigo, Angststörungen, Cephalgien, Brustschmerzen) Nach einigen Untersuchungen (EKG, Langzeit-EKG, Sono) wurde mir gesagt das ich wohl unter einer funktionellen kardiovaskulären Störung- im Volksmund Herzneurose -leide. So zumindestens die Aussage des Hausarztes. Mein Internist kann diesen Kausalzusammenhang nun nicht bestätigen, weiß aber auch keinen Rat. Kennt sich hier jemand mit Herzneurosen oder ähnlichem aus? Oder hat jemand Erfahrungen mit Langzeitnebenwirkungen von Vocado oder Metoprolol? Über Antworten wäre ich sehr dankbar.

Christian

Antworten
zkigXgoxra


Hallo, wie hoch ist dein Blutdruck denn ohne Tabletten gewesen? Hast du immer die selben Tabletten genommen? Mich wundert, dass du erst jetzt über Nebenwirkungen klagst?

Was für eine SONO wurde gemacht? Warst du beim Kardiologen?

Also es ist eigentlich nicht üblich, dass NW von Medikamenten die du einnimmst erst nach 1 Jahr auftreten?

Misst du selbst Blutdruck zu Hause? Wie ist er denn wenn dir schwindelig ist?

LG

C3hri]stianx2009


Hallo zigorra,

Vor der Behandlung war mein Blutdruck bei 160/100. nee bei mir wurde ziemlich viel rumexperiementiert bis man eine vorerst entgültige Medikation genommen hat.

Ich liste es mal chronologisch auf:

1. 5mg Nebivolol (abgesetzt)

2. Aprovel 300mg (abgesetzt)

3. Verapermil (abgesetzt)

4. Metohexal 47,5mg (derzeitige Therapie)

5. Vocado 40/5 (derzeitige Therapie)

Nebenwirkungen hatte ich schon seit Beginn der ganzen Geschichte, aber irgendwann kamen dann extreme Angst und Panikattacken dazu, ebenso wie brustschmerzen, kopfschmerzen usw..

Es wurden bisher 3 Sonos gemacht. 2x Abdomen, 1 x Herz. Beide o.B.

Ja messe den Blutdruck selbst zuhause. Selbst wenn mir schwindlig ist verändert er sich nicht und liegt im normalen Bereich z.B. 121/79 oder gar 114/75

z:iggorxa


Hallo, der Blutdruck vor der Behandlung war schon deutlich zu hoch für dein Alter. War das auch eine Langzeit-Messung oder nur einzelne Werte beim Arzt? Ist denn auch untersucht worden warum der Blutdruck bei dir so hoch ist? Sind die Nieren mit SONO untersucht worden?

Also die Blutdrucksenkenden Medikamente haben alle NW. Die meisten wirken auch auf den Herzthythmus mit einer Verlangsamung der Herzfrequenz. Das kann manchmal zu Schwindel führen. Oder der Blutdruck wird so stark abgesenkt, dass dadurch Schwindel oder auch Kopfschmerzen entstehen können. In diesem Zusammenhang kann das Herz auch schneller schlagen. Das scheint aber bei dir nicht der Fall zu sein, da der Blutdruck ja i. O. ist, wenn der Schwindel vorhanden ist.

Wurde denn auch ein BelastungsEKG gemacht? Deine geschilderten NW hören sich eher nicht wie NW durch die Medi an, die du einnimmst.

Hattest du auch schon Angst bevor festgestellt wurde, dass dein Blutdruck so hoch ist? Angst ist eine der häufigen Ursachen für Blutdruckerhöhung. Dann wäre z. B. eine Psychotherapie sinnvoll.

Wurden die anderen Medikamente wegen ähnlicher NW abgesetzt oder warum ist so oft gewechselt worden?

CVhristi-an20'09


ja der blutdruck war wirklich zu hoch. es wurden 2 langzeit-blutdruckmessungen, 1 langzeit ekg und ein belastungs ekg gemacht. zwischendurch immer mal wieder ein paar ruhe ekg´s.

kam nicht wirklich viel bei raus außer ein s1q3 typ.

Die Nieren wurden in beiden Sonos überprüft und sind o.b.

Bei mir liegt ein primäre hypertonie vor. Alle sekundären Ursachen (phäochromazytom, etc..) wurden abgeklärt.

Da ich RettAs. bin verstehe ich ne ganze Menge von der Materie, aber seit den Angststörungen die vorher nicht da waren, bin ich doch etwas verunsichert. Gerade aus dem Grund das ich in zwanghaftes Verhalten übergehe und mich sehr oft selbst kontrolliere. (RR, Plusfrequenz usw..)

Die vorhergehenden Medis haben nicht viel bewirkt, oder waren sogar gänzlich unpassend für mein Alter. Leider muss ich dazu auch sagen, das da einige der behandelnden Ärzte einfach zu wenig Ahnung von Kardiologie haben. Z.B. hat man Versucht Betablocker und Kalziumblocker vom Verapermiltyp zu kombinieren, was gelinde gesagt keine Gute Sache ist. Von meinem letzten Mittel Vocado bin ich eigentlich sehr überzeugt, leider hat man keine Erfahrungen über Langzeitnebenwirkungen.

Daher stehe ich vor dem Dilemma nicht zu wissen ob es von den Medis oder einfach nur vom Kopf kommt.

zdiaggGora


Naja was soll ich sagen. Dann wirst du ja auch alle NW von Vocado kennen. Aber das was du so schreibst hört sich sehr nach Angststörung an. Selbstkontrolle, Zwang, Angst, Grübeln.....kommt bei Rettass. häufig vor.

Was kein Vorwurf sein soll, sondern den Tatsachen entspricht. Man sieht einfach zu viel...............

Betablocker sind bei jungen Männern aber auch nicht so toll, wegen der Neigung zur Impotenz (Metohexal). Sonst eigentlich gut ausgestet. Da gibt es eben die bekannten NW wie reflektorische Tachykardie oder Bradykardie usw. Und das Vocado ist ja auch nich so neu. Sind eben nur 2 Medi kombiniert, die aber schon länger auf dem Markt sind. Die aber gut verträglich sind.

Also ich denke es ist viel Panik dabei. Hast du mal versucht mit Ausdauersport deinen RR etwas zu senken? Hattest du schon eine Panikattacke? Oder mehrere?

Czhristi"an200x9


Es klingt als bist du vom Fach.

Mittlerweile merke ich das die Panik beginnt wenn ich mal eine extrasystole merke und nachts zwanghaft durch eine herzpause geweckt werde.

Das fatale daran ist das es sich dann auf das tägliche leben spiegelt und ich zum teil nur ungern einkaufen gehe usw..

Bin ich auf arbeit merke ich so gut wie nix davon, da ich ja auch weitgehends abgelenkt bin.

Ich habe mich vor einem halben jahr in einer bekannten fitnessclub-kette mal zum kardiotraining angemeldet, aber was die da betreiben ist ja der letzte husten. da kann ich auch selbst anfangen laufen zu gehen oder zu radeln.

Leider fehlt die nötige Freizeit.

zIiggcora


lach...ja ich bin vom Fach sozusagen. Was ist denn so schlimm an Extrasystolen? Ich habe auch eine menge davon, sogar ventrikuläre Salven und ich denke ich bin herzgesund. Die kann das Herz gut kompensieren bei normaler Auswurfleistung. Ich hatte am Anfang auch Angst davor und die sind ja auch nicht angenehm. Aber Harmlos!!!!!!!!!!!!!

Also die Diagnose einer Angsterkrankung ist bei dir schon erfüllt, da es zu Einschränkungen in deinem alltäglichen Leben kommt. Und Angsterkrankungen haben leider die unschöne Angewohnheit zu chronifizieren und vor allem immer schlimmer zu werden, wenn man nichts dagegen macht. Das du dich auf Arbeit sicher fühlst ist doch klar oder ??? ??? ??? Aber das ist eben nicht so. Die 100% Sicherheit gibt es eben nicht. Nicht einmal mit Defi auf der Brust ;-D

Eine Verhaltenstherapie könnte dir gut helfen. Aber das ist eine Hürde, die du selbst meistern müsstest, denn auch das musst du in der Freizeit machen. Klingst ja Stressig dein leben mit so wenig Freizeit?

C#hriMstia*n200x9


Ärztin?

das schlimme ist das es mir durchaus bewusst ist das extrasystolen, couplets, triplets, salven usw.. durchaus harmlos sein können und eigentlich keinen grund zur sorgen machen sollten, aber wenn man dann selbst betroffen ist denkt man stark drüber nach.Gerade wenn man weiß was es alles für Erkrankungen geben kann. Habe selber schon so einige unrettbare Asystolien erlebt und wenn man dann plötzlich allein zu hause ist, fängt man an das es einem auch treffen kann. schon ist die spirale in kraft und es nimmt alles seinen lauf.

Ja Freizeit habe ich nicht viel, da ich neben dem rettass. noch stellv. Zugführer vom KatS. bin und da auch noch zu tun habe. Nebenbei kämpfe ich mit den Nachwirkungen meiner Scheidung und habe noch einen Hund zu versorgen. Ein bissl mehr Ruhe könnte echt nicht schaden.

zqigg;orxa


Ja!

Das ist ja das Dilemma der medizinischen Personals. Die sehen zuviel. Und da wird man zwangsläufig mit dem eigenen Tod konfrontiert. Aber Asystolien oder Kammerflimmern treten ja zu 99% nicht ohne organische Grunderkrankung auf. Die du ja nicht hast. :)z

Mit dem eigenen Tod bin ich so auch konfrontiert worden. Man sieht Leute tw. dramatisch sterben, vor allem wenn es Junge Menschen sind und dann steht man allein da mit seiner Angst und dem Leid. Da hilft niemand. In Großstädten gibt es bei der Feuerwehr oder den Rettungsdiensten Psychologen die für posttraumatische Zustände da sind. Aber eben nicht überall. Und dann hat man dann auch Hemmungen hin zu gehen. Man schafft das ja alles alleine! Aber so ist das oft nicht.

Aber man kann auch an anderen Dingen plötzlich sterben, nicht nur an HRST. Damit muss man sich aber ersteinmal auseinandersetzen. So ist das Leben. Aber für jemanden der alles kontrollieren möchte ist das schwer auszuhalten. Und wenn man allein ist hat man dann so viel Zeit sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Und dann kommt die Angst und alles wird noch schlimmer. Und irgendwann wird die eigene Lebensqualität so eingeschränkt, dass man nur noch zu Hause, in der vermeintlichen Sicherheit sitzt.

Wenn ich das so lese, ist es kein Wunder, dass dein Herz "verrückt spielt". Hast du mal Zeit für dich? Das ist doch wichtig im Leben.

Ich schreibe dir das, weil ich weiß wie es ist mit ES und Angst zu leben. Aber das kann man gut behandeln. Dafür brauch man aber Zeit!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! für SICH und nicht nur für andere. Aber das kannst nur du allein entscheiden.

Mittlerweile denke ich auch, dass der plötzliche herztod nicht der schlechteste ist. Ich habe schon viel Schlimmeres gesehen. Aber das Schlimme daran ist das Plötzliche und Unkontrollierbare, wie das Leben eben und das macht Angst.

Da hilft nur Verhaltenstherapie. Mir hat es jedenfalls geholfen und ich stehe dazu.

C4hrisxtianz200x9


Wow klasse Antwort und Einstellung von dir.

Vielleicht liegt es auch an meiner Einstellung, das ich nicht viel Freizeit möchte, damit ich nicht ins Grübeln komme und über meine Krankheit oder Familiäre Probleme nachdenke.

Mittlerweile glaube ich jedem das der Rettungsberuf oder als Arzt in einer Notaufnahme nicht bis zur Rente funktionieren kann. Wir haben hier leider keine professionellen Seelsorger oder Psychologen die für einen da sind wenn man sie mal braucht.

Ich werde mal ernst über meinen jetzigen Zustand nachdenken und muss etwas verändern. So kann es nicht weitergehen.

Wie wir mal abtreten kann ja eh keiner sagen aber ob der sekundentod der beste ist will ich fast mal bezweifeln. Da man ja vorher schon eine grunderkrankung hat, leidet man ja vorher über kürzere oder längere zeit. Aber du als ärztin wirst in dieser richtung schon mehr gesehen haben wie ich. die meisten meiner patienten leider eher unter harmloseren sachen. die schweren fälle (asystolie, apoplex usw..) kommen nicht so fot vor. Ich danke dir trotzdem riesig für deine Antworten und dein Verständniss.

Christian

zmiiggWorxa


Noch ein Wort zum Schluß. Ich glaube schon, dass man in solch einem Beruf lange arbeiten kann. Es ist nur eine Frage der Einstellung. Ich arbeite auf ITS und mir geht es gut, weil ich gelernt habe mein leben mit vielem Positivem anzufüllen. Als Gegensatz zu dem negativen auf der Arbeit. Naja und die eigene Einstellung zum Leben, Tod, Kontrolle und Streß kann man ändern. Es ist nur wichtig irgendwann mal zu entscheiden, was man will und nicht was andere wollen. Und dann macht das Leben auch wieder Spaß. Und Angst gehört auch dazu in gesundem Maße. Ist sie doch wichtig um Gefahren einzuschätzen und schnell zu reagieren und wenn sie zu groß wird (Panik) dann muss man entscheiden ob man Hilfe braucht. In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute und ein schönes Weihnachten ohne RR- und Puls messen. :-D

LG

C_hri^sti!an20X09


Danke das wünsche ich dir auch. @:)

CSha-xTu


Hallo, Christian,

machst Du eine Psychotherapie? Eine "echte" Herzneurose (die ja eine Form der Angststörung ist) ist ohne therapeutische Begleitung kaum zu heilen. Allerdings würde ich der Diagnose "Herzneurose" erst glauben, wenn alle relevanten medizinischen Untersuchungen durchgeführt worden. Wenn da alles abgeklärt ist, würde ich an eine Therapie denken... Welche Form der Therapie (Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie) müsste nach einer gründlichen Anamnese entschieden werden.

Einen lieben Gruss und alles Gute für Dich

Cha-Tu

CLhrist%ian2h009


@ Cha-Tu

bisher habe ich noch mit keiner Therapie angefangen. Ich werde nächtes Jahr meine Hausärztin mal drauf ansprechen. da ich beruflich sehr viel eingespannt bin, fehlt einem leider die zeit dazu. Vielleicht liegt es auch mit daran. Physiologisch wurde das herz mittlerweile sehr gut untersucht und keine Probleme außer einer leichten veränderung der Trikuspidialklappe gefunden, die aber nicht ernsthaft ist.

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