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Beginnender Zelltod in allen Organen eine Woche nach Bypass-OP

j.uni/per hat die Diskussion gestartet


Es fällt mir schwer das hier zu schreiben. Aber med1 ist ein Medizin-Forum, also vielleicht kann mir hier jemand was sagen.

Mein Vater ist am letzten Montag für eine Herzkatheteruntersuchung ins Krankenhaus gegangen. Sie haben ihn gleich da behalten und am 24. 12. ins Herzzentrum im Virchow-Klinikum verlegt.

Am 25. er vier Bypässe bekommen. Der Herzmuskel ist nicht geschädigt.

Er ist Jahrgang '50, Lehrer, Blutdruckprobleme, war im Dezember deswegen auch krankgeschrieben, übergewichtig, der klassische Wohlstandsbauch.

Die OP schien gut gelaufen. Er war kaum 24 Stunden auf der Intensivstation und konnte Anfang dieser Woche schon aufrecht sitzen und gestern auch ein Stück alleine laufen. Seine Stimme klang 'feucht'. Als wäre da Flüssigkeit, die da nicht hingehört.

Heute morgen muss er kurz bewusstlos geworden sein.

Ab hier wird es noch bruchstückhafter.

Er ist wiederbelebt worden, hängt jetzt an der Herz-Lungen-Maschine und ist seit neun Uhr im OP und hat den OP-Bereich noch nicht verlassen, erst hieß es wir können um drei wieder nachfragen, aber es gibt noch keine neuen Nachrichten.

Um zwölf Uhr haben wir einen Anruf bekommen, meine Mutter hat ihn angenommen. Ich weiß also nur, was sie mir sagen konnte.

Die Sauerstoffsättigung im Blut war wohl katastrophal niedrig, wie lange das Herz ausgesetzt hatte wissen wir nicht. Zellsterben hat in allen Organen eingesetzt, hieß es noch. Jetzt soll er wieder aufgemacht werden, um einen weiteren Bypass zu bekommen.

Ich fühle mich taub.

Antworten
HUanseNlinxe hat geantwortet


Liebe juniper,

medizinisch kann ich dir dazu leider nichts sagen. Ich wollte nur mein Mitgefühl für eure Situation ausdrücken. Mein Vater war 10 jahre lang immer wieder im KH wegen Herz- und Lungensachen (hatte aber einen ganz anderen, höchstwahrscheinlich schlechteren Ausgangszustand als dein Vater durch Rauchen und Aspirinabhängigkeit, also bitte nicht über die 10 Jahre erschrecken), immer wieder dachte man, er kommt da nicht wieder raus. Als es dann wirklich schlimm um ihn stand, wurden die Ärzte auffallend uninformativ und redeten sich immer wieder raus, sie wüßten nichts Genaues über seinen Zustand - im Nachhinein hat sich herausgestellt, daß das gelogen war. Ich kann daher nur den Rat geben, auf voller Information zu bestehen (während einer OP geht das nicht, klar - aber was war denn mit der seltsamen Stimme, da müssen sie doch gewußt haben, daß was nicht stimmt!!!) und notfalls auch unhöflich zu werden, mit Klagen zu drohen oder was auch immer. Meinem Vater hätte ich helfen können, unnötige und quälende Behandlungen zu vermeiden, wenn ich bescheid gewußt hätte und ich bereue, daß ich zu höflich und "nett" war.

Mehr kann ich leider nicht raten. Ich wünsche euch sehr, daß alles gut ausgeht. :)* :)* :)*

j8ung e YKatxze hat geantwortet


Ich wünsche Euch auch alles Gute und sehr viel Kraft. :)* :)* @:) :)_ *:)

jDun(ipexr hat geantwortet


Danke euch beiden. Im Moment werden wir jede Stunde um eine Stunde vertröstet. Er ist immer noch im OP-Bereich.

jsu=nip+er hat geantwortet


Er wird auf der Intensiv-Station erwartet.

In einer halben Stunde wissen wir mehr.

Dann war er den halben Tag im OP-Bereich.

Er hatte wohl eine Blutung im Bauchraum, in Verbindung mit blutverdünnenden Medikamenten hat das heute früh zu... ja was eigentlich... zum Herzversagen geführt.

Irreal.

GDraua!msel hat geantwortet


Ich hatte vor vielen Jahren nach einer Geburt einen winzigkleinen Riss in der Aorta und dadurch eine Blutung im Bauchraum - die eher "per Zufall" entdeckt wurde, da es während Stunden leise in mich hineinblutete. Ich fühlte mich sehr müde, sagte dies auch dem Personal, aber niemand schenkte dem Beachtung - ich auch nicht. Hätte man mich jedoch einfach "schlafen" lassen, wäre ich gestorben und hätte nichts gemerkt.

Man hat mir erklärt, dass durch den riesen Blutverlust mein Blutdruck langsam absackte und das Herz nicht mehr genügend Flüssigkeit zum pumpen bekam und deshalb den Betrieb einstellte... Ich bin eine eher zarte Person und man schätzte mein Blutvolumen auf ca.6Liter - fast 3Liter fanden sie in meinem Becken. Die Reanimation dauerte und das "Auffüllen" mit Infusionen und Blut auch. Erst nach einem halben Tag bekamen meine Lieben Auskunft und das war das schlimmste Warten ihres Lebens.

So geht es Euch jetzt und ich wünsche Euch Kraft und Mut - und hoffe auf ein so glückliches Ende der Geschichte wie bei mir. Ich habe durch das kurze "Todsein" keine Hirn- oder anderen Schäden davongetragen. Ich wünsche Das Deinem Vater auch.

:)*

jAunip-exr hat geantwortet


Er ist jetzt doch noch nicht auf die Intensiv-Station verlegt worden.

Ich habe heute Nachtschicht und muss arbeiten. Um die Feiertage ist es schwer Schichten abzugeben und ich will es auch nicht jedem erzählen.

Eben kam die Nachricht, er kommt jetzt doch bald auf die Intensiv. Also wieder eine halbe Stunde warten.

j1uni@pxer hat geantwortet


So.

In den letzten Tagen höre ich ständig Vokabeln, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kenne.

Mein Vater liegt auf der Intensiv-Station. Er bekommt eine Bluttransfusion nach der nächsten und Blutplättchen zum Wundverschluss.

Wenigstens ist er nicht mehr im OP-Bereich.

Ob es jetzt eine innere Blutung gab oder nicht, die Angaben sind widersprüchlich. Nach letztem Stand wohl doch nicht. Es sah wohl 'alles gut aus' bei der OP.

Er wird künstlich beatmet und ist bewusstlos. Keine Regung.

Die Reamimation hat seinen Nieren nicht gut getan, heißt es.

Hoffen und Abwarten, die üblichen Verdächtigen der letzten Tage, müssen noch Zusatzschichten einlegen.

Es hilft mir, das hier aufzuschreiben. Mit wem soll man den über sowas auch reden?

Wie soll man den über sowas reden?

G}rauTamsxel hat geantwortet


Ja, juniper, das macht sprachlos. In Deiner Lage, juniper, würde ich ULTIMATIV ein Gespräch mit einem ZUSTÄNDIGEN Arzt verlangen - das ist Dein gutes Recht - und der muss sich die Zeit nehmen, Euch alles so zu erklären, dass Ihr es versteht. Er darf sich nicht hinter medizinischen Begriffen verstecken und allgemeine Ärztefloskeln von sich geben.

Damit Ihr das Ganze einordnen könnt und Euch darauf einstellen, ist es wichtig, dass Ihr all die Fragen stellen könnt, die Euch beschäftigen.

Ich wüsste ganz viele Fragen - und DU weisst sie auch. Es braucht Mut, sie zu stellen, das weiss ich gut und Tapferkeit, die Antworten zu hören. Ich wünsche Dir beides: Mut und Tapferkeit - und die Kraft, zu ertragen.

:)*

j/un~iper hat geantwortet


Ich habe gerade noch meine Nachtschicht, die ich heute wieder hatte, abgegeben.

Um fünf bin ich mit meiner Mutter in der Klinik verabredet.

Ich habe noch mit keinem Arzt gesprochen. Sie schon.

Er wurde wohl eine Stunde reaminimiert.

Eine Stunde.

Es gibt immer noch Plätze, an die ich nicht gehe in Gedanken. Aber ich komme immer näher.

Was ist mit Hirnschäden? Organschäden? Nach einer Stunde...

Jetzt geh ich mich mal sammeln, im Moment bin ich nur ein Häufchen Elend.

Danke, Grauamsel.

ccryin!gAnxgel26 hat geantwortet


:°_ :°_ :°_ :°_ :°_ :)* :)* :)* :)* :)* @:) @:) @:) @:)

DOipl.# Phyrsiokecrin hat geantwortet


:°_ :)_ :)- :)*

K2äf8erle hat geantwortet


Ganz viel Kraft dir und deiner Mum :°_ :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)-

a2damrixes hat geantwortet


Liebe Juniper,

die Krankengeschichte deines Vaters erinnert mich an meine eigene vor 12 Jahren. Auch 57 Jahre alt, leicht übergewichtig. Nach wochenlangen Untersuchungen wegen Beschwerden im Oberbauch und Schmerzausstrahlung bis in den Kiefer hieß es, es kann jetzt nur noch das Herz sein. Herzkatheter. Dem Arzt fiel regelrecht die Kinnlade runter. Hauptstamm zu 99% zu, weitere Verengungen. Nur Kollaterale hielten die Herzversorgung aufrecht. Sofortige Operation; ich durfte gar nicht mehr aufstehen. Die Quadrupel-Bypassoperation verlief zunächst standardmäßig. Kam auf Intensiv, dann zurück ins Krankenzimmer. Während der Unterhaltung mit dem Bettnachbarn mußte ich ohnmächtig geworden sein. Nachher habe ich erfahren, dass die Ärzte zunächst ratlos waren und darauf vorbereitet waren, den Brustkorb wieder zu öffnen, weil sie eine Blutung vermuteten. Dann kamen sie durch einen Hinweis meiner Fau darauf, dass sich eine Koprostase im Darm gebildet hatte. Darauf wurde ich entsprechend behandelt. Ich lag dann, wie ich auch anhand der Operationsrechnung nachvollziehen kann, mehrere Tage auf Intensivstation, vermutlich oft ohne Bewußsein. Ich erinnere mich an fast nichts. Vom 28.01. bis 17. 02 lag im Krankenhaus. Wurde dann in die Reha entlassen, wo ich zunächst nur so vor mich hin vegetierte. Eine Krise wegen Wasseransammlung im Brustkorb wurde gemeistert. Nach so zwei Wochen ging es endlich aufwärts. Ich fühle mich jetzt nach 12 Jahren mit fast 70 Jahren topfit und bekomme das auch von den Messgeräten im Fitnesscenter bestätigt.

Also langer Rede kurzer Sinn: Es wird auch bei deinem Vater wieder werden. Er ist ja noch verhältnismäßig jung.

Cwha-xTu hat geantwortet


Hallo, Juniper,

die Dauer der Reanimation hat nicht unbedingt zur Folge, dass Hirn und Organe längere Zeit ohne Sauerstoff waren. Während der Reanimation ist ja alles durchblutet und somit mit Sauerstoff versorgt. Dass Dein Vater eine Stunde reanimiert worden ist, heisst KEINESWEGS, dass er bleibende Schäden behalten hat. Meine Mutter wurde 1990 auch fast eine Stunde reanimiert, sie behielt davon nichts zurück. Ein Jahr später erlitt sie dann zwar nach/während einer Operation einen Schlaganfall, aber das hatte mit der Reanimation nichts zu tun.

Natürlich ist Dein Vater schwerst krank und sein Zustand ist instabil und wie es weitergeht, kann man eigentlich erst sagen, wenn es wenigstens soweit stabilisiert ist, dass er alleine atmen kann. Aber dennoch würde ich die Hoffnung nicht aufgeben. Ich selbst bin 1995 durch einen schweren Infarkt in einen Zustand gekommen, den meine Ärzte als "infaust" bezeichnet haben, also als sehr ungünstig. Ich habe diesen Zustand nicht nur überlebt, sondern auch einen zweiten Infarkt überlebt, der ein halbes Jahr später kam, und lebe nun seit 15 Jahren recht gut und stabil. Ich möchte Dir wirklich Mut machen, die Hoffnung nicht zu verlieren. Und auch die Beispiele von adamries und Grauamsel zeigen, dass selbst die kritischsten Situationen nicht bedeutet, dass es keinen Weg daraus gibt. Der menschliche Körper ist extrem belastbar und die Medizin ist gottseidank heutzutage hervorragend (auch wenn viel gemeckert wird über "das Gesundheitswesen", so ist es doch viel besser als sein "Ruf").

Liebe Grüsse

Cha-Tu

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