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Beginnender Zelltod in allen Organen eine Woche nach Bypass-OP

j\unipxer hat geantwortet


Morgen sind es zwei Monate.

Wir haben zusammengessen und uns mit den Versicherungen auseinandergesetzt, den Krankenhausrechnungen (Irgendwo stand etwas von 50.000 Euro, bei Privatpatienten sieht man mal die Zahlen, die ein Krankenhaus da veranschlägt, was die weißen Blutkörperchen kosten, die er bekam, die Beatmung, alles... )

Darüber zu schreiben ist viel einfacher, als meine Mutter zu fragen, wie es ihr geht. Wir telefonieren, wir sehen uns oft, aber ich kann sie nicht fragen.

Mit den Freunden, mit denen ich mich... ja was eigentlich? Von denen ich mich entfernt hatte in der Zeit?... rede ich wieder, eine gibt sich sichtlich Mühe gut zu machen was vorher passiert ist.

Aber einfach mal in den Arm nehmen tut mich niemand. Obwohl mir letztes Wochenende eine Frau gesagt hat, dass ich nur fragen müsste. Ich kann aber nicht fragen. Was passiert, wenn ich ein Nein höre? Das ist so schwer. Irgendwie besteht die ganze Welt aus Nein.

Der Alltag hat mich wieder, eigentlich, nicht ganz. Ich kann die Kette nicht abnehmen, die ich seit Januar trage, ich habe es mal versucht, aber es geht nicht. Klingt albern, ist auch albern, es ist nur eine billige Kette mit einem Achat. Aus einer Buchhandlung, auf dem Beizettel stand etwas von Schutz und Ausgeglichenheit? Heiterkeit? Das www sagt 'Achat fördert die bewußte Verarbeitung unserer Lebenserfahrungen und führt dadurch zu geistiger Reife und Wachstum, innerer Stabilität und Realitätssinn.'

Na dann.

Ich versuche, mein Leben aufzuräumen, vielleicht der Mensch zu sein, der mein Vater immer wollte, das ich bin. Selbstbewusst, aufrecht, klug, mit ein paar Kilo weniger auf der Waage.

Nein, ich will selbst, für mich selbst, selbstbewusst sein und aufrecht und klug, und ein paar Kilo weniger haben. Und ein gutes Leben.

Ich sitze gerade hier und kann die Tasten kaum sehen, habe Tränen in den Augen, und auch der Himmel ist wieder zugezogen.

Es kommen auch andere Tage. Heute ist wohl einer von diesen...

CNha--Txu hat geantwortet


Hallo, Juniper,

es ist mir schon vor einigen Wochen aufgefallen: Du kannst so schön und reflektiert schreiben! Vielleicht solltest Du etwas daraus machen? Tagebuch? Oder Briefe, einfach so, ohne einen konkreten Empfänger? So verrückt es auch klingen mag, aber vielleicht kannst Du eine kleine Korrespondenz mit deiner Mutter beginnen? Als mein Vater sehr plötzlich und unerwartet starb, habe ich fast 2 Jahre lang mit meiner Mutter Briefe gewechselt. OK, wir wohnten auch 300 km auseinander, aber das Telefon reichte nicht. Die Briefe, die ich ihr schrieb und ihre eigenen habe ich immer noch, obwohl auch meine Mutter schon lange tot ist, sie sind mir immer noch wichtig und wert. Mir haben Tagebücher und Briefe schon als junger Mann geholfen, Dinge zu ordnen, zu verarbeiten, und ich mache das heute als alter Mann immer noch. Vielleicht ist das ein Weg.

Deine Umgebung ist unsicher, sie weiss nicht, wie sie mit Dir umgehen soll. Ich denke, auch die Frau, die sagte, Du sollst fragen, wenn Du in den Arm genommen werden willst, ist unsicher. So geht es vielen. Man weiss nicht, was der Andere, was der Trauernde braucht, und leider tut man dann oft gar nichts. Aber ich denke, das ist keine Bösartigkeit, ja, noch nicht einmal Gedankenlosigkeit, sondern einfach nur Hilflosigkeit.

Sei lieb gegrüsst

Cha-Tu

j2uniXper hat geantwortet


Hallo Cha-Tu, schön dich zu sehen.

Ich schreibe. Meist Emails. Das hat den Nachteil einmal abgeschickt landen sie im Äther. Für mich selbst schreibe ich nicht. Trotzdem werden Emails manchmal zum Selbstgespräch.

Was Briefe betrifft, eine wunderbare Sache. Wir haben in den letzten Wochen auf der Jagd nach Dokumenten (Wo war noch mal die Heiratsurkunde?) alte Schriften wiedergefunden, Briefe meiner Großmutter an ihren ersten Mann, der im Krieg starb. Der Stapel ist mit einem zartrosa Seidenband zusammengebunden. Alte Reiseberichte. Alte Fotos. Papiere zum Hauskauf von 1935. Geschichte in Papierform. Zum Teil handschriftlich, kaum noch zu entziffern.

Ein richtiger Schatz.

Ein paar der Sachen habe ich jetzt hier. Zum nachlesen.

Dieser Faden ist gerade wie eine Enklave, kaum einer wird reinschauen, und der Titel ist wie eine Tarnung. Er befindet sich nicht im Forum 'Abschied und Trauer' und ich werde dort auch keinen neuen Faden eröffnen. Ich könnte wohl ein Blog öffnen und Dinge schreiben, die mich beschäftigen. Ich denke drüber nach. Für ein Tagebuch bin ich wohl zu sehr dem multi-Medialen verfallen.

Ich sammle Sätze aus Büchern, die mir gefallen. Und Szenen aus Filmen. Ich verdiene mein Geld damit anderer Leute Ideen auf die Leinwand, den Bildschirm, den Monitor, zu bringen. Ich mag Geschichten und nehme aus jeder etwas mit. Manchmal denke ich, ich bestehe nur noch aus Geschichten. Ich reflektiere nur. Wie ein Spiegel.

"Wir sehen jetzt durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin."

Unglaublich. Nein, nicht unglaublich eher typisch. Jetzt bin ich über das Wort 'reflektiert' zu dem Bild eines Spiegels gekommen und dann über Jostein Gaarder zum [[http://www.wort-und-wissen.de/bibel/bibel.php?b=46&c=13&vr=ulu ersten Brief Paulus an die Korinther]]. Schöner Text übrigens, kann man mal lesen. Nicht nur in Zitate zerstückeln.

Für den Moment jetzt gibt es kleine Tränen. Jetzt ist die Neugierde wieder da. Ich werde gleich etwas von Paulus lesen, und dann Kräuter aussäen.

Mehr Leben bitte. Es wird Frühling.

IcnsinHdia hat geantwortet


warum solltest du die kette denn abnehmen? lass sie doch ruhig um wenn du es möchtest. ich habe meinen lebensbaum auch immer um :-) mein vater ist vor 5,5 jahren gestorben und ich weiss wie schwer das ist, wenn der alltag einen einholt. es wird noch lange dauern, bis du dich 'dran gewöhnt' hast. ach komm ich knuddel dich mal :)_ :-)

jEu^ni^per hat geantwortet


ohweia... ich wollte immer verhindern, dass der faden bei meinen beiträgen auf die zweite seite rutscht. wenigstens das.

die kette ist bald nach dem letzten post von alleine abgefallen. ich kann materielles nicht festhalten. ich kann ja nicht mal menschen festhalten.

seit märz ist einiges und nichts passiert. im garten wächst es, im mai war ganz viel familie da und wir haben den 60. geburtstag meines vaters gefeiert.

jetzt ist juni. schon ein halbes jahr.

menschen sagen, wenn jemand aus deinem leben tritt kommt jemand neues.

j-uni@per hat geantwortet


vom leben gelernt.

september. ich bin 30 geworden. eigentlich wollte wir dieses jahr zwei sechzigste geburtstage feiern. mein bruder und ich und mein vater. jetzt waren wir nur zu dritt mit unserer mutter essen und später im theater.

ich habe termine bei einem psychotherapeuten. das scheint aber nicht mein weg zu sein.

jemand, den ich gerade kennengelernt habe, fragt, warum ich mich nicht endlich an der filmhochschule bewerbe. ja, warum eigentlich nicht?

mNadam"e8x3 hat geantwortet


hallo juniper,

ich bin zufällig auf deinen thread gestoßen und ich habe alle 11 seiten, die ihr hier geschrieben habt,gelesen.Erstmal nachträglich alles Liebe und Gute zu deinem Geburtstag und mein herzlichstes Beileid. Auch wenn es verspätet kommt, möchte ich auch dir, ein Paar Worte mit auf den Weg geben:

Trauer tut weh. Sie kennt keine Zeit, keine Grenzen, keine Gesetzmäßigkeit. Sie ist allgegenwärtig. Hört es sich auch für trauernde Menschen seltsam an - in der Trauer liegen auch heilsame Kräfte. Die Trauer führt manchmal dazu, dass sich die Familie enger zusammenschließt. Tiefe Gefühle werden offener gezeigt. Rollen werden überprüft. Neue Werte entstehen. Die Familienmitglieder können ihre eigene Stärke neu entdecken oder wiederfinden. Sie spüren, dass sie nicht in der Trauer versinken. Sie erfahren, dass man Gefühle bewältigen kann.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute

jpuni2per hat geantwortet


Heute ist es ein Jahr.

Ob ich klüger geworden bin? Ich habe neue Grenzen erlebt, Menschen liebgewonnen, andere verloren. Mich selbst und die Welt in Frage gestellt.

Heute, jetzt in diesem Moment, will ich nicht in Frage gestellt werden oder mich beweisen müssen.

Geb acht auf die die Euch am Herzen liegen, manchmal geht alles schneller als man denkt.

Insindia, danke fürs Knuddeln, vielleicht ahnst du wie wichtig sowas manchmal ist. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge bezeichne ich mich selbst manchmal als massiv unterkuschelt, klingt albern, ist aber gar nicht komisch.

Madame, auch dir danke für deine Worte. Es ist nicht alles sichtbar, aber vieles ändert sich.

Es wird ein ruhiger Abend werden heute.

CTha-xTu hat geantwortet


Schön, von Dir zu lesen, Juniper...

@:)

Cha-Tu

jTuDn.ipexr hat geantwortet


Ja, es gibt mich noch.

Ich habe gerade Schmetterlinge im Bauch. Heute nacht habe ich seltsames geträumt und mich gerade entschlossen mich für einen Studiengang, eigentlich ein Kombistudium, zu bewerben. Er beginnt erst im Wintersemester, aber es fühlt sich gut an, ein Ziel zu haben.

Ich habe mich vor Jahren schon mal damit beschäftigt, allerdings eher halbherzig. Vielleicht wird dieses Jahr doch noch spannend.

Ich war seit der Beerdigung nie auf dem Friedhof. Ich denke oft an meinem Vater, aber das Grab hat da einfach nichts mit zu tun. Oder ich verdränge noch. Beides ist wahr.

Ich bin nicht so gut mit Gefühlen denke ich, manchmal schnürt es mir einfach die Kehle zu. Als wenn einfach alles zu viel wird. Manchmal muss man sich solchen Situationen stellen, auch wenn es schwer ist. (Was für ein Satz.) Es ist oft viel zu einfach sich in Sicherheit zu bringen, nichts zu riskieren, nichts zu fühlen.

Aber das ist alles nur Fassade.

j,unipexr hat geantwortet


Ich denk an dich.

Das war der letzte Satz, den mein Vater zu mir gesagt hat. Das habe ich nie jemandem erzählt.

dMsquAarxed2 hat geantwortet


Wünsche Dir ein frohes neues Jahr.

i&daniette hat geantwortet


Kann dich gut verstehen.

Mein Bruder ist gestern gestorben.

Er ist mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus man sagte mir 1 Tag vorher es wäre nichts lebensbedrohliches und plötzlich liegt er da und lebt nicht mehr.

Die Nachtschwester hat es bemerkt.

Nach meiner frage woran er den nun gestorben ist sagte der Arzt er hätte auch noch Bakterien im Blut gehabt.

Kann das sein ??? ist er zu spät in die Klinik oder wurde nicht richtig behandelt.

Ich kann es einfach nicht glauben.

Habe doch noch wenige stunden zuvor mit ihm geredet. :°( :°( :°( :°( :°(

CCha-0Txu hat geantwortet


Ich denk an dich.

Das war der letzte Satz, den mein Vater zu mir gesagt hat. Das habe ich nie jemandem erzählt.

Dann wird er das auch getan haben, Juniper. Da bin ich sicher.

Ein gutes neues Jahr wünsche ich Dir.

Lieben Gruss

Cha-Tu

CDha-xTu hat geantwortet


Hallo, Idanette,

mein herzliches Beileid zum Tod Deines Bruders.

Leider passiert so etwas immer wieder. Was die Ursache war, dass Dein Bruder sterben musste, wird man vielleicht nie herausbekommen. Wie alt war er denn?

Es kann sein, dass es irgendein Krankenhausvirus war, das eine Kettenreaktion (Multiorganversagen z.B.) ausgelöst hat. Es kann aber auch sein, dass es der "Plötzliche Herztod" war (Kammerflimmern und sofortiger Tod), das passiert manchmal bei Lungenentzündungen.

Ob er zu spät in die Klinik kam, kann man nun nicht mehr klären, das ist alles Spekulation. Und ob er falsch behandelt worden ist, ist auch schwer herauszufinden. Manchmal sieht alles nach irgendeiner Krankheit XXX aus, die nicht lebensgefährlich ist, und die man gut behandelt kann. Aber in Wahrheit war es die Krankheit ZZZ, man hat es nur nicht entdeckt...

Aber ich verstehe Deine Fragen gut, ich würde sie mir auch stellen...

Dir und Deiner Familie wünsche ich viel Kraft, das alles durchzustehen.

Cha-Tu

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