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Beginnender Zelltod in allen Organen eine Woche nach Bypass-OP

CXha-xTu hat geantwortet


Ob sie nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen? Hm

Guten Tag, Juniper,

ich denke wirklich, dass das eine sehr grosse Rolle spielt.

Ich habe nach meinen beiden Herzinfarkten auch diese Erfahrung gemacht, dass gute, ja, beste Freunde, "seltsam" reagiert haben.

Es war beispielsweise kaum möglich, mit ihnen über meine Situation zu reden. Entweder haben sie abgelenkt, oder verharmlosten das alles mit Sätzen wie "Ach, das wird schon wieder, keine Sorge..." Sie wollten mich damit trösten und ermutigen, sie wollten durch Schweigen "negieren", "das Thema weg machen", aber sie haben mich dadurch verletzt. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, selbst meine beiden besten Freunde hätten sich von mir abgewandt, ja, sie hätten mich nun verlassen, weil das Thema für sie irgendwie nicht diskutabel war.

Meine Frau (die mich damals aber auch schon 22 Jahre kannte), sagte mir sofort, sie wisse momentan nicht, wie sie mit der Situation umgehen solle, sie will nicht daran denken, wie krank ich sei, und dass ich sterben könnte, aber sie wisse auch, dass sie das nicht verdrängen könne. Vor allem wisse sie nicht, was ICH möchte, was MIR gut täte.

Kurzum: Freunde und meine Frau waren völlig unsicher, wie sie "am besten" mit mir umgehen sollten, und hatten gleichzeitig selbst grosse Angst vor dem Thema Krankheit, Sterben und Tod, denn es gibt ja kaum ein grösseres Tabu in unserer Gesellschaft wie der eigene Tod und der Tod des Nächsten. Und eine schwere Krankheit eines Nächsten oder des Nächsten eines Nächsten (Kollegen etc.) konfrontiert einen auch SELBST mit diesem Thema, und das "drückt man weg".

Einen lieben Gruss

Cha-Tu

Gdr'auabmsel hat geantwortet


Ich habe keinen Freund. Und ich bei denen, die wissen was passiert ist... Ob sie nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen? Hm. Ein Anruf und die Frage wie es mir geht ist wohl nicht zuviel verlangt. Oder ob ich Lust habe etwas zu unternehmen und sei es nur eine gemeinsame Tasse Tee. Aber ich bin nicht oft zu Hause und mich auf dem Handy anzurufen oder eine Mail zu schreiben ist schon nicht mehr drin.

DAS müsste aber drin sein! DAS würde "Freund" von "Kollege" unterscheiden!

Ich denke, von den meisten werde ich erst wieder hören, wenn sie etwas von mir brauchen.

Ich habe gewisse Fertigkeiten und Begabungen, die nicht jeder hat. Zu oft habe ich erlebt, dass Leute erst etwas von sich hören liessen, wenn sie nicht MICH, sondern "das was ich kann" brauchten. So mitte Dreissigerjahre war ich selbstbewusst genug, ihnen ein dezidiertes NEIN auf entsprechende Anfragen zu sagen. Die einen waren verblüfft und fragten warum - sie bekamen die ehrliche Erklärung. Die anderen waren verblüfft und sauer, fragten nichts - gingen mich aber nie mehr um solche Dienstleistungen an. Deren "Freundschaft" kühlte dann sehr stark ab und mir hat es nichts ausgemacht. Wir waren einander nicht wichtig genug.

Ich rate auch Dir, diese Art "Freunde" an die kurze Leine zu nehmen. Sie sind nicht feinfühlig genug für Dich und die Wertschätzung fehlt.

verharmlosten das alles mit Sätzen wie "Ach, das wird schon wieder, keine Sorge..." Sie wollten mich damit trösten und ermutigen, sie wollten durch Schweigen "negieren", "das Thema weg machen", aber sie haben mich dadurch verletzt.

Ja, so können Freunde auch reagieren und als betroffene Person sieht man ihnen die Hilflosigkeit an. Deshalb kann man es ihnen nachsehen und verzeihen. Aber verletzen tut es schon, speziell in einem Zustand, wo man selber fühlt, dass man sehr schlecht beisammen ist.

Absolute Ehrlichkeit bringts; Ehrlichkeit auf liebevolle Art, wie es die Frau vom Cha-Tu gezeigt hat. Das ist sehr, sehr schwer.

Ich habe eine schwerstbehinderte Freundin (MS im letzten Stadium) und besuche sie regelmässig. Wir lachen und weinen zusammen. Sie erzählt von ihren Ängsten und ich kann sie einfühlen - ich sage ihr meine Ängste und sie versucht nicht, sie zu zerstreuen. Man muss schwerstkranken Leuten gegenüber keine "Lösung anbieten" und keine "Kompetenz ausstrahlen", was die letzten, grossen Fragen betrifft. Man muss seine Seele öffnen, wenn man mit ihnen spricht.

Ich bin abgeschweift, aber irgendwie gehörte es zum Thema "Umgang mit Schwerstkranken und mit deren Angehörigen".

Hab' morgen einen guten Arbeitsanfang, Juniper, und treffe auf viele empathische Leute - das wünsche ich Dir von Herzen.

Grauamsel

jEun1iper hat geantwortet


Hallo,

nur ganz kurz. Ich muss gleich los.

Mein Vater zeigt noch keine Regung, die Ärzte wollen sich heute beraten, wie sie weiter vorgehen wollen.

Im Haus meiner Eltern beginnt heute die Abreißphase der Renovierung. Und das Dach scheint undicht, es tropft rein. Die Renovierung war seit Anfang Dezember geplant, das mit dem Dach eher nicht.

Die Abschweifung hat mich gar nicht gestört, Grauamsel. Was ich gelesen habe klingt herzlich, von Herzen kommend, dafür ist immer Platz.

Ich habe gestern noch mit einer Freundin telefoniert. Ich glaube, sie hatte wirklich nicht ganz verstanden, was passiert war. Sie hatte nur gesehen, Aha, eine Operation.

Über das Thema sterben nachdenken...

Ich weiß noch, wie wir am 24., dem Vorabend der Op im Krankenhaus waren und mein Vater von 10 Jahren sprach, die die Bypässe offen bleiben würden.

Der Kollaps kam so unvermittelt.

Ich weiß ja nicht mal, ob mein Vater mitgekriegt hat, was ihm passiert ist.

So. Ich muss jetzt los. Ich wünsche euch allen einen schönen Tag.

kbnubLbelMinAchexn hat geantwortet


oh juniper, was eine berg und talfahrt :)*

ich drücke alle meine (zwei) daumen, aber er ist ja wenigstens gut versorgt dort :)^

Clhao-5Tu hat geantwortet


Liebe Juniper,

ich weiss jetzt nicht mehr genau (möchte die 7 Seiten nicht erneut lesen), aber wurde ein Schlaganfall ausgeschlossen? Das war ja bei meiner Mutter die Ursache ihres ersten langen Komas. Und es ist kaum zu glauben, aber wenn ich auf der Intensivstation nicht "etwas laut" darauf bestanden hätte, dass eine CT gemacht würde, hätte man die wohl erst am nächsten oder übernächsten Tag gemacht, um zu schauen, was im Hirn los war. Und sie fanden einen ausgeprägten Schlaganfall, und konnten dann endlich die richtige Therapie einleiten. 24 Stunden später war meine Mutter wach.

Einen lieben Gruss

Cha-Tu

j@unipxer hat geantwortet


Brauchst du auch nicht.

Ein Schlaganfall wurde nicht ausgeschlossen denke ich. Jedenfalls nicht explizit. Das größte Problem war das Herz, das nicht mehr schlug.

Aber die Aufwachphase nach einem künstlichen Koma ist länger je länger das Koma war. Ich weiß, dass ein anderer Patient mehr als fünf Tage gebraucht hat.

Die Medikamente lagern sich im Fettgewebe an, und bis sie da abgebaut werden kann es dauern. Und mein Vater ist kein kleiner Mann.

Er war zwischendrin ein bißchen gelb, die Narkose geht auf die Leber. Das ist schon wieder weg, der Abbau findet also statt. Das stimmt mich sachte optimistisch.

fXrec hpondy hat geantwortet


hey juni, schade dass ich soweit weg wohne, sonst hätte ich dich schon längst zu nem kaffee eingeladen. so bleibt mir nur, hier mitzulesen und mitzufühlen, auch wenn ich nicht jeden tag was schreibe.

im moment sind keine schlechten nachrichten schon gute nachrichten, oder?

und was ich schon länger mal loswerden wollte: ja, du bist liebenswert! stell dich ruhig ab und zu mehr in den vordergrund, das ist völlig in ordnung. :)* @:)

alles gute!

G`raCuamsxel hat geantwortet


Die Abschweifung hat mich gar nicht gestört, Grauamsel. Was ich gelesen habe klingt herzlich, von Herzen kommend, dafür ist immer Platz.

DANKE!

Ich weiß noch, wie wir am 24., dem Vorabend der Op im Krankenhaus waren und mein Vater von 10 Jahren sprach, die die Bypässe offen bleiben würden.

Der Kollaps kam so unvermittelt.

Ja, und deshalb war/ist auch der Schock so gross. "10 Jahre" tönt irgendwie nach "Ewigkeit" und man klammert sich an solche statistischen Aussagen. Und dann passiert das völlig Unerwartete!

Ich weiß ja nicht mal, ob mein Vater mitgekriegt hat, was ihm passiert ist.

Vermutlich nicht. Für die Betreffenden geht auch alles viel zu schnell und bald legt die Ohnmacht einen "gnädigen Schleier" über das Geschehen. (Ging mir jeweils so. Würde man solche Katastrophen bei vollem Bewusstsein ganz mitbekommen, könnte man wahrscheinlich das Ganze seelisch nicht verkraften und den physischen Schmerz nicht überstehen.)

Ich wünsche Dir Mut für den morgigen Tag. Deinen sachten Optimismus teile ich.@:. :)-

dqsqu1aredx2 hat geantwortet


Wir hatten damals einen guten Kontakt zum Narkose Arzt. Dieser war zur jederzeit bei der Operation und in der Phase auf der Intensiv dabei. Ich glaube auch, dass dieser die wenigste Belastung trägt von allen Verantwortlichen, wenn man es so sagen kann.

Vielleicht versucht ihr mal mit Ihm einen guten Kontakt zu bekommen. Der kann euch sehr gut weiterhelfen.

Bei uns ist damals zum Dank alles ohne größere Komplikationen verlaufen. Versucht wie gesagt den Narkose Arzt zu finden oder Verantwortliche die bei der Planung der Operation dabei waren.

Als Beistand sind in harten Zeiten auch ältere, reifere und erfahrene Menschen sehr Hilfreich. Diese haben schon sehr viel erlebt und können durch ihre Erfahrung, Angst und Sorge etwas verkleinern.

Uns konnte auch die Sekräterin im Büro vom Chefarzt bzw Direktor auch sehr weiterhelfen und hat Nachrichten an entsprechende Personen weitergeleitet.

Habt vertrauen in Euch und in Euer Umfeld. Keine Nachrichten sind auch gute Nachrichten. Habt nicht so sehr Eile. Lasst Euch und Eurem Vater Zeit die er braucht um wieder auf den Weg zu kommen.

Alles Gute.

d2squaxred2 hat geantwortet


Wenn nötig vertraut euch Eurem älteren Nachbarn oder Arbeitskollegen an. Viele Menschen kennen das Schicksal von großen Operationen.

j;unip1e^r hat geantwortet


@ dsquared2

die zweite op war nicht geplant. das war eine notfall-op.

in der woche nach der eigentlichen op sah ja alles gut aus.

mein vater zeigte heute, 12 tage nachdem er in ein künstlicher koma versetzt wurde, und drei tage nachdem die schlafmittel abgesetzt wurden noch immer keine pupillen-reflexe.

ein CT wurde noch nicht gemacht, weil er zu sehr von den maschinen abhängig ist, ihn zu bewegen wäre zu riskant.

ein paar tage geben sie ihm noch.

keine guten nachrichten heute.

G6rauaxmsel hat geantwortet


Das ist ein schlimmer Bescheid, Juniper. Weiss man, weshalb sich der Zustand Deines Vaters plötzlich wieder verschlechtert hat? Gestern noch konntet Ihr "sachte optimistisch" sein, wie Du geschrieben hast. Vielleicht machen Nieren und Leber nicht mehr mit.

Nun müsst Ihr Euch auf das Schlimmste gefasst machen und ich denke unbekannterweise an Dich, mit viel Wärme und lieben Gedanken.

Grauamsel

j%unixper hat geantwortet


Naja.

Das die Reflexe im Koma nicht auftreten ist nicht unerwartet. Aber jetzt, da die Medikamente wegfallen, die ihn so tief schlafen ließen könnten sie wiederkommen.

Könnten.

Von verschlecht kann man nicht direkt sprechen. Aber sein Zustand hat sich auch nicht verbessert. Er wacht nicht auf.

Sachte optimistisch waren wir in den letzten Tagen schon, wenn nicht noch mehr versagte.

Man hält sich halt doch irgendwie an den guten Nachrichten fest. Alles andere ist doch schon schlimm genug.

Ich habe ihn gestern, das erste Mal ohne die Decke auf der Brust gesehen. Es sieht nicht gemütlich aus in seinem Körper. Aber wenigstens kriegt er davon nicht so viel mit. Das ist auch gut.

v5elvet] raxin hat geantwortet


Liebe juniper,

dies ist erst das zweite Mal, dass ich einen Beitrag in diesem Forum wirklich komplett durchgelesen habe, weil es mich so ergriffen hat.

Ich möchte Dir nur kurz mein tiefstes Mitgefühl aussprechen. Ich wünsche Dir und Deiner Familie einfach nur, dass sich diese Situation so schnell wie möglich ins Positive wendet und ihr alle diesen Schmerz gelindert bekommen mögt.

Alles Liebe :)*

L%iT-tLe2x9 hat geantwortet


Auch ich lese täglich hier mit, weil ich auch einen HErzPapa zu Hause hab und ich weiss wie ihr momentan fühlt. Leider fehlen mir die Worte um euch ein wenig zu trösten! Aber eins sei gewiss, es gibt sicher viele Menschen die an euch denken, auch ich!

Ich wünsche euch liebe Menschen an eurer Seite und deinem Papa ein großes Kraftpaket :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* @:) @:) @:) @:)

Seit stark für euch und für deinen Papa!!!@:) @:) :)* :)* :)*

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