» »

Inderal 10mg, Betablocker für Prüfungsangst?

V&ato+LPoco hat die Diskussion gestartet


Nun, hatte so "panische" Angst vor den Semesterprüfungen, dass ich zu meinem Hausarzt ging. Ich habe ihm erzählt, dass ich bei der letzten Prüfung vor Angst einen rasenden Puls von bestimmt 180 Schläge/min hatte, denn ich bis in den Hals spürte. Darauf habe ich eine Angst vor der Angst entwickelt. Klar es ist ein psychisches Problem. Nun, um Stress bei der Prüfung vorzubeugen und um mich 100% nur auf die Prüfung konzentrieren zu können bekam ich Inderal 10mg.

Vor der Prüfung jeweils einnehmen, oder halt noch eine zweite während der Prüfung, falls es nicht besser würde. Nun, ich ging an die Prüfung, habe diese jedoch nicht geschluckt, vielleicht aus Respekt vor Nebenwirkungen, obwohl mir der Arzt gesagt hat, dass ich sie vertragen werde. In dieser Dosis sei das unbedenklich und ist ja nur für ein paar Prüfungen. Absetzen wäre also auch kein Problem.

Trotzdem nahm ich sie nicht, atmete tief durch, blieb rational und habe die Prüfung auch ohne geschafft. Meine Frage ist nun, wäre es unbedenklich gewesen diese zu nehmen? Ich muss auch mal einen Vortrag halten und habe mir gedacht, evtl mal eine zu nehmen. Wie sieht ihr das? Klar, keine Lösung auf Dauer. Aber ich arbeite an mir und begebe mich in solche Situationen, die mir Angst machen trotzdem. Und will dies ja auch ohne Betablocker können und Medikamente. Nun geht es mir bloss um solche "einmalige" Angelegenheiten, die halt sehr wichtig und entscheidend sind für die Zukunft.

Liebe Grüsse

Antworten
Sfunf\lowqer_x73


Ich würde sagen: Vorsicht!

Immerhin ist ein Betablocker "harmloser" als wenn Dein Arzt Dir ein Benzodiazepin verordnet hätte. Außerdem kenne ich Professoren, die vor wichtigen Vorträgen (internationale Kongresse) zumindest anfangs mal einen Betablocker genommen haben.

Das Risiko liegt schlichtweg darin, dass man es als "Krücke" sieht und die Gefahr besteht, immer mehr Situationen, in denen man aufgeregt ist, damit zu bewältigen. Statt sich mit seinen Ängsten auseinander zu setzen (Versagen, Blamage,...).

So ein bisschen deutet es sich bei Dir ja schon an: Prüfung ohne geschafft... aber vielleicht gibt's mal eine Vortragssituation... Merkst Du dir Logik?

Wenn Du DAS Risiko sehr bewusst hast, spricht nichts dagegen, AUSNAHMESITUATIONEN mit Betablocker zu bewältigen. Nur dürfen keine alltäglichen Herausforderungen zu diesen Ausnahmesituationen gehören.

Und:

Solche Mittel NIEMALS zum ersten Mal IN der Situation probieren. Immer mal vorher antesten, wie man überhaupt darauf reagiert. Ein Kollege von mir hat da mal eine unschöne Erfahrung gemacht, so dass er den ach-so-wichtigen Kongressvortrag wg. Nebenwirkungen kaum halten konnte.

V)a9tocLocxo


Danke für deine Antwort Sunflower.

Du hast völlig Recht, wenn du sagst, es deutet sich bei mir schon an. Ja, leider tut es dies. Ich stelle mir halt schon vor, dass ich Herzrasen haben werde bei dem Vortrag. Jedoch kämpfe ich dagegen an, wie bei der Prüfung, und konnte mich beruhigen. Als es losging, war ich dann völlig ruhig , da ich nicht mehr mit der Angst, sonder mit der Prüfung selbst beschäftigt war.

Was mich interessiert ist: Was könnten denn die Nebenwirkungen schlimmstenfalls sein? V.a. hat mein Arzt mir nichts von denen erzählt, weil er meinte, dass dies kaum möglich ist bei so einer Menge. Und Inderal sei nicht nur spezifisch für das Herz und kein starker Betablocker.

Wenn ich also mal wieder in so einer Situation bin, und einen schlucke. Wie wirkt sich das aus? Ich habe ja auch ab und zu Extrasystolen. Kann ein Betablocker diese auslösen? Er ist ja v.a. gegen diese auch gut, soweit ich weiss.

Mein Hausarzt meinte halt, einfach eine nehmen sei kein Problem vor der Prüfungen. Halbe Stunde vorher einfach eine Tablette. Und 10 mg scheinen mir halt wirklich nicht viel.

Ich stimme dir auch völlig zu, es darf nicht sein, dass ich diese bei Alltagssituationen nehmen würde. Will ich auch nicht, werde ich auch nicht. Ich übe mich mit Atemtechniken, Affirmationen etc. Das hilft schon ganz gut, Übungssache halt. Je mehr ich solcher Situationen meistere, desto mehr verfliegt diese Angst und ich nehme die Situationen wieder normal hin.

LG

CDha-T.u


Hallo, VatoLoco,

Betablocker sind keine Beruhigungsmittel und sollten auch nicht als solche missbraucht werden. Du hast also mit Deiner Skepsis durchaus Recht gehabt und Du hast ja auch gesehen, dass es auch ohne geklappt hat.

Ich sehe mit GROSSEM Unbehangen, dass hier immer öfter User schreiben, die BB als Beruhigungsmittel verschrieben bekommen oder es als solches einnehmen. Ich halte das für sehr bedenklich. Betablocker sind hochpotente Herz- und Blutdruckmittel und nur als solche sollten sie verwendet werden.

Gegen die Prüfungsangst solltest Du verhaltenstherapeutisch etwas unternehmen, sofern noch weitere Prüfungen anstehen.

Schönen Gruss

Cha-Tu

V|atoWLocxo


Ich kann deinen Unmut sehr gut nachvollziehen. Das macht mir ja eben Angst, diese zu nehmen: Die Gewissheit, dass Betablocker eigentlich von Herzkranken eingenommen werden und ihnen helfen. Was also habe ich als Mensch mit gesundem Herzen mit Betablockern verloren?! Es könnte ja genau deswegen zu Nebenwirkungen kommen, obwohl mein Arzt ja meint, es würde mich beruhigen und den Puls niedrig halten.

Was wenn ich aber eine Bradykardie bekomme? Obwohl ich aufgrund der geringen Menge davon ausgehe, dass dies eigentlich nicht eintreten soll.

Inwiefern sind Betablocker für dich medizinisch bedenklich? Ich meine dies in Bezug auf herzgesunde Menschen, die Betablocker einnehmen. Was könnte schlimmstenfalls geschehen, v.a. bei solch einer Dosis?

LG

Cuha%-Txu


Hallo,

es ist in der Tat eine Mini-Dosis, und Nebenwirkungen sind eher nicht zu erwarten. Aber eben auch nicht ausgeschlossen.

Was wenn ich aber eine Bradykardie bekomme?

Ist zwar unwahrscheinlich bei so einer geringen Dosis, aber eben auch nicht auszuschliessen. Ebenso wenig auszuschliessen sind ein Abfall des Blutdrucks oder (paradoxe Reaktion) ein Anstieg desselben.

Inwiefern sind Betablocker für dich medizinisch bedenklich?

Aus den oben genannten Gründen. Mir ist auch nicht bekannt, dass BB zur Beruhigung zugelassen sind. Der Wirkstoff Propranolol wird manchmal zur Unterstützung in der Psychotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung verwendet, da mag das sinnvoll sein, aber nicht bei Angstsymptomen. Obwohl ich generell bei der Medikation bei psychischen Problemen vorsichtig und sehr zurückhaltend bin, würde ich persönlich eher eine minimale Dosis eines Tranquilizers bei Prüfungsangst nehmen als einen Betablocker (wenn ich herzgesund wäre). Ich selbst nehme seit 20 Jahren Betablocker, aber ich bin auch herzkrank.

Was könnte schlimmstenfalls geschehen, v.a. bei solch einer Dosis?

Wie oben beschrieben: Pulsabfall, Abfall oder Anstieg des Blutdrucks. Und welche Reaktionen sonst noch möglich sind, lässt sich nicht abschätzen, da diese Mittel für eine bestimmte Krankheit (bzw. Krankheiten) vorgesehen sind und nicht für Herzgesunde. Man nimmt ja bei Durchfall auch kein Hustenmittel ein, selbst wenn es wirken würde. z.B. wirken einige Hustenmittel stopfend und kein Arzt käme auf die Idee, ein solches bei Durchfall zu verschreiben, eben weil man nicht weiss, welche Wirkungen auftreten könnten. Aber die Verschreibung von Betablocker als Beruhigungsmittel scheint wirklich allmählich "Mode" zu werden.

Schönen Gruss

Cha-Tu

VsatoLoxco


@ Cha-Tu:

Danke für deine Antwort. Mir ist einfach nicht klar, warum mir mein Hausarzt dann nicht Benzodiazepine gegeben hat für den "Notfall", sondern Betablocker. Betablocker seien unbedenklicher, hat er mir zugesichert. Nun, seis drum. Ich werde meine Finger möglichst davon lassen, es muss ja andere Wege geben seine Panik zu minimieren, ohne Medikamente.

Lg

CUha-Txu


Benzoediazepine machen nach recht kurzer Zeit abhängig, bei manchen schon nach 2 Wochen regelmässiger Einnahme. Davor haben viele Ärzte und Patienten Angst. Ich stimme Dir zu: Es gibt andere Wege, medikamentenfrei, um das in den Griff zu bekommen, z.B. Verhaltenstherapie.

Schönen Gruss

Cha-Tu

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Blut, Gefäße, Herz, Lunge oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Sportmedizin · Lungenkrebs


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH