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Plötzlich verwirrt nach ByPass-Re-OP/ Dehydratation

Tvrin-ityx001 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

mein Vater (64) hatte vor 14 Tagen eine Reoperation der Bypässe. Bis zum 12. Tag wurde er über einen Tubus beatmet und fast durchgängig sediert. Seitdem der Tubus draussen ist, ist er wach, kann essen und trinken (mit Hilfe). Sprechen ist aufgrund der Reizung der Stimmbänder noch problematisch, aber es war ok. Soweit machte er eigentlich einen guten Eindruck. Seit gestern morgen ist er allerdings aggressiv und verwirrt. Die Pfleger mussten ihn sogar fixieren. Gegen Mittag war meine Mutter da und wurde beschimpft (so kenne ich meinen Vater gar nicht). Als mein Bruder am Nachmittag noch mal dort war, war er immernoch verwirrt aber nicht aggressiv.

Die Ärzte vermuten(!) nun eine Dehydratation. Die Intensivstation ist nicht klimatisiert und die Hitze darin schon für einen Gesunden Menschen unerträglich, weil sie auch noch unter dem Dach ist. Mein Vater ist auch sehr hitzeempfindlich und schwitzt viel. Immer wenn wir dort waren haben wir ihm auch viel zu trinken gegeben, aber wir sind eben nicht den ganzen Tag dort um ihn mit Flüssigkeit zu versorgen.

Ist es wirklich möglich, dass mein Vater auf einer Intensivstation dehydriert? Oder können das verspätete Nachwirkungen der Op sein? Er wird ja zusätzlich noch über einen Zugang mit Flüssigkeit versorgt. Oder muss die Flüssigkeitsmenge dort möglichst gering gehalten werden, um nicht noch mehr Wasser im Körper anzulagern (zur Zeit hat er noch mit Wasser in Beinen, Armen und Lunge zu kämpfen)?

Ansonsten entwickelt er sich eigentlich gut, die Entzündungswerte (Lungenentzündung als Nebenwirkung des Tubus') sinken weiterhin und er hat auch kein Fieber mehr.

Uns ist bewusst, dass nach einer solchen OP und der langen Beatmungszeit, eine Verwirrtheit auftreten kann, aber kann das auch verzögert auftreten oder ist das wirklich eine Dehydratation? Wenn ja, wie kann sowas auf einer Intensivstation passieren?

Danke fürs Lesen und jede Hilfe.

Antworten
tJatuxa


Klingt für mich nach Durchgangssyndrom.

[[http://www.lebertransplantation.eu/das-durchgangssyndrom.html Hier]] mehr Infos dazu.

Es ist nicht ungewöhnlich für Menschen die lange sediert/narkotisiert/beatmet waren.

Coha-xTu


Trinity,

das ist nicht ungewöhnlich und in sehr vielen Fällen bildet sich das vollkommen zurück.

Alles Gute für Deinen Vater

Cha-Tu

TXrini>tyP00x1


Danke Euch beiden.

Ja, ich habe auch schon gelesen, dass das nicht ungewöhnlich ist nach einer solchen OP und es hätte mich auch nicht so sehr beunruhigt, wenn das sofort nach dem Aufwachen passiert wäre. Aber er war ja zwei Tage lang 'gut dabei' und plötzlich das. ist das auch noch normal?

Die Ärzte selber sprechen ja auch von einer Dehydratation und nicht vom Durchgangssyndrom.

Ich gebe auch offen zu, dass ich der aktuellen Intensivstation nicht traue (er wurde nach sieben Tagen von der chirurgischen Intensiv auf die innere Intensiv verlegt). Es ist dort wirklich heiß, das Fenster ist die ganze Zeit offen, direkt unter einen Flachdach, draussen ist eine sehr laute Baustelle (an der Klinik wird angebaut). Die Betreuung ist wesentlich schlechter als bei der ersten Intensiv und zur Kühlung der Patienten machen die nichts ausser einen feuchten Lappen auf die Stirn zu legen. Bei Nachfragen nach dem Status, wird dort auch gerne mal vom Stationsarzt/ärztin zickig reagiert.

"Wir" fühlen uns dort nicht gut aufgehoben, weil ich auch denke, dass gerade bei Herzpatienten eine solche Hitze vermieden werden müsste. Oder sehe ich das zu eng?

C/hax-Tu


Selbst wenn Eure Bedenken berechtigt wären, würdet Ihr das sicherlich nicht ändern können. Da hilft nur, versuchen, eine Verlegung in ein anderes KH zu bewirken oder direkt in eine Reha.

Alles Gute

Cha-Tu

tcattu[a


Dehydration ist ja auch eine der Ursachen eines Durchgangs...

Der Abbau der Medikamente ist ein weiterer...

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich diese Symptomatik erst einige Tage nach dem Aufwachen entwickelt.

Allerdings ist eine laute, heiße Station sicher kein guter Ort für einen Menschen, der verängstigt, desorientiert und dadurch aggressiv ist.

Der Zustand deines Vaters ist beängstigend für euch, da ist Zickigkeit von Seiten der Stationsärztin nicht angebracht.

Im Zweifel würde ich die Treppe mal von oben fegen und das Gespräch mit Oberarzt/ -ärztin suchen.

d$s1quarr1edx2


So oft wie möglich Euren Vater besuchen kommen und pflegen. Kocht ihm Suppen (Reissuppe) oder andere leicht verdauchliche Gerichte, die er mag. Obst kann auch nie Schaden. Nach einer OP ist die Pflege sehr wichtig.

Die Schwestern auf der Intensivstation haben einen sehr harten Job und die Ärzte dort sind auch immer im Stress (OP-Assistens, Stations-Wache).

Meistens sind die Ärzte immer noch nur Spezialisten fürs operieren. Das Menschliche und die Pflege überlassen sie dann ausschließlich den Schwestern. Diese haben aber genug zu tun, um die Bettpfannen und das Nötigste der jeweiligen Patienten zu erledigen.

Auf der Intensivstation gilt manch mal eben nur, solange kein akuter Notfall wieder eintritt, den Patienten nach Schema F zu bearbeiten.

Das dann natürlich jeder Patient individuell anders reagiert bei der Genesung, ist dann erst mal unwichtig. Solange es wie gesagt nicht zum Notfall kommt.

Versucht vor allem Kontakt mit den Schwestern aufzubauen. Zum beispiel vor, während und nach dem Mittagessen. Abends beim Abendessen klappt es auch sehr gut. Die Stationsärzte sind meistens eh nur Ässistensärzte und haben kaum Ahnung und Befugnisse.

Eine zupackende Schwester hat da schon mehr Erfahrung und kann einem da noch mehr helfen. Die Durchwahl der Station habt ihr. Dann könnt ihr auch zur Not auch melden.

Gebt Euren Vater die Zeit, um zu genesen. Es wird immer mal kleine Rückschritte geben. 2 Tage nach der OP, lassen die Medikamente nach und der Körperr und die Psyche merkt dann erst, dass er unter extremen Stress stand. Zumindest hat Euer Vater noch genügend Energie, um aggressiv zu sein.

Redet mit ihm und beruhigt ihn. Kümmert Euch um ihn.

TTriVnity0x01


Hallo,

Vielen Dank für Euren Zuspruch. Ich war heute da und es war schon sehr schlimm für mich. Gut eine Stunde waren wir dort, er hat wieder viel getrunken und zu 90% wirr geredet. Dazu kamen auch optische Hallizinationen. Ingesamt wirkte er nicht verängstigt, hatte aber ein hohes Mitteilungsbedürfnis über Dinge, bei denen wir nicht mitreden konnten, da sie phantasiert waren. Zusätzlich ist er noch immer schwer zu verstehen.

Wir gehen aber inzwischen auch eher von einem Durchgangssyndrom aus, als von einer reinen Dehydratation.

Das Gespräch mit dem Oberarzt hatten wir bereits am Sonntag geführt, nachdem die Stationsärztin meinen Bruder so angefahren hat. Danach hatten wir kein nennenswertes Gespräch mehr mit Ärzten. Obwohl sich die Situation ja sehr geändert hat (Vater wach, Tubus raus). Die Pfleger dort machen einen guten Job, da kann ich nichts sagen. Aber die Gesamtsituation dort ist eher nicht so vertrauenserweckend. Und die Pfleger scheinen auch am Limit bei der Hitze.

Die OP ist jetzt 14 Tage her und das Aufwachen 3 Tage. Vielleicht sind wir wirklich zu ungeduldig, da es uns vorkommt wie ein halbes Jahr. Wir waren darauf so nicht vorbereitet und wir sind ebenfalls am Limit unserer Belastungsrenze. Der Besuch heute war für mich sehr schlimm und ich bin nur noch am Weinen. Und immer bleibt die Befürchtung, dass es so bleibt... :-(.

TNrinitxy001


@ tatua

Vilen Dank für den Link. ich bin erst jetzt dazu gekommen, ihn vollständig zu lesen. Aber das hilft ein wenig.

dcsqu<aredm2


Meine Erfahrung ist auch, dass sich der Patient/Angehörige sicherer fühlt, wenn Familienangehörige anwesend sind. Zum Mittagessen oder Abendessen wäre also gut wenn jemand anwesend ist. Die Schwestern flitzen ja meistens nur kurz durchs Zimmer und sind schon wieder weg ohne ein Wort zu sagen. Niemand ist da um zu reden oder mal die Hand zu halten.

Und dann noch die ganzen Geräte, die piepen. Da kann man sich an Patient schnell verloren vorkommen. Vielleicht bringt ihr ihm auch Gegenstände mit, die ihm vertraut sind. Photos, Decke/Kissen oder ein Statue.

Und viel trinken ist natürlich auch wichtig.

tSatuMa


@ trinity

Die gute Nachricht ist, dass diese Geschichte Durchgangssyndrom heißt, weil es oft passager ist.

In manchen Fällen bleibt bei den Menschen eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Demenz, aber das muß nicht so sein.

Alles was vertraut ist und Sicherheit gibt, hilft deinem Vater.

Wichtig für euch... sorgt für euch selbst und macht auch mal Pause – sonst klappt ihr am Ende mit ab... :)_

Teri}ni0ty0x01


Wir dürfen erst ab 14 Uhr rein. Zwar sind unsere Chefs schon sehr loyal, aber wir müssen eben auch arbeiten. Ich werde das aber mal mit meinem Bruder besprechen, wie wir da weiter vorgehen. Es ist sicherlich gut zu wissen, dass wir auch aktiv etwas tun können, was ihm hilft. Danke.

TBrin'ity0x01


@ tatua

Ja, ich hoffe, es ist auch wirklich das Durchgangssyndrom. Es ist nun seit fünf Wochen ein Eiertanz zwischen unserer Gesundheit und der meines Vaters. Und jedes Mal, wenn wir denken, es würde besser, kommt eine schlechte Nachricht. Mein Bruder gönnt sich leider keine Auszeit und weint nur noch, wenn er zuhause ist, ist aber im KH sehr ruhig. Und zwei Mal täglich für eine Stunde dort. Mich wirft jeder Besuch so dermassen aus der Bahn, dass ich es tagelang nicht mehr schaffe hinzugehen und dann ein schlechtes Gewissen bekomme.

Das mit den persönlichen Dingen werde ich aber ansprechend.

djsqua$rxed2


5 Wochen ist natürlich sehr hart. Und die Rückschläge.

Vielleicht habt ihr ja jemanden im Freundeskreis, der etwas älter ist und Euch emotional etwas stützen kann. Kann auch die netter ältere Nachbarin sein. Machen sich ja viele Leute sorgen.

Tzri1nPity00x1


Eigentlich sind es schon sechs Wochen. Mein Vater wurde in einer Situation operiert, die ohnehin schon lebensbedrohlich war. Erfolgschance der OP lag bei 50:50. Nach einem Verschieben des OP-Termins seitens des KHs (erst 9.8., dann 22.08, letztlich 11.08.) musste er dann doch ganz plötzlich operiert werden und wir erfuhren erst am Nachmittag, dass er schon in der OP ist. Während mein Vater sich vorher nur über die Zeit nach der OP Sorgen machte, haben wir nur bis zur OP gedacht und geglaubt, danach würde alles besser. Hätten wir ihm mal geglaubt, der weiß sonst schon wovon er redet :-).

Und gestern hatte er Geburtstag :-(.

Unterstützung ist schwierig. Mein Vater ist sehr stolz/eitel und er hat schon Probleme damit, dass wir Kinder ihn so sehen. "Fremde" Leute könnte er zur Zeit wohl nicht um sich herum ertragen. Seine Brüder sind emotional nicht in der Lage ihn so zu besuchen. Mein Bruder bekommen Unterstützung durch einen befreundeten Arzt und natürlich seine Freundin, was sehr hilfreich ist, ihm aber auch nicht den inneren Zwang abnimmt, meinen Vater ständig besuchen zu müssen. Und ich? Naja, ich bin in der Woche allein (wir führen eine Wochenendbeziehung). Das Wochenende nutze ich also zum Auftanken, müsste ich aber eigentlich zum Besuchen meines Vaters nutzen, da schlägt dann wieder das schlechte Gewissen zu, was wiederrum das Auftanken verringert. Mein Freund kann leider auch nur schlecht zu mir (und damit zu meinem Vater) kommen zur Zeit. Und in der Woche packe ich das "alleine" mit den Besuchen nicht auch noch. Freunde können das alles nur schwer auffangen.

Aber was soll's, da müssen wir jetzt durch und vielleicht hat sich das ja heute auch schon gebessert.

Wie ist das eigentlich? Verschwindet das Durchgangssysndrom ganz plötzlich oder eher schleichend?

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